Tradition und Glauben

Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (5 von 5)

Praktische Gründe für den päpstlichen Positivismus Natürlich hat die katholische „Papstgläubigkeit“, um es so zu formulieren, ganz praktische Gründe. Fast niemand ist theologisch gebildet. Fast niemand hat die Zeit, die Aussagen eines jeden Papstes mit der Lehre der Kirche abzugleichen. Bisher, d.h. bis Benedikt XVI. haben die Päpste keine offensichtlichen Häresien verbreitet. Wären es wirklich Häresien, so sagen sich Viele, dann würden „unsere guten, katholischen Bischöfe und Kardinäle, die so lieb sind und es so schwer haben“ einspringen, es uns sagen und den Papst ermahnen oder gar absetzen. Durch den nachkonziliaren Zusammenbruch der Katechese hat wirklich kaum ein Katholik irgendwo auf der Welt, nicht nur in D, A und CH, ein ausreichendes Glaubenswissen, um seinen Glauben verteidigen zu können. Fast kein ausgebildeter Theologe, es sei denn er kann gut Latein und betreibt sehr viel Selbststudium, kennt die überlieferte Lehre der Kirche. Praktisch gesehen, gibt es verschiedene Kongregationen in Rom, z.B. die Glaubenskongregation (wenn sie nicht gerade Homo-Orgien feiert, denn es war ihr Gebäude), welche die öffentlichen Aussagen des Papstes auf Rechtgläubigkeit überprüfen, sodass es ein Einzelner nicht zu machen braucht. Bis Benedikt XVI. ist keine sententia haeretica aus dem Munde eines nachkonziliaren Papstes gefallen, obwohl lehramtlich und theologisch zwischen Johannes XXIII. und Benedikt XVI. die Weichen so gestellt wurden, dass die Kirche unter Bergoglio entgleist. Die Bischöfe und Kardinäle haben meist keine Ahnung von Theologie und kein Interesse am geistlichen Leben, diejenigen aber, welche die Häresien sehen, sind einfach zu feige irgendetwas dagegen zu unternehmen. So sieht es nun mal aus. Stellen Sie sich vor, irgendwo würde Feuer ausbrechen, aber die Feuerwehrmänner wären: Zu blind, Zu betrunken, Zu verkokst, Zu sehr in sodomitischen Akten gefangen, Zu faul, Zu feige, Zu dick und unbeweglich um das Feuer zu sehen und dagegen vorzugehen, diejenigen aber, die ausreichend sehen und fit wären, wären Zu bösartig, um es löschen zu wollen. Warum? Weil sie sich den Untergang der Menschen durch dieses Feuer wünschen. Die ersten Punkte zeigen „unsere lieben Geistlichen“, die von uns bezahlten „Feuerwehrmänner des Glaubens“, die eigentlich die Ausbildung und die Ausrüstung zur Feuerbekämpfung der Häresie haben sollten. Der letzte Punkt zeigt die diabolischen Narzissten, die Satanisten, die Geheimbündler, diejenigen also, die wirklich wissen, worum es geht, welche uns verderben möchten und zurzeit im Vatikan regieren. DSDZ hörte sich gestern den langatmigen Bericht über die Vorgänge der Jugend-Synode von Diane Montagna, einer Journalistin von Lifesitenews an. Sie sprach zu gleichgesinnten, traditionellen Katholiken, welche, im Gegensatz zu den Synodenvätern, den Glauben ernst nehmen. DSDZ dachte sich, dass es eigentlich Wahnsinn sei, dass die Laien, wie er selbst, den Glauben viel wichtiger als die Geistlichen nehmen, obwohl es die Aufgabe und Beruf der Letzteren ist diesen zu verteidigen und zu verbreiten. Interessanterweise haben die meisten Bischöfe dermaßen wenig Ahnung von den Glaubensinhalten, was Diane Montagna und ihre vatikanischen Quellen, die manchmal auch gläubig sind, bestätigen, dass es ein Leichtes ist den Hirten etwas unterzujubeln. Aber wie ist es möglich, dass ein Laie, der ein paar Bücher gelesen hat, wir sprechen hier von Journalisten und keinen Theologieprofessoren, mehr Ahnung vom Glauben hat, als depositum fidei verstanden, als ein Bischof? Wo ist es hin? All die Seminarzeit, all das Theologiestudium, all die Priester- und Bischofsweihen? Das