Katholische Engellehre: (9) Engel sind einander nicht gleich. (i) Engelnamen

Die Engel sind einander nicht völlig gleich (sententia certa)

      Die Heilige Schrift

Da die Heilige Schrift in Originalsprachen (Hebräisch, Altgriechisch) die Engel mit unterschiedlichen Begriffen (Dan 10, 13; Jud 9; vgl. 1 Thess 4,16), die nicht dieselbe Bedeutung haben, bezeichnet, sollte man davon ausgehen, dass sie die Unterschiede zwischen den Engeln bestimmen. Im Buch der Offenbarung lesen wir von den sieben Geistern, die vor dem Thron Gottes stehen (Offb 1,4; 3,1; 4,5; 5,6). Dabei handelt es sich um hochrangige Engel oder Erzengel, zu denen auch der Erzengel Raphael gehört (Tob 12, 15). Das Alte Testament spricht von Cherubim (Gen 3, 24; Es 10,3) und Seraphim (Jes 6, 2-6). Im Neuen Testament aber lesen wir von Thronen, Herrschaften, Mächten und Gewalten (throni, dominationes, principatu, potestates, virtutes) (Kol 1,16; Eph 1,21; 3,10). Dabei spricht die Heilige Schrift allgemein von den Engeln.[1]

Sollte man sich denn mit den Namen von Engeln wirklich auseinandersetzen?

Unserer Ansicht nach nicht. Die Heilige Schrift gibt nur drei Namen von Erzengeln an: Michael, Gabriel und Rafael. Die Namen der vier anderen Erzengel sind uns nicht überliefert, sie kommen entweder in den apokryphen Schriften oder in der Esoterik vor. Hätte Gott gewollt, dass wir die Namen aller Engeln kennen würden, so hätte er uns diese gegeben. Im biblischen und theologischen Sinne aber bedeutet der Name das Wesen eines Geschöpfes, sodass derjenige, der den Namen eines Engels/Dämons weiß diesen herbeirufen kann, weil er Macht über ihn besitzt. Daher ist es nachvollziehbar, dass in der Gnosis, der nachfolgenden Kabbala, im Okkultismus und Esoterik viel über die Namen von Engeln und Engelhierarchien geschrieben wird. Da es sich aber bei einem Drittel der Engel um die gefallenen Engel handelt, so wollen diese, dass man sie mit ihren richtigen oder vermeintlichen Namen anruft, sie um Hilfe bittet und sie schließlich anbetet. Daher ist bei allen Engelvisionen oder Engelsbotschaften höchste Vorsicht geboten, da es sich dabei zu 99,9% um gefallene Engel handelt. Wenn wir uns die biblischen Visionen anschauen, dann ist der Engel fast immer der Bote, was sein Name ja auch bedeutet, der den Menschen auf etwas Höheres, zum Beispiel Maria auf das Kommen des Heiligen Geistes, vorbereitet. Wenn es aber beim Engel selbst bleibt, dann ist es mehr als verdächtig.

Die Engelvisionen boomen, auch auf katholischen Seiten der Richtung Maria- Rosenduft-Zuckersüß-Ecke. Meistens handelt es sich dabei um Menschen, häufig um Frauen im mittleren Alter, die meinen durch die Anhäufung von Sentimentalitäten fromm zu sein.  Aber manche Menschen haben wirklich Visionen, in welchen Engel von ihnen fordern, dass sie bestimmte Dinge veröffentlichen oder tun. Der gute Engel, und zwar der Schutzengel braucht nicht gesondert gerufen zu werden, da er immer da ist. Er will auch keine besondere Andacht oder Beachtung, da er dazu da ist die Menschen zu dienen. Bei den gefallenen Engeln ist es anders. Diese wollen Beachtung, diese wollen Anbetung. Ein ungesundes Interesse an den Engel ist, wie bereits erwähnt, ein Bestandteil der Gnosis, die auch einen katholischen Anschein haben kann, siehe Gabriele Bitterlich, deren Engelwerk sogar von der nachkonziliaren Theologie zuerst 1983 und dann im Jahre 1992 kritisch bewertet worden ist. So lesen wir in Stellungnahme der Glaubenskongregation vom 6. Juni 1992:

1. Das Engelwerk muß in der Förderung der Andacht zu den Heiligen Engeln der Lehre der Kirche sowie der Heiligen Väter und Lehrer gehorchen. 
Insbesondere verbreite es unter seinen Mitgliedern und unter den Gläubigen keinen Kult der Engel, welcher sich der aus der vorgeblichen (Frau Gabriele Bitterlich zugeschriebenen) Privatoffenbarung bekannten „Namen“ bedient. Es ist nicht erlaubt, diese Namen in irgendwelchen von der Gemeinschaft verwendeten Gebeten zu benützen.

