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Das St. Martin-Schattenspiel

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„Es war vor einer langen Zeit in einem weit, weit entfernte Galaxis“ als DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) dachte, dass in deutschen Pfarrgemeinden doch tatsächlich in irgendeiner Art und Weise Katholizismus verbreitet wird und die Kinder froh darüber wären in einem Schattenspiel etwas vom hl. Martin zu erfahren. Er schrieb also dieses Schattenspiel das aus der St. Martins-Legende und einem diese abbildenden Schattenspiel besteht, bei dem Kinder verschiedenen Alters teilnehmen könnten. Dieses Schattenspiel fiel bei der Pastoralassistentin (ja, ja, übergewichtig und bürstenschnittig) gnadenlos durch als „nicht kindergerecht“. Da DSDZ in seiner Heimat Hörspiele und Bühnenstücke für den professionellen Gebrauch verfasst hatte, so glaubt er nicht, dass diese Ablehnung an seinem fehlenden dramaturgischen Können liegt. Die Pastoralassistentin roch die Lunte, dass es sich um etwas „Frommes“ handelt und scheute sich davor dieses Stück aufzuführen, da dieselben Mächte der Finsternis, die hl. Martin seinerzeit bekämpfte, in dieser Pfarrgemeinde etwas zu sagen hatten.

Wie dem es auch sei, dieses Schattenspiel zeigt doch alle Facetten des Lebens von St. Martin, die natürlich jetzt verborgen gehalten werden sollten. Es ging nämlich um

  • die Orthodoxie und das Bekenntnis der hl. Dreifaltigkeit,
  • die Bekämpfung der Staatskirche der Arianer,
  • die radikale Verkündigung des Evangeliums,
  • die Bekämpfung des Teufels.

So etwas dürfen die Kinder nicht hören, sondern sie sollen durch katholische Einrichtungen zum Atheismus erzogen werden, wie ihre Eltern ja auch. So ist es halt.

Bild 1. St. Martins Elternhaus

Sprecher  Darstellung im Schattenspiel
Martin wurde zu Sabária, einer Stadt in Illyrien geboren, erzogen aber wurde er zu Pavia in Italien.     In der Augen der Welt waren seine Eltern von nicht geringem Stande, jedoch Heiden. Sein Vater war anfangs Soldat, dann Militärtribun.

            Von den ersten Kindesjahren an zeigte Martin, dass es ihn nach dem göttlichen Dienste verlangte. Als er zehn Jahre alt wurde, begab er sich, wider den Willen seiner Eltern in eine Kirche, und bat, man möge ihn unter die Katechumenen aufnehmen. Bald wandte er sich ganz dem Werke Gottes zu und als er zwölf Jahre zählte, sehnte er sich nach der Wüste. Er wäre auch Einsiedler geworden, hätten nicht seine Eltern ihn daran gehindert. Sein Geist war aber stets mit Klöstern und Kirche beschäftigt.      
Klein Martin kommt ins Bild. Stellt sich in die Mitte.         Ein großer männlicher Schatten kommt von links ins Bild. Ein großer weiblicher Schatten kommt von rechts ins Bild. Beide stehen dem Publikum gegenüber. Beide sind mit einer Toga bekleidet. Der Mann trägt einen Soldatenhelm. Beim Wort „Soldat“ zeigt er ein Schwert, beim „Militärtribun“ eine Lanze. [Zeichnung]

Bei „göttlichem Dienste“ erscheint zwischen Martins Vater und Mutter ein Kirchenbogen. In etwa so:   [Zeichnung]  

Bei „wider den Willen“ dreht sich Klein Martin um und versucht in Richtung des Kirchenbogens zu gehen. Die Eltern greifen seine Hände und versuchen ihn zurückzuhalten. Klein Martin sträubt sich und versucht trotzdem zur Kirche zu gehen. Die ganze Szene dauert bis zum Wort „beschäftigt“.

Bild 2. St. Martin zum Militärdienst gezwungen

Sprecher  Darstellung im Schattenspiel
Als aber jenes kaiserliche Edikt erging, dass die Söhne von Militärs zum Militärdienstzwang, wurde Martin im Alter von 15 Jahren mit der Beihilfe seines Vaters, der voll Neid auf die Daten sah, die seinen Sohn glücklich machten, gefangen, in Ketten geschlagen und zur Ablegung des Fahneneides gezwungen.Von links kommt ein Herold mit einem ausgerollten Dokument ins Bild. Ebenfalls von links kommend stellt sich Martins Vater, samt Lanze, neben den Herold. Von rechts kommt eine Gruppe von 3-4 Soldaten. Mittel-Martin kommt von rechts und versucht zwischen dem Vater und der Soldatengruppe durchzulaufen.

Er wird aber gefangen, gehalten, in Ketten gelegt und zum Knien gezwungen. Der Herold und der Vater halten eine Fahne, dem Mittel- Martin wird die rechte Hand von einem aus der Soldatengruppe hochgehoben und auf die Fahne gelegt. Mittel-Martin sträubt sich dagegen und hält den Kopf nach unten.

