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Sonntagspflicht im Lichte der vorkonziliaren Moraltheologie (1 von 12). Einführung

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In den Zeiten der angeblichen Pandemie wurde in vielen Diözesen die Sonntagspflicht aufgehoben. Dies bedeutet, dass im Falle, dass Sie nicht sonntags in die Kirche gehen, Sie auch keine Todsünde begehen. Denn da, wo keine Pflicht besteht, da besteht auch keine Schuld. Da bezüglich der Sonntagspflicht viele Missverständnisse bestehen, so wollen wir diese Reihe, die noch vor Corona auf unserem polnischen Blog veröffentlicht wurde, hier auf Deutsch wiedergeben. Als DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) diese Reihe verfasste, so ahnte er noch nichts von den kommenden Corona-Beschränkungen.

Es erstaunte ihn aber selbst, wie wenig rigoros, wie menschenfreundlich und vom gesunden Menschenverstand beseelt doch die alte, d.h. vorkonziliare Moraltheologie einmal gewesen ist. Es stellte sich heraus, dass DSDZ sonntags viel öfters in die Kirche eilte als er dazu verpflichtet gewesen wäre. Denn man muss hier zwischen (a) der Verpflichtung und (b) der freiwilligen Frömmigkeit oder Abtötung unterscheiden. Sicherlich ist es von Vorteil auch in der Woche zum Messe, ja sogar zur Novus Ordo Messe, zu gehen oder diese also Sühne und Abtötung zu betrachten. Was anderes ist eine Verpflichtung unter schwerer Sünde. Wir wollen also diesen Zusammenhang entwirren und klären, damit Katholiken nicht unnötig in Skrupeln, Corona hin oder her, verfallen.

Status quaestionis

Wenn Sie nicht nur einen durchschnittlichen, sondern auch einen überdurchschnittlichen Katholiken fragen, was nun wirklich eine schwere Sünde sei, dann werden Sie hören:

Fleischessen am Freitag und sonntags nicht zur Messe gehen.

Somit gilt die Nichteinhaltung der Sonntagspflicht als die schwere Sünde schlechthin. Der neue Katechismus (KKK), der ja die katholische Wahrnehmung formt, schreibt über das Sonntagsgebot folgendes:

2180 Eines der Kirchengebote bestimmt das Gesetz des Herrn genauer: „Am Sonntag und an den anderen gebotenen Feiertagen sind die Gläubigen zur Teilnahme an der Meßfeier verpflichtet“ (CIC, can. 1247). „Dem Gebot zur Teilnahme an der Meßfeier genügt, wer an einer Messe teilnimmt, wo immer sie in katholischem Ritus am Feiertag selbst oder am Vorabend gefeiert wird“ (CIC, can. 1248, § 1).

2181 Die sonntägliche Eucharistie legt den Grund zum ganzen christlichen Leben und bestätigt es. Deshalb sind die Gläubigen verpflichtet, an den gebotenen Feiertagen an der Eucharistiefeier teilzunehmen, sofern sie nicht durch einen gewichtigen Grund (z. B. wegen Krankheit, Betreuung von Säuglingen) entschuldigt oder durch ihren Pfarrer dispensiert sind [Vgl. CIC, can. 1245]. Wer diese Pflicht absichtlich versäumt, begeht eine schwere Sünde.

Unsere nachkonziliaren Geistlichen, die in anderen moralischen Fragen zur Nachsicht neigen, kennen, wenn es um die Sonntagspflicht geht, keinen Spaß. Dies hat wahrscheinlich in denjenigen Ländern, wo die Priester tatsächlich von der Kollekte leben, auch einen wirtschaftlichen Grund, warum sie gerade auf dieses Kirchengebot so viel Wert legen. Denn bleiben die Gläubigen aus, so hat der Pfarrer kein Geld, ganz anders als im Kirchensteuerparadies Deutschland. „Sie müssen einfach sonntags in die Kirche gehen“, das bekommen Sie gesagt, nur der eigene Tod oder Bettlägerigkeit entschuldigt Sie und ist ein „gewichtiger Grund“. Über die Entschuldigungsgründe von der Sonntagsmesse wird wenig gesprochen, im Katechismus werden nur Beispiele aufgezählt, aber keine Regel aufgeführt und selbst im Theologiestudium hört man davon wenig. Viele fromme Menschen haben deswegen große Bedenken und Skrupeln, weil sie glauben, dass sie bei einer Abwesenheit gleich schwer sündigen.[1] Über „gewichtige Gründe“, die eine Abwesenheit begründen, abgesehen von denen die im Katechismus stehen, hört man daher wenig. Priester antworten in etwa folgendermaßen:

Wenn Sie einmal nicht hingehen, dann passiert nichts.

Diese Antwort ist aber wenig hilfreich und etwas laxistisch. Vielleicht wird nach dem Konzil die Sonntagspflicht deswegen so hochgehalten, weil die Priester die Sonntags- oder Feiertagsmesse als ihre persönliche Show, als ein eigenes Monodrama betrachten und daher beleidigt sind, wenn das Publikum ausbleibt.

PalmsonntagSie sind schuld, wenn es Sie stört.

Wer ein üppiges Abendessen mit mehreren Gängen vorbereitet, seine Gäste aber ausbleiben, der ärgert sich zu Recht darüber, dass all seine Arbeit, sein Geld und seine Produkte vergeudet werden. Dasselbe gilt für Künstler, die lange etwas eingeübt haben, wohin aber das Publikum nicht gerade strömt. Da der Priester in Novus Ordo dem „Publikum“, pardon, den Gläubigen von Angesicht zu Angesicht gegenübersteht, so sieht er ganz genau, wie der Lehrer in der Schule damals, wer kommt und wer ausbleibt.

Ostern Sie sind schuld, wenn es Sie stört.

Daher nimmt er das Ausbleiben der Sonntagspflicht Ihrerseits persönlich. Sie treffen ihn schwer, zumal sich wirklich alle Priester für die Besten Prediger halten, sodass sie glauben, dass ausgerechnet ihre eigene Messe oder das „Gottesdiensterlebnis“ wirklich sehens- und besuchenswert ist.  Da die Priester bei einer Messe immer noch die aktiveren sind und recht selten nach ihrer eigenen Priesterweihe als einfache Gläubige Messen anderer Priester besuchen, so ist es ihnen oft nicht klar, was es für eine Marter für den Gläubigen ist eine Novus Ordo Messe überhaupt durchzustehen. Wenn sie also bei der Beichte hören, dass den Menschen der Gottesdienstbesuch schwerfällt, so können Sie sich nur schlecht in deren Lage reinversetzen. Deshalb weiß der Beichtvater oft nicht, was ein Gläubiger während einer Messe tatsächlich auszustehen hat. Er denkt sich höchstens:

Wenn ich selbst zelebriere, dann ist es gut. Auf andere habe ich keinen Einfluss. Aber so schlimm wird es ja nicht sein. Der soll sich nicht so anstellen.


[1] https://www.domradio.de/themen/corona/2020-09-01/angst-vor-infektion-ist-kein-triftiger-grund-sonntagspflicht-gilt-trotz-coronavirus-pandemie https://www.katholisch.de/artikel/13247-sonntags-in-die-kirche-ein-muss

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