Paolo Pasqualucci, „Bruchstellen“ des II. Vatikanischen Konzils mit der Tradition der Kirche (3 von 6)

Es ist doch wirklich schwierig zu erklären, wie Ideen der Freimaurerlogen, die oft genug von der Kirche verurteilt wurden und von den Freimaurern selbst für ihre Ideen ausgegeben wurden, in die Konzilsdokumente ihren Einzug fanden, ohne dass die Freimaurer sie geschrieben hätten. Eine andere Frage:

Muss man das Zweite vatikanische Konzil ernst nehmen? Nein, weil es kein dogmatisches Konzil war. Ätsch!

Die ganze Kirchengeschichte lang wurde auf jegliche Kreativität in der Liturgie verzichtet, weil man davon ausging, dass ein anderer liturgischer Vollzug zu anderen Glaubensinhalten führen wird. Dass diese Annahme stimmt, sehen wir an unserer Gemeinde um die Ecke. Pius VI. verurteilte die Jansenisten nicht nur dafür, was sie schrieben, sondern auch dafür, was sie ausließen. Sie ließen, wie das Konzil, das Wort “Transubstantiation” aus, welches die traditionelle und präzise Darstellung der katholischen Eucharistielehre widergibt. Lässt man etwas aus, so will man es verschweigen, was ein jeder Immobilienmakler ganz genau weiß. 

  1. Im Dekret Über die Religionsfreiheit Dignitatis Humanae (DH), wird ein Konzept „religiöser Freiheit“ bekräftigt, das sich nicht vom säkularen Konzept derselben zu unterscheiden scheint; dies [wiederum] ist die Frucht des Gedankens der Toleranz, dessen Ursprung sich in Deismus und Aufklärung findet. Ein solches Konzept scheint nicht mit der Lehre der Kirche übereinzustimmen und ist ein Vorbote von Indifferentismus und Agnostizismus.

  1. [Über] die Frage der nota theologica der Dokumente des II. Vatikanums betrachtet Msgr. Gherardini (und sicherlich ist er nicht der einzige) es nicht als ein dogmatisches Konzil, denn weder definiert es Dogmas, noch verurteilt es Fehler, nicht einmal die beiden Konstitutionen, welche insbesondere „dogmatisch“ genannt werden, und es erklärte ausdrücklich, dass es nicht dogmatisch sei, sondern – im Gegenteil – pastoral (siehe die Notifikationen im Appendix zu LG: „Betrachtet man die konziliären Bräuche und auch die pastorale Zielsetzung des gegenwärtigen Konzils, definiert das heilige Konzil nur solche Dinge als für die Kirche bindend, welche sich auf Glauben und Moral beziehen und die es offen als bindend erklären wird.“) Doch tatsächlich gibt es keine dogmatischen Definitionen in irgendeinem der Dokumente bezüglich „Fragen des Glaubens und der Moral“. Jedoch die Verfechter des Konzils behaupten, es strahle eine neue Art „Unfehlbarkeit“ aus, irgendwie in derselben pastoralen Natur der Dokumente inbegriffen. Jedoch ist dies unmöglich, da der dogmatische Charakter einer Äußerung des außerordentlichen Lehramts aus bestimmten, verständlichen und traditionellen Zeichen hervorgehen muss, und nicht „inbegriffen“ sein kann.

  1. Insofern es die Liturgie betrifft, wird erhebliche Verwirrung geweckt wegen der Art und Weise, in der die Heilige Messe in der Konstitution Sacrosanctum Concilium Über die Heilige Liturgie (SC 47, 48, 106)  definiert wird, wo sie die Vorstellung eines „österlichen Bankettes, bei dem Christus gegessen wird“ zu bevorzugen scheint, und eine „Gedenkfeier“ an Stelle eines versöhnenden Opfers (welches vor Gott Erbarmen [propitiatio] für unsere Sünden erlangt). Artikel 106 beschreibt „das Paschamysterium“ (ein neuer unklarer und ungewöhnlicher Name für die Heilige Messe) folgendermaßen: es ist der Tag der Woche, wenn „Christi Gläubige verpflichtet sind an einem Ort zusammenzukommen damit sie, indem sie das Wort Gottes hören und an der Eucharistie teilnehmen, sich das Leiden, die Auferstehung und die Verherrlichung des Herrn Jesus in Erinnerung rufen können und Gott danken können, der sie durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten wiedergeboren hat, zu einer lebendigen Hoffnung (1 Pet 1:3; übersetzt vom Übersetzer)” (SC 106). Diese Sprechweise scheint die Heilige Messe im Grunde als Gedächtnis und „Lobopfer“ für die Auferstehung zu präsentieren, nach Art der Protestanten. Weiterhin erwähnt die Definition [des Begriffs] der Heiligen Messe in SC nicht das Dogma der Transsubstantiation oder die Natur der Heiligen Messe als ein Versöhnungsopfer. Fällt dies nicht in den besonderen Irrtum, der 1794 feierlich von Pius VI. verdammt wurde, als er die Häresien der Janseniten aufdeckte und erklärte, dass ihre Definition der Heiligen Messe, genau WEGEN ihres Schweigens über die Transsubstantiation, „verderblich, der Darstellung der katholischen Wahrheit über das Dogma der Transubstantiation untreu, und den Häretikern gefallend“ sei (DS 1529/2629)?

  1. Die nie dagewesene Neuerung der Einführung des Prinzips der Kreativität in die Liturgie, wieder in SC, Absätze 37-40, theoretisch unter der Kontrolle des Heiligen Stuhls – oftmals rein „theoretisch“. Diesem Prinzip wurde die Jahrhunderte hindurch immer und ohne Ausnahme vom gesamten Lehramt widersprochen als eine verhängnisvolle Sache die absolut zu meiden ist, und viele betrachten dieses Prinzip als die wahre Ursache des gegenwärtigen liturgischen Chaos’.

  1. Das Prinzip der Kreativität wird durch die breite und vollkommen neue Kompetenz, die man den Bischofskonferenzen in liturgischen Fragen gegeben hat, bekräftigt, einschließlich der Möglichkeit, mit neuen Formen der Anbetung zu experimentieren (SC 22 § 2, 39, 40); dies widerspricht der beständigen Lehre des Lehramtes, das immer alle Befugnis in liturgischen Fragen dem Papst vorbehalten hat, als maximale Gewährleistung gegen die Einführung liturgischer Innovationen.

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