Hilary White, Et Tu, Benedicte? (Einige abschließende Gedanken zu Joseph Ratzinger)

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Geschrieben am 12. März 2018 in The Remnant von  Hilary White

Übersetzung der Zitate ins Deutsche vom Übersetzer

Anmerkung der Redaktion [von The Remnant]: In einem Brief vom 11. März, unterschrieben vom emeritierten Papst Benedikt XVI und adressiert an Msgr. Dario Vigano, Präfekt des vatikanischen Sekretariats für Kommunikation, bietet der frühere Papst, wie berichtet wird, eine leidenschaftliche Verteidigung von Papst Franziskus gegen die Behauptung, ihm fehle eine theologische und philosophische Ausbildung. In aller Deutlichkeit bekräftigt dieser Brief, der Benedikts Unterschrift trägt, dass „es eine innere Kontinuität zwischen den beiden Pontifikaten gibt‟. Ob Benedikt diesen Brief tatsächlich geschrieben hat oder nicht, er gibt Veranlassung für eine Reihe schwerwiegender Fragen, die dringend beantwortet werden müssen, bevor die Geschichte das Buch über diese commedia diabolica schließt. Unser Dank gilt der Kolumnistin von The Remnant, Hilary White, die im Folgenden die wichtigsten Inhalte zusammengefasst hat. MJM

Kürzlich fragte mich der Herausgeber eines „konservativen‟ katholischen Magazins ob ich daran interessiert sei einen Artikel über den Rücktritt Papst Benedikts vor fünf Jahren beizutragen. Ich lehnte ab und sagte ihm, dass ich mir moralisch sicher sei, dass alles, was ich dazu zu sagen hätte, nicht mit seinen redaktionellen Richtlinien vereinbar sein würde. Fünf Jahre ist es her, und ich habe bemerkt, dass wesentlich weniger Menschen darüber sprechen, was für ein „mutiger‟ Akt es war, das Pontifikat aufzugeben. Die Konsequenzen dieses Aktes waren so haarsträubend, dass sehr wenige Leute noch bereit sind, höfliche Bemerkungen darüber zu machen, selbst Leute, die größtenteils mit Franziskus einverstanden sind.

Tatsächlich möchten fünf Jahre nach der Resignation von Papst Benedikt die katholischen Gläubigen meist wissen, warum; warum entscheidet sich ein Papst – ein Mann mit Jahrzehnten an naher und persönlichen Erfahrung mit dem „Schmutz‟ in der Kurie und in der gesamten Kirche – plötzlich, zu gehen? Wie konnte er sich entscheiden, wegzugehen in dem Wissen, dass seine Aufgabe noch nicht erfüllt war? Zu dieser Zeit und seitdem, besonders im Licht dessen, was geschehen ist, scheint es einer der bizarrsten Aspekte dieser ganzen bizarren Situation, dass die Gründe, die dafür angegeben wurden, so trivial, so unangemessen, so unverhältnismäßig belanglos waren.

Diese absurden Antworten auf ernste Fragen von schwerwiegender Bedeutung haben zwangsläufig den Verdacht erweckt, dass Benedikt das Papstamt schlicht nicht so ernst nahm wie wir übrigen. Wir können nichts anderes als uns zu fragen, ob diese trivialisierten Antworten eine tiefe Schwäche offenbaren, die wir nie zuvor vermutet hätten. Können wir uns an ihm getäuscht haben? Und wenn ja, könnten wir uns so getäuscht haben?

Aus bestimmten Gründen war alles, was wir zu der Zeit hörten, im Wesentlichen „Ich bin müde‟. Es gab eine Andeutung, dass er sich den Reisen ins Ausland nicht mehr gewachsen fühlte, so dass er den Weltjugendtag und ähnliche Veranstaltungen nicht besuchen konnte. Das Trivialisierende der Resignation schien Hand in Hand mit dem modernen Konzept des Papstes als Popstar zu gehen, etwas, für das wir Benedikt als zu ernsthaft gehalten hatten, zu ernsthaft ein Katholik, um [an] sich selbst zu glauben. Gerade und erst recht von Benedikt XVI. hätten wir gedacht, dass er das Papstamt ernst nahm.

Und seitdem, seit all die Gifte eiligst aus dem Schlamm der Neuen Kirche schlüpfen, die fünfzig Jahre lang gelauert hatten, möchten viele Katholiken wissen, warum wir nichts von ihm hören? Von diesem Mann, von dem wir geglaubt hatten, er sei ein „Streiter für die Rechtgläubigkeit‟, von dem wir dachten, wir kennten ihn. Irrtum, sogar Häresie und Blasphemie strömen täglich aus dem Mund seines Nachfolgers, der den Vatikan buchstäblich in eine Räuberhöhle verwandelt hat, und wir hören nichts als die gelegentliche, vorsichtig mit Worten ausgedrückte Aussage, wie gut doch alles sei. Wie zufrieden er mit seiner Entscheidung sei und wie glücklich mit seinem derzeitigen Leben.

Nach drei Jahren des systematischen Niederreißens von Allem, was er in seinem Pontifikat versucht hatte, aufzubauen, haben wir dies von einem offensichtlich völlig unbekümmerten Ratzinger bekommen, was er Franziskus sagt: „Ihre Güte ist meine Heimstatt und der Ort, wo ich mich sicher fühle.‟ Jeder, der irgendwann etwas gelesen hat, was er geschrieben hat, war erstaunt, dass er fähig war, solch einen rührseligen Blödsinn zu produzieren, aber das Video lügt nicht:

Der neue Ton war so fremd, dass die Spekulation aufkam, dass er unter irgendeiner Art von äußerem Zwang stand, nicht frei zu sagen, was er meinte. Aber das ist es nicht, was wir sehen. Dort steht er, offenkundig glücklich und [mit klarer Stimme] laut sprechend.

