Eine Einführung zu Peter Kwasniewskis „Desensibilisierung der Eucharistie“ oder Ist da noch Jesus drin?

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Wir kündigen hiermit einen Aufsatz von Peter Kwasniewski an in der überragenden Übersetzung von Eugenie Roth, in dem auf etwas aufmerksam gemacht wird, was uns wahrscheinlich entgeht. Seit Vat. II wurde überall, insbesondere im deutschen Sprachraum, alles so eingerichtet, dass man als Gläubiger immer weniger gehalten wird an die Realpräsenz zu glauben. Da Peter Kwasniewski  Amerikaner und Traditionalist ist, ein Professor der Liturgik und Kirchenmusiker noch dazu, der seit vielen Jahren ausschließlich zur Alten Messe geht, so lebt er in einer anderen Welt als wir, sodass ihm die sprichwörtliche „deutsche Härte“ des deutschsprachigen Kirchenalltags – Stichwort: Pfarrer um die Ecke und die bürsten-schnittige Pastoralreferentin – unbekannt ist. Dennoch macht er auf etwas aufmerksam, was wirklich universell ist, auf den gesteuerten Verfall des eucharistischen Kultes, der überall vorkommt, weil er leider von Rom aus initiiert wird. Wenn jetzt eine fromme Seele einwenden wird:

Das sollte man nicht verallgemeinern. Das macht bloß ein junger Priester, der nicht auf die Kirche hört!

dann muss man dazu sagen, dass all diese Änderungen ab 1962 wirklich von Rom aus angeordnet worden sind, sodass nach dem Konzil Priester dazu amtlich, schriftlich und durch ihren Bischof gezwungen wurden alle diese Änderungen (Tabernakel vom Hauptaltar weg, keine Kniebänke, keine knieende Mundkommunion, Kommunionhelfer, Handkommunion etc.) einzuführen, über die wir uns noch zum späteren Zeitpunkt verbreiten werden und es wirklich kaum jemand eigenwillig tat. Die Kirche ist weiterhin hierarchisch und die Destruktion ebenfalls, siehe Amoris Laetitia und die Beschlüsse der DBK dazu: 1. Kommunion für Ehebrecher, 2. Kommunion für Protestanten. Die Priester bekommen aufgrund von Amoris Laetitia  bald Richtlinien oder haben diese bereits erhalten, an die sie sich zu halten haben, indem sie die berühmte deutsche Einzelfalllösung anbieten.

Aber zurück zur Eucharistie. Ein Problem, auf welches Peter Kwasniewski nicht eingeht, welches aber viel prekärer ist, ist die Frage, ob wir noch überhaupt gültige Messen haben, in denen die Wesenswandlung, auch Transsubstantiation genannt,  wirklich stattfindet.

Woher diese Frage?

Weil DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) – wie viele andere Gläubige auch – wirklich sehr selten den Eindruck hat den eucharistischen Herrn tatsächlich zu empfangen.

Sollte man dabei nach Eindrücken gehen?

Nein, sicherlich nicht. Es ist etwas Spirituelles, eine Glaubenssache, der Teufel kann sich dort einmischen, vielleicht ist es auch eine Prüfung von Gott. DSDZ fing an sogar zu notieren, wann er meint eine tatsächliche Kommunion empfangen zu haben und es ist sehr selten und bei immer denselben Priestern.

Liegt es nicht an seiner fehlenden Disposition?

Nein, er lebt im Gnadenstand, ist niemals unwürdig zur Kommunion gegangen und bemüht sich um die Gewinnung der Tugend. Aber an die letzten ausschließlich „echten“, falls man dieses Wort hier einführen darf, Kommunionen kann er sich im Jahre 2013 in der Abtei Fontgombault erinnern. Seitdem ist es immer vereinzelt. Er kann sich aber an sehr eindrucksvolle Kommunionen während seiner Kindheit in seiner Heimat erinnern, welche aufhörten als er nach Deutschland kam und was er danach vereinzelt erlebte.

