Tradition und Glauben

Kieran Tapsell, Das Kirchenrecht über den sexuellen Kindesmissbrauch im Wandel der Zeit (13 von 13).

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Die aktuelle Situation

Bei einem Treffen mit den amerikanischen Bischöfen im März 2002 sagte Papst Johannes Paul II.

„Es gibt keinen Platz im Priestertum oder im Ordensleben für diejenigen, die der Jugend Schaden zufügen würden.“[1] 

Diese Aussage legt nahe, dass die Kirche eine „Null Toleranz Politik“ gegenüber dem sexuellen Missbrauchs von Kindern durch Geistliche annehmen würde und das jene Priester, die Kinder missbraucht hatten, aus dem Priesterstand entlassen werden würden.[2] Am 19. März 2014 sagte Papst Franziskus, dass Papst Benedikt eine „Null Toleranz Politik“ gegenüber Geistlichen, die Kinder sexuell missbrauchten, vertreten hätte.[3] Am 27. Mai 2014 versprach er, dass er den gleichen „Null-Toleranz“ -Standard einhalten würde.[4] Aber die Zahlen von Erzbischof Tomasi, die er den Vereinten Nationen vorgelegt hat, zeigen, dass weniger als ein Drittel aller Priester gegen die glaubwürdige Anschuldigungen wegen sexuellen Kindesmissbrauchs erhoben worden sind, tatsächlich aus dem Priesterstand entlassen worden ist.[5] Trotz einiger Verbesserungen des vatikanischen Disziplinarwesens seit 2001 gibt es damit noch erhebliche systemische Probleme, die nur durch Änderungen des Kirchenrechts behoben werden könnten.[6] 

Fazit

Die Ordensrüder Crowe und Shanahan teilten der Royal Commission mit, dass in den 1980er Jahren die Maristen und Christian Brothers den sexuellen Missbrauch von Kindern nur als „moralisches Versagen“ angesehen hätten.

Kardinal Francis George, einer der führenden Intellektuellen der Kirche, hat richtigerweise die Ansicht formuliert, dass das Gesetz als Lehrer fungiert.[7] Das Kirchenrecht lehrte ab 1917, dass die erste Verpflichtung [der Kirche] darin bestand, den Täter des sexuellen Kindesmissbrauchs zu heilen zu versuchen. Es lehrte auch, dass solche Angelegenheiten keine Verbrechen waren, weil es 1922 die Meldung an die Polizei verbot und dieses weiterhin verbietet, mit einer Ausnahme, die in den meisten Ländern gegenstandslos ist. Es ist leicht zu verstehen, wie Bischöfe und andere, die in der kirchlichen Hierarchie weiter unten sind, wie die Maristen und die Christian Brothers, denken würden, dass der sexuelle Kindesmissbrauch nichts weiter als ein „moralisches Versagen“ sei. Denn auf diese Weise betrachten es die Päpste, die Stellvertreter Christi, als sie das kanonische Recht ab 1917 radikal änderten und danach diese Änderungen fortsetzten und erweiterten.

Das päpstliche Geheimnis bildet die Rechtsgrundlage für die Vertuschung des sexuellen Kindesmissbrauchs. Kardinal Francis George sagte auch, dass, wenn man eine Kultur ändern will, man das Gesetz ändern muss, welches diese Kultur verkörpert.[8] Dies gilt für das Kirchenrecht, gleich wie für das Zivilrecht. Die Kultur der Geheimhaltung bezüglich des sexuellen Kindsmissbrauchs wird in der Kirche niemals verschwinden, solange das Kirchenrecht allen das päpstliche Geheimnis auferlegt, das die Anschuldigungen und Informationen über den sexuellen Kindesmissbrauch umfasst.


[1] http://old.usccb.org/ocyp/charter.pdf Artikel 4 (Zugriff vom 17. August 2013)

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[2] Siehe eidesstattliche Erklärung von Jennifer Haselberger, http://www.andersonadvocates.com/Posts/News-or-Event/1855/Affidavit-of-Jennifer-Haselberger.aspx Par 21 (Zugriff am 17. Juli 2014)

[3] http://ncronline.org/blogs/ncr-today/pope-francis-supports-zero-tolerance-child-abuse (Zugriff am 25. Oktober 2014)

[4] https://www.osv.com/OSVNewsweekly/Vatican/Article/TabId/719/ArtMID/13626/ArticleID/14793/Pontiff-to-meet-with-sex-missbrauch-opfer.aspx (Zugriff am 25. Oktober 2014)

[5] Am 6. Mai 2014 sagte Erzbischof Tomasi, der Gesandte des Heiligen Stuhls bei den Vereinten Nationen, dass von 3.400 glaubwürdigen Anschuldigungen die seit 2004 an die CDF [Glaubenskongregation] gerichtet wurden, nur 848 Priester aus dem Priesterstand entlassen worden sind, anderen wurden einigen nicht ausdrücklich benannten Disziplinarmaßnahmen unterworfen: http://vaticaninsider.lastampa.it/en/world-news/detail/articolo/pedofilia-pedophilia-pedofilia-33935/ (Zugriff am 19. Februar 2015)

[6] Potiphar’s Wife, p.327-332.  

[7] Ave Maria Law Review Volume 1, Issue 1 (2003) p.1 http://legacy.avemarialaw.edu/lr/assets/articles/v1i1.george.copyright.pdf (Accessed 7 May 2013)  

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[8] Ave Maria Law Review Volume 1, Issue 1 (2003) p.1 http://legacy.avemarialaw.edu/lr/assets/articles/v1i1.george.copyright.pdf (Accessed 15 May 2013)  

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