Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (26). Bei der Geistesunterscheidung kann man subjektiv immer irren.

 

 

Fünftes Kapitel.

Das Urteil bei dieser Unterscheidung ist nicht gewiss und betrüglich [trügerisch], wenn keine ausdrückliche Offenbarung hinzukommt. Es wird gar Vieles dazu erfordert, um auf künstliche [kunstfertige] Weise die verschiedenen Geister richtig zu unterscheiden. Es werden zu diesem Ende [Zweck] einige Regeln vorgeschrieben.

Obwohl die vorgelegte deutsche Übersetzung aus der Mitte des 19 Jhdts. stammt, so haben einige Worte ihre Bedeutung dermaßen verändert, dass uns eine Übertragung einiger Termini des Titels angebracht schien. Worum geht es in diesem Kapitel? Darum, dass niemand bei sich selbst, d.h. subjektiv, und das ist eine wichtige Einschränkung immer die Geister richtig unterscheiden kann.

Warum?

Weil der Teufel wirklich real sind und er wird, unter Zulassung Gottes, dafür sorgen, dass Sie oft nicht wissen werden, wo oben und wo unten ist. Es gibt auf dem offenen Meer Windstärken, wo der Himmel verschwindet samt der Horizontlinie und wirklich alles zu wüsten Wassermassen wird. Wikipedia beschreibt diese Orkanstärke wie folgt:

See vollkommen weiß, Luft mit Schaum und Gischt gefüllt, keine Sicht mehr.

Kennt man die Beaufort-Skala? Ja.

Kann man navigieren? – Ja.

Weiß man, dass es vorübergehen wird?  -Ja.

Es hilft Ihnen aber alles nichts, weil Sie in solchen Situationen machtlos sind. Man ist auch bei der Geistesunterscheidung manchmal nicht sein eigener Richter, weil man die Situation falsch beurteilt. Der Feind weiß sich zu verstellen und man ist schwach. Interessanterweise werden Sie viel eher bestimmte Symptome, mit Gottes Gnade natürlich, bei anderen als bei sich selbst erkennen. Doppelmoral? Nein, Sie sind einfach die Klangquelle. Jeder der singt, weiß, dass ein Sänger manche Töne, die er singt nicht objektiv richtig hören kann und deswegen braucht er jemanden, der ihn abhört. Man produziert zwar die Schallwellen, aber sie sind vor einem. Es ist Physik. Weil die Geister der Geist Gottes und der böse Geist – Geister und sehr subtil sind, so muss man in einer sehr ausgeglichenen Lage sein, um diese voneinander zu unterscheiden. Manchmal ist man es nicht und Gott lässt es zu, damit man etwas lernt, demütig wird und anderen in ähnlichen Situationen helfen kann. Denn man kann nur dann Empathie entwickeln, wenn man es selbst erlebt hat. Der hl. Johannes vom Kreuz zählt in Unterpunkten sehr analytisch genau alle Arten von teuflischen Visionen und Eingebungen auf. Und woher weiß er das? Weil er es selbst erlebte, sonst weiß man es nicht. War es angenehm? Sicherlich nicht, aber von nichts kommt nichts. Deswegen sollte man jemanden, einen Beichtvater, haben, der unsere Eindrücke objektivieren kann, denn auch ein sehr schlechter Sänger oder jemand, der nicht singt, wenn nicht gerade taub, kann diese Wellenfrequenzen objektiv hören, welche Sie nicht hören können. Und ein blindes Huhn findet auch ein Korn. Auch wenn er zu nichts zu gebrauchen ist, so sollten Sie dennoch Ihre Situation bei absoluter Verwirrung offen legen, denn diese Verdemütigung ist Gott genehm und „verbrennt“ gleichsam den Stolz des Teufels. Auf einmal fällt der Druck oder die Dunkelheit auf einmal von Ihnen weg, der Sturm legt sich, weil sich Gott Ihrer erbarmt hat. Man sollte sich deswegen immer misstrauen und immer den eigenen Weg, soweit es geht, objektivieren.

 

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (25). Gesetzmäßigkeiten des Heiligen Geistes.

Viertes Kapitel.

Es ist schwer zu unterscheiden, ob unsere Triebe und Regungen von einer innern oder äußern Ursache bewirkt werden. Angabe einiger Kennzeichen und Regeln.

 

DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) war ein vorwitziges und altkluges Kind, welche seine Lehrer durch seine „unverschämten Fragen“ – siehe der Hirte des Herma – ins Bockshorn jagte. Aber es war keine Bosheit, sondern ein wirkliches Interesse an den Problemen. Da die Lehrer, insbesondere die Hochschullehrer schnell bei ihm aggressiv wurden, so hat er wirklich viele Erfahrungswerte, um feststellen zu können, wenn jemand keine Ahnung hat und sich um die klare Antwort drückt. Diese Antwort des Unwissenden lautet immer:

Das kann man so pauschal nicht sagen. Das kommt darauf an. Es ist von Fall zu Fall verschieden.

Sie erkennen es, nicht wahr? Dies ist die Rhetorik des Bergoglio-Pontifikats mit dem Gott der Überraschungen und dem Heiligen Geist, der weht, wo er will, in der letzten Zeit zunehmend Richtung Ehebruch und Homosex, siehe Amoris Laetitia.

Stimmt das aber?

Nein, seit sich Gott in Jesus Christus geoffenbart hat und den Heiligen Geist gesandt hat, um die Kirche immer tiefer in das Geheimnis Christi zu führen und nicht von der Wahrheit weg zu führen, gibt es keine Überraschungen. Alles ist im Großen und Ganzen vorgegeben. Es ist wirklich wie eine Gleichung, z.B., welche auf der Meta-Ebene (der Ebene über der Ebene) so lautet:

∀xyz: (x + y) + z = x + (y + z)

man liest es: für jedes x y z gilt: (x + y) + z = x + (y + z)

in einem konkreten Fall jedoch sieht die Anwendung der o.a. Formel wie folgt aus:

(3 + 4) + 5 = 3 + (4 + 5)

Es ist das Assotiativgesetz, welches für jedes x, y, z gilt, gleich welche Ziffer wir dafür einsetzen. Wie Sie sehen es ist zugleich konkret und dennoch nicht so eingeschränkt, dass es nicht viele Fälle umfassen könnte. Und so ist auch das Gesetz Gottes:

Du sollst nicht Ehebrechen.

Jede sexuelle Handlung eines Verheirateten außerhalb seines angetrauten Ehegatten oder Ehegattin ist eine schwere Sünde und jeglicher Sex außerhalb der Ehe ist es auch.  Keine Ausnahmen: gleich ob die eigene Frau alt und häßlich und die Sekräterin jung und hübsch ist. Dennoch muss x in unserem Falle nicht 3 lauten, es kann auch 4212, 34 sein oder 17.

Was hat das aber mit der Geistesunterscheidung zu tun?