Vielleicht war er als Kind viel heiliger als jetzt?

Nein, er war schon unschuldig, fromm und gläubig, aber jetzt ist er wirklich besser und heiliger als mit 9 oder 10.

Wenn wir annehmen – denn diese Eindrücke sind keine Einzelerfahrung -, dass sehr viele Menschen es so spüren, dann sollte man gleich nach der einfachsten Lösung greifen, dass einfach keine Wandlung stattfand.

Wann findet keine Wandlung statt?

Wenn der Priester (1) die Materie, (2) die Form nicht beachtet und (3) nicht zumindest die Intention hat, das zu tun, was die Kirche mit diesem Sakrament tut, was wir schon mehrmals geschrieben haben.

Wie wahrscheinlich ist es, dass bei Mängeln der  Materie und Form eine Wandlung nicht stattfindet?

Sehr unwahrscheinlich, die Form ist in Novus Ordo hörbar und man sollte davon ausgehen, dass die Priester auch auf die Materie achten, obwohl wir dies nicht überprüfen können.

Wie wahrscheinlich ist es, dass der Priester nicht die richtige Intention hat?

Dies ist recht wahrscheinlich, weil hier die Grenze zwischen fehlendem Glauben an die Realpräsenz und fehlenden Intention das zu tun, was die Kirche mit diesem Ritus tut (intentio faciendi quod fecit Ecclesia) sehr fließend ist. Ein völliger Atheist kann dennoch zumindest die Intention haben im Namen der Kirche die Wandlung zu vollziehen, aber dies ist unwahrscheinlich.  Wir könnten zwar solch einen Priester abfragen, aber es ist recht unwahrscheinlich, dass er uns die Wahrheit sagen wird, falls er doch ungültige Messen zelebriert.

DSDZ versucht diese Thematik zu ergründen und endet immer vor einer Wand, denn nicht alles lässt sich rational ergründen. Doch größer als die ungültige Messe ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Priester dermaßen lange in einer schweren Sünde lebt und eine formelle Häresie ist eine schwere Sünde, eine materielle eine leichte Sünde, dass er einem mit Dreck verstopftem Rohr gleicht, ein Bild von Thomas von Aquin, welches das reine Wasser sehr schlecht leitet.

Ich antworte, die Diener der Kirche seien wie Werkzeuge beim Spenden der Sakramente. Das Werkzeug aber wirkt nicht vermöge der eigenen Kraft, sondern auf Grund der Kraft desjenigen, von dem aus es in Bewegung oder Tätigkeit gesetzt wird. Dies ist also dem Werkzeuge unwesentlich, was es außer der Kraft, die demselben als einem Werkzeuge entspricht, an sich hat; wie es unwesentlich ist, ob der Leib des Arztes als Werkzeug der die Kunst besitzenden Seele krank oder gesund und ob die Röhre, durch die das Wasser geht, von Silber oder von Blei sei. Also wenn auch die Diener der Kirche schlecht sind, können sie gültig die Sakramente spenden. (Thomas von Aquin, Summ. Theol. III, q. 64, a. 5, corp)