„Vielleicht hat man ihm vorgeschrieben, was er zu sagen hat‟.

Nun, warum wiederholt er es dann? Warum, wenn er den geringsten Zweifel hat, lässt er sich für solche Zwecke [aus seiner Abgeschiedenheit gegen seinen Willen (– impliziert das englische Wort; d. Übs.)] herausholen, um solch offensichtliche Propaganda von sich zu geben? Wenn es Betrug ist, warum beteiligt er sich daran?

Tatsächlich nehmen ihn all die hoffnungsvollen Kommentatoren auf Blogs und in anderen sozialen Medien auf gewisse Weise nicht ernst, die mir immer wieder sagen, wie sehr sie ihn „vermissen‟: sie nehmen ihn nicht beim Wort. Einige bestehen darauf, dass sein Rücktritt unter irgendeiner Art von Zwang erfolgte und daher nicht gültig sei. Aber wir haben wiederholt von ihm gehört, dass er nicht unter Restriktionen gewesen sei, dass er freiwillig resigniert habe. Und tatsächlich, fern davon, ein isolierter „Gefangener des Vatikans‟ zu sein, empfängt Benedikt seitdem viele Gäste, die alle berichten, dass er, obwohl gebrechlich, zufrieden erscheint und niemals ein Wort der Kritik äußert. Wir  haben nichts davon gehört, dass er eine Notiz mit der Bitte um Befreiung unter einem Platzdeckchen auf dem Tisch verborgen habe.

Es gibt keinen Zweifel, dass dies eine extrem eigenartige und schlichtweg verdächtige Situation ist; irgendetwas passt nicht zusammen, das ist wahr. All die Fragen wurden ignoriert, oder man bekam leichtfertige, spaßige Antworten:

Warum haben Sie resigniert?

Ratzinger: „Ich war ein bisschen müde und mir war nicht danach, mit den Kids am Weltjugendtag eine Party zu feiern.‟

Wenn Sie nicht der Papst sind, warum tragen Sie immer noch weiß?

Ratzinger: „O, es gab keine schwarze Soutane, die mir gepasst hat.‟

Warum nennen Sie sich weiterhin Benedikt XVI, wenn Sie nicht länger Papst sind?

Ratzinger: „Nun, ich bin ‚Emeritus‛, nicht wahr …‟

Und woher kommt diese „Emeritus‟-Aufgabe her? Gab es das schon einmal in der Geschichte der katholischen Kirche? Was bedeutet das kanonisch und lehrmäßig?

Ratzinger: „…‟

Und was hat Gänswein für ein Zeug geredet, dass es ein geteiltes „Munus‟ [Papstamt] gebe – mit einem aktiven und einem „kontemplativen‟ Mitglied? Heißt das nicht einfach, dass es jetzt zwei Päpste gibt?

Ratzinger: „…‟

Und vielleicht das Quälendste an alledem: „Wie können Sie hier lächelnd sitzen und fadenscheinigen, platten Unsinn reden, während dieser Irre die Schafe eine Klippe hinunterstürzt?‟

Vor einigen Tagen fasste mein Freund Steve Skojec von der traditionalistischen -restaurativen Website onepeterfive die Fassungslosigkeit derer zusammen, die immer noch eine zurückhaltende Zuneigung zu (dem Mann, den wir)  Papst Benedikt (nennen), verspüren. Er fasst in seinem kurzen Beitrag [auf seinem Blog] all den Ärger und all die niederschmetternde Enttäuschung zusammen, welche die meisten von uns vielleicht immer noch fühlen, aber zögern, laut auszudrücken:

Heute vor fünf Jahren gab Papst Benedikt XVI das Papstamt auf. Und durch die Abtretung seiner Pflicht die Kirche zu weiden, machte er den Weg frei für das schlechteste Papstamt aller Zeiten – eines, dessen er sich unerschütterlich weigert, sich in Wort, Tat oder sogar in der feinsten Geste zu widersetzen.

Sie mögen ihn aus verschiedenen Gründen lieben, Sie können ihm im Gegensatz dazu vermissen, aber Sie dürfen nicht die Verantwortung, die er hat, entschuldigenEr ist von seiner Familie weggegangen, hat die Türe für einen missbrauchenden Stiefvater offengelassen, und er sieht zu, wie seine Kinder geschlagen und in die Irre geführt werden, nicht in Stille, sondern in offensichtlicher Zufriedenheit.

Und dennoch ist er der beste der nachkonziliaren Päpste, weshalb er der einzige sein wird, der nicht heiliggesprochen wird.

Wer ist der wahre Joseph Ratzinger?

Es haben schon einige langjährige Beobachter des Vatikans mehr als einmal zu mir gesagt:

„Vielleicht war er ja gar nicht der, von dem wir dachten, er sei es.‟

Ich vermute, dass viel mehr daran ist, als die meisten Menschen sich vorstellen könnten. Ich denke wir machten den Fehler, der Presse zu glauben. Wir waren begeistert, dass die so bitter antikatholische Presse ihn hasste und fürchtete. Wir versäumten uns daran zu erinnern, dass sie überhaupt nichts vom katholischen Glauben wissen.

Was die Zeitungen uns nie mitteilten war, dass Joseph Ratzinger als junger Priester und Theologe als „progressiv‟ bekannt war, wie der Begriff 1962 verstanden wurde. Dieser Ruf wurde während seiner Arbeit als Peritus, Konzilstheologe eines der einflussreichsten Bischöfe im progressiven Lager, Kardinal Frings von Köln, gefestigt. Frings ist berühmt für seine Rede in diesem großen Drama, in welcher er die Glaubenskongregation kritisierte – und ihren Präfekten Cardinal Alfredo Ottaviani –, wegen des „Konservativismus‛‟ der „Schemata‟, das sind die Dokumente, welche von der Glaubenskongregation vorbereitet wurden, um die Diskussionen der Bischöfe zu leiten.

