Eine Einführung zu Peter Kwasniewskis „Desensibilisierung der Eucharistie“ oder Ist da noch Jesus drin?

GregorsMesse-078

Wir kündigen hiermit einen Aufsatz von Peter Kwasniewski an in der überragenden Übersetzung von Eugenie Roth, in dem auf etwas aufmerksam gemacht wird, was uns wahrscheinlich entgeht. Seit Vat. II wurde überall, insbesondere im deutschen Sprachraum, alles so eingerichtet, dass man als Gläubiger immer weniger gehalten wird an die Realpräsenz zu glauben. Da Peter Kwasniewski  Amerikaner und Traditionalist ist, ein Professor der Liturgik und Kirchenmusiker noch dazu, der seit vielen Jahren ausschließlich zur Alten Messe geht, so lebt er in einer anderen Welt als wir, sodass ihm die sprichwörtliche „deutsche Härte“ des deutschsprachigen Kirchenalltags – Stichwort: Pfarrer um die Ecke und die bürsten-schnittige Pastoralreferentin – unbekannt ist. Dennoch macht er auf etwas aufmerksam, was wirklich universell ist, auf den gesteuerten Verfall des eucharistischen Kultes, der überall vorkommt, weil er leider von Rom aus initiiert wird. Wenn jetzt eine fromme Seele einwenden wird:

Das sollte man nicht verallgemeinern. Das macht bloß ein junger Priester, der nicht auf die Kirche hört!

dann muss man dazu sagen, dass all diese Änderungen ab 1962 wirklich von Rom aus angeordnet worden sind, sodass nach dem Konzil Priester dazu amtlich, schriftlich und durch ihren Bischof gezwungen wurden alle diese Änderungen (Tabernakel vom Hauptaltar weg, keine Kniebänke, keine knieende Mundkommunion, Kommunionhelfer, Handkommunion etc.) einzuführen, über die wir uns noch zum späteren Zeitpunkt verbreiten werden und es wirklich kaum jemand eigenwillig tat. Die Kirche ist weiterhin hierarchisch und die Destruktion ebenfalls, siehe Amoris Laetitia und die Beschlüsse der DBK dazu: 1. Kommunion für Ehebrecher, 2. Kommunion für Protestanten. Die Priester bekommen aufgrund von Amoris Laetitia  bald Richtlinien oder haben diese bereits erhalten, an die sie sich zu halten haben, indem sie die berühmte deutsche Einzelfalllösung anbieten.

Aber zurück zur Eucharistie. Ein Problem, auf welches Peter Kwasniewski nicht eingeht, welches aber viel prekärer ist, ist die Frage, ob wir noch überhaupt gültige Messen haben, in denen die Wesenswandlung, auch Transsubstantiation genannt,  wirklich stattfindet.

Woher diese Frage?

Weil DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) – wie viele andere Gläubige auch – wirklich sehr selten den Eindruck hat den eucharistischen Herrn tatsächlich zu empfangen.

Sollte man dabei nach Eindrücken gehen?

Nein, sicherlich nicht. Es ist etwas Spirituelles, eine Glaubenssache, der Teufel kann sich dort einmischen, vielleicht ist es auch eine Prüfung von Gott. DSDZ fing an sogar zu notieren, wann er meint eine tatsächliche Kommunion empfangen zu haben und es ist sehr selten und bei immer denselben Priestern.

Liegt es nicht an seiner fehlenden Disposition?

Nein, er lebt im Gnadenstand, ist niemals unwürdig zur Kommunion gegangen und bemüht sich um die Gewinnung der Tugend. Aber an die letzten ausschließlich „echten“, falls man dieses Wort hier einführen darf, Kommunionen kann er sich im Jahre 2013 in der Abtei Fontgombault erinnern. Seitdem ist es immer vereinzelt. Er kann sich aber an sehr eindrucksvolle Kommunionen während seiner Kindheit in seiner Heimat erinnern, welche aufhörten als er nach Deutschland kam und was er danach vereinzelt erlebte.

Vielleicht war er als Kind viel heiliger als jetzt?

Nein, er war schon unschuldig, fromm und gläubig, aber jetzt ist er wirklich besser und heiliger als mit 9 oder 10.

