Tradition und Glauben

„Kommt ihr Töchter, helft mir klagen“. Wo sind die Früchte des Konzils? (1)

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1.  Der nachkonziliare Zustand der Kirche. Eine Einführung

Wenn wir im Rahmen von ad captandam benevolentiam den Anfangschoral der Matthäuspassion von Bach zitieren, so ist er mehr aus theologischen als aus bildungstechnischen Gründen gewählt. Die Kirche ist ja tatsächlich der mystische Leib Christi, was uns sehr deutlich die Enzyklika Mystici corporis von Pius XII vor Augen stellt. Wenn die Kirche leidet, dann leidet Christus selbst, denn er sagte zu Saulus auf dem Damaskusweg: „Warum verfolgst du mich?“ (Ap 9,4), obwohl Saulus die Kirche verfolgte. Daher ist jeder Angriff auf die kämpfende Kirche, denn die triumphierende und die leidende Kirche sind ja in Sicherheit, ein fortgesetzter Angriff des Widersachers Gottes auf die Menschheit Christi, da der Teufel der Göttlichkeit des Heiland niemals etwas anhaben konnte oder anhaben kann. Der Teufel kämpft ja, nach Offenbarung 12, mit den Nachkommen des Weibes, womit an dieser Stelle sowohl die Mutter Gottes als auch die Mutter Kirche gemeint sind. Dies ist der große theologische Rahmen, in welchem sich alle katholischen Überlegungen zur Kirchenkrise bewegen sollten, wobei nicht zu vergessen ist, dass Gott der allmächtige Herrscher der Geschichte und der Kirche ist. Die Verfolgung der Kirche kommt ja nicht nur von außen, sondern auch von innen der Kirche, wie treffend Benedikt XVI feststellte, bevor er selbst das Feld räumte und von den Wölfen floh. Möge der nachfolgende Kolloquialismus uns nachgesehen werden, aber der geistliche Kampf ist eben nichts für Weicheier, sondern etwas für richtige Kerle, beiderlei Geschlechts. Da leider die Mehrheit der heutigen Geistlichen, besonders in Deutschland, extrem verweichlicht und verweiblicht ist, ohne gleich homosexuell zu sein, so ist von ihnen wirklich wenig zu erwarten. Dabei ist der geistliche Kampf ein ständiger Kampf gegen die Welt, gegen das Fleisch und gegen den Satan. Man wird also immer etwas zu bekämpfen haben, obwohl ein „Bekämpfen“ nicht immer ein Plattmachen der theologischen oder ideologischen Gegner bedeuten muss. Denn es gilt die Seelen zu retten und nicht diese noch zusätzlich zu verderben.

Von der theologischen Sicht schreiten die wir nun zu der soziologischen Sicht der Dinge fort. Es scheint wirklich der Fall zu sein, dass wir zurzeit innerhalb der Kirche eine Zeit des Totalitarismus durchmachen, in welchem das Hohelied von „den Früchten des Konzils“ die tragende Ideologie, besonders der Kirche in Deutschland, darstellt. Diese Ideologie ist aber keine Theologie, sondern erlaubt eine bestimmte Machtausübung und ermöglicht einen bestimmten Machterhalt. Man kann in den kirchlichen und akademischen Kreisen absolut alles angreifen und kritisieren, von der nicht vorhandenen Existenz Gottes angefangen, das Einzige, was sakrosankt als ein Superdogma unangreifbar bleibt, ist das letzte Konzil. An dieser Stelle möchten wir anführen, dass wir das letzte Konzil als ein pastorales anerkennen und auch alle seine dogmatischen Bestimmungen, soweit sie dem vorhergehenden Lehramt nicht ausdrücklich widersprechen (und das tun sie eigentlich nicht), ebenfalls annehmen. Da wir aber ebenfalls die zweiwertige Logik hochhalten und somit den Satz vom Widerspruch als das geltende Gesetz des menschlichen Denkens anerkennen, so können wir unmöglich annehmen, dass alles, was bis zum letzten Konzil gut und richtig war, seit der Zeit 1962-1965 schlecht und falsch ist. So direkt und deutlich hört man es zwar niemanden sagen, aber dies ist leider die Grundhaltung, welche den meisten Geistlichen ein angenehmes Leben ermöglicht, ohne irgendwo, irgendwann, irgendwie anzuecken. Dieser Grundeinstellung ermöglicht auch den Theologen jeden möglichen Unsinn zu verbreiten, ohne in irgendeiner Weise zur Verantwortung gezogen zu werden. Das letzte Theologenmemorandum hat es ja bewiesen. Wie man früher in den Ostblockstaaten jemanden, der nicht gerade ins Gefängnis gehen wollte, immer damit einschüchtern konnte, dass man ihm sagte: „Du bist ja gegen den Sozialismus!“, so kann man heute jemanden in Deutschland, aber auch woanders, kaum einer Häresie vorwerfen, denn das ist ja ein vorkonziliares Gerede, sondern die Ablehnung des Konzils, den Kryptolefebrismus, die fehlende Dialogbereitschaft et cetera et cetera. Der Geist des Konzils ist also das nicht greifbare, aber auch das unangreifbare Superdogma, welches alles rechtfertigt. Wir werden diese Gedanken doch mehr als einmal vertiefen. An dieser Stelle lässt sich aber sagen, dass diejenigen Völker, welche die Erfahrung eines Totalitarismus hinter sich haben mit dem nachkonziliare Doppeldenken, welches in der deutschen Kirche und in der deutschen Theologie herrscht, viel besser umgehen können als diejenigen, denen diese Erfahrung fehlt. Eine erneute Lektüre von Orwells 1984 ist hier allen zu empfehlen.