Bild 3. St. Martin beim Militär

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Martin war beinahe drei Jahre bei den Soldaten, bevor er getauft wurde. Er hatte sich aber von den Lastern freigehalten, denen dieser Menschenschlag zu frönen pflegt. Er begnügte sich mit einem einzigen Diener, dem er, obwohl er sein Herr war, diente und die Rollen mit ihm vertauschte: er zog ihm sogar die Stiefel aus und reinigte sie selber.      

Gegenüber seinen Kameraden war er von großer Güte und wunderbarer Liebe. Obwohl noch nicht in Christus wiedergeboren, zeigte er sich doch durch seine guten Werke als ein Anwärter auf die Taufe: er half den Kranken, unterstützte die Unglücklichen, nährte die Bedürftigen, und bekleidete die Nackten und behielt von seinem Sold nur so viel für sich, als er für seine tägliche Nahrung brauchte. Man hielt ihn damals eher für einen Mönch als für einen Soldaten.      
Mittel-Martin kommt von links als Soldat gekleidet ins Bild. Von rechts kommt sein Diener, mit einem umgürteten Gewand gekleidet, ins Bild. Martin will den Diener umarmen, der den Diener will vor Martin knien, Martin lässt ihn aber nicht und kniet  selber vor dem Diener, welcher stehen bleibt. Martin sie den Diener einen Schuh aus und reinigt ihn mit dem Ellenbogen. Der Diener geht ab.

Mittel-Martin steht auf, geht nach links. Von rechts kommen 4-5 Soldaten. Sie gehen im Kreis. Eine von ihnen strauchelt und fällt. Mittel-Martin hilft ihm aufzustehen, stürzt ihn und geht mit ihm ab. Mittel-Martin kommt wieder ins Bild. Einem vorbeikommenden Soldaten gibt der ein Brot, worauf dieser jubelnd abgeht. Einen anderen vorbeikommenden Soldaten deckt der mit seinen Mantel zu. Dieser freut sich und geht ab. Dem letzten vorbeikommenden Soldaten wirft der einen Geldbeutel zu. Dieser freut sich und geht ab.        

Bild 4. Mantelszene

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Und so geschah es einmal, dass er, nur mit seinen Waffen und einem einfachen Soldatenmantel bekleidet, mitten in einem Winter dessen Strenge grimmiger war als gewöhnlich, sodass die Gewalt der Kälte gar viele tötete am Tore der Hauptstadt der Ambianer einem nackten Armen begegnete:  der bat die Vorübergehenden, sich seiner zu erbarmen, es gingen aber alle an seinem Elend vorüber.  

Da begriff Martin, dass der Arme ihm vorbehalten sei, da die anderen kein Mitleid mit ihm hatten. Doch er besaß nichts als den Mantel, den er anhatte, alles Übrige hatte er verschenkt. Da ergriff er das Schwert, teilte den Mantel in zwei Teile, gab einen dem Armen und hüllte sich selbst in den anderen ein.   Da lachten einige von den Umherstehenden, weil er mit seinem zerschnittenen Mantel sehr hässlich aussah. Viele aber deren Verstand gesünder war, seufzten tief auf, weil sie nichts dergleichen getan, obwohl sie mehr besaßen und darum den Armen hätten bekleiden können, ohne sich selbst zu entblößen.
Mittel-Martin kommt mit sichtbaren Waffen von links und bleibt stehen.   Der nackte Arme kommt von rechts, kniet sich inmitten der Szene hin, macht bittende Gesten und zittert vor Kälte. Andere, d.h. 3-4, Passanten gehen von links nach rechts an ihm vorüber. Manche stoßen den armen Nackten und lachten ihn aus. Sie gruppieren sich rechts.    

Mittel-Martin teilt mit dem Schwert seinen Mantel. Hüllt den Armen mit der einen Hälfte ein, sich selbst mit der anderen Hälfte. Auch Martin beginnt zu zittern. Er hilft dem Armen auf und sie gehen beide zitternd und gebeugt nach links ab.   Während der Mantelteilung lachten die rechts Stehenden  Martin aus.  Als Martin und der Arme abgehen, lachen manche der Umstehenden weiter, andere werden nachdenklich und machen Gesten der Bewunderung.

Bild 5. Christuserscheinung

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Als es Nacht geworden war und Martin sich den Schlaf hingegeben hatte, erschien ihm Christus, gekleidet mit dem Teil des Mantels, den er dem Armen gegeben hatte.          
Man gebot ihm, den Herrn aufmerksam anzuschauen und das Kleid, das er verschenkt hatte, zu erkennen.      
Und sogleich hörte er Jesus mit lauter Stimme rufen: „Martin, der noch ein Katechumene ist, hat mich mit diesem Mantel bekleidet!“ Wahrlich, der Herr gedachte der Worte, die er einst vorher gesagt: „Was ihr einem der Geringsten getan, das habt ihr mir getan“ und bekannte, dass er in dem Armen bekleidet worden ist.    