Wenn wir annehmen – denn diese Eindrücke sind keine Einzelerfahrung -, dass sehr viele Menschen es so spüren, dann sollte man gleich nach der einfachsten Lösung greifen, dass einfach keine Wandlung stattfand.

Wann findet keine Wandlung statt?

Wenn der Priester (1) die Materie, (2) die Form nicht beachtet und (3) nicht zumindest die Intention hat, das zu tun, was die Kirche mit diesem Sakrament tut, was wir schon mehrmals geschrieben haben.

Wie wahrscheinlich ist es, dass bei Mängeln der  Materie und Form eine Wandlung nicht stattfindet?

Sehr unwahrscheinlich, die Form ist in Novus Ordo hörbar und man sollte davon ausgehen, dass die Priester auch auf die Materie achten, obwohl wir dies nicht überprüfen können.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Priester nicht die richtige Intention hat?

Dies ist recht wahrscheinlich, weil hier die Grenze zwischen fehlendem Glauben an die Realpräsenz und fehlenden Intention das zu tun, was die Kirche mit diesem Ritus tut (intentio faciendi quod fecit Ecclesia) sehr fließend ist. Ein völliger Atheist kann dennoch zumindest die Intention haben im Namen der Kirche die Wandlung zu vollziehen, aber dies ist unwahrscheinlich.  Wir könnten zwar solch einen Priester abfragen, aber es ist recht unwahrscheinlich, dass er uns die Wahrheit sagen wird, falls er doch ungültige Messen zelebriert.

DSDZ versucht diese Thematik zu ergründen und endet immer vor einer Wand, denn nicht alles lässt sich rational ergründen. Doch größer als die ungültige Messe ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Priester dermaßen lange in einer schweren Sünde lebt und eine formelle Häresie ist eine schwere Sünde, eine materielle eine leichte Sünde, dass er einem mit Dreck verstopftem Rohr gleicht, ein Bild von Thomas von Aquin, welches das reine Wasser sehr schlecht leitet.

Ich antworte, die Diener der Kirche seien wie Werkzeuge beim Spenden der Sakramente. Das Werkzeug aber wirkt nicht vermöge der eigenen Kraft, sondern auf Grund der Kraft desjenigen, von dem aus es in Bewegung oder Tätigkeit gesetzt wird. Dies ist also dem Werkzeuge unwesentlich, was es außer der Kraft, die demselben als einem Werkzeuge entspricht, an sich hat; wie es unwesentlich ist, ob der Leib des Arztes als Werkzeug der die Kunst besitzenden Seele krank oder gesund und ob die Röhre, durch die das Wasser geht, von Silber oder von Blei sei. Also wenn auch die Diener der Kirche schlecht sind, können sie gültig die Sakramente spenden. (Thomas von Aquin, Summ. Theol. III, q. 64, a. 5, corp)

Die bekommen zwar das Wasser, den Dreck aber mit dazu. Deswegen hat die Kirche vor V2 dermaßen penibel auf die Heiligkeit und kultische Reinheit der Priester geachtet, damit die Gläubigen die „sauberen“ Sakramente erhalten. Leider handeln alle Dogmatiken, die DSDZ zu diesem Thema gelesen hat von der Gültigkeit des Sakraments an sich, welche auch bei einem schlechten, also in Todsünde lebenden Priester gegeben ist. Er hat aber noch nichts über die Auswirkungen der sakramentalen Gnade, die durch solch einen Priester vermitteln oder geschmälert werden, gelesen. Vielleicht lag dieses Problem viel seltener vor. Denn eine habituelle leichte Sünde (man ist permanent zur faul sich vorkonziliare Dogmatiken durchzulesen) führt zur materiellen schweren Sünde (man verbreitet unwissentlich Häresien) und endlich zur formellen schweren Sünde (man verbreitet bewusst Häresien, weil man sich für schlauer als die Kirche hält und lebt zusätzlich im Konkubinat). All diese Gedanken fielen unlängst DSDZ ein als er wieder einmal eine Kuddel-Muddel-Predigt eines semi-traditionalistischen Priesters hörte, von dem man in seiner Heimat sagen würde, dass er einen „Mülleimer im Kopf“ habe. Es war alles dabei: von Kirchenvätern, über Esoterik, Modernismus, Vatikanum 2, Gutmenschentum und Privatoffenbarungen. Ohne Sinn und Ordnung, ohne Oben und Unten, quer durch den Garten, Kraut und Rüben. So predigt er immer und weil er intellektuell solchen Schaden anrichtet, so erlaubte ihm wohl die Diözese, in der DSDZ lebt, eine Alte Messe zu halten.

