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Sonntagspflicht im Lichte der vorkonziliaren Moraltheologie (2 von 12). Fluchtwege

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Wenn man die Fragestellung der Sonntagspflicht in den vorkonziliaren Moraltheologien verfolgt, so hat man das Gefühl, aus dem Machtbereich der Pharisäer ins Land der Freiheit und des gesunden Menschenverstandes herausgekommen zu sein. Natürlich bleibt die Sonntagspflicht bestehen, aber es gibt viel mehr gewichtige Gründe für die Abwesenheit oder Entschuldigungsgründe, als man denken würde oder in der praktischen Seelsorge zu hören bekommt.

Interessanterweise begannen Katholiken erst nach dem Konzil oder während des Konzils intensiv darüber nachzudenken, wann sie zur Neuen Messe nicht gehen müssen und die alten Moraltheologien unter diesem Gesichtspunkt zu studieren. Dies beweist auch die Korrespondenz von Evelyn Waugh einem englischen katholischen Schriftsteller, aus den Jahren von 1962 bis 1965, die als Buch A bitter trial  veröffentlicht wurde. Waugh fragt sich darin, ob er weit genug von der Kirche entfernt, leben würde, um von der Teilnahme an der Neuen Messe entschuldigt zu werden und rechnet:

Schon Sünde oder noch nicht Sünde.

Vor dem Konzil schienen die Versuchungen, an der Messe nicht teilzulassen, weniger stark gewesen zu sein und dennoch war die kirchliche Gesetzgebung, wie wir noch sehen werden, diesbezüglich liberaler. Über die „gewichtigen Gründe“, die eine Abwesenheit vom Gottesdienst entschuldigen, hört man heutzutage selbst im Theologiestudium wenig, sodass man eigentlich nicht sagen kann, ob die jetzige moraltheologische Sicht liberal oder rigoristisch ist. Denn es werden keine äußeren Normen gegeben, sondern die Entscheidung mehr oder weniger dem Gewissen des Gläubigen überlassen, das ja auch irren kann. Man hört von den Pfarrern, dass es bei der Messe darum geht, „die Pfarrgemeinde zu treffen“, von der man „nicht individualistisch entfremden sollte“. Und in der Tat glaubt eine Pfarrgemeinde, dass der Grund, warum jemand eine bestimmte Gemeindemesse meidet, darin besteht, dass er die Gemeindemitglieder nicht mag und daher nicht mit ihnen „mitfeiern“ möchte. Dieses Denkschema ist tatsächlich aus der Sicht der Messe als eines „Gastmahls“ nachvollziehbar. Wenn man eine Grillparty vorbereitet, das Fleisch bereitstellt und die Gäste ausbleiben, dann ist man auch beleidigt. Was also der Priester dort auf dem Altar tut, ist gleichgültig, denn es geht darum einander zu treffen. Aber dieses Gemeinschaftsverständnis funktioniert auch umgekehrt und durchaus zum Nachteil.

Biker-Wallfahrt in Kevelaer

Man fühlt sich bei einer Novus Ordo Messe fehl am Platze, wenn man nicht zum Rest der Gesellschaft passt, denn der Gemeinschaftsaspekt der Neuen Messe ist wirklich überwiegend. Weil es die Gemeinde ist, die feiert, so will man ihr dieses Partikularerlebnis erleichtern. Daher auch all diese Partikularmessen, Motoradmessen, Bienenzüchter-Messen, Hundeliebhaber-Messen, damit man untereinander bleibt und sich wohlfühlt. Denn zu einer Party lädt man auch Menschen ein, die zuerst zueinander und danach zu dieser Party passen.

Wenn man aber im weltlichen Bereich etwas veranstaltet, was möglichst viele verschiedene Menschen vereinigen soll, wie Hochzeit oder Begräbnis, dann sind die Formen streng und von vornherein festgelegt. Denn die Gäste sollen sich dem Anlass anpassen und nicht der Anlass, z.B. Begräbnis, den Gästen.  