Das, dass wir nicht absolut jeden Einzelfall als solchen voraussehen können, aber wir kennen doch die Formel. Wenn man ein geistliches Leben führt, dann erfährt man sowohl die Führung des Heiligen Geistes als auch Versuchungen des Teufels. Man kann dann tatsächlich anderen raten, weil man wenigstens die grobe Struktur erkennt.  Kardinal Bona rät, sich im spirituellen Leben bei Älteren Rat zu holen. Ja, schön wäre es, wenn man welche hätte. Warum? Weil der Teufel, der versucht, im Verborgenen bleiben will. Auch wenn Sie einen inkompetenten Beichtvater haben und ihm Ihre Versuchungen beichten, dann bekommen Sie selbst mehr Licht und die Macht des Teufels wird sozusagen verbrannt. Gott liebt die Demut, der Teufel scheut sie. Sehr treffend schreibt Kardinal Bona, dass es nicht möglich ist, dass eine echte Offenbarung, die ja so selten vorkommt, durch das Urteil der Anderen vernichtet wird. Wenn sich Gott wirklich offenbart, dann wird er früher und später für die Verwirklichung seiner Offenbarung sorgen.

Also hier nochmals zusammenfassend:

  1. Man kann allgemeine Strukturen im geistlichen Leben erkennen.
  2. Man sollte sich im Übernatürlichen Erfahreneren anvertrauen.
  3. Wenn etwas wirklich von Gott kommt, dann lässt Gott nicht zu, dass es zunichte gemacht wird.

Amen.

 

 

 

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (24). Guter Geist ist sanft, böser Geist beißt.

 

Viertes Kapitel.

Es ist schwer zu unterscheiden, ob unsere Triebe und Regungen von einer innern oder äußern Ursache bewirkt werden. Angabe einiger Kennzeichen und Regeln.

Eigentlich ist es sehr einfach. Der Teufel will uns quälen, uns beißen, uns verwirren. Daher ist eine jegliche Regung, die grob, beißend oder gewaltsam ist dämonischen Ursprungs. Nein, es ist nicht Ihr schlechter Charakter oder Ihr Unterbewußtsein. Es ist nicht Ihr Temperament. Es ist der böse Geist, der bei Ihnen „angedockt“ hat und versucht seine eigene Persönlichkeit Ihnen aufzudrücken. Daher ist es notwendig einerseits die Disposition in sich selbst zu verändern, damit der Dämon nicht so einfach andocken kann und zweitens die geistlichen Mittel (Gebet, Stoßgebete, Fasten, Bußübungen) anzuwenden. Ein Beispiel aus dem eigenen Leben. Der Schreiber dieser Zeilen (DSDZ) hat ein Wutproblem und er geriet oft in Rage, wenn man ihn beispielsweise beim Schreiben störte. Würde jetzt jemand ohne anzuklopfen in sein Arbeitszimmer kommen, dann gäbe es wohl instinktiv eine Szene und ein Geschrei. Es ist zwar eine lässliche Sünde, aber dennoch eine Sünde. Und es gibt Menschen, die den DSDZ gar nicht anders gekenngelernt haben als schreiend, überarbeitet und kaum ansprechbar. Was ist der Grund dafür? Zu wenig Pausen, zu wenig Erholung. DSDZ arbeitete immer sehr viel, sodass er oft sehr gereizt war und ein Wutausbruch war daher nicht weit.

Weiterlesen

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (22) Bin ich es oder kommt es von Außen?

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Viertes Kapitel.

Es ist schwer zu unterscheiden, ob unsere Triebe und Regungen von einer innern oder äußern Ursache bewirkt werden. Angabe einiger Kennzeichen und Regeln.

 

Die Grundlage einer guten Geistesunterscheidung ist eine gute Selbsterkenntnis. Wenn ich mich kenne, dann weiß ich, was mir fremd ist. Das Problem mit unseren ungebildeten, psychologisierenden und in der spirituellen Literatur unbelesenen Beichtvätern ist dies, dass sie, laut Psychologie und Psychoanalyse („Papa“ Freud und „Onkel“ Jung), das Fremde in uns dem Unbewußten oder dem Unterbewußtsein zuschreiben, statt den Dämonen, die auf uns wirken. Wenn sich ein normaler Mensch fragt:

Woher habe ich denn nur solche Gedanken oder solche Träume? Das bin ja nicht ich.

Dann lautet die Antwort:

Ja, es sind die Dämonen, die auf Dich einwirken, indem sie ihr eigens Wesen dir aufdrücken.

Dies ist die klassische Spiritualität der Wüstenväter, des Evagrius Ponticus und Johannes Cassianus. Nicht alles, was wir denken oder spüren ist unser. Dies spielt insbesondere bei der Umsessenheit (obssessio) eine große Rolle, denn die Stufe der dämonischen Angriffe sieht wie folgt aus:

  1. Versuchung (tentatio)
  2. Bedrängung (vexatio, circumsessio)
  3. Umsessenheit (obssessio)
  4. Besessenheit (possessio)

ad 1.

Dies Erfahren alle.

ad 2.

Dies sind äußere Angriffe auf Hab und Gut, sowie die Gesundheit. Plötzlicher Autodiebstahl, Problemen am Arbeitsplatz, unerwartete Krankheit, Schreiben von Behörde etc. Man könnte sagen, äußerer Pech, doch der Kontext zählt. Solches passiert nicht allen, sondern nur manchen vor positiven geistlichen Ereignissen.

 

ad 3.

Dies sind quälende Gedanken oder Emotionen, die zu uns sozusagen von Außen kommen und unserer eigenen Psyche unähnlich sind. Es ist als würde sich etwas unserer Psyche bedienen. Noch seltener als 2.

 

ad 4.

Kommt sehr selten vor. Der Dämonen bedient sich des menschlichen Körpers, was für den Betroffenen mit Bewußtseinsausfällen Hand in Hand geht. Man weiß also nicht, was man getan hat, wo man war, wie man an diese Stelle gelangt ist.

Erfährt jemand Umsessenheit (obssessio), dann muss er sich selbst kennen, um zu sehen woher diese Gedanken kommen. Woher weiß man denn, ob es nicht psychisch bedingt ist? Weil diese Gedanken und Gefühle nach dem Kontakt mit dem Sacrum verschwinden. Sie sind auch nicht ständig präsent und verschwinden nach Gebet. Der Schreiber dieser Zeilen hatte gestern ungefähr zwei Stunden lang diese Erfahrung, dass sich sozusagen in ihm etwas fürchtete, wovor er selbst sich nicht fürchtet. All diese Gedanken verschwanden nach der Messe und nach Kommunionempfang, obwohl sich äußerlich nichts verändert hat. Wir werden diese Thematik noch mehr als einmal vertiefen. Sollten Sie aber Probleme im Bereich 2. bis 4. haben, dann schauen Sie hier vorbei. Die deutsche Fassung der Auxilium Christianorum Gebete wird von uns vorbereitet. Sehr gut und erhellend sind auch die Konferenzen von Father Ripperger zu dämonologischen Problemen.

