Kritik von und an Kardinal Brandmüller oder Kaninchenzuchtverein forever!

Wie man überall nachlesen kann, kritisierte Kardinal Brandmüller in einem Schreiben vom 27.06.2019 das Instrumentum laboris der kommenden Amazonas-Synode. Kardinal Brandmüller (geb. 5 Januar 1929) ist 90 Jahre alt und der letzte der vier Dubia-Kardinäle, der ich noch was traut. Erinnern wir uns an die vier restlichen:

  1. Kardinal Meisner, am 5. Juli 2017 eines unerwarteten Todes gestorben,
  2. Kardinal Caffarra, am 6. September 2017 eines unerwarteten Todes gestorben,
  3. Kardinal Burke, äußert sich nicht, bleibt unter dem Radar,
  4. Kardinal Brandmüller – äußert sich.

Gehen wir zuerst die Todesfälle durch. Ein jäher, unverhoffter Tod, wie bei Meisner oder Caffarra ist leider kein Zeichen der Güte Gottes oder anderes formuliert kein Zeichen, dass Gott mit einem noch etwas vorhat. Waren diese Todesfälle natürlich, wovon auszugehen ist oder auch nicht, so hat Gott dies zugelassen, weil sich die Kardinäle nicht ausreichend viel trauten. Und wird jetzt unser frommes, hasenspickendes Mütterchen ausrufen:

Sie hatten Angst um ihr Leben! Wie Benedikt auch!

so eilen wir zu antworten: Sie sind trotzdem gestorben. Wir alle werden sterben und dann werden wir alle auch für unsere Unterlassungssünden streng gerichtet werden. Kardinal Brandmüller ist älter als Kardinal Burke, so ist davon auszugehen, dass er auch früher stirbt. Vielleicht traut er sich deswegen irgendwie gegen Bergoglio tätig zu werden, anders als der ältere Benedikt XVI., weil er weiß, dass er nicht mehr lange zu leben hat.

Ist aber das, was Kardinal Brandmüller schreibt und unternimmt genug?

Mitnichten nein! Es ist eine Kritik nach der Art unseres sprichwörtlichen Kaninchenzuchtvereins, wo man nett zueinander ist, um es sich mit den Kollegen nicht zu verderben und das zweite Stück Kuchen beim Vereinskaffeetrinken nachgelegt zu bekommen. Wir glauben, mit dem Blogger Mundabor, dass es die Pflicht Brandmüllers ist für den Glauben zu sterben, da er Kardinalspurpur trägt, anstatt verhaltene und diplomatische Kritik zu schreiben, welche den eigentlichen Übeltäter – Bergoglio – nicht beim Namen nennt. Mit einer solchen Kritik ist wirklich keinem geholfen. Der Antipapst Bergoglio und seine Helfershelfer planen eine weitere Apostasie und die Zerstörung der Kirche und alle schweigen. Für theologisch Ungebildete ist diese Kritik von Brandmüller zu verhalten formuliert und wohl auch unverständlich, für die Vatikan-Monsignores wohl zu harsch oder auch völlig ineffizient, denn er nennt niemanden beim Namen und unternimmt nichts. Aber es scheint Kardinal Brandmüller zu entgehen, worin es in der Amazonas-Synode wirklich geht. Nicht nur um die Abschaffung des Zölibats und die Frauenweihe, sondern um die offizielle Einführung des Heidentums und einer Art Mutter-Erde-Kultes innerhalb der Kirche, mit weiblichen Priesterinnen. Diese Gefahr hat sehr richtig Roberto de Mattei erkannt und beschrieben. Denn alle bisherigen Bergoglio-Synoden haben etwas anderes herausgebracht als sie versprachen:

  • Familiensynode – Amoris Laetitia also Kommunion für Ehebrecher und Aufhebung der Sünde
  • Jugendsynode – Synodalität also Schisma

so wird auch die Amazonas-Synode etwas anderes hervorbringen als das, was wir alle meinen. Ja, es wird schlimmer kommen, als wir denken. Kardinal Brandmüller schreibt vieles richtig, aber leider aus der Sicht eines Stubengelehrten, der immer noch mit Rousseau und Aufklärung argumentiert, mit so ziemlich 200-jährigen Verspätung. Es ist eine akademische Analyse nach dem Schema F, aber kein theologischer Tiefgang von jemanden, der aufgrund von Kardinalspurpur bereit ist für Christus sein Leben hinzugeben. So lesen wir im dritten Punkt:

