Katholische Engellehre: Rein geistige Natur der Engel (6) Philosophischer und theologischer Kontext (i)

Die rein geistige Natur und Anzahl der Engel. Die Unterschiede in der Hierarchie der Engel

1.Die Engel sind nicht nur Geister (de fide), sondern auch reine Geister (sententia certa)

Die Frage nach der Natur der Engel ist mehr als nur akademischer Natur. Nach der katholischen Lehre sind Engel Geister. Diese Lehre, dass die Engel Geister sind, wurde sowohl durch das Vierte Laterankonzil (1215), als auch durch das Erste Vatikanische Konzil (1870) festgestellt. Die soeben genannte Lehre stellt sich jedem paganen Animismus entgegen, wonach es sich bei Engeln oder Dämonen um gute oder böse Seelen der Verstorbenen handelt. Dieser Glaube an die Welt der Geister/Ahnen/Verstorbenen war nicht nur in allen nicht-christlichen Kulten der europäischen Antike präsent, er ist auch in den paganen afrikanischen oder asiatischen Religionen zu finden. Der Übergang zwischen einem Dämonen- oder Ahnenkult ist daher in diesen Kulten und Religionen fließend. Nach der katholischen Lehre jedoch gibt es nur Menschen oder Engel und keine anderen Zwischenwesen, wie Erd- oder Waldgeister, die materiebehaftet sind. Wie wie wir in den weiteren Teilen dieser Abhandlung lesen werden, gibt es zwar immaterielle Dämonen, welche in einem bestimmten Bereich, beispielsweise in der Luft, tätig werden können. Sie selbst sind aber dennoch immateriell und nicht mit diesem Element, in dem sie wirken, behaftet. Ein Übergang vom Menschen zum Engel oder zum Dämon ist nach katholischer Lehre ebenso wenig möglich. Zwar können sich mit Zulassung Gottes Dämonen als Seelen von verdammten Verstorbenen manifestieren, aber es ist ein Dämon und nicht der Verstorbene, der da wütet. Dämonen haben als gefallene Engel keine andere Natur als die Engel selbst. Diese Natur, was als theologisch sicher gilt (sententia certa) ist rein geistig, ohne Beimischung des Körperlichen. In der christlichen Antike gab es einige Theologen, welche vom Stoizismus oder Neuplatonismus inspiriert meinten, dass wenigstens die Dämonen eine Art körperlicher Mischnatur haben. So schreibt Thomas von Aquin:

Daemones secundum Apuleium sunt corpore aerea, animo passive, mente rationalis, tempore aeterna (Summ. Theol. Ia, q. 51, 1 ad 1 et. Q.115. 5 c.)

Dämonen sind nach Apuleius [von Madaura, Mittleplatoniker 123-172] vom Körper her luftig, von der Seele her passiv, vom Verstand rational und von der Zeit her ewig.

Dämonen sind nach Porphyrios [Neuplatoniker 233-305] von Natur aus trügerisch und sinnlich (Ia, q. 63.4 ad 1).

Obwohl sich fast alle griechischen Philosophen Gedanken über die Geister oder Dämonen machten, so wurde eine Dämonologie zum ersten Mal systematisch von den Stoikern und anschließend von den Mittel- und Neuplatonikern ausgearbeitet. Obwohl viele Philosophiehistoriker es nicht wahrhaben wollen, da nach dem aufklärerischen Paradigma es so etwas nicht geben kann, so war die Zeit des aufkommenden Christentums der ersten fünf Jahrhunderte, welche zeitgleich mit der philosophischen Epoche des Mittel- und Neuplatonismus stattfand, eine Zeit des ausufernden Okkultismus und der Magie. Durch die nach Rom importierten orientalen Kulte und Mysterienreligionen hatten sehr viele Menschen Dämonenerfahrungen, welche es philosophisch zu erklären galt. Davon, dass es solche Erfahrungen wirklich gab, zeugt die römische Rechtsgeschichte. So wurde das alte Gesetz Lex Cornelia des sicarris et veneficis (81 a. Chr. n.), das sich gegen Giftmischer richtete, in der Kaiserzeit durch einen Senatsbeschluss (Dig. 48,8) auf magische Kulthandlungen erweitert – mala sacrificia facere, habere. Dieser Senatsbeschluss erstreckte die Strafe:

„auf denjenigen, welcher frevelhafte oder nächtliche Kulthandlungen veranstaltet oder zu veranstalten veranlasst hat, um jemanden zu verzaubern, zu lähmen oder zu fesseln; und auf denjenigen, welcher einen Menschen geopfert oder mit dessen Blut günstige Vorzeichen erbeten, ein Heiligtum oder einen Tempel befleckt hat.“[1]

Es sind also satanische Kulthandlungen, wie sie im Buche stehen. Im zweiten und dritten Jahrhundert werden weitere Zaubereitatbestände für strafbar erklärt (Gesetz gegen Astrologen, Dig. 48, 19, 30). Magier oder in die Kunst der Magie Eingeweihte sollten verbrannt, in der Arena Bestien vorgeworfen oder gekreuzigt werden. In leichteren Fällen konnten sie deportiert und ihr Vermögen eingezogen werden.[2] Beschlüsse gegen Hellseher, Zukunftsdeuter, Magier, Seher, Astrologen, kennzeichnen die ganze Rechtsgeschichte bis zum Fall Roms, siehe Detlef Liebs.[3] Oft waren es keine eigenen christlichen Gesetze, sondern Neuauflagen der alten römischen Gesetze. Der Kontext von Zauberei, Magie und paranormalen Phänomenen erklärt auch das römische Vorgehen gegen Christen, welche aufgrund der Wunder, die sie oft wirkten, zu Magiern und Zauberern gerechnet wurden. Wenn also der Gesetzgeber dermaßen oft und entschieden gegen etwas vorgehen musste, so muss doch die Magie wirklich geboomt haben, was diese römische Rechtsprechung erst möglich machte. Daher haben viele Menschen Erfahrungen mit Engeln oder Dämonen gemacht, die in diesen Kulten beschworen wurden, sodass sich die Philosophen darüber Gedanken machten, wie die Existenz eines Dämons oder Engels überhaupt möglich sei.

Was ist Körper?

Wenn die Kirche also ihre Lehraussagen über die Engel traf, so hatte sie auf eine lange philosophische Geschichte zu blicken, welche auf diese oder jene Weise die Natur der Engel deutete. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Stoiker, die Mittel- und Neuplatoniker einen ganz anderen Körperbegriff hatten als wir heute. Nach unserem nachkartesianischen Verständnis ist ein Körper etwas räumlich Ausdehnbares. Aus der Sicht der Stoiker oder Mittel- und Neuplatoniker aber ist ein Körper etwas von einer größeren oder kleineren Energiedichte, da die Stoiker alles, auch Gott und Seele, als „Körper“ auffassten. Die Mittel- oder Neuplatoniker gingen von einer absteigenden, immer körperlicher werdenden Hierarchie des Seins aus, bei der der Übergang zwischen Körper und Geist graduell und nicht wesentlich war. Da die Kirche die Philosophie von Aristoteles übernommen hat, so konnte sie mit dem stoisch-neuplatonischen Körperbegriff nicht arbeiten. Nach Aristoteles ist der Körper „etwas, was durch eine Fläche begrenzt wird“[4] und „über drei Dimensionen verfügt.”[5] Wären die Engel im aristotelischen Sinne körperlich, so wären sie materiell, im heutigen physikalischen Sinne. Währen die Engel materiell, so könnte man gar nicht zwischen Materie und Geist unterscheiden und alles wäre irgendwie materiell oder wie im Mittel- oder Neuplatonismus geistig. Um den ontologischen Unterschied zwischen geistig und körperlich, Gott, Engel und Menschen aufrechtzuerhalten, lehrt die Kirche die rein geistige Natur der Engel, was sie in aristotelisch-thomistischen Begriffen tut. Die Lehre von der Geistigkeit der Engel ist, wie wir noch sehen werden, in der Offenbarung gegeben; dennoch muss sie in einer exakt philosophischen Sprache in der kirchlichen Lehre wiedergegeben werden.