 

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Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (16) Selbstbeobachtung als erster Schritt.

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Nach einer wirklich langen Pause kehren wir zu der Geistesunterscheidung von Kardinal Bona zurück, welche seit nun an einem jeden Spirituellen Mittwoch abwechselnd mit anderen geistlichen Themen präsentiert werden wird.  Diejenigen Leser, die neu sind oder sich an die vorigen Beiträge von Kardinal Bona nicht erinnern können, mögen nachblättern oder es nochmals von vorne lesen.

In dem heute vorgestellten Text vom Richard von hl. Viktor, den Kardinal Bona zitiert, geht es darum, dass, um zu einer guten Geistesunterscheidung zu kommen, man eine sehr gute Selbsterkenntnis braucht und zwar sowohl im Natürlichen wie auch im Übernatürlichen, weil sich sowohl Gott als auch der Teufel unserer natürlichen Gegenbenheiten bedienen werden. Weiterlesen!

Geistliche Allergie oder die dunklen und lichtvollen Internetpräsenzen

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Allergie als Metapher

Der Schreiber dieser Zeilen hat unlängst erfahren, dass er an einer Staub-Milben-Allergie leidet. Diese Diagnose ist recht neu, da er bisher keine Allergien hatte, obwohl der Kontakt mit Staub durchaus gegeben war. Da Allergien auch psychisch bedingt sind, vom allgemeinen Zustand des Immunsystems abhängen und daher kommen und gehen können, daher braucht man sich darüber keine Sorgen zu machen und wenn man an die göttliche Vorsehung glaubt, dann erst recht nicht. Dennoch stellt diese Diagnose einen Befreiungsschlag dar, da all das, was er für Erkältungserscheinungen hielt, der Allergie geschuldet sind, welche eine kleine dauernde Infektion auslöste zu denen sich auch äußere Infektionen zugesellten, was zu Krankheiten führte. Alles in allem: „Nicht jammern, noch öfter den Staub wischen.“

Sie werden sich wahrscheinlich fragen, was diese Vorbemerkungen sollen, da sie verdächtig an eine deutschsprachige Predigt erinnern, bei der man beim Weltlichen anfängt, zum Weltlichen übergeht und schließlich beim Weltlichen endet. Unsere Allergie soll aber den ersten Teil eines Analogieschlusses bilden, bei dem man die Verfahrensweise: wie im weltlichen oder im Natürlichen (in naturalibus), so im Geistlichen oder im Übernatürlichen (in supranaturalibus) anwenden kann. Der Analogieschluss ist die traditionelle und richtige theologische Methode, von Progressiven und Modernisten verlacht, sodass wir davon ausgehen können, dass sie stimmt. Wofür steht denn die Allergie? Für die geistliche Verpestung oder den geistlichen Staub. Denn so wie ein Stauballergiker vom Staub, den er einatmet krank wird, so wird ein Frommer von den Kontakten mit Unfrommen geistlich krank. Bevor wir dies näher erläutern ein paar einführende Bemerkungen.

Unter einem Frommen verstehen wir theologisch gesehen einen Gerechten, im Sinne eines Gerechtfertigten (iustus). Der katholische Rechtfertigungsbegriff lautet nach dem Konzil von Trient wie folgt:

Rechtfertigung ist nun „die Versetzung aus dem Zustand, in dem der Mensch als Sohn des ersten Adam geboren wird, in dem Zustand der Gnade und der Annahme zu Gotteskindern durch den zweiten Adam Jesus Christus, unseren Erlöser“. (DH 1524)

Die Theologie unterscheidet zwischen der negativen und positiven Seite der Rechtfertigung. Die negative Seite besteht in der wahrten Sündentilgung, die positive in der übernatürlichen Heiligung und Erneuerung des inneren Menschen (DH 1528).[1] Ein Gerechter ist ein zumindest Getaufter, der im Gnadenstand lebt und niemals in eine schwere Sünde gefallen ist. Es kann also Fromme und Gerechte auch unter den Nichtkatholiken geben, wenn sie in unüberwindbarer Unwissenheit (ignorantia invicibilis) leben und zwar bezüglich der katholischen Wahrheit der Katholischen Kirche, welche weiterhin die allein seiligmachende ist. Ein in der unüberwindbaren Unwissenheit lebender Nichtkatholik hat aber wesentlich weniger Gnadenhilfen als ein Katholik zur Verfügung, sodass seine Werke vor Gott viel weniger verdienstvoll sind (meritoria), seine Heiligkeit kleiner, seine Fegefeuerstrafe länger und sein Platz im Himmel ferner. Hier sprechen wir aber von einer recht idealistischen Situation, dass jemand niemals in schwere Sünde fallen sollte. Beim Katholiken ist die Sündenvergebung in der Beichte, natürlich unter der Einhaltung aller Bedingungen einer guten Beichte, gewiss, einem Protestanten bleibt nur ein Akt der Liebesreue (contritio) übrig, also ein Akt der Reue allein aus Liebe zu Gott. Also nicht aus Furcht oder Eigennutz. Echte Liebesreue ist sehr selten und außersakramentale Sündenvergebung der schweren Sünde ebenso. An dieser Stelle wird unter einem Frommen oder Gerechten (iustus) ein im Gnadenstand lebender Katholik gemeint, der betet, beichtet, andere Sakramente empfängt und sogar jede lässliche Sünde meidet. Es ist also schon der obere Bereich gemeint und kein Durchschnittskatholizismus. Warum denn diese Eingrenzung? Weil man nur in diesem Zustand seinen geistlichen Eindrücken einigermaßen trauen kann.

Sensus fidei, geistliche Wahrnehmung und das Internet

Die Kirche spricht vom sensus fidei – dem Glaubenssinn, welcher nur einem im Gnadenstand Lebenden eigen ist. Die Kirchenväter sprechen doch tatsächlich von einem quasi zusätzlichen Sinn, durch welchen wir die göttliche, d.h. die übernatürliche und geistige Wirklichkeit Gottes, wahrnehmen können. So spricht der Cyrill von Jerusalem (gest. 387) in seiner Ansprache an die Neugetauften von einem geistigen Sehen:

Meine Zuhörer, die ihr jetzt den Herrn mit geistigen Augen schaut, höret auf seine Worte, welche er auch zu euch spricht: „Sehet zu, dass euch niemand irre führe!“[2]

Dieser Glaubenssinn ist aber nicht nur intellektuell zu verstehen, sondern tatsächlich mit einer immer genaueren Wahrnehmung und Unterscheidung des Geistlichen identisch. Das ganze Werk über die Geistesunterscheidung von Kardinal Bona, das wir hier vorstellen, ist diesem Bereich gewidmet.

