Tradition und Glauben

Splendor Missae oder wenn man es nicht selber macht….

Beitrag hören
5/5 - (1 Stimmen)

Es ist wirklich sehr schwer jemandem die Schönheit und den Glanz der wahren katholischen Liturgie, d.h. der Alten Messe, zu zeigen, weil sie so gut wie nirgends in ihrer Fülle eines Pontifikalamtes in einer schönen Kirche stattfindet. Wenn Kardinal Burke irgendwo hin kommt, dann wird kurz eine Barockkirche „angemietet“ oder vielleicht auch umsonst zur Verfügung gestellt und die Gläubigen strömen wie in ein Konzert. Ja, ja das ist natürlich auch narzisstisch – Cardinal Burke on tour. Es werden Anzeigen aufgegeben mit dem Text:

 In der Kirche so  und so wird die Heilige Messe aufgeopfert von Hwd. Dr. Dr. hab Soundso in der Begleitung der Schola dirigiert von Soundso.

Das ist natürlich richtig, denn die Messe ist auch ästhetisch ein Genuss oder sollte es einer sein, wenn sie im richtigen liturgischen Ambiente zelebriert werden könnte. Was steht uns aber zur Verfügung? Kurz zur Verfügung gestellte Novus Ordo Kirchen oder Kapellen, die so lokalisiert sind, damit sie keiner findet oder ebenfalls abgeschabte Kirchen oder Kapellen der Ecclesia Dei Gemeinschaften oder der FSSPX. Der Schreiber dieser Zeilen konnte es nicht verstehen, wie es möglich ist, dass man um den Wert der Hl. Messe weiß und ihr keinen würdigeren Raum sichern möchte. Diese schlechte Kirchenmusik, diese narzisstischen Priester, die darauf warten, dass man ihnen die Hände abküsst und diese „Mia san mia“-Selbstzufriedenheit. Wie geht das?

Durch seine letzte Arbeitsstelle unter sehr boshaften und primitiven Menschen wurde ihm klar, dass er sich sehr von seinen Mitmenschen unterscheidet, was vielleicht eine Behinderung und keine Tugend ist. Was ist der Unterschied? Dass er sich in ein objektives Maß einordnet und seinen Wert danach beurteilt, wie er sich in dieser objektiven Hierarchie präsentiert und nicht danach, weil er sich darin präsentiert. Ein Beispiel? Der Schreiber dieser Zeilen spielt mehrere Instrumente und sein Können bei seinem Hauptinstrument würde er: 4 von 10 auf der Profiskala angeben (10 von 10 wäre ein Rachmaninov-Konzert mit Orchesterbegleitung) und 7 von 10 auf der Amateurskala (10 von 10 wäre eine Chopin- oder Lisztetüde). Da recht viele Profis seine Selbsteinschätzung bislang bestätigten, ein Punkt in der Werteskala hin oder her, so glaubt er hier richtig zu liegen. Er ist nicht der beste X-spieler der Welt, aber für einen Amateur spielt er recht gut.

Alle seine ehemaligen Kollegen schätzten aber etwas als sehr gut ein, weil sie es taten. Wenn sie aber etwas nicht konnten, was überwog, so war es ebenfalls das Beste, weil sie es waren, die es nicht taten oder dieses etwas war an sich nichts wert. Interessanterweise verlangten sie nicht nur eine Anerkennung, sondern einen Kniefall von ihrer Leistung und redeten permanent wie toll sie auf jeglicher Ebene sind und falls doch nicht, dass diese Ebene nicht zählt. Interessanterweise entdeckte der Schreiber dieser Zeilen dieses Grundschema in anderen Lebensumständen, bei fast allen Menschen, die er getroffen hat. Das eigene Nichtkönnen wird dadurch gerechtfertigt, dass man sich selbst zum Maß aller Dinge erhebt, indem man der Außenwelt ihre Existenz abspricht.

„Meine Predigten sind gut, ich könnte sie noch besser vorbereiten, aber wozu? Für diese Leute reicht es doch zu“.

„Ich könnte mehr üben, aber wozu als ein Nicht-Profi brauche ich das nicht zu tun, ich bekomme es nicht bezahlt und habe für so was keine Zeit“.