Engel als geistige Schöpfung – creatura spiritualis

Laut Diekamp-Jüssen bevorzugen das Vierte Laterankonzil (1215) und das Erste Vatikanische Konzil (1870), welche Lehrentscheidungen über die Engel trafen, die Lehre von der rein geistigen Natur der Engel.[6] Die Konzilien sprechen von der creatura spiritualis videlicet angelica – „geistigen Schöpfung d. h. die Engelsschöpfung“, die sich im Gegensatz nicht nur zu der creatura corporalis – „körperlichen Schöpfung“ -, sondern auch zu der creatura humana quasi communis ex corpore et spiritu constituta – „der menschlichen Schöpfung, welche quasi gemeinsam aus Körper und Geist zusammengesetzt ist“ -, unterscheidet. Die Engel stehen also als rein geistig über den Menschen, da die Letzteren aus Körper und Seele bestehende Mischwesen sind. Die reine Geistigkeit der Engel bedeutet, dass sie keinen Körper besitzen, unabhängig davon, ob es sich um einen engelhaften, einen ätherischen  oder sonst einen Körper handeln sollte. Daher gelten die Engel in der Scholastik als formae subsistentes – „subsistierende Formen“, d. h. Formen die eigenständig, aus sich selbst heraus, ohne vom Körper abhängig zu sein oder in einem Körper vorhanden zu sein, existieren. Mit der Lehre von der reinen Geistigkeit der Engel stellte man sich vielen gnostischen, aber auch origenistischen[7] Lehren entgegen. Eine Synode zu Konstantinopel vom Jahr 553, die dem ökumenischen Konzil desselben Jahres voranging und deren Beschlüsse von Papst Vigilius gutgeheißen wurden, verwarf im can. 2 die Lehre der Origenisten, dass die Geister, die ursprünglich rein geistiger Natur und einander völlig gleich gewesen seien, wegen ihrer Abwendung von Gott je nach dem Grad ihres Abfalls feinere oder weniger feinere Leiber erhalten hätten und dass dies der Ursprung der Cherubim, Serafin, Mächte, Herrschaften, Throne, Engel oder sonstigen himmlischen Ordnungen und ihrer Benennungen sei. Die Synode nahm also Stellung gegen die Leugnung der reinen Geistigkeit der in der Offenbarung bezeugten Engelschöre.[8]

Inwieweit ist das relevant?

Die Lehre der Origenisten enthält zwei Fehler, was in den kommenden Folgen dieser Reihe noch klarer werden wird. Erstens sind die Engel nicht völlig gleich geschaffen worden, sondern gleich hierarchisch und zweitens wurden sie nicht durch den Abfall körperlich, je nach dem Grad ihres Abfalls. Diese verurteilte Lehre hat aber auch Auswirkungen auf die Sicht über Menschen und die Welt. Wäre die Lehre der Origenisten richtig, so wäre der Mensch ein mehr oder weniger gefallener Engel und Mischformen zwischen Mensch und Engel wären möglich. Der Fall des Geistes in die Materie, die ihn verdirbt, ist ein altes gnostisches Thema. Die Materie sei demnach schlecht, weil sich die immer schlechter werdenden Engel mit der Materie verbänden. Dies wäre auf zweierlei Weise möglich, entweder würde die schlechte Materie die Fallenden durch ihre eigene Schlechtigkeit infizieren oder die fallenden Engel, da sie sich immer mehr von dem Guten entfernen, zögen die Materie durch ihre eigene Schlechtigkeit in Mitleidenschaft. Die Schlechtigkeit der Materie widerspräche aber der Güte Gottes und der Güte der Welt, da Gott die Welt als gut erschaffen hatte. In der verurteilten Lehre der Origenisten schwingt auch noch die gnostische Lehre von der Erschaffung der Welt durch die gefallenen Engel mit, welche in manchen esoterischen Kreisen sehr populär ist.