Ein Leser hat uns in einem Kommentar vorgeworfen, dass von unserem Blog eine zu große Dunkelheit ausgeht. Interessanterweise haben wir die gleiche Empfindung, wenn wir, nennen wir sie einfach die geistlich-virtuelle Internetpräsenz unseres polnischen und unseres deutschen Blogs vergleichen. Der polnische ist irgendwie lichtvoller, positiver, fröhlicher, der deutsche leider irgendwie trockener und dunkler. Woran kann es liegen? Da der Schreiber dieser Zeilen zwar nicht alle aber doch viele der polnischen oder deutschen Beiträge selbst verfasst hatte, so kann es nicht an ihm selbst liegen, dass sich seine geistliche Ausstrahlung, sowohl im positiven als auch im negativen Sinne, allein durch die gewählte Sprache auswirkt. Auf unserem polnischen Blog gibt es auch sehr substantielle Kirchenkritik, sowie eine substantielle Kritik sowohl vieler nachkonziliarer Erneuerungsbewegungen als auch Kritik der Piusbruderschaft. Wir haben uns demzufolge viele Feinde in vielen Gruppierungen gemacht, die uns ab und zu schmähen und uns Böses wünschen. Da der Schreiber dieses Blogs in einem deutschsprachigen Land lebt und den Verfall der Kirche täglich und buchstäblich vor Augen hat, so kann es durchaus sein, dass er selbst, wenn er auf Deutsch schreibt, pessimistisch gesonnen ist. Es kann auch sein, dass wir auf unserem deutschsprachigen Blog tatsächlich mehr Kirchenkritik als positive katholische Lehre darstellen. Während also auf dem polnischen Blog das Verhältnis Positives zum Negativen etwa sieben zu drei beträgt, ist es wohl auf dem deutschsprachigen Blog genau umgekehrt. Es scheint irgendwie zu stimmen, dass die geschriebenen Worte irgendwie in der virtuellen Wirklichkeit des Internets stehen und wirken. Je mehr also an Negativität des Inhalts, umso negativer die Ausstrahlung. So kann man auch verstehen, warum von vielen katholischen, traditionellen, traditionalistischen oder sedisvakantistischen Seiten, obwohl sie auch die reine katholischer Lehre wiedergegeben, wirklich reine Dunkelheit ausstrahlt. Andererseits strahlt aus vielen katholischen Seiten, die sich meistens an eine recht emotionale Religiosität und an den Privatoffenbarungen richten eine Art verdorbene Süßigkeit aus. Natürlich sind dies höchst subtile und subjektive Eindrücke, welche der Schreiber dieser Zeilen dennoch hiermit wiedergibt auch auf die Gefahr hin sich völlig lächerlich und unglaubwürdig zu machen. Dennoch hat er diese Eindrücke, wenn er durch das Internet surft.

Er hat diese Eindrücke aber auch, wenn er mit bestimmten Menschen spricht (Priester, Theologen, Theologieprofessoren, Ordensschwestern, Gremienkatholiken und viele andere auch). Sie strahlen in den meisten Fällen eine Dunkelheit und Trockenheit aus, manchmal mit sehr viel persönlicher Bosheit verbunden. Er hat diese Eindrücke in sehr vielen Kirchen, Kapellen, katholischen Akademien und anderen Einrichtungen, Pfarreien oder theologischen Fakultäten vernommen. Ja, es gibt auch durchaus lichtvolle Personen und Orte, oder auch dunkle Orte, an denen sich ab und zu etwas Reines und Lichtvolles präsentiert, aber sie sind die Ausnahmen. Man muss einfach davon ausgehen, dass alle unsere Gedanken Worte und Werke eine geistliche und bleibende Präsenz produzieren. Dies erklärt auch die sogenannten gnadenvollen Orte oder die heimgesuchten Orte, von denen man sich möglichst schnell entfernen möchte. Aber nicht nur das, was an einem Ort passierte macht seine geistliche Atmosphäre aus, sondern auch diejenigen, die solch einen Ort besuchen tragen das Ihre zu seiner Atmosphäre bei. Deswegen kann man einen ursprünglich heiligen Ort, an dem Heiliges jahrhundertelang stattfand, gezielt entweihen, wie neulich dem Kölner Dom auf eine Anweisung von Kardinal Woelki hin geschehen, der persönlich einen Techno-Abend im Dom bewilligte. Dies ist aber nichts Neues, weil die Feinde der Kirche, meistens allerdings keine Geistlichen, die Kirchen schändeten, indem sie diese zweckentfremdeten. So wurde die Hagia Sophia, die heiligste Kirche in Konstantinopel, 1206 von plündernden Horden der, leider Gottes, Kreuzritter in einen Pferdestall umgewandelt, die Kathedrale Notre Dame diente nach der französischen Revolution dazu, eine nackte Schauspielerin auf dem Altar aufzustellen und diese als die Göttin Vernunft anzubieten. Man kann also einen heiligen Raum oder auch eine heilige Präsenz, vielleicht auch virtueller Natur, entweihen. Zwar halten wir unseren Blog nicht für einen heiligen Raum, wir glauben aber auch nicht, dass wir diese ganze Dunkelheit, die von unserem Blog ausgeht tatsächlich selbst produzieren. Unsere Leser können sich dazu äußern.

Wir halten also fest, dass die geistliche Ausstrahlung einer Internetpräsenz von:

  1. ihren Machern,
  2. ihren Inhalten,
  3. den Besuchern ausgehen kann.

Wenn also zwei Internetpräsenzen ungefähr dieselben Macher haben und ein wenig vom Inhalt her variieren, so muss doch auch die Atmosphäre, die sich um diese Präsenzen bündelt von ihren Besuchern ausgehen. Vielleicht sind einfach unsere polnischen Leser frommer? D.h. vielleicht sind sie heiliger, leben im Gnadenstand, beten mehr und sündigen weniger? Dies wäre durchaus möglich. Wir könnten natürlich appellieren, dass unsere deutschsprachigen Leser sich auch im Gnadenstand halten, bevor sie diese Internetpräsenz besuchen. Wir können uns auch verpflichten mehr Positives hier vorzustellen und uns nicht ausschließlich der Polemik zu widmen.

Dunkelheit der Unglückspropheten?