Kirchenrecht schreibt vor, dass ein künftiger Bischof mindestens ein Lizentiat (der theologische Grad zwischen Magister und Doktor) in Theologie und verwandten Fächern vorweisen sollte. Can. 378 — § 1. Hinsichtlich der Eignung der Kandidaten für das Bischofsamt wird gefordert, daß der Betreffende 1° sich auszeichnet durch festen Glauben, gute Sitten, Frömmigkeit, Seeleneifer, Lebensweisheit, Klugheit sowie menschliche Tugenden und die übrigen Eigenschaften besitzt, die ihn für die Wahrnehmung des Amtes, um das es geht, geeignet machen; 2° einen guten Ruf hat; 3° wenigstens fünfunddreißig Jahre alt ist; 4° wenigstens seit fünf Jahren Priester ist; 5° den Doktorgrad oder wenigstens den Grad des Lizentiaten in der Heiligen Schrift, in der Theologie oder im kanonischen Recht an einer vom Apostolischen Stuhl anerkannten Hochschuleinrichtung erworben hat oder wenigstens in diesen Disziplinen wirklich erfahren ist. Sie sind doch alles gebildet? Wo ist es hin? Haben Kokain und die Homo-Orgien all die Gehirne zerfressen? Bei manchen wohl schon, aber wie ist es mit anderen. Haben die keine Angst vor der Hölle? Dass Gott sie für all das Nichtstun bestraft? Sie sind wohl ungläubig, zu feige und schieben das ganze Nichtstun auf „den Gehorsam dem Heiligen Vater“ gegenüber. Der päpstliche Positivismus ist also eine opportunistische Denkfaulheit. Deswegen wird auch seit dem Konzil der päpstliche Positivismus hochgehalten, wonach das katholisch ist, was ein Papst sagt. Deswegen ist es den Papst zu kritisieren „eine Sünde“ und wohl „eine schwere Sünde“. Wohl aus dieser Grundeinstellung heraus kritisiert Pater Schmidberger FSSPX das Buch „Der Diktator Papst“, da interessanterweise gerade unter dem Antipapst Bergoglio die FSSPX sehr päpstlich wurde, was unsere schlechte Meinung von der FSSPX bestätigt. Aber vielleicht gibt es wirklich...

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Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (4 von 5)

Der Papst – ipse dixit Aber kommen wir an den Anfang unserer Überlegungen zurück. Die Überzeugung, dass der Papst die Lehre der Kirche ausmacht. Kommt von der Überzeugung, dass alles wandelbar ist (Mobilismus). Welche von Prozesstheologie und letztendlich von Hegel herrührt. Wenn es heutzutage überhaupt ein weltliches Dogma gibt, dass ist es dieses, dass „die Zeiten sich ändern“ und „alles den Bedürfnissen des heutigen Menschen angepasst werden muss, der ganz anders als der gestrige Mensch war“. Punkt. Als Beweis gilt, dass man mindestens alle zwei Jahre ein neues Handy kaufen und ein neues Betriebssystem laden muss. Wenn das kein Argument ist, dann gibt es keine! Romano Amerio schreibt im Jahre 1985 dazu: Die Vorstellung, dass Wandelbarkeit etwas Positives sei, dem man sich öffnen müsse, ist aber auch in die Kirche eingedrungen und hat sich dort verbreitet, hat überwunden, was man mit Stabilität und Unerschütterlichkeit verband, obwohl die Glaubensvorschrift klar ist: „Seid standhaft und unerschütterlich“ (1 Kor 15,58). So stellte der Bischof von Metz fest: „Der Stand der Zivilisation, den wir miterleben, bringt Veränderungen nicht nur in unserem äußeren Verhalten, sondern in dem Begriff selbst mit sich, den wir uns von der Schöpfung machen wie auch von dem Heil, das Jesus Christus uns gebracht hat.“ Am 18. August 1976 erklärte dieser Bischof am Mikrophon von France-Inter: „Die vorkonziliare Theologie, die Theologie von Trient, ist nunmehr vorbei.