Als Martin dies sah, da berauschte ihn nicht der menschliche Stolz, sondern er erkannte in seiner eigenen Tat das Wirken der göttlichen Gnade und ließ sich eilends taufen.
Mittel-Martin liegt auf einem Bett oder auf dem Boden inmitten der Szene. Christus  „erscheint“ von links. Er muss als Christus erkennbar sein: also lange Haare, Bart, langes wehendes Gewand, von hinten beleuchtet. Er sollte über dem Boden stehen oder schweben. Rechts hält er ein großes Kreuz, links Martins Mantelhälfte.   Mittel-Martin wird von zwei Engeln, die von rechts kommen, geweckt. Die Engel zeigen auf Christus, Mittel-Martin kniet sich in und macht Gesten der Anbetung. Als Christus ihm die Mantelhälfte zeigt, nickt Martin deutlich.                

Christus „entschwebt“, die Engel gehen ab. Mittel-Martin steht auf, läuft ein wenig orientierungslos auf der Szene hin und her. Von links kommt ein Priester mit einem Krug und einer Schale. Martin kniet sich vor ihm hin. Der Priester macht ein Zeichen des Kreuzes und begießt Martin mit Wasser. Es kann gesprochen werden: „Ich taufe dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“.

Bild 6. St. Martin trifft Bischof Hilarius

SprecherDarstellung im Schattenspiel
        Nachdem Martin den Militärdienst aufgegeben hatte, ging er zum heiligen Bischof Hilarius, um sich im Glauben unterweisen zu lassen.     Bischof Hilarius, der sich in den Dingen Gottes bewährt hatte, erkannte schnell Martins Heiligkeit.    

          Da Martin den hohen Dienst des Diakons ablehnte, trug ihm der Bischof den Dienst des Exorzisten auf.
Martin in voller Soldatenmontur kommt auf die Szene von links. Er zieht seine Soldatenutensilien aus: Helm, Schwert, Lanze etc. und wirft sie nach links. Von rechts kommt ein Engel mit einem großen Kreuz. Martin kniet sich hin, küsst das Kreuz und nimmt es auf seine Schultern. Der Engel geht nach rechts ab. Martin macht eine Runde mit dem Kreuz.   Von links kommt der Bischof Hilarius, mit langem Gewand, Bischofsstab und Mitra auf dem Kopf bekleidet. Martin kniet sich in und zeigt den Bischof sein Kreuz. Der Bischof legt seinen Bischofsstab ab, kniet sich ebenfalls hin und umfasst das Kreuz. Beide knien das Kreuz umfassend inmitten der Bühne.  

                                                                          Der Bischof steht auf, Martin bleibt knien. Von links kommt ein Diener mit einer hängenden Stola, ebenfalls von links kommt ein anderer Diener kommt mit dem Evangeliar (einem großen, dicken Buch). Bischof will beides dem knienden Martin aushändigen, dieser lehnt ab. Bei der Diener gehen ab. Ein Diener kommt von links mit einem kleineren Buch – dem Buch der Exorzismen. Der Bischof händigt es Martin aus. Dieser empfängt es mit der linken Hand, da er mit der rechten Hand das Kreuz hält, und senkt demütig den Kopf.

Bild 7. St. Martin als Exorzist

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Als Exorzist hatte Martin die Aufgabe den Teufel zu bekämpfen und die, von ihm bedrängten, Menschen zu befreien.       Einmal trat der Teufel Martin in menschlicher Gestalt entgegen und sagte: „Wohin du auch gehen und was du auch unternehmen magst, ich – der Teufel – werde Dir immer widerstehen“.

Da antwortete ihm Martin mit den Worten des Propheten: „Der Herr ist meine Hilfe und mein Heil. Vor wem soll ich nicht fürchten?“ Da verschwand der Teufel.     Durch seine Heiligkeit war Martin in der Lage den Teufel in all seinen Verkleidungen zu erkennen.
Martin kommt ein Kreuz haltend von rechts und bleibt Mitte der Bühne stehen. Der Teufel, als solcher durch Hörner, Schweif und Klumpfuß u.a. erkennbar, kommt von links und bleibt Martin gegenüber stehen. [Martin und der Teufel müssen gleich groß sein.] Sie stehen sich gegenüber und messen ihre Kräfte. Der Teufel beugt sich über Martin, wobei Martin kleiner wird: [Zeichnung]    
Gleichzeitig hält der Teufel mehrere, d.h. 3-4, Masken hoch. Die Masken müssen als solche gut erkennbar und unterschiedlich sein. Martin baut sich auf und hält dem Teufel das Kreuz entgegen. Der Teufel schreit, lässt die Masken fallen, krümmt sich, wird kleiner und läuft nach links von der Bühne. Martin kniet sich etwas rechts von der Mitte hin faltet die Hände und betet.   Von links kommt ein gekrümmtes, altes Weib mit Krückstock und schimpft. Es macht drohende Gebärden gegen den Himmel. Gleichzeitig sieht man, dass das Weib von einem Hinterteufel niedergebeugt und gesteuert wird.

[Die Umsetzung dieser Ideen hängt von den technischen Möglichkeiten des Bühnenbildners ab. Variante A: Der Teufel geht direkt hinter dem Weib, beugt es und bewegt ihre Hände. Er muss aber irgendwie „durchsichtiger“, d.h. irrealer wirken. Variante B: Der Teufel geht in einem gewissen Abstand hinter dem Weib und bedient sich zweier langer Stöcke, die mit Haltegriffen ende (eine Art verlängerter Grillzange)n, um sie zu steuern. Variante C: Der Teufel steht oder liegt irgendwie oberhalb der Bühne und steuerte das Weib wie ein Puppenspieler seine Marionetten.]