Nach dieser Rede gab es einen Aufruhr unter den Bischöfen des vorbereitenden Komitees, die forderten, dass das Schema – das in jahrelanger Arbeit entwickelt worden war – fallengelassen werden sollte. Dies wurde trotz Ottavianis vergeblichen Widerspruchs getan, und schnell wurden von einer Koalition aus deutschen und französischen „Progressiven‟ neue Dokumente zusammengeschustert, die sich freuten, dass sie nun – tatsächlich – die Kontrolle über das Konzil gewonnen hatten, noch bevor es begonnen hatte.

Inzwischen wurde enthüllt, dass es Joseph Ratzinger war – der unorthodoxe „progressive‟ Akademiker-Theologe, den Frings als seinen Sekretär nach Rom gebracht hatte – der die Rede geschrieben hatte.

Kardinal Henri de Lubac, der 1985 dieses Drama wieder in Erinnerung rief, schrieb:

„Joseph Ratzinger, ein Experte am Konzil, war auch der Privatsekretär von Kardinal Frings, dem Erzbischof von Köln. Da er blind war, nutzte er seinen Sekretär weitgehend dazu, seine Interventionen zu schreiben. Nun wurde also eine dieser Interventionen unvergesslich: es war eine radikale Kritik an den Methoden des Heiligen Offiziums. Trotz einer Antwort von Kardinal Ottaviani bestand Frings auf seiner Kritik.

„Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass an diesem Tag das Heilige Offizium, wie es sich dann selbst darstellte, von Ratzinger gemeinsam mit seinem Erzbischof zerstört wurde.

„Kardinal Seper, ein Mann voller Güte, initiierte den Umbau [des Heiligen Offiziums, welches zur Glaubenskongregation wurde Red.]. Ratzinger, der sich nicht verändert hat, führt ihn fort.‟

Ratzingers Ruf als „Progressiver‟ gründet weder auf einen Vorfall noch war er auf sein frühes Werk beschränkt. Er blieb unbemerkt beim Schreien über seine Laufbahn bei der Glaubenskongregation, dass er 1982 geschrieben hatte, ein Ruf an die Kirche, „niemals umzukehren‟ zu den fehlerhaftem Syllabus von Pius IX. In seinem Buch Prinzipien der katholischen Theologie stellte Ratzinger die Frage: „Sollte das Konzil widerrufen werden?‟ und empfahl als Antwort das „Niederreißen der Bastionen‟ der katholischen Kirche in Bezug auf die moderne Welt:

Die Pflicht ist es daher, das Konzil nicht zu unterdrücken, sondern das wahre Konzil zu entdecken und sich tief in das hineinzuversenken, was es wirklich möchte, in Bezug auf das, was seitdem geschehen ist.

Dies bedeutet, dass es keine Möglichkeit der Rückkehr zum Lehrplan gibt, was sehr wohl ein erster Schritt im Kampf gegen den Liberalismus und den aufkeimenden Marxismus hätte sein können, was aber nicht das letzte Wort sein kann. Weder das Annehmen noch die Ghettoisierung kann für den Christen das Problem der [Beziehung mit] der modernen Welt lösen. Daher war das „Niederreißen der Bastionen‟, nach dem Hans Urs von Balthasar schon 1952 rief, tatsächlich eine dringliche Aufgabe.

Es war notwendig, das sie [die Kirche] die alten Bastionen niederriss und sich nur auf den Schutz des Glaubens, und die Kraft des Wortes verließ, die ihre einzige, wahre und dauerhafte Stärke sind. Aber das Niederreißen der Bastionen kann nicht bedeuten, dass sie nichts mehr hätte, das sie beschützen müsste, oder dass sie aufgrund anderer Kräfte leben kann als derer, die sie hervorgebracht haben: das Wasser und das Blut, die aus der offenen Seite ihres gekreuzigten Herrn geflossen sind.

Es was seine These – eine tragende Säule der „konservativen‟ Ideologie – dass das „wahre‟ Konzil, wenn es nur ordentlich umgesetzt würde, die Rettung der Kirche und der Welt wäre; dies war ein Thema, von dem er niemals abließ.

Wie ironisch muss es jenen erschienen sein, welche sich an diese Geschichte erinnerten, das Ratzinger selbst dieses Amt übertragen wurde, das er „zerstört‟ hatte, und den von den Medien generierten Ruf eines „Erzkonservativen‟ erhielt. Und sie beginnt, nun eine Antwort nahezulegen – oder zumindest eine Anfrage darüber, warum in dieser langen Amtszeit so wenig erreicht wurde. Warum haben wir mit dem „erzkonservativen Rottweiler‟ Ratzinger in der Glaubenskongregation heute diese Situation? Was hat er getan, um die Explosion des Neo-Modernismus‛ zu stoppen – der während der Amtszeit von Johannes Paul II wie ein unbeaufsichtigter Flächenbrand in der gesamten katholischen Welt brannte?

Was hat das „Zum-Schweigen-Bringen‟ der Glaubenskongregation unter Ratzinger getan, um Hans Küngs Laufbahn als berühmter „Theologenpriester‟ zu stoppen, der von den Medien hofiert wurde, weil er den Katholizismus verabscheut? Küng, der trotz seiner offensichtlichen Häresie niemals vom Priesteramt suspendiert wurde? Können wir uns an irgendwelche andere Namen erinnern, die selbst bis zu diesem Ausmaß korrigiert wurden? Herzlich wenige.

