Katholische Engellehre: Einführung

Schon in meiner Kindheit war ich von Engeln fasziniert. Dabei stellte ich sie mir auf eine sehr traditionelle Art und Weise vor, nämlich als Menschen mit Flügeln, die gegen die Dämonen kämpfen und sie besiegen. Natürlich wollte ich als ein 6-jähriges Kind immer auf der richtigen Seite sein und die Engel in ihren Kampf gegen das Böse unterstützen. Dementsprechend habe ich mit großer Begeisterung alle Filme mir angeschaut, welche diese Thematik zumindest ansatzweise berührt haben. Zu diesen Filmen gehören natürlich alle Filme der „God`s Army“ Reihe, als auch der Film „Gabriel“ und die „Legion“. Es ist etwas nerdy es zuzugeben, aber ich konnte mich der darauffolgenden Serie „Dominion“ nicht enthalten. Natürlich sind das reine Werke der menschlichen Fantasie, von denen die Realität abweicht. Wie sieht aber die Wirklichkeit aus?

Obwohl die Engellehre ein Bestandteil Dogmatik ist, dass zum Traktat über den Gott den Schöpfer (De Deo creante) handelt, so werden die meisten Theologen nicht in der Lage sein überhaupt etwas zu diesem Thema sagen, was damit zusammenhängt, dass man diesen Theologiebereich zumindest seit dem XVIII. Jahrhundert nicht mehr ernst nimmt. Die fehlende Verkündigung über die Engel verdanken wir mit Sicherheit auch dem von der Kirche verurteilten Modernismus, welcher das Übernatürliche, zu dem die Engelwelt ja gehört, leugnete. So schreibt Pius X. in Pascendi über diese Grundeinstellung:

Nr. 17 Fragt man daher weiter, ob Christus wirklich Wunder getan und wirklich die Zukunft vorausempfunden habe, ob er wirklich wieder lebendig geworden und gen Himmel gefahren sei, so wird die Wissenschaft kraft ihres Agnostizismus das ablehnen, der Glaube aber bejahen, dennoch wird darüber kein Streit zwischen beiden entstehen. Denn der eine wird als Philosoph vor Philosophen ablehnen, da er Christus nur nach seiner geschichtlichen Wirklichkeit betrachtet hat, der Andere wird als Gläubiger vor Gläubigen bejahen, da er Christi Leben betrachtet, wie es wiederum vom Glauben und im Glauben erlebt wird. (DH 3485)

Die Ablehnung des Übernatürlichen führt natürlich zur Ablehnung der Offenbarung, welche von den Engeln berichtet, sodass Engel wie andere Glaubenswahrheiten zu reinen Symbolen werden, die man gerne, wie Drewermann, tiefenpsychologisch interpretiert. So lesen wir weiter in Pascendi:

Nr. 19 Damit kommen Wir, ehrwürdige, Brüder, schon zur Theologie der Modernisten, – eine knifflige Sache, aber mit wenigen Worten zu erledigen. – Es handelt sich nämlich um die Versöhnung von Glaube und Wissenschaft, der Art, dass das Eine dem Andern sich unterordnet. Hier gebraucht der modernistische Theologe dieselben Grundsätze, wie Wir sie beim Philosophen kennen lernten, und passt sie dem Gläubigen an; Wir meinen die Grundsätze der Immanenz und des Symbolismus. So aber stellt sich die Sache sehr einfach dar: vom Philosophen übernimmt man, das Prinzip des Glaubens sei immanent; der Gläubige fügt hinzu, dieses Prinzip sei Gott, folglich – ist Gott selbst im Menschen immanent. Daher die theologische Immanenz. {Wiederum: dem Philosophen steht der nur symbolische Wert der Darstellungen des Glaubensgegenstandes fest; dem Gläubigen steht ebenso fest, dass der Gegenstand des Glaubens Gott an sich ist. Folglich, schließt der Theologe, sind die Darstellungen der göttlichen Realität nur symbolisch – daher der theologische Symbolismus. DH 3487} Wahrlich schlimmste Irrtümer; ihre Verderbtheit zeigen die Folgerungen! Denn, um mit dem Symbolismus zu beginnen, da die Symbole Sinnbilder sind nur im Hinblick auf den Gegenstand, im Hinblick auf den Gläubigen aber nur Hilfsmittel, so muss sich, sagen sie, der Gläubige zunächst hüten, sich auf die Formel, eben weil sie nur Formel ist, zu stark zu verlassen, er darf sie nur gebrauchen als Hilfsmittel auf dem Wege zur absoluten Wahrheit, die die Formel zugleich verhüllt und enthüllt, die sie ausdrücken möchte, ohne sie doch je zu erreichen. Ferner: der Gläubige darf die Formeln nur soweit anwenden, als sie für ihn brauchbar sind; denn zur Förderung sind sie ihm gegeben, nicht als Hemmnis, dabei soll mit Rücksicht auf die Gesellschaft den Formeln, die das öffentliche Lehramt als Ausdruck des Gemeinbewusstseins für geeignet erklärt hat, die schuldige Ehrerbietung gewahrt bleiben, solange dieses Lehramt nichts anderes verfügt. –  […]

Denken wir nun an die Worte des englischen Schriftstellers C.S. Lewis, der behauptet hat, dass heutzutage der Teufel daran interessiert ist uns davon zu überzeugen, dass er nicht existiert. Auf diese Weise kann er auf unserer Nase herumtanzen und uns wie eine Puppe manipulieren. Es ist daher von Bedeutung umso mehr die Natur der Engel kennen zu lernen, weil der Teufel und seine Dämonen gefallene Engel sind, damit eine Verteidigung gegen ihre Angriffe überhaupt möglich ist. Der Apostel Paulus schreibt:

Ziehet an den Harnisch Gottes, dass ihr bestehen könnet gegen die listigen Anläufe des Teufels. Denn wir haben nicht mit Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern mit Fürsten und Gewaltigen, nämlich mit den Herren der Welt, die in der Finsternis dieser Welt herrschen, mit den bösen Geistern unter dem Himmel“ (Eph 6,11-12).

Je besser wir unseren Feind kennen, um so effektiver können wir gegen Ihn vorgehen und unter den guten Engeln nach Verbündeten suchen. Es ist zu erwähnen, dass die Gefallenen einen großen Neid gegen die treuen Engel des Herrn spüren und dementsprechend nicht daran interessiert sind, dass diese von uns verehrt werden. Aus der Ignoranz über die Natur der Engel gibt es aber auch eine andere Konsequenz: der gefallene Engel kann den Menschen verführen und Ihn davon überzeugen, dass er ein guter Engel ist. Vergessen wir nicht die Warnung des Heiligen Apostels Paulus, dem wir hier zum zweiten Mal zitieren: „denn er selbst, der Satan, verstellt sich zum Engel des Lichtes“ (2 Kor 11,14).

Um diesem Bedürfnis entgegen zu kommen entschieden wir uns, zumindest einen Grundriss über die Katholische Engellehre zu verfassen, die sich hoffentlich eines Tages zu einer soliden und detaillierten schriftlichen Arbeit entwickelt. Auch sind andere traditionell denkende Theologen eingeladen sich an diesem Werk zu beteiligen. Damit unser Leser zumindest eine gewisse Anschauung zu dieser Problematik hat, präsentieren wir Ihnen diesen Grundriss, der auf der Dogmatik von Diekamp-Jüssen basiert. Wir nehmen uns natürlich auch andere wertvolle traditionelle Werke zu Hilfe.

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