“ Dass „die Kirche sich einbezogen hat in den Gang der Geschichte, die sich fortentwickelt und verändert“ (Osservatore Romano, 29. September 1971) vertrat übrigens sogar Paul VI., was nicht im Einklang mit seinen energischen Erklärungen über die Unwandelbarkeit der Kirche steht. Bergoglio setzt also jetzt konsequent Häresien aus den 1970-gern um. Jedoch hatte die Zivilisation niemals die Kirche verändert, sondern die Kirche die Zivilisation. Die Barbarenhorden, die in das Imperium Romanum einfielen, wurden missioniert und zivilisiert. Man empfand die Zerstörung der Hunnen und Vandalen nicht als „Kulturbereicherung“ (sorry, Frau Merkel!), sondern als das, was es war: als Barbarei. Die Kirche hat die Völker gewandelt, nicht die Völker die Kirche und das, was die Bergoglianer „Primat der Kultur“ nennen, hat es niemals gegeben. Außerdem können in jedem Land oder jeder Region besser inkulturierte Lösungen gesucht werden, welche die örtlichen Traditionen und Herausforderungen berücksichtigen. Denn » die Kulturen [sind] untereinander sehr verschieden, und jeder allgemeine Grundsatz […] muss inkulturiert werden, wenn er beachtet und angewendet werden soll «.[3] (Amoris Laetitia 3) Die Unterschiede zwischen einem Katholiken in Finnland anno 1320 und einem Indianer in den Jesuitenreduktionen im Jahre 1713 waren kaum feststellbar. Sie glaubten dasselbe und hatten dieselbe, lateinische Liturgie. Jeder hätte sich in der Welt des Anderen, vom Sprachunterschied abgesehen, wiedergefunden, so nahmen die beiden an der Ewigkeit und Unveränderlichkeit Gottes teil durch die Ewigkeit und Unveränderlichkeit der Lehre und der Liturgie seiner Kirche. Weil leider durch das Konzil die Wandelbarkeit als die Grundprämisse akzeptiert wurde, natürlich unter den üblichen „Jedoch-aber-Wenn“-Einschränkungen, so gab es kein unwandelbares Maß der katholischen Lehre, wie sie im Denzinger steht, sondern man hörte darauf, was der jeweilige Papst sagte. DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) hat sein Theologiestudium in der Höhe des Pontifikats von Johannes Paul II und dazu noch in Polen absolviert. Der Satz: Der Papst Johannes Paul II hat gesagt…. klingt DSDZ immer noch in den Ohren und provoziert einen Anfall von Übelkeit und Langeweile. Die Professoren von DSDZ, fast allesamt Priester, hatten keinen andren locus theologicus, eine theologische Quelle, als: „Die Heilige Schrift spricht“. „Johannes Paul II hat gesagt“. Kann man wirklich die ganze Theologie damit abdecken und betreiben? Ja, in Polen schon. Wenn etwas nicht passt, dann lässt man es aus oder verändert dementsprechend, dass es passt. DSDZ hielt seine Theologieprofessoren für das, was sie größtenteils waren: extrem faul, keine Fremdsprachen kennend und ungebildet. Es war für sie viel einfacher ihre Vorlesungen nicht vorzubereiten und live aus der Bibel und der letzten päpstlichen Enzyklika laut vorzulesen, worin der Großteil der theologischen Vorlesungen leider bestand.  Die besseren unter den Dozenten pflegten zu sagen: Bisher wurde festgestellt […] , aber Johannes Paul II., unser großer Landmann, in seiner genialen Eingebung sagt uns, dass… Nein, nein, wie genial ist das denn? Wunderbar, einfach wunderbar! DSDZ denkt sich das nicht aus. Das sind wirkliche Zitate. DSDZ kam es schon damals verdächtig vor, dass sich zwischen dem Neuen Testament und Johannes Paul II. beziehungsweise dem letzten Konzil nichts ereignet haben soll, was für Theologie von Belang war. Er schob aber all diese klerikale Johannes-Paul-II-Begeisterung auf das Cave hominem unius libri – „Hüte dich vor dem Menschen eines einzigen Buches“, darauf also, dass seine Dozenten, die meistens in den 30-gern waren einfach nichts anderes gelesen haben. Außerdem kam dazu noch ihr Wunsch eine kirchliche Karriere zu machen, was einem Polen, der Johannes Paul II. lobt eher gelang, als einem Nicht-Polen, der den Papst nicht lobte. DSDZ war also von Menschen umgeben, welche die überlieferte Lehre der Kirche...