3

  1. Über natürliche Religionen und Inkulturation Ein weiteres Moment kommt hinzu, dass das „Instrumentum laboris“ insgesamt durchzieht: die überaus positive Wertung der Naturreligionen einschließlich indigener Heilpraktiken etc., ja selbst mythisch-religiöser Praktiken und Kultformen. Da ist etwa im Zusammenhang mit der Forderung nach Harmonie mit der Natur auch vom Dialog mit den Geistern die Rede (Nr. 75).Es ist nicht nur das aufklärerische, Rousseau’sche Ideal des „edlen Wilden“, der dem dekadenten Europäer entgegengesetzt wird. Dieser Gedankenfaden setzt sich fort, bis er dann um die Wende zum 20. Jahrhundert in eine pantheistische Naturvergötzung mündet. Hermann Claudius (1913) schuf die Hymne der sozialistischen Arbeiterbewegung „Wenn wir schreiten Seit an Seit‘…“, deren eine Strophe lautet: „Birkengrün und Saatengrün, wie mit bittender Gebärde hält die alte Mutter Erde, dass der Mensch ihr Eigen werde, ihm die vollen Hände hin…“.Es ist festzustellen, dass dieser Text in das Liederbuch der Hitlerjugend übernommen wurde, vermutlich weil er dem nationalsozialistischen Blut- und Boden-Mythos entsprach. Diese ideologische Nähe ist bemerkenswert. Die in solchen Texten zum Ausdruck kommende antirationale Absage an die vernunftbetonte „westliche“ Kultur ist charakteristisch für das „Instrumentum laboris“, das in Nr. 44 von „Mutter Erde“, bzw. dann auch von dem „Schrei der Erde und der Völker“ (Nr.101) spricht. Dementsprechend wird auch das Territorium – also die Wälder Amazoniens – sogar zu einem „locus theologicus“, eine besondere Quelle der Göttlichen Offenbarung. Hier sind Orte der Epiphanie, wo sich die Reserven von Leben und Weisheit des Planeten zeigen, die von Gott sprechen (Nr. 19). Die hier zum Ausdruck gekommene antirationale Absage an die vernunftbetonte „westliche“ Kultur ist, wie schon gesagt, charakteristisch für das „Instrumentum laboris“. Der damit verbundene Rückfall vom Logos zum Mythos wird indes zum Kriterium dessen erhoben, was das „Instrumentum laboris“ unter Inkulturation der Kirche versteht. Das Ergebnis ist Naturreligion in christlicher Maskerade.Der Begriff der Inkulturation wird hier geradezu pervertiert, meint er doch eigentlich das Gegenteil von dem, was das Dokument der Internationalen Theologenkommission von 1988 darlegt, und schon das Missionsdekret „Ad gentes“ des II. Vatikanischen Konzils gelehrt hatte.

Wie man sieht, wird auch mit Vat. II argumentiert, welches ja diese Amazonas-Synode möglich machte. Johannes Paul II, der Konzilspapst schlechthin, liebte es auch sich mit Wilden ablichten zu lassen und ihre Bräuche zu loben. Der Unterschied zu Bergoglio ist also leider nur ein gradueller, kein wesentlicher. Auch die Argumente gegen die Frauenweihe bleiben bei Johannes Paul II kleben, als gäbe es keine besseren und älteren:

Über die Abschaffung des Zölibats und die Einführung eines Frauenpriestertums Es konnte nicht verborgen bleiben, dass die „Synode“ vor allem dazu dienen sollte, zwei seit Jahrzehnten gehegte, bislang nie erfüllte „Herzensanliegen“ zu erfüllen: Abschaffung des Zölibats und Einführung des Frauenpriestertums – wozu mit geweihten Diakoninnen zu beginnen sei. Jedenfalls geht es darum, die „Rolle, die „leadership der Frau im Inneren der Kirche zu akzeptieren“ (Nr. 129a3). In ähnlichem Sinne öffnen sich „weitere Räume für die Schaffung neuer Dienstämter, wie sie dieser historische Augenblick erfordert. Es ist Zeit, auf die Stimme Amazoniens zu hören…“ (Nr. 43).

