Kurt Hutten, Drohen Abspaltungen in der katholischen Kirche (1970)? Traditionalisten gegen Progressisten. (6 von 6)

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Der untere Abschnitt ist wirklich rein historisch und zeigt, was passiert, wenn man eigene Kirchen gründet. Leider nichts Gutes, denn wir haben zurzeit mit Bergoglio 14 Antipäpste, wenn seit der Niederschrift dieses Beitrags kein neuer Antipapst dazu gekommen ist. Leider hat der Antipapst Bergoglio die Macht zu zerstören, der Rest ist harmlos. Wir werden sehen, wie es beim kommenden Schisma werden wird, welches wir am 21.02.2018 ankündigten. Ja, Kurt Hutten tat es im Jahre 1970 auch, aber damals war noch kein Antipapst an der Kirchenspitze, obwohl die Sedis es so sahen. 

Und wenn kein Schisma kommt?

Dann wird die Kirche weiterhin aus den kleinen Wunden bluten, wie es Hilary White, bezeichnet. Es wird keine Eucharistie, durch die geplante „ökumenische Messe“ und keine Priester mehr geben. Das Opfer wird nicht mehr dargebracht werden. Ein Schisma kann zeitweilig etwas retten. 

Die Traditionalisten und die „Erneuerte Kirche“ Collins 

In ihrer Frontstellung gegen das Aggiornamento, gegen die Progressisten und gegen den Vatikan und ebenso in der Betonung der mystischen Frömmigkeit, der Marienerscheinungen und des Endzeitglaubens besteht eine Gemeinsamkeit zwischen den Traditionalisten und der „Erneuerten Kirche“ von Michel Collin, der als „Clemens XV.“ nach zeitweiligem Aufenthalt in Colmar und Hagenau seinen „Vatikan“ in dem kleinen lothringischen Dorf Clémery aufgebaut hat. Seine Gläubigen sehen in ihm den „mystischen Papst der Endzeit“. Er überragt den Papst in Rom bei weitem. Denn er wurde nicht von Menschen gewählt, sondern durch das dritte Geheimnis von Fatima prophezeit und von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit selbst berufen und geweiht (1950). Er fühle sich, so rühmen seine Anhänger, als demütiges Werkzeug Jesu, der durch ihn in unzähligen Botschaften seine Weisungen und Verheißungen an die Kirche und die Welt richtet. Er führe ein heiliges Leben, sei ein großer Beter, habe täglich Visionen, sei stigmatisiert und erleide während jeder Messe die Passion.

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Kurt Hutten, Drohen Abspaltungen in der katholischen Kirche? Traditionalisten gegen Progressisten (1970). (3 von 6)

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Den unten angeführen Argumenten und Invektiven ist wirklich nichts zuzufügen. Es hat sich nichts verändert. Antipapst Franziskus zeigt mit seiner Luther-Briefmarke, dass es sich wirklich um die Protestantisierung des Katholizismus handelt und durch das Vat. II gehandelt hat. Die Vorwürfe von 1970 stimmen. Abbé Georges de Nantes ist DSDZ (dem Schreiber dieser Zeilen) ein Begriff, er hat auch Auszüge seiner Schriften gelesen, findet sie aber sehr haßerfüllt und was das Meritorische anbelangt, übertrieben. Paul VI. hat, unseres Erachtens, keine sententia haeretica im eigentlichen Sinne im forum externum verkündet, wie keiner der Päpste bis Antipapst Franziskus und seiner Amoris Laetitia. Wie man bei Kurt Hutten nachlesen kann, war insbesondere in Frankreich einiges los. Menschen gingen wirklich auf die Barrikaden. Es ist kaum anzunehmen, dass in Februar 2018 jemand, der sich als katholisch bezeichnet, wirklich sagen kann, dass sich seit 1970 alles zum Guten gewendet hat. Dieser Illusion gaben sich mehrheitlich die englischsprachigen Neukonservativen hin, wie sie treffend Hilary White beschreibt, welche dem Narrativ von dem „entführten Boot Petri“ glaubten bis sich der „konservative“ Papst Johannes Paul II wieder ans Ruder setzte. Wie wir jetzt sehen, gab es nach Vat. II keine konservativen Päpste und Bergoglio ist nicht zufällig entstanden. Der Weg der jetzigen Zerstörung wurde ihm durch die vorhergehende Zerstörung geebnet. Wir sind ungefähr in der Stalin-Ära mit den Moskauer Prozessen, welche vielen Linken außerhalb der Sowjetunion die Augen öffneten, sofern sie noch einen Kopf ohne eine Kugel hatten. Schlimm, schlimm. 