Die bekommen zwar das Wasser, den Dreck aber mit dazu. Deswegen hat die Kirche vor V2 dermaßen penibel auf die Heiligkeit und kultische Reinheit der Priester geachtet, damit die Gläubigen die „sauberen“ Sakramente erhalten. Leider handeln alle Dogmatiken, die DSDZ zu diesem Thema gelesen hat von der Gültigkeit des Sakraments an sich, welche auch bei einem schlechten, also in Todsünde lebenden Priester gegeben ist. Er hat aber noch nichts über die Auswirkungen der sakramentalen Gnade, die durch solch einen Priester vermitteln oder geschmälert werden, gelesen. Vielleicht lag dieses Problem viel seltener vor. Denn eine habituelle leichte Sünde (man ist permanent zur faul sich vorkonziliare Dogmatiken durchzulesen) führt zur materiellen schweren Sünde (man verbreitet unwissentlich Häresien) und endlich zur formellen schweren Sünde (man verbreitet bewusst Häresien, weil man sich für schlauer als die Kirche hält und lebt zusätzlich im Konkubinat). All diese Gedanken fielen unlängst DSDZ ein als er wieder einmal eine Kuddel-Muddel-Predigt eines semi-traditionalistischen Priesters hörte, von dem man in seiner Heimat sagen würde, dass er einen „Mülleimer im Kopf“ habe. Es war alles dabei: von Kirchenvätern, über Esoterik, Modernismus, Vatikanum 2, Gutmenschentum und Privatoffenbarungen. Ohne Sinn und Ordnung, ohne Oben und Unten, quer durch den Garten, Kraut und Rüben. So predigt er immer und weil er intellektuell solchen Schaden anrichtet, so erlaubte ihm wohl die Diözese, in der DSDZ lebt, eine Alte Messe zu halten.

Hat er katholische Ansichten?

Nein.

Zelebriert er gewissenhaft?

Ja.

Lebt er im Gnadenstand?

Zweifelhaft.

Was kann man da machen?

Nichts. Dieses theologische Kuddel-Muddel-Mindset ist in ihm dermaßen verwurzelt, dass es inoperabel ist und er ist Anfang/Mitte 50.

Was ist er denn?

Ein liturgischer Fetischist. Dieser Begriff stammt zwar von Ann Barnhardt, aber wir wenden ihn hier an.

Was ist denn ein liturgischer Fetischist?

Jemand, der besonders liturgisch, ästhetisch und rubrizistisch ist, der aufgrund der Vetus Ordo Zelebration sich wohl für den Über-Priester hält, welchen dieses mysteriöse und elitäre der Alten Messe anzieht, der aber Jesus kaum liebt, sich um die Seelen der Gläubigen nicht kümmert und dem die Kirche bloß dazu dient, erhabene Zeremonien zu liefern. Er ist oft homosexuell wenigstens veranlagt, im Falle des von DSDZ beschriebenen Priesters liegt dies allerdings nicht vor. Es ist der Typ eines Oskar Wilde, dem das Beste eben gut genug ist, kirchlich auch und der eher verhungert als außerhalb eines Drei-Sterne-Restaurants zu essen. DSDZ fragt sich, ob er in seinem Leben noch einmal einen Priester treffen wird, bei dem alles stimmt, denn bisher hatte er immer Pech.  Leider sind auf der  Seite der Tradition sehr komische Priester-Kauze zu finden, denn so wie der Ton die Musik, so macht leider der Priester die Messe. Er kann die Sakramente ungültig oder zumindest weniger segensreich machen.

Um jetzt auf Peter Kwasniewski zurückzukommen, dessen Aufsatz wir in zwei Teilen vorstellen werden, so hat die fortlaufende Desensibilisierung gegenüber der Heiligen Eucharistie sicherlich zum wachsenden Unglauben der Priester und zu den vielen wohl ungültigen Messen geführt. Denn warum sollte man den Herrn so selten spüren, wenn er doch immer das ist?

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Nicht drauf los beten oder die rechte Meinung

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Da wir hoffen, dass wir durch diesen Blog einige unserer Leser zum regelmäßigen auch liturgischen Geben, im Sinne der vorkonziliaren Breviere, inspiriert haben, so wollen wir an dieser Stelle einen Punkt erläutern, der uns erläuterungsbedürftig erscheint.