Martin steht auf, stellt sich ihr entgegen und segnet sie mit Kreuz. Sie schüttelt sich, schreit, bäumt sich auf, während der steuernde Hinterteufel von ihr abfällt. Sie richtet sich auf, lobt Gott und geht frohlockend und Martin dankend nach rechts ab.   Von links kommen zwei sich streitende und prügelnde Kinder. Ebenfalls von den Hinterteufeln gesteuert. Martin stellt sich ihnen entgegen und segnet sie mit dem Kreuz. Sie schütteln sich, die Hinterteufel fallen von ihnen ab. Die Kinder versöhnen sich, geben einander die Hand, danken Martin, loben Gott und gehen nach rechts ab.   Von links kommt eine sehr imposanter und stolzer Herr, vom Teufel geleitet, der seinen kleineren und niedergebeugten Diener tritt und schlägt, den er an einer Kette mit sich führt. Martin stellt sich ihnen entgegen und die Befreiungshandlung wiederholt sich wie gehabt. Der Herr richtet den Diener auf und wirft die Kette weg. Die beiden versöhnen sich und gehen, umarmt wie Freunde an Martin dankend und Gott loben vorbei.  

Bild 8. St. Martin besucht seine Eltern

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Bald darauf erhielt er im Schlafe die Weisung, im Dienste der Religion in seiner Heimat zu gehen und seine Eltern zu besuchen, die noch immer im Banne des Heidentums waren. Er machte sich auf den Weg mit der Einwilligung des Heiligen Hilarius, dem er versprechen musste nach Poitiers zurückzukehren.   Wie ist die Hoffnung seiner Seele und der Entschluss seines Geistes gewesen war, befreite Martin seine Mutter vom Irrtum der heidnischen Lehren, während sein Vater noch weiter im Bösen verharrte. Nichtsdestoweniger brachte Martin durch sein Vorbild vielen das Heil.                Martin kommt von links ins Bild und wird sichtbar für die Zuschauer vom Bischof Hilarius zurückgehalten. Sie umarmen sich zum Abschied und Hilarius lässt ihn los.   Von rechts kommen Martins Vater und Mutter auf die Bühne und bleiben stehen. Hinter ihm stehen zwei Teufel.   Martin geht langsam nach rechts. Er öffnet die Arme. Seine Mutter macht sich von dem Teufel los, der sie zurückzuhalten versucht, geht zu Martin, sie umarmen sich, sie kniet sich hin, Martin macht über sie ein Kreuz, sie richtet sich auf und geht nach links ab.    

Martin geht auf den Vater zu der aber macht mithilfe seines Hinterteufels Gebärden der Ablehnung, dreht sich von Martin ab und geht von seinem Teufel geleitet nach rechts ab. Martin bleibt rechts stehen und blickt seinem Vater nach.

Bild 9. St. Martin von Arianern ausgepeitscht

SprecherDarstellung im Schattenspiel
  Unterdessen hatte sich die Häresie des Arius auf dem ganzen Erdkreis, besonders aber in Illyrien, Martins Heimat, verbreitet.     Die Arianer behaupteten, dass Christus nur Mensch war.     Sie leugneten Göttlichkeit Christi, den Wert seiner Erlösung und meinten, dass das Christentum nur in der Mitmenschlichkeit besteht.            
Fast alle Bischöfe waren damals Arianer und bezogen aus der Staatskasse des Kaisers hohe Bezüge.     Martin führte beinahe allein seinen entschlossenen Kampf gegen den Unglauben der Bischöfe, indem er mutig die Lehre von der Göttlichkeit Christi verkündete.        

Dies trug ihm, in Sabaria, seiner Heimatstadt, Strafen ein. Der arianische Bischof ließ ihn öffentlich auspeitschen und aus der Stadt vertreiben. So erfüllten sich an Martin, dem Nachfolger Christi, die Worte des Propheten: „Ich hielt meinen Rücken denen, die mich schlugen, und denen, die mich rauften, meinen Wangen. Doch Gott, der Herr, wird mir helfen; darum werde ich nicht zu Schanden“.  
Mitte der Bühne steht ein großes Kreuz.   Eine Gruppe von 5-7 Personen, darunter 3   Teufel, kommt von links tanzend, im Kreis, sich bei den Händen haltend, ins Bild. Sie um Tanzen mehrmals das Kreuz. Von rechts kommen 2-3 zusätzliche Teufel. Sie tragen zwei Sägen und einen Geldbeutel mit sich.   Die tanzende Gruppe zerstreut sich, nimmt das Kreuz aus seiner Halterung und beginnt mithilfe der Sägen, welche von den Teufeln gereicht werden, den vertikalen Balken des Kreuzes abzusägen. Nachdem nur der horizontale Balken übrig geblieben ist, schütteln die Täter einander gratulierend die Hände. Die Menschen und die Teufel tanzen mit dem horizontalen Balken, den Balken immer horizontal haltend.  