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Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (3 von 5)

Der hegelianisch-metaphysische Unterbau des päpstlichen Positivismus Da ist der gute Jesuit, der sich die Angleichung der Kirche an die weltliche Schwulenbewegung wünscht, indem er sagt: Reese: Mir hätte es gefallen, wenn das Dokument das Wort „Gay“ wie auch den Audruck LGBT gebraucht hätte: Das sind Begriffe, die von den homosexuellen Gruppen gebraucht werden, die direkt von diesem Paragraphen betroffen sind. Dennoch finde ich die Einladung zur Annahme und pastoralen Begleitung der Homosex-Menschen positiv. […] Reese: Bevor sie sich umfassend mit dem Sex befassen, wäre es gut, wenn die Bischöfenstudieren würden, was die heutigen Moraltheologen sagen. Zudem sollten sie sich mehr mit der gelebten Erfahrung der Familien, der Paare und der Singles in Verbindung bringen. ganz hegelianisch-nachkonziliar, weil, wie schön Romano Amerio darlegt: Die systematische theoretische Darstellung des Mobilismus enthält die Philosophie Hegels. Das Daseiende ist das in der Zeit unendlich wechselhafte Werdende. Das Werden geht auf Gott über, womit es ihm die Attribute der absoluten Unwandelbarkeit und Zeitlosigkeit nimmt.[1] Und was bedeutet das? Dass die Wirklichkeit sich ständig verändert und die Veränderung unendlich ist. Weil, nach Hegel, Gott nicht die Welt schafft, sondern in ihr wird und die Welt gleichsam den Leib Gottes darstellt, daher geht die Veränderung der Welt auf Gott über. Man kann also von der notwendigen Veränderung der Welt auf die notwendige Veränderung Gottes schließen, wie wir woanders geschrieben haben. Weil also die Welt 1:1 Gott abbildet, so findet eine jede Veränderung in der Welt ihren Niederschlag in der Veränderung Gottes. Sie heben den Fuß nach oben – Veränderung – Gott verändert sich. Sie heben den Fuß nach unten – Veränderung – Gott verändert sich. Denken Sie sich dieses Viereck, ein Parallelogramm, wobei die untere Seite für die Welt und die obere für Gott steht: Jede Veränderung der Welt resultiert in einer Veränderung Gottes, weil Welt und Gott innerhalb dieses Welt- Gott- Parallelogramms eine Einheit bilden: Niederschlag findet und/oder die Welt sich so verändert, dass ihre Veränderung in der Veränderung Gottes ihren Niederschlag findet, so muss Gott konsequenterweise seine Offenbarung ändern, um diese natürlich „den Bedürfnissen des modernen Menschen“ anzupassen. Und wenn der moderne Mensch homosexuell ist und Kokain schnupft, siehe die berühmte Homo-Orgie mit Kardinal „Cocco“ im Gebäude der Glaubenskongregation (sic!), dann hat Gott sogleich seine Offenbarung danach zu schreiben und seinen göttlichen Willen danach auszurichten. Kardinal Coccopalmiero ist aber der Präsident des Päpstlichen Rates für Gesetzestexte, dies bedeutet, dass alle offiziellen Gesetzestexte des Vatikans durch seine Hände gehen und er weiß sie schon so zu schreiben, dass ein „Sowohl-als-Auch-Jedoch-aber-Wenn“ dabei herauskommt. Wie die Internetseite lifesitenews angibt, soll Kardinal „Cocco“ der Orgie „präsidiert“ oder ihr „vorgestanden“ haben („ […] in fact, that he ‘was presiding’ over it when the Vatican Gendarmes broke in […]“), was den Rückschluss zulässt, dass es sich bei dieser Orgie um etwas „Liturgisch-Geordnetes“ gehandelt haben kann. Ann Barnhardt bringt es wieder auf den Punkt: es war eine schwarze Messe, da es normalerweise bei Orgien recht ungeordnet zugeht und es keine Vorsitzende gibt, die „präsidieren“. Kurz und gut: Menschen, die so leben kommen auf solche Gedanken Gott ihrem „Lebensstil“ anzupassen, was die Popularität den nachkonziliaren Mobilismus ganz praktisch erklärt. Denn unter dem hegelianischen Schutzmantel der Prozesstheologie geht es eigentlich darum noch mehr Stricher und Kokain in den Vatikan zu schmuggeln. Wenn jetzt jemand fragen wird, Wie es denn möglich sein, dass jemand auf solche eine hirnrissige Idee kommt, dass sich Gott mit der Welt verändert? So antworten wir, dass in der Philosophie außerhalb der Scholastik größtenteils gilt: je widersinniger, desto philosophischer. Ist etwas, wie Hegel, absolut hirnrissig, wirklichkeitsfremd und kontraintuitiv, dann ist es erst recht philosophisch und die Quotenfrau im Oberseminar darf aufatmen: Sie hat es geschafft. Sie ist jetzt eine Intellektuelle. [1] Amerio, Iota unum, 371. Unterstützen Sie uns! Falls Sie diesen Beitrag wertvoll fanden und einen Gegenwert Ihrerseits beisteuern möchten, so können Sie uns etwas spenden....

