Katholische Engellehre: Rein geistige Natur der Engel (7) Hl. Schrift und Väterlehre darüber (ii)

Die Heilige Schrift über die Natur der Engel

In der Heiligen Schrift werden die Engel als Geister bezeichnet.

Mt 8, 16: Am Abend brachte man viele Besessene zu ihm. Er trieb mit seinem Wort die Geister [gefallene Engel Red.] aus und heilte alle Kranken.

Lk 6, 18 Sie alle wollten ihn hören und von ihren Krankheiten geheilt werden. Auch die von unreinen Geistern Geplagten wurden geheilt. Vgl. 9, 39; 10,20;

Hbr 1, 14 Sind sie nicht alle nur dienende Geister [Engel Red.], ausgesandt, um denen zu helfen, die das Heil erben sollen?

Offb 1, 4: Johannes an die sieben Gemeinden in der Provinz Asien: Gnade sei mit euch und Friede von Ihm, der ist und der war und der kommt, und von den sieben Geistern [sieben Erzengel vgl. Tob 12, 15] vor seinem Thron.

Diese Stellen sprechen klar für eine Unkörperlichkeit der Engel. Vom Geist aber spricht der auferstandene Christus selbst:

Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. (Lk 24,36)

So übertrifft der Geist, von dem Christus hier spricht, hinsichtlich der in der Unkörperlichkeit noch wesentlich den vergeistigten den Leib des Auferstandenen. Paulus stellt die Geister im Gegensatz zu Fleisch und Blut (Eph 6, 12) und spricht ihre Unsichtbarkeit aus (Kol 1, 16). Zudem deute die Heilige Schrift bei den Engeln nie wie bei den Menschen an, dass das geistige nur ein Teil ihres Wesens sei; sie spricht nie vom Geist des Engels, noch zeigt sie, der Enkel habe einen Geist die Engel Natur ist also ganz und rein geistig.[1] Zwischen der Natur des Menschen und der der Engel besteht also ein großer Unterschied und weder wird ein Mensch graduell engelsgleicher, noch wird ein Engel graduell körperlich.

Engelerscheinungen

Laut Diekamp-Jüssen sind die in der Bibel aufgeschriebenen Offenbarungen der Engel (Tob 12,19; Gen 6,2) kein Argument gegen ihre vollständige Körperlosigkeit ebenso wenig wie die Gotteserscheinungen Argumente gegen die vollkommenste Geistigkeit Gottes sind. Zwar können die Engel vorübergehend zum Zweck des sichtbaren Auftretens einen Körper annehmen oder einen solchen wirken lassen. Sie können sich also materialisieren und dematerialisieren, was sehr oft bei Dämonenerscheinungen zutage tritt. Somit können sowohl Engel als auch Dämonen gelegentlich körperlich in die Welt eingreifen, was sämtliche Hagiographien als auch Erfahrungen von Besessenen bezeugen. Dies hängt aber damit zusammen, wie wir noch sehen werden, dass die Engel auf den motus localis – die räumliche Bewegung der Dinge, d. h. der gesamten Materie Einfluss haben. Sie können diese Materie bewegen, und zwar auf allen – auch subatomaren – Ebenen. So können sie auch diese Materie in verschiedenen Formen erscheinen lassen, welche von außen betrachtet körperlich wirken. Daraus folgt also, dass sie sich dadurch entweder materialisieren oder der Materie irgendwie bedienen können. Man könnte die Frage stellen, ob sie dazu ihre eigene Körperlichkeit brauchen.

Lehre der Kirchenväter

Leider entbehrt die Väterlehre der wünschenswerten Klarheit und Einhelligkeit bezüglich der rein geistigen Natur der Engel. Dies resultiert daher, dass die Väter sich nicht nur des Platonismus, sondern auch des Stoizismus bedienten, welche den Körper anders definierten. Die stoische Philosophie betrachtete alles Individuelle oder gar alles Seiende als körperlich. Die Platoniker hingegen, welche die Engel mit einem Leib umkleidet dachten, verleiteten manche Väter dazu, den Engeln eine, wenn auch sehr feine, ätherische oder unsichtbare Leiblichkeit zuzuschreiben. Zwar nennen sie die Engel oft „unkörperlich“, verneinen aber dadurch nur die grobe Körperlichkeit. Einige wie Augustinus (Ep. 95, 8; De civ. Dei XIII, 23; XXI, 10) sind unentschieden. Andere Theologen sprechen sich für ihre geistige Natur aus. (Eusebius, Demonstr. Ev IV, 1; Gregor von Nazianz, Orat. 28, 31; 31,15; 38,9; Theodoret von Cyrus, In Gen. Q. 20, Pseudo-Dionisius, De coel. Hier. 15: Licinianus von Carthago, Ep. 2; Gregor der Große, Moralia II, 7,8; IV 3,8).  Daher muss man bei solchen Aussagen der Väter immer ihre philosophischen Bezugssysteme berücksichtigen.

Interessanterweise waren auch die Scholastiker in dieser Angelegenheit nicht einer Meinung. Der heilige Thomas lehrt, dass die Engel als formae subsistentes zu verstehen sind, also rein geistige Formen (IaIIae q. 50 a. 2) darstellen. Sie existieren also eigenständig und körperlos an sich. Der Schreiber dieser Zeilen nimmt an, dass die Engel zwar rein geistige Wesen sind, sie aber die Materie durchaus beeinflussen können. Auch können sie sich, wie bereits erwähnt, irgendwie materialisieren. Das ist eine gute Erklärung für viele Erfahrungen und Zeugnisse, welche von Nebeln, Tieren oder Gestalten berichten, welche auf die Materie und auch auf die Menschen einwirken können. Lehnt man aber die Materialisierung der rein geistigen Engel ab, so muss man, wie es die Esoteriker tun, annehmen, dass es sich bei diesen paranormalen Erscheinungen um Menschenseelen handelt. Es sind aber keine Verstorbenen, sondern meist Dämonen, die sich so offenbaren. Daher werden die meisten Engelerscheinungen nicht in einer inneren oder intellektuellen Vision geschaut, sondern mit dem normalen Augenlicht. Wie bereits erwähnt, spielt bei der Klärung der Körperlichkeit oder Unkörperlichkeit der Engel die philosophische Sicht der Materie, des Körpers oder des Seins eine Rolle. Da seit der Aufklärung und des carthesianischen Körperbegriffs man immer materialistischer und körperlicher dachte, so führte leider die scholastische Annahme der reinen Geistigkeit der Engel dazu, dass sie als unkörperlich, also irreal gesehen wurden.

 

 

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, Wil 2012, 373.

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