Die Teufel gehen nach rechts und bringen bischöfliche Mitras, und setzen sie vier der Tanzenden auf.  Andere Teufel geben anderen Tanzenden Geld.   

Martin kommt von links mit einem großen Kreuz ins Bild. Er macht predigende Gebärden und zeigt von oben nach unten, auf den vertikalen Balken. Die arianischer Gruppe hält ihm den horizontalen Balken entgegen, lachte ihn aus, zeigt ihm das Geld, all das von den Hinterteufeln angestachelt und geleitet.   Ein arianischer Bischof macht eine befehlende Geste, worauf von rechts 3-4 Soldaten einschreiten, Martin niederwerfen und auspeitschen. Martin wehrt sich nicht. All das wird von den Hinterteufeln angestachelt und geleitet. Alle lachen, machen verächtliche Gesten und zeigen ihm den Weg nach links. Alle gehen nach rechts ab. Martin bleibt einen Moment lang liegen. Dann geht er auf allen vieren nach links ab.  

Bild 10. St. Martins Wander- und Einsiedlerjahre

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Martin kehrte nach Italien zurück, und als er erfuhr, dass die Kirche auch in den gallischen Landen durch die Abreise des Heiligen Hilarius, den in die Übermacht der Häretiker ins Exil getrieben hatte, in Bedrängnis sei, baute er sich in Mailand eine Einsiedelei.           Aber auch dort bedrängte ihn Auxentius, der arianische Bischof von Mailand, auf das heftigste: er überhäufte ihn mit Unrecht und trieb ihn aus der Stadt.  

Da glaubte Martin, sich der Macht der Umstände fügen zu müssen, und zog sich auf eine Insel mit Namen Gallinaria zurück.     Dort erfuhr er dass der Kaiser voller Reue dem Heiligen Hilarius die Rückkehr nach Gallien gestattet und so wollte er versuchen den Bischof in Rom zu treffen.      

Da Hilarius schon Rom verlassen hatte, folgte Martin seinen Spuren. Er traf ihn in Poitiers, wurde vom Bischof mit aller Huld empfangen und baute sich, nicht weit von der Stadt, in Lugogo eine Einsiedlerzelle.     Er lebte gottgefällig und wirkte Wunder. Er weckte einen verstorbenen Katechumenen auf, um in taufen zu können und weckte einen Erhängten auf. Die Kunde von Martins Wundertaten erreichte das Volk.  
Martin kommt von links ins Bild, gebeugt und von der Auspeitschung gezeichnet. Im Hintergrund läuft die Gruppe der Arianer aus der Szene sieben samt den Teufeln, mit dem horizontalen Kreuzbalken, sich im Kreise drehend,  von rechts nach links und scheucht vor sich den gebeugten Bischof Hilarius. Martin achtet nicht auf die Gruppe. Er baut sich eine Laubhütte, [sie kann durch zwei Stücke symbolisiert werden], kniet sich darin hin und betet.   Die Gruppe der Arianer kommt von links, zerstört Martins Hütte und geht, lachend und schreiend, nach rechts ab.    
Martin steht auf, baut sich wieder die Laubhütte auf, kniet sich darin hin und betet.      

Von links kommt der Kaiser mit einer sichtbaren Krone, von rechts Bischof Hilarius mit einer Mitra auf den Kopf. Beide treffen sich in der Mitte und verbeugen sich voreinander. Der Kaiser zeigt nach links und geht nach links ab. Bischof Hilarius geht langsam nach links.   Martin geht aus der Hütte, die stehen bleibt, und in Richtung von Bischof Hilarius. Dieser geht langsam nach links, dreht sich um, beide begrüßen und umarmen sich.     Martin kniet sich vor Hilarius hin, dann kehrt er in seine Einsiedlerzelle zurück. Hilarius geht nach links ab.

Bild 11. St. Martin zum Bischof von Tours gewählt

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Da das Volk von Tours von Martins Frömmigkeit und seinen Wundern hörte, wollte es ihn zum Bischof haben. Da es aber nicht leicht war Martin aus seiner Einsiedelei herauszuholen, schützte ein gewisser Rusticius, ein Bürger der Stadt Tours, eine Krankheit seines Weibes vor und erreichte, dass der Heilige seiner Zelle verließ.  

Obwohl das Kirchenvolk Martin zum Bischof wollte, gab es eine arianischen Gegenpartei, von einem gewissen Bischof Defensor – zu Deutsch „Rächer“ – angeführt, welche sich Martins Wahl widersetzte. Sie hielten einen Menschen mit so unansehnlichen Gesichtszügen, schmutzigen Kleidern und ungepflegten Haaren wie Martin des Heiligen Bischofsamtes für unwürdig.  