Dabei wird verschwiegen, dass zuletzt auch Johannes Paul II. mit höchster lehramtlicher Autorität festgestellt hat, dass es nicht in der Macht der Kirche liegt, das Weihesakrament Frauen zu spenden. In der Tat hat die Kirche in zweitausend Jahren nie einer Frau das Sakrament der Weihe gespendet. Die diesem Befund entgegen gesetzte Forderung lässt den rein soziologischen Begriff von „Kirche“ die Verfasser des „Instrumentum laboris“ erkennen, die den sakramental-hierarchischen Charakter solchermaßen implizit leugnen.

Ebenso ist ein Zitat aus Sacrosanctum Concilium, welches diese unsägliche Inkulturation einführte, der Versuch den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben:

  1. Über das Leugnen des sakramental-hierarchischen

Charakters der Kirche 

Auf ähnliche, eher beiläufige Weise wird in Nr. 127 ein direkter Angriff auf die hierarchisch-sakramentale Verfasstheit der Kirche geführt, wenn gefragt wird, ob es nicht angebracht sei, zu „neu darüber nachzudenken, ob die Ausübung von Jurisdiktion in allen Bereichen (Sakrament, Gerichtswesen, Verwaltung) bleibend an das Sakrament der Weihe gebunden sein müsse“. Aus einer solchen falschen Sicht ergibt sich dann (in Nr. 129) die Forderung, neue Ämter zu schaffen, die den Bedürfnissen der Amazonasvölker entsprechen.

Das Gebiet, auf dem die Ideologie des Indigenismus einer falsch verstandenen Inkulturation in besonders spektakulärer Weise Ausdruck finden soll, ist jedoch die Liturgie, der Kult. Hier sollen durchaus Formen aus den Naturreligionen übernommen werden. Dem „Instrumentum laboris“ steht es nicht an, zu fordern, dass „das arme und einfache Volk seinen (!) Glauben durch Bilder, Symbole, Traditionen, Riten und andere Sakramente“ (!!) zum Ausdruck bringen könne (126e). Dies entspricht keinesfalls den Vorgaben der Konstitution „Sacrosanctum Concilium“ wie auch dem Missionsdekret „Ad gentes“, und zeigt ein rein horizontales Verständnis von Liturgie.

Im nächsten Abschnitt wird klar, dass Kardinal Brandmüller ein langjähriges Mitglied des vatikanischen Kaninchenzüchtervereins und zu lieb ist, denn das Instrumentum laboris wurde vom Papst und einen Teil der Bischöfe geschrieben und mutet ihnen nichts zu. Sie wollen es ja so haben:

  1. Fazit

Summa summarum: Das Instrumentum laboris mutet der Bischofssynode und schließlich dem Papst einen schwerwiegenden Bruch mit dem „Depositum fidei“ zu, was in der Konsequenz Selbstzerstörung der Kirche bzw. deren Verwandlung vom „Corpus Christi mysticum“ in eine säkulare NGO mit öko-sozio-psychologischem Auftrag bedeutet.

Nach diesen Beobachtungen stellen sich natürlich Fragen: ist vor allem in Bezug auf die sakramental-hierarchische Struktur der Kirche ein entschiedener Bruch mit der für die Kirche konstitutiven Apostolischen Tradition beabsichtigt, oder gehen die Autoren eher von einem Begriff von Dogmenentwicklung aus, der die genannten Brüche theologisch rechtfertigen soll?

Dies scheint in der Tat der Fall zu sein. Wir erleben eine Neuauflage des klassischen Modernismus des beginnenden 20. Jahrhunderts. Von einem dezidiert evolutionistischen Ansatz aus vertrat man damals die Auffassung, dass im Zuge der beständigen Höherentwicklung des Menschen sich auch Schritte zu einer jeweils höheren Bewusstseins- bzw. Kulturstufe ergeben, wobei es sich herausstellen kann, dass heute wahr ist, was gestern noch falsch war. Dieser evolutiven Dynamik unterliege natürlich auch die Religion bzw. das religiöse Bewusstsein mit seinen Ausformungen in Lehre und Kult – natürlich auch der Moral.

Damit wäre allerdings ein Begriff von Dogmenentwicklung vorausgesetzt, der dem genuin katholischen Verständnis schroff entgegengesetzt ist. Dieser versteht vielmehr Entwicklung von Dogma und Kirche nicht als Veränderung, sondern als organische Entfaltung des mit sich selbst identisch bleibenden Subjekts. So lehren die beiden Vatikanischen Konzilien in den Konstitutionen „Dei filius“, „Lumen gentium“ und „Dei verbum“.

