Tradition und Glauben

Osternacht oder gute Symbolik durch schlechte Symbolik ersetzt

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Es stimmt nicht ganz, dass die tiefe Symbolik der Osternacht, insbesondere der Osterkerzenprozession, von der hier die Rede ist, durch die Reformen von 1955 wegrationalisiert wurde, wobei wir mit „wegrationalisieren“ dem Rationalismus opfern meinen. Die Symbolik blieb bestehen, aber die gute, alte kirchliche Symbolik wurde durch eine neue, modernistische und menschenzentrierte Symbolik ersetzt. Denn ganz ohne Symbole geht es nicht. Der Mensch ist ein symboloriertiertes Wesen, denn die Blumen und Herzen zum Hochzeitstag oder die Trikots des Lieblingsfußballvereins sind doch alles Symbole. Ohne Symbole geht es nicht, die werden aber nur dann verständlich, wenn eine Hermeneutik, eine Interpretationsebene, zwischen dem Symbol und dem, was es symbolisiert besteht. Lässt man die Hermeneutik weg, so bleibt das Symbol unverständlich.

Die drei Kerzen des dreigeteilten Kerzenleuchters symbolisieren, laut Carol Byrne, die Hl. Dreifaltigkeit, deren gemeinsames Werk die Auferstehung Christi ist, welche durch das Entzünden der Osterkerze symbolisiert wird. Soweit so gut, denn die Zahl Drei symbolisiert meistens die Trinität und die dreifache Kniebeuge oder Genuflection nach dem Ruf Lumen Christi macht in diesem Zusammenhang Sinn. Man ehrt die Göttlichkeit der drei Personen der heiligen Dreifaltigkeit, indem man dreimal das Knie beugt. Interessanterweise scheinen das nicht alle zu wissen, denn der recht bekannte Shawn Tribe aus New Liturgical Movement, den die hier angeführte Wikipedia zitiert, meint, dass die drei Kerzen die drei am Grabe Christi weinenden Frauen darstellen:

Bis zur Karwochenreform des römischen Ritus durch Papst Pius XII. ab 1951 wurde mit der dem Osterfeuer entnommenen Flamme (ähnlich der byzantinischen Praxis) ein Leuchter mit drei Kerzen entzündet (die die drei weinenden Frauen am Grab symbolisieren sollten): Der Diakon oder der Priester zogen mit diesem Leuchter in die Kirche ein, wo die erste der drei Kerzen am Leuchter entzündet wurde; er erhob den Leuchter mit dem Ruf Lumen Christi, den die Gemeinde mit Deo gratias beantwortete. An zwei weiteren Stellen auf dem Weg zum Altarraum wurden jeweils die beiden anderen Kerzen mit denselben Rufen in jeweils höherer Tonlage entzündet. Beim Exsultet unterbrach der Diakon den Gesang an zwei festgesetzten Stellen, um fünf Weihrauchkörner als Symbol für die fünf Wunden Christi in vorbereitete Vertiefungen der Osterkerze einzusetzen und diese an dem vom Osterfeuer her mitgebrachten Leuchter zu entzünden; erst danach wurde ihr Licht auch an andere Kerzen im Raum weitergegeben.[7]

Warum sollte man aber zum Angedenken an die drei Frauen Lumen Christi singen und eine Kniebeuge machen?

„Halt den Mund und knie Dich hin, das will die Kirche“, würde die Antwort lauten, welche jedem Rationalismus trotzt. Denn die Symbolik ist nicht irrational, sondern symbolisch. Viele Katholiken, denen es gegeben war an der Ostervigil vor 1955 teilnehmen zu dürfen, stellten fest, dass endlich alles Sinn macht und selbsterklärend ist. Dies bedeutet wiederum, dass man sich unnötig jahrelang Fragen nach dem Sinngefüge stellte und sich ständig dumm vorkam, weil einfach diese neue Hermeneutik keinen Sinn ergab. Manchmal ergab sie schon Sinn, aber einen neuen und anderen. Wenn man nämlich selbst seine eigene Kerze von der Osterkerze, die für Christus steht, anzünden kann, dann braucht man bei der Erleuchtung des Glaubens keine Vermittlung der Kirche. Man ist ein sich selbst überlassener Protestant. Von der durch die heilige Dreifaltigkeit bewirkten Auferstehung Christi kommt man so zum Anzünden des eigenen subjektiven Lichtes, da es bei der Osternacht natürlich um den Gläubigen und nicht um Christus und die Geheimnisse des Glaubens geht. Es geht aber doch immer um den Menschen. Warum denn in der Kirche während der Osternacht auch?

Novus Ordo Symbolik – Pfarrer mit Osterei
Novus Ordo Symbolik – „Schuhaltar“

Wie wir hier des Öfteren schreiben, die Reduzierung der Symbolik in der kirchlichen Liturgie führte zu einem Aufblühen oder eher Wucherung der weltlichen Symbolik in der Kirche: PastoralssistentInnen in der Stola, Kinderbastelzeug im Altarraum, irgendwelche Gegenstände, die die Priester hochhalten, „um den Menschen die Botschaft nahe zu bringen“ etc. Man spürt gleichsam, dass hier etwas fehlt und möchte es kompensieren: gute Symbolik durch schlechte Symbolik. Nur diese neue, schlechte Symbolik wirkt leider nicht. Die Menschen bleiben weg und fliehen sein. Je mehr und gegenwartsbezogener sich in dem „kreativen Gottesdienst“ die Pastoralassistenin/Eventmanagerin auch bemüht, desto mehr verschreckt sie das Publikum. Es bleiben nur die Eltern der Kinder sitzen, die bei diesem Event mitwirken und die übrigen Familienangehörigen. Eine schlechte Schulaufführung lässt man auch über sich ergehen, dem eigenen Kind zuliebe. Ist das Kind aus dem Gröbsten raus, so bleibt man von der Kirche weg und das Kind natürlich auch.

Novus Ordo Symbolik – Fahrrad im Altarraum

Es gibt auch schlechte Kunst, wie Volksmusik, Popmusik, Modern Talking und Dieter Bohlen, die seltsamerweise Menschen scharenweise anziehen, weil sie diese Musik wirklich mögen, vielleicht auch deswegen, weil sie nichts anderes gehört haben. Leider stimmt es nicht, dass, falls man jemandem Bach, Mozart oder Chopin gut vorspielt und erklärt er oder sie diese Musik lieben wird. Er wird sie weiterhin meiden, vielleicht etwas weniger Angst von ihr haben und weiterhin privat Modern Talking und ihre Nachfolger hören. Man könnte aber bei Dieter Bohlen und Co. sagen:

Der Erfolg gibt ihnen Recht. Sie haben das Publikum!

Bei der Liturgiereform und Novus Ordo kann man es wirklich nicht behaupten, denn der Kirchenbesuch fielt ja aufgrund der Reformen. Nur wenn man annimmt, dass diese Reformen den Sinn hatten die Gläubigen aus der Kirche zu vertreiben, machen sie Sinn. Sie sind nicht nur jeder spirituellen Wirkung bar, wie wir letzte Woche schon schrieben, sondern ergeben inhaltlich auch keinen Sinn, da sie kein festes Sinngefüge aufweisen. Das ist auch kein Wunder, denn Ordnung kommt von Gott, Chaos vom Feind.

Tradition und Glauben – damit die Kirche wieder schön wird

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