Katholische Engellehre: (42). Die bösen Geister, ihre Sünde und ihr Sturz. (5) Folgen und Strafen der Engelsünde (iii) Ewige Verdammnis

Die dritte und letzte Strafe und Folge der Engel Sünde lautet nach Diekamp-Jüssen wie folgt:

3. Die ewige Verdammnis, das ist der ewige Ausschluss von der seligen Anschauung Gottes und die ewige Verstoßung in einen Zustand größter Qual.[1]

Origenes (gest. 253) und seine Anhänger leugneten die Ewigkeit dieser Strafe, indem sie die allgemeine Rückkehr aller Geschöpfe zu Gott – die Apokatastasis – lehrten. Laut Origenes ist die Strafe der abgefallenen Engel und der bösen Menschen zeitlich begrenzt, denn am Ende der Zeiten wird sogar der Teufel erlöst und kehrt nach seiner Läuterung zu Gott zurück. Diese Lehre, die leider auch bei vielen von Origenes inspirierten griechischen Theologen der Alten Kirche übernommen wurde, wurde auf der Synode zu Konstantinopel 543 offiziell verurteilt:

9. Wer sagt oder daran festhält, die Strafe der Dämonen und gottlosen Menschen sei zeitlich und sie werde nach einer bestimmten Zeit ein Ende haben, bzw. es werde eine Wiederherstellung von Dämonen oder gottlosen Menschen geben, der sei mit dem Anathema belegt. (DH 411)

Dies ist, wohl bemerkt, keine Leugnung der Hölle, sondern der Ewigkeit der Hölle. Man könnte sagen, dass Origenes ein sehr langes Fegefeuer für die gefallenen Engel und verdammten Menschen vorsah. Die Verurteilung dieser Ansicht wurde erneut durch das vierte Laterankonzil (1215) in einem anderen Kontext ausgesprochen, wonach die verdammten Menschen „mit dem Teufel die ewige Strafe“ erleiden (DH 801).

Sie alle werden mit ihren eigenen Leibern auferstehen, die sie jetzt tragen, damit jene mit dem Teufel die ewige Strafe und diese mit Christus die immerwährende Herrlichkeit empfangen, je nach ihren Werken, ob sie gut waren oder schlecht. (DH 801)

Natürlich muss die Strafe der Dämonen und der Verdammten ewig sein, ansonsten gebe es kein Unterschied zwischen Gut und Böse und keine endgültigen Konsequenzen der Taten, bei Menschen wie bei Engeln. Die Verdammten würden so auf dem Umweg über die zeitlich begrenzte Hölle auch in den Himmel kommen. Sie würden gegen ihren Willen und ihre Entscheidung zum Guten, also zu der ewigen Nähe Gottes gezwungen werden. Die Lehre von der Apokatastasis widerspricht auch der Lehre von der Einmaligkeit der Entscheidung der Engel für oder gegen Gott am Anfang der Zeit. Denn, um zu Gott zu kommen und gerettet zu werden, müssten sie sich ja umentscheiden, was nicht möglich ist. Ihr Wille wäre also nicht „eingefroren“, wie die meisten Theologen annehmen, sondern wandelbar.

Aber die Lehre von der Apokatastasis ist auch unbiblisch, denn die Heilige Schrift spricht an mehreren Stellen von der Ewigkeit der Höllenstrafe. Die biblische Grundlage bilden besonders Matthäus 25,41.46

Dann wird er zu denen auf der Linken sagen: Geht weg von mir, ihr Verfluchten, in das ewige Feuer, das für den Teufel und seine Engel bestimmt ist! (Mt 25,41)

Und diese werden weggehen zur ewigen Strafe, die Gerechten aber zum ewigen Leben. (Mt 25, 46)

Jud 6:

Die Engel, die ihren hohen Rang nicht bewahrt und ihren eigenen Wohnsitz verlassen haben, hat er mit ewigen Fesseln in der Finsternis eingeschlossen, um sie am großen Tag zu richten. (Jud 6)

2 Petrus 2,4.

Gott hat auch die Engel, die gesündigt haben, nicht verschont, sondern sie mit Ketten in der Finsternis der Unterwelt verwahrt und sie als Gefangene dem Gericht übergeben. (2 P 2,4)

Die Väter lehnen mit wenigen Ausnahmen die Ansicht des Origenes ab. Zum Teil sind sie allerdings der Meinung, dass die höllische Qual erst beim Weltgericht eintrete und dass die bösen Geister bis dahin durch ihr boshaftes Treiben noch weitere Missverdienste sich zuziehen (z. B. Augustinus, De nat. boni c. Manich. 32 f.). Die Meinung des Augustinus ist nicht von der Hand zu weisen, da leider den bösen Geistern sehr viel Freiraum in der Welt gegeben wird. Es scheint, dass sie jetzt mehr vermögen als in vorigen Jahrhunderten.