Zwar wird dieser Blog im Jahre 2016 durchschnittlich von 199 Lesern pro Tag aufgesucht, aber nach unserem Ermessen, beten zwischen 2 und 5 Personen das Alte Brevier regelmäßig und bis 10 ab und zu. Dies sind natürlich keine Spitzenwerte, denn jemand muss auch in deutschsprachigen Ländern das fehlende Gebetspensum unserer geistlichen Stände „rausreißen“, da wir von denen wirklich nichts zu hoffen haben. Dennoch gibt es bei Gott keine Demokratie und zahlreicher bedeutet noch lange nicht besser. Aber mehr und besser bedeutet schon besser.  Daher hier ein paar Hilfestellungen.

Sich in die Gegenwart Gottes versetzen

Sollte sich jemand von unseren Lesern das Diurnale, welches die Tagesgebete, ohne die Matutin, nach dem Brevier von 1962 enthält, zugelegt haben (und er oder sie tat gut daran, da es zurzeit d.h.am 24.07.2016 das Diurnale ausverkauft und eine Neuauflage ist für Herbst 2016 geplant ist), dann wird er die Erfahrung gemacht haben, dass er oder sie oft automatisch zu beten, d.h. zu rezitieren, anfängt, ohne sich innerlich klar gemacht zu haben, dass man überhaupt betet. Ist denn solch ein automatisches Rezitieren überhaupt ein Gebet? Ja, es ist eins, aber der niedrigsten Observanz, sozusagen und am wenigsten wirkungsvoll. Das Breviergebet und je älter, desto besser, ist wirklich eine fühlbare Allzweckwaffe, es ist ein geistlicher Springbrunnen, den man mit einer guten Meinung noch besser einsetzen kann, damit möglichst viele Gnaden zuerst auf die Kirche und dann auf die Welt niedergehen können.  Es ist in etwa mit einem Geldbetrag zu vergleichen, welcher an sich einen Wert hat, aber durch eine gute Geldanlage seinen Wert steigern kann.

Bevor man also mit dem guten, vorkonziliaren Breviergebet zu beten anfängt, soll man sich zuerst vergegenwärtigen, dass man vor Gottes Thron steht und sich vor Majestät Gottes befindet. Es ist hilfreich dabei an die Theophanie von Jesaja zu denken (Is 6), welcher die Erscheinung des dreimal heiligen Gottes, der Trinität, erlebt hat. Man kann natürlich auch sich ein Bild der Heiligen Trinität, wie oben beigefügt, ins Gedächtnis rufen. Wir beten also nicht drauf los, wir beten zum Dreieinigen Gott, der allgegenwärtig also auch direkt vor uns anwesend ist. Gott ist also immer schon da. Es sind wir, die uns sammeln müssen.

Wie ist denn eigentlich das christliche Gebet geordnet?

Die  Ordnung  wie folgt, man betet:

  • Zum Vater,
  • über den Sohn,
  • durch die Vermittlung der Muttergottes
  • in der Gemeinschaft der Kirche.

 