Man muss sich aber auch wahrheitsgemäß die Frage stellen, was katholisches.info auch tut, was es noch heute, bei der jetzigen Lage der Kirche, besonders der Lage in dem deutschsprachigen Landen, Positives zu berichten gibt? Auch der Prophet Jeremias hatte genug in dem er sprach:

Ja, sooft ich rede, muß ich schreien, «Gewalt und Unterdrückung!» muß ich rufen. Denn das Wort des Herrn bringt mir den ganzen Tag nur Spott und Hohn. (Jer 20,8)

quia iam olim loquor vociferans iniquitatem et vastitatem clamito et factus est mihi sermo Domini in obprobrium et in derisum tota die

Dies war aber gerade seine Aufgabe, wofür er auch umgebracht wurde. Auch wollte Johannes XXIII. Als er das Konzil öffnete von den Unglückspropheten nichts wissen. [3] Nach Roberto di Mattei, „gab [der Papst] zu, kritische Reaktionen von einigen erhalten zu haben

»die zwar von religiösem Eifer brennen, aber die Tatsachen nicht mit der gebotenen Objektivität noch mit gesundem Urteilsvermögen betrachten. Sie meinen nämlich, in den heutigen Verhältnissen der menschlichen Gesellschaft nur Untergang und Unheil zu erkennen. Die reden unablässig davon, dass unsere Zeit im Vergleich zur Vergangenheit dauernd zum Schlechteren abgeglitten sei. Sie benehmen sich so, als hätten sie nichts aus der Geschichte gelernt, die eine Lehrmeisterin des Lebens ist, und als sei in den Zeiten früherer Konzilien, was die christliche Lehre, die Sitten und die Freiheit der Kirche betrifft, alles sauber und recht zugegangen.

Wir aber sind völlig anderer Meinung als diese Unglückspropheten, die immer das Unheil voraussagen, als ob die Welt vor dem Untergang stünde. Angesichts der gegenwärtigen Ereignisse in der humanen Welt, durch die das Menschengeschlecht in einen Neue Weltordnung einzutreten scheint, muss man viel eher einen verborgenen Plan der göttlichen Vorsehung erkennen. Dieser verfolgt in den Zeitläufen durch die Werke der Menschen meist über ihre Erwartungen hinaus ein eigenes Ziel, und alles, auch die entgegengesetzten menschlichen Interessen, lenkt er weise zum Heil der Kirche«“.[4]

Da diese Rede des Papstes in traditionalistischen Kreisen wohlbekannt ist und die Wirkung eines roten Tuches niemals verfehlt, so werden wir hier nicht nachtreten, nicht darüber klagen, wie sehr sich der Papst geirrt hat, sowie nicht die Frage stellen ob es sich bei den Formulierungen „Neue Weltordnung“, „Geschichte“, „verborgener Plan“ etc. um Codeworte handelt. Leider haben die vermeintlichen Unglückspropheten aus der Zeit um 1960 in allem Recht behalten und ihre Unglücksprophezeiungen wurden bei weitem übertroffen. Es scheint uns nämlich unvorstellbar, dass um das Jahr 1960 ein Katholik, der es mit der Kirche gut meinte und sie nicht willentlich zerstören wollte, sich die Situation im September 2016 unter Papst Franziskus, der vielleicht ein Gegenpapst ist, überhaupt vorstellen konnte. Und hier sind wir schon wieder bei der Negativität, die wir vermeiden wollten. Wir glauben einfach, dass nicht wir persönlich negativ sind, sondern dass wir die negative Lage der Kirche einigermaßen objektiv beschreiben, dass diese Beschreibung unsere Leser traurig stimmt und daher noch eine zusätzliche Negativität produziert. Aber die Propheten des Alten Testaments taten ja das Gleiche und die neueren Unglückspropheten ebenso.

Verpestete Luft meiden

Dennoch wollen wir nicht in Negativität versinken und unseren Lesern ab und zu etwas Fröhliches und Lichtvolles bieten. Daher haben wir einen Aufruf nach einem guten Übersetzer gestartet, welcher uns helfen kann das anscheinend Lichtvolle aus dem polnischen Blog auf dem dunkleren deutschsprachigen Blog zu übertragen. Wir selbst sind leider nicht dazu in der Lage auch diese Arbeit und Verpflichtung auf uns zu nehmen, aber wir sind auch nicht allein auf der Welt.

Um auf die Anfangsmetapher der Allergie zurückzukommen, können wir allen und uns selbst empfehlen den realen oder metaphorischen Staub möglichst zu meiden und uns nicht ohne Not und ohne einen ausdrücklichen Auftrag von Gott in die Dunkelheit vorzuwagen. Auch ein sehr gutes geistliches Immunsystem wird darunter leiden und wir werden eine längere Zeit brauchen, um uns zu regenerieren. Dies war auch wohl der Grund, warum man in der guten alten Zeit keine Sünder in das Innere eines Klosters ließ, damit sie einfach dort, in den hoffentlich heiligen und geheiligten Räumen, nichts Eigenes zurückließen. Angeblich haben die Mönche der großen Kartause als sie von Ludwig XVI. dazu gezwungen wurden, die damals wirklich wenig tugendhafte Marie Antoinette in ihr Kloster, obgleich nicht in ihre Klausur, zu lassen, alle Steine, die sie berührt hatte, entfernt und nicht nur außerhalb des Klosters verfrachtet, sondern tatsächlich außerhalb des gesamten Gebietes gebracht, welches zu der großen Kartause gehörte. Dies waren aber keine sexuellen Pathologien oder Zwangsneurosen, wie mancher denken würde, sondern diese Mönche, die wahrscheinlich mit einem guten sensus fidei ausgestattet waren, haben die mitgebrachte Negativität und Sünde wohl richtig gespürt. Sie wollten halt jegliche Erinnerung an die große Sünderin tilgen. Die  besagte Sünderin, Marie Antoinette, starb aber auf dem Schafott einen guten Todes, da sie in der leidvollen Gefängniszeit viel Zeit zu sühnen und sich zu bekehren hatte. Vielleicht hatte sie ihre Bekehrung tatsächlich ihrem Besuch in der großen Kartause zu verdanken, weswegen Gott diesen „geistlichen Atmosphärenaustausch“ zuließ. Wir haben auch keinen Einfluss darauf, wer diesen Blog besucht, möchten aber, dass ihr etwas Positives von hier mitnimmt, wozu wir nach bestem Wissen und Gewissen beitragen möchten.

[1] Ott, Grundriss der Dogmatik, Bonn 2010 11, 375.

[2] https://www.unifr.ch/bkv/kapitel2754-3.htm-Augen

[3] Roberto di Mattei, Das Zweite vatikanische Konzil. Eine bislang ungeschriebene Geschichte, Stuttgart 2011,150. 224-227.

[4] Ebd. 225.

Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (14) Der böse Geist „mischt mit“.

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Damit wir bei aller theologischen Polemik nicht das eigentliche Ziel unseres Lebens verlieren, welches darin besteht die Gottesebenbildlichkeit, soweit es uns möglich ist, in diesem Leben zu erreichen und Verdienste vor Gott zu erwerben, so wollen wir wieder eine Passage aus Kardinal Bona vorstellen.

