Palestrina, Karsamstag. Lamentatio Jeremiae, Lectio I.

Ausführende: Musica Contexta
Dirigent: Simon Ravens
Aufnahme: Aus dem Jahre 2002 für Chandos Records Ltd, Colchester, Essex, England

Das Wort Barmherzigkeit (misericordia) kommt im Lateinischen, im Gegensatz zum Deutschen, auch in der Mehrzahl vor. Es sind also die „Barmherzigkeiten“, die vielen Gunst-und Gnadenerweise Gottes, die uns in unserem Leben begleiten. Da es diese gibt, so kann Jeremias sagen: non sumus consumpti – „wir sind noch nicht am Ende, wird sind noch nicht vollendet“, im Sinne von: „Es geht noch für uns weiter“. Auch im Fegefeuer, denn in der Hölle geht es nicht zum Besseren, sondern es gibt eine gleichbleibende und ewige Qual. Die Glaubenswahrheit von der Höllenfahrt Christi, wobei hier „Hölle“ für descendit ad inferos – „Er stieg hinab in die Unterwelt“ steht, wo die Seelen der Gerechten, seit Anfang der Welt auf Christus harrten, ist in der heutigen Verkündigung absolut abwesend. Aber diese Seelen non sunt consumpti – „waren noch nicht am Ende“, da sie auf der Erlöser warteten. Die Kirchenväter beschreiben in freudigen Tönen das Treffen von Adam und Eva mit Christus. Die Ureltern mit ihrem Nachkommen und Erlöser. Schöne, bewegende Bilder, welche uns, wie vielen andere auch, seit dem Konzil nicht berühren können, weil man davon nirgends hört. Wir haben diese Worte hier, in der Vertonung von Palestrina, also können uns wirklich nicht beklagen, finden wir.

Lectio 1
De Lamentatione Jeremiae Prophetae.
Lam 3:22-30
22 Heth. Misericordiae Domini, quia non sumus consumpti; quia non defecerunt miserationes ejus.
23 Heth. Novi diluculo, multa est fides tua.
24 Heth. Pars mea Dominus, dixit anima mea; propterea exspectabo eum.
25 Teth. Bonus est Dominus sperantibus in eum, animae quaerenti illum.

Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum.

Lectio 1
Aus den Wehklagen des Propheten Jeremias.
Lam 3:22-30
22 Heth. Die Barmherzigkeiten des Herrn, denn wir sind noch nicht am Ende; denn seine Barmherzigkeiten hörten nicht auf.
23 Heth. Ich habe am Morgen erkannt, groß ist Deine Treue.
24 Heth. Mein Teil ist der Herr, sagte meine Seele; daher werde ich Ihn erwarten.
25 Teth. Gut ist der Herr zu denen, die auf Ihn hoffen, zu der Seele, die ihn sucht.

Jerusalem, Jerusalem, kehre zum Herrn, Deinem Gott zurück.

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2 Gedanken zu „Palestrina, Karsamstag. Lamentatio Jeremiae, Lectio I.

  1. Ja, es kommen wirklich schöne Gedanken: Adam und Eva waren in der gesamten Menschheits-Geschichte die vielleicht schlimmsten Sünder – vielleicht mehr als der Antichrist, der ja auch von der Erbsünde belastet sein wird. Und trotzdem sind sie gerettet und von Christus in der “Vorhölle” abgeholt worden. Dies darf jeden (der bereut) hoffen lassen – niemand muss verzweifeln wie Judas!

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