Den Bischöfen und Priestern wird vorgeworfen, daß sie die Hauptschuld an dem furchtbaren Glaubensschwund tragen. Um ihre ökumenische Gesinnung zu beweisen und sich bei den Protestanten salonfähig zu machen, geben sie die Lehre von der alleinseligmachenden Kirche auf und treiben einen Ausverkauf an katholischen Wahrheiten und laufen den Protestanten nach. Den Traditionalisten ist das ein Greuel. Jedes Paktieren riecht für sie nach Verrat. Darum verübelten sie es Paul VI. schwer, daß er nach Genf reiste. Sie halten streng an den alten Verdammungen der Reformation fest. Die Reformationskirchen sind für sie nicht „Kirchen“, sondern Religionsgemeinschaften und die evangelischen Pfarrer werden betont als „Religionsdiener“ bezeichnet. Für die Bekenntnisbewegung „Kein anderes Evangelium“ besteht zwar unverhohlene Sympathie, aber sie beruht nur auf Gemeinsamkeiten der Frontstellung, nicht der Glaubenssubstanz. Der katholische „Ökumenismus“ gilt als Frucht einer Glaubenserweichung und Auftakt einer völligen Kapitulation. Wache Katholiken fragen sich, wann der „ökumenische Taubenschlag“ Niederaltaich ins protestantische Lager übergeführt wird. Bei den Theologen

„dreht sich alles nur noch um die Menschen und da in der Hauptsache um die Protestanten, damit sie mit unserem entleerten Glauben einverstanden sind“ (6, Oktober 1968).

Aber die Protestanten denken nicht daran, auch ihrerseits Konzessionen zu machen. Sie stehen

„lächelnd mit über dem Bauch gefalteten Händen dabei und schmunzeln ob der Selbstzerstörung der katholischen Kirche“

und muntern die Progressisten auf:

„Mehr noch! Ihr habt noch nicht genug aufgegeben. Wir haben Zeit. Wir warten, bis ihr Katholiken protestantisch geworden seid“ (4, August 1968).

Ein Großteil der Bischöfe hat sich „auf den Weg zur Reformation gemacht“ und „die Zeitbombe, die Luther legte, ist krepiert“ (6, Oktober 1968).

Muß man sich das alles gefallen lassen? Sind nicht alle treuen katholischen Christen verpflichtet, den Sturz in den Abgrund zu verhindern? Es wird zum Widerstand getrommelt:

„Wir sind keine ‚fromme Flaschen’; wir sind mündige Laien; wir werden auftreten, reden, mahnen, ob es gelegen ist oder nicht, damit der Diabolus in der Kirche entlarvt wird“ (7, November 1968).

Das geschieht denn auch. Kardinäle, Bischöfe, Theologieprofessoren, Pfarrer, kirchliche Institutionen werden einer erbitterten Kritik unterzogen. Dabei wird eine Sprache gebraucht, die oft selbst die einfachsten Gebote der Höflichkeit vermissen läßt. Damit werden auch von dieser Seite Beiträge zum viel beklagten Zerfall der kirchlichen Autorität geliefert. Schon zeigen sich Ansätze, die zur offenen Sezession führen können. Die rechtgläubigen Katholiken werden aufgefordert, die „zersetzenden“ Kirchenblätter zu meiden. „Ich zerreiße die Pfarrbriefe und streue sie in der Kirche umher“ (4, August 1968). Es wird auch berichtet, daß die Gottesdienste progressistischer Priester gemieden werden.

