Tradition und Glauben

Peter Kwasniewski, Aus der Kirchengeschichte lernen: Ein kurzer Rückblick auf päpstliche Verfehlungen (2 von 5)

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Päpste, die schwerer persönlicher Unmoral schuldig wurden

Die frommen Seelen werden durch die unten angeführte Zusammenstellung sicherlich schockiert sein, aber fromm bedeutet nicht naiv. Eigentlich ist die Skandalchronik ein Beweis für die göttliche Gründung und göttlichen Beistand der Katholischen Kirche, denn welche andere Organisation hätte bei solcher Führungsebene schon 2000 Jahre lang überlebt?

Dies ist traurigerweise eine Kategorie, die leicht zu füllen ist, und wir brauchen uns nicht lange damit aufhalten. Man könnte als Beispiele sechs Gestalten nehmen, über die E.R. Chamberlin sein Buch The Bad Popes schrieb.[1]

  • Johannes XII (955-964) überließ einer Geliebten Land [des Kirchenstaates], ermordete mehrere Leute und wurde von einem Mann getötet, der ihn mit seiner Frau im Bett erwischte.
  • Benedikt IX (1032-1044, 1045, 1047–1048) schaffte es, dreimal Papst zu sein, nachdem er das Papstamt verkauft und wieder zurückgekauft hatte.
  • Urban VI (1378-1389) klagte, dass er nicht genügend Geschrei hörte, als die Kardinäle, die sich wider ihn verschworen hatten, gemartert wurden.
  • Alexander VI (1492-1503), erlangte den Thron durch Schmiergelder und förderte mit allen Mitteln das Fortkommen seiner illegitimen Kinder, wie z. B. Lucrezia, die er einmal zur Regentin der Päpstlichen Staates machte, und Cesare, der von Machiavelli wegen seiner blutigen Rücksichtslosigkeit verehrt wurde. Während seiner Regierungszeit erreichte die Ausschweifung einen nie dagewesenen Tiefpunkt: zu einem bestimmten Bankett brachte Alexander VI fünfzig römische Prostituierte, die zwecks einer öffentlichen Orgie beschäftigt wurden, als Augenweide für die geladenen Gäste. So groß war das Ärgernis über sein Pontifikat, dass sein Klerus sich weigerte, ihn nach seinem Tod in St. Peter zu begraben.
  • Leo X (1513-1521) war ein verschwenderischer Medici, der einmal ein Siebtel der Rücklagen seiner Vorgänger für eine einzige Zeremonie verwendete. Zu seiner Ehre ist zu sagen, dass er die päpstliche Bulle Exsurge Domine (1520) gegen die Irrtümer Martin Luthers veröffentlichte, in der er unter anderem folgende Behauptung verurteilte: „Dass Häretiker verbrannt werden, ist gegen den Willen des Heiligen Geistes‟ (n. 33).
  • Clemens VII (1523-1534), auch ein Medici, schaffte es durch seine Machtpolitik gegen Frankreich, Spanien und Deutschland, dass Rom geplündert wurde.

Es gibt noch andere, die man erwähnen könnte.

  • Stephan VII (896-897) hasste seinen Vorgänger, Papst Formosus, so sehr, dass er ihn exhumieren und vor Gericht stellen, ihm die Finger abschneiden und in den Tiber werfen ließ, während er (fälschlicherweise) erklärte, dass Ordinationen, die man aus seinen Händen empfangen hatte ungültig gewesen seien. Hätte diese Deklaration Bestand gehabt (- zu der man ihn schlecht beraten hatte -), hätte es das geistliche Leben Vieler betroffen, da die Priester die Eucharistie nicht gefeiert oder von Sünden freigesprochen hätten.
  • Pius II (1458-1464) schrieb einen erotischen Roman, bevor er Papst wurde.
  • Innozenz VIII (1484-1492) war der erste Papst, der offiziell seine Bastarde anerkannte; er überhäufte sie mit Gunst.
  • Paul III (1534-1549), der sein Kardinalsamt seiner Schwester verdankte, der Mätresse Alexanders VI., und selbst Vater von Bastarden, machte zwei seiner Söhne im Alter von 14 und 16 Jahren zu Kardinälen und führte Krieg, um das Herzogtum Parma für seine Nachkommen zu bekommen.
  • Urban VIII (1623-1644) beschäftigte sich reichlich mit Vetternwirtschft und unterstützte die Kastration von Jungen, so dass sie in seinem päpstlichen Chor als castrati singen konnten. Kardinäle beschuldigten ihn, und Kardinal Ludovisi drohte ihm tatsächlich, ihn als Schützer von Häresien abzusetzen.

Es gibt Debatten über das Ausmaß des Fehlverhaltens einiger dieser Päpste, aber bei aller Nachsicht müssen wir doch zugeben, dass es eine päpstliche Hall of Shame [Red. Halle der Schande] gibt.

 

 

[1] E. R. Chamberlin, The Bad Popes (Dorchester: Dorset Press, 1994).

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