Katholische Engellehre: Die Existenz und Herkunft der Engel. Dogmatische und biblisch-traditionelle Begründung (1)

Die Existenz und Herkunft der Engel

Die Engel existieren (de fide).

 Nach dieser hoffentlich sehr amüsanten Einführung im letzten Beitrag, bleibt dem Verfasser nichts anderes, als sich dem eigentlichen Thema zu widmen. Zahlreiche Debatten auf Facebook mit protestantischen, von der Einheit der Kirche getrennten Brüdern und Schwestern, um sich ökumenisch auszudrucken, führten ihn zu der Aufgabe ein paar Worte über die Engel zu schreiben. Bevor das passiert, ist es nötig einige Unterscheidungen zu machen und an die Lehre über die Notae Theologicae zu erinnern. Ein Katholik mag fragen:

            Muss ich wirklich daran glauben? Ist es wirklich ein Dogma? Wie sicher ist diese Glaubenslehre?

In der katholischen Dogmatik wird mit dem verschiedenen Gewissheitsgrad der Glaubenswahrheit argumentiert. Dies bedeutet, je höher der Gewissheitsgrad ist, desto notwendiger ist es daran zu glauben, um nicht in Sünde zu fallen. Die Lehre von den Notae theologicae,[1] wie sie in der unten angeführten Tabelle dargestellt wird, zählt die Gewissheit gerade von 1. a bis 2. f auf. Je höher der Gewissheitsgrad ist, desto sicherer ist die Lehre und desto verbindlicher ist sie für die Gläubigen. Dieses im Kontext der Engellehre insofern erwähnenswert, weil nur die wenigsten Lehren über die Engel Dogmen sind. Die meisten siedeln sich im Bereich 2. a bis 2. c an, bei den Aussagen über die Dämonen ist man in einem noch niedrigeren Bereich.

          

Bezeichnung  Bedeutung Zensur
1. De fide Glaubenswahrheit mit dem höchsten Gewissheitsgrad, welche als solche durch das Lehramt bezeichnet wurden:
a. De fide divina et catholica definita oder de fide definita Dogmen, welche ex cathedra durch den Papst oder durch ein Konzil bzw. das Lehramt (de fide ecclesiastica definita) verkündet wurden. Sententia haeretica
b. De fide divina et catholica auch de fide divina et ecclesiastica Glaubenswahrheiten von Gott geoffenbart und als solche im unfehlbaren Lehramt der Kirche weitergegeben. Propositio haeresi proxima
c. De fide divina Glaubenswahrheiten von Gott geoffenbart, obwohl die Kirche diese Glaubenswahrheit nicht dogmatisch festlegte. Haeresim sapiens oder de haeresi suspecta
2. Fides ecclesiastica Glaubenswahrheiten durch die Kirche gelehrt (veritates catholicae), von Gott nicht direkt geoffenbart, aber mittelbar aus der Offenbarung deduziert.
a. Sententia fidei proxima Der geoffenbarte Charakter dieser Glaubenswahrheit wird von allen Theologen und von der Kirche anerkannt. Diese Ansicht ist aber nicht unfehlbar.  

 

 

Propositio erronea oder error

b. Ad fidem pertinens, theologice certa Diese Glaubenswahrheit steht in einem inneren Zusammenhang mit der geoffenbarten Wahrheit.
c. Sententia communis Diese Glaubenswahrheit wird von den meisten Theologen für eine solche gehalten, bei einer schweigenden Zustimmung der Kirche. Eine Diskussion über den Gewissheitsgrad ist möglich. Propositio temeraria
d. Sententia probabilis lub probabilior Glaubenswahrheit für welche die besseren Argumente sprechen. Freie Diskussion ist darüber möglich.
e. Sententia pia Fromme Meinung über ein Thema, ohne eine doktrinelle Gewissheit.
f. Sententia tolerata Eine Ansicht, die von der Kirche geduldet, aber nicht empfohlen wird.

           Ist die Existenz der Engel ein Dogma?

Ja, es ist ein Dogma, denn ihre Existenz stellt sowohl das 4. Laterankonzil, als auch das 1. Vatikanische Konzil fest:

„[Dieser eine Gott] schuf in seiner allmächtigen Kraft vom Anfang der Zeit an aus nicht zugleich beide Schöpfungen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt[…]“. (DH 800, 3002).