„Mit fünf oder sechs Personen flüchte ich jeden Sonntag in die Muttergottes-Kapelle, um dort in Ruhe mit dem alten Gebetbuch Gottesdienst zu feiern“ (8, Dezember 1968).

Die Gläubigen werden ermuntert, keine Beiträge für den Bau moderner Kirchen zu zahlen, dafür treukatholische Werke zu unterstützen. Sie werden gebeten, die Namen „jener Priester und Kirchen, die noch echt römisch-katholisch geblieben sind“, an die Redaktion von „Das Zeichen Mariens“ zu melden, damit sie „auf persönliche Anfragen hin von uns treuen Abonnenten entsprechende Auskunft geben“ kann.

Wenn aber keine solchen Priester erreichbar sind? Hier entsteht eine schwere Not.

„Der Priester ist unersetzlich. Wir kommen nicht ohne Priester aus. Die ganze Sakramentenlehre fordert ihn. Die progressistischen Priester haben alle Hebel in ihrer Hand. Ihre Presse, ihre Arbeitsgemeinschaften, Treffen, Räte, ihre Haltung, ihre Allüren, ihre Sarkasmen zerstören, sie zerstören. Was bleibt uns also anderes, als die einzig katholische Lösung zu suchen: kommen wir, wenn auch stöhnend, ohne den Priester aus“ (9, Januar 1970).

Es wird empfohlen, überall Gebetsgruppen zu bilden und vereint „in den noch würdigen Gotteshäusern vor dem Allerheiligsten Sühneandachten“ zu halten (7, November 1968). Diese Andachten sind in Wirklichkeit Protestandachten und es wird bereits die Frage gestellt, wie weit die Gehorsamspflicht der Gläubigen gegenüber der Kirche reicht. Antwort:

„Wo die Kirche Gott nicht mehr gehorcht, ist der Gläubige vom Gehorsam gegen die Kirche entbunden; denn man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen (Apg. 5,19)“ (8).

Unter Berufung auf dieses Schriftwort setzte sich der französische Abbé Georges de Nantes über das Verbot des Erzbischofs Marty hinweg und lud zu einer Massenversammlung am 28. Februar 1969 in Paris ein, um über das Thema zu sprechen: „Ist der neue französische Katechismus häretisch oder nicht?“. Dr. E. Gerstner meinte dazu:

„Ein mutiges und entschlossenes Exempel wird hier statuiert, andere werden ihm folgen. Das Maß ist voll“ (10. Februar 1969).

In den französischen Konflikt griff Rom ein. Der Abbé, einer altadeligen Offiziersfamilie entstammend und mit sieben jungen Theologen in St. Parresle-Vaudes (Aube) nach der harten Ordensregel von Charles de Foucauld lebend, ist als zündender Redner in Massenversammlungen und Herausgeber der Zeitschrift „La Contre-Reforme catholique au xx. siècle“ ein Wortführer der Traditionalisten in Frankreich. Am 15. August 1969 gab die Heilige Kongregation für die Glaubenslehre im Osservatore Romano bekannt, daß sie seine Schriften geprüft, ihn selbst zweimal angehört und danach gebeten habe, seine Irrtümer und seine Häresieanklagen gegen Paul VI. und das Konzil zurückzunehmen. Er habe das aber kategorisch abgelehnt und damit seine sämtlichen Schriften und Tätigkeiten „disqualifiziert“.

„Und der Heilige Vater soll dazu seinen ‚Segen’ gegeben haben?“ fragt „Das Zeichen Mariens“ (4/5, August/September 1969) verwundert. Das Urteil der Traditionalisten über den Vatikan ist sehr kritisch. Progressisten und schwankende Gestalten seien dort die Wortführer. Nur wenige aufrechte Männer seien noch vorhanden, vor allem Kardinal Ottaviani.