Ja, diese Grundeinstellung ist natürlich sehr narzisstisch oder subjektbetont, wozu uns die ganze Kultur, in der wir leben, anleitet. Man kann ja nicht beim Zelebrieren der Messe oder beim Musizieren unterdurchschnittlich sein und allem anderen aber herausragend oder umgekehrt, man ist immer derselbe, der man ist. Wenn man aber die Grundeinstellung berücksichtigt:

„Etwas ist toll, weil ich es mache“

oder den Umkehrschluss

„Weil ich es mache, deswegen ist es toll“

dann wird der Zustand unserer Kirchen und Kapellen verständlich. Der Schreiber dieser Zeilen hat sich in einer Ordensgemeinschaft über einen Priester beschwert, indem er unter Anführung des Kirchenrechts, der liturgischen Vorschriften und Lehrbücher darlegte, was dieser falsch gemacht hat. Sein Vorgesetzter antwortete aber, dass er selbst es genauso machen würde, weil es gebräuchlich sei und der Schreiber dieser Zeilen solle nicht übertreiben. Die objektive Norm interessierte ihn nicht, er war das Maß aller Dinge.

War es denn früher anders? Scheinbar ja. Schauen Sie sich doch auch die abgelegenste Kapelle oder Kirche an. Irgendwo in den Alpen zum Beispiel, wo sie noch unter Denkmalschutz stehen und deswegen nicht auseinandermontiert worden sind. Diese Pracht, diese Schönheit, diese Exzellenz. Die umliegende Bevölkerung lebte doch sicherlich ärmlich, hat aber nicht sich selbst, sondern Gott für das Maß aller Dinge, auch der Kirchenarchitektur und der Kircheneinrichtung, gehalten. Deswegen versuchte man auf der objektiven Werteskala nach vorne zu kommen, weil man um diese Skala wusste. Diese Beliebigkeit unserer Liturgien ist doch ein Derivat unseres Narzissmus, denn diese Pracht, die wir Gott bieten, wird doch uns irgendwie weggenommen. Deswegen ist die Mode oder der Ästhetizismus der säkulare Religionsersatz, deswegen versucht man die Einkaufszentren, die Spas, die Restaurants etc. schön einzurichten, weil der Mensch die Schönheit braucht, er diese jedoch in den Kirchen nicht findet. Die Menschen im reichen Westen wurden erzogen, dass Kirchen arm und schmuddelig oder steril-modern zu sein haben, damit man „das Geld der Armen in der Dritten Welt spendet“. Wenn sie eben dieses Geld einem Armen, besonders in der Dritten oder der Zweiten Welt, spenden, dann kauft er sich dafür eine Rolex und bedauert, dass er sich keine zwei leisten kann. Nein, Menschen werden dadurch nicht besser, weil man ihnen Geld gibt.

