Tradition und Glauben

„Das Leben ist kein Wunschkonzert“ oder die Wünsche an eine gute Predigt (3 von 4)

Wünsche an eine gute Predigt Der Schreiber dieser Zeilen hat in seinem Leben eine Handvoll guter Predigten gehört, genaugenommen waren es vielleicht an die 10, nicht nur in der katholischen Kirche. Exerzitien und Einkehrtage eingeschlossen. Unter dem Begriff einer „Predigt“ wird ein Kommentar eines Geistlichen zu einer Schriftlesung verstanden, wie er innerhalb einer katholischen Messe vorkommen sollte. Wir verstehen darunter also keinen Vortrag, sondern etwas, was innerhalb des Gottesdienstes stattfindet. Die Anzahl der guten Predigten ist also erschreckend gering oder der Schreiber dieser Zeilen ist so kritisch. Was wünscht er sich von der Predigt? Dass sie ihn spirituell fordert und erleuchtet. Dass sie ihm Zusammenhänge eröffnet, die er nicht kennt. Dass sie ihn zur Buße und zur größeren Liebe Gottes antreibt. Für die richtige Inspiration sorgen Gibt es denn solche Predigten? Ja, er liest sie täglich im Tridentinischen Brevier, da die Lesung des Evangeliums im Matutin, dem vorkonziliaren Nachtgebet der Kirche, immer durch eine Predigt eines Kirchenvaters kommentiert wird.[1] Da die Matutin das erste Gebet ist, welches man noch gut im Gedächtnis behält, so behält man solch eine patristische Predigt auch länger, zumal diese alljährlich wiederholt wird. Da die vorkonziliaren Breviere auf Lateinisch verfasst waren, kostete den Leser die Lektüre mehr Konzentration als wenn er diesen Text in seiner Muttersprache gelesen hätte. Deswegen sank das Niveau der Predigten seit der Einführung des neuen, nachkonziliaren Breviers in der Landessprache im Jahre 1970 schlagartig, weil die Priester keine guten Inspirationen haben. Denn, liebe Leserinnen und Leser, die nachkonziliaren Breviere kommentieren im Stundengebet das Evangelium des Tages nicht. Dafür haben die „Reformer“ schon gesorgt! Deswegen ist das Niveau der Predigt in der Piusbruderschaft oder bei den Ecclesia Dei Instituten ein wenig höher, weil diese Priester vor der Predigt das Brevier lesen müssen und sich davon inspirieren lassen können, vorausgesetzt sie verstehen Latein oder wenigstens Englisch, da bei divinum officium die deutsche Übersetzung noch nicht eingetippt wurde. Woher kommt denn die Predigt? Von der Lektüre und dem eigenen geistlichen Leben. Wenn das Letztere nicht vorhanden sein sollte, so bleibt die Pflichtlektüre des Breviers. Durch die liturgischen Bestimmungen oder den liturgischen Rigorismus der Rubrizistik, wie ein nachkonziliarer Liturgiker sagen würde, konnte sogar ein sehr schlechter Priester eine Messe so feiern, dass wenigstens keine Ärgernis entstand und eine Predigt sagen, indem er nur das Brevier zitierte, welche trotz allem erbaulich war. Manchmal ist es besser etwas Kluges zu lesen, als eigenen Unsinn wiederzugeben. Und deswegen, liebe Seminaristen, die ihr uns vielleicht lest, werdet ihr im Novus Ordo Seminar zur „Kreativität“ angeleitet, damit ihr alles mit Sicherheit verbockt. Damit wir nicht negativ bleiben, wird jedem Abschnitt ein praktischer Tipp folgen, damit man es besser macht. Sind Sie ein Priester und sind Ihre Predigten noch ausbaufähig, wovon wir hier fest ausgehen, dann sorgen Sie für die richtige Inspiration und kaufen Sie sich wenigstens das Brevier von 1962 und beten Sie wenigstens die Matutin vom Sonntag oder lesen Sie diese. Sollten Sie kein Latein können, dann lernen Sie es, lesen Sie diese Texte auf Englisch auf divinum officium und sollten Sie gar kein Englisch können, was wirklich schlimm ist, dann warten Sie darauf, dass wir diese Texte bei uns auf Deutsch eintippen, was wir vorhaben. Inzwischen können Sie aber wirklich Latein lernen und sich schämen! Erster praktischer Tipp: Die Matutin des Breviers zum Sonntagsevangelium lesen. [1] http://divinumofficium.com/cgi-bin/horas/officium.plk Werbeanzeigen Werbeanzeigen __ATA.cmd.push(function() { __ATA.initSlot('atatags-3-5d11e9ebabb80', { collapseEmpty: 'before', sectionId: '915422841', location: 120, width: 300, height: 250 }); }); __ATA.cmd.push(function() { __ATA.initSlot('atatags-4-5d11e9ebabb88', { collapseEmpty: 'before', sectionId: '915422844', location: 130, width: 300, height: 250 }); });...

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Augustin Poulain SJ, Die Fülle der Gnaden. (22) Kapitel: Vorstufen der Mystik? (12) Gebet der Einfachheit und Beschauung (viii). Tipps für das Gebet der Einfachheit.

Pater Poulain schreibt zu recht: „Manchmal weiß der Pönitent nicht zu erklären, worin eigentlich sein inneres Gebet besteht“. Wir haben es also mit einer recht exotischen Situation zu tun, in welcher folgende Elemente vorkommen: a. ein Pönitent erzählt über sein inneres Gebet und nicht über seine Sünden, b. ein Priester hört zu, da er c. aufgrund seines eigenen Gebetslebens d. die Gebetsentwicklung des Pönitenten einstufen und leiten kann....

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Acedia oder zu faul – über die geistige Trägheit (9): Acedia ist ein Hauptlaster (vitium capitale)

„Ein gut Ding braucht Weile“ und ein guter Beitrag braucht Muße, um geschrieben zu werden. So sind wir stolz an dieser Stelle den letzten Beitrag unserer Reihe über die Acedia anführen zu können. Er ist wirklich lang, weil der lateinische Originaltext auch beigefügt wurde, da er aber eine Einheit bildet, so wollten wir ihn nicht aufteilen. In den Ostertagen werden wir wahrscheinlich mehr Muße zum Lesen als sonst haben und deswegen wird dieser Beitrag einige Tage lang auf dem Blog bleiben. Viele Inhalte werden hier doppelt erscheinen, was hinsichtlich des Lerneffekts bewußt gemacht wurde. Denn es sind für die meisten neue Inhalte und es heißt ja nicht von ungefähr: repetitio est mater studiorium – „die Wiederholung ist die Mutter der Studierenden“. Dies ist also unser Ostergeschenk an unsere Leser. Was ist ein Hauptlaster? Wie wir bereits bestimmt haben, bedeutet das Wort Laster (vitium) in der Theologie etwas anderes als in der Alltagssprache.[1] Während in der Alltagssprache ein Laster, bspw. die Pornosucht, eine wiederholte Sünde ist, die jemanden in die zweite Natur übergegangen ist, bedeutet in der Theologie Laster (vitium) den Ursprung der Sünde, welche die Möglichkeit zum Sündigen bereitet. Wie ein entzündeter Zahn viele Infektionen bewirken kann, welche ohne die Stilllegung der Infektionsquelle ungeheilt bleiben,[2] so werden die aktuellen Sünden ohne die Stilllegung des Lasters nicht weniger. Die Theologie spricht daher von Hauptlastern (vitia capitalia), aus welchen alle anderen Sünden resultieren. Auch unter Theologen werden sie die Hauptsünden genannt, aber wir wollen hier die Bedeutung von Sünde (peccatum) als Tat und Laster (vitium) als Anlage auseinanderhalten. Thomistisch gesprochen steht das Laster (vitium) die Potenz, die Sünde (peccatum) hingegen den Akt dar. Die recht ausgebaute Lehre von den septem vitia capitalia also von den sieben Hauptlastern, welche auf Evagrius Ponticus und Johannes Cassianus zurückgeht, wollen wir an einer anderen Stelle besprechen. Es genügt an dieser Stelle zu sagen, dass seit der Scholastik sieben Hauptlaster und nicht wie bei Evagrius und Cassianus acht, das diese noch die filodoxia – die Ruhmenssucht als ein eigenes Laster zählten, annehmen. Die Hauptlaster sind: Stolz (superbia), Geiz (avaritia), Wollust (luxuria), Zorn (ira), Völlerei (gula), Neid (invidia), Trägheit (acedia). Liest man die Anfangsbuchstaben der lateinischen Namen, so ergibt sich das Kunstwort saligia, welches dazu dient sich die Namen aller sieben Hauptsünden zu merken. Was ist ein Hauptlaster? Es ist, wie gesagt, eine Quelle anderer Sünden, eine Sündenanlage sozusagen in etwa mit einem leckenden Rohr unter dem Putz oder einem Schimmelbefall vergleichbar. Wenn man die Quelle dieses Übels nicht beseitigt, so ist es müßig die Folgen zu bekämpfen. Ähnlich wie bei Sümpfen und Malaria, keine Sümpfe – keine Malaria, denn bei Sümpfen wird es immer Mücken und somit immer Malaria geben. Obwohl die Hauptlaster manchmal auch Hauptsünden auch Todsünden genannt werden, so ist eine Todsünde theologisch gesehen etwas anderes, denn sie ist eine schwere Sünde, welche das Gnadenleben im Menschen vernichtet. Nach der Lehre der Kirche gelangt man nach dem Tod mit einer aktuellen Todsünde, die nicht gebeichtet oder durch keine Liebesreue, falls die Beichte nicht möglich ist, sofort in die Hölle (DH 780, 839, 858 u.a.) So schreibt der Papst Benedikt XII. in der Konstitution Benedictus Deus (1339), welche eine de fide Glaubensdefinition darstellt, welche den Glaubensgehorsam seitens der Gläubigen nach sich zieht: „Wir definieren zudem, dass nach allgemeiner Anordnung Gottes die Seelen der in einer aktuellen Todsünde Dahinscheidenden sogleich nach ihrem Tod zur Hölle hinabsteigen, wo sie mit den Qualen der Hölle gepeinigt werden […] (DH 1002)“. Bei der schweren Sünde oder der Todsünde muss die Materie der Sünde, also das, was man getan hat, schwer sein und die Verfehlung mit bei voller Absicht geschehen sein. Wir wollen uns aber an dieser  Stelle nicht bei der schweren Sünde aufhalten. Das Hauptlaster kann in manchen Fällen mit der Todsünde identisch sein, wenn jemand aufgrund des Hauptlasters des Zornes (ira) beispielsweise schwer durch Zornesausbrüche oder unter ständigem Zorn getroffene Entscheidungen sündigt. Dennoch entwachsen einer Hauptsünde, wie beispielsweise dem Neid, sehr viele aktuelle Sünden. Daher ist es sehr für den geistlichen Fortschritt nützlich erstens festzustellen, was meine Hauptsünde eigentlich ist und dagegen, meistens in jahrelanger Kleinstarbeit, vorzugehen. Acedia ist ein Hauptlaster Wir wollen hier mit dem hl. Thomas von Aquin, der sich natürlich auf ältere Quellen stützt, annehmen, dass Acedia – die geistige Trägheit – ein Hauptlaster ist. Dies bedeutet, dass die Faulheit beim Gebet und beim geistlichen Leben als solchem für keinen von uns, nicht einmal für die Laien, ein Pappenstiel ist.  Schneidet man das Thema des Gebets mit jemand an, so kommt es wie aus der Pistole geschossen: „Ich muss das nicht. Das sollen die ….Mönche, Nonnen tun.“ Eine andere Version dieses Satzes lautet: „Ich habe da kein Bedürfnis.“ „Dafür habe ich keine Zeit“. Und je nach Stand und Veranlagung beginnt man sich zu entschuldigen. Dabei ist aber jeder von uns nicht nur zur Vervollkommnung in allen...

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