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So sieht es nun mal aus und daher betete man bis zu der unseligen Brevierreform von 1955 zuerst ein Vater unser, Ave Maria und Credo, natürlich auf Lateinisch, bevor man mit den Incipit, also mit „Herr öffne meine Lippen“, überhaupt anfing. Warum? Um sich sozusagen warm zu beten. Macht es denn etwas aus? Natürlich, sonst wäre es nicht reduziert worden. Von mehr kommt mehr.  Bevor man aber das erste Pater noster zu beten anfing, wurde es sehr empfohlen und war auch zeitweise mit Ablässen versehen, dass man Gott bat von vornherein alle Unaufmerksamkeit, welchen man beim Breviergebet eventuell unterliegen sollte, zu verzeihen. Der Schreiber dieser Zeilen hat heute die Zeit seines Sonntags-Matutins-Gebet nach dem Tridentinischen Brevier gestoppt und ist bei einer Stunde 15 Minuten Gebetszeit angekommen, bei zügiger Rezitation und fast ohne Unterbrechung für Meditation. Ja, es ist wirklich sehr lange und das normale Sonntags-Matutin ist das längste Breviergebet überhaupt, obwohl es nicht so oft vorkommt. Ein Duplex-Heiligen-Fest steht nämlich über dem gewöhnlichen Sonntag, sodass an einem Sonntag mit einem Duplex-Fest das kürzere Festoffizium (nur 9 Psalmen im Matutin plus Anfangspsalm) und nicht das Sonntagsoffizium (18 Psalmen im Matutin plus Anfangspsalm) gebetet wird. Wie man es auch immer dreht und wendet, es ist wirklich sehr lange oder versuchen Sie ohne Unterbrechung und konzentriert irgendeinen Text eine Stunde 15 Minuten laut vorzulesen. Es ist also kaum möglich, dass irgendjemand permanent aufpasst, jede gelesene Zeile so meint und niemals mit Gedanken abschweift. Aber Zerstreuung ist menschlich und nicht einmal eine lässliche Sünde. Eine lässliche Sünde ist eine freiwillige Zerstreuung natürlich dann, wenn sie freiwillig ist und zwar bei denjenigen, die zum Breviergebet verpflichtet sind. Damit man aber Gott nicht durch irgendwelche fehlende Aufmerksamkeit auch unwillentlich beleidigt, so betet man noch vor dem ersten Pater noster kniend das folgende Gebet:

Apéri Domine, os meum ad benedicéndum nomen sanctum tuum: munda quoque cor meum ab ómnibus vanis, pervérsis et aliénis cogitatiónibus; intelléctum illúmina, afféctum inflámma, ut digne, atténte ac devóte hoc Offícium recitáre váleam, et exaudíri mérear ante conspéctum divínæ Majestátis túæ. Per Christum Dóminum nostrum.

Amen.

Dómine, in unióne illíus divínæ intentiónis, qua ipse in terris laudes Deo persolvísti, has tibi Horas (vel hanc tibi Horam) persólvo.

»Öffne meinen Mund, o Herr, und hilf mir Deinen hl. Namen preisen! Reinige mein Herz von allen eitlen, bösen [verkehrten, schädlichen Red.] und wandernden [fremden Red.] Gedanken. Erleuchte den Verstand, entzünde meinen Eifer, damit ich dies Offizium würdig, aufmerksam und andächtig verrichte, und Erhörung finden möge vor dem Angesichte Deiner göttlichen Majestät. Durch Christus unsern Herrn. Amen.

O Herr, in Vereinigung mit jener göttlichen Meinung, mit der Du selbst auf Erden Gott Dein Lob darbrachtest, opfere ich Dir diese Horen (oder diese Hore) auf .«[1]

Dieses Gebet, welches natürlich auf Lateinisch zu verrichten ist (sonst wird es nichts mit Katholizismus in den deutschsprachigen Landen!), ist vor jeder Hore zu beten, sollte man auch mehrere Horen auf einmal beten, dann einmal vor mehreren Horen. Es geht darum Gott um Beistand und um die gratia praeveniens, also um die „zuvorkommende Gnade“, vor jedem Breviergebet zu bitten.

Zu wem betet man es denn?

Zum Herrn, also zu Christus. Warum? Weil jedes christliche Gebet eine Vereinigung mit dem betenden Christus darstellt, deswegen heißt es ja:

O Herr, in Vereinigung mit jener göttlichen Meinung (intentio), mit der Du selbst auf Erden Gott Dein Lob darbrachtest, opfere ich Dir diese Horen (oder diese Hore) auf.

Christus betete in seinem irdischen Leben zum Vater, er betet aber natürlich auch im Himmel als das Haupt der Kirche. Christus als Mensch betet also dauernd, wir lediglich ab und zu. Unser Gebet wird dann furchtbar, wenn es sich mit dem Gebet Christi vereinigt. Dies bedeutet nicht, dass all unsere Gebete ohne dieses Wissen und dieses Gebet wertlos waren. Sie waren es nicht, denn jedes Gebet eines getauften und im Gnadenstand lebenden Christen wird sozusagen durch Christus zum Vater geleitet, aber je bewusster wir uns es machen, desto segensreicher werden unsere Gebete. Christus betet also dauernd für die Kirche und die Welt und wir mit ihm. Wir vereinigen sich mit seiner Intention, d.h. Meinung, bewusst durch dieses Gebet, nachdem wir darum gebeten haben, dass er unsere Seelenkräfte reinigt und vervollkommnet.