Es wird wirklich noch sehr lange dauern bis wir schöne, würdige Gotteshäuser haben, nicht-narzisstische Priester, die sich nicht selbst für das Maß aller Dinge halten und gute Kirchenmusiker, obwohl bei den letzteren die Sache immer noch passabel aussieht. Weil unsere Messen so aussehen, wie sie aussehen und das Kirchen- oder Kapelleninnere auch, deswegen ist es unsere Aufgabe uns zu Hause auf die Tridentinischen Messen einzustimmen (insbesondere wenn man in eine Novus Ordo muss) und sich etwas vorzustellen, was noch nicht ist. Dazu soll unser gregorianisches Proprium dienen, das wir abends vor dem Sonntag oder vor dem Fest auf den Blog einstellen werden, dazu soll auch die Predigt der Kirchenväter dienen, wovon schon die Rede war. Ja, die Alte Messe ist eine Untergrundsmesse, am Rande der Illegalität, von Bergoglio noch nicht verboten, sodass sich eine Handvoll von meistens älteren oder wenig bemittelten Gläubigen ab und zu dort versammelt, wo man sie gnädig gewähren lässt. Vom Kirchensplendor kann da keine Rede sein. Die Amtskirche wird es auch nicht dulden, dass irgendwo eine Kirche entsteht, die schön ist, weil das die Menschen zu Gott führen und einem selbst beweisen würde, wie falsch man doch liegt und lag. Dennoch kann man auch unter diesen Umständen vieles besser machen, was hauptsächlich an die Priester, die uns kaum lesen, gerichtet ist. Ein amerikanischer Priester der Petrusgemeinschaft Father James W. Jackson FSSP schreibt in seinem höchst empfehlenswerten Buch, das wir noch besprechen werden „Nothing Superfluous. An Explanation of the Symbolism of the Rite of St. Gregory the Great”, dass man in die Kirche durch zwei Pforten gelangen kann: durch die Pforte der Schönheit und die Pforte der Wahrheit. Die letztere fällt weg, weil seit dem Konzil keine katholische Wahrheit gelehrt oder verkündet wird, die erstere ebenso, weil unsere Kirchen und Liturgien dermaßen hässlich sind. Die dritte Pforte, welche Pater Jackson nicht erwähnt, ist die Pforte des Priesters, der an Christi statt wirkt. Der Schreiber dieser Zeilen hat zwar noch nicht alle Alte Messe Standorte in Europa visitiert, doch dort, wo er bisher war, es waren drei Diözesen, bekamen von der Amtskirche solche Priester die Erlaubnis die Tridentinische Messe zu zelebrieren, von denen man richtigerweise annahm, dass sie „keinen Schaden“, aus der Sicht der Amtskirche natürlich, anrichten werden. Selbstzufriedene, verkorkste, ungebildete, narzisstische Menschen, ohne geistliche oder persönliche Ausstrahlung, oft mit einer Zwangsstörung oder einer Sucht. Ja, harte Worte, aber leider wahr, da der Schreiber dieser Zeilen ein gutes Auge hat und den sichtbaren Teil des verborgenen Eisbergs schnell entdeckt. Die untersuchte Kohorte ist zwar klein, aber alle ihre Mitglieder weisen dieselben Merkmale auf. Nein, die Amtskirche ist nicht dumm. Sie sucht gleich die richtigen Leute dafür aus, nach dem Motto:

„Von Spinnern für Spinner“.

Die Sonnyboys unter den Priestern, die es ja auch gibt, werden anderweitig eingesetzt und ein junger Priester wird wohl kaum seine „Karriere“ riskieren, indem er sich für die Alte Messe interessiert. Ein solcher würde wohl kaum von seinem Ordinariat eine Erlaubnis erhalten, der könnte noch wohlmöglich die Jugend anziehen, die unangenehme Fragen stellen könnte. Wenn jemand an dieser Stelle einwenden würde, dass man jetzt vor Franziskus Angst hat, so muss man erwidern, dass Indultmessen kirchenrechtlich seit 1988 möglich sind und Summorum Pontificum seit 2007 gilt. Diejenigen unserer Leser, die um Alte Messe ihre Kämpfe ausgefochten haben, werden erzählen können, welche Hindernisse ihnen in den Weg gelegt wurden, damit sie aufgeben. Ja, die Amtskirche macht es schon richtig und entledigt sich ihrer Gläubigen, die entweder zur FSSPX oder zu den Sedis überlaufen. Es gibt also „objektive Schwierigkeiten“, wie in 70 Jahren Sozialismus, deswegen müssen wir uns zuhause mit etwas Schönem laben. Amen.

P.S.

Sollte sich jemand, bspw. eine Leserin auf weibliche Weise darüber empören, wie hart wir hier mit

„unseren guten Priestern, die es sooo schwer haben“

ins Gericht gehen, dann sei an dieser Stelle angefügt, dass Gott mit ihnen noch schwerer ins Gericht gehen wird, wie die heute Lesung aus der Matutin des Tridentinischen Breviers zeigt, die wir in der Fassung der Einheitsübersetzung wiedergeben:

Malachi 1:1 Ausspruch. Wort des Herrn an Israel durch Maleachi.