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Die schlechten Päpste oder wider den päpstlichen Positivismus (2 von 5)

Was ist Mobilismus? Dass der Papst der höchste Diener der Kirche ist und ihre unveränderliche Lehre wiedergibt, war auch bis ca. 1962 klar, als durch das unselige Konzil (ja, ja, es ist langweilig immer davon zu sprechen, aber leider notwendig) die unveränderliche und größtenteils statische Lehre der Kirche auf einmal dynamisch und veränderlich wurde. Dadurch wurden die Aussagen des Papsten zum einzigen Bezugspunkt, was den päpstlichen Positivismus gründete. Der Mobilismus, wie ihn Romano Amerio nennt,[1] hielt in die Kirche den Einzug. Was ist Mobilismus? Es ist eine philosophische Ansicht, dass alles beweglich (mobile) ist und nichts ruhig bleibt: nihil quietum in causa. Ein völliger Heraklitismus also, durch Hegel modern aufgepeppt und aufgefrischt. Es ist eine weltliche Sicht der Dinge, die ihren Niederschlag im UNESCO-Bericht aus dem Jahre 1972 mit dem Titel Apprendre à être – „Lerne zu sein“ fand. Aber, wie richtigerweise Amerio deutet, „être -»sein« wird gleichbedeutend mit »devenir« – werden – oder »se développer« – sich entwickeln- betrachtet. Ziel der Pädagogik und der Politik sei, dafür zu sorgen, dass „der Geist nicht bei endgültigen Überzeugungen stehen bleibt“, sondern im Gegenteil, „in hohem Maße bereit wird, sich umzustellen“. Betont wird dementsprechend »die Notwendigkeit, das Denken so zu bilden, dass es darauf eingestellt ist, eine Vielzahl von Lösungen als Hypothesen ins Auge zu fassen«, die in verschiedene – nicht die gleiche Richtungen gehen (Osservatore Romano, 10. Januar 1973).[2] Wie kommt es aber, dass l’Osservatore Romano, die Zeitung des Papstes, welche Romano Amerio zitiert, fast buchstäblich die Ansichten eines UNESCO-Dokuments wiederholt? Die einfache Antwort lautet: Weil die Freimaurer außerhalb des Vatikans die Vorgaben den Freimaurern innerhalb des Vatikans geliefert haben. Sollte sich jemand am Wort „Freimaurer“ stören, dann möge er/sie das Wort „weltliche Agenda“ dafür einsetzen. Die Ansichten des Mobilismus sind ja überhaupt nicht katholisch, da Katholizismus von der Seins-Metaphysik, also einer unwandelbaren göttlichen Wirklichkeit ausgeht, welche das Hier und Jetzt abbildet beziehungsweise abbilden sollte. Kurz und gut: je ruhiger und unwandelbarer, desto besser. Aber leider hat der Mobilismus den Einzug in die Konzilsdokumente gehalten[3].  