Öffne meinen Mund, o Herr, und hilf mir Deinen hl. Namen preisen! Reinige mein Herz von allen eitlen, bösen [verkehrten, schädlichen Red.] und wandernden [fremden Red.] Gedanken. Erleuchte den Verstand, entzünde meinen Eifer, damit ich dies Offizium würdig, aufmerksam und andächtig verrichte, und Erhörung finden möge vor dem Angesichte Deiner göttlichen Majestät. Durch Christus unsern Herrn. Amen.

Macht es denn was aus, wenn man es vorher betet? Schon. Da man nach einiger Zeit auch dieses Gebet automatisch abspult, so empfiehlt es sich bei bestimmten Begriffen wie sanctum nomen – „heiligen Namen“ oder alienis cogitationibus – „von fremden Gedanken“ innenzuhalten und zu überlegen, was eigentlich damit gemeint sei. Interessanterweise erfährt man, wenn man auf Lateinisch betet, viel weniger Zerstreuungen als in der Muttersprache, da man sich vielmehr auf den Inhalt, besonders, wenn man kein Latein kann, konzentrieren muss, da einfach andere Gehirnareale für diese Gebete, als  für die Alltagssprache, zuständig sind. Deswegen hat die Kirche bis zum Vatikanum II auf Lateinisch gebetet, was nicht nur für die Einzelperson heiligender, sondern auch mit weniger Zerstreuungen verbunden ist. Ja, vielen Dank an die „Liturgiereformer“!

Nachdem man also dieses Vorbereitungsgebet mit einigen meditativen Elementen, um dem Automatismus entgegenzuwirken, verrichtet hat, betet man den vorbereitenden Teil weiter.

Pater noster

Pater noster, qui es in cælis, sanctificétur nomen tuum: advéniat regnum tuum: fiat volúntas tua, sicut in cælo et in terra. Panem nostrum quotidiánum da nobis hódie: et dimítte nobis débita nostra, sicut et nos dimíttimus debitóribus nostris: et ne nos indúcas in tentatiónem: sed líbera nos a malo. Amen.

Vor dem Beten von Vater unser ist es gut sich zu vergegenwärtigen, dass man zu Gott dem Vater durch Jesus Christus seinen Sohn betet und zwar mit einem Gebet, dass uns Christus selbst gelehrt hat. Wir beten also sozusagen als die Verlängerung des irdischen und himmlisches Christus, insbesondere Priester, welche ja ein „anderer Christus“ (alter Christus) sind, da sie durch die Priesterweihe wesenhaft (ontisch) mit Christus verbunden wurden.  Man kommt beim Beten des Tridentinischen Offiziums, je nach Offizium ob simplex, semiduplex oder duplex, dazu täglich an die 50 Pater noster auf Lateinisch zu beten. Ja, an einem Tag.  Der Schreiber dieser Zeilen kann nicht vor sich leider behaupten, dass er bei allen 50 Pater noster immer die o.a. Gedanken hegt und nicht in Automatismus verfällt. Da er niemanden sonst kennt, der diese Gebete praktizieren würde, so kann er auch nicht fragen. Dennoch ist es gut wenigstens am Anfang eines jeden Offiziums beim Beten des ersten Vater unser ein wenig inne zu halten und an den betenden Heiland zu denken.

Ave Maria

Ave María, grátia plena; Dóminus tecum: benedícta tu in muliéribus, et benedíctus fructus ventris tui Jesus. Sancta María, Mater Dei, ora pro nobis peccatóribus, nunc et in hora mortis nostræ. Amen.