Aber wir können uns sicherlich an viele erinnern, die ihr Leben und ihre Berufung offen damit verbrachten, den katholischen Glauben zu verneinen und zu unterminieren – wissenschaftliche Theologen, Ordensleute, Priester, Bischöfe und Kardinäle auf der ganzen Welt – ohne auch nur den geringsten Protest aus Rom. Vielmehr ist das skandalöse Pack von Betrügern, das wir derzeit im Episkopat haben, komplett das Produkt der Pontifikate des „erzkonservativen“ Johannes Paul II und des „Rottweilers‟ Benedikt XVI.

Warum dachten wir, dass Ratzinger, in seiner äußerst wichtigen Rolle als Präfekt der Glaubenskongregation, ein Bollwerk der Rechtgläubigkeit war? Ist es ganz einfach deswegen, weil wir uns so weit von dem alten Glauben entfernt haben, dass wir selbst keine realistische Vorstellung mehr vom Glauben haben, um vergleichen zu können, ein objektives Urteil abzugeben? Der „progressive‟ Zerstörer Ottavianis erbt seine Präfektur und den Beinamen „erzkonservativ‟ …

Tatsächlich behauptete Ratzinger selbst, dass er seine theologischen Ansichten niemals geändert habe. Damit wollte er sagen, dass seine alten Akademiker-Kollegen wie Küng und Kasper es waren, die nach den 1960ern weiter zur ideologischen „Linken‟ gerückt waren, während er seine Ansichten beibehalten hatte. Vielleicht können wir jetzt endlich dieses sein Wort akzeptieren als die Antwort, die all diese offensichtlich gegensätzlichen Puzzleteile passend macht. Vielleicht wurde die Welt der katholischen akademischen Theologie so verdorben, dass jemand, der 1963 „progressiv‟ genannt wurde, im Jahr 2005 wie ein „Streiter für die katholische Rechtgläubigkeit‟ aussieht.

Ist das der Grund, warum er zurückgetreten ist? Ist es einfach deswegen, weil sein Konzept der Kirche, des Papstamtes niemals das war, was Katholiken glauben? Vielleicht kommt ein Hinweis auf die Antwort von La Stampa 2015 die einen Teil der Memoiren von Silvano Fausti, SJ, veröffentlichte, der Beichtvater und geistlicher Leiter von Kardinal Carlo Maria Martini war, dem Paten der „liberalen‟ Europäischen Katholischen Kirche, und mutmaßlicher Leiter der „St. Gallen Maria‟, die – wie Kardinal Daneels zugab – jahrelang gegen Papst Benedikt verschworen war.

Fausti sagte, dass Benedikt sich im Juni 2012 im Bischofspalast von Mailand mit Martini getroffen habe. Martini habe Benedikt zum Rücktritt vom Papstamt gedrängt. Offensichtlich hatte Martini zur Zeit seiner Wahl, 2005, gesagt, dass es seine Hauptaufgabe sei, die Kurie zu reformieren. Bis 2012 hatte sich das als unmöglich erwiesen.

Warum sollte Benedikt sich von einem Mann wie Martini beraten lassen – dem „Paten‟ des „Liberalen Flügels‟ des Europäischen Katholizismus? Ich denke, die Frage würde sich einem Mann wie Ratzinger nicht einmal stellen. Sie waren als akademische Kollegen anerkannt. Sie waren Brüder im Bischofsamt. Sie  waren Mitglieder des Clubs. Jeglicher Anschein einer ideologischen Spaltung zwischen ihnen war im Wesentlichen ein Produkt der Erzählkunst der Medien. Warum sollte der Papst nicht den Rat seines angesehensten und älteren Kardinals annehmen?

Warum ist Walter Kasper Kardinal?

Eines der hervorstechenden Puzzleteile ist die offensichtliche Unfähigkeit dieser „konservativen‟ Prälaten, diese dreisten Feinde des Glaubens innerhalb des Episkopats und Kardinalkollegiums zu entdecken, geschweige denn erfolgreich zu bekämpfen. Es ist für die normalen Leute unbegreiflich zu glauben, dass, nachdem er sie so viele Jahre gehört und gelesen hat, Ratzinger mit Männern wie Walter Kaspar und Carlo Maria Martini befreundet bleibt, den mutmaßlichen Denkern der Sankt Gallen Mafia.

Als Papst Franziskus bei seiner ersten Ansprache zum Angelus im Jahr 2013 der Menge sagte, wie sehr er die Schreiben von Walter Kaspar liebte, begannen viele von uns, die schon viele Jahre lang den Vatikan beobachten, zu verstehen, wohin wir mit dem neuen Papst geführt werden würden. Jorge Bergoglio mag dem größeren Teil der katholischen Welt unbekannt gewesen sein, aber Walter Kasper war ein bekannter Häretiker, der kluge Medienmann für den „ultraliberalen Flügel‟ der Post-Vatikan-II-Kirche.

In einem Artikel über das Lebenswerk des Kardinals bemerkte Thomas Jansen, der Chefredakteur von Katholisch.de kürzlich, dass Walter Kasper den Schaden nicht hätte anrichten können ohne die direkte Hilfe von sowohl Johannes Paul II. als auch Papst Benedikt. Das riesige Debakel von Amoris Laetitia ist ebenso Kaspers Werk als auch Bergoglios. Dieser Mann, der sich 40 Jahre lang nicht die Mühe gemacht hat, seine heterodoxen Ansichten zu verbergen und viele Jahre seines Lebens einer Kampagne gewidmet hat, um genau dies zu erreichen.

