Oktave des Epiphaniefestes oder warum sind sie nicht mitgegangen?

Heute, am 13. Januar, feierte die Kirche bis zu den Liturgiereformen von 1955 die Oktave des Epiphaniefestes. Eine liturgische Oktave bedeutet, dass acht Tage lang das Fest wie:

  • Weihnachten,
  • Ostern,
  • Epiphanie,
  • Fronleichnam
  • Pfingsten,
  • und andere

liturgisch betrachtet wird. Dies bedeutet, dass man in den Oktaven täglich neun verschiedene Kommentare zu dem betreffenden Fest las. Dies waren:

  1. ausgewählte Schriftlesungen,
  2. Kommentare der Kirchenväter zum Fest,
  3. Kommentare der Kirchenväter zum Evangelium des Festes, das immer gleich war.

Man ging also sowohl in die Tiefe, da dasselbe Evangelium täglich betrachtet wurde, als auch in die Breite, weil man verschiedene Kommentare las. Während also in einer Oktave im Alten Ritus immer dieselbe Messe gelesen wurde, so spielte sich die ganze Betrachtung im Brevier ab.

Und was hat das mit uns zu tun?

Hätte die Kirche diesen Brauch und dieses System beibehalten, so wäre ihr Herr Pfarrer viel weniger blöd. Denn es ist unmöglich jedes Jahr 9 x 8 = 72 Lesungen zu einem Thema zu lesen, ohne dass man davon gewollt oder ungewollt inspiriert worden wäre. Und da das Brevier immer noch unter schwerer Sünde eine priesterliche Pflicht darstellt, so kann man davon ausgehen, dass das Brevier wenigstens bis 1955 von den allermeisten täglich gelesen wurde. Sie haben uns nichts zu sagen, unsere lieben Geistlichen, weil sie ungläubig sind und keine geistliche Lektüre lesen. Wenn sie aber ungläubig sind oder in schwerer Sünde leben, dann haben sie auch kein Bedürfnis nach geistlicher Speise, denn die Dunkelheit kommt nicht zum Licht. Die heilige Theresia von Avila sagte, dass man entweder zu sündigen oder zu beten aufhört. Beides zugleich geht nicht. Viele Menschen wissen nicht, welchen Kahlschlag die pianische Reform von 1955 bewirkte, bevor man nach 1962 den liturgischen Baum gänzlich fällte. Auf gloria.tv und woanders auch gibt es einige Menschen, die täglich irgendetwas von dem „guten heiligen Pius X“ oder dem „heiligmäßigen Pius XII“ posten, ohne es besser zu wissen oder es wahrhaben zu können, dass gerade diese beiden Päpste das Vatikanum II einleiteten. Der erste von ihnen mit dem liturgischen Präzedenzfall der Brevierreform und der Reform des Kalenders, der zweite von ihnen durch seine Brevierreform und Reformen der Karwoche. Wie können sie so geirrt haben? War dem hl. Pius X die Tatsache unbekannt, dass das liturgische Gebet wirklich wirkt und nicht nur schön anzuhören oder anzuschauen ist?

Der Schreiber dieser Zeilen (DSDZ) kommt bei den sich wiederholenden Oktaven kam aus dem Staunen heraus, welche Fülle doch diese Feste bergen. Es ist so als würde man einen Edelstein unter verschiedenen Lichteinflüssen, Reflexionen und Perspektiven betrachten und immer wieder etwas Neues entdecken. Da man selbst ja in seinen eigenen Betrachtungen immer beschränkt bleibt, so ist man froh, auf die Fülle der Weisheit der Kirchenväter zurückgreifen zu können. Bei der diesjährigen Betrachtung des Epiphaniefestes stellte sich DSDZ die Frage, warum die jüdischen Schriftgelehrten nicht mit den drei Königen, den Magiern, den Weisen aus dem Morgenland, den Chaldäern mitgegangen sind? Das Evangelium zum Fest sagte nämlich:

Mat 2:1 Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem

2 und fragten: Wo ist der neugeborene König der Juden? Wir haben seinen Stern aufgehen sehen und sind gekommen, um ihm zu huldigen.

3 Als König Herodes das hörte, erschrak er und mit ihm ganz Jerusalem.

4 Er ließ alle Hohenpriester und Schriftgelehrten des Volkes zusammenkommen und erkundigte sich bei ihnen, wo der Messias geboren werden solle.

5 Sie antworteten ihm: In Betlehem in Judäa; denn so steht es bei dem Propheten:

6 Du, Betlehem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes Israel.

7 Danach rief Herodes die Sterndeuter heimlich zu sich und ließ sich von ihnen genau sagen, wann der Stern erschienen war.

8 Dann schickte er sie nach Betlehem und sagte: Geht und forscht sorgfältig nach, wo das Kind ist; und wenn ihr es gefunden habt, berichtet mir, damit auch ich hingehe und ihm huldige.

9 Nach diesen Worten des Königs machten sie sich auf den Weg. Und der Stern, den sie hatten aufgehen sehen, zog vor ihnen her bis zu dem Ort, wo das Kind war; dort blieb er stehen.

10 Als sie den Stern sahen, wurden sie von sehr großer Freude erfüllt.

11 Sie gingen in das Haus und sahen das Kind und Maria, seine Mutter; da fielen sie nieder und huldigten ihm. Dann holten sie ihre Schätze hervor und brachten ihm Gold, Weihrauch und Myrrhe als Gaben dar.

12 Weil ihnen aber im Traum geboten wurde, nicht zu Herodes zurückzukehren, zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.

Fassen wir zusammen:

  1. Die Magier sind nach Jerusalem gekommen und fragten herum.
  2. Daher erfuhr von ihnen der Herodes und die Schriftgelehrten und sie erschraken.
  3. Als die Schriftgelehrten von Herodes vorgeladen wurden, wussten sie, dass die Angelegenheit ernst war.
  4. Zwar rief Herodes die Weisen heimlich zu sich, als sie aber aus Jerusalem verschwunden sind, so war es einfach für die Schriftgelehrten sich auszurechnen, wohin sie gegangen sind.

Warum sind also die Schriftgelehrten nicht mitgegangen? Sie wussten, dass „der neugeborene König der Juden“ geboren wurde und sie wussten auch wo. Warum also? Der Heilige Hieronymus schreibt in seinem Kommentar zum Evangelium am fünften Tag der Oktave folgendes:

Um die Juden zu beschämen, dass sie nämlich die Geburt Christi von Nichtjuden erfahren, geht im Morgenlande ein Stern auf. Dass dieser aufgehen würde, wussten sie aus der Weissagung des Balaam, dessen Nachfolger sie [die Magier Red.] waren. Man braucht nur das vierte Buch Moses zu lesen. Es werden aber die Weisen unter Leitung des Sternes nach Judäa geführt, damit die Priester aufgrund der Frage der Weisen, wo der Messias geboren werden sollte, ohne Entschuldigung blieben in Bezug auf die Ankunft des Herrn.[1]

Die Kirche stellte sich seit ihren Anfängen die Frage über die Verblendung der Juden, welche denjenigen kreuzigten, von dem sie jeden Sabbat lasen und dabei noch meinten Gott zu dienen. Aber die Juden, an deren Verblendung sich bis heute nichts geändert hat, stehen immer für die selbstgerechten Frommen, für die Geistlichen. Warum hat denn Gott den heidnischen Weisen durch den Stern die Geburt Christi offenbart, es aber nicht gegenüber den Juden offenbart? Vielleicht nicht durch einen Stern vielleicht anders. Weil Gott wusste, dass es nichts helfen wird, dass die Verstockung schon damals vorhanden war. Vielleicht waren auch die Hohenpriester und die Schriftgelehrten beleidigt, dass die Heiden irgendetwas wussten und es sogar besser als sie selbst wussten? Zwar haben die Hohenpriester zu Johannes dem Täufer Gesandtschaft geschickt, um zu fragen, ob er der Messias sei und sie lehnten auch Christus ab, weil er ihren Vorstellungen nicht entsprach. Jetzt aber, bei der Ankunft der Weisen aus dem Morgenland, hatten sie noch kein richtiges, erwachsenes Gegenüber, das sie ablehnen könnten. Sie waren nicht mal daran interessiert festzustellen, ob die Weisen recht hatten. Für Herodes war der Bericht der Weisen so überzeugend, dass er es nicht als Spinnerei abtat, sondern tätig wurde, weil er um seine Herrschaft fürchtete. Die Hohenpriester und die Schriftgelehrten aber unternahmen nichts. Sie saßen es aus. Sie glaubten nicht, dass der neugeborene König der Juden ihre geistliche Oberherrschaft infrage stellen könnte. Wohl auch nicht, dass er diese bestätigen könnte. Er war ihnen völlig gleich. Der Messias war für die Hohenpriester und Schriftgelehrten, die theoretisch seine Ankunft erwarteten, völlig irrelevant. Religion ohne Gott. Messianismus ohne Messias. Interessant. Wenn Sie mit einem Novus-Ordo-Priester sprechen oder auch mit einem Piuspriester, dann merken Sie schnell, dass es dabei nicht um Gott geht. Es geht um die „Strukturen“, „die Oberen“, „den Gehorsam“, „das wahre katholische Priestertum“, kurz und gut um das Nichtstun und um sie selbst. Daher tanzt jetzt bei Bergoglio keiner aus der Reihe. Bei den Hohenpriestern und Schriftgelehrten ging es auch nur um sie selbst, um den geistlichen Machterhalt oder um den reinen Machterhalt. Wenn die Kirche die Geschichte Israels betrachtet und sich mit dieser identifiziert, am stärksten in der Karwoche, so weiß sie, dass die Gefahr der ausgehöhlten irreligiösen Religion auch ihr selbst droht. Und so sind wir jetzt bei Bergoglio und der Apostasie der Deutschen Bischofskonferenz angelangt. Homosegnung anything goes. Wenn es keinen objektiven Gott gibt, dann können die Inhalte der sogenannten Religion beliebig umformuliert werden und für jedes X kann man ein U vormachen. Es geht ja sowieso keiner in die Kirche, keinen kümmert es und sie zahlen schön brav weiter.

Interessanterweise gibt es die Wandlung von Verblendung zur Erleuchtung, wie bei Saulus, höchst selten. Vielleicht ist deswegen Saulus diese Bekehrung, von Gott bewirkt, widerfahren, weil Saulus wirklich einem Ideal, das sich außerhalb seiner selbst befand, diente oder ihm zu dienen meinte. Bei der Verfolgung der Christen ging es nicht um ihn, sondern um den wahren Glauben, nach seiner Bekehrung ging es nicht um ihn, sondern um den wahren Glauben. Er wurde ja ausgepeitscht, gesteinigt, hat Schiffbruch erlitten von der täglichen Not und Verfolgung ganz zu schweigen. Am Ende wurde er enthauptet. Ein wahrlich erfolgreiches Leben. Gott ist wirklich sehr ökonomisch und diejenigen, die bereits verblendet sind, verblendet er meistens immer weiter. Diejenigen, die immer mehr in die Tiefe fallen, fallen weiter, diejenigen, die nach oben steigen, steigen immer weiter. „Wer hat, dem wird gegeben. Wir sollten wirklich immer Gott um die wahre Erkenntnis unserer Sünden beten.“ Wir sollen darum beten, dass wir nicht verblendet werden. Wenn Sie um die Sündeneinsicht bitten, so werden Sie erkennen, dass ihre eigentlichen Sünden meistens anders sind als diejenigen, die man Ihnen vorhält. Sie sind auch anders als Sie selbst dachten. Natürlich müssen Sie von der groben schweren Sünde frei sein, um diese Betrachtungen anstellen zu können. Aber die Sicht Gottes auf uns ist manchmal eine völlig andere als diejenige, die wir von uns selbst haben. „Die Tugenden“, sagt die heilige Theresia von Avila, „haben oft die Eigenschaft sich vor denjenigen zu verstecken, welche sie haben.“ Wir wissen also manchmal gar nicht, wie gut wir wirklich sind. Aber die Offenbarung, die Epiphanie, gibt es auch in unserem Leben. Amen.

 

[1] Erzpriester Stephan, Das kirchliche Stundengebet oder das römische Brevier, Bd. 1 München 1926, 468-469.

Kommentar verfassen

error: Content is protected !!
%d Bloggern gefällt das: