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Katholische Engellehre: (46). Zustand und Wirksamkeit der bösen Geister vor dem Weltgericht (III). Verursachung physischer Übel (ii).

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Laut der katholischen Lehre kann der Teufel auch die sogenannten physischen Übel (malum physicum) verursachen.

Was sind aber physische Übel (malum physicum)?

Das physische Übel (malum physicum) stellt den Gegensatz vom moralischen Übel (malum morale) dar. Während die Sünde als das moralische Übel (malum morale) schlechthin durch den freien Willen und Verstand es Menschen herbeigeführt wird, sodass es ein wahres Übel darstellt, ist das physische Übel (malum physicum) alles, was unabhängig vom freien Willen als ein Übel stattfindet und in der Natur vorgegeben ist. Zum physischen Übel gehören:

  • Krankheiten,
  • Naturkatastrophen,
  • Missbildungen,
  • und Ähnliches.

Während aber die Kinder in den deutschsprachigen Ländern schon im Kindergarten lernen,

„dass man im Mittelalter annahm, dass Krankheiten und Katastrophen vom Teufel kommen“,

so ist es tatsächlich der Fall, da die Heilige Schrift selbst davon berichtet. Wir lesen darüber im gesamten Buch Hiob, aber auch an anderen Stellen.

Sie war sieben Männern zur Frau gegeben worden, aber der böse Dämon Aschmodai hatte sie getötet, bevor sie mit ihr zusammengekommen waren, wie es den Ehefrauen vorgeschrieben ist. (Tob 3,8)

Er entsandte über sie die Glut seines Zorns, Zorn und Grimm und Drangsal, Schickungen durch schlimme Engel. (Ps 77, 49 Allioli)

Der Bösewicht sucht immer Händel, aber ein erbarmungsloser Bote wird wider ihn entsendet werden. (Spr 17,11 Allioli)

Warum kennen wir diese Schriftstellen nicht? Nicht unbedingt deswegen, weil wir die Schrift nicht kennen, sondern deswegen, weil durch das Verlassen der Vulgata (der lateinischen Bibelübersetzung der Kirche) durch die landessprachlichen Übersetzungen immer mehr zensurierende Korrekturen am Text selbst vorgenommen wurden, was auch das nachfolgende Beispiel aus der Einheitsübersetzung belegt. Während es in der Vulgata und der ihr folgenden Allioli-Übersetzung heißt:

Er entsandte über sie die Glut seines Zorns, Zorn und Grimm und Drangsal, Schickungen durch schlimme Engel (immissiones per angelos malos). (Ps 77, 49 Allioli)

Lesen wir in der Einheitsübersetzung:

Er schickte gegen sie die Glut seines Zorns, Grimm und Wut und Bedrängnis, Boten des Unheils in Scharen. (Ps 78, 49 Einheitsübersetzung)

Die bösen Engel oder die schlimmen Engel (angeli mali) sind also aus der Einheitsübersetzung verschwunden, wohl deswegen, weil sie „dämonologisch inkorrekt“ sind. Nicht nur aus der Liturgie verschwand die „negative Sprache“, welche die Sünde, das Böse in der Welt und schließlich die Dämonen umfasste, sie verschwand ebenfalls aus der Heiligen Schrift selbst.

Die Aufgabe der Vulgata

Als DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) zum ersten Mal die Vulgata-Texte, wie sie im Tridentinischen Brevier vorkommen, las, so entdeckte er völlig neue Texte, die ihm vorher unbekannt waren, obwohl er die Bibel regelmäßig seit seinem 16. Lebensjahr Serie liest. Er las sie aber nicht in der nachkonziliaren landessprachlichen Übersetzung, welche nicht der Vulgata folgte. Daher kommt wohl die Aufmunterung zum nachkonziliaren „persönlichen Bibelstudium“, damit die Katholiken durch die verfälschte Schrift zu einer verfälschten Religion kommen, da sie ganz andere Bibeltexte als ihre Vorfahren lesen.

Was aber viele nicht wissen, ist der Umstand, dass die Vulgata, die vom heiligen Hieronymus aus dem Hebräischen und dem Griechischen ins Lateinische übersetzt wurde und bis zum Zweiten vatikanischen Konzil als die normative und liturgische Schriftversion galt, ganz andere Texte erhält, abhängig davon, ob sie in der hebräischen oder der griechischen Textfassung vorkommen. Dies betrifft hauptsächlich die Psalmen, aber auch viele deuterokanonische Texte. Dies bedeutet konkret:

  1. in der hebräischen Version haben Sie einen anderen Text,
  2. in der griechischen Version haben Sie einen anderen Text.