2. Das Engelwerk darf von seinen Mitgliedern das sogenannte „Schweigeversprechen“ nicht verlangen und es ihnen nicht vorschlagen, wenn es auch rechtmäßig ist, bezüglich der inneren Belange des Engelwerkes jene Form von Diskretion zu wahren, die den Mitgliedern von Instituten der Kirche gemäß ist.

[…] daß nämlich die dem Opus Angelorum eigene Engellehre und gewisse von ihr herstammende Praktiken der Heiligen Schrift und der Überlieferung fremd sind und daher nicht als Grundlage für die Spiritualität und Aktivität von kirchlich anerkannten Vereinigungen dienen können. […]

I. Die Theorien aus den von Frau Gabriele Bitterlich empfangenen vorgeblichen Offenbarungen über die Welt der Engel, ihre persönlichen Namen, ihre Gruppen und Aufgaben, dürfen weder gelehrt noch in irgendeiner Weise, explizit oder implizit, verwendet werden in der Organisation und in der Durchführungsstruktur („Baugerüst“) des Opus Angelorum wie auch im Kult, in den Gebeten, in der geistlichen Formung, in der öffentlichen wie privaten Spiritualität, im Amt oder Apostolat. Dasselbe gilt für jedes andere Institut oder jede andere Vereinigung, die von der Kirche anerkannt sind.

Der Gebrauch und die Verbreitung der Bücher wie auch anderer Schriften, welche die vorgenannten Theorien enthalten, sind innerhalb und außerhalb der Vereinigung verboten.

II. Die verschiedenen Formen von Weihen an die Engel („Engelweihen“), die im Opus Angelorum praktiziert werden, sind untersagt.

III. Ferner ist die sogenannte Fernspendung von Sakramenten untersagt, desgleichen das Einfügen von Texten, Gebeten oder Riten, die direkten oder indirekten Bezug auf die oben genannten Theorien nehmen, in die eucharistische Liturgie und in das Stundengebet.[…]

Im Jahre 2010 ruderte man leider zurück. So lesen wir in der neuesten Stellungnahme der Glaubenskongregation zum Engelwerk:

Heute kann man davon ausgehen, dass das Opus Angelorum dank des Gehorsam seiner Mitglieder loyal und treu in Übereinstimmung mit der Lehre der Kirche sowie den liturgischen und kanonischen Vorschrift lebt. Mit Rücksicht auf das vorgerückte Alter von P. Duroux ist am 13. März 2010 P. Daniel Ols OP zum neuen Delegaten mit denselben Kompetenzen, die im Dekret vom 6. Juni 1992 beschrieben sind, ernannt worden.

Will heißen, man hat den Kritiker abgezogen und einen neuen ernannt.

Die Normalisierung der Situation zeigt sich besonders in den folgenden Punkten: Am 31. Mai 2000 hat die Glaubenskongregation für das Opus Angelorum die Formel einer Weihe an die heiligen Engel approbiert.

Sei wann gibt es denn im Katholizismus eine “Engelweihe”? Nein, nicht das Engelwerk ist orthodoxer geworden, sondern der Vatikan immer heterodoxer, wie es die jüngste Pachamama-Entwicklung überdeutlich zeigt. Die spätere Geschichte des Engelwerkes, in der auch Mord und sexueller Missbrauch vorkommen, zeigt leider wessen Geisteskinder die Privatoffenbarungen von Gabriele Bitterlich sind. Wenn man aber Legionäre Christi, Opus Dei, Gemeinschaft San Egidio, Neokatechumenat und andere Gnosis jahrzehntelang gewähren lässt, warum sollte es man anders mit dem Engelwerk halten? Er wirkt zerstörerisch, unter der Maske der Engelfrömmigkeit, so wird er geduldet. Wenn manchen Lesern die Allianz zwischen dem liberalen Nachkonziliarismus und dem vermeintlich konservativen und auf Privatoffenbarungen fußenden Engelwerk komisch vorkommen wird, so ist dieses Bündnis weniger widersprüchlich als man denkt. Der nachkonziliare Katholizismus wurde immer mehr zur Gnosis, die unter Franziskus ganz offenbar wurde. Die Gnosis aber ist größtenteils auf die Falschoffenbarung der gefallenen Engel zurückzuführen, wo wiederum Gabriele Bitterlich ins Spiel kommt. Da die Dämonen das Ziel haben durch die Verfälschung der wahren Lehre die Menschen zum Glaubensabfall zu führen, so ist ihnen jedes Mittel recht. Sei es Liberalismus, seien es Engeloffenbarungen mit Engelnamen.

 

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Alverna: Will 2012, 374.

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