Es begab sich aber, dass wegen der großen Menschenmenge der eigentliche Lektor nicht zum Gottesdienst in die Kirche, wo die Bischofswahl stattfand, hereinkommen konnte. Das Volk und die Ministranten wurden unruhig. Da ergriff jemand die Heilige Schrift und lass den ersten Vers den er fand. Dort stand geschrieben: „Aus dem Mund der Kinder und der Unmündigen hast du dir ein Lob bereitet, um den Feind und den Defensor, d.h. Rächer, zu beschämen“. Nach dieser Lesung begann das Volk zu lärmen, da es in diesem Wort eine Prophetie erkannte, die Gegenpartei von Defensor angeführt aber, verlor die Fassung. So rief man Martin zum Bischof von Tours aus.   Dieser aber floh in einen Gänsestall, wo das Geschnatter der Gänse ihn verriet. Er wurde aber vom Volk gefunden und schließlich zum Bischof geweiht.
Martin kniet links im Bild in seiner Einsiedelei. Rechts versammelt sich eine Menschenmenge. Sie macht beratende und jubelnde Gesten. Eine Person – Rusticius – geht nach links zur Martinseinsiedelei, fällt nieder und macht nervöse Gesten, welche nach rechts zeigen. Martin steht auf und geht zusammen mit Rusticius nach rechts ab.   Die Gruppe rechts bleibt gestikulierend stehen. Die arianische Gruppe, mit dem horizontalen Kreuzbalken, drei Bischöfen und den Hinterteufeln kommt von links ins Bild. Die arianische Gruppe macht verneinende Gesten, schüttelt den Kopf und hält den horizontalen Kreuzbalken hoch.

        Von rechts versucht jemand durch die Gruppe durchzukommen, scheitert aber. Von links versucht jemand durch die arianische Gruppe durchzukommen, scheitert wiederum. Beide Gruppen werden unruhig. Die erste Person links aus der rechten Gruppe holt ein Buch hervor und liest.  

        Die rechte Gruppe beginnt zu jubeln, die linke Gruppe geht gekrümmt und beschämt nach links ab.       Martin läuft von links ins Bild. Die rechte Gruppe begrüßt ihn jubelnd. Martin erschrickt, dreht sich ab, läuft nach links und verschwindet von der Bühne. Die Gruppe läuft hinter ihm her.

Man hört Gänsegeschnatter. Martin wird, von links auf die Bühne geführt, von den Gänsefedern gesäubert und von links nach rechts von der Menge abgeführt. Er sträubt sich ein wenig.  Die Menge geht nach rechts ab, Martin kniet sich hin. Von rechts kommen drei Bischöfe. Sie legen ihm die Hände auf. Er empfängt die Mitra auf den Kopf und den Pastoralstab in die Hand. Die Bischöfe gehen nach rechts ab. Martin bleibt als Bischof gekleidet knien.

Bild 12. St. Martin Bischof und Einsiedler

SprecherDarstellung im Schattenspiel
So ist Martin Bischof geworden. Unverändert blieb er aber, der er vorher war: es blieb die Demut seines Herzens, es blieb die Armseligkeit seiner Kleider; bei aller Autorität und Huld, bei aller bischöflichen Würde gab er doch die Vorsätze und Tugenden des mönchischen Lebens nicht auf. Eine Zeit lang bewohnte er eine Zelle, die an der Bischofskirche angebaut war.  

  Da er die Unruhe nicht mehr ertragen konnte, die ihm seine Besucher in Bischofspalast verursachten gründete er außerhalb der Stadt ein Kloster.       Dieses war so abgeschieden und entlegen, dass er keinen Grund hatte, sich nach der Einsamkeit der Wüste zu sehnen.  
Der Bischof bewohnte eine Zelle aus Brettern und bald gesellten sich zu ihm andere Brüder, welche unter seiner Leitung ein strenges Mönchsleben pflegten. Niemand hatte etwas zu Eigen, alles war Gemeingut. Es war nicht erlaubt, etwas zu kaufen oder zu verkaufen. Man pflegte dort keine Kunst, außer der des Schreibens, die aber den Jüngeren vorbehalten wurde: die Älteren oblagen dem Gebet.  
Martin in Bischofstracht, also mit Mitra und Bischofsstab, kommt von links ins Bild und bleibt in der Mitte der Bühne stehen. Von rechts kommen zwei Diener und halten eine symbolische Bischofskirche über ihn. [Man kann dazu den  Kirchenbogen aus Szene 1 verwenden.] Martin kniet sich hin, legt seine Bischofsutensilien ab,  und baut sich links auf dem Boden, unterhalb der Bischofskirche, eine Einsiedelei. Er kniet sich in der Einsiedelei hin.   Von rechts kommen verschiedene Personen zur Bischofskirche und klopfen an den Kirchenbogen. Martin verlässt jedes Mal seiner Einsiedelei, legt seine Bischofsutensilien an, geht zu den Klopfenden und belehrt sie. Die Klopfendem gehen nach der Belehrung rechts ab. Diese Szene wiederholt sich zwei bis dreimal. Nach der letzten Wiederholung tragen die Diener die Bischofskirche nach rechts ab, Martin legt seine Bischofsutensilien ab und baut seiner Einsiedelei links auf.

  Von rechts kommen viele andere Mönche, die ebenfalls ihre Einsiedeleien aufbauen. Vor der Einsiedelei Martins liegen seine Bischofsutensilien. Jemand trägt ein großes Kreuz und stellt es in die Mitte. Alle Mönche, Martin eingeschlossen, wenden sich zum Kreuz und beten kniend an. Hinter jedem der Betenden stellt sich ein Engel. Das Kreuz beginnt zu leuchten.