Kurt Hutten, Drohen Abspaltungen in der katholischen Kirche? Traditionalisten gegen Progressisten (1970). (2 von 6)

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DSDZ (Dem Schreiber dieser Zeilen) wird klar, dass er sich sozusagen als Neo-Traditionalist in der traditionalistischen Tradition befindet, denn die unten angeführten Invektiven können auch aus seiner Feder stammen. Nichts hat sich geändert, die Reaktion auf die Zerstörung ist dieselbe, obwohl wir im Jahre 2018 nicht den direkten Vergleich zu der vorkonziliaren Zeit haben.

Haben die Traditionalisten von damals übertrieben?

Nein! Hat es etwas gebracht? Nein. Die Apostasie schritt weiter voran und die Zahl der Kirchenaustritte auch. Jetzt werden Pfarreien zusammengelegt aufgrund des Priester- und Gläubigenmangels und wer am besten sanieren kann, wird Bischof, wie neulich in Würzburg. Sicherlich war es das Werk des Bösen, des Dämons in der Kirche, der damit weitermacht. Was uns aber aus der heutigen Perspektive überraschen mag, ist die Tatsache wie wenig all diese Geistlichen in ihrem Glauben verwurzelt waren, wenn sie mit Wonne die Rosenkränze zerissen, die Marienfiguren rauswarfen, von den Reliquienschreinen ganz zu schweigen. Das hat doch keine Tatarenhorde vollbracht, sondern Priester. Wie sehr müssen sie schon damals Gott gehaßt haben. Traurig, traurig. 

Zwischen Kritik und Rebellion

Die für den Separatismus anfälligen Gruppen verwerfen die vom Zweiten Vatikanischen Konzil eingeleiteten Reformen mit unüberbietbarer Schärfe. Daß es Bann und Exkommunikation ablehnte und Kompetenzen auf die nationalen Bischofskonferenzen übertrug, waren „prächtige Vorarbeiten“ für das Wirken des Bösen in der Kirche. Daß es auf eine Wiederholung marianischer Dogmen und die Dogmatisierung der Mittlerschaft Mariens verzichtete, war „Teufelsdienst“ („Das Zeichen Mariens“, 7, November 1968). Progressisten seien die Hauptberater des Konzils gewesen und hätten „den Boden für unser Elend“ geschaffen. Die Früchte des Konzils seien augenfällig:

„Verwirrung, Niedergang von Moral und Glaubensleben, der Heiligenverehrung, des Sinnes für Anbetung, Beichte und Buße“ (6, Oktober 1968).

Den Bischöfen wird vorgeworfen, daß sie „den Glauben nicht mehr ernst“ nehmen. Sie dulden die „progressistische Pressetyrannei“ in den Kirchenblättern. Sie lassen es zu, daß in ihnen

„immer mehr Unsinn gegen den bisherigen römisch-katholischen Glauben zusammengeschwatzt wird“ (7, November 1968),

während die treuen Katholiken mundtot gemacht werden. Sie erlauben die Verbreitung häretischer Katechismen wie der französischen und besonders der holländischen. Der besondere Zorn richtet sich gegen Kardinal Bernhard Alfrink und gegen den „Protektor der Häretiker“ Kardinal Julius Döpfner.

Die progressistischen Theologen – Männer wie K. Rahner, Schillebeeckx, H. Küng und Th. Sartory – sind „die gefährlichsten Zerstörer der katholischen Substanz“. Sie werden als „Termiten-Theologen“ und „Gummi-Theologen“ bezeichnet, die eine „Wischi-Waschi-Theologie“ lehren (4, August 1968). Sie würgen eine Glaubenswahrheit um die andere ab: Jungfrauschaft Mariens, Engel, Teufel, Christi Gottessohnschaft und Gegenwart in der heiligen Eucharistie, Auferstehung, Himmelfahrt und Wiederkunft. Sie pöbeln über Heilige und Wunder und Marienerscheinungen und preisen ihren Abbau katholischer Lehren als Beweis ökumenischer Gesinnung. Sie sind Ratten, die  den katholischen Glauben in ein kahles Skelett zerfressen haben. Der Katholikentag in Essen, auf dem die Auswirkungen dieser Theologie sichtbar wurden, war „infernalisch“ und „ein einziger Skandal“. Der Teufel braucht heute keinen Atheismus mehr als Waffe gegen die Kirche; er hat sich der Theologen bemächtigt und sie werden auch noch von kirchlichen Geldern bezahlt!

