Katholische Engellehre: Erschaffung der Engel aus dem Nichts (3) Creatio ex nihilo – Terminologie (i)

Die Engel sind aus dem Nichts erschaffen worden (de fide)

Terminologie

Theologie ist sehr präzise. Sie spricht nicht nur von der Erschaffung (creatio), sondern auch von der Erschaffung aus dem Nichts (creatio ex nihilo). Wenn Thomas von Aquin, der in seiner Theologie der objektiven göttlichen Wahrheit am nächsten gekommen ist, von der Schöpfung bzw. der Erschaffung spricht, so verwendet er denselben, lateinischen Begriff creatio. Bevor er dazu kommt darzustellen, was die Creatio ist, schließt er zuerst aus, weil sie nicht ist.

  1. Erschaffung (creatio) ist keine eigene Veränderung (mutatio propie) (Summ theol. Ia, q. 45.2 ad 2 ad 2 et 3.o .et q. 46.1 ad 5.)
  2. Erschaffung (creatio) ist keine Bewegung (motus) noch das Ende einer Bewegung (terminus motus) (Ia, q. 45.2 ad 3 ad et 3. et 3 c. et q. 46.1 ad 5.)

Was ist also die Erschaffung (creatio)?

Erschaffung ist der Ausfluss alles Seins aus dem Nichts (emanatio universalis entis ex nihilo) (Ia, q. 45. 1. O. et 4 ad 1).

Der hier verwendete Begriff „Ausfluss“ (emanatio) soll uns nicht irreleiten, denn mit diesem Ausfluss ist kein notwendiges nach außen treten der Substanz Gottes gemeint, was man allgemein unter Emanation versteht. Der Ausfluss, wie ihn Thomas von Aquin meint, ist ein freier Willensakt Gottes. Weder die Erschaffung der Welt, der Engel oder der Menschen war in irgendeiner Art und Weise für Gott notwendig. Gott musste nichts erschaffen, Gott musste nicht nach außen fließen. Daher spricht der heilige Thomas:

Erschaffen ist nichts anderes als ohne eine vorliegende Materie etwas hervorzubringen (creare nihil aliud est quam absque materia prajacenti aliquid producere) (Ia, q. 63.3 c.)

Daher ist

Erschaffen das Hervorbringen eines Dinges, seinem ganzen Wesen nach, ohne etwas Zugrundeliegendes (creatio es productio rei, secundum totam substantiam suam, nullo praesopposito) (Ia, 65. 3 c)

Gnosis ist die Lehre der gefallenen Engel. Alle gnostischen Quellen oder Unterhaltungsfilme, wie die Serie Lucifer, sind dualistisch. Sie nehmen zwei, notwendige, einander ergänzende Kräfte, welche einander die Waage halten und einander benötigen. Das ist das Denken des fernöstlichen Ying Yang, wo das Böse als metaphysisch notwendig erachtet wird. In der Serie Luzifer meint der gefallene Engel, dass er zwar ein Engel, dennoch aber der verstoßene Sohn Gottes ist, dessen Existenz irgendwie für Gott notwendig sei. Das ist natürlich ein blanker Unsinn, aber die gnostischen Quellen der ersten 3-4 Jahrhunderte sind voll von solchen Theorien, obwohl sie natürlich nicht filmisch ausgedrückt wurden. Das Böse oder die gefallenen Engeln schmeicheln sich selbst, indem sie vorgeben ewig oder wenigsten gleichewig mit Gott zu sein. Das war auch der Fehler von Origenes (gest. 253), der nicht nur die Präexistenz der Seelen, sondern auch die Präexistenz der Engel annahm. Weder die Ersteren noch die Letzteren seien, so Origenes, wirklich aus dem Nichts erschaffen worden und weil sie präexistent gewesen sind, deswegen werden sie am Ende der Zeiten notgedrungen zu Gott zurückkehren. Dies ist der metaphysische Rahmen der Verurteilten origenischen Allerlösungslehre. Daher ist es wichtig festzuhalten, dass die Engel tatsächlich aus dem Nichts erschaffen wurden, Geschöpfe sind und keinen Ausfluss, im Sinne der Emanation, wie oben erwähnt, dessen Wesen Gottes darstellen. Obwohl die Engel geistlich also immateriell sind, so wurden sie doch tatsächlich aus dem reinen Nichts geschaffen wie der Rest der materiellen Schöpfung auch. Philo von Alexandria (15/10 – 40) und nach ihm die ganze alexandrinische Theologie, welchen viele griechische Kirchenväter anhingen, nahm zwei Schöpfungen an. Zuerst die geistige Schöpfung der Ideen, Zahlen und der Engel, nach dem Vorbild der platonischen Welt, danach erst die materielle Schöpfung. Dies ist eine zulässige Theologenmeinung, da die Engel natürlich vor den Menschen und höchstwahrscheinlich vor der materiellen Welt erschaffen worden sind. Nichtsdestotrotz sind sie aus dem Nichts erschaffen worden.

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