Tradition und Glauben

Sabine Töpfer: Zehn Jahre als Auxiliarin beim Opus Dei

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Hier ein deutsches Zeugnis einer ehemaligen Auxiliarierin, die unterste Stufe der Opus Dei Hierarchie darstellt. Alle Gruselmärchen der Alice Schwarzer, wie die Kirche Frauen behandelt, werden hier leider wahr.

Köln den 2. 09. 2009

Ich bin Sabine, ich war religiös abhängig und habe religiösen Missbrauch erlebt. Zur Zeit befinde ich mich auf dem Weg der Genesung.

Ich war 10 Jahre Gläubige der Personalprälatur Opus Dei in Deutschland und von 1984-1994 als Auxilliar-Numerarierin in Köln und München eingesetzt. Mein Ausbruch aus dieser Opus Dei-Familie war schwer. Insgesamt habe ich zwei Anläufe gebraucht. Beim ersten Versuch mich zu lösen war ich in München. Sofort bekam ich als dreißigjährige Frau Zimmerarrest. Die sofortige Entbindung von allen Internen Dingen. Lange Gespräche mit meiner Geistlichen Leiterin begannen. Mir wurde aufgezeigt, wie egoistisch ich war; die das Werk verließen wären ganz arme Schweine, ich dürfte kein Zentrum mehr betreten (beim zweiten Versuch behauptete man das Gegenteil,… und noch andere Unverschämtheiten. Nach dem Motto, du bereust und bleibst. Dieser Zeitpunkt war im sechsten Jahr kurz vor meiner Fidelitas. Zu dieser Zeit hatte ich inzwischen keine Kontakte mehr zu Menschen außerhalb des Werkes, nur mit denen ich Apostolat machen durfte. Was die Sache erschwerte war, dass ich in den letzten Jahren nie mehr wie zwanzig DM in meiner Geldbörse hatte. Also Geld für einen Fahrschein musste ich erst erbitten. Erst als ich nach weiteren drei Jahren nach Köln versetzt wurde, kam ich zu dem Entschluss, Koffer packen und gehen. Ich floh zu meinen Eltern. Die Dispens vom “Vater“ bekam ich nach einem halben Jahr mündlich von meiner Leiterin mitgeteilt. Opus Dei sagt, es sei leicht es zu verlassen, aber ich habe eine andere Realität kennen gelernt. Als ich morgens das Zentrum verließ, bekam ich vorher noch einen Anruf “ich soll keine Dummheiten machen“. Als ich das Zentrum verließ mit zwei Koffern (denn mehr hatte ich nicht), steckte mir meine damalige Leiterin Einhundert DM zu. Das war nach all den Jahren die ersten Einhundert DM, die ich für mich persönlich in der Hand hielt. Die einfachsten Dinge fehlten mir, wie Hausschuhe, ein Wecker um morgens pünktlich aufzustehen (denn die Auxilliarierinnen wurden grundsätzlich durch Anklopfen von einer Numerarierin geweckt, abgezählte Unterwäsche für zwei Wochen usw.) Ich bin meinen Eltern dankbar, dass sie mich aufnahmen.


Ich mußte mein Leben wieder neu ordnen. Gesundheitlich ging es mir immer schlechter. Erschöpfungszustände, Depressionen, Alpträume. Ich fand Aufnahme in einer Spezialklinik für Sektenaussteiger, ich hatte eine Traumatische Belastungsstörung, und nach mehren Reha-Monaten kam es zur beruflichen Eingliederung. Seitdem geht es mir besser.

Nach außen hin ist das Opus Dei eine Personalprälatur, nach innen hin sagen sie, ist es eine große Familie mit dem Oberhaupt als “Vater“. Nach der Aufnahme ins Werk war ich dann seine Tochter. Außerdem gibt es zahlreiche Familiengebete, die nur für den internen Gebrauch sind. Der stärkste Befehl im Opus Dei ist es eine Bitte auszusprechen. Achten Sie mal, wenn sich Opus Dei Gläubige unterhalten Die Leiterinnen haben die Standesgnade und es ist wichtig Ihnen zu gehorchen. Anfangs stellte man mir auch diese Frage.