Da es ohne Maria keinen Christus als Mensch gäbe, deswegen werden alle Gebete, die zum Christus gehen auch durch Maria, die Vermittlerin der Gnaden, vermittelt. Sie betet im Himmel zu ihrem Sohn und Gott und betet dort für die Kirche. Deswegen ist es nützlich wenigstens vor dem Anfangs-Ave-Maria an die Rolle der Gottesmutter in der Heilsgeschichte zu denken. Obwohl diese Erfahrung nur manchen Besessenen zuteilwird, so scheint es so  zu sein, dass Maria, wenn man zu ihr betet, beim Beter anwesend ist, wir sie aber nicht sehen können. Man kann sich also vorstellen, dass ich bei meinem Gebet:

  • vor Angesicht Gottes,
  • vor Christus,
  • vor Maria stehe
  • von Engeln umgeben
  • und den Heiligen der triumphierenden Kirche umgeben bin, die ebenfalls beten.

Deswegen sind wir bei unserem liturgischen Gebet oder bei einem Gebet, dass von der Kirche vorformuliert wurde, niemals allein und bei selbstausgedachten, privaten Gebeten tantum quantum.

Credo

Credo in Deum, Patrem omnipoténtem, Creatórem cæli et terræ.
Et in Jesum Christum, Fílium ejus únicum, Dóminum nostrum: qui concéptus est de Spíritu Sancto, natus ex María Vírgine, passus sub Póntio Piláto, crucifíxus, mórtuus, et sepúltus: descéndit ad ínferos; tértia die resurréxit a mórtuis; ascéndit ad cælos; sedet ad déxteram Dei Patris omnipoténtis: inde ventúrus est judicáre vivos et mórtuos. Credo in Spíritum Sanctum, sanctam Ecclésiam cathólicam, Sanctórum communiónem, remissiónem peccatórum, carnis resurrectiónem, vitam ætérnam. Amen.

Da der katholische Glaube keine selbstgemachte Einzeldisziplin ist, so beten wird in der Kirche, durch die Kirche und im Namen der Kirche, natürlich der ganzen Kirche, d.h. der kämpfenden, der leidenden und der  triumphierenden Kirche. Die Kirche ist halt viel mehr als unsere Pfarrer, unser Ordinariat mit den PastoralreferentInnen, die von unserer Steuer leben. Wir sollen uns daher vergegenwärtigen, dass wir nicht so alleine sind, wie es uns manchmal scheint. Die ganze Kirche betet mit uns, nicht nur die Gerechten auf Erden, sondern auch die Kirche im Himmel und die Kirche im Fegefeuer. Und was hält uns zusammen? Jawohl, das Glaubensbekenntnis, das Credo. Da es das längste aller vorbereitenden Gebete ist, welches nur vor Matutin und der Prim gebetet wird, so fällt es viel einfacher sich dabei zu konzentrieren und die einzelnen Glaubenssätze beim Rezitieren zu meditieren. Wir können uns hierbei fragen, ob wir daran glauben, was es bedeutet, was es für uns bedeutet etc. Bei dieser Art der Meditation gehen wir immer ein Stückchen weit in die Tiefe, sodass sich unser Katholizismus nicht um das „Miteinander“ und die „Rettung der Wale“ dreht, wie beispielsweise bei unserem Bischof und Pfarrer. Ja, ja, alles kann eingeübt werden und man hat täglich viele Möglichkeiten dazu.

