Katholische Engellehre: (39). Die bösen Geister, ihre Sünde und ihr Sturz. (5) Folgen und Strafen der Engelsünde (i) Verblendung

Verfinsterung und Verblendung des Erkennens.

Man kann sich die Frage stellen, welche Folgen die Engelsünde für die Engel selbst hatte. Die Theologie zählt drei dieser Folgen auf:

  1. Verfinsterung und Verblendung des Erkennens.
  2. Vollständige Verhärtung und Verstocktheit des Willens, die sowohl Unbußfertigkeit als auch die Absicht, stets böse zu handeln, in sich schließt.
  3. Die wie ewige Verdammnis, das ist der ewige Ausschluss von der seligen Anschauung Gottes und die ewige Verstoßung in einen Zustand der Qual. [1]

Wenden wir uns dem ersten Punkt zu. Wenn der Fall die Engelsnatur als solche nicht verändert hat, wenn ihre Erkenntnis viel vollkommener als die menschliche ist, so kann man sich fragen, worin diese Verblendung und Verfinsterung eigentlich besteht.

Sie hat, so Diekamp-Jüssen, „ihren Grund nicht etwa in einem Verlust oder einer Verminderung der natürlichen Erkenntniskraft (die physische Einfachheit der Engelnatur lässt einen solchen Verlust oder eine solche Verminderung nicht zu), auch nicht in völliger Entziehung übernatürlicher Erkenntnisse, die ihnen sogleich im Beginn ihres Daseins mitgeteilt worden waren oder sie oder die sie später aus der Heilsgeschichte und den Prophetien kennenlernen konnten, sondern erstens in der der Verderbtheit des Willens, die eine Genauigkeit zur sittlich falschen praktischen Urteilen herbeiführt, und zweitens in der Entziehung alles ihren übernatürlichen Lichtes“.[2]  

Dies bedeutet,  dass der Engel  zwar genauso klar erkennt wie zuvor,  aber er ist nicht gewillt dieser Erkenntnis zu folgen, weil sein Ziel vom Guten auf sich selbst völlig umgekehrt worden ist. DSDZ versteht immer noch nicht, wie man etwas klar erkennen, wie zum Beispiel „Ich sollte mehr Sport treiben“ und dieser Erkenntnis nicht folgen kann. Wenn er selbst etwas erkannt hat, so hat das immer Konsequenzen für sein Leben, wenn seine Erkenntnis klar genug ist. Bei den meisten Menschen verhält es sich aber anders, sie erkennen etwas und das hat keine Konsequenzen für sie. Wahrscheinlich ist von dieser Art die Kenntnis der Dämonen. Diekamp-Jüssen spricht: „Nur eine natürliche und unfruchtbare Kenntnis übernatürlicher Wahrheiten und Tatsachen ist den Dämonen geblieben. Jakob 2,19: und Dämonen glauben und sie zittern. Es ist ein toter Glaube.“ DSDZ erinnert sich an seine Professoren, welche über diese Art staubtrockener Erkenntnis verfügten. Er wunderte sich, wie man solch ein Wissen, das ihm damals immens vorkam, haben kann, ohne sich daran zu erfreuen. In dem berühmten Schweizer Exorzismus sprechen die Dämonen, dass sie den ihren ein übernatürliches Wissen geben, welche die Betroffenen aber anscheinend nicht glücklich macht. Der Dämon kann nichts vermitteln, was er selbst nicht hat. Er ist unglücklich, so kann er niemanden glücklich machen.

Thomas von Aquin (Summ. theol.1 q. 64 a. 1; In libr. Dionysii de div. Nom. 4 lect 19.) fasst diese Wahrheit wie folgt auf:

Erster Artikel.
Die Vernunft der Dämonen ist nicht mit Rücksicht auf jede Wahrheit verdunkelt.

a) Die gegenteilige Behauptung stützt sich auf folgende Gründe:

I. Erkannten die Dämonen irgendwelche Wahrheit, so würden sie zuallererst sich selbst erkennen. Das aber wäre dasselbe wie rein geistige Substanzen erkennen; — und dies scheint eine solche Seligkeit in sich einzuschließen, daß manche in der Erkenntnis der Geist-Substanz die schließliche Seligkeit des Menschen sehen.

