Tradition und Glauben

„Ratzinger ein neuer Kirchenvater?“ – für die Novus Ordo Kirche schon

Warum eine Demythologisierung der Theologie Ratzingers notwendig ist.
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Neue Kirche – Neue Kirchenlehrer

Wenn der Kurienkardinal Gerhard Ludwig Müller Benedikt/Ratzinger als einen „Kirchenvater von heute“ bezeichnet, dann beleidigt er einerseits alle richtigen, vorkonziliaren Kirchenväter, andererseits hat er auch irgendwie recht. Denn Ratzinger hat wie kaum ein anderer die falsche, nachkonziliare Lehre der Novus Ordo Kirche gestaltet, die leider nicht mehr die Lehre der katholischen Kirche ist, wenn wir von der unveränderlichen Identität der Kirche als der una, sancta et apostolica ausgehen.

Möchte man eine Reihe der heterodoxen „Kirchenlehrern“ der Novus Ordo Kirche aufstellen, so gehören zu ihr, außer Ratzinger, sicherlich die folgenden Theologen:

  • Henri de Lubac SJ,
  • Karl Rahner SJ,
  • Hans Urs von Balthasar SJ,
  • Yves Congar OP,
  • Karol Wojtyła,
  • Hans Küng,
  • Edward Schillebeeckx OP,
  • Walter Kasper

Die oben genannte Liste lässt sich sicherlich noch erweitern, aber wir wollen diese Namen doch festhalten, weil sie auf die nachkonziliare Theologie den größten Einfluss ausgeübt haben, unter anderem deswegen, weil zwei dieser Theologen auch Päpste waren. Sie sind genauso „Kirchenlehrer“ der Novus Ordo Kirche wie Luther, Melanchthon, Zwingli und Calvin „Kirchenlehrer“ der Reformation waren.

Geht man aber von der klassischen Definition des Kirchenlehrers aus,[1] welche die:

  1. Doctrina orthodoxa – Rechtgläubige Lehre,
  2. Sanctitas vitae – Heiligkeit des Lebens,
  3. Approbatio Ecclesiae – Anerkennung seitens der Kirche

so ist natürlich keiner von ihnen ein Kirchenlehrer. Zwar können fast alle eine wenigstens zeitweilige Anerkennung seitens der Kirche, hauptsächlich durch die Konzilsdokumente, vorweisen. Diese ist aber die Anerkennung der Novus Ordo Kirche und nicht der Kirche. Denn zwischen diesen beiden herrscht ein Bruch und keine Kontinuität. Die „Hermeneutik der Kontinuität“ ist 2013 davongelaufen und am 31.12.2022 gestorben. Die fehlende Heiligkeit des Lebens Ratzingers wird noch in der näheren Zukunft offensichtlich werden, aber jetzt schon spricht die nachgewiesene Vertuschung der Pädophilie in München eine deutliche Sprache.

Wir wollen uns hier aber auf die Theologie Ratzingers konzentrieren, die wir schon mehrmals besprochen und kritisiert haben. Da er immer noch bei den Unwissenden oder Lügenden den Ruf eines orthodoxen Theologen hat, so müssen wir nachlegen.

Zugegeben, er ist nicht so schlimm wie der Rest der „Kirchenväter-Liste“, und deswegen schwieriger durchzuschauen. Wir alle schauen auf ihn durch eine Brille des Wohlwollens und der nachkonziliaren theologischen Sozialisation.

Spadafora und kritischer Blick auf Benedikt

DSDZ [dem Schreiber dieser Zeilen] sind auch viele Probleme bei Ratzinger gar nicht aufgefallen bis er das Buch Die „Neue Theologie“ oder „Sie glauben gewonnen zu haben“ von Msgr. Francesco Spadafora gelesen hat.

Msgr. Spadafora

Da Spadafora (1913-1997) älter als Ratzinger war und 1935 zum Priester geweiht wurde, so ist er noch in den Genuss der fast unverfälschten katholischen Lehre gekommen, was uns den Nachgeborenen leider verwehrt wurde, wir aber dennoch keiner Opfer-Mentalität verfallen.

Spadafora, dessen Buch wir heute zitieren, war Professor für Bibelexegese an der Lateranuniversität und dermaßen angesehen, dass er von Johannes XXIII zum Peritus für die Heilige Schrift bei Vat. II ernannt wurde. Nach dem Konzil kam er aufs Abstellgleis, wandte sich mehr der Dogmatik zu und schrieb sein hervorragendes Werk über die Nouvelle théologie oder die „Neue Theologie“ woraus wir zitieren werden. Seine Analyse ist ebenso tiefgründig wie brillant.

Er bespricht das Haupt- oder das meistgelesene Werk Ratzingers, und zwar seine Einführung ins Christentum. DSDZ hat es vor seinem „traditionalistischen Umbruch“ gelesen, nahm es aber nicht als ein dogmatisches Werk wahr, sondern als ein schöngeistiges Sammelsurium von Ansichten, die man so oder so verstehen kann. Wenn sie oft in der Schule von der Lehrerfrage geärgert worden sind:

Und was will uns der Autor damit sagen?

dann werden sie sich bei Ratzinger diese Frage mehrmals im einem Satz oder gar Halbsatz stellen müssen. Wie im Märchen Des Kaisers neue Kleider werden Ihnen die Novus Ordo Theologen bei Ratzinger sagen, dass Sie entweder zu dumm oder ein schlechter Beamter sind, wenn sie es nicht im orthodoxen Sinne verstehen. Spadafora bringt Ordnung und Sinn in Ratzingers Schriften und das Ergebnis ist wirklich erschreckend.

