Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (30). Erkenntnis des Menschen, Erkenntnis der Engel. Geistliche Führung.

mariae_schraudolph

Fünftes Kapitel

Das Urteil bei dieser Unterscheidung ist nicht gewiss und untrüglich, wenn keine ausdrückliche Offenbarung hinzukommt. Es wird gar Vieles dazu erfordert, um auf künstliche Weise die verschiedenen Geister richtig zu unterscheiden. Es werden zu diesem Ende einige Regeln vorgeschrieben.

Die unten angegebenen Passagen behandeln zwei Themenbereiche, die wir dennoch in einem Beitrag zusammenführen wollen:

  1. Erkenntnis
  2. Geistliche Leitung

Wie richtigerweise Kardinal Bona schreibt und was wir schon mehrmals erwähnt haben, erkennt der Engel, der gute oder der gefallene, alles auf einmal, während der Mensch sukzessiv schlussfolgert. Die Erkenntnislehre der Engel ist beim hl. Thomas sehr eingehend dargestellt (Summ. theol. IIae, q. 54 bis 58) und bei Diekamp-Jüssen (Katholische Dogmatik, Wil: Alverna 2012, 376-377) gut zusammengefasst. Weiterlesen

Werbeanzeigen

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (29). Selbsterfahrung, Selbstvollzug und Empathie

 

Fünftes Kapitel

Das Urteil bei dieser Unterscheidung ist nicht gewiss und untrüglich, wenn keine ausdrückliche Offenbarung hinzukommt. Es wird gar Vieles dazu erfordert, um auf künstliche Weise die verschiedenen Geister richtig zu unterscheiden. Es werden zu diesem Ende einige Regeln vorgeschrieben.

Als DSDZ am letzten Sonntag die wieder einmal grauenvolle Predigt eines Priesters, der auch die Alte Messe liest  über sich ergehen ließ, so dachte er, wie gut es doch ist, dass katholische Priester sechs Jahre lang im Priesterseminar von der Welt abgesondert werden, um die Perspektive Gottes kennen zulernen und alle Dinge von Gott her beurteilen zu können. Denn spirituelle Unterweisung kommt  von den Mönchen, den Eremiten, welche fort gingen, um als Einzelner/Einsamer – monachos Gott das Eine – monas– kennen zulernen, wie es hl. Hieronymus fasste. Der Priester, von dem die Rede ist, ist diesen Weg nicht gegangen, was bei allem, was er predigt leider sehr zum Nachteil sichtbar wird. Wir wollen an dieser Stelle nicht den traurigen Zustand unserer Seminare samt McCarrick-Geschichten betrachten, sondern gleich zum Idealfall übergehen, welcher eigentlich der Realfall ist, weil es sonst nicht funktioniert. Weiterlesen

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (26). Man selbst ist immer unsicher.

Fünftes Kapitel

Das Urteil bei dieser Unterscheidung ist nicht gewiss und untrüglich, wenn keine ausdrückliche Offenbarung hinzukommt. Es wird gar Vieles dazu erfordert, um auf künstliche Weise die verschiedenen Geister richtig zu unterscheiden. Es werden zu diesem Ende einige Regeln vorgeschrieben.

In dieser längeren Vorrede stellt Kardinal Bona fest, dass man leider bei der eigenen Geistesunterscheidung immer unsicher ist, welcher Geist uns antreibt und die Antriebe zweifelhaft sind. Deswegen müssen wir unsere eigenen Antriebe objektivieren und wir erkennen den Antrieb an seinen Konsequenzen. Man kann es in der Makro-Skala gut erkennen:

Was hat das Vatikanum II gebracht? – Verwüstung.

War es vom Heiligen Geist? – Nein.

 

Weiterlesen

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (26). Bei der Geistesunterscheidung kann man subjektiv immer irren.

 

 

Fünftes Kapitel.

Das Urteil bei dieser Unterscheidung ist nicht gewiss und betrüglich [trügerisch], wenn keine ausdrückliche Offenbarung hinzukommt. Es wird gar Vieles dazu erfordert, um auf künstliche [kunstfertige] Weise die verschiedenen Geister richtig zu unterscheiden. Es werden zu diesem Ende [Zweck] einige Regeln vorgeschrieben.

Obwohl die vorgelegte deutsche Übersetzung aus der Mitte des 19 Jhdts. stammt, so haben einige Worte ihre Bedeutung dermaßen verändert, dass uns eine Übertragung einiger Termini des Titels angebracht schien. Worum geht es in diesem Kapitel? Darum, dass niemand bei sich selbst, d.h. subjektiv, und das ist eine wichtige Einschränkung immer die Geister richtig unterscheiden kann.

Warum?

Weil der Teufel wirklich real sind und er wird, unter Zulassung Gottes, dafür sorgen, dass Sie oft nicht wissen werden, wo oben und wo unten ist. Es gibt auf dem offenen Meer Windstärken, wo der Himmel verschwindet samt der Horizontlinie und wirklich alles zu wüsten Wassermassen wird. Wikipedia beschreibt diese Orkanstärke wie folgt:

See vollkommen weiß, Luft mit Schaum und Gischt gefüllt, keine Sicht mehr.

 

Weiterlesen

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (25). Gesetzmäßigkeiten des Heiligen Geistes.

Viertes Kapitel.

Es ist schwer zu unterscheiden, ob unsere Triebe und Regungen von einer innern oder äußern Ursache bewirkt werden. Angabe einiger Kennzeichen und Regeln.

 

DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) war ein vorwitziges und altkluges Kind, welche seine Lehrer durch seine „unverschämten Fragen“ – siehe der Hirte des Herma – ins Bockshorn jagte. Aber es war keine Bosheit, sondern ein wirkliches Interesse an den Problemen. Da die Lehrer, insbesondere die Hochschullehrer schnell bei ihm aggressiv wurden, so hat er wirklich viele Erfahrungswerte, um feststellen zu können, wenn jemand keine Ahnung hat und sich um die klare Antwort drückt. Diese Antwort des Unwissenden lautet immer:

Das kann man so pauschal nicht sagen. Das kommt darauf an. Es ist von Fall zu Fall verschieden.

Sie erkennen es, nicht wahr? Dies ist die Rhetorik des Bergoglio-Pontifikats mit dem Gott der Überraschungen und dem Heiligen Geist, der weht, wo er will, in der letzten Zeit zunehmend Richtung Ehebruch und Homosex, siehe Amoris Laetitia.

Stimmt das aber?

Nein, seit sich Gott in Jesus Christus geoffenbart hat und den Heiligen Geist gesandt hat, um die Kirche immer tiefer in das Geheimnis Christi zu führen und nicht von der Wahrheit weg zu führen, gibt es keine Überraschungen. Alles ist im Großen und Ganzen vorgegeben. Es ist wirklich wie eine Gleichung, z.B., welche auf der Meta-Ebene (der Ebene über der Ebene) so lautet:

∀xyz: (x + y) + z = x + (y + z)

man liest es: für jedes x y z gilt: (x + y) + z = x + (y + z)

in einem konkreten Fall jedoch sieht die Anwendung der o.a. Formel wie folgt aus:

(3 + 4) + 5 = 3 + (4 + 5)

Es ist das Assotiativgesetz, welches für jedes x, y, z gilt, gleich welche Ziffer wir dafür einsetzen. Wie Sie sehen es ist zugleich konkret und dennoch nicht so eingeschränkt, dass es nicht viele Fälle umfassen könnte. Und so ist auch das Gesetz Gottes:

Du sollst nicht Ehebrechen.

Jede sexuelle Handlung eines Verheirateten außerhalb seines angetrauten Ehegatten oder Ehegattin ist eine schwere Sünde und jeglicher Sex außerhalb der Ehe ist es auch.  Keine Ausnahmen: gleich ob die eigene Frau alt und häßlich und die Sekräterin jung und hübsch ist. Dennoch muss x in unserem Falle nicht 3 lauten, es kann auch 4212, 34 sein oder 17.

Was hat das aber mit der Geistesunterscheidung zu tun?

Das, dass wir nicht absolut jeden Einzelfall als solchen voraussehen können, aber wir kennen doch die Formel. Wenn man ein geistliches Leben führt, dann erfährt man sowohl die Führung des Heiligen Geistes als auch Versuchungen des Teufels. Man kann dann tatsächlich anderen raten, weil man wenigstens die grobe Struktur erkennt.  Kardinal Bona rät, sich im spirituellen Leben bei Älteren Rat zu holen. Ja, schön wäre es, wenn man welche hätte. Warum? Weil der Teufel, der versucht, im Verborgenen bleiben will. Auch wenn Sie einen inkompetenten Beichtvater haben und ihm Ihre Versuchungen beichten, dann bekommen Sie selbst mehr Licht und die Macht des Teufels wird sozusagen verbrannt. Gott liebt die Demut, der Teufel scheut sie. Sehr treffend schreibt Kardinal Bona, dass es nicht möglich ist, dass eine echte Offenbarung, die ja so selten vorkommt, durch das Urteil der Anderen vernichtet wird. Wenn sich Gott wirklich offenbart, dann wird er früher und später für die Verwirklichung seiner Offenbarung sorgen.

Also hier nochmals zusammenfassend:

  1. Man kann allgemeine Strukturen im geistlichen Leben erkennen.
  2. Man sollte sich im Übernatürlichen Erfahreneren anvertrauen.
  3. Wenn etwas wirklich von Gott kommt, dann lässt Gott nicht zu, dass es zunichte gemacht wird.

Amen.

 

 

 

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (24). Guter Geist ist sanft, böser Geist beißt.

 

Viertes Kapitel.

Es ist schwer zu unterscheiden, ob unsere Triebe und Regungen von einer innern oder äußern Ursache bewirkt werden. Angabe einiger Kennzeichen und Regeln.

Eigentlich ist es sehr einfach. Der Teufel will uns quälen, uns beißen, uns verwirren. Daher ist eine jegliche Regung, die grob, beißend oder gewaltsam ist dämonischen Ursprungs. Nein, es ist nicht Ihr schlechter Charakter oder Ihr Unterbewußtsein. Es ist nicht Ihr Temperament. Es ist der böse Geist, der bei Ihnen „angedockt“ hat und versucht seine eigene Persönlichkeit Ihnen aufzudrücken. Daher ist es notwendig einerseits die Disposition in sich selbst zu verändern, damit der Dämon nicht so einfach andocken kann und zweitens die geistlichen Mittel (Gebet, Stoßgebete, Fasten, Bußübungen) anzuwenden. Ein Beispiel aus dem eigenen Leben. Der Schreiber dieser Zeilen (DSDZ) hat ein Wutproblem und er geriet oft in Rage, wenn man ihn beispielsweise beim Schreiben störte. Würde jetzt jemand ohne anzuklopfen in sein Arbeitszimmer kommen, dann gäbe es wohl instinktiv eine Szene und ein Geschrei. Es ist zwar eine lässliche Sünde, aber dennoch eine Sünde. Und es gibt Menschen, die den DSDZ gar nicht anders gekenngelernt haben als schreiend, überarbeitet und kaum ansprechbar. Was ist der Grund dafür? Zu wenig Pausen, zu wenig Erholung. DSDZ arbeitete immer sehr viel, sodass er oft sehr gereizt war und ein Wutausbruch war daher nicht weit.

Weiterlesen

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (22) Bin ich es oder kommt es von Außen?

5297c993e1b04c7f0a509f57f7756cb5--art-medieval-medieval-life

Viertes Kapitel.

Es ist schwer zu unterscheiden, ob unsere Triebe und Regungen von einer innern oder äußern Ursache bewirkt werden. Angabe einiger Kennzeichen und Regeln.

 

Die Grundlage einer guten Geistesunterscheidung ist eine gute Selbsterkenntnis. Wenn ich mich kenne, dann weiß ich, was mir fremd ist. Das Problem mit unseren ungebildeten, psychologisierenden und in der spirituellen Literatur unbelesenen Beichtvätern ist dies, dass sie, laut Psychologie und Psychoanalyse („Papa“ Freud und „Onkel“ Jung), das Fremde in uns dem Unbewußten oder dem Unterbewußtsein zuschreiben, statt den Dämonen, die auf uns wirken. Wenn sich ein normaler Mensch fragt:

Woher habe ich denn nur solche Gedanken oder solche Träume? Das bin ja nicht ich.

Dann lautet die Antwort:

Ja, es sind die Dämonen, die auf Dich einwirken, indem sie ihr eigens Wesen dir aufdrücken.

Weiterlesen

Kard. Bona: Die Unterscheidung der Geister. (16) Selbstbeobachtung als erster Schritt.

Giovanni_di_Paolo_The_Mystic_Marriage_of_Saint_Catherine_of_Siena,

Nach einer wirklich langen Pause kehren wir zu der Geistesunterscheidung von Kardinal Bona zurück, welche seit nun an einem jeden Spirituellen Mittwoch abwechselnd mit anderen geistlichen Themen präsentiert werden wird.  Diejenigen Leser, die neu sind oder sich an die vorigen Beiträge von Kardinal Bona nicht erinnern können, mögen nachblättern oder es nochmals von vorne lesen.

In dem heute vorgestellten Text vom Richard von hl. Viktor, den Kardinal Bona zitiert, geht es darum, dass, um zu einer guten Geistesunterscheidung zu kommen, man eine sehr gute Selbsterkenntnis braucht und zwar sowohl im Natürlichen wie auch im Übernatürlichen, weil sich sowohl Gott als auch der Teufel unserer natürlichen Gegenbenheiten bedienen werden. Weiterlesen!

Geistliche Allergie oder die dunklen und lichtvollen Internetpräsenzen

resurrection-giordano-luca

Allergie als Metapher

Der Schreiber dieser Zeilen hat unlängst erfahren, dass er an einer Staub-Milben-Allergie leidet. Diese Diagnose ist recht neu, da er bisher keine Allergien hatte, obwohl der Kontakt mit Staub durchaus gegeben war. Da Allergien auch psychisch bedingt sind, vom allgemeinen Zustand des Immunsystems abhängen und daher kommen und gehen können, daher braucht man sich darüber keine Sorgen zu machen und wenn man an die göttliche Vorsehung glaubt, dann erst recht nicht. Dennoch stellt diese Diagnose einen Befreiungsschlag dar, da all das, was er für Erkältungserscheinungen hielt, der Allergie geschuldet sind, welche eine kleine dauernde Infektion auslöste zu denen sich auch äußere Infektionen zugesellten, was zu Krankheiten führte. Alles in allem: „Nicht jammern, noch öfter den Staub wischen.“ Weiterlesen

Kard. Bona, Die Unterscheidung der Geister. (14) Der böse Geist „mischt mit“.

 20120508-devil Michael_Pacher_004

Damit wir bei aller theologischen Polemik nicht das eigentliche Ziel unseres Lebens verlieren, welches darin besteht die Gottesebenbildlichkeit, soweit es uns möglich ist, in diesem Leben zu erreichen und Verdienste vor Gott zu erwerben, so wollen wir wieder eine Passage aus Kardinal Bona vorstellen.

Das dritte Kapitel fängt mit einer grundsätzlichen Anthropologie (Lehre vom Menschen) an, wonach der Mensch aus Verstand und Seele besteht. Soweit, so gut, können wir denken, aber schon an dieser Stelle ist festzuhalten, dass die Gefühle hier nicht aufgeführt werden. Warum? Weil sie zur Entscheidungsfindung und zum Treffen einer Entscheidung nicht beitragen sollten. Der Verstand richtet sich nach der erkannten Wahrheit (veritas), der Wille nach dem erkannten Guten (bonum), welches mach der Erkenntnis angestrebt wird. Wenn aber der Verstand das Falsche oder die Lüge für die Wahrheit hält, dann muss er irren und einem angeblichen Gut (bonum), welches an sich ein Übel (malum) ist folgen. Denn wenn jemand ein Übel (malum), wie z.B. Konkubinat, für ein Gut (bonum) hält, dann wird das Übel nicht automatisch zum Guten. Übel bleibt Übel und es richtet sich danach aus, wie Gott es sieht und nicht wie der Mensch es sieht. Deswegen ist das Verkünden von Irrlehren, wie Amoris laetitia, so verfänglich, weil sich die Menschen an der Lüge ausrichten und somit kein objektives Gut (bonum) anstreben können. Die katholische Theologie und Metaphysik sagt: verum, bonum et pulchrum convertuntur, d.h. „das Wahre, Gute und Schöne fallen in eins zusammen“. Das eine führt zum anderen. Ebenfalls fallen das Falsche, das Böse und das Hässliche zusammen, weil hier auch eins zum anderen führt. Wir nehmen hier mit hl. Thomas den Vorrang des Intellekts vor dem Willen an, da der Wille nur danach streben kann, was er vorher erkannt hat. Man muss zwar streben wollen, aber der Wille ist, unserer Meinung nach, nur eine zu verwirklichende Potenz.

Es bleibt hier festzuhalten, dass ohne die richtige, d.h. die katholische im Sinne von thomistische, Anthropologie niemand ein gesundes, katholisches geistliches Leben führen kann. Und deswegen sind jegliche Anleihen aus der fernöstlichen Spiritualität dermaßen verhängnisvoll und zerstörerisch, wie uns viele Orden,[1] besonders aber die Jesuiten mit ihrem Zen-Buddhismus und Niedergang vormachen,[2] weil der Buddhismus von einer völlig anderen Anthropologie und einem völlig anderem Gottesbild, einem heidnischen eben, ausgeht. Buddhismus und Katholizismus sind nicht kompatibel, Joga und Christentum auch nicht.

Soweit, so gut: man muss also sich an die richtige katholische Lehre im Sinne der Wahrheit (veritas) intellektuell halten und willentlich dem erkannten Guten (bonum) folgen. Wo aber, könnte man fragen, ist hier Platz für Unterscheidung der Geister? Viele Menschen, von der aufklärerischen Sicht eines losgelösten menschlichen Verstandes geprägt, glauben nicht, dass der Teufel, d.h. der böse Geist, auf unseren Verstand oder unseren Willen Einfluss nehmen kann. Sie glauben vielmehr, dass sich der dämonische Einfluss höchstens in dem unspezifizierten „Seelischen“ (was auch immer dies sei) niederschlagen kann und dieser Einfluss bei manchen Menschen beispielsweise in falschen Visionen zu Tage tritt. Vertraut man, so diese Meinung, seinen fünf Sinnen und dem gesunden Menschenverstand, dann ist man von solchen dämonischen Einflüssen sicher. Dies ist aber nicht der Fall. Man ist vor ihnen niemals sicher. Man erkennt sie nur nicht, weil der Teufel ein meisterhafter Manipulator ist und uns seine Gedanken und Einfälle als die unsrigen vorstellt. Der Teufel kann den Intellekt verblenden, er kann den Willen beeinflussen. Wie das? Indem er uns die Lüge (mendacium) für die Wahrheit (veritas) ausgibt und das Böse (malum) als das Gute (bonum) darstellt. Denn es ist nicht möglich, dass man sittlich zu irren anfängt ohne zuerst intellektuell zu irren. Und daher ist die Häresie, also das Verbreiten von Irrlehren und intellektuellen Sünden, die schlimmste aller Sünden, nach hl. Thomas ist sie schlimmer als Abgötterei (Summ. Theol. II IIae q. 10. a. 6. c. et q. 94. a. 3. ad 4.), weil aus falschen Ansichten nur falsche und böse Taten resultieren können. Der Teufel gibt etwas an, was, um mit Kardinal Bona zu sprechen, „wahr oder gut erscheint“, es aber nicht ist. Er tut es:

 „jedoch so, dass das Wahre und Gute an demselben nicht offenbar und wenigstens einige Gefahr zu fürchten ist, es könnten dem Falschen und Bösen dadurch der Weg gebahnt werden.“

Er mischt also unter das Gute ein wenig Böses und Falsches mit. Man selbst weiß es einfach nicht und meistens niemanden, den man fragen kann. In der katholischen Spiritualität bedeutet der Ausdruck „Falschoffenbarungen“ nicht, dass die Visionäre immer lügen und betrügen, sondern dass die Quelle des Übernatürlichen, welches ja manchmal tatsächlich gegeben ist, siehe die Falschoffenbarungen von Garabandal, dämonischen Ursprungs ist. Da Kardinal Bona davon ausgeht, dass man überhaupt weiß, dass der Dämon unseren Verstand und unseren Willen insoweit beeinflussen kann, dass er uns die ersten Impulse zum Bösen vorgibt, denn dies ist die Versuchung, so zählt er die Möglichkeiten der dämonischen Einflussnahme im Übernatürlichen auf, also in jenem Bereich, der, Gott sei Dank (denn sonst hätten wir noch mehr Privatoffenbarungen), nicht allen zuteilwird. Dazu gehören:

  1. Privatoffenbarungen,
  2. Gesichte, d.h. Visionen, dies also, was man in seinem Inneren sieht,
  3. Erscheinungen, d.h. das, was man äußerlich sieht,
  4. Eingebungen, d.h. Einflussnahmen auf den Willen, die über das natürliche und gewöhnliche hinausgehen.

Kardinal Bona wird die Kriterien der Geistesunterscheidung von a. bis d. sehr genau angeben und wir werden sie noch ausführlich kommentieren. Es bleibt hier festzuhalten, dass das Außergewöhnliche wirklich sehr selten von Gott kommt und entweder denjenigen zuteilwird, welche sehr jung und unschuldig sind (Seherkinder von Fatima, hl. Bernadette Soubirous) oder denjenigen, die einen schweren und harten Weg der Prüfung und des Leidens (hl. Franziskus, hl. Antonius von Padua, hl. Theresia von Avila, hl. Johannes vom Kreuz) durchschritten haben, da Gott sein Werkzeug selbst reinigt, zurüstet und formt. Und daher kann man wirklich ohne viel zu überlegen sagen, dass im Falle von sündigen oder weltlichen Menschen, wie z.B. bei der jetzigen Maria von Irland (Maria Divine Mercy)[3] oder beim Philosophen und Sophiologen Solowjow (1853-1900)[4], ihre Visionen und Eingebungen nicht göttlichen Ursprungs sein können und sind.  Dies bedeutet nicht, dass diese Menschen sich etwas ausdenken, um willentlich andere zu betrügen. Der Dämonen redet durch sie und daher können sich manche Prophezeiungen, wie im Falle von Mary of Divine Mercy, erfüllen, weil der Dämon, falls Gott es zulässt, auch die Zukunft kennen und diese offenbaren kann.[5] Er mischt aber immer Lüge der Wahrheit und Wahrheit der Lüge bei, sodass wir nicht wissen, was wahr und was falsch ist, zumal es sich um Zukunftsprognosen handelt. Deswegen ist es besser sich mit Privatoffenbarungen überhaupt nicht abzugeben.

Was hilft aber gegen die dämonischen Tücken?

  1. Gesunder Menschenverstand,
  2. Formale Logik,
  3. Kenntnis der wahren Lehre der Kirche,
  4. Verbleiben im Gnadenstand,
  5. Gebetsleben,
  6. Das Wissen um die Eigenart der dämonischen Eingebungen.

Ad 6.

Für Menschen, die im Gnadenstand leben und die schwere Sünde meiden, ist als Faustregel anzunehmen, dass die Eingebungen des bösen Geistes in ihnen Unruhe (siehe Geistesunterscheidung für die zweite Exerzitienwoche bei hl. Ignatius von Loyola)[6] auslösen werden. Der böse Geist kommt nämlich mit der ganzen Ladung seiner eigenen Persönlichkeit zu uns, also mit Hass, Verbitterung, Hohn, Abscheu, Verwirrung etc. Sollten wir bei jemand, der uns z.B. kritisiert und jegliches Maß überschreitet diese Emotionen wahrnehmen, so können wir ruhigen Gewissens annehmen, dass sich der böse Geist seiner bedient, um uns zu entmutigen. Sind es absolut irrationalen Anklagen und Gefühle, so spricht dieser Mensch dies nicht aus sich selbst, sondern er wird dazu inspiriert, von einem bösen Geist (spiritus). In solchen Fällen, die auch nicht so oft vorkommen, empfiehlt es sich per Umkehrschluss zu denken:

            „Du kannst nichts!“ bedeutet „Du kannst sehr viel!“

            „Du bist das Letzte!“ bedeutet „Du bist sehr wertvoll!“ etc.

Die Kritik, die von Gott, natürlich meistens durch Menschen vermittelt, kommt, ist erbaulich. Die Kritik, die durch Menschen vermittelt vom Teufel kommt, will zerstören und ist absolut irrational und maßlos. Falls wir auf unserem Weg fortschreiten werden, wird die Letztere uns nicht erspart bleiben. Wir sollen aber immer den Urheber im Auge behalten und uns fragen, was er uns eigentlich sagen und damit bezwecken will. Denn umgedreht sind es lauter Komplimente!

 Drittes Kapitel

Wie weit sich die Unterscheidung der Geister erstrecke. – Mancherlei Bewegungen und Neigungen der Menschen. – Bedeutung des Wortes „Geist“. – Was und wievielerlei der Geist sei. – Es gibt hauptsächlich einen dreifachen Geist, einen in uns, einen zweifachen außer uns.

Dokument1Dokument2(1)

[1] http://www.katholisches.info/2014/09/03/dietfurter-franziskaner-zen-buddhismus-statt-franz-von-assisi/ http://www.katholisches.info/2007/07/23/ich-bin-der-weg-die-wahrheit-und-das-leben-du-sollst-keine-anderen-gotter-neben-mir-haben/ http://www.katholisches.info/2013/10/14/unzoelibataere-liebe-zwischen-jesuit-und-ordensschwester-der-etikettenschwindel-von-brantschen-und-gyger/

[2] http://www.katholisches.info/2013/12/28/jesuitische-selbstbezogenheit-raja-yoga-statt-evangelium/

[3] http://kath.net/news/49289 http://www.kath.net/news/43821

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/Wladimir_Sergejewitsch_Solowjow

[5] Diese Frage untersuch der Hl. Thomas in Summ. Theol. Ia, Questio 57, art.  3.

[6] Es geht um die Regeln der genaueren Unterscheidung: http://www.priesternetzwerk.net/gfx/pdf/geistliches_leben/Ignatius_Unterscheidung_Geister.pdf