Tradition und Glauben

Priestertum und Zölibat (1 von 12): Das neutestamentliche Priestertum

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Das Argument, dass die Priester des Alten Bundes verheiratet waren, Kinder hatten und daher Sex ist verfehlt, weil das Priestertum des Neuen Bundes keine Fortsetzung des Priestertums des Alten Bundes ist. Mit Christus fängt ein Neuer Bund mit neuen Regeln an. Das katholische Priestertum ist die Nachfolgen des jungfräulichen Hohepriesters Christus. Er war jungfräulich, unverheiratet, zölibatär und so muss auch ein katholischer Priester, der Christus seinen Leib zu Verfügen stellt, sein. Keine Widerrede! 

Das neutestamentliche Priestertum

  1. Das Verhältnis Jesu zum alttestamentlichen Priestertum ist eher vom Bruch als von Kontinuität gekennzeichnet, daher wird in der Tradition der Kirche sein Priestertum „nicht nach der Ordnung Aarons […], sondern nach der Ordnung Melchisedechs“ (Catechismus Romanus II 7.8, KKK 1544) bezeichnet. So stammte Christus selbst aus keinem Priestergeschlecht, sondern, wie Maria (Mt 1,1-16) und Joseph (Lk 2,4), aus dem königlichen Hause Davids (Röm 1,3). Zu seinen Jüngern wählte er Männer, die ebenfalls keinem jüdischen Priestergeschlecht angehörten. Obwohl er selbst mit den Seinen am Tempelkult teilnahm, baute er kaum etwas davon in seine neue Stiftung ein.
  1. Dass die Botschaft und Praxis Jesu mit dem bisherigen Tempelkult nicht zu vereinbaren war (Tempelreinigung: Joh 2, 13-22; Mt 21,12-17; Mk 11,15-19; Lk 19, 45-36) und sich, mehr oder weniger offen, gegen diesen richtete, wurde auch schon von seinen Gegnern erkannt, welche ihm in seinem Prozess vor dem Hohen Rat vorwarfen gegen das Ansehen und die Tradition des bisherigen Tempelkultes (Geplante Tempelzerstörung: Mt 26,61; Mk 14,58) aufzutreten.
  1. Auf einer höheren theologischen Ebene waren die Anschuldigungen der Tempelpriesterschaft sogar richtig, da Jesus Christus:

a. den kommenden Untergang des Jerusalemer Tempels und somit die künftige Bedeutungslosigkeit der Tempelpriester voraussah,

„Jesus sagte zu ihm: Siehst du diese großen Bauten? Kein Stein wird auf   dem andern bleiben, alles wird niedergerissen“ (Mk 13,2)

b. sich selbst als den eigentlichen Tempel Gottes betrachtete

„Jesus antwortete ihnen: Reißt diesen Tempel nieder, in drei Tagen werde ich ihn wieder aufrichten. Da sagten die Juden: Sechsundvierzig Jahre wurde an diesem Tempel gebaut, und du willst ihn in drei Tagen wieder aufrichten? Er aber meinte den Tempel seines Leibes“. (Joh 2,19-21)

c. und den künftigen göttlichen Kult außerhalb des Tempels verwies

„Glaube mir, Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder auf diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet. […] Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und in der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden.“ Joh 4, 19.23

  1. Somit ist das neutestamentliche Priestertum nicht vom jüdischen Tempelkult, sondern von Christus her zu bestimmen (KKK 1544), dessen Hohepriestertum eindrucksvoll im Hebräerbrief von einem Autor dargelegt wird, welcher um die Bedeutung des alttestamentlichen Priestertums weiß, die Neuheit und die Einzigartigkeit des Hohepriestertums Christi von diesem Hintergrund aus darstellen kann und vielleicht selbst dem Tempelpriestertum angehörte.
  1. Jesus Christus hatte die Zwölf Stämme Israels gleichsam neubestimmt, indem er die Zwölf zu Stammvätern des neuen Israels machte (Lk 6,12-16). Er nannte sie Aposteln, d.h. Gesandten, weil sie von ihm zur Fortführung seiner Mission gesandt wurden wie er selbst der Sendung des Vaters folgte (Joh 20,21).
  1. Interessanter- und paradoxerweise zugleich stellt das neutestamentliche Priestertum dennoch, auf einer tieferen theologischen Ebene, die Fortführung des alttestamentlichen Priestertums dar, da das letztere mit dem Untergang des Tempels, im Jahre 70, zu Grunde ging, sodass in der Nach-Tempel-Zeit Schriftgelehrte, nicht Priester, als die neuen und eigentlichen Führer Israels angesehen wurden.
  1. Da aber schon die frühen Christen in der Eucharistiefeier ein Opfer (hysia) (vgl. 1 Kor 10,14-21, Didache 14,1-3; Clemens Romanus, ad Cor. I 40 [PG 1, 288] u.a.) sahen, welches Gott durch Jesus Christus in seiner Kirche durch die Priester des Neuen Bundes, welches den Alten Bund fortführt und ersetzt, dargebracht wird, so setzten die neutestamentlichen Priester den alttestamentlichen Kult in der Kirche – dem Neuen Volk Gottes – auf eine überhöhte Weise gleichsam fort (Johannes Chrysostomus, De sacer. III 4-6 [PG 48, 642-644]; Augustinus, De civ. X 20 [PL 41, 298]; Ambrosius, In Ps. 118 24-30 [PL 15, 1231-1234]).

8. Das neutestamentliche Priestertum, welches ein Priestertum in der Nachfolge Christi darstellt, ist, im Gegensatz zum Priestertum in der Antike, weder ein ererbter Beruf noch ein Wahlberuf. Es hängt mit einer Berufung und Erwählung (Joh 15,16) durch Christus zusammen (Mk 1,16-20; 3,13-19; Joh 1,35-51), welcher dadurch die ihm vom Vater auferlegte Mission erfüllt (Mt 12,18; Joh 17,8).

9. Diese Erwählung, welche der biblischen Berufungsperspektive gemäß nicht auf die Würdigkeit der berufenen Person, sondern auf die freie Wahl Gottes zurückzuführen ist (1 Sam 16,7; 1 Kön 11,32; Jer 1,4-10; Ap 9,15), hängt mit einer einmaligen Aufforderung zur Nachfolge Christi zusammen (Mt 4,18-22; Apg 9,3-19).

10. Somit stellt das neutestamentliche Priestertum eine besondere Art der Christusnachfolge dar, welche eine ganzheitliche Lebenshingabe erfordert und eine lebenslange und ausschließliche Bindung des Priesters an Christus umfasst.

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