Der Schreiber dieser Zeilen ist nach dem Konzil geboren, aufgewachsen, religiös sozialisiert und theologisch ausgebildet worden. Er kennt also keine andere Kirche als die nach dem Konzil. Er hat sich mehr als einmal gefragt, warum die Lehre dermaßen im Ungefähren bleibt und warum seine eigenen und die kirchlichen Missionsbemühungen dermaßen wenig fruchten. Er dachte immer, dass es an den jeweiligen Lehrenden und an ihm selbst liegt. Es dauerte eine Zeit bis er feststellte, dass die nachkonziliare Entwicklung deswegen so eingerichtet und ausgelegt wurde, damit sie keinen oder wenig Sinn macht und somit keine Früchte trägt. Dies bedeutet aber nicht, dass alles verloren ist, dass der Antichrist vor der Tür steht oder dass wir in einer Sedisvakanz leben. Es gibt einfach sehr viel zu tun, um das nachkonziliare Geknäuel zu entwirren und Spreu vom Weizen zu trennen. Es bleibt zu hoffen, dass es noch ausreichend viele Hierarchen, Geistliche und Theologen geben wird, welche die katholische Lehre ausreichend gut kennen werden, um diese Bereinigung vollbringen zu können. Die Piusbruderschaft bietet, unserer Meinung nach keine Alternative, da sie nach wie vor kanonisch irregulär ist, selbst in theologischen Widersprüchen steckt und manch einer theologischen Sondermeinung anhängt, welcher sie viel zu viel Bedeutung beimisst. Wie jemand sehr richtig sagte: „Wir brauchen kein Drittes Vatikanum, sondern ein zweites Tridentinum!“ Ja, das brauchen wir und einen zweiten Pius V noch dazu!

Unsere Artikelreihe über die nachkonziliare Krise richtet sich in erster Linie nicht an diejenigen, welche sowieso eine nachkonziliare Apostasie annehmen und von der nachkonziliaren Kirche als von der „Konzilskirche“ oder gar der „Konzilssekte“ sprechen. Wir tun dies nicht und diese Ausdrucksweise tut uns weh. Unsere Artikelreihe richtet sich an diejenigen, welche eine Kontinuität der Kirchengeschichte anerkennen und nach den Ursachen der gegenwärtigen Krise fragen. Unserer Meinung nach hatte das letzte Konzil tatsächlich zu dieser Krise beigetragen, indem es Einflüsse, Lehren und Tendenzen zuließ, welche subkutan in der Kirche eigentlich seit der Reformation gärten und über den Jansenismus, die Französische Revolution, den Liberalismus, den Modernismus und andere Ismen eine Tiefenströmung bildeten, welche erst nach dem Konzil aufbrach und im Westen fast alles mit sich riss. Die Konzilstexte lassen sich orthodox auslegen und verstehen, aber sie lassen sich auch heterodox interpretieren, da ihnen eine beinahe orwellsche Zwiesprache zugrundeliegt und zwar auf allen möglichen Verständnisebenen. Und dies ist die eigentliche Neuheit, denn die vorigen Konzilien haben sich einer exakten, juristischen Sprache bedient, welche innerhalb der ganzen Kirchengeschichte ausgearbeitet wurde und daher jedem Missverständnis vorbeugte.

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Die vorliegende Artikelreihe möchte aber fast ausschließlich statistisch und soziologisch argumentiert. Sie möchte fragen, ob irgendetwas Positives innerhalb der letzten 50 Jahre für die Kirche herausgekommen ist? Wir möchten die folgenden Identitäts- und Wachstumskriterien der katholischen Kirche vorstellen und untersuchen:

  1. Anzahl der Priesterberufungen
  2. Anzahl der Ordensberufungen
  3. Anzahl der Katholiken weltweit
  4. Kenntnis der katholischen Lehre durch Katholiken
  5. Einhaltung der katholischen Moral und der katholischen Religionspraxis durch Katholiken
  6. Katholische Missionserfolge
  7. Anzahl der Konversionen zum Katholizismus
  8. Bindung der Lokalkirchen an Rom

An dieser Stelle lässt sich schon sagen, dass all diese Kriterien negativ ausfallen. Da die Kirche ein Organismus ist, so können auf sie mutatis mutandis auch die Kriterien einer organischen Gesundheit übertragen werden. Ein Organismus aber ist dann gesund, wenn er nicht abstirbt und sich fortpflanzt. Die Kirche stirbt aber ab und pflanzt sich als solche nicht fort. Die einzigen positiven Statistiken, die aus Afrika und Asien vorliegen sind nicht auf eine positive Entwicklung der Kirche zurückzuführen, sondern auf ein größeres Bevölkerungswachstum als in Europa oder in Amerika. Da der Schreiber dieser Zeilen auch andere Pflichten und Interessen außerhalb dieses Blogs hat, so wird die Übertragung der polnischen Texte in ein annehmbares Deutsch und ihre Ausrichtung auf den deutschsprachigen Leser einige Zeit in Anspruch nehmen. Wir bitten daher alle um Geduld. Die Ungeduldigen können sich an den bereits verfassten Texten mithilfe eines Autotranslators versuchen.

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