Manche Fragmente sind in den noch mehr Sprachen überliefert, so finden sich Passagen, die auf:

  1. Hebräisch,
  2. Griechisch
  3. Altsyrisch,
  4. Koptisch

vorhanden sind.

Denn die sprachliche Entwicklung der Heiligen Schrift sah wie folgt aus:

  1. Die ältesten Bücher des AT gibt es nur auf Hebräisch,
  2. Die neueren Bücher des AT gibt es auf Altgriechisch, manchmal mit einem
    • Hebräischen Paralleltext
    • In einer altsyrischen
    • Oder koptischen Übersetzung
  3. Um das Jahr 100 v. Chr. erfolgte die griechische Übersetzung des AT namens Septuaginta
  4. Welche den sakralen Text der jüdischen Diaspora und der ersten Christen darstellte.
  5. Der hl. Hieronymus übersetzte seine Vulgata hauptsächlich aus der Septuaginta
  6. Die nachkonziliaren Übersetzungen übersetzten aus dem Hebräischen

Aber 1) und 3) weichen voneinander mitunter sehr ab und es sind schlichtweg ganz andere Texte, sodass die „hebräisch-orientiere“ Einheitsübersetzung eine ganz andere Bibel als die „griechisch-orientierte“ Allioli-Vulgata-Bibel ist. Wenn aber 1) und 3) ganze andere Texte sind, so stellt man sich die Frage, welchen man wählt und warum.  Das hängt tatsächlich von der Entscheidung des jeweiligen Übersetzers ab. Der heilige Hieronymus wusste um dieses Problem, sodass er seine  Psalmen sowohl aus dem Hebräischen als auch aus dem Griechischen übersetzte, sodass wir zwei Fassungen haben. Während die Psalmen bis Vat. II aus der griechischen Fassung gebetet wurden, betet man seit Vat. II die hebräische Fassung.  Während also die Kirche bis Vat. II dem Traditionsstrang folgte:

Hebräischer Text → Septuaginta → Vulgata → landessprachliche Übersetzung

besteht seit Vat. II der Traditionsstrang:

Hebräischer Text → landessprachliche Übersetzung

Wobei mit der „landessprachlichen Übersetzung“ der literarische Geschmack des einzelnen Übersetzers gemeint ist, der vom jeweiligen Ausschuss der deutschen Bischofskonferenz abgesegnet wurde, natürlich nur dann, wenn er mit der neuen Religion konform ist. Wir alle haben es also mit einer „neuinterpretierten Bibel im Lichte des Konzils“ zu tun, welche in deutschsprachigen Ländern ungefähr alle 10 Jahre umgeschrieben wird. Diesem Vorgehen fielen natürlich nicht nur die Stellen, die vom malum physicum handeln zum Opfer.

Es stellt sich natürlich die Frage, warum man die Bibel umschreibt, und die Texte, welche von den bösen Geistern handeln, ausgespart oder verändert werden, wenn es keine Dämonen gibt? Wenn es sie nicht gibt, sondern es nur erdachte Fabelwesen sind, warum sollte man dann den Text verändern? Es ändert sich doch objektiv nichts. Wenn es sie aber gibt und sie schädlich sind, so nimmt man den Menschen jegliche Information über sie, sodass sie unfähig werden sich ihrer zu erwehren. Stellen Sie sich vor Sie würden nach 1986 in der Nähe von Tschernobyl leben in der Unwissenheit darüber, dass es Radioaktivität gibt. Sie müssten all diese plötzlich auftretenden Krankheiten als „Zufälle“ abtun oder anderen Ursachen zuschreiben, ohne die eigentliche Ursache eliminieren zu können. So sieht das Weltbild aus ohne die Annahme der Existenz der Dämonen.

Verursachung vom malum physicum in der neueren Theologie

Aber kehren wir zu der Lehre von der Verursachung der physischen Übel (malum physicum) zurück. Sie ist auch bei den Kirchenvätern zu finden „bei denen sich aber nicht selten starke Verallgemeinerungen finden“, wie sich Diekamp-Jüssen ausdrückt.[1] Man kann wirklich nicht behaupten, dass auch in der vorkonziliaren Theologie des 19. und 20. Jahrhunderts die Lehre von der Verursachung von malum physicum durch die Dämonen extrem präsent gewesen ist. So widmet ihr die umfangreiche Dogmatik von Diekamp-Jüssen (von 1265 Seiten) lediglich ganze vier Zeilen. Dieser Umstand ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass immer mehr Rationalismus in die Theologie einfloss, sondern auch dem Umstand, dass die schreibenden Theologen den Einfluss des bösen Geistes auf ihr eigenes Leben nicht erlebten. Wenn man es erlebt, dann glaubt man es. Wenn man es nicht erlebt, dann hält man es nicht für möglich.