Es ist wirklich bezeichnend, dass der vor langer Zeit verurteilte Origenismus gerade in unserer Zeit, um genau zu sein im 20. Jahrhundert aufzuleben begann, und zwar in den Werken der „Konzilsväter“ wie Congar, aber hauptsächlich bei Hans Urs von Balthasar. Das Motto „Hoffnung für alle“ wurde noch vor der bergoglianischen unbarmherzigen Barmherzigkeitslehre von vielen Theologen auf die Fahnen geschrieben. Sicherlich ist diese theologische Entwicklung häretisch von Anfang an, obwohl kaum jemand es anfangs so deutlich wie Origenes formulierte. Aber erst im Zuge dieser Entwicklung wird die Popularität der Falschmystik von Faustina Kowalska, da ja durch eine zeitlich begrenzte Hölle tatsächlich am Ende die Barmherzigkeit triumphieren würde. Dies ist aber falsch, denn am Ende wird die Gerechtigkeit triumphieren die Gott hauptsächlich sich selbst gegenüber schuldig ist. Eine zeitlich begrenzte Hölle mit der Allerlösung würde Gott in Widerspruch mit sich selbst stellen. Sicherlich ist die Lehre vom der Apokatastasis, wie alle Häresien, die modisch inspiriert, denn die Dämonen wollen möglichst viele Menschen in die Hölle ziehen, indem sie ihnen die falsche Barmherzigkeit vorspiegeln oder einzureden versuchen, dass es keine ewige Hölle gibt sondern, wie Bergoglio neulich meinte, eine „Annihilation der Seelen“ oder, wie Origenes behauptete, eine Hölle die zeitlich begrenzt ist.

Die positive Strafe der Dämonen kann keine poena sensus, d. h. keine Strafe der Sinne, sein wie die der verdammten Menschen, weil die Dämonen rein spirituelle Wesen sind. Aber sie leiden furchtbare Qual durch ihre Fesselung an das Höllenfeuer, durch ihr vergebliches Sich-Aufbäumen gegen ihren gesamten Zustand, durch die nie gestillten Sehnsucht nach Seligkeit und anderer aussichtsloser Wünsche, von denen sie erfüllt sind. Also immer wenn Sie, liebe Leserin oder lieber Leser, von den Gefühlen einer nie gestillten Sehnsucht, von aussichtslosen Wünschen oder von einem vergeblichen Sich-Aufbäumen übermannt werden, wenn die Intensität dieser Gefühle nicht natürlich erklärbar ist oder das Maß dessen übersteigt, dass durch die Umstände erklärbar wäre, dann können Sie davon ausgehen, dass ein gefallener Dämon Ihnen seinen eigenen Gefühlszustand mitteilt. Denn dieses möglich und am intensivsten erfahren dies die Besessenen oder die Umsessenen.  Es ist zwar anfangs schwer nachzuvollziehen, dass das, was wir fühlen nicht von uns kommt, sondern ein anderes Wesen sich unserer Gefühlswelt bemächtigt, aber das ist wirklich der Fall. Der Schreiber dieser Zeilen erfährt an sich selbst oft sehr intensive und unerklärliche Gefühlswallungen und stellt fest, dass sooft er sich denkt:

„Das bin ich nicht, dass es der Andere“

diese Gefühle momentan verschwinden. Aus der geistlichen Sicht ist es aber nichts Besonderes, denn schon die Wüstenväter wussten, dass ein entdeckter Dämon sofort verschwindet. Aus der somatischen Sicht ist es schon verwunderlich, da ein hormonell und neutral verwurzelter Gefühlszustand eine bestimmte Zeit braucht, um sich aufzubauen und abzubauen. Im Falle der Versuchungen aber kommt es plötzlich und verschwindet ganz plötzlich wieder.