Zunächst scheint dieser Einzug noch deskriptiv – beschreibend – dargestellt zu werden: So vollzieht die Menschheit einen Übergang von einem mehr statischen Verständnis der Ordnung der Gesamtwirklichkeit zu einem mehr dynamischen und evolutiven Verständnis. Die Folge davon ist eine neue, denkbar große Komplexität der Probleme, die wiederum nach neuen Analysen und Synthesen ruft. (Gaudium et Spes 5) Aber schon in GS 41 wird diese Entwicklung hochgeschätzt: Kraft des ihr anvertrauten Evangeliums verkündet also die Kirche die Rechte des Menschen, und sie anerkennt und schätzt die Dynamik der Gegenwart, die diese Rechte überall fördert. (Gaudium et Spes 41) Aber warum „verkündet die Kirche die Rechte des Menschen“ und das „Kraft des ihr anvertrauten Evangeliums“? Das Ziel des Evangeliums ist doch die Bekehrung der Menschen zu Gott durch Jesus Christus, sodass der Mensch einen Teil seiner Rechte, beispielsweise das Recht zum Sündigen, einbüßt. Man kann diesen Satz zwar für die Orthodoxie retten, indem man sagt, dass das Evangelium die wahre Würde des Menschen verkündet und hochschätzt. Aber sogar dann würde das Evangelium im Dienste des Menschen, wie unermüdlich Johannes Paul II unterstrich, stehen und nicht der Mensch im Dienste des Evangeliums. So lesen wir beispielsweise in Christifideles laici 36  Im Dienst am Menschen 36 Weil sie in der Kraft des Geistes das Evangelium aufnimmt und verkündet, wird die Kirche […] zur Dienerin der Menschen. In ihr nehmen die Laien teil an der Sendung, den Menschen und der Gesellschaft zu dienen. Das letzte Ziel der Kirche ist mit Sicherheit das Reich Gottes, dessen »Keim und Anfang… auf Erden« sie darstellt. (130)[4] […] Die Kirche lebt und geht mit ihnen in tiefer und wahrer Solidarität mit der Menschheitsgeschichte. […] Sie tut zugleich dem Menschen den Menschen kund, erschließt ihm den Sinn seiner Existenz und öffnet ihn für die volle Wahrheit über sich selbst und sein Ziel.(131)[5] Kraft ihrer eigenen missionarischen Sendung ist die Kirche dazu berufen, dem Menschen zu dienen. Dieser Dienst gründet zunächst in der unerklärlichen und erschütternden Tatsache, daß »der Sohn Gottes … sich in seiner Menschwerdung gewissermaßen mit jedem Menschen vereinigt« hat. (132)[6] […] Die ganze Kirche ist für diesen Dienst an der Menschheitsfamilie verantwortlich. Aufgrund ihres »Weltcharakters«, der sie auf eigene und unersetzliche Weise zur christlichen Inspirierung der zeitlichen Ordnung verpflichtet, kommt den Laien in diesem Rahmen aber eine besondere Aufgabe zu. Wozu ist also die Kirche da? Zum Dienst am Menschen. Sie ist also eine Dienstleistungsgesellschaft. Und was ist so falsch daran? An wem soll sie denn ihren Dienst verrichten? Engel brauchen sie nicht und Bakterien und Eichhörnchen auch nicht. Dies ist zwar richtig, aber die Behauptung, dass die Kirche ihre Botschaft an den Menschen richtet, ist wirklich mehr als banal. Doch die Behauptung, dass die Kirche ihre Botschaft an dem Menschen ausrichtet, ist eine johanno-paulinische Neuerung und eine sententia haeresim favens – „eine die Häresie begünstigende Meinung“. Aber erst diese...

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Bäumer, Geschichte des Breviers. (2) Pater Suitbert Bäumer O.S.B. Ein Lebensbild.