„Das gläubige Volk ernährt seine Henker! Wie lange dauert noch unsere Geduld?“ (8, Dezember 1968)

Von den Theologen ermuntert, werden die jungen Priester aufsässig gegen die Bischöfe. Von ihrer religiösen Einstellung wird ein düsteres Bild entworfen: Diese „Freidenker-Priester“ beten den theologischen Neuerern nach, machen sich über die Volksfrömmigkeit lustig, predigen offen oder versteckt gegen den Beichtstuhl und sitzen lieber im Auto als im Beichtstuhl und in unzähligen Tagungen, wo sie alles reformieren möchten (9, Januar 1969).

„Kapläne sammeln in Schulklassen Rosenkränze ein, um sie als ‚Kerzenschluckerrequisiten’ ostentativ wegzuwerfen“ (8, Dezember 1968).

Sie vertauschen ihre priesterlichen Gewänder mit saloppem Zivil, führen mit der Jugend kesse Sex-Gespräche, sind flotte Tänzer, bagatellisieren sexuelle Sünden und fordern gar die Abschaffung des Zölibats. Aber wer bürgt bei einem verheirateten Priester für die Wahrung des Beichtgeheimnisses? Und welcher Katholik, dessen ästhetisches und religiöses Empfinden noch intakt ist,

„kann die heilige Kommunion aus der Hand eines Mannes empfangen, der eben aus dem Ehebett kommt, wo er vielleicht vor wenigen Minuten noch Zärtlichkeiten mit seiner Frau austauschte?“ (4, August 1968).

Ein nicht geringerer Greuel sind die Änderungen und Experimente in der Liturgie. Die Einführung der Volkssprache anstelle des Lateinischen in der Messe fördert den Zerfall der Weltkirche in Nationalkirchen. Verdächtig ist auch, daß „nahezu alle häretischen Bewegungen den Gottesdienst in der Volkssprache forderten“ (Grundsatzerklärung der Una-Voce-Gruppe Maria München). Hinter der Entfernung der heiligen Eucharistie vom Meßaltar steckt die Absicht, daß

„der leiblich gegenwärtige Herr zuerst in den Winkel gestellt, dann aus dem Hauptraum der Kirche, schließlich aus der Kirche überhaupt entfernt werden soll“.

Bei der Messe versus populum kehrt der Priester Gott den Rücken und das ist eine „Beleidigung Gottes“ (a.a.O.). Daß die Kommunion nicht mehr nur kniend, sondern auch stehend und in die Hand empfangen werden kann, ist ebenfalls ein Zeichen der Ehrfurchtslosigkeit. Dadurch und durch viele andere Änderungen wurde im Zug der Liturgiereform das „mysterium fidei“ abgeschafft.

Der neue „Ordo Missae“, am 3. April 1969 von Paul VI. unterzeichnet, wurde von Dr. E. Gerstner mit einem „Non possumus“ beantwortet und der italienische Traditionalist Domenico Celada erklärte, daß die hier vorgesehene „Mini-Messe“ gegen das Dogma sei und „manifeste Irrtümer“ enthalte. Unterschriftenlisten für Protestierende wurden vom Immaculata-Verlag in Umlauf gesetzt, tausendfach unterschrieben und von Traditionalisten in England und USA übernommen. Theologische Gutachten schürten das Feuer; eines derselben machten sich auch die Kardinäle Ottaviani und Bacci zu eigen und übergaben es dem Papst. Während der römischen Bischofssynode tagte am 10.-15. Oktober 1969 auch ein Traditionalisten-Kongreß in Rom und sagte dem „Ordo Missae“ den Kampf an. In den Verhandlungspausen hatten die Teilnehmer Gelegenheit, „auf dem Korridor vor Presse, Funk und TV ihren Gefühlen Luft zu machen. Worte wie ‚Häresien’, ‚Apostasie’, ‚Schismatiker’, ‚Sektierer’ schwirrten durch die Luft, wie auch unser größtes Schimpfwort ‚Progressisten’“ (8, Dezember 1969).