Es ist mit Nachdruck festzuhalten, dass das „Instrumentum laboris“ in entscheidenden Punkten der verbindlichen Lehre der Kirche widerspricht, und darum als häretisch zu qualifizieren ist. Sofern sogar die Tatsache der Göttlichen Offenbarung in Frage gestellt bzw. missverstanden wird, ist darüber hinaus von Apostasie zu sprechen.

Dies ist umso mehr begründet, als festzustellen ist, dass das „Instrumentum laboris“ von einem rein immanentistischen Religionsbegriff ausgeht und Religion als Ergebnis und Ausdrucksform spiritueller Selbsterfahrung des Menschen betrachtet. Die Verwendung christlicher Worte und Begriffe darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese ungeachtet ihres ursprünglichen Inhalts als bloße Worthülsen dienen.ª

Das „Instrumentum laboris“ für die Amazonien-Synode stellt einen bislang kaum für möglich gehaltenen Angriff auf die Grundlagen des Glaubens dar und muss deshalb mit aller Entschiedenheit zurückgewiesen werden.

Sicherlich hat Kardinal Brandmüller mit seinen Anklagen des Modernismus und des Evolutionismus als Evolution des Dogmas verstanden, worüber wir schon schrieben, recht. Aber es gibt leider keine wirkliche Kontinuität zwischen den beiden vatikanischen Konzilien, was ihm zu entgehen scheint. Dies wird erst offensichtlich, wenn man das Kleingedruckte und zwischen den Zeilen liest. So ist es unzulässig „Dei Filius“ des Vat. I neben „Lumen Gentium“ und „Dei Verbum“ des Vat. II nebeneinander zu stellen, weil die letzteren Dokumente dermaßen viele Leseweisen ermöglichen, dass man von einem geplanten Betrug oder, um es mit Michael Davies zu sagen, von „geplanten Zeitbomben“ sprechen kann. Ein guter Verkäufer oder Anwalt weiß, dass nicht das zählt, was im Verkaufsangebot oder im Vertrag schriftlich aufgesetzt wurde, sondern das, was man darin nicht niederschreibt oder verschweigt. Formuliert man etwas bewusst offen oder doppeldeutig, dann will man damit verschiedene Leseweisen ermöglichen, weil man hofft etwas damit zu gewinnen. Deswegen ist es notwendig das Instrumentum laboris noch viel kritischer zu betrachten als es Kardinal Brandmüller es tut und das Gelesene viel mehr anzuprangern. Kaninchenzucht-Kritik hilft uns da nicht weiter.

Es ist davon auszugehen, dass Kardinal Brandmüller ein guter, frommer Mann ist, dem das Wohl der Kirche tatsächlich am Herzen liegt. An seiner Kritik wird aber auch deutlich, wie intellektuell schwach die theologische Argumentation ist, wenn man mit dem Vat. II argumentiert, welches die Entwicklung, die wir jetzt erleben leider grundsätzlich erlaubte. Hält man Vat. II für ein zu 100% orthodoxes Konzil und Johannes Paul II für einen Heiligen, dann geht man von einer falschen Prämisse aus und kommt immer wieder zum Widerspruch und Zirkelschluss. Vat. II ist ein misslungenes Konzil, bei dem das katholisch und rechtgläubig ist und daher als lehramtlich zu betrachten, was ausdrücklich, direkt und 1:1 mit der vorhergehenden Tradition übereinstimmt. Solche Texte gibt es auch, aber sie sind wohl in der Minderheit. Alles andere ist zu verwerfen und die nachkonziliare Uhr muss wieder auf 0 zurückgestellt werden. Es ist daher kein Wunder, dass die nachkonziliaren Päpste kaum andere lehramtliche Dokumente als Vat. II zitierten, Bergoglio – Franziskus zitiert ja ausschließlich sich selbst, weil eine Verankerung in der Tradition in der nachkonziliaren Entwicklung schlicht nicht möglich ist.

Was hat das Vat. II mit den Geistlichen getan?

Es zersetzt den Verstand, es zersetzt den Glauben und es zersetzt den Mut. Da bleibt nur der Kaninchenzuchtverein und das zweite Stück Kuchen. Leider.

Sharing is caring!

Kommentar verfassen