Jansen weist darauf hin, dass Kasper denselben Vorschlag der Kommunion für Geschiedene Wiederverheiratete schon 1993 bringen wollte, zusammen mit Kardinal Lehmann, einem anderen Mitglied der „St. Gallen‟-Gruppe. Dies wurde von Ratzinger und der Glaubenskongregation gestoppt.

Dies wirft jedoch die nächste Frage auf: Wenn Ratzinger so gut wusste, welche Art von Kreatur Kasper war, warum war nicht der nächste Schritt, ihn hochkant aus dem Episkopat zu schmeißen? Warum wurde er nicht – zu allermindestens – wie Küng zum Schweigen gebracht? Kasper trat kürzlich wieder einmal vor die Medien und beklagte sich, dass er Häretiker genannt werde. Aber dies ist die schlichte Wahrheit: er ist ein Häretiker. Jeder weiß, dass er ein Häretiker ist, weil wir gehört haben, wie er seine offensichtlichen Häresien von allen Dächern rief, die er in den letzten Jahrzehnten finden konnte.

Nachdem er öffentlich gegen den Glauben arbeitete und noch immer arbeitet, anstatt degradiert, zum Schweigen gebracht, laizisiert und/oder exkommuniziert zu werden, machte Johannes Paul II ihn zum Kardinal. Erinnern Sie sich: Dieser Plan, die Kirche zu Amoris-Latitia-isieren, war 1993 von Ratzingers Glaubenskongregation gestoppt worden. Aber er wurde auf keine Weise degradiert, gemaßregelt oder korrigiert. Noch wurde er von einflussreichen Stellen entfernt. Weit entfernt davon! 1994 Kasper wurde Kasper in die Kurie des Vatikans aufgenommen und zum Co-Vorsitzenden der Internationalen Kommission für Lutherisch-Katholischen Dialog ernannt. 1999 machte er einen weiteren Schritt nach oben, als er zum Sekretär des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ernannt wurde, [das ist] das „ökumenische‟ Büro, wo seinem manifesten religiösen Indifferentismus freie Hand gegeben werden konnte. 2001 wurde er Kardinalsdiakon mit der phantastischen Verantwortung, in einem Konklave abzustimmen.

Dann erlaubte Benedikt ihm, Kardinal zu bleiben. Und, wie um dem das i-Tüpfelchen aufzusetzen [wörtlich: dem vergifteten Kuchen den letzten Schliff zu geben] (das ist Ratzingers Beteiligung in der Schaffung des Neuen Katholischen Paradigmas), sagt man nun, Benedikt habe seinen Rücktritt absichtlich so gelegt, dass sein alter Akademiker-Kollege am Konklave 2013 teilnehmen konnte.

Wie Jansen aufzeigte und Maike Hickson in einem Beitrag für One Peter Five zitierte:

Kardinal Kasper hat es nur knapp ins letzte Konklave geschafft, weil er gerade 80 Jahre alt geworden war. Aber da das Datum des Todes (oder des Rücktritts, wie im Fall von 2013) entscheidend ist, konnte er dem noch beiwohnen und in dieser Wahl abstimmen. (Wie manche Beobachter berichteten, war dies eine großzügige Geste gegenüber Kardinal Kasper, dass Papst Benedikt XVI sich entschieden hatte, rechtzeitig zurückzutreten.)

Entschuldigung, Maike, aber ich denke, dass dies kein nebensächlicher Aspekt ist. Ist es da verwunderlich, dass so viele Katholiken unzufrieden geworden sind?

Kardinal Ratzinger, Papst „Emeritus‟ Benedikt – wie auch immer Sie sich nennen möchten – ich habe eine Frage, die ich wirklich gerne von Ihnen beantwortet hätte: Warum ist dieser Mann immer noch Kardinal? Warum ist er noch Bischof? Warum darf er sich immer noch „katholischer Theologe‟ nennen? Warum haben Sie – offensichtlich mit Absicht, sichergestellt, dass er in der Lage war das Konklave zu betreten um zu entscheiden, wer Ihr Nachfolger werden würde?

Will das sonst niemand wissen? Möchten wir nicht alle wissen, warum Hans Küng noch Priester ist? Warum wurde es Kardinal Mahony erlaubt, als angesehener Mann in den Ruhestand zu gehen? Warum wurde ein Mann wie Weakland, der aktive Homosexuelle, der seinen Ex-Lover ausbezahlte, nicht exkommuniziert? An welche Namen erinnern wir uns alle, ganz spontan? Mein eigener Bischof in Victoria, der Okkultist Remi de Roo, Seattles Raymond Hunthausen, Miamis Favalora, Rochesters Matthew Clark, Derek Worlock von Liverpool … manchmal frage ich mich, wie lange diese Liste sein wird, wenn das alles vorbei ist.

Seit fünfzig Jahren möchten Katholiken wissen, warum niemals etwas getan wurde, da diesen Wölfen im Episkopat erlaubt wurde, Jahr um Jahr fortzufahren, die Kirche zu attackieren. Warum haben wir diese intellektuell und moralisch kompromittierten Männer so oft gesehen, wie sie zu einem höheren Rang erhoben wurden, trotz der unglaublichen Frechheit [und] des Hasses wider den Katholischen Glauben?