Der heilige Thomas von Aquin beschreibt den Zustand der dämonischen Hoffnungslosigkeit wie folgt (Summ. Theol. q. 64 a. 3)

Dritter Artikel.
Die Dämonen haben Schmerz.

a) Das scheint nicht so. Denn:

I. Freude und Schmerz sind einander entgegengesetzt. In den Dämonen aber besteht Freude; denn Augustin (de Gen. contra Manich. lib. 2. cap. 17.) sagt: „Der Teufel hat Gewalt über jene, welche Gottes Gebote verachten und an einer solchen Gewalt hat er seine Freude.“ Also ist in ihnen kein Schmerz.

II. Der Schmerz ist die Ursache der Furcht. Denn das fürchten wir, was uns Schmerz macht. Die Dämonen aber haben keine Furcht; denn bei Job 41, 24. heißt es: „Er ist gemacht, daß er keinen fürchte.“

III. Schmerz haben über das Übel ist gut. Die Dämonen aber haben nichts Gutes in ihrem Willen. Also können sie keinen Schmerz haben über das Übel der Schuld und somit haben sie wenigstens nicht den Wurm des Gewissens.

Auf der anderen Seite ist die Sünde des Teufels größer wie die des Menschen. Der Mensch aber wird für die Sünde durch den Schmerz bestraft: „So viel er in Ergötzlichkeiten war und sich groß gemacht hat, soviel gebet ihm Qual,“ heißt es Apok. 18, 7.

b) Ich antworte, daß Furcht, Schmerz, Freude u. dgl., insoweit sie Leidenschaften der Sinne sind, in den Dämonen nicht sein können; denn sie sind dann ein Begehren des sinnlichen Teiles. Soweit sie aber einfache Willensakte bezeichnen, können sie in den Dämonen sich vorfinden. Und zwar muß der Schmerz notwendig in ihnen sein. Denn als einfacher Willensakt ist er eben nichts Anderes als das Widerstreben des Willens gegen das, was ist oder nicht ist. Offenbar aber wollen die Dämonen, daß vieles sei, wie es nicht ist; und daß vieles nicht sei, wie es ist. Sie wollten nämlich in ihrem Neide, daß jene verdammt würden, welche gerettet werden. Und zumal noch gehört es zur Natur der Strafe, daß sie dem Willen widerstrebt. Also muß in ihnen Schmerz sein. Denn sie begehren kraft ihrer Natur die Seligkeit, deren sie ermangeln; und in vielem Anderen ist ihr Willen gehindert.

c) I. Freude und Schmerz über ein und dasselbe sind sich entgegengesetzt; aber nicht über Verschiedenes. Denn es kann jemand über das eine trauern und zugleich über etwas anderes sich freuen. Selbst in derselben Sache zudem kann, wenn der einfache Willensakt in Betracht kommt, eine besondere Beziehung bestehen, welche Schmerz, und zugleich eine andere, die Trauer verursacht.

II. In den Teufeln ist Schmerz über das, was sie haben und Furcht vor dem, was sie nicht haben. Die Worte Jobs aber sind von der Furcht Gottes zu verstehen, der die Sünde verbietet. Denn Jak. 2. heißt es: „Sie glauben und zittern.“

III. Schmerz haben über die Schuld an sich ist gut, soweit es auf den Willen ankommt; Schmerz haben aber über die Schuld wegen der daraus gefolgten Strafe ist gut, nur soweit es auf die innere Natur ankommt. So sagt Augustin (19. de Civ. Dei 13.): „Der Schmerz über ein verlorenes Gut ist ein Zeuge für die Güte der Natur.“ Da nun der Wille des Teufels verkehrt ist, so hat er keinen Schmerz über die Schuld an sich. Sein Schmerz aber bezeugt, wie groß das Gut der Vollendung seiner Natur ist, dessen Genuß er verloren hat.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Dämon leidet und sein Leiden anderen mitteilen will, um Menschen in seine eigene Leidensspirale hineinzuziehen. Es macht ihm Spaß andere zu quälen, wahrscheinlich deswegen, weil es ihn selbst von seinen eigenen Qualen ablenkt.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 386.

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