Bild 13. St. Martin der Wundertäter

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Da Martin Christus als Gott und Menschen erkannte, so konnte er in der Kraft Christi Wunder wirken und die wahre Lehre verkünden.          

So erkannte er, dass die Menschen einen falschen Märtyrer verehrten.                    
Er hinderte einen heidnischen Leichenzug, welcher eine Opferstätte aufsuchen wollte, am Gehen.
 
                  Er ließ viele heidnische Tempel zerstören und fürchtete sich nicht vor den Angriffen der Heiden.          
            Und heilte Besessene und Gelähmte.
Martin geht in dieser Szene, in Bischofstracht d.h. in Mitra, mit den Bischofsstab in der linken und mit dem Kreuz in der rechten Hand langsam von links nach rechts und zurück. Hinter Martin schreitet ein großer Engel. Jedes Mal wenn Martin das Kreuz hebt, hebt der Engel die Hände oder bewegt die Flügel.   Von rechts kommt eine Gruppe, aus Menschen und Teufeln gemischt, welche sich hinkniet und einen Mann anbetet, der den Gekreuzigten nachahmt. Der „Pseudo-Gekreuzigte“ wird von zwei Teufeln gehalten.   Als Martin die Gruppe erreicht und ihr das Kreuz entgegenhält, laufen die Teufel schreiend davon und lassen den Pseudo-Gekreuzigten fallen. Die knienden Menschen richten sich wie nach einem Traum auf und gehen rechts ab.  

Martin und der Engel schreiten langsam von rechts nach links. Von links kommt ein Trauerzug, gemischt mit Teufeln, mit heidnischen Symbolen (z.B Pentagramm, Hörner etc.). [Die Leiche kann durch eine große Puppe dargestellt werden]. Als Martin das Kreuz hebt, kommt der Leichenzug nicht vorwärts, als würde er gegen einen großen Sturm angehen. Die Teufel laufen nach links weg. Dann wendet sich der Zug nach links und geht ab.    

  Martin und der Engel am linken Bühnenrand angekommen, drehen sich nach rechts und gehen langsam vorwärts.  Rechts wird ein „heidnischer Tempel aufgebaut.“ [Zum Beispiel zwei dorisch Säulen, inmitten auf einer umgestürzten Säule ein goldenes Kalb oder Ziegenbockschädel mit Hörnern.] Die Gruppe, wieder mit Teufeln vermischt, betet die zentrale Figur am Altar an. Martin und der Engel erreichen den Tempel. Martin schlägt mit dem Bischofsstab auf eine Kolumne, die umfällt und tritt die zentrale Figur am Altar mit den Füßen weg. Die Menschen und die Teufel versuchen ihn daran zu hindern, aber sie werden vor dem Engel, zu dem sich noch andere Engel von links gesellen, fortgestoßen. In der Gruppe befindet sich ein Niedergebeugter und ein Besessener, beide von ihren Hinterteufeln kontrolliert. Als Martin zum heidnischen Altar schreitet, berührt er diese beiden, worauf ihre Hinterteufel fliehen. Der Niedergebeugte richtet sich auf, der Besessene hört auf Zuckungen vorzuführen. Martin stellt sich auf den heidnischen Altar und richtet darauf das Kreuz auf. Die Teufel laufen davon, die Menschen der Gruppe fallen auf die Knie und beten an. Die Engel bleiben hinter ihnen stehen.

Bild 14. St. Martin beim Kaiser

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Nach so großen Dingen will ich noch einige kleinere erzählen – es könnte allerdings bei den Zuständen unseres Zeitalters, an dem fast alles verdorben und verkommen ist, beinahe ungewöhnlich erscheinen, dass die Charakterstärke eines Bischofs der Versuchung, einem Kaiser zu schmeicheln, nicht erlegen ist.   Am Hofe des Kaisers Maximus, eines wilden und ungestümen Mannes, hatten sich zahlreiche Bischöfe aus verschiedenen Teilen des Reiches versammelt; an ihnen allen viel eine abscheuliche Schmeichelei vor dem Fürsten auf, eine schmachvolle Nachgiebigkeit, welche die Träger der Bischofswürde zu kaiserlichen Schützlingen erniedrigte.    

Martin allein wahrte die apostolische Autorität.        

      Als der Kaiser Martin eine Ehre erweisen wollte, nahm der Heilige diese nicht an.
Von links kommt der Kaiser, von zwei Teufeln flankiert, von welchem einer drei Goldsäcke trägt. Die Gruppe bleibt inmitten der Bühne stehen.    

    Von rechts kommt der erste Bischof mit einer Mitra auf den Kopf. Er bleibt vor dem Kaiser stehen, fällt nieder und küsst den Kaiser zuerst die Schuhe und dann die entgegengehaltene Hand und bleibt knien. Der rechte Hinterteufel gibt ihm einen Sack von Gold, der Bischof senkt seinen Oberkörper nach vorne, der linke Hinterteufel tritt ihm ins Gesäß. Der Bischof steht auf, reibt sich sein Gesäß und stellt sich hinter den Kaiser, den Goldsack in den Händen haltend. Diese Szene wiederholt sich auch beim Bischof zwei und drei.  