II. Falls die aufgestellte Behauptung richtig wäre, müßten die Engel zuvörderst das erkennen, was seiner Natur nach im höchsten Grade erkennbar ist, nämlich Gott. Bei uns freilich geschieht dies nicht, aber nur deshalb, weil unsere Vernunft, die von den Bildern der Einbildungskraft ihre Kenntnis empfängt, aus Schwäche nicht das offenbar am meisten Erkennbare auffasst; wie das Auge der Nachteule das Tageslicht nicht verträgt. Gott aber können die Dämonen nicht erkennen, trotzdem Er an sich an der Spitze aller Erkennbarkeit steht; denn sie haben kein reines Herz. Also erkennen sie auch nichts Anderes.

III. Das Morgenwissen kommt den Dämonen nicht zu; denn sie sehen die Dinge nicht im „Worte“. Das Abendwissen können sie auch nicht haben; denn dieses bezieht die erkannten Dinge auf das Lob des Schöpfers, weshalb Gen. 1 auf den Abend der Morgen folgt. Also haben sie gar kein Wissen.

IV. Die Engel erkannten in ihrer Kenntnis das Geheimnis des Reiches Gottes, (Augustin. 5. super Gen. ad litt. cap. 19.) Dieser Kenntnis aber ermangeln nun die Dämonen; denn „wenn sie Ihn gekannt hätten, sie würden niemals den Herrn der Herrlichkeit gekreuzigt haben“; heißt es 1. Kor. 2. Also sind sie aus dem gleichen Grunde auch aller anderen Kenntnis bar.

V. Was jemand weiß, das weiß er kraft seiner Natur, wie wir die ersten Principien; oder er weiß es, weil er es von einem anderen empfangen, wie wir das wissen, was wir erlernen; oder durch Erfahrung. Das erste ist nicht möglich; denn die guten Engel sind von den Dämonen getrennt worden wie das Licht von der Finsternis (11. de civ. Dei cap. 19.); jedes Offenbarwerden aber geschieht nach Ephes. 5. vermittelst des Lichtes. Das zweite findet nicht statt; denn die Dämonen lernen nichts von Gott oder von den Engeln, „da das Licht keine Gemeinschaft hat mit der Finsternis.“ (2. Kor. 6.) Das dritte ist ausgeschlossen, denn die Erfahrung ist auf die Sinne gegründet. Also kennen die Dämonen keine Wahrheit.

Auf der anderen Seite sagt Dionysius (4. de div. nom.): „Die Gaben, welche der Natur der Dämonen verliehen worden, sind ihnen nicht genommen worden, sondern dieselben sind ganz und gar noch in ihnen und haben ihren Glanz behalten.“

b) Ich antworte: Die eine Art Kenntnis der Wahrheit kommt von der Natur; die andere von der Gnade. Und letztere ist wieder eine doppelte. Die eine ist rein beschaulich und hat zum Gegenstande die Geheimnisse Gottes; die andere ist wirksam und bringt hervor die Liebe zu Gott. Die letztere wird im eigentlichen Sinne Weisheit genannt.

Die erste Art Kenntnis ist den Dämonen weder genommen noch in ihnen vermindert; denn sie folgt der Natur der Engel, welche eben Verstandeskräfte sind. Da nun ihre Natur einfach ist, kann sie nur sein oder nicht sein, aber abgezogen kann von ihr nichts werden; wie dem Menschen z. B. Hand oder Fuß abgenommen werden kann. Also ihre natürliche Kenntnis ist unvermindert.