Ende des „Regenschirm-Katholizismus‛‟

Ross Douthat von der New York Times ist unter denen die beginnen, diese Fragen zu stellen. Maike Hickson zitiert ihn, indem sie von dieser bizarren Situation schreibt – in der jeder der sogenannten „Sankt Gallen Mafia‟ Prälaten, einschließlich Kasper, sich offen für die faktische Abschaffung der Katholischen Morallehre einsetzt: „Es war charakteristisch für den faktischen Waffenstillstand der Kirche (zwischen Konservativen und Progressivisten), dass Johannes Paul II. selbst den meisten von ihnen ihre roten Birette gegeben hatte, [und] sie trotz ihrer Unstimmigkeit mit seinem restaurativen Ansatz [zu Kardinälen] erhob.‟

Wenn Journalisten über den Katholizismus sprechen, reden sie oft über einen Mann wie Kasper einer ist – wie seine Wikipediaseite es ausdrückt – „einer der Hauptfiguren des liberalen Flügels der katholischen Kirche.‟ Und dies soll vermutlich irgendeinen Sinn für Katholiken machen, es wird von uns erwartet, dies als die Realität unserer Zeit zu akzeptieren. Es gibt einen „liberalen Flügel‟ und einen „konservativen Flügel‟ und sie sind beide katholisch.

Steve Skojec sagte mir, dass unsere Bereitschaft, das ganze „Papst-Emeritus‟-Affentheater mitzumachen, ein Fehler war:

„Ich denke, das Problem ist, dass wir alle mit ihrem Fantasiespiel mitmachten, und wir hätten es nicht tun sollen.‟

In der Tat beginne ich darüber nachzudenken, dass die Bereitschaft der meisten Katholiken, mit dem ganzen Affentheater eines postkonziliaren Katholizismus‘ mitzumachen,  ein gravierender Fehler war. Indem wir mitmachten, indem wir vorgaben, dass wir „konservative Katholiken‟ in diesem Neuen Paradigma sein könnten, das auch „liberale Katholiken‟ einschließt, haben wir ihnen geholfen, einen der ungeheuerlichsten Betrügereien der Menschheit zu begehen.

Wegen dieser schizophrenen Haltung der Kirchenleitung seit 1965 sind wir nun dahin gekommen, die grundlegende Prämisse zu akzeptieren: Dass die Kirche ein „großer Regenschirm‟ mit viel Platz für Menschen aller persönlichen Meinungen ist, das solche Fragen wie [z. B. die] Liturgie Fragen des persönlichen „Geschmacks‟ sind … dass zwei Gegensätze beide katholische Wahrheit sein können.

Diese Schizophrenie ist das Modell, unter dem die „Konservativen‟ die ganze Zeit gearbeitet, und durch das sie einen Mann wie Joseph Ratzinger als „konservativen Streiter für die Rechtgläubigkeit‟ beurteilt haben. Was wurde dadurch erreicht? Es errichtete einen Schutz für die Männer von Kaspers Clique, und so konnten sie vor fünf Jahren ihren Mann auf den Thron Petri manövrieren.

Und genau so ist das Gerede über „Toleranz‟ und den „großen Regenschirm‟ nun vorbei und die Reinigung der treuen, gläubigen katholischen Ordensleute, Seminaristen, Priester und Akademiker hat begonnen. Wie es sein musste. Sie zumindest hegen nicht diesen ungesunden Widerspruch und verstehen – und sagen es vielfach laut –, dass das Neue Paradigma und die Katholische Kirche nicht dasselbe sind. Und ihre Neue Kirche ist die einzige, die übrig ist.

Fünf Jahrzehnte lang spielten wir das Anglikanische Spiel [d.h. alle Widersprüche integrieren zu wollen und Probleme auszusitzen Red.]; solange wir nicht darüber reden, gibt es kein Problem. Ottavianis Heiliges Offizium und die Schemata war der letzte Atemzug der alten Kirche – und wie de Lubac oben sagte, sie wurde von Joseph Ratzinger umgebracht. Wir hatten eine lange Pause, in denen die Päpste vorgaben, es habe sich nichts Wesentliches geändert, während die Institution um sie herum auf das Neue Paradigma herein fiel, bis das Papsttum das einzige war, was übrig blieb.

Eines der Dinge, die ich gesagt habe, ein verhüllter Segen und eine enorme Erleichterung, über die Ära Bergoglio ist, dass wir nun endlich die absurde Situation einer Wojtyla/Ratzinger-Ära hinter uns haben. Von uns wurde in all diesen Jahren erwartet vorzugeben, dass wir im „Neuen Frühling des II. Vatikanischen Konzils‟ seien, während wir zusahen, wie diese Wölfe in Schafspelzen die Schafe fraßen.

Nun können wir zumindest endlich aufhören vorzugeben, dass unter dem Neuen Paradigma der konziliaren Herrlichkeit doch alles prima sei. Für jene, die sich noch immer wundern: Bergoglio ist kein Schock, er ist nicht einmal eine Überraschung; er ist lediglich das logische Endresultat. Dieses Pontifikat ist keine Anomalie, es war das einzig mögliche Ergebnis, und es war so sehr das Werk Joseph Ratzingers wie Walter Kaspers.

Quelle:
https://remnantnewspaper.com/web/index.php/articles/item/3786-et-tu-benedict-some-final-thoughts-on-joseph-ratzinger

 

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Hilary White oder die katastrophal-benediktinische Wochenendbeilage

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In der Zeit als DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) noch Die Zeit las, um seine Deutschkenntnisse auf dem Laufenden zu halten, wunderte er sich über den Umfang dieser Wochenzeitschrift, sowie über die Leute, welche wirklich die Zeit haben innerhalb des Wochenendes oder der ganzen Woche Die Zeit wirklich zu lesen. Dies ist ihm auch mehrmals gelungen, da diejenigen, die während der Woche einen Lesehunger aufbauen sich am Wochenende auf Gedrucktes stürzen können. Wir planen zwar keine regelmäßigen Wochenendbeilagen, dennoch wollen wir ab und zu längere Texte am Samstag voröffentlichen. Und so präsentieren wir den ausgezeichneten Text von Hilary White, zu welchem unserer eigener Beitrag Kayfabe, Teamplayer und „der gute, alte Benedikt“ lediglich ein Vorwort bildete. Wir bringen es radikaler auf den Punkt, aber Hilary White gebührt der Anfangsruhm, da sie die ganze Vorarbeit geleistet hat.