Ballett-Messe

DSDZ besuchte eine Zeitlang eine Wochentagsmesse in einer Seniorenwohnanlage, welche von Frauen in ihren 70ern, die einige Jahrzehnte älter als DSDZ waren, frequentiert wurde. Die Damen waren sehr verständnisvoll als er aus Gründen, die nichts mit ihnen zu tun hatte, aufhörte diese Gottesdienste zu besuchen:

Nun ja, alles alte Weiber. Was sollen Sie schon mit uns anfangen? Das ist nachvollziehbar, dass Sie nicht mehr kommen wollen.

Interessanterweise sind die Gläubigen bei den Vetus Ordo-Messen wirklich sehr vielfältig und die Gesellschaft dort wirklich gemischt. Vom Arbeiter bis zum Aristokraten ist alles vorhanden und so erlebt wirklich die Universalität, d.h. die Katholizität der Kirche. Dagegen ist Novus Ordo bewusst oder unbewusst spaltend, sodass fast jede Messe irgendwie eine „Szene-Messe“ ist, bei der sich nur diejenigen wohlfühlen, die dazugehören. Da sind Konflikte vorprogrammiert, denn „gestaltet“ die Pfarrgruppe A die Messe, dann gefällt es nicht der Pfarrgruppe B, von der Pfarrgruppe C und der „schweigenden Mehrheit der einfachen Gläubigen“ ganz zu schweigen. Bei Vetus Ordo hat man diese Probleme nicht, weil absolut alles minutiös vorgeschrieben ist und keine Abweichung geduldet wird. Man seufzt höchstens bei der Predigt oder bei der Musik, bei Novus Ordo seufz man aber die ganze Zeit.

Trotz aller oben genannten Bemerkungen muss bereits im Vorfeld festgestellt werden, dass es leider notwendig ist, die Sonntags- oder Feiertagsmesse auch in Novus Ordo zu besuchen, falls keine Vetus Ordo vorhanden sein sollte, was uns leider nach Traditionis Custodes droht. Man könnte zwar anführen, dass:

  1. Novus Ordo ist kein katholischer Ritus sei, sodass keine Verpflichtung besteht an nicht-katholischen Gottesdiensten teilzunehmen.
  2. Novus Ordo der Seele schadet, sodass Sie sich selbst von der Teilnahme dispensieren können.

Zu 1.

Novus Ordo ist vielleicht und weniger katholisch als Vetus Ordo, aber definitiv katholischer als ein Sonntagsspaziergang oder die Teilnahme an einem Baptistengottesdienst. Sie müssen also hingehen.

Zu 2.

Novus Ordo kann zwar der Seele schaden, aber die Abwesenheit ohne einen gewichtigen Grund ist Todsünde und schadet viel mehr. Sie müssen also hingehen.

Hängt jemand aber an den Punkten (1) und (2), so nimmt er zuerst an keinen Novus Ordo Messen teil. Später fährt er zu den FSSPX-Kapellen, danach zu den unabhängigen FSSPX-Kapellen, danach zu den Sedevakantisten, anschließend nur zu denjenigen sedevakantistischen Kapellen, die er selbst anerkennt und schließlich verbarrikadiert er sich in einem Bunker, liest ausschließlich Privatoffenbarungen und zeigt Anzeichen von Besessenheit. Nein, leider kein Witz. Solche Fälle sind DSDZ bekannt. Denn die eine Todsünde zieht die nächste nach sich und der Teufel treibt zum angeblich immer Besseren und Vollkommeneren an, das es hier und jetzt nicht gibt. DSDZ kann die Versuchung überhaupt nicht zur Novus Ordo zu gehen sehr gut nachvollziehen, dann an seinem Wohnort hat er nur die Wahl zwischen der liturgischen Pest und Cholera. Die letzte Vetus Ordo Messe, bei der ihn nichts störte, besuchte er 2013 in Fontgombault (Frankreich), was 1.371 km von seinem Wohnort entfernt liegt. Ja, es ist schrecklich festzustellen, dass das Heiligste, was die Kirche hat, so bewußt entstellt wurde, dass man es meiden möchte.

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