Engeloffenbarungen und die nachkonziliare Kirche

Obwohl wir alle im nachaufklärerischen Geist erzogen wurden, wonach alles materiell und rational ist, so lehrt es auch der theologische Modernismus, dass wir uns nichtsdestotrotz in einer Zeit der verstärkten dämonischen Aktivität befänden, welche nur mit der oben beschriebenen Zeit der ersten christlichen Jahrhunderte verglichen werden könne. Menschen haben wirklich Engels- oder Dämonenerscheinungen, viele behaupten Privatoffenbarung zu haben, welche von den Engeln herkommen. Die Seiten, die im Internet verschiedenen Aspekten der Engel oder der Engelkulte gewidmet sind, sind sehr zahlreich und boomen. Aber auch auf katholischen Portalen oder auf Facebook gibt es meist weibliche Engelverehrerinnen, die sehr lieb, sehr infantil und äußerst sentimental sind. Sie behaupten fromm zu sein und dennoch vertreten sie subkutan und meist unbewusst rein gnostische Lehren. In der Heimat von DSDZ (dem Schreiber dieser Zeilen) gibt es immer wieder Menschen, die irgendwelche Engelsbotschaften erhalten und diese veröffentlichen.  Interessanterweise sind es keine „abgedrehten und durchgeknallten Verrückten“, sondern Menschen, die psychisch gesund sind und ihr persönliches wie auch berufliches Leben durchaus erfolgreich meistern. Ihre Irrlehren, die leider manchmal auch ein Imprimatur eines unwissenden Bischofs erhalten, sind leider irreführend und gnostisch. Dies sieht man aber nicht auf den ersten Blick, ein zweiter, dritter und vierter Blick ist notwendig. Wenn katholische Bischöfe zu Bergoglio schweigen, so begehen sie zumindest eine schwere Fremdsünde und werden dadurch immer mehr intellektuell und spirituell verblendet. Die Deutsche Bischofskonferenz befindet sich durch ihre Entscheidungen zur Protestantenkommunion, Ehebrecherkommunion und Homosexualität nicht nur in Häresie, sondern auch im Schisma, da sie sich von der wahren katholischen Lehre abgespalten hat. Ein jeder deutscher Bischof befindet sich daher persönlich in Häresie, was Sünde ist und ihn persönlich intellektuell und geistig verblendet. Viele Bischöfe sind darüber hinaus homosexuell oder leben in Konkubinaten. Dies gilt mutatis mutandis auch für die polnischen Bischöfe, die alle, von einem abgesehen – Bischof emeritus Lenga – zu Bergoglio schweigen. Es ist also unmöglich, dass ein Bischof in der derzeitigen Lage der Kirche, da er selbst in Sünde lebt, ausreichend klar Falschoffenbarungen erkennen kann. Daher erhalten viele Schriften ein Imprimatur, obwohl sie mit der katholischen Lehre nicht übereinstimmen. Noch einmal für alle zum Mitschreiben: ein Bischof oder ein Papst macht die katholische Lehre nicht. Er ist dazu berufen sie zu deuten, da er sie erkennt, und zwar anhand eines objektiven äußeren Kriteriums, welches die bisherige Lehre der Kirche ist. Da dieses objektive katholische Kriterium nach dem Konzil bis hin zu Bergoglio verdeckt und verfälscht wurde und darüber hinaus fast alle Bischöfe in schwerer Sünde leben (Häresie, Schisma, schweigen zu Bergoglio, schwere Unterlassung ihrer Amtspflichten etc.), so sind sie wirklich mit der subtilen Materie der Engelserscheinungen und Privatoffenbarungen überfordert. Da man sich auch solche Mitarbeiter sucht, die zu einem passen, so haben sie auch niemanden, der, wenn er wollte, sie aufklären und belehren könnte. Lesen Sie also unsere Engelreihe, damit sie die Spuren der gefallenen Engel überall erkennen können. Denn auf Ihren Bischof können Sie nicht zählen.

 

 

[1] Liebs, Detlef, Strafprozesse wegen Zauberei. Magie und politisches Kalkül in der römischen Geschichte, Sonderdruck aus der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, 2. Originalbeitrag erschien in: Ulrich Manthe (Hrsg.): Große Prozesse der römischen Antike. München: Beck, 1979, S. 146-158

[2] Liebs, 3.

[3] Siehe: Liebs, Detlef, Strafprozesse wegen Zauberei. Magie und politisches Kalkül in der römischen Geschichte, Sonderdruck aus der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

[4] Aristoteles, Phys. 204b 6; Met. 1066b 23

[5] Aristoteles, Met. 1020a 14; De caelo 268a 8, 23; 274b 20.

[6]  Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 372.

[7] Von Origenes.

[8] Diekamp-Jüssen, 372-373.

Werbeanzeigen

Kommentar verfassen