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Ein eigenes Bankkonto durfte ich nicht haben. Alle meine Ersparnisse wurden der neuen Opus Dei-Familie gegeben. Die Hauswirtschaftslöhne sind Niedriglöhne von Eintausend DM Brutto im Monat. In meinen Augen ist das religiöser Missbrauch. Regelmäßig bekam ich wohl die Lohnabrechnung zum Unterschreiben mit dem Hinweis, das Original bekommt die Sekretärin und die Kopie bitte wegschmeißen. Wenn ich Geld benötigte, musste ich es schriftlich erbitten. Wie erwähnt, mehr als zwanzig DM hatte ich nie zur Verfügung. Jede Ausgabe sollte auf einem Ausgabenzettel notiert werden, z.B.: ein Kuli Betrag… ‚ ein Deo… usw. Diesen Ausgabenzettel musste dann der Leiterin auf den Tisch gelegt werden, dann konnte man erneut um einen Geldbetrag bitten. Opus Dei lebt so einen Aspekt der Armut. Ich nenne sowas die Kontrolle über eine Person zu haben. Grundsätzlich durfte ich auch nicht zum Friseur, weil das Geld eingespart werden sollte. Einige von uns übten sich in Haareschneiden. Einmal war ich so schief verschnitten, dass ich dann eine Erlaubnis bekam. Sag doch einfach, du hast versucht, dir selber die Haare zu schneiden.

Die Tugend der Armut hat viele Gesichter im Opus Dei. Keine eigenen Sachen haben, nichts Überflüssiges haben, sich nicht beklagen, wenn das Nötigste fehlt! Zu mir kamen sie auch ins Zimmer und nahmen mir Sachen weg, die nicht zum Werk passten. Kleidung kaufte ich nur im Schlussverkauf, was ich vorher mit der Leitung besprochen hatte. Allerdings das Geld für den Einkauf bekam immer die Numerarierin. Ich bekam keine Einsicht, wie das Geld im Opus Dei verwaltet wird. Kritischer Geist wird mit einer Brüderlichen Zurechtweisung geahndet, ich solle mehr Vertrauen haben in die Leitung. Es wird alles mit der Geistlichen Leitung abgesprochen. Die mangelnde Fähigkeit selbstständig Entscheidungen zu treffen, sehe ich als ein deutliches Anzeichen dafür, dass Gläubige der Opus Dei-Prälatur manipuliert werden. Ein Blick hinter die Kulissen zeigt, wie dort von der Leitungsebene Dinge erlaubt oder nicht erlaubt werden. Und diese sollte ich dann vertreten. Ich durfte meinen Eltern nicht sagen die Leiterin erlaubt es mir nicht, euch zu besuchen, ich musste es so vertreten, als wenn ich es selber nicht wollte. Alles, was im Zentrum passiert, darüber ist die Leitung immer informiert. Briefe müssen offen der Leiterin vorgelegt werden, und die Post, die ankommt, geht immer über den Schreibtisch der Leiterin. Ich lebte in einer absoluten Abhängigkeit unter dem Vorwand, die christlichen Tugenden zu leben. Und das und noch anderes mehr ist kirchlich auch noch anerkannt. Mir kamen große Zweifel auf und ich wollte das alles nicht mehr. Die strengen körperlichen Abtötungen sind nicht nur unangenehm sie sind auch schmerzhaft. Freund­schaften oder feste Bindungen sind unerwünscht.

Ich kann nur aus meinen eigenen Erfahrungen berichten, die weit entfernt von der guten Opus Dei-Repräsentation ist. Der Alltag war sehr hart und es ist ein lebenslanger Prozess sich immer besser darauf einzustellen um die persönliche Heiligkeit zu erreichen. Gott-sei-Dank dass ich von diesen Menschen weg bin und sie keinen Einfluss mehr auf mich nehmen können. Heute kann ich das alles nur zu gut durchschauen. Mein Erlenweg geht weiter und bietet für mich Gelegenheit für Wachstum und persönliche Entwicklung. Heute kann ich nur vor dem Opus Dei warnen, sich gut zu informieren, ehe man dort sein Leben mit Ihnen teilt. Hätte ich das Wissen gehabt, was ich jetzt habe, hätte ich mich niemals diesen Leuten anvertraut.

Sabine Töpfer

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