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Sonntagspflicht im Lichte der vorkonziliaren Moraltheologie (13 von 15). Unvermögen der Amtspflichten wegen

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Unvermögen des Amtes wegen (ratione  officii)

Die hier genannten Gründe ähneln sehr Gründen, wie sie bei Angestellten oder Dienstboten vorliegen. Sie müssen am Sonn- oder Feiertag arbeiten, sind aber nicht direkt angestellt, sondern es hängt mit Ihrer sozialen Funktion oder ihrem Amt zusammen.[1] Entschuldigt sind demnach:

1. Soldaten auf ihrem Posten, die Wächter der Burgen, Wächter der Herden, der Häuser, und zwar überall dort, wo nur eine Messe zelebriert wird. wird.

Es sind alle diejenigen entschuldigt, dessen Arbeit dazu zwingt an einem Sonn- oder Feiertag zu arbeiten, und die dem Gottesdienst nicht beiwohnen können, weil nur einer stattfindet und der Kirchenbesuch für sie eine schwerwiegende Unannehmlichkeit bedeuten würde.[2]

2. Mütter und Ammen, die ihre Kinder nicht allein lassen oder in die Kirche mitnehmen können.

Wir wiederholen hier den Grundsatz,  dass nur diejenigen Kinder zum Kirchenbesuch verpflichtet sind, die zum Vernunftgebrauch gelangt sind, d.h. zwischen 6 und 7 Lebensjahr. Darunter bleiben die Kinder unter Obhut des Vaters oder der Mutter daheim, damit sie nicht stören und alle anderen auch etwas von der Messe haben können. Nein, das ist kein Kinderhass, sondern die Ansichten eines Kirchenlehrers und Heiligen. So schreibt hl. Alfons von Liguori:

Ebenso excusantur ab audiendo sacro  matres,  quae  non  habent  domi,  cui  relinquant  parvulos sine  periculo, et contra non  possent  eos  adduce  in  ecclesiam  sine  notabili  adstantium  perturbatione.

Ebenso entschuldigt sind vom Messehören Mütter, die niemanden zu Hause haben, bei dem sie Kinder ohne Gefahr zurücklassen können, welche sie sie nicht ohne erhebliche Störung in die Kirche bringen können.[3]

Ja, Kleinkinder ohne Vernunftgebrauch sorgen in der Kirche für notabile perturbatio – „eine erhebliche Störung“. Nein, liebe Mutter, nicht die anderen sind schuld, weil sie sich am Geschrei Ihres Kindes stören, sondern Sie, weil sie es in die Kirche mitnehmen. Denn:

  • Das Kind ist nicht zum Kirchenbesuch verpflichtet.
  • Es stört, so bekommen Sie nichts von der Messe mit.
  • Es stört, so bekommen die anderen nichts von der Messe mit.
  • Es stört, so ist es eine materielle Sünde, welches das Kind begeht.
  • Die Messe, das höchste auf Erden erfordert die höchste Andacht von denjenigen, die dazu fähig sind.
  • Das Kleinkind ist unfähig und daher ist es zum Kirchenbesuch nicht verpflichtet, siehe oben.
  • Das Kleinkind assoziiert die Messe mit etwas Unangenehmen und mit Zwang, sodass man ihm langfristig keinen Gefallen tut, indem man es zur Kirche schleift und zum Stillsitzen und Schweigen zwingt.

Die Kleinkinder zuhause zu lassen ist aber kein origineller Einfall des hl. Alfons, sondern ein Allgemeinplatz aller Moraltheologen. Sie wurde von Kardinal Bona (1609-1674), Salmeron (16. Jahrhundert), Suarez (1614-1678), Trullenchus (1633), Elbel (1750) und Laymann (1576-1625) vertreten.[4] Die vorkonziliare Moraltheologie ist machbar, die nachkonziliare ist es nicht. Viele Eltern denken, dass sie verpflichtet sind ihre Kleinkinder in die Kirche zu schleppen und fühlen sich schuldig, weil:

  • die Kinder es nicht wollen,
  • sie die Kinder zwingen müssen,
  • sie selbst nichts von der Messe mitbekommen, weil sie mit dem Kind nach draußen müssen,
  • sie selbst und ihre Kindern von den „kinderunfreundlichen“ Katholiken böse angeschaut und angezischt werden,
  • sie keinem es recht machen können.

Ja, es ist unmöglich mit einem Kleinkind in die Messe zu gehen, dass immer, mit Betonung auf immer, dort still und andächtig sitzen kann. Daher gibt es für Kleinkinder keine Sonntagspflicht, weil es eben unmöglich ist. Wir werden dieses Thema noch woanders vertiefen, schreiten wir aber hier zur nächsten Gruppe derjenigen, die von der Sonntagspflicht entschuldigt sind.

3. Diener, die ihre Pflichten erfüllen müssen.

Wenn sie aber ohne große Unannehmlichkeiten (sine magna molestia) zur Messe gehen können, z. B. indem sie früher aufstehen, da mehrere Messen vorhanden sind, dann sind sie dazu verpflichtet. Wenn sie von Ihrem Dienstherren vom Kirchenbesuch zurückgehalten werden, dann schulden sie ihm zwar gehorsam, wenn dies aber ständig geschieht, dann sollten sie sich nach einer anderen Stelle umsehen suchen.[5]

4. Diejenigen, die Speise und andere notwendigen Dinge vorbereiten.

Ist jemand verpflichtet mehrere Stunden lang das Essen zu zubereiten oder das Vieh zu tränken, dann ist er ebenfalls entschuldigt. Gibt es aber mehrere Messen, dann ist er dazu verpflichtet eine zu besuchen sowie sich bei den Dienstpflichten abzuwechseln, damit wenigstens ein Teil der Dienerschaft zur Messe gehen kann.[6]


[1] Noldin, Schmitt, Heinzel, Summa theologiae moralis, Vol. II, De Praeceptis, Oeniponte 195932, 234.

[2] Gury Moraltheologie, Regensburg 1869, 385; Liguori, Nr. 326, 538.

[3] Liguori, Theologia moralis, vol. II (Hrsg. Haringer), Ratisbonae 1846, Nr. 326, 538.

[4] Quellen werden von St. Alfons angegeben siehe oben.

[5] Noldin, 235.

[6] Ebd.

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