Martin kommt ebenfalls von rechts, trägt aber außer der Mitra auch das Kreuz und den Bischofsstab. Als Martin die Mitte der Bühne erreicht, hebt er sein Kreuz worauf die Teufel weggelaufen. Die drei Bischöfe wenden sich von Martin ab und streicheln ihre Goldsäcke. Der Kaiser verbeugt sich vor Martin, dieser aber bleibt aufrecht stehen.   Der Kaiser richtet sich wieder auf und will Martin seinen Ring reichen. Martin wehrt ab und geht nach rechts ab.

 Bild 15. St. Martins Lebensbilanz und Tod

SprecherDarstellung im Schattenspiel
Was Martin getan hat, konnte ich recht und schlecht mit meinen Worten darlegen, aber sein inneres Leben, seinen täglichen Wandel, das Wesen seiner stets himmelwärts gewandten Seele zu beschreiben wird niemals menschlicher Wiedergabe gelingen.

  Solche Wachsamkeit und solches Maßhalten, solche Tage und Nächte, darin es keinen Augenblick gab, den er nicht den Werken Gottes geweiht hätte, ohne sich um seine Ruhe oder um Geschäfte zu kümmern. Niemals ließ Martin eine Stunde, einen Augenblick verstreichen, ohne dem Gebet obzuliegen oder sich in die Lesung zu versenken. Wie die Schmiede, die in der Arbeit innehalten und dabei noch immer weiter auf den Amboss schlagen, so betete Martin unablässig, auch wenn er etwas anderes zu tun schien. Du wahrhaft seliger Mann! In Dir war keine Hinterlist niemanden hast Du gerichtet, niemanden verdammt keinem Böses mit Bösem vergolten. Keiner hat ihn je in Zorn oder Erregung gesehen und wenn sein Antlitz von himmlischer Freude erstrahlte, schien er jenseits aller Menschennatur zu sein. In seinem Munde war nichts als der Name Christi, in seinem Herzen nicht als Frömmigkeit, Friede und Barmherzigkeit.   Häufig weinte er sogar über die Sünden derer, die ihn mit ihrer Missgunst verfolgten, die ihn um seiner Tugend und seines heiligen Wandels willen beneideten, die in ihm hassten, was sie in sich selbst nicht fanden und was sie nicht nachahmen konnten. Überdies sollen – oh trauriger und beklagenswerter Frevel! – zu seinen Verfolgern, so gering deren Zahl auch war, fast nur Bischöfe gehört haben.  

  Als er im Sterben lag, sprach er: „Zum Himmel, meine Brüder zum Himmel lasst mich schauen, nicht zur Erde, damit schon jetzt mein Geist den Weg antreten kann, der ihn zum Herrn führen wird.“ Als er den Teufel neben sich stehen sah rief er: „Was willst du hier blutdürstiges Tier? Unseliger, du wirst in mir nichts finden, was dir gehört: Abrahams Schoß wird mich aufnehmen.“ Mit diesen Worten gab er seinen Geist auf.   Die zugegen waren, haben es bezeugt sein Antlitz habe ausgesehen wie das Antlitz eines Engels, denn so schön war er auf zu sich anzusehen, als wäre er schon in der Glorie der künftigen Auferstehung in einer verwandelten Natur und in einem neuen Fleisch.

  Es ist kaum zu glauben, wie viele Menschen seinem Leichenzuge folgten: die ganze Stadt eilte dem Leichnam entgegen, viele Bewohner des flachen Landes, der Dörfer, selbst der benachbarten Städte waren zugegen. Das ist die Frucht, deren Martin sich rühmen so durfte: so viele Zweige zum Dienste des Herrn hatte Vermögen seines Vorbildes der von ihm gepflanzte Baum getrieben.   Vorhang.
Inmitten der Bühne steht ein großes Kreuz. Davor kniet Martin in Mitra und mit dem Bischofstab. Rechts und links flankieren ihn kniende Engel, rechts von den Engeln kniet je ein Mönch.     Während in der Aufzählung der Tugenden Martins kommen immer weitere Personen, jeder mit einer, noch gelöschten Martinslaterne, von rechts und von links, knien sich hin bis alle Mitwirkenden sich auf der Bühne versammelt haben.                      

                                        Martin legt sich auf den Rücken. Von rechts kommt ein Teufel, der nach den Worten „Abrahams Schoß wird mich aufnehmen“ verschwindet.  

        Von Martin beginnt ein Licht auszugehen, von welchem sich alle Anwesenden ihre Martinslaterne anzünden.       Jeder, der sich seine Laterne angezündet hat, steht auf. Alle bilden eine Reihe, in der Mitte Martin, von zwei Engeln flankiert, liegt. Alle bewegen ihre Martinslaternen hin und her.                       Vorhang.

Text nach Quelle:

Martin von Tours. Der Lebensbericht von Sulpicius Severus, Hg. von Joachim Drumm, Übertragung von Wolfgang Rüttenauer, Schwabenverlag  20072.

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2 Kommentare

  1. Tom says:

    Ganz umsonst wurde das Schattenspiel nicht gemacht, denn heute konnten die Leser sich daran freuen 😃

  2. Traditio et Fides says:

    Danke, aber sie müssen ihre Vorstellungskraft einsetzen.

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