Katholische Engellehre: (36). Die bösen Geister, ihre Sünde und ihr Sturz. (4) Sünde der Engel war Superbia (iii)

Eine ziemlich verbreitete jüdische Überlieferung (Philo, De gigant. 3; Flavius Josephus, Antiq. I, 3, 1; Buch Henoch 6), die sich hartnäckig in der Gnosis und in der Kabbala hält, nahm unter Missdeutung von Genesis 6,2 (sahen die Gottessöhne, wie schön die Menschentöchter waren, und sie nahmen sich von ihnen Frauen, wie es ihnen gefiel.) an, dass die Engel wegen einer Fleischessünde verdammt worden seien. Mehrere Väter (Justinus Apol. II, 5, 3; Tertullian De idol. 9; De hab. mul. 2; Klemens v. Alex, Paed. III, 2, 14; Strom. III, 7, 50 usw.) sind dieser Meinung gefolgt. Sie beruht, so Diekamp-Jüssen, vor allem darauf, dass die „Gottes Söhne“ im hebräischen Originaltext, in der Septuaginta „Engel Gottes“ heißen. Dass, so Diekamp-Jüssen, diese These unhaltbar ist, erhellt sich daraus, dass der Fall der Engel schon vor der Sünde Adams erfolgt ist und die rein geistige Natur der Engel eine Sünde des Fleisches ausschließt (Summ. Theol. 1 q. 63 a. 2). Die späteren Väter verstehen unter den „Gottessöhnen“ nachkommen Seths.[1]

Incubus und Succubus

Diese beiden scheinbar widersprüchlichen Ansichten, wonach (1) die Sünde der Engel geistiger Natur gewesen ist und (2) die gefallenen Engel mit Frauen fleischliche Sünden begangen haben, lassen sich, unserer Meinung nach, verknüpfen, da wir meinen, dass Diekamp-Jüssen in seiner Deutung den Stricken des Rationalismus erliegt. Zwar sind die Engel nicht aufgrund einer Fleischessünde gefallen, denn ihre Sünde war, wie bereits dargestellt wurde, rein geistigen Natur, aber es ist nicht auszuschließen, dass sie Fleischessünden mit irdischen Frauen begannen haben, der leider auch heute das Phänomen des Incubus – ein männlicher Dämon –  oder Subcubus/Succubus – ein weiblicher Dämon – bekannt ist. Damit sind sexuelle Annäherungsversuche der Dämonen, spricht der gefallenen Engel, gemeint, die bis zur Vergewaltigung hin gehen können. Obwohl die Dämonen weder weiblich noch männlich sind, so geben Sie sich doch für geschlechtliche Wesen aus, um die verschiedenen Geschlechter verschieden quälen zu können.

Die Kirchenväter (Aug, De. Civ. Dei., XVI, cap. 19) und Theologen untersuchten diese Phänomene (Summ. Theol. Ia, q. 51. 3 ad 6), sodass sie in der theologischen Literatur nicht unbekannt sind. Sogar im Kapitel De Defectibus in Celebratione Missarum Occurentibus – „Von den Fehlern, die bei der Zelebration der Messe auftreten können“, dass sich in einem jedem Vetus Ordo Meßbuch finden lässt, ist im Abschnitt 9.5, der vom nächtlichen Samenerguss handelt (Pollutio nocturna) von diabolica illusio – „der diabolischen Illusion“ die Rede,[2] welche die Ursache der nächtlichen Pollution sein kann. Und diese diabolische Illusion ist nichts anderes als der Succubus. Wir zitieren dieser Stelle aus der Summe des hl. Thomas, wobei zu erwähnen ist, dass der erste Teil, der vom Dämonensex handelt in der deutschen Übersetzung in der Bibliothek der Kirchenväter interessanter-, aber nicht überraschenderweise ausgelassen wurde.

Ad sextum dicendum quod, sicut Augustinus dicit, XV de Civ. Dei, multi se expertos, vel ab expertis audisse confirmant, Silvanos et Faunos, quos vulgus incubos vocat, improbos saepe extitisse mulieribus et earum expetisse atque peregisse concubitum. Unde hoc negare impudentiae videtur. Sed Angeli Dei sancti nullo modo sic labi ante diluvium potuerunt.

Zum sechsten [Argument] muss man sagen, was auch Augustinus berichtet (XV de Civ. Dei), dass manch einer erzählt, dass er es selbst erfahren hat  oder es gehört hat,  von denen die es erfahren haben,  dass Silven und Faunen, die der Erfolg Incubus nennt, oft  Frauen sexuell belästigen und  Sex von ihnen verlangen oder Geschlechtsverkehr mit ihnen  zu haben  pflegen. Dies zu verneinen wäre unklug. Aber die heiligen Engel Gottes konnten dies in keiner Weise vor der Sintflut tun.

Unde per filios Dei intelliguntur filii Seth, qui boni erant, filias autem hominum nominat Scriptura eas quae natae erant de stirpe Cain. Neque mirandum est quod de eis gigantes nasci potuerunt, neque enim omnes gigantes fuerunt, sed multo plures ante diluvium quam post. Si tamen ex coitu Daemonum aliqui interdum nascuntur, hoc non est per semen ab eis decisum, aut a corporibus assumptis, sed per semen alicuius hominis ad hoc acceptum, utpote quod idem Daemon qui est succubus ad virum, fiat incubus ad mulierem; sicut et aliarum rerum semina assumunt ad aliquarum rerum generationem, ut Augustinus dicit, III de Trin.; ut sic ille qui nascitur non sit filius Daemonis, sed illius hominis cuius est semen acceptum.

VI. [Ab hier übersetzt die Bibliothek der Kirchenväter schon richtig] Unter den „Söhnen Gottes“ werden an dieser Stelle die Kinder Seths verstanden und unter den „Töchtern der Menschen“ jene, welche aus dem Geschlechte Kains waren. Und es ist das nicht wunderbar, daß daraus Riesen geboren werden konnten; es waren nämlich nicht alles Riesen. Es existierten deren aber vor der Sündflut weit mehr wie nachher. Damit kann jedoch bestehen bleiben, daß nicht sowohl die Engel als vielmehr die Dämonen über den Samen irgendwelche Gewalt haben; wie sie ja auch Gewalt besitzen über die Erzeugung anderer Dinge. Dann bleibt aber der so geborene Mensch immer der Sohn jenes Menschen, von dem er gezeugt worden; und ist nicht ein Sohn des Dämon. (Vgl. 15. de Civ. Dei c. 13. et 3. de Trin. c. 8. et 9.)

Soweit das Zitat aus der Summe des Aquinaten samt der Quelle bei Augustinus. Es stellt sich aber natürlich die Frage:

Kommt so etwas wirklich vor? Ja, es kommt vor.

DSDZ weiß es ganz sicher, weil er Leserinnen hat, die so etwas erfahren, manche Leser auch, die ihn dann anschreiben, um Hilfe zu erbitten. Es sind keine sexuellen Träume, es sind wirkliche Erlebnisse, nach welchen manchmal Schmerzen und Kratzspuren zurückbleiben. Nein, es ist leider kein Witz.

Was soll man dagegen tun?

Im Schlafzimmer vor dem Schlafengehen einen Exorzismus beten, das Nachtlager mit Weihwasser besprengen, ab und zu um 3:00 Uhr aufwachen und Nachtwachen halten. Das letzte hilft am besten, manchmal muss man es aber wirklich aushalten, weil wirklich nichts hilft. Ihr heiliger aber die Umgebung des Schlafenden und der Schlafende selbst ist, desto unangenehmer wird es für den Dämon diesen Menschen heimzusuchen.

Diese Phänomene sind und waren in der Kirche bekannt, sodass es im Manuale Exorcismorum von Eynatten aus dem Jahre 1618 es Gebete (Remedia spiritualia contra Succubos et Incubos) dagegen gibt.[3] Aber auch auf YouTube kann man Filmmaterial und Berichte von Menschen zu diesem Thema finden, weil diese Dinge immer häufiger vorkommen und Menschen nach Hilfe suchen, die sie früher von der Kirche erhalten haben. Da also auch heutzutage die gefallenen Engel Männer und Frauen in der Nacht sexuell belästigen, so ist es möglich, dass die Gefallenen nach der Sintflut die Frauen heimgesucht haben. Damit wäre also das Argument von Diekamp-Jüssen entkräftet, da eine Fleischessünde der Dämonen in Form des Incubus oder Succubus durchaus vorkommt, diese aber die Folge Sünde der Superbia ist.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 384.

[2] Missale Romanum ex decreto sacrosancti Concili Tridentini restitutum etc., De Defectibus in Celebratione Missarum Occurrenticus IX.5, Ratisbonae 1925, 107*.

[3] Eynatten, M. (ed.), Manuale Exorcismorum, Sensus Traditionis Press 2014, 237-239.

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