  Wenn das Werk gut ist, so stellen sich die Fragen nach seinem Verfasser. Die Biografie oder die Autobiografie sollte am Ende, nicht am Anfang eines Werdegangs stehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Augustinus seine „Bekenntnisse“ am Ende seines Lebens schrieb, Paris Hilton, wenn der Vergleich erlaubt sein möge, ihre Autobiografie schon mit 25 verfasste. Der Werdegang von Pater Suitbert Bäumer OSB, den man bei den unten angefügten Scans selbst nachlesen kann, ist ein innerer und kein äußerer. Wahrscheinlich hat im Laufe der Jahrhunderte kein anderer Orden so sehr zur Wissenschaft beigetragen als die Benediktinert es taten, zumal sie es seit 1500 Jahre tun. Der Grund für diese unablässige Fruchtbarkeit ist die berühmte benediktinische stabilitas locii, d.h. das Verbleiben an demselben Ort, sprich in einem und demselben Kloster, sowie der strikte äußerer Rahmen, welche die praktizierte, vorkonziliare (ja, ja, leider nicht die nachkonziliare) Regel auferlegt. Auch der schreibende Benediktiner hat die Gebete zu verrichten, Handarbeit auszuführen, sodass ihm pro Tag vielleicht, mit einem besonderen Dispens des Oberen, 2-3 h für das Schreiben verbleiben. Dies ist aber auch das Maximum der wirklich kreativen Tageszeit, was viele Schriftsteller und Wissenschaftler bestätigen können. Arbeitet man mehr pro Tag, so führt dies langfristig zu einer Überbelastung, die, was man wirklich an allen möglichen Fakultäten bestätigt findet, zu psychosomatischen Krankheiten und Erschöpfungszuständen führt. Vielleicht hat auch Pater Bäumer OSB am Ende seines Lebens schlecht mit seinen Kräften gehaushaltet, so dass er vielleicht zu früh von uns geschieden ist. Für den Leser seines Werkes stellt sich dennoch die Frage, wie jemand eine solch hohe Qualität, bei so wenig Zeitaufwand und Konzentration auf das Eine bewerkstelligen konnte? Die Antwort lautet: Indem man sein ganzes Leben lang diese Fragen erörtert und die Liturgie einfach lebt. Dank der eingehaltenen Klosterdisziplin und des verhältnismäßig späten Erfolges konnte Pater Bäumer der Versuchung vieler Schaffenden widerstehen irgendwelchen äußeren Vortragstätigkeiten nachzugehen, mit dem neuesten Buch auf Tour zu gehen und verschiedene Radiosender oder Fernsehstationen zu frequentierten, welche es zu seinen Lebzeiten noch gar nicht gab. Man sagt, dass man dazu gezwungen wird. Dies ist aber nicht wahr. Man kann immer „Nein“ sagen. Das Schreiben, besonders das wissenschaftliche Schreiben, ist eine innere und keine äußere Tätigkeit. Sie ist auch eine Angelegenheit der Objektivität, nicht des Kreisens um das eigene Ich. Betrachtet man die aufreibende, äußere Aktivität und eigentlich den Aktivismus vieler, wenn nicht gar aller nachkonziliaren Theologen, so fragt man sich, wie sie überhaupt bei alldem vielen Schafen und Tun zu einem tieferen Gedankengang kommen konnten. Sie konnten nicht und taten es auch nicht. Denn vergleicht man die Schriften von Karol Wojtyła, Johannes Paul II, Delumaeus, Congar, Ratzinger, Lubac, Urs von Balthasar, um hier die mehr oder weniger orthodoxen zu nennen, mit den Schriften der Kirchenväter, der Scholastiker oder der Theologen der Gegenreformation, so wird die spirituelle Oberflächlichkeit der Ersterer und die Tiefgründigkeit Letzterer deutlich. Aber auch wissenschaftlich, was die Dichtheit des Diskurses anbelangt, stehen die Älteren vor. Der italienische Philosoph Romano Amerio nennt die Krankheit unserer Zeit den Mobilismus. Eine Krankheit, die in uns leider der heilige Johannes Paul II explizit vorgelebt hat.  Hat denn tatsächlich sein wohl unübertroffener Aktivismus der Kirche langfristig genutzt und diese gestärkt? Wohl kaum. Denn, wie man so schön sagt, „ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse“. Und die Mäuse im Vatikan tanzten schon damals und tanzen jetzt, wie man am gegenwärtigen Pontifikat erkennen kann, da durch die ganze Herumreiserei des polnischen Papstes, sich langfristig in der römischen Kurie Geistliche ansiedeln konnten, siehe Vakileaks und die berühmte Homo-Lobby, welche langfristig und beständig ihre negative und destruktive Agenda realisieren konnten, derer Früchte wir heute beobachten können.  Der Gerechte im ersten Psalm wird ja mit einem Baum am Fluss verglichen, wogegen die Sünder mit dem herumgewirbelten Staub gleichgesetzt werden. Uns allen soll dies eine Lehre sein nicht allzu viel nach einer äußeren Tätigkeit zu streben.   Beim Klicken wird das Bild vergrößert....

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