Tradition und Glauben

Warum der hl. Apostel Johannes schwebte?

Heute ist die Oktave des hl. Johannes-Festes, welche schon im Jahre 1955 aufgegeben wurde, davor wurde sie von  Pius X. im Divino afflatu-Brevier reduziert. Da DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) nicht nur in seiner eigenen Welt, sondern auch in seiner eigenen Raumzeit lebt, so richtet er sich in seinen Gebeten nach dem Kalender des ausgehenden XIX Jhdts. des Tridentinischen Breviers. Ja, das ist wirklich originell und der Sitz in einer Vormittags-Talkshow ist ihm sicher. Die heutigen Lesungen sind wieder einmal dermaßen tiefgründig, dass sie vorgestellt gehören. Wir wissen wohl alle, dass der hl. Apostel Johannes in dem Buch der Offenbarung als Adler symbolisiert wird (Off 4,7). Und warum? Darauf gibt uns der hl. Augustinus in der Predigt der ersten Lesung der zweiten Nokturn des heutigen Oktavfestes die Antwort: „[…] hat der heilige Apostel Johannes, der nicht mit Unrecht entsprechend seiner geistigen Schärfe mit dem Adler verglichen wird, in größere Höhe und viel erhabener als die anderen drei [Evangelisten] seine Predigt eingetragen; und er hat gewollt, dass bei seiner Erhebung sich auch unsere Herzen erheben.“ (Augustinus, Traktat über Johannes) Der hl. Johannes war also der Überflieger unter den Aposteln schlechthin. Lesen wir beim hl. Augustinus weiter:   „Denn die anderen drei Evangelisten wandeln gleichsam mit dem Herrn als Mensch auf der Erde und haben von der Gottheit nur weniges gesagt; dieser aber hat, als ob er keinen Gefallen am Wandel auf der Erde hätte, wie er gleich am Anfang seiner Rede angestimmt hat, sich nicht bloß über die Erde und über alle Luft- und Himmelsräume, sondern sogar über das ganze Herr der Engel und über alle von den unsichtbaren Mächten gebildeten Reihen erhoben, und ist vorgedrungen bis zu dem, durch den alles gemacht worden ist, indem er sagte: Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott...

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Dom Prosper Guéranger: Antiliturgische Häresie (2). Reine Schriftlesung statt liturgischer Formeln

Anbei der zweite Text der Antiliturgischen Häresie von Pater Guéranger darunter unser Kommentar, der die Gefahren des reinen Biblizismus ein wenig beleuchtet. Die lehramtlichen Texte sind der neuesten Ausgabe des Denzinger-Hünermann (DH, 43. Auflage) entnommen. Dies ist in der Tat das zweite Prinzip der antiliturgischen Sekte: [sie wollen] die im kirchlichen Stil verfasste [liturgische] Formeln durch Lesungen aus der Heiligen Schrift ersetzen. Dies verschafft ihnen zwei Vorteile: vor allem lässt es die Stimme der Tradition verstummen, welche täglich ruft; außerdem ist es ein Mittel [die eigenen] Dogmen zu propagieren oder zu bekräftigen und zwar durch die Stimme der Verneinung oder der Bejahung. Sie tun es durch die Stimme der Verneinung, indem sie mit [Still-]Schweigen – einem geschickt gewählten Mittel – diejenigen Texte übergehen, welche eine Doktrin vertreten, die ihren Irrtümern entgegensteht. Sie tun es durch die Stimme der Bejahung, indem sie im Lichte der ausgewählten Passagen, die lediglich nur eine Seite der Wahrheit zeigen, ihre andere Seite vor den Augen des [ungebildeten] Volkes verbergen. Schon seit vielen Jahrhunderten weiß man, dass der Vorzug, den alle Häretiker der Heiligen Schrift vor den kirchlichen Definitionen geben, aus keinem anderen Grund stattfindet, als wegen der Leichtigkeit, mit der sie alles, was sie wollen, dem Wort Gottes zuschreiben können. Sie tun es, indem sie es mal so, mal so, je nach Zusammenhang, nach ihrem Gutdünken erscheinen lassen. Wir werden noch woanders sehen, was die Jansenisten in dieser Hinsicht getan haben, [da sie] durch ihr System verpflichtet waren den äußeren Rahmen der Übereinstimmung mit der Kirche zu wahren; was aber die Protestanten anbelangt, so haben sie beinahe die gesamte Liturgie ausschließlich auf die Schriftlesung reduziert. Die Letztere wird durch Vorträge begleitet, in welchen jeder die Schrift gemäß seinem eigenen Verstand interpretiert. Was die Wahl und die Bestimmung der kanonischen Bücher [der Heiligen Schrift] anbelangt, so...

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