Worum geht es?

Darum, dass wir endlich, liebes katholisches.info, mit der Benedikt-Legende aufräumen müssen. Es gab keinen konservativen „lieben“ Benedikt, es gab einen Progressiven, der im Jahre 1964 stehengeblieben ist und so zu einem „Konservativen“ wurde. „Konservativ“ bedeutet in diesem Kontext, rechts von Küng aus gesehen. Aber das ist noch längst nicht katholisch. Wenn Hilary White „Et tu, Benedicte“ titelt, so spielt sie sicherlich auf Cäsars letzte Worte an, der unter den Verrätern seinen Ziehsohn Brutus entdeckte und verwundert ausrief: „Und Du auch Brutus?“ Da dieses Et tu Brute in allen Lehrbüchern als ein Fallbeispiel des Vocativus angegeben wird, so geben wir hier mit deutscher Gründlichkeit den Vokativ Benedicte anstatt des englischen Benedict wieder, wie es im The Remantant steht, um jeglicher Vokativ-Missachtung vorzubeugen. Ja, ja, lieber Kinder, wenn ihr die lateinische Deklination schleifen lasst und nicht schön aufesst, dann kommt das Dritte Vatikanische Konzil!

Benedikt ist also ein Verräter?,

werden manche fragen.

Natürlich ist er das,

antworten wir. Wer sonst hat uns den Bergoglio beschert? Aber ein echter Benedikt-Fan findet immer Ausflüchte, wie die geschlagene Ehefrau, welche ihren Mann immer rechtfertigt, obwohl er sie schlägt, betrügt und das Geld versäuft.

Er ist so gut, war es, wollte es sein, wird es irgendwann vielleicht..…

Das typische Stockholm-Syndrom oder das Syndrom der geschlagenen Frau sind in der letzten Zeit auch bei männlichen Benedikt-Fans anzutreffen. Eine geschlagene Frau sieht einfach nicht ein, dass ihr Mann schlecht ist und sie verteidigt ihn nicht aus Angst noch zusätzlich verprügelt zu werden, sondern wirklich aus Liebe. Polizei ist da machtlos, weil diese Frauen die Anzeige mit einem zusätzlichen blauen Auge immer zurückziehen. Und was hat das mit Benedikt zu tun? Dieses, dass ein „bekennender Benedikt-Fan“ sich in einer völlig zerrissenen und widersprüchlichen Wirklichkeit befindet, weil er einerseits seinen „geliebten Benedikt“, lieber Herr Nardi, rechtfertigen muss, andererseits die Welt nicht versteht und immer tiefer in Glaubenszweifel gerät. Man muss einfach die Grundprämisse ändern. Benedikt war kein guter orthodoxer Konservativer. Er war immer ein progressiver Modernist, der gemäßigten Couleur und deswegen so gefährlich, weil wir ihm seinen Katholizismus abnahmen. Deswegen ist er wahrscheinlich gewählt worden, damit er mehr Seelen zugrunde richten kann. Deswegen unterstützt er immer noch Bergoglio. Hilary White hat Recht, indem sie schreibt, dass kein Mensch heutzutage die genuine, vorkonziliare katholische Theologie ausreichend kennt, um einen Ratzinger auseinandernehmen zu können. DSDZ traut sich das durchaus zu, aber er arbeitet wieder beruflich, hat wenig Zeit (wie bei Loriots Eheberatung „Psychologin: Herr Blöhmann, küssen Sie Ihre Gattin gelegentlich? Herr Blöhmann: Weniger. Es ist zeitlich immer ungünstig. Frau Blöhmann: Gott, Ich habe auch meinen Haushalt“) und zieht es vor etwas Positives und Produktives zu schreiben anstatt in diesem ganzen Ratzingerianismus herumzuwühlen. Was ist darin denn gut? Das, was traditionell ist. Den Rest kann man vergessen. Es ist so als würde ein Rapper in seine Samples Kunst der Fuge von Bach einflechten. Die Jugend, die keine Ahnung von Bach hat, würde dies „voll krass eh…“ finden „abgefahren“ oder was man sonst so sagt, dabei ist es Bach, der den Unterschied ausmacht und nicht der Rapper. Weil kaum ein Mensch die Theologie kennt, so glaubt man Menschen, die einigem sympathisch sind, dass sie einen zur Heiligkeit und Wahrheit leiten. Das ist nur verständlich, zumal der Leiter – Ratzinger – (a) berühmt, (b) deutsch, (c) im Vatikan mit Amt und Würde versehen (Bischof, Kardinal, Präfekt) und (d) Papst war und es immer noch ist. Sind das nicht genug Referenzen? Wenn man einem berühmten Theologen Papst, dem „Mozart der Theologie“ (hüstel, hüstel) nicht glauben kann, wem denn sonst? Einem anonymen Blogger, der unter dem Pseudonym DSDZ schreibt? Ja, wo kämen wir denn da hin?