Dementsprechend ist es eine Wahrheit des Glaubens, dass es Engel gibt und ein Katholik hat die Pflicht aufgrund der Autorität des offenbarenden Gottes als auch der Kirche dieses anzuerkennen. Trotzdem versuchte man immer die Existenz der Engel in Frage zu stellen. Dafür waren in der Vergangenheit antike Philosophen, Sadduzäer, Wiedertäufer, Pantheisten, Materialisten und Rationalisten verantwortlich, welche meistens von einem rationalistischen Hintergrund heraus argumentieren. Heutzutage leugnet man modernistisch und rationalistischen ihre Existenz, indem man sagt, dass sie in der Bibel ausschließlich als Personifizierungen auftreten und ein Produkt der poetischen Redeweisen sind. Man sagt auch, dass ihre Genese der Volksglauben ist, welcher viele heidnische Elemente entnommen hat und auf diese Weise die Vorstellung der Engel zuerst in das Judentum und dann in das Christentum aufgenommen wurde. Darauf kann man antworten, dass aufgrund der Tatsache, dass in praktisch allen Kulturen der Glauben an irgendeine Form von Geistern existiert, dieser Glauben wohl auf irgendeine Art der Erfahrung zurückgehen muss. Die theologische Tatsache ist, dass die Heilige Schrift die Existenz der Engel nicht nur bezeugt, sondern sie auch als persönliche Wesen darstellt, die den Menschen seine Aufträge überbringen und sie beschützen (Gen 3,24; 18,2 ff.: 19,1 ff.; 24,7; 28,12; Ps 8,6; Mt 24, 36; 4 Kön 19,35; 2 P 2,11 usw.).[2]

Der Verfasser möchte an dieser Stelle ein kurzes Zeugnis geben, wie die Engel ihm nah geworden sind, obwohl er noch ganz am Anfang seiner Forschung steht. Es ist generell empfehlenswert, es mit dem Engelskult nicht zu übertreiben und auf eine direkte Anrufung der Engel zu verzichten, da Gefahr besteht, dass sich unerwünscht gefallene Engel hinzu gesellen. Daher sollte man nur kirchlich approbierten Gebete zu den Engeln verwenden. Aufgrund der eigenen Lektüre des Verfassers, der gebetenen Litaneien zum Heiligen Erzengel Michael, als auch den Gebeten zum eigenen Schutzengel, ist ihm vor kurzem klar geworden, dass unzählige Engel uns umgeben und ihre Fürsprache für uns einlegen. Daher haben für den Verfasser einige Stellen aus der Bibel eine ganz andere Bedeutung. Gemeint ist die Stelle aus dem 2. Buch der Könige im Kapitel 6, in der der Prophet Elischa eine ganze Armee von Engeln sieht, die ihn retten. Die zweite Stelle, sind die Aussagen Jesu aus dem Evangelium bei seiner Festnahme im Garten Gethsemane, wo Er Petrus klarzumachen versucht, dass Er sich der Hilfe der Engel bedienen könnte, wollte Er nicht festgenommen werden (vgl. Mt 26,53). Die Betrachtung der erstgenannten Stelle verlieh dem Verfasser ein größeres Selbstbewusstsein und innere Sicherheit, während die Reflexion über die Worte Jesu an Petrus zu einer Bewunderung der Person des Erlösers führten, der trotz so mächtiger Verbündeter, spricht der Engel, selbst unendlich mächtig, keinen Gebrauch davon gemacht hat, um sich vor dem Leiden zu retten, sondern sich selbst für uns alle aufgeopfert hat. Christus hat sich also nicht der Hilfe der Engel bedient, obwohl er es konnte.

Neben der Stellen der Heiligen Schrift gibt es auch zahlreiche Zeugnisse der Tradition, aus denen sich unzweifelhaft ergibt, dass der Glaube an die Existenz der Engelwelt zum ursprünglichen Erbe der Kirche gehört. Das bezeugen an vielen Stellen bereits die Apostolischen Väter (Klemens von Rom 1 Kor 34,5f.; 36,2; Ps.-Barnabas 18,1; Ignatius Smyrn. 6,1; Trall. 5,2; Justin der Märtyrer in Apol. 1, 6; Brief an Diognet 7,2). Die Lehre von der Existenz der Engel bezeugen auch alle kirchlichen Schriftsteller, die nach ihnen kamen und natürlich alle Liturgien, die ebenso einen wichtigen locu theologicus bilden.  An dieser Stelle ist besonders die erste bedeutsame Monographie über die Engel (De Coelesti hierarchia) von Pseudo-Dionysius Areopagita um 500 nach Christus zu nennen.[3] Vor Pseudo-Dionysius haben die Väter die Engel-Thematik ausschließlich peripher und nicht monographisch betrachtet. Umfangreichere Arbeiten über die Engel entstanden erst mit der Scholastik z.B. in den Werken von Petrus Lombardus oder Thomas von Aquin. Das größte Werk über die Engel verdanken wir jedoch dem Theologen Suarez.

           

[1] Nach: Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil: Alverna 2012, 81-82; http://www.the-pope.com/theolnotes.html, http://iteadthomam.blogspot.com/2006/05/notae-theologicae.html http://www.lulu.com/shop/sixtus-cartechini-sj/de-valore-notarum-theologicarum/paperback/product-6525626.html http://iteadthomam.blogspot.com/2007/04/fundamental-theology-2-notae-theologic.html http://www.newadvent.org/cathen/03532a.htm

[2] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 369-370.

[3] Ebd., 370.

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