Katholische Engellehre: Erschaffung der Engel aus dem Nichts (4) Dogma, Schrift, Vernunft (ii)

Dogma:

Der Glaubenssatz über die Erschaffung der Engel aus dem Nichts ist ein Dogma und hat die höchste Verbindlichkeit für einen Katholiken. Dieses Dogma wurde während des Vierten Laterankonzils (1215) feierlich verkündet:

„[Dieser eine Gott] schuf in seiner allmächtigen Kraft vom Anfang der Zeit an aus nichts zugleich beide Schöpfungen, die geistige und die körperliche, nämlich die der Engel und die der Welt[…]“. (DH 800, 3002).[1]

Wenn das Konzil das Wort „zugleich“ verwendet, so muss dieses nicht temporal gedeutet werden. Denn die Frage, ob die Zeit mit der Schöpfung entstand oder schon vorher irgendwie vorhanden war, ist philosophisch gesehen recht anspruchsvoll. Wie wir sehen findet die philonische Lehre von der doppelten Schöpfung ihren Einzug in das kirchliche Lehramt.

Die Kanones des Ersten Vatikanischen Konzils (1870) bestätigen sie nicht nur als vorher genannte Dogma, sondern verurteilen den Emanationismus, der hauptsächlich über den deutschen Idealismus, insbesondere durch Hegel, von vielen häretischen Theologen vertreten wurde:

„Kanon 4. Wer sagt, die endlichen Dinge – sowohl die körperlichen als auch die geistigen [wie die Engel Red.] – seien aus der göttlichen Substanz ausgeflossen […] der sei mit dem Anathema belegt“. (DH 1804f/3024f.).[2]

Wäre di Welt und wären die Engel „aus der göttlichen Substanz ausgeflossen“, dann wären sie nicht im eigentlichen Sinne erschaffen oder gar aus dem Nichts erschaffen worden. Sie wären dann Manifestationen Gottes und nicht seine Geschöpfe. Obwohl dieser Gedankengänge vielleicht für manche sehr abstrakt klingen, so ist die Anbetung der Muttergottheit der Pachamama während der letzten Amazonas-Synode, das genaue Beispiel des Emanationismus. Ist die Pachamama – die Erde – eine Gottheit, so muss sie aus Gott hervor geflossen worden sein, um göttlich zu sein. Wenn die Erde und die Natur, wie das unselige Instrumentum Laboris suggeriert göttlich sind, dann sind sie keine Geschöpfe, weil es die Schöpfung im katholischen Sinne nicht gibt.

Heilige Schrift

Diese Lehre ist aber völlig unkatholisch und unbiblisch:

Die Heilige Schrift lehrt sehr eindeutig, dass Gott die gesamte Realität, also auch die Engel, erschaffen hat z.B. Ps 148,5:

„denn er gebot, da wurden sie geschaffen“.

Dieser Vers meint alle Geschöpfe, die in vorherigen Versen erwähnt werden. Vers 2 definiert sie als „die Engel und seine Heerscharen“. Auch der Apostel Paulus sieht die gesamte Realität als von Gott erschaffen an:

„Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge“ (Röm 11,36).

Außerdem ist im Kolosserbrief ein interessanter Parallelismus zu beobachten:

„Denn durch ihn ist alles geschaffen, was im Himmel und auf Erden ist, das Sichtbare und das Unsichtbare […] “ (Kol 1,16)

– im Symbol Niceanum wird der Ausdruck „Schöpfer des Himmels und der Erde“ auf dieselbe Weise wiedergegeben. Unter der Voraussetzung, dass Gen 1,1 die Worte „Himmel und Erde“ genauso versteht, ist hier implizit auch von der Engelwelt bzw. von der doppelten Schöpfung die Rede[3]. Setzt man dasselbe voraus, wenn man das Zweite Buch der Makkabäer vor sich hat, dann wird dieser Glaubenssatz explizit bestätigt:

„ […] schau dir den Himmel und die Erde an; sieh alles, was es da gibt, und erkenne: Gott hat das aus dem Nichts erschaffen […] (2 Makk 7,28).

Tradition

Die Überlieferung zeigt unmissverständlich, dass die Engel nicht aus der Substanz Gottes hervorgegangen sind, wie es die Manichäer und Priszillianisten wollten, sondern dass Gott sie aus dem Nichts erschaffen hat. (z.B. Justinus Dial. 102,4; Tatian Orat. Ad Graec. 7; Eusebius Demonstr. ev. IV, 1).

Spekulative Gründe

Der Verstand ist in der Lage diese Wahrheit problemlos anzuerkennen, weil die Engel den Grund ihres Seins nicht in sich, sondern in Gott durch die Erschaffung aus nichts haben. Als reine Geister können sie nur aus dem Nichts erschaffen worden sein.[4]

Kurz und gut wären die Engel nicht aus dem Nichts erschaffen worden, so wären sie Gott. Warum legen die gefallenen Engel so viel Wert darauf nicht aus dem Nichts erschaffen worden zu sein? Weil sie für sich den göttlichen Kult fordern, welcher ihnen zustehen würde, wenn sie tatsächlich göttlich oder göttlichen Wesens wären. Auch wenn sie sehr lange Wein in die Spüle schütten, dann ist es immer noch Wein und nicht Wasser. Hätte Gott die Welt und die Engel nicht aus dem Nichts erschaffen, so wäre alles Gott, wie es die Pachamama-Pantheisten wollen.              

          

 

 

[1]    Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Will 2012, 370-371.

[2]    Ebd. 370-371

[3]    Ebd. 371.

[4]    Ebd. 371.

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