Die Gebetsmeinung erwecken

Nachdem wir also die vorbereitenden Gebete

  • Aperi Domine
  • Pater noster
  • Ave Maria
  • Credo (nur vor Matutin und der Prim)

gebetet haben, können wir vor dem eigentlichen Gebetsanfang, je nach Hore, nochmals innehalten und uns fragen, welche Meinung/Intention wird bei diesem Breviergebet erwecken, anders ausgedrückt für wen oder was wir konkret dieses Gebet aufopfern. Für die Kirche, unsere Diözese, unseren Bischof oder andere konkrete Anliegen. Es ist gut sich zu sagen: „Heute für den Pfarrer X“ oder „heute für die Diözese“, damit dieses Gebet sozusagen direkt dem Empfänger zugeordnet wird. Es ist natürlich auch möglich die einzelnen Brevierteile zu splitten und aufzuopfern, bspw. diese drei Psalmen für Frau X oder die nächsten drei für die Anliegen des Herrn Y.

„Funktioniert es denn?“ Ja, das tut es tatsächlich.

Der Schreiber dieser Zeilen betete nur einen Teil des Breviers für eine Person, die mit einem sehr starkem sensus fidei ausgestattet ist, welche ihm bestätigte:

„Um diese Zeit habe ich gespürt: Sie beten für mich. Meinen Dunkelheiten haben sich zerstreut, es war etwas sehr Kraftvolles.“

Die Zuordnung stimmte, es war exakt um diese Zeit und es waren nur Brocken des Tridentinischen Breviers. Wahrscheinlich funktionieren andere vorkonziliaren Breviere ähnlich, aber das Tridentinische ist das Kraftvollste. Da wir mit der Zeit immer mehr Gebetsanliegen haben werden oder uns immer mehr Menschen um Gebet bitten werden, wir aber nicht in der Lage sein werden zeitlich noch mehr Gebete zu verrichten, so empfiehlt es sich einfach beim Beten des Breviers diese Intentionen zu erwecken und den verschiedenen Brevierteilen bestimmte Gebetsmeinungen zuzuordnen. Man macht sich beispielsweise einen Zettel mit den Gebetsmeinungen und opfert diese auf, indem man die konkrete Meinung erweckt. Priester machen es genauso in der Messe, da sie auch nicht mehr als eine pro Tag zelebrieren sollten, wenigstens nicht im Alten Ritus, und es funktioniert.

Zusammenfassend empfehlen wir die folgende Verfahrensweise:

  1. Vor dem Beten als solchem sich in die Gegenwart Gottes versetzen.
  2. Aperi Domine meditierend beten.
  3. An Christus dem betenden Hohepriester denken.
  4. Pater noster meditierend beten.
  5. An Maria die Gnadenvermittlerin und die Gottesmutter denken.
  6. Ave Maria meditierend beten.
  7. An die gesamte Kirche und die betenden Engel und Heiligen denken.
  8. Credo meditierend beten.
  9. Intention des Breviergebets erwecken.
  10. Mit dem Breviergebet anfangen.

Es dauert nicht länger, ist aber sehr schnell heiligend und wirkungsvoll. Mit „meditierend“ ist hier die unterste Stufe der Meditation gemeint, bei der man einfach daran denkt, was man rezitiert, also z.B. gratia plena – „voll der Gnade“ – „Was ist voll der Gnade?“ „Warum ist Maria voll der Gnade?“ Etc. Da Sie, sollten Sie diese Übung vor ihrem Brevierbeten oder vor anderen Gebeten praktizieren, sicherlich mehrmals am Tag diese Gebete (Aperi Domine, Pater noster, Ave Maria, Credo) beten werden, so können Sie sich immer einen anderen Aspekt aussuchen, sodass sie weder in einem Automatismus verfallen, noch gelangweilt sind. Ja, ein wenig anstrengend ist es am Anfang schon, aber jemand muss es ja rausreißen.

Der nächste Teil dieser Kurzreihe wird das Cool-Down nach dem Breviergebet, also das Gebet nach dem Gebet betreffen, denn so etwas gibt es auch.

[1] Deutscher Text nach: http://denzinger-katholik.blogspot.de/2015/02/was-die-alten-einst-gebetet-aperi-domine.html In [] unsere Anmerkungen.