Die Traditionalisten sehen in allen diesen Neuerungen teuflische Kräfte am Werk. Vielfältig ist ihre Anklage. Marienandachten werden stiefmütterlich behandelt, Marienaltäre und Statuen aus der Kirche entfernt, Prozessionen eingeschränkt. Im Rheinland fand ein Leser unter 17 besuchten Kirchen nur noch sechs, in denen die heiligen Messen

„grundsätzlich in der lateinischen Kultsprache gefeiert werden, die von den zerstörenden häretischen Kultformen verschont geblieben sind“,

und er klagte: In Rußland haben gottlose Bolschewiken die Altäre entweiht oder zerstört, und

„im christlichen Abendland sind es die Priester, verräterische Priester, die dieses diabolische Werk vollendet haben“ (8).

Auch die modernen Kirchenbauten sind entsakralisiert. Sie sind nicht mehr Stätten der heiligen Gottesgegenwart, strahlen nicht mehr religiöse Geborgenheit aus, sondern sind nur noch: Seelenbunker, Betonkästen, Kultkisten, Choralschuppen, Sakralschachteln aus dem Kleckermannkatalog.

„In diesen Kirchen friert der gläubige Christ“ (4, August 1968).

Mit Entsetzen wird der Zerfall der kirchlichen Autorität registriert. Der „Irrsinn und Wahn“ der Demokratisierung ist „ein Lieblingsthema des Teufels“ (6, Oktober 1968). Die Progressisten setzen die „Mehrheit des Gottesvolks“ den „machtberauschten Amtskirchendiktatoren“ entgegen und wollen die demokratische Mehrheit „mündiger Menschen“ über heilige Dinge entscheiden lassen. Unter ihrem Einfluß greift die Kritik am Papst um sich. Der Glaube an seine Unfehlbarkeit wird von ihnen bestritten. Aber die Bischöfe tun nichts Wirksames zu seiner Unterstützung. Allerorten erhebt sich Widerspruch gegen die Enzyklika „Humanae vitae“. Hinter diesen Diskussionen verbirgt sich „ein latenter Ungehorsam“ (7, November 1968). Die Bischofskonferenzen von Holland, Belgien und der Bundesrepublik brachten es nicht fertig, die Kritiker zur Ordnung zu rufen oder zu maßregeln und sich in ihren eigenen Verlautbarungen entschieden auf die Seite des Papstes zu stellen. Mit einer solchen Haltung untergraben sie ihre eigene Autorität gegenüber Klerus und Kirchenvolk. Ihre Klagen über Ungehorsam sind darum auch einfältig.

„Es muß ja notwendigerweise dazu kommen! Alle Autorität kommt von oben, von Gott! Die kirchliche Behörde scheint das in ihrer blöden Weltoffenheit vergessen zu haben und äfft nun eifrig die weltlich-teuflische Demokratisierung nach“ (9, Januar 1969).

Die Liste der Klagen und Proteste ließe sich verlängern. Die Gegner der Progressisten fühlen sich in einer schier hoffnungslosen Lage. In Holland, so klagen sie, sei

„die wahre katholische Kirche längst in den Untergrund und in die innere Emigration abgedrängt worden“ (7, November 1968).

Von einem großen Teil des Klerus sehen sie sich verlassen. Da äußern sich Stimmen wie: „Können wir Laien denn heute noch an unsere Hirten glauben?“ (4, August 1968). Die heutigen Hirten

„hüten und weiden die Wölfe und reißen die Schafe. Sie sind Mietlinge, ja selbst Wölfe geworden“ (6, Oktober 1968).