 2 Ich liebe euch, spricht der Herr. Doch ihr sagt: Worin zeigt sich deine Liebe? – Ist nicht Esau Jakobs Bruder? – Spruch des Herrn -, und doch liebe ich Jakob,

 3 Esau aber hasse ich. Darum mache ich seine Berge zur Öde und überlasse sein Erbland den Schakalen der Wüste.

 4 Edom sagt: Wir sind zerschmettert, – aber wir bauen die Trümmer wieder auf. Doch so spricht der Herr der Heere: Sie sollen nur aufbauen; ich reiße es wieder ein. Man wird sie das Land des Unrechts nennen und das Volk, dem der Herr ewig zürnt.

 5 Mit eigenen Augen werdet ihr es sehen und werdet sagen: Groß ist der Herr, weit über Israels Grenzen hinaus.

 6 Der Sohn ehrt seinen Vater und der Knecht seinen Herrn. Wenn ich der Vater bin – wo bleibt dann die Ehrerbietung? Wenn ich der Herr bin – wo bleibt dann die Furcht vor mir?, spricht der Herr der Heere zu euch, ihr Priester, die ihr meinen Namen verachtet. Doch ihr sagt: Wodurch verachten wir denn deinen Namen?

 7 Ihr bringt auf meinem Altar eklige Speisen dar. Ihr sagt: Wodurch erregen wir deinen Ekel? Dadurch, daß ihr sagt: Der Tisch des Herrn ist nicht so wichtig.

 8 Wenn ihr ein blindes Tier als Schlachtopfer darbringt, ist das nicht schlecht? Und wenn ihr ein lahmes und krankes Tier darbringt, ist das nicht schlecht? Biete das einmal deinem Statthalter an! Ob er wohl Gefallen an dir hat und dich freundlich ansieht?, spricht der Herr der Heere.

 9 Und nun versucht, Gott damit zu besänftigen und gnädig zu stimmen! Wenn eure Hände ihm solche Dinge anbieten, wie kann er euch dann freundlich ansehen? – spricht der Herr der Heere.

 10 Wäre doch jemand bei euch, der die Tore (des Tempels) verschließt, damit ihr kein nutzloses Feuer mehr entfacht auf meinem Altar. Ich habe kein Gefallen an euch, spricht der Herr der Heere, und ich mag kein Opfer aus eurer Hand.

 11 Denn vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang steht mein Name groß da bei den Völkern, und an jedem Ort wird meinem Namen ein Rauchopfer dargebracht und eine reine Opfergabe; ja, mein Name steht groß da bei den Völkern, spricht der Herr der Heere.

Ja, Gott lässt seiner nicht spotten und je höher und erhabener die Liturgie, desto größer der Verstoß. Gott ist ewig und seine Regeln sind ewig.

 

 

Translate

Werbung

Letzte Beiträge

Letzte Beiträge

Kommentare

Top Beiträge

Hl. Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (1 von 21)
Christine Niles, FSSPX gewährte Pädophilen wiederholten Zugang zu Jungen (2 von 3)
Wir basteln uns einen Hausaltar (8 von 8): Betstuhl, Gesamteindruck
E.B.E., Die Pathologie Escrivás: Warum man sich für das Opus Dei schämen muss (4 von 4)
Fehlende päpstliche Unfehlbarkeit oder wer war der schlimmste Papst aller Zeiten? (1 von 2)
3. Oktober - Fest der Hl. Theresia vom Kinde Jesu (Lisieux)

Archive

Gesamtarchiv
Monatsarchive

Beitrag teilen

Werbung

UNSERE pRODUKTE

Werbung

Spenden

Ihre Paypal-Spende

Möchten Sie uns unterstützen? Wählen Sie einen Betrag. Bei der Übernahme der Paypal-Gebühren kommt mehr bei uns an. Vergelt's Gott, wir beten für Sie!

€10,00

Blogstatistik

Kommentar- und Printfunktion nur für Abonnenten.

  • 588.212 Besuche

You cannot copy content of this page

error: Content is protected !!
Neue Abo-Preise

Monatsabo nur 4,99 €
Jahresabo nur 49,99 €
Zugang zu allen Beiträgen, mit Print-Möglichkeit.
So günstig wie nie - gegen die Krise.