Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe – Festtage III – Ostersonntag

Evangelium des Heiligen Ostersonntages

Mk 16, 1 – 7 Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria Magdalena, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome würzige Kräuter, um hinzugehen und ihn zu salben. In der Morgenfühe des ersten Wochentages, als die Sonne eben aufging, kamen sie zum Grabe. Sie sprachen zueinander: „Wer wird uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen?“ Als sie hinblickten, sahen sie, daß der Stein schon weggewälzt war. Er war nämlich sehr groß. Sie gingen in das Grab hinein und sahen zur Rechten einen Jüngling in weißem Gewande sitzen, und sie erschraken. Er aber sprach zu ihnen: „Fürchtet euch nicht! Ihr sucht Jesus von Nazareth, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden, er ist nicht hier. Seht hier die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte. Geht nun hin und meldet seinen Jüngern, zumal dem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa. Dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“

Predigtext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Papst Gregor.

Ihr habt gehört, geliebteste Brüder, daß die heiligen Frauen, die dem Herrn gefolgt waren, mit Wohlgerüchen zum Grab kamen und ihm, dem sie, so lange er lebte, in Liebe zugetan gewesen, auch, wo er tot war, in freundschaftlicher Absicht Dienste erweisen. Aber was sie getan, deutet etwas an, was in der heiligen Kirche zu geschehen hat. Wir müssen nämlich das, was sich ereignet hat, in der Weise hören, daß wir auch überlegen, was wir in Nachahmung desselben zu tun haben. Und so kommen wir, die wir an den Toten glauben, dann, wenn wir mit dem Wohlgeruch der Tugenden umduftet, mit dem Rufe des Eifers in guten Werken dem Herrn suchen, ganz gewiß mit duftenden Salben an sein Grab. Solchen Frauen aber, die mit duftenden Salben kamen, sind Engel sichtbar geworden, weil eben jene Seelen die himmlischen Bürger zu schauen bekommen, die mit dem Wohlgeruch der Tugenden in heiliger Sehnsucht an den Herrn herangehen.

Wir müssen jedoch darauf achten, was das bedeuten soll, daß der Engel zur Rechten sitzend gesehen wird. Was anders wird denn durch die Linke angedeutet als das gegenwärtige Leben, was anders aber durch die Rechte als das ewige Leben? Daher steht ja im Hohenlied geschrieben: „Seine Linke ist unter meinem Haupt, und seine Rechte hält mich umfangen.“ Weil also unser Erlöser schon durch den diesem Leben anhaftenden sterblichen Zustand hindurchgegangen war, deshalb war es richtig, daß der Engel, der gekommen war, dessen unvergängliches Leben zu melden, zur Rechten saß. Er erschien bekleidet mit einem weißen Gewand, weil er die Freude verkündet, die mit unserer Festlichkeit verbunden ist. Die weiße Farbe seines Kleides verkündet nämlich den Glanz unserer Festesfreude. Sollen wir sagen: unserer oder seiner Festlichkeit? Um es in richtigerer Weise auszudrücken, wollen wir sagen: sowohl seiner als unserer. Jene Auferstehung unseres Erlösers ist nämlich einerseits unsere Festlichkeit, weil sie uns zur Unsterblichkeit zurückgeführt hat; anderseits wurde sie eine Festlichkeit der Engel, weil sie dadurch, daß sie uns zum Himmel zurückgerufen hat, ihre Zahl ausgefüllt hat.

An seinem und unserem Feste also erschien der Engel im weißen Gewande; denn wo wir durch die Auferstehung des Herrn zum Himmel zurückgeführt werden, werden die im himmlischen Vaterlande entstandenen Lücken ausgefüllt. Aber wir wollen hören, wie er die ankommenden Frauen anredet. „Habt keine Furcht“. Es ist, als ob er ganz deutlich sagen wollte: Mögen diejenigen Furcht haben, die die Ankunft der himmlischen Bürger ungern sehen; mögen diejenigen Furcht haben, die unter dem Druck der fleischlichen Begierden daran verzweifeln, zur Gemeinschaft mit ihnen zu gelangen. Ihr aber, weshalb habt ihr Furcht, die ihr eure Mitbürger seht? Darum sagt auch Matthäus, als er die Erscheinung der Engel beschreibt: Es war sein Aussehen wie ein Blitzlicht und seine Kleider waren wie Schnee. Im Blitz ist nämlich ausgedrückt der Furcht wirkende Schrecken, im Schnee aber die Lieblichkeit des weißen Schimmers.

V. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
R. Gott sei Dank gesagt.

Kirchengebet

O Gott! der Du durch deinen Sohn uns den Eingang in den Himmel, aufgeschlossen hast; nimm gnädig an unsern Dank für deine Barmherzigkeit und gib, daß wir unsere guten Vorsätze getreu halten, damit wir, gespeiset durch das heiligste Osterlamm, zu einem frommen Leben in Christo auferstehen und einst in die ewige Seligkeit eingehen mögen, durch Christus, unsern Erlöser. Amen.

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