Und dennoch sind die Taten von Ratzinger unerklärlich, wenn man seinen „Konservatismus“ annimmt. Sie sind hingegen völlig nachvollziehbar, wenn man mit der richtigen Prämisse (Ratzinger – Modernist) und unserer Kayfabe-Teamplayer-Theorie arbeitet. Wir gehen doch einige Schritte weiter als Hilary White. Sie meint, dass Ratzinger deswegen Ratschläge von Kardinal Martini annahm, weil es sich um „Kollegen“ handelte. Wir vermuten, dass Martini in der eigentlichen Machthierarchie höher als der Ratzinger-Papst stand und deswegen Benedikt befehlen oder etwas versteckt androhen konnte. Vielleicht ist der Satz: „Du hast die Kurie nicht reformiert“ nicht dahingehend zu deuten, dass Benedikt den Schmutz und die Effizient aus der Kurie nicht entfernte oder einfach formuliert:

Die haben dort tatsächlich Stricher und Kokain!

sondern die richtige Leseweise lautet:

Die haben dort tatsächlich zu wenig Stricher und zu wenig Kokain! Mach was dagegen!

Die bergoglianischen Reformen zeigen uns, worin die eigentliche „Reform der Kurie“ besteht. Und kein Monsignore muckt auf, da er wohl mit dem oben Dargestellten beschäftigt ist. Es ist wirklich keine Freude den Aufsatz von Hilary White zu lesen, doch er zeigt eine stringente Theorie, die Vieles, wenn nicht gar Alles erklärt. Wir müssen einfach aufwachen und kämpfen. Zuerst mit der eigenen Sentimentalität.

Kayfabe, Teamplayer und „der gute, alte Benedikt“

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Die jetzige Lage

Am Montag den 12.03.2018 brachte das Portal onepeterfive eine Nachricht, welche dem letzten Benedikt-Fan das Herz brechen wird. Unter Berufung auf mehrere, einander ergänzende Quellen gibt Maike Hickson, die Journalistin des Portals, bekannt, dass es Papa emeritus Benedikt XVI. war, welcher bei einem Mittagessen mit Kardinal Schönborn, während der unseligen Synode über die Familie im Jahre 2015, zusammentraf, um zwischen Schönborn und dem deutschsprachigen Gremium, welches erfolgreich die Kommunion für Ehebrecher pushte und Kardinal Müller, seinem Schüler, zu vermitteln. Kurz und gut: wir verdanken es Benedikt, dass Müller nicht intervenierte und später den Überraschten spielte. Benedikt hat uns also nicht nur den Papa Bergoglio, sondern auch Amoris Laetitia eingebrockt, welche von einem Mann veröffentlich wurde, dem Benedikt, der „Startheologe des Vat. II“, eine „gründliche philosophische und theologische Bildung“ zuerkennt. Nein, Sie sind nicht im falschen Film und dieser Brief ist auch keine Fälschung. Benedikt XVI. hat ihn tatsächlich geschrieben und weist darin selbst auf eine „innere Kontinuität“ zwischen den beiden Pontifikaten hin. Es gibt Benedikt-Fans da draußen, welche alle Argumente ablehnen werden, die gegen ihr Idol gehen, indem sie sagen werden:

  • „Dieser Brief ist nicht echt.“
  • „Man hat ihn gefälscht.“
  • „Der arme Benedikt fürchtet um sein Leben.“
  • „Er steht unter Drogen und weiß nicht, was er sagt.“
  • „Es ist ein göttliches Geheimnis, das wir, kleine Würmer, nicht ergründen können.“

Das stimmt aber alles nicht, denn wenn man den Verstand, eine große Gabe Gottes, einschaltet, dann lautet die konsistente Antwort auf all diese Ungereimtheiten so, dass Benedikt einfach selbst zu der modernistischen, kirchenzerstörerischen Mafia gehört, die Ansichten von Bergoglio teilt und selbst ein guter Teamplayer ist.

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Placuit Deo oder die Vorbereitung der Proskriptionslisten (2 von 3)

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Das dritte Kapitel von Placuit Deo ist ein Füllsel, dies bedeutet es enthält Wahrheiten mit Banalitäten vermischt, um den Leser einzulullen und irgendwie an den Inhalt zu gewöhnen und den kommenden Schlag zu vermindern. Wirklich alle nachkonziliaren Dokumente ab Sacrosanctum Concilium bis Amoris Laetitia haben diese Eigenschaft, dass sie äußerlich rechtgläubig wirken, aber den Worten und theologischen Begriffen eine andere Bedeutung beilegen. Das Lehramt vor Vat. II hat wirklich oft die verwendete Sprache als solche verurteilt (DH 2600, 3886 4871 2814 2876, 2913, 3139, 3140, 3894, 3499, 3879), welche in häretischer Absicht dazu führen sollte zu verwirren und zu verklausulieren oder zu „rahnerisieren“. So lesen wir Breve »Eximiam tuam« an den Erzbischof von Köln, 15. Juni 1857 bei der Verurteilung der Schriften Günthers:

Auch werden Wir nicht mit Schweigen übergehen, daß in den Büchern Günthers die gesunde s p r a c h l i c h e Form aufs schwerste verletzt wird, so als ob man die Worte des Apostels Paulus [2 Tim 1,13] oder jene vergessen dürfte, die Augustinus nachdrücklich zu bedenken gab: »Uns ist es heilige Pflicht, nach einer bestimmten Maßgabe zu reden, damit die Willkür bei den Worten nicht auch in Bezug auf die Sachen, die durch diese bezeichnet werden, eine gottlose Meinung erzeuge«. (DH 2831)

Aber die Meister der sprachlichen Verwirrung nach dem Motto: nach links blinken und nach rechts abbiegen waren natürlich die Modernisten, deren Ansatz in der Enzyklika Humani generis (1950) von Pius XII. verurteilt wurde. Die Unterstreichung stammt von Dem Schreiber Dieser Zeilen.

Was aber die Theologie betrifft, so ist es die Absicht mancher, die Bedeutung des Dogmas möglichst auszudünnen und das Dogma selbst von der in der Kirche seit langem gebräuchlichen Ausdrucksweise und von den bei den katholischen Lehrern geltenden philosