Paolo Pasqualucci, „Bruchstellen“ des II. Vatikanischen Konzils mit der Tradition der Kirche (2 von 6)

Wir wollen dem Text von Pasqualucci eine kurze Vorrede voranstellen, für all diejenigen, denen dieser Text zu schwierig ist oder für jene, die keine Zeit haben ihn zu Ende zu lesen. Über die Bedeutung von “subsistiert in” wurden, ohne gleich zu übertreiben, ganze Meere von Tinte vergossen, ohne dass man zum Ergebnis kommen konnte, was es eigentlich bedeutet. Warum nicht einfach “ist” schreiben, wenn man “ist” meint? Weil man vielleicht was anderes meint? Es ist vielleicht nicht allen bekannt, dass die Hauptschuld an der Konstitution Dei Verbum der Konzilstheologe Josef Ratzinger trägt und dass gerade durch dieses Dokument die Schemata, welche von den Kurientheologen unter Kardinal Ottaviani vorbereitet wurden, gekippt worden sind. Benedikt XVI. genießt jetzt in seinem päpstlichen Ruhestand die Früchte seiner Konzilsarbeit. Das Konzil hat doch tatsächlich die hierarchische Struktur der Kirche dadurch aufgelöst, dass es ihr zwei Machtzentren gab: den Papst und die Bischofskonferenzen. Wohin das geführt hat, sehen wir in Deutschland jetzt, wo die ganze Bischofskonferenz das Schisma – Synodalen Weg genannt – eingeschlagen hat. Mit dem Segen des Antipapstes wohlgemerkt.

  1. Die Definition der Kirche, gegeben in LG 8.2 und später in LG 15, UR 3 und UR 15.1 ausgeführt, bekräftigt, dass die Kirche Christi in der katholischen Kirche „subsistiert“ und ebenso, dass „außerhalb ihres Gefüges vielfältige Elemente der Heiligung und der Wahrheit zu finden sind, die als der Kirche Christi eigene Gaben auf die katholische Einheit hindrängen. Wie aber Christus das Werk der Erlösung in Armut und Verfolgung vollbrachte, so ist auch die Kirche berufen, den gleichen Weg einzuschlagen, um die Heilsfrucht den Menschen mitzuteilen.“ Dies ist eine ganz und gar neue Definition, welche das Konzept der Kirche Christi dahingehend zu erweitern scheint, dass sie auch alle Häretiker und Schismatiker einschließt, und sich auf diese Weise dem Vorwurf der Häresie im formalen Sinne aussetzt, da es die Verneinung des Dogmas der Einzigkeit der Römischen Apostolischen Katholischen Kirche für die Erlösung impliziert (der einen und einzigen wahren Kirche Christi).

  1. Paragraph 11.2 der dogmatischen Konstitution über die Göttliche Offenbarung Dei Verbummag interpretiert werden als impliziere er die Verneinung der absoluten Unfehlbarkeit der Heiligen Texte, weil er bekräftigt, „die Bücher der [Heiligen] Schrift sicher, getreu und ohne Irrtum die Wahrheit lehren, die Gott um unseres Heiles willen in heiligen Schriften aufgezeichnet haben wollte.“ Der Ausdruck „ohne Irrtum“ kann tatsächlich nur als solcher interpretiert werden, wenn er sich nur auf die „Wahrheit“, die „für unsere Erlösung“ offenbart wurde (nostrae salutis causa) bezieht; dies bedeutet er bezieht sich nur auf religiöse und moralische Regeln.

  1. Dieselbe Konstitution Dei Verbum scheint die Unterscheidung zwischen Tradition und Schrift zu eliminieren (DV 9-10).

  1. Das Konzept der Tradition wird nie ausdrücklich definiert; ihr Bezug zur Schrift wird nicht klargemacht (DV 9), noch ihr Bezug zur Tradition der „Ostkirchen“ (Dekret Orientalium Ecclesiarum1). Zusätzlich erscheint da ein Konzept eines „Lebens“ oder „lebendiger Tradition“ (DV 8), das nebulös und mehrdeutig ist, da, wie Msgr. Gherardini betont, „es sich dafür hergibt, jede Art von Neuerung in die Kirche als Ausdrucksweisen ihres Lebens einzuführen, sogar die widersprüchlichsten.“

  1. Die neue Definition bischöflicher Kollegialität in LG 22 scheint nicht vereinbar mit der Tradition der Kirche und unterminiert das rechte Verständnis vom Primat des Römischen Papstes. Tatsächlich schafft sie etwas nie zuvor Gehörtes – zwei Subjekte der Obergewalt der Jurisdiktion über die gesamte Kirche (der Papst selbst und auch das Bischofskollegium mit dem Papst) und zwei sich unterscheidende Arten der Ausübung der selben Jurisdiktion (vom Papst selbst und vom Kollegium selbst mit Autorisation durch den Papst): „Die Ordnung der Bischöfe, welche dem Apostelkollegium nachfolgt, […] ist auch Gegenstand höchster und voller Macht über die universale Kirche, vorausgesetzt wir verstehen diesen Leib zusammen mit seinem Haupt, dem Römischen Papst, und niemals ohne sein Haupt. Diese Macht kann nur mit Zustimmung des Römischen Papstes ausgeübt werden.“ (LG 22.2).

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