Jedoch, um wirklich sehen zu können, wie sehr und wie gründlich Ratzinger irrte, muss man sich der Wirkung der klassischen Theologie aussetzen, die heutzutage, von der Piusbruderschaft und den ehemaligen Ecclesia Dei Instituten abgesehen, nirgendwo gelehrt wird. Die Piusbruderschaft gibt aber nicht alles richtig wieder, um ihre eigene Situation rechtfertigen zu können. Die Ecclesia Dei hingegen Gemeinschaften sind von Rom abhängig, sodass sie wohl nicht allzu sehr gegen Stachel des Konzils ankämpfen können.

Häresien und theologische Gewissheitsgrade

Viele theologische Laien meinen, dass es in der Theologie entweder Häresie oder Dogma gibt. Dabei sind die theologischen Gewissheitsgrade viel nuancierter, wie wir in der Reihe von den Notae theologicae dargelegt haben, was auch mit den kirchlichen Zensuren zusammenhängt. Nach dem Dafürhalten von DSDZ erreicht Ratzinger niemals den Grad der Sententia haeretica, d.h. der eigentlichen Häresie, sondern höchstens den zweitschwersten Grad der Propositio haeresi proxima oder Gerade darunter.

Der Satz:

Ratzinger schreibt lauter Häresien!

ist falsch. Der Satz hingegen:

Ratzinger schreibt Sätze, die der Häresie nahekommen und die Gläubigen verwirren!

ist richtig.

Das also, was die früheren Generationen der Theologen bei Ratzinger schockieren würde, fällt uns gar nicht mehr auf, weil wir seit 60 Jahren Schlimmeres gewohnt sind. Aber weniger falsch ist immer noch nicht richtig.

Benedikts Demythologisierung und das kommende Desaster

Um den Rücktritt Benedikts verstehen zu können, muss man seine Theologie kennenlernen, um leider feststellen zu können, dass er all das, was er in den siebziger Jahren theoretisch plante, praktisch ab 2013 umgesetzt hat, indem er ein „Duales Papsttum“ nach dem Vorbild des gnostischen Gottes und Gegengottes einführte und somit das Papsttum an sich „demythologisierte“. Mehr darüber lässt sich bei Ann Barnhardt nachlesen, die viele Quellen angibt.

Warum sollte man jetzt die Benedikt-Mythe demythologisieren?

Um sich gegen den kommenden Glaubensverlust zu wappnen, der bei vielen eintreten wird, wenn alle Skandale und schmutzige Geheimnisse des Benedikt-Pontifikats ans Tageslicht kommen. Dann wird man zuerst die Person Benedikts und anschließend seine Lehre infrage stellen und schließlich verwerfen.

Gerade dieser Prozess findet jetzt in dem Johannes-Paul-II-Land Polen statt, wo wirklich zweifelsfrei das nachgewiesen werden konnte, was man teilweise im Westen vermutete oder wusste:

  • JP2 hat wissentlich Pädophilie vertuscht und pädophile Priester (Maciel) und Kardinäle (McCarrick, Groer) gedeckt,
  • Kardinal Wojtyla hat wissentlich Pädophilie vertuscht und pädophile Priester gedeckt und versetzt,
  • JP2 hat sich wissentlich ein homosexuelles und mafiöses Umfeld (Dziwisz, Paetz, Kowalczyk, Gulbinowicz) geschaffen, womit er die polnische Bischofskonferenz schuf und regierte,
  • Er hatte wenigstens zwei Geliebte (Irena Kinaszewska, Anna Tymieniecka) und ein Kind (Adam).

Einiges davon war bekannt, anderes nicht, jetzt aber liegen Beweise vor, dass er Schlimmes selbst tat und über noch Schlimmeres Bescheid wusste. Man kann vieles verstehen und vergessen, aber nicht einmal seine ältesten Freunde verstehen, wie er die Pädophilie in seinem Umfeld tolerieren und sich für die Opfer gar nicht interessieren konnte. Man stellt sich also jetzt, 17 Jahre nach seinem Tod, die Frage, wer er wirklich gewesen ist und was seine Theologie wert ist.

Und all das wird auf Benedikt XVI. zutreffen, und zwar viel schneller als nach 17 Jahren. Dann werden sich auch alle fragen, wie man so handeln konnte und was seine ganze Theologie wert ist. Wir bereiten Sie darauf jetzt schon vor. Denn wahrscheinlich wird er „santosubituiert“ werden und man bläst diesen Ballon wie bei JP2 auf, um ihn anschließend platzen zu lassen.

Denn so macht es die Neu-Kirche. Durch all diese lächerlichen Kanonisationen der letzten Jahre, aber eigentlich seit dem Konzil stellt sie die Heiligkeit an sich und die früheren Heiligen in Frage, da man sich notgedrungen fragt, ob auch früher alles dermaßen verfälscht worden ist. Es geht immer um die Zerstörung des Glaubens und der Kirche und das Hochloben von Benedikt/Ratzinger ist ein Mittel dazu.

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Benedikt XVI. Kirchenvater

Soll Ratzinger/Benedikt XVI. Kirchenvater werden?


[1] Drobner, Lehrbuch der Pathologie, Herder: Freiburg im Breisgau 1994, 2.

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