Das dritte Kapitel fängt mit einer grundsätzlichen Anthropologie (Lehre vom Menschen) an, wonach der Mensch aus Verstand und Seele besteht. Soweit, so gut, können wir denken, aber schon an dieser Stelle ist festzuhalten, dass die Gefühle hier nicht aufgeführt werden. Warum? Weil sie zur Entscheidungsfindung und zum Treffen einer Entscheidung nicht beitragen sollten. Der Verstand richtet sich nach der erkannten Wahrheit (veritas), der Wille nach dem erkannten Guten (bonum), welches mach der Erkenntnis angestrebt wird. Wenn aber der Verstand das Falsche oder die Lüge für die Wahrheit hält, dann muss er irren und einem angeblichen Gut (bonum), welches an sich ein Übel (malum) ist folgen. Denn wenn jemand ein Übel (malum), wie z.B. Konkubinat, für ein Gut (bonum) hält, dann wird das Übel nicht automatisch zum Guten. Übel bleibt Übel und es richtet sich danach aus, wie Gott es sieht und nicht wie der Mensch es sieht. Deswegen ist das Verkünden von Irrlehren, wie Amoris laetitia, so verfänglich, weil sich die Menschen an der Lüge ausrichten und somit kein objektives Gut (bonum) anstreben können. Die katholische Theologie und Metaphysik sagt: verum, bonum et pulchrum convertuntur, d.h. „das Wahre, Gute und Schöne fallen in eins zusammen“. Das eine führt zum anderen. Ebenfalls fallen das Falsche, das Böse und das Hässliche zusammen, weil hier auch eins zum anderen führt. Wir nehmen hier mit hl. Thomas den Vorrang des Intellekts vor dem Willen an, da der Wille nur danach streben kann, was er vorher erkannt hat. Man muss zwar streben wollen, aber der Wille ist, unserer Meinung nach, nur eine zu verwirklichende Potenz.

Es bleibt hier festzuhalten, dass ohne die richtige, d.h. die katholische im Sinne von thomistische, Anthropologie niemand ein gesundes, katholisches geistliches Leben führen kann. Und deswegen sind jegliche Anleihen aus der fernöstlichen Spiritualität dermaßen verhängnisvoll und zerstörerisch, wie uns viele Orden,[1] besonders aber die Jesuiten mit ihrem Zen-Buddhismus und Niedergang vormachen,[2] weil der Buddhismus von einer völlig anderen Anthropologie und einem völlig anderem Gottesbild, einem heidnischen eben, ausgeht. Buddhismus und Katholizismus sind nicht kompatibel, Joga und Christentum auch nicht.

Soweit, so gut: man muss also sich an die richtige katholische Lehre im Sinne der Wahrheit (veritas) intellektuell halten und willentlich dem erkannten Guten (bonum) folgen. Wo aber, könnte man fragen, ist hier Platz für Unterscheidung der Geister? Viele Menschen, von der aufklärerischen Sicht eines losgelösten menschlichen Verstandes geprägt, glauben nicht, dass der Teufel, d.h. der böse Geist, auf unseren Verstand oder unseren Willen Einfluss nehmen kann. Sie glauben vielmehr, dass sich der dämonische Einfluss höchstens in dem unspezifizierten „Seelischen“ (was auch immer dies sei) niederschlagen kann und dieser Einfluss bei manchen Menschen beispielsweise in falschen Visionen zu Tage tritt. Vertraut man, so diese Meinung, seinen fünf Sinnen und dem gesunden Menschenverstand, dann ist man von solchen dämonischen Einflüssen sicher. Dies ist aber nicht der Fall. Man ist vor ihnen niemals sicher. Man erkennt sie nur nicht, weil der Teufel ein meisterhafter Manipulator ist und uns seine Gedanken und Einfälle als die unsrigen vorstellt. Der Teufel kann den Intellekt verblenden, er kann den Willen beeinflussen. Wie das? Indem er uns die Lüge (mendacium) für die Wahrheit (veritas) ausgibt und das Böse (malum) als das Gute (bonum) darstellt. Denn es ist nicht möglich, dass man sittlich zu irren anfängt ohne zuerst intellektuell zu irren. Und daher ist die Häresie, also das Verbreiten von Irrlehren und intellektuellen Sünden, die schlimmste aller Sünden, nach hl. Thomas ist sie schlimmer als Abgötterei (Summ. Theol. II IIae q. 10. a. 6. c. et q. 94. a. 3. ad 4.), weil aus falschen Ansichten nur falsche und böse Taten resultieren können. Der Teufel gibt etwas an, was, um mit Kardinal Bona zu sprechen, „wahr oder gut erscheint“, es aber nicht ist. Er tut es:

 „jedoch so, dass das Wahre und Gute an demselben nicht offenbar und wenigstens einige Gefahr zu fürchten ist, es könnten dem Falschen und Bösen dadurch der Weg gebahnt werden.“

Er mischt also unter das Gute ein wenig Böses und Falsches mit. Man selbst weiß es einfach nicht und meistens niemanden, den man fragen kann. In der katholischen Spiritualität bedeutet der Ausdruck „Falschoffenbarungen“ nicht, dass die Visionäre immer lügen und betrügen, sondern dass die Quelle des Übernatürlichen, welches ja manchmal tatsächlich gegeben ist, siehe die Falschoffenbarungen von Garabandal, dämonischen Ursprungs ist. Da Kardinal Bona davon ausgeht, dass man überhaupt weiß, dass der Dämon unseren Verstand und unseren Willen insoweit beeinflussen kann, dass er uns die ersten Impulse zum Bösen vorgibt, denn dies ist die Versuchung, so zählt er die Möglichkeiten der dämonischen Einflussnahme im Übernatürlichen auf, also in jenem Bereich, der, Gott sei Dank (denn sonst hätten wir noch mehr Privatoffenbarungen), nicht allen zuteilwird. Dazu gehören:

  1. Privatoffenbarungen,
  2. Gesichte, d.h. Visionen, dies also, was man in seinem Inneren sieht,
  3. Erscheinungen, d.h. das, was man äußerlich sieht,
  4. Eingebungen, d.h. Einflussnahmen auf den Willen, die über das natürliche und gewöhnliche hinausgehen.

Kardinal Bona wird die Kriterien der Geistesunterscheidung von a. bis d. sehr genau angeben und wir werden sie noch ausführlich kommentieren. Es bleibt hier festzuhalten, dass das Außergewöhnliche wirklich sehr selten von Gott kommt und entweder denjenigen zuteilwird, welche sehr jung und unschuldig sind (Seherkinder von Fatima, hl. Bernadette Soubirous) oder denjenigen, die einen schweren und harten Weg der Prüfung und des Leidens (hl. Franziskus, hl. Antonius von Padua, hl. Theresia von Avila, hl. Johannes vom Kreuz) durchschritten haben, da Gott sein Werkzeug selbst reinigt, zurüstet und formt. Und daher kann man wirklich ohne viel zu überlegen sagen, dass im Falle von sündigen oder weltlichen Menschen, wie z.B. bei der jetzigen Maria von Irland (Maria Divine Mercy)[3] oder beim Philosophen und Sophiologen Solowjow (1853-1900)[4], ihre Visionen und Eingebungen nicht göttlichen Ursprungs sein können und sind.  Dies bedeutet nicht, dass diese Menschen sich etwas ausdenken, um willentlich andere zu betrügen. Der Dämonen redet durch sie und daher können sich manche Prophezeiungen, wie im Falle von Mary of Divine Mercy, erfüllen, weil der Dämon, falls Gott es zulässt, auch die Zukunft kennen und diese offenbaren kann.[5] Er mischt aber immer Lüge der Wahrheit und Wahrheit der Lüge bei, sodass wir nicht wissen, was wahr und was falsch ist, zumal es sich um Zukunftsprognosen handelt. Deswegen ist es besser sich mit Privatoffenbarungen überhaupt nicht abzugeben.

Was hilft aber gegen die dämonischen Tücken?

  1. Gesunder Menschenverstand,
  2. Formale Logik,
  3. Kenntnis der wahren Lehre der Kirche,
  4. Verbleiben im Gnadenstand,
  5. Gebetsleben,
  6. Das Wissen um die Eigenart der dämonischen Eingebungen.

Ad 6.

Für Menschen, die im Gnadenstand leben und die schwere Sünde meiden, ist als Faustregel anzunehmen, dass die Eingebungen des bösen Geistes in ihnen Unruhe (siehe Geistesunterscheidung für die zweite Exerzitienwoche bei hl. Ignatius von Loyola)[6] auslösen werden. Der böse Geist kommt nämlich mit der ganzen Ladung seiner eigenen Persönlichkeit zu uns, also mit Hass, Verbitterung, Hohn, Abscheu, Verwirrung etc. Sollten wir bei jemand, der uns z.B. kritisiert und jegliches Maß überschreitet diese Emotionen wahrnehmen, so können wir ruhigen Gewissens annehmen, dass sich der böse Geist seiner bedient, um uns zu entmutigen. Sind es absolut irrationalen Anklagen und Gefühle, so spricht dieser Mensch dies nicht aus sich selbst, sondern er wird dazu inspiriert, von einem bösen Geist (spiritus). In solchen Fällen, die auch nicht so oft vorkommen, empfiehlt es sich per Umkehrschluss zu denken:

            „Du kannst nichts!“ bedeutet „Du kannst sehr viel!“

            „Du bist das Letzte!“ bedeutet „Du bist sehr wertvoll!“ etc.

Die Kritik, die von Gott, natürlich meistens durch Menschen vermittelt, kommt, ist erbaulich. Die Kritik, die durch Menschen vermittelt vom Teufel kommt, will zerstören und ist absolut irrational und maßlos. Falls wir auf unserem Weg fortschreiten werden, wird die Letztere uns nicht erspart bleiben. Wir sollen aber immer den Urheber im Auge behalten und uns fragen, was er uns eigentlich sagen und damit bezwecken will. Denn umgedreht sind es lauter Komplimente!

 Drittes Kapitel

Wie weit sich die Unterscheidung der Geister erstrecke. – Mancherlei Bewegungen und Neigungen der Menschen. – Bedeutung des Wortes „Geist“. – Was und wievielerlei der Geist sei. – Es gibt hauptsächlich einen dreifachen Geist, einen in uns, einen zweifachen außer uns.

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[1] http://www.katholisches.info/2014/09/03/dietfurter-franziskaner-zen-buddhismus-statt-franz-von-assisi/ http://www.katholisches.info/2007/07/23/ich-bin-der-weg-die-wahrheit-und-das-leben-du-sollst-keine-anderen-gotter-neben-mir-haben/ http://www.katholisches.info/2013/10/14/unzoelibataere-liebe-zwischen-jesuit-und-ordensschwester-der-etikettenschwindel-von-brantschen-und-gyger/

[2] http://www.katholisches.info/2013/12/28/jesuitische-selbstbezogenheit-raja-yoga-statt-evangelium/

[3] http://kath.net/news/49289 http://www.kath.net/news/43821

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Sergejewitsch_Solowjow

[5] Diese Frage untersuch der Hl. Thomas in Summ. Theol. Ia, Questio 57, art.  3.

[6] Es geht um die Regeln der genaueren Unterscheidung: http://www.priesternetzwerk.net/gfx/pdf/geistliches_leben/Ignatius_Unterscheidung_Geister.pdf

Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (13) Geistesunterscheidung ex effectibus und ex gratia.

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Kardinal Bona stellt fest, dass obzwar es das Charisma der untrüglichen Geistesunterscheidung gibt, dieses dennoch sehr selten vorkommt. Das Übernatürliche, welches von Gott kommt, ist selten. Das Paranormale dämonischen Ursprungs kommt häufiger vor. Warum ist es so? Weil Gott die Regeln, die er selbst für das Natürliche und Übernatürliche, im Sinne des Gnadenlebens, aufgestellt hat, höchst selten selbst außer Kraft setzt und falls er es doch tut, dann nur als eine Bestärkung der Verkündigung. Beim Fest des Hl. Vinzenz von Ferrara (1350-1419), das gestern am 5.04 gefeiert wurde, spricht die zweite Nokturn von vielen Wundern, die er getan hat, was mit seinen Kanonisationsakten übereinstimmt.[1] Aber er war vor allem ein großer Prediger (siehe oberes Bild) und die Wunder bestätigten die katholische Lehre , die er verkündete und zwar in der harten Zeit des abendländischen Schismas. Deswegen sind Wunder um der Wunder Willen im Katholizismus stets verdächtig, da sie, falls sie wirklich stattfinden und es sich um keinen Betrug handelt, vom Bösen stammen können. Wunder sind also selten und echte Charismen auch und deswegen sind wir darauf ausgelegt ex effectibus also von den Wirkungen her zu beurteilen. Bei der Unterscheidung der Geister genauso wie in anderen Bereichen. Deswegen hat sich Kardinal Bona diese Mühe gemacht all die Regel, unter Verweis auf Autoritäten, niederzuschreiben und wir machen uns die Mühe seine Regel zu kommentieren. Denn mühevoll ist es schon!

Dennoch muss man sagen, dass mit dem eigenen geistlichen Fortschritt die eigene Geistesunterscheidung auch wächst, weil man in der Gnade und aus Gnade (ex gratia) lebt, sich mit Gnade nährt, die Gnade sozusagen atmet und daher das Andere, welches von der Gnade fern ist, weil es sündigt, recht einfach erkennen oder eher erspüren kann. Natürlich gilt hier das rechte, katholische Verhältnis der Gnade zu den guten Werken und das katholische, nicht das lutherische, Verständnis der Gnade. Aber lebt man in der Gnade, hauptsächlich durch das Gebet, so ahnt man Vieles, aber beweisen kann man in der Theologie etwas erst dann, wenn man einen Autoritätsbeweis anführen kann. Da die Gnade auf dieselbe gleich bleibende Art und Weise verfährt, wie der Widersacher Gottes es tut, so kann es Regeln für das geistige Leben geben.  Daher ist die Rede davon, dass Gott, so in etwa seit Papst Franziskus, „neue Wege gehen will“ immer verdächtig und häretisch. Denn seit Pfingsten, welches schon lange vorbei ist, geht Er die erprobten Wege. Die Neuheit des Evangeliums galt für Juden und Heiden, aber sie gilt doch nicht für Christen. Wir leben nicht mehr in der Apostelgeschichte, meine Damen und Herren! Daher die Tradition der Kirche, an welcher man sich, wie an dem Erprobten, richtet. Und das praktische Verwerfen der Tradition nach dem letzten Konzil stellt uns und besonders viele deutsche Bischöfe, wie Kard. Woelki, „der nicht weiß, wohin die Reise gehen wird“, buchstäblich vor das Nichts. Denn es gibt die erprobten Wege der Gnade, genauso wie es die Wege der Ungnade gibt und daher die Möglichkeit der Formalisierung der Moraltheologie, wie es z.B. der hl. Thomas von Aquin aber auch Kassianus oder Evagrius Ponticus es tun.

Führt man kein geistiges (intellektuelles) und geistliches (spirituelles) Leben, so sieht man – spirituell gesehen tatsächlich nicht – und ist man Bischof, Pfarrer, Kardinal oder Papst so ist es tatsächlich von Nachteil. Mit „nichts sehen“ meinen wir nicht nur das fehlende geistliche Gespür des Spirituellen, sondern auch die falsche Wahl beim Intelektuellen. Man kann sich natürlich Berater suchen, aber man wählt sie ja nach dem eigenen Geschmack aus, weswegen auch viele Konzilsväter so abstruse Periti sich beim letzten Konzil wählten. Wie der Herr, so’s Gescherr!

Bischof_Ignatius_SenestreyJSDeswegen überrascht es nicht, dass manche Bischöfe schon in der Vergangenheit sich an zweifelhaften Mystikern orientierten, wie es der Bischof von Regensburg, Ignatius von Senestréy (1858-1906)[2] tat, der sich an eine „Seherin“ Louise Beck (1822-1879)[3] band, nach deren Tod er äußerte „er wisse nun nicht mehr, wie er die Diözese leiten solle“. Ein kurzer Blick in die „Akten“ der Louise Beck (rechts sitzend) genügt dem Schreiber dieser Zeilen zu vermuten, der wirklich nicht allwissend ist und auch nicht so überheblich, wie es scheint, dass diese Visionärin eher aus der hysterisch-dämonischen Medium-Ecke kam als von Gott herrührte. Louise_BeckWarum hat man ihr denn geglaubt? Weil es wirklich mystische begabte Frauen gibt – die Bezeichnung „mystisch begabt“ ist hier ernst gemeint, denn manche haben halt diese Anlage – die sich zum Guten oder Bösen entwickeln kann, es gibt Frauen also, welche extrem darin begabt sind Männer, vornehmlich Geistliche, in ihren Sog des Mystizismus zu ziehen, besonders jene Männer, die selbst über ein unzureichendes Seelenleben verfügen und in der mystischen Theologie nicht ausreichend gebildet und belesen sind. Es handelt sich also um die Fortsetzung der Verführung mit anderen Mitteln, um den guten von Clausewitz auch an dieser Stelle zu paraphrasieren. Und das leider, was einem selbst fehlt, sucht man bei Anderen und glaubt es dort gefunden zu haben, weil man es nicht einschätzen kann.

Diese Feststellung entbehrt nicht einer gewissen Aktualität, denn in der Heimat des Schreibers dieser Zeilen gibt es einen Bischof, der wirklich recht unbedacht ein Imprimatur für, unserer Meinung nach, höchst suspekte Seher-Literatur gibt. Der Schreiber dieser Zeilen hatte diesen Bischof in seinem Studium als seinen Dozenten kennengelernt. Er war ein klar denkender, moralisch lebender, wie es schien, Priester, der sich mit seiner Kirche und ihrer Lehre identifizierte. Einer der wenigen moralischen und intellektuellen Lichtblicke im Studium des Schreibers dieser Zeilen. Aber tiefere Geistlichkeit im Sinne eines geistlichen Lebens war dort leider nicht vorhanden. Dieser Priester machte recht große kirchliche Karriere, aber würde man ihn in einen Anzug stecken, so sieht er exakt wie ein osteuropäischer Mafia-Boss (nichts für ungut!) aus. Das Aussehen trügt eben nicht und dieser Bischof ist wohl einer, der mit harter Hand durch regiert. Dies muss natürlich auch sein, aber es scheint, dass dieser Zug zum Mystizismus ausgerechnet bei diesem Mann eine Kompensation des fehlenden eigenen geistigen Lebens darstellt. Der Schreiber dieser Zeilen hat zwei „Mystiker“, die von diesem Bischof mit einem Imprimatur versehen wurden, in Auszügen gelesen und er selbst hätte ihnen sicherlich kein Imprimatur gegeben. Aber uns fragt ja keiner! Da in der Heimat des Schreibers dieser Zeilen ein mit Imprimatur versehender „Mystiker“ dieses Landes bei vielen einfachen Frommen gleich den Rang eines zweiten oder des eigentlichen Evangeliums erhält, so ist solch eine Vorgehensweise seitens eines Bischofs nicht ungefährlich, weil sie einen Präzedenzfall darstellt. Diesem Bischof fehlt einfach die eigene Geistesunterscheidung, weil er viel zu sehr ein Machtpolitiker war und ist. Und deswegen kann die Lektüre, wie treffend Kardinal Bona am Ende des Kapitels schreibt, ein eigenes geistliches Lebens nicht ersetzen, denn irgendwann kommen wir alle dazu über andere zum Wohl oder Verderben der Seelen zu urteilen, denn ein bisschen Verantwortung hat ja jeder, und haben keine Ahnung.

[1] http://divinumofficium.com/cgi-bin/horas/officium.pl

[2] http://www.pfarrei-ruhmannsfelden.de/senestr.htm

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Louise_Beck

Kapitel II

Es gibt eine doppelte Gnade: die eine ist die rechtfertigende und gottgefällig machende (gratia gratum faciens); die andere ist die vorzugsweise frei verliehene Gnade (gratia gratis data). – Worin jede der beiden bestehe. – Die Unterscheidung der Geister hat unter den frei verliehenen Gnaden gaben den Vorzug.- Was diese Unterscheidung sei. . Ob sie nach Art einer bleibenden Eigenschaft (habitus) verliehen werden. Es gibt zwei Arten derselben, deren eine von Gott eingegossen, die andere aber als eine Fertigkeit durch Übung erlangt wird.

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