Katholische Engellehre: (40). Die bösen Geister, ihre Sünde und ihr Sturz. (5) Folgen und Strafen der Engelsünde (ii) Verhärtung

Verhärtung des Willens

In seiner Jugend ist der Schreiber dieser Zeilen mit Ereignissen in Berührung gekommen, welche ihm klar machten, dass es Menschen gibt, die das Böse um des Bösen Willens tun. Sie wissen, dass es böse ist, sie wissen, welchen Schaden sie anrichten, sie wissen, welche Konsequenzen und Opfer sie deswegen erleiden und erleiden werden, sie wissen, dass sie am Ende verlieren werden. Und sie tun es dennoch, mit Beständigkeit, mit Ausdauer, mit Bosheit. Das ist ungefähr die Einstellung, oder wie man auf denglisch sagt der Mindset eines Serienmörders, eines Serienvergewaltigers, eines bergoglianischen Sodomiten, eines diabolischen Narzissten. Manchmal fragt man sich, wie es möglich sei, dass ein Mensch so böse ist. Dies kommt daher, weil er seit längerer Zeit zu einer Brutstätte und einem „Gasthaus“, der Dämonen, wie sich die Kirchenväter ausdrücken, geworden ist. Man braucht wirklich diese höhere, die dämonologische Erklärungsebene, um manches verstehen zu können. Es sind die gefallenen Engel, die diese Menschen den Anteil an ihrer eigenen Weltanschauung gegeben. Sie geben ihm Anteil an ihrer eigenen Persönlichkeit und zeigen die Folgen ihres Falls. Dieser ist nämlich, wie Diekamp-Jüssen[1] es ausdrückt:

2. Vollständige Verhärtung und Verstocktheit des Willens, die sowohl in Unbußfertigkeit als auch die Absicht, stets Böses zu handeln, in sich schließt.

Betrachtet man die Prozesse von Schwerverbrechern, auch der klerikalen Kinderschänder, so entdecken wir exakt dieselbe Einstellung. Die Einstellung der gefallenen Engel, die hinter diesen Taten stecken, obwohl diese Menschen größtenteils nicht besessen sind, sondern dieser Taten aus freien Stücken verwirklicht haben. Denn auch bei einer Besessenheit bleibt der freie Wille erhalten. Aber woher kommt diese Verhärtung? Die „erste und hauptsächliche“ Quelle der Befestigung im Bösen ist die göttliche Gerechtigkeit, welche den bösen Engeln die Gnade vollständig entzieht (De verit. Q. 24 a.10). Nur Gnade könnte sie zu Bekehrung führen.“[2]  Dies bedeutet, dass die gefallenen Engel gleich alle Gnade, die wohl viel höher gewesen ist als diejenige der ersten Eltern, in einem Augenblick verloren haben. Weil Gott das Gute an sich und die Gnadenquelle ist, so wurden sie von dieser Quelle gleichsam abgeschnitten, sodass sie zu keinem Guten aus Gnade fähig sind.  

Die Lage eines Menschen nach einer schweren Sünde ist ähnlich, wenn auch weniger radikal. Durch eine einzige schwere Sünde verliert der Mensch die habituelle Gnade oder die Rechtfertigungsgnade (DH 1705), die aktuellen Gnaden, sowie den Tugendhabitus, d.h. jeglichen Gnadenzuwachs, den man vorher erworben hat.[3] Er ist sozusagen nackt, wie Adam im Paradies. dennoch ist er in der Lage „mit seiner natürlichen Erkenntniskraft religiöse und sittliche Wahrheiten zu erkennen“ (DH 2448;2441, 3004, 3026, 3537 ff). Er ist in der Lage sittlich gute Handlungen zu vollbringen (DH 1557: 1935, 1940, 2449), da zu ihrer Verrichtung die Glaubensgnade (DH 1925; 1298, 1922) und die aktuelle Gnade nicht erforderlich sind (DH 1927; 1937, 2439).[4] Die ist auch der Grund, warum auch ungläubige Menschen, Freimaurer, Satanisten und andere in der Lage sind ab und zu gute Werke zu verrichten. Diese Werke bleiben gut, sie sind aber nicht verdienstlich, d. h. wenn man sie verrichtet und sich nicht im Gnadenstand befindet, wie sehr viele sogenannte „wiederverheiratete Geschiedene“, die im Ehebruch leben, hat man keinen Verdienst vor Gott und landet in der Hölle.

Die gefallenen Menschen können also vielmehr als gefallene Engel, weil sie sich noch im sogenannten Stand der Pilgerschaft befinden, d. h. sie sind noch nicht gestorben und können sich immer noch bekehren. Aber für die gefallenen Engel „ist der Stand der Pilgerschaft […] beendigt, und so verbleiben sie unveränderlich im Bösen, das sie gewählt haben (De malo q. 16 a.5). Daran, dass Gott ihnen einen sie beherrschenden Habitus des Sündigens eingeflößt habe, darf selbstverständlich nicht gedacht werden. Es wäre aber unrichtig, die Tatsache, dass die bösen Geister nicht einmal zur natürlich guten Reue gelangen, mit den Scotisten  dadurch zu erklären, dass ihnen Gott außer der Gnade auch sogar den concursus generalis zu allem natürlichen sittlich Guten vorenthalte (De verit. 1. c). Der Grund der teuflischen Verhärtung ist nicht einzig auf Seiten Gottes zu suchen.“ Gott hat zwar ihnen die Gnade auf ewig entzogen, sie haben sich aber selbst in dieser Lage gebracht und haben die Konsequenzen zu tragen.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 385.

[2] Ebd.

[3] Premm, Katholische Glaubenskunde. Ein Lehrbuch der Dogmatik, Bd. IV: Gnade, Tugenden, Vollendung, Wien 1958, 254.

[4] Ott, Grundriss der Dogmatik, Bonn 2010, 336-337.

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