„Ihr modernen Hirten, ihr modernen Irrlehrer und Volksverführer!“ –

„Wenn wir keine Bischöfe nach der Art des Apostels Paulus haben können, dann wollen wir lieber gar keine haben“ (7, November 1968) –

„Das sind ja keine Geistlichen mehr, ungläubig, was nur ungläubig heißt. Verräter unserer heiligen katholischen Kirche, mit einer kleinen Ausnahme. Blinde Führer, verblendete Priester, ungläubige Lehrer … Nur beten kann man für solche elende Heuchler, daß sie nicht ewig zugrunde gehen“ (8, Dezember 1968).

In Bayern läuft eine Geschichte um, die in witziger Verpackung ein schneidendes Urteil enthält: Ein Organist ist wegen der liturgischen Neuerungen verzweifelt und irrt im Wald umher. Da erscheint ihm Gottvater und will ihn trösten und fragt, zu welcher Diözese seine Pfarrei gehöre. Zur Diözese des Kardinals Döpfner.

„Als Gott der Herr diese Antwort hört, setzt er sich schweigend neben den Kirchenmusiker und weint mit ihm“ (7, November 1968).

Kurt Hutten, Drohen Abspaltungen in der katholischen Kirche? Traditionalisten gegen Progressisten (1970). (1 von 6)

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Wir wollen die Prädestinations-Reprobationspredigt des hl. Leonard von Pont Mauritius ein wenig mit dem Beitrag von Kurt Hutten auflockern, obwohl man wirklich nicht sagen kann, ob dies ein leichteres Thema ist. Kurt Hutten ist ein Protestant und daher gewohnt, dass man sich spaltet und jeder Protestant mit seiner Bibel sozusagen selbst seine Kirche bildet. Katholiken sehen das anders, Katholiken spalten sich nicht.

Warum eigentlich nicht?

Weil man aus der Geschichte gelernt hat, dass eine Abspaltung von der Kirche immer im Untergang endet, was zuletzt die Altkatholiken erlebten und jetzt viele Sedisvakantisten erleben. Interessanterweise boten die Medien den konservativen Katholiken im Jahre 1970 kein Podium und heute eigentlich auch nicht, was wirklich interessant ist, da seit den Talkshows der 1990-ger jedem möglichen Spinner medialer Raum gewährt wird. Natürlich gab es im Jahre 1970 nur das Staatsfernsehen, welches, wie wir jetzt erfahren, sehr einseitig informierte. Warum? Weil dieselben Kräfte (FM?) das Fernsehen steuerten, welche das Konzil vorwärts trieben. Anders ist dieses Vorgehen ja nicht erklärbar und zeugt von fehlender Objektivität des Staatsfernsehen, Verzeihung, der „öffentlich-rechtlichen“ Medien. Deswegen kennt kaum ein Mensch die Argumente der Traditionalisten, weil diese seit 1970 nirgendwo zu Wort kamen.

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Wie war es damals? Kurt Hutten und ein Rückblick in den Zerrspiegel der Geschichte.

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Beim Stöbern bei gloria.tv, wo sich unverhofft auch gute Beiträge finden lassen (die unsrigen werden dort leider nicht exponiert, sodass wir immer weniger reinstellen), fand DSDZ einen interessanten Beitrag aus dem Jahre 1970, der von der Traditionalistenbewegung handelt. Er stammt es der Feder von Kurt Hutten, einem protestantischen Theologen, der ihn in der Information (Nr. 42 Stuttgart III/1970) der Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen im Jahre 1970 unter dem Titel Drohen Abspaltungen in der katholischen Kirche? Traditionalisten gegen Progressisten veröffentlicht hatte. Der Text stammt also von jemand, der aus einer protestantisch-weltlich-rationalistischen Sicht über Sekten schreibt. Was macht solch ein Beitrag auf einem katholischen, traditionalistischen Blog? Wir veröffentlichen ihn, weil er recht objektiv und eher unvoreingenommen eine Situation schildert, über welche man schlecht in den offiziellen, katholischen Quellen nachlesen kann (siehe orwellsche Geschichtsverfälschung). Die Situation, die Karl Hutten beschreibt gleicht wirklich der von 2018 aufs Haar.

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