Betrachtungen zum Evangeliumstext der Alten Messe – Sonntage III – Passionssonntag

Evangelium des Passionssonntags

Oder 5. Sonntags in der Fastenzeit.

Joh 8, 46 – 59… Wer von euch kann mich einer Sünde überführen? Wenn ich [euch] die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir nicht? Wer aus Gott ist, hört auf Gottes Wort; ihr hört nicht darauf, weil ihr nicht aus Gott seid.“ Da entgegneten die Juden: „Sagen wir nicht mit Recht, du bist ein Samariter und hast einen bösen Geist?“ Jesus erwiderte: „Ich habe keinen bösen Geist; ich ehre meinen Vater, ihr dagegen entehrt mich. Ich bin aber nicht auf meine Ehre bedacht; es ist einer, der auf sie bedacht ist und Gericht hält. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn jemand mein Wort bewahrt, wird er den Tod in Ewigkeit nicht schauen.“ Da sprachen die Juden zu ihm: „Nun erkennen wir, daß du einen bösen Geist hast; Abraham ist gestorben und die Propheten, und du sagst: Wenn jemand mein Wort bewahrt, wird er den Tod nicht kosten in Ewigkeit. Bist du etwa größer als unser Vater Abraham, der gestorben ist? Auch die Propheten sind gestorben. Was machst du aus dir selbst?“ Jesus entgegnete: „Wollte ich mich selbst ehren, so wäre meine Ehre nichts. Aber mein Vater ist es, der mich ehrt. Ihr nennt ihn euren Gott, und doch kennt ihr ihn nicht. Ich aber kenne ihn; wollte ich sagen, ich kenne ihn nicht, so wäre ich ein Lügner, gleichwie ihr. Aber ich kenne ihn und bewahre sein Wort. Abraham, euer Vater, frohlockte, daß er meinen Tag sehen sollte. Er sah ihn und freute sich.“ Da sagten die Juden zu ihm: „Du bist noch nicht fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?“ Jesus antwortete ihnen: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ehe Abraham ward, bin ich.“ Da hoben sie Steine auf, um nach ihm zu werfen. Jesus aber verbarg sich und ging hinweg aus dem Tempel.

Predigtext des Kirchenvaters

Auslegung vom heiligen Papst Gregor. Gebet acht, geliebteste Brüder, auf die Gottes eigene Sanftmut. Er war gekommen, um uns die Sünden abzunehmen, und er sagte: Wer von euch kann mich einer Sünde beschuldigen? Er hält es nicht für unter seiner Würde stehend, durch Vernunftsgründe nachzuweisen, dass er kein Sünder sei, er, der auf Grund göttlicher Kraft die Sünde begnadigen konnte. Aber gar schreckend ist das, was angefügt wird: “Wer zu Gott gehört, der hört auf das Wort Gottes; darum hört ihr nicht, weil ihr nicht zu Gott gehört”. Wenn nämlich derjenige, der zu Gott gehört, auf Gottes Wort achtet, um auf dessen Wort derjenige nicht achten kann, der nicht zu ihm gehört, muss sich jeder fragen, ob er Gottes Wort im Herzen festhält; und dann wird er erkennen, zu wem er gehört. Nach dem himmlischen Vaterland zu verlangen gebietet er, der die Wahrheit selbst ist, die Neigungen des Fleisches niederzudrücken, der weltlichen Pracht auszuweichen, fremdes Gut nicht zu begehren, das Eigentum zum verschenken.

Es mag also jeder von euch für sich überlegen, ob dieser Ausspruch Gottes im Ohre seines Herzens kräftig geworden ist; und dann erkennt er, ob er zu Gott gehört. Denn es gibt manche, die sich nicht einmal herablassen, die Gebote Gottes mit dem leiblichen Ohre anzuhören. Und es gibt manche, die diese wohl mit dem leiblichen Ohr vernehmen, aber sie mit keinem inneren Verlangen umschließen. Und es gibt manche, die ganz gern annehmen, was Gott sagt, so daß sie selbst zum Weinen zerknirscht werden, aber nach einer Zeit des Weinens zum Unrecht zurückkehren. Die hören sicher nicht auf die Worte Gottes, die es vernachlässigen, diese in Werken zur Ausführung zu bringen. Ihr müßt also, geliebteste Brüder, euer Leben vor die Augen des Geistes heranrufen und beim tieferen Nachdenken euch mit Furcht erfüllen gegenüber dem, was aus dem Mund dessen heraushallt, der die Wahrheit ist: „Darum achtet ihr nicht drauf, weil ihr nicht zu Gott gehört.“

Und es zeigen das, was von den Verworfenen die Wahrheit redet, die Verworfenen selbst von sich durch ihre sündhaften Werke; denn es folgt: „Da antworteten die Juden und sprachen zu ihm: Sagen wir nicht recht, daß du ein Samaritan bist und einen Teufel hast?“ Nachdem der Herr eine solche Beschimpfung erfahren, wollen wir hören, was er darauf gesagt hat: „Ich habe keinen Teufel, sondern ich ehre meinen Vater, ihr aber entehret mich.“ Weil nämlich das Wort „Samaritan“ Übersetzt wird mit „Wächter“ und er in Wahrheit der Wächter ist, von dem der Psalmist sagt: „Wenn nicht der Herr die Stadt bewacht, wacht ganz umsonst der Wächter“; und zu dem bei Isaias gesagt wird: „Wächter, wie weit ist die Nacht?“ wollte der Herr nicht entgegnen: Ich bin kein Samaritan, sondern nur: Ich habe keinen Teufel. Zweierlei nämlich ist ihm vorgehalten worden; eins hat er abgewiesen; mit dem anderen hat er sich stillschweigend einverstanden erklärt.

  1. Du aber, o Herr, sei uns gnädig.
    R.Gott sei Dank gesagt.

 

Kirchengebet zum Passionssonntag

Wir bitten Dich, allmächtiger Gott! sieh gnädig auf deine Familie, damit durch deine Fürsorge ihre irdische Wohlfahrt befördert, und durch deine Bewahrung ihr geistliches Leben beschützt werde! Amen.

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