Die zweite Art, die der reinen Beschaulichkeit, ist vermindert. Denn von den Geheimnissen Gottes wird ihnen nur so viel offenbart wie Gott für notwendig findet und zwar entweder vermittelst der guten Engel oder, wie Augustin sagt (9. de civ. Dei cap. 21.), „durch einzelne zeitliche Vorkommnisse, welche die göttliche Macht bewirkt.“ Damit ist aber nicht jene Klarheit verbunden, mit welcher die heiligen Engel diese selben Dinge im „Worte“ schauen. Die dritte Art Kenntnis haben die Dämonen nicht.

c) I. Glück und Seligkeit besteht darin, daß man sich dem zuwendet, was höher ist. Also für uns ist es eine etwelche Seligkeit, rein geistige Substanzen zu erkennen; denn sie sind über unser Sein erhaben. Das ist jedoch bei den Dämonen nicht der Fall, mit deren Natur alle rein geistige Substanzen auf der gleichen Stufe stehen; — ebenso wie es für den Menschen keine Seligkeit ist, die sichtbaren Dinge zu erkennen.

II. Nicht nur weil wir von den sinnlichen Bildern der Phantasie unsere Kenntnis empfangen, ist Gott als das seiner Natur nach im höchsten Grade Erkennbare von unserer Kenntnis in seiner inneren Substanz nicht erreicht; sondern weil Er in seiner Natur das natürliche Maß unserer Vernunft weit überschreitet. Letzteres ist aber auch bei den Dämonen der Fall. Sie können mit ihrer Natur die Substanz Gottes nicht erkennend erreichen; wenn sie auch wegen ihrer höheren Vollendung im natürlichen Erkennen Gott in seinen Wirkungen besser und tiefer auffassen. Und dieses Erkennen Gottes bleibt in ihnen. Denn wenn sie auch nicht die Reinheit der Gnade haben; so haben sie doch die Reinheit der Natur und diese genügt zu jener Kenntnis Gottes, welche aus der Natur geschöpft wird.

III. Die Kreatur wird als Finsternis bezeichnet mit Rücksicht auf die Helle des göttlichen Lichtes. Und so wird die Kenntnis der Kreatur, welche dieselbe durch ihre eigene Natur besitzt, Abendwissen genannt; denn der Abend ist noch immer mit etwas Licht verbunden. Fällt jedoch alles Licht fort, so ist Nacht. So hat die Kenntnis der Dinge also auf Grund der eigenen Natur, sobald sie zum Lobe Gottes hin bezogen wird, etwas von göttlichem Lichte; und heißt so Abendwissen. Wird sie aber nicht auf Gott hin bezogen, so heißt sie Nachtwissen. Deshalb wird in der Genesis gelesen, daß Gott trennte das Licht von der Finsternis und letztere „Nacht“ nannte.

IV. Das Geheimnis Gottes, das in Christo erfüllt worden, kannten vom Beginne an einigermaßen alle Engel; am meisten aber seit sie beseligt worden im Schauen des Wortes, was die Dämonen niemals besaßen. Jedoch erkannten auch die guten Engel es nicht vollkommen und nicht alle gleichmäßig; die Dämonen also noch weit weniger. „Denn es ward ihnen,“ sagt Augustin (9. de civ. Dei 21.), „nur bekannt, um sie durch einzelne zeitliche Wirkungen zu schrecken; nicht durch die Teilnahme an der Ewigkeit des Wortes, wie den heiligen Engeln.“ Hätten aber die Dämonen mit Sicherheit gewußt, Christus sei der Sohn Gottes, so hätten sie nie zur Kreuzigung des Herrn der Herrlichkeit mitgeholfen.

V. Die Dämonen erkennen die Wahrheit 1. vermittelst der durchdringenden Kraft ihrer Natur, die ihnen geblieben; 2. durch Offenbarung seitens der heiligen Engel; mit denen sie die Willensrichtung auf das Gute zwar nicht gemein haben, wohl aber die Ähnlichkeit der vernünftigen Natur, der gemäß sie empfangen können, was von anderen gezeigt wird; 3. durch die Erfahrung, zwar nicht gemäß den Sinnen; jedoch insofern sie in den einzelnen Dingen die Ähnlichkeit mit jener Idee sehen, welche ihnen mit ihrer Natur eingeprägt worden, und somit manches als gegenwärtig schauen, was sie nicht als zukünftig vorhererkannten. (Vgl. Kap. 57, Art. 3.)


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 385-386.

[2] Ebd. 385.

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