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Siebter Tag innerhalb der Oktave des Hl. Joseph

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Evangelium

Luk 3, 21-23

Zusammen mit dem ganzen Volk ließ auch Jesus sich taufen. Und während er betete, öffnete sich der Himmel, und der Heilige Geist kam sichtbar in Gestalt einer Taube auf ihn herab, und eine Stimme aus dem Himmel sprach: Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden. Jesus war etwa dreißig Jahre alt, als er zum ersten mal öffentlich auftrat. Man hielt ihn für den Sohn Josephs.

Predigtext des Kirchenvaters
Vierte Lesung

Aus der Predigt des heiligen Abtes Bernard. Es steht geschrieben: „Da Joseph, ihr Mann, rechtschaffen war und sie nicht in Verlegenheit bringen wollte, wollte er sich heimlich von ihr trennen.“ Ganz richtig war es, daß er, da er rechtschaffen war, sie nicht in Verlegenheit bringen wollte; denn wie er keineswegs rechtschaffen wäre, wenn er ihr im Falle der Erkenntnis einer Schuld zugestimmt hätte, so wäre er doch auch nicht rechtschaffen, wenn er im Falle der Erprobung ihrer Unschuld sie verurteilt hätte. „Da er also rechtschaffen war und sie nicht in Verlegenheit bringen wollte, wollte er sich heimlich von ihr trennen.“ Weshalb wollte er sich trennen? Vernimm auch hierin nicht meine Ansicht, sondern die der Väter. Aus demselben Grunde wollte Joseph sich von ihr trennen, aus dem auch Petrus den Herrn von sich weggehen hieß mit den Worten: „Geh hinweg von mir, o Herr; denn ich bin ein sündhafter Mensch“, aus dem auch der Hauptmann ihn von seinem Hause fernhielt, wenn er sagte: „O Herr, ich bin es nicht wert, daß du unter mein Dach eintrittst.“

Fünfte Lesung

So hielt auch Joseph sich für unwürdig und für sündig und sagte bei sich selbst, von einer derartigen Person würde ihm nicht mehr als ein herzliches Zusammenbleiben gestattet, an der er eine über ihn hinausragende wunderbare Würde mit Scheu betrachtete. Er sah sie und er sah sie mit Ehrfurcht der göttlichen Gegenwart ganz sicheres Zeichen tragen, und weil er in das Geheimnis nicht eindringen konnte, deshalb wollte er sich von ihr trennen. Es erschrak Petrus vor der Größe der Macht; es erschrak der Hauptmann vor der Majestät der Gegenwart; es erschauderte also auch Joseph als Mensch vor der Neuheit dieses so großen Wunders. Du staunst, daß Joseph sich für unwürdig hielt, mit der Mutter gewordenen Jungfrau zusammen zu sein, wo du doch hörst, daß Elisabeth ihre Gegenwart nur ertragen konnte mit Zittern und mit Ehrfurcht? Sie sagt ja doch: „Woher kommt mir diese Ehre, daß die Mutter meines Herrn zu mir kommt?“

Sechste Lesung

Darum also wolle Joseph sich von ihr trennen. Aber weshalb heimlich und nicht so, daß man es merkte? Jedenfalls damit nicht die Ursache der Trennung untersucht, damit nicht nach dem Beweggrund gefragt würde. Was hätte nämlich der rechtschaffene Mann dem Volk mit dem harten Nacken sagen sollen, dem Volk, das ungläubig und zum Widerspruch geneigt war? Wenn er sagte, was er fühlte, was er von ihrer Reinheit erfahren hatte, hätten nicht bald die ungläubigen und rohen Juden ihn verlacht, sie gesteinigt? Wie hätten sie dem, der die Wahrheit selbst ist, damals, wo er noch im Schoße verborgen war, geglaubt, den sie nachher verachteten, als er im Tempel rief? Was würden sie dem noch Unsichtbaren tun, an den sie später frevelhaft ihre Hand anlegten, selbst wo er in Wundern strahlte? Mit Recht also wollte der rechtschaffene Mann, um nicht zur Lüge oder zur Schädigung des Rufes der Schuldlosen gezwungen zu werden, sich heimlich von ihr trennen.