DSDZ hielt das dämonisch verursachte malum physicum bevor er nach Deutschland kam für möglich und im Leben mancher Heiligen durchaus gegeben. Er hätte sich aber niemals träumen lassen, dass er dieses wirklich beinah täglich am eigenen Leib erfahren wird. Denn es ist eine Konstante und eine zusätzliche „Naturgewalt“, die er in seinen Berechnungen immer zu berücksichtigen hat. Insbesondere was die virtuelle Welt anbelangt, wo der Teufel wirklich zu herrschen und zu regieren scheint. Unerklärliche Strom- und Softwareausfälle, finden beinahe täglich statt. Und da das ganze Einkommen von DSDZ vom Strom, Telefon, Internet, Online Banküberweisungen und elektronischen Geräten und Programmen abhängt, so möchte der böse Geist ihm in eben diesem Bereich schaden. Viele Leser von DSZD erfahren ähnliche Phänomene, nur weniger extrem. Manche erfahren mysteriöse Krankheiten, die plötzlich auftauchen und nach Gebet wieder verschwinden, „wandernde Krankheiten“, die verschiedene Teile des Körpers befallen, mit allen möglichen Symptomen, die genauso verschwinden, wie sie aufgekommen sind, Missbildungen in einer bestimmten Etappe der Schwangerschaft, die sich später, meistens nach Gebet, in Nichts auflösen. Manche Leser haben auch mit einem zeitweiligen Ungezieferbefall zu kämpfen, bei manchen spukt es, andere wieder erfahren unerklärliche finanzielle und berufliche Probleme, die sich auch plötzlich und unerwartet zum Guten wenden.

Nein, liebe Leserinnen und Leser, es macht wirklich keinen Spaß all das zu erfahren. Die Menschen fühlen sich verloren, missverstanden, verrückt, unfähig dazu sich mit jemanden darüber auszutauschen und meistens völlig hilflos. Meistens erfährt man dann Hilfe, wenn für einen gebetet wird und nicht dann, wenn man selbst für sich betet. Das aber diese Erfahrungen normal sind, zeigen uns die Segnungen und Gebete der Kirche, die sie bis zum Vatikanum Secundum gepflegt wurden. Da also die ganze Welt der Macht des Bösen unterliegt (vlg. 1 Joh 5,19), auch die physische Welt, so wurden bestimmte Dinge eben durch die Segnungen dem Teufel gleichsam entrissen und unter den Schutz Gottes gestellt. Daher enthalten viele Segnungen auch einen Exorzismus-Gebet. Denn nimmt man dem Teufel etwas nicht direkt weg, indem man ihm den Weg dazu durch die Segnungen versperrt, so hat er leider ein Anrecht darauf, aufgrund der Konsequenzen der Erbsünde. Wir werden uns der Thematik der exorzismierenden Segnungen noch an einer anderen Stelle ausführlich widmen. Ein dieser Stelle sei aber erwähnt, dass manchmal bei dieser Art der Umsessenheit wirklich nichts hilft, keine Gebete, keine Exorzismen, keine Segnungen durch „Priester der Tradition“, man muss es aussitzen und warten bis sich Gott unserer erbarmt, was auch die Erfahrung mancher Heiliger ist. So pflegte Don Bosco zu sagen, dass sich seine Mitbrüder nicht vorstellen können, wozu der Teufel fähig ist, wenn Gottes zulässt. Ja, wirklich zu sehr Vielem. Er lässt nur diejenigen in Ruhe, die sozusagen „unter dem Radar fliegen“, denn auch DSDZ hatte Ruhe und keine derartigen Erlebnisse, als er weltlicher erlebte und weniger fromm war. Daher sagt auch der heilige Ignatius von Loyola, dass im Falle, dass bei uns alles glatt laufen sollte, wir noch nicht Gott so dienen, wie wir sollen. Wenn wir den Dämon also stören, dann machen wir objektiv etwas Gutes, auch wenn es uns so nicht vorkommt.


[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 389.

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