Katholische Engellehre: (38). Die bösen Geister, ihre Sünde und ihr Sturz. (4) Die Strafe folgte sofort.

Die Strafe folgte der Sünde sofort (Sententia fere communis)

Die Heilige Schrift macht keinerlei Andeutungen, dass Gott den Engeln etwa Gelegenheit zu Verkehrung gegeben habe, scheint dies vielmehr durch Lk 10,18 und 2 P 2,4 auszuschließen. Sie stellt Christus nur als Erlöser der Menschen dar.[1]

Da sagte er zu ihnen: Ich sah den Satan wie einen Blitz vom Himmel fallen. (Lk 10,18)

In der ersten Stelle sagt Christus selbst, dass er Satan augenblicklich, “wie einen Blitz“ vom Himmel fallen sah. Weil Christus, vor seiner Menschwerdung, in der Heiligen Dreifaltigkeit Zeuge dieses Ereignisses war, so können wir im Glauben.

Im zweiten Petrusbrief lesen wir hingegen:

Gott hat auch die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern sie in die finsteren Höhlen der Unterwelt verstoßen und hält sie dort eingeschlossen bis zum Gericht. (2 P 2,4)

Auch hier wird keine Zeit zur Buße oder Bekehrung angedeutet. Der Verstoß erfolgte sogleich.

Warum erhielten die gefallenen Engel keine Zeit zur Buße (spatium poenitentiae)?

Wahrscheinlich deswegen, weil sie im Gegensatz zu den Menschen keine zeitlichen Wesen sind. Wie wir bereits geschrieben haben, kommt den Engeln eine relative Sukzessionslosigkeit (aeviternitas oder aevum) zu, weil ihrer Substanz keiner Veränderung unterworfen ist (1 q. 62 a.5 ad 2; q. 63 a.6 ad 4).[2] Während wir Menschen Entscheidungen treffen, verändert sich  auch unsere Substanz, d. h. wir verändern uns selbst durch alle unsere Entscheidungen. Bei den Engeln nach der Probe ist es nicht der Fall. Sie verändern sich in ihrer Substanz nicht. Weil sich die Engel durch ihre Entscheidung selbst nicht verändert haben, sondern bei den gefallenen Engeln gleichsam eine Umkehrung der Vektoren – von „zu Gott hin“ zu „von Gott weg“ – stattgefunden hat, deswegen ist es in ihrem Falle unnötig, dass sie eine Zeit zur Buße oder zu Bekehrung erhalten sollten, da sie sich ohnehin in ihrer Substanz nicht verändern können. Die Engel trafen bei der Probe eine Entscheidung für die Ewigkeit, welche ihr ganzes weiteres Dasein bestimmte. Daher ist eine Erlösung der gefallene Engel durch Christus ausgeschlossen, sodass Origenes, der eine Wiederherstellung (Apokatastasis) des Teufels am Ende der Zeit annahm, Unrecht hatte, und rechtens verurteilt wurde. Christus ist also nicht für die Engel gekommen, sondern nur für die Menschen. Er wurde auch  nicht einer  von den Engeln, sondern einer von uns :  

4. Wer sagt oder daran festhält, das Wort Gottes sei allen himmlischen Ordnungen ähnlich geworden, indem es den Cherubim ein Cherub und den Seraphim ein Seraph wurde, kurz, indem es allen oberen Kräften ähnlich wurde, der sei mit dem Anathema belegt. (DH 406)

7. Wer sagt oder daran festhält, daß der Herr Christus, wie für die Menschen, so in der kommenden Weltzeit auch für die Dämonen gekreuzigt werden wird, der sei mit dem Anathema belegt. (DH 409)

9. Wer sagt oder daran festhält, die Strafe der Dämonen und gottlosen Menschen sei zeitlich und sie werde nach einer bestimmten Zeit ein Ende haben, bzw. es werde eine Wiederherstellung (Apokatastasis) von Dämonen oder gottlosen Menschen geben, der sei mit dem Anathema belegt. (DH 411)

Seien wir also froh, dass unsere Strafe nicht so voll erfolgt, sondern Gott so gütig ist uns ein ganzes Leben zur Bekehrung und Verbesserung zu geben.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 385.

[2] Ebd. 376.

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