Siebte Lesung

Auslegung vom heiligen Johannes von Damaskus. Matthäus sagt beim Beginn seines Werkes: Stammbaum Jesu Christi des Nachkommen Davids, des Nachkommen Abrahams, bleibt aber hierbei nicht stehen; denn sein Bericht ist auch bis zum Gemahl der Jungfrau vorgeschritten. Lukas aber lenkt nach der Erklärung bei der Taufe, was der Heiland ist, seinen Bericht etwas ab und schreibt in der Weise: „Jesus selbst begann sein Amt im Alter von ungefähr 30 Jahren, und galt als Sohn Josephs, der Sohn Helis war, der Sohn Mathats war“, und so weiter. Hinaufsteigend bis zu Seth, der Sohn Adams war, der von Gott war. Deshalb wird, wenn die Abstammung Josephs in dieser Weise berichtet wird, sicher bewiesen, daß auch die Jungfrau und Gottesmutter Maria selbst aus derselben Familie mit ihm stammte; da es doch nach dem Gesetze Mosis keinem gestattet war, mit einer anderen Familie in eheliche Verbindung zu treten, damit nicht der Stammbesitz von einer Familie zur anderen hinüberglitt.

Achte Lesung

Nicht ohne Grund wurde die Menschwerdung Christi auf Wirkung des Heiligen Geistes vor der Menge verschwiegen und Joseph an Vaterstelle angenommen, und deshalb auch, wie es der Wahrheit entspricht, als Vater des Kindes angesehen. Denn wenn dies nicht gewesen wäre, hätte man geglaubt, daß das Kind keinen Vater habe, weil seine Abstammung väterlicherseits gar nicht berichtet würde. Deshalb ist es von den ausgezeichneten Verfassern des Evangeliums damals notwendigerweise geschehen, daß sie den Stammbaum Josephs anführten. Denn wenn sie unter Weglassung desselben die Reihenfolge seiner Ahnen von mütterlicher Seite angegeben hätten, so wäre das, abgesehen daß es nicht geziemend gewesen wäre, gegen die Gewohnheit der Heiligen Schrift gewesen. Ganz recht also haben sie den Stammbaum Josephs von David aus dem vorgebrachten Grunde abgeleitet, und bestätigen zugleich, daß auch die Jungfrau Maria von David stammt, indem sie eben durch den Gatten auch zugleich die Abstammung der Gattin erkennen lassen.

Neunte Lesung

Daß nun Joseph mit Rechtschaffenheit ausgestattet war und ein dem Gesetz angepaßtes Leben führte, das ist keinem verborgen. Nun hat er eben, weil er nach der Vorschrift des Gesetzes lebte, nicht eine anderswoher, sondern aus seiner Familie stammende Gattin sich antrauen lassen. Wenn also Joseph aus dem Stamme Judas und aus dem Geschlecht und der Familie Davids war, ist es dann nicht entsprechend, daß auch Maria von diesen stammt? Darum ist es geschehen, daß der Stammbaum des Gatten angeführt wurde. Denn wenn nach der Ansicht des Apostels der Gatte das Haupt der Gattin ist, was kann schließlich dagegen vorgebracht werden, daß, wenn die Abstammung des Hauptes berichtet wird, auch folgerichtig das zum Haupte Gehörende mit dem Haupte zugleich behandelt wird? So ist, glaube ich, deutlich gezeigt, daß Josephs Stammbaum bei den Evangelisten nicht ohne Grund angegeben wird, weil dadurch notwendig auch die Abstammung der Jungfrau von David als Folgerung erkannt wird und auch die Abstammung dessen, der auf Grund eines hervorragenden Wunders von ihr geboren ist, nämlich des vor Jahrhunderten als Gottes Sohn lebenden Christus.

Kirchengebet

Oh Gott, der du in deiner unaussprechlich wunderbaren Vorsehung dich gewürdigt hast, den heiligen Joseph zum Gemahl deiner heiligsten Mutter auszuwählen, verleihe uns, wir bitten dich, die Gnade, dass wir an ihm, die wir als unseren Beschützer auf Erden verehren, einen Fürsprecher im Himmel haben. Durch unsern Herrn. Amen.

Wenn Sie o.a. Kirchengebet mit der Intention einer Ablassgewinnung beten, empfangen Sie einen Ablass, den Sie für sich selbst oder für die Armen Seelen verwenden können. (Enchiridion indulgentiarum (1999) Nr. 21 § 1: „Ein Teilablass wird einem Gläubigen gewährt, der an einem beliebigen Heiligentag, der im Kalender vermerkt wurde, zu Ehre dieses Heiligen fromm ein aus dem Messbuch entnommenes oder ein anderes rechtskräftig approbiertes Gebet verrichtet“) .

Quelle: Erzpriester Stephan, Das kirchliche Stundengebet Teil II, S. 793 ff.

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