Hat er katholische Ansichten?

Nein.

Zelebriert er gewissenhaft?

Ja.

Lebt er im Gnadenstand?

Zweifelhaft.

Was kann man da machen?

Nichts. Dieses theologische Kuddel-Muddel-Mindset ist in ihm dermaßen verwurzelt, dass es inoperabel ist und er ist Anfang/Mitte 50.

Was ist er denn?

Ein liturgischer Fetischist. Dieser Begriff stammt zwar von Ann Barnhardt, aber wir wenden ihn hier an.

Was ist denn ein liturgischer Fetischist?

Jemand, der besonders liturgisch, ästhetisch und rubrizistisch ist, der aufgrund der Vetus Ordo Zelebration sich wohl für den Über-Priester hält, welchen dieses mysteriöse und elitäre der Alten Messe anzieht, der aber Jesus kaum liebt, sich um die Seelen der Gläubigen nicht kümmert und dem die Kirche bloß dazu dient, erhabene Zeremonien zu liefern. Er ist oft homosexuell wenigstens veranlagt, im Falle des von DSDZ beschriebenen Priesters liegt dies allerdings nicht vor. Es ist der Typ eines Oskar Wilde, dem das Beste eben gut genug ist, kirchlich auch und der eher verhungert als außerhalb eines Drei-Sterne-Restaurants zu essen. DSDZ fragt sich, ob er in seinem Leben noch einmal einen Priester treffen wird, bei dem alles stimmt, denn bisher hatte er immer Pech.  Leider sind auf der  Seite der Tradition sehr komische Priester-Kauze zu finden, denn so wie der Ton die Musik, so macht leider der Priester die Messe. Er kann die Sakramente ungültig oder zumindest weniger segensreich machen.

Um jetzt auf Peter Kwasniewski zurückzukommen, dessen Aufsatz wir in zwei Teilen vorstellen werden, so hat die fortlaufende Desensibilisierung gegenüber der Heiligen Eucharistie sicherlich zum wachsenden Unglauben der Priester und zu den vielen wohl ungültigen Messen geführt. Denn warum sollte man den Herrn so selten spüren, wenn er doch immer das ist?

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Die Novus Ordo Sakramente sind gültig – der Novus Ordo Ritus ist mangelhaft. Eine Skizze

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Die beiden Artikel über die Novus Ordo Messe haben Wellen geschlagen, da vorher unsere Seite nicht so oft frequentiert wurde. Dies zeigt, dass es sich um Themen handelt, welche viele Menschen beschäftigen. Es bleibt an dieser Stelle festzuhalten, dass auch die Novus Ordo Messe gültig ist, dass in ihr das gültige Sakrament der Eucharistie gespendet und empfangen werden kann, wenn die von der Kirche vorgegebenen Voraussetzungen zu einer gültigen Sakramentenspendung eingehalten werden. Ebenso sind auch alle anderen Novus Ordo Sakramente gültig. Wir werden uns dieser Thematik sicherlich noch mit aller Ausführlichkeit widmen und dabei alle Einwände des Lesers dspecht berücksichtigen. An dieser Stelle nur eine erste Feststellung:

„Menschen reden aneinander vorbei, denn sie sagen dasselbe » Novus Ordo Messe ist ungültig«, meinen aber etwas anderes.“

Wenn also ein Gegner der Neuen Messe sagt:

            „Die Novus Ordo Messe ist nicht gültig“,

so weiß man nicht, ob er damit meint, dass:

  1. Kein Sakrament zustande kommt? oder
  2. Der Ritus, in welchem das Sakrament stattfindet oder nicht stattfindet nicht gültig, im Sinne nicht katholisch ist.

Die meisten Traditionalisten meinen (2), manche auch (1) und (2), während die Verteidiger der Neuen Messe nur (1) heraushören.

Die Frage der Gültigkeit

Die ganze Thematik ist recht kompliziert, da in der vorkonziliaren Literatur, soweit der Schreiber dieser Zeilen es weiß, ausschließlich die Problematik der Gültigkeit des Sakraments aber nicht die Gültigkeit eines sakramentalen Ritus erörtert wurde. Warum? Weil die Gültigkeit die absolut minimalen Anforderungen einer Sakramentenspendung darstellt, der Ritus hingegen, um es sehr vereinfacht auszudrücken, den liturgischen Rahmen bietet, welcher die Würdigkeit dieser Sakramentenspendung sichert und an sich gnadenbringend und gnadenspendend ist. Eine Taufe ist auch dann gültig, wenn ein Ungetaufter einen Menschen mit Wasser begießt und ihm sagt:

„Ich taufe Dich im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

So hat es die Kirche, seit der frühen Entscheidung über die Häretikertaufe im III Jhd. schon immer gesehen und diese Sicht dogmatisiert (DH 802, 1314, 1617, 646).[1] Empfängt aber der auf diese Art und Weise getaufte alle Gnaden, welche ihm eine feierliche Taufe, bei Erwachsenen nach einer längeren Taufvorbereitung, gegeben hätte? Natürlich nicht, weil alle Sakramentalien dabei fehlen, welche auch wirken, obzwar nicht ex opere operato.

            Festzuhalten bleibt:

  • Die Gültigkeit bestimmt das absolute Minimum.
  • Der sakramentale Rahmen des Ritus wird zur Gültigkeit der meisten Sakramente nicht verlangt und zwar:
    • Nicht bei der Taufe,
    • Nicht bei der Beichte,
    • Nicht bei der Krankensalbung
    • Wohl nicht bei der Priesterweihe
    • Nicht bei der Ehe
    • Nicht bei der Eucharistie
  • Wären der sakramentale Rahmen des Ritus zur Sakramentenspendung notwendig, so würde die Kirche nicht zwischen Gültigkeit und Würdigkeit unterscheiden.

Die Frage nach der „Gültigkeit“ des Ritus

Die Frage nach der Gültigkeit eines Ritus stellte sich vor dem letzten Konzil nicht, da es nur einen und zwar seit dem Tridentinum nur den Tridentinischen gab. Die anderen Riten der Westkirche:

  • Der ambrosianische Ritus,
  • Der Braga Ritus,
  • Der mosarabische Ritus,
  • Der benediktinische Ritus,
  • Der karmelitanische Ritus,
  • Der zistersianische Ritus,
  • Der dominikanische Ritus,
  • Der karthusianische Ritus,
  • Der prämonsterianische Ritus[2]
  • Und andere (denn manche sind schon ausgestorben)

wichen und weichen voneinander und vom tridentinischen Ritus wohl so wenig ab, dass wohl niemand auf die Idee kam zu untersuchen, welcher der bessere sei? Der Schreiber dieser Zeilen hat noch keine Kompetenzen in den anderen Riten der Westkirche, aber der einzige „Ritenstreit“, der vor dem Konzil entbrannte, betraf ja etwas gänzlich anderes. Der Hl. Pius V hat ja in seiner Weisheit alle Riten gelten lassen, die älter als 200 Jahre alt waren und daher nicht von den Reformatoren stammen konnten, um die Gewohnheiten der Gläubigen und der Ordensleute nicht zu stören. Wohl niemand kam auf die Idee zu schreiben, dass z.B. die Messen im mosarabischen Ritus ungültig sind oder dass dieser Ritus weniger heiligt als bspw. der ambrosianische es tut.

Ein direkter Vergleich mit den Riten der Ostkirchen entzog sich den Lateinern wohl auch deswegen, da sie an ihnen nach dem Großen Schisma nicht teilnehmen konnten und auch vorher es wohl keine Biritualität gab. (Vielleicht auch doch, wir wissen es im Moment einfach nicht.) Daher kann die Frage, ob ein Ritus zur Ungültigkeit des Sakraments beitragen kann, anhand der vorkonziliaren Literatur kaum geklärt werden. Aber die Antwort wäre: „Nein“, was wir noch ausführen werden, denn die Gültigkeit betrifft die Form, die Materie und die Intention des Spenders, aber nicht den Ritus selbst, der sich ja auch innerhalb der ganzen Kirchengeschichte geändert hat. Es heißt ja nicht ohne Grund bene docet qui bene distinguit, „derjenige lehrt gut, der gut unterscheidet“. Denn im Falle der Eucharistie und der Messe muss man differenzieren, zwischen:

  1. der gültigen Sakramentenspendung, also Sakrament qua Sakrament,
  2. der „gültigen“ Messe, also Messe qua Messe.

Man kann die Vereinfachung auf die Spitze treibend sagen, dass die Heilige Messe „nur“, sakramentaltheologisch gesehen, den liturgischen Rahmen bildet, in welchem das heiligste Altarsakrament gespendet wird, da in einer jeden Messe in die Wandlung vorgesehen wird. Natürlich ist die Messe viel mehr, denn der höchste Gotteskult auf Erden, aber wir wollen hier nur das sakramentaltheologische Minimum betrachten. (Das seltene Beispiel einer missa sicca, d.h. einer Messe ohne Wandlung, welche bis zum Tridentinum hier und da zelebriert wurde, lassen wir jetzt außen vor.)[3]

Eine Messe, so sagt man vereinfachend, ist dann „gültig“, wenn die Wandlung gültig ist. Da die Wandlung außerhalb der Messe, wenigstens vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil, streng verboten war, so war die Messe der einzige Ort einer möglichen Wandlung. Der Priester darf auch die heilige Kommunion außerhalb der Messe spenden und manchmal, beispielsweise bei der Krankenkommunion muss er es sogar tun und dies ist eine Sakramentenspendung, aber die Wandlung, d.h. das Zustandekommen des Sakraments und somit seine Gültigkeit findet nur innerhalb der Messe statt. Wie bereits festgestellt, reden bei dieser ganzen Diskussion um die Neue bzw. Alte Messe die beiden Seiten, nennen wir sie die Novus Ordo Apologeten und die Novus Ordo Verächter aneinander vorbei. Denn man muss präzisieren, was man meint

  1. Die Wandlung also das Sakrament der Eucharistie?
  2. Oder das liturgische „Drumrum der Wandlung“ (möge diese Ausdruckweise für einen Moment gestattet sei) also den Messritus?

Ad a. Das Altarssakrament

Von radikalen Sedisvakantisten und denen die der Omlor-Hypothese folgen, abgesehen, leugnet kaum jemand, dass man auch bei einer Novus Ordo Messe gültig kommunizieren kann, weil die Wesenswandlung auch da stattfindet und das Brot zum Leib Christi wird. Der Novus Ordo Ritus generiert per se keine ungültige Wandlung, soviel wollen wir in aller Entschiedenheit feststellen. Daher auch die positiven Kommunion- und Anbetungserlebnisse unseres Autors und seiner Freunde. Das Sakrament ist gültig bzw. ist nicht notgedrungen ungültig, weil es in einer Novus Ordo Messe zustande kommt, gespendet und empfangen wird.

Ad b. Der Messritus

Der geänderte Messritus jedoch vermittelt viel weniger Gnaden als die Überlieferte Messe es tut und untergräbt sicherlich die katholische Identität aller Teilnehmer. Der Ritus ist mangelhaft, was auch die Piusbruderschaft in einer mangelhaften Art und Weise zum Ausdruck bringt, indem sie sagt:

„Die neue Messe ist schlecht“.[4]

Bisher gibt es nicht in der Sakramentenlehre oder in der Theologie den Ausdruck „ein ungültiger Ritus“. Deswegen scheint uns, dass die Piusbruderschaft, welcher wir nicht anhängen, hier nicht klar genug präzisiert. Viele Traditionalisten, wie Rev. Cekada schließen vom mangelhaften Ritus auf die Ungültigkeit des Altarsakraments hin, was nicht zulässig ist, wie wir noch zeigen werden.

Also zum Mitschreiben: Sakrament ist Sakrament und Ritus ist Ritus. Punkt.

A. Fragt man:

„Kann man bei einer Novus Ordo Messe zur Kommunion gehen?“

So lautet die Antwort:

„Ja, es wird gewandelt. Es ist Leib Christi.“

B. Fragt man:

„Vermittelt die Novus Ordo Messe die Gnadenfülle der Tridentinischen Messe?“

So lautet die Antwort:

„Nein, sicherlich nicht, sonst wäre der Riesenglaubensabfall, besonders der Priester, nicht erklärbar.“

Dies ist dennoch kein Widerspruch, da A. das Sakrament und B. den Ritus betrifft.

Und deswegen sind leider alle vorkonziliaren Überlegungen zur Gültigkeit oder Würdigkeit der Sakramente für uns „wenig hilfreich“, wie sich die Kanzlerin auszudrücken pflegt, da sie den fast unveränderten, kirchlichen Ritus der Sakramentenspendung, scil. den tridentinischen im Sinn haben. Die Sakramente sind dann gültig und würdig, wenn sie diesen, also den vorkonziliaren Ritus, aufs Genaueste beachten und viele andere Erfordernisse der Würdigen Sakramentenspendung auch. Der Vergleich mit den anglikanischen Weihen oder der Cranmers Messe (nähere Erklärung und Literaturangaben folgen noch) sind nicht zulässig, da sie ausdrücklich deswegen geschaffen wurden, um mit dem katholischen Ritus und dem katholischen sakramentalen Selbstverständnis zu brechen. Denn ein anglikanischer Ritus ist anglikanisch, damit protestantisch und nicht katholisch. Ein katholischer Novus Ordo Ritus ist immer noch katholisch, bzw. „restkatholisch“, aber für eine gültige Wandlung reicht er qua Ritus immer noch aus.

Die Novus Ordo Sakramente sind, unserer Meinung nach, gültig, wenn sie unter der Beobachtung aller Formen und Normen gespendet werden, sind sie auch würdig. Gültig ist gültig und die Gültigkeit ist nicht steigerungsfähig, behaupten wir, die Würdigkeit seitens des Spenders und des Empfängers schon.

Dennoch aber glauben wird, dass der Novus Ordo Ritus aller Sakramente defizitär und weniger gnadenbringend. Diese Defizite betreffen aber nicht die sakramentale Form, die ja beibehalten wurde, siehe unsere Reihe zum Blutwort.[5]

Ein in Novus Ordo gespendetes gültiges und würdiges Sakrament ist im Novus Ordo gültig und würdig, aber der Empfänger empfängt viel weniger Gnade als wenn er dasselbe Sakrament in Vetus Ordo empfangen hätte. Dies ist unsere These.

Warum?

  • Weil Novus Ordo als „Gremienarbeit“ menschengemacht ist und Vetus Ordo der tatsächlichen göttlichen und apostolischen Tradition entstammt.
  • Weil Vetus Ordo durch Jahrhunderte unter der Anleitung des Heiligen Geistes entstand, währen Novus Ordo von einer Kommission teilweise auf einem Pizza-Tisch entworfen wurde.
  • Weil Vetus Ordo alle Dogmen der Katholischen Kirche in reinster und heiligsten Weise wiedergibt, währen Novus Ordo von einem ganz anderen und gelinde ausgedrückt wenig katholischen und recht protestantischen Kirchenbild ausgeht.

Diese Unterschiede ließen sich noch fortführen. Dennoch garantiert der Novus Ordo das minimale Überleben des Gnadenlebens und es ist besser zu einer Novus Ordo Messe zu gehen, als es überhaupt nicht zu tun, was einen freiwilligen Verzicht auf Sakramente bedeutet und schwer sündhaft ist. Ebenso sündhaft ist der bewusste Empfang der Sakramente von suspendierten oder exkommunizierten Priestern, außer in Todesgefahr.

Wir haben vor all diese Thesen genau zu beweisen, aber manchmal ist es besser etwas auch skizzenhaft und unvollkommen zu schreiben. Wie sagte doch der Hl. Ignatius Loyola:

„Man solle kein kleines Gut, um eines künftigen, größeren Gutes willen vernachlässigen.“

Soweit, so gut.

[1] Diekamp-Jüssen, Katholische Dogmatik, 881 (Traditionszeugnisse).

[2] https://en.wikipedia.org/wiki/Catholic_liturgical_rites

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Missa_Sicca http://www.newadvent.org/cathen/09790b.htm

[4] http://www.catholicculture.org/news/headlines/index.cfm?storyid=19372

[5] https://traditionundglauben.wordpress.com/category/liturgie/gueranger-antiliturgische-haresie/ Gemeint ist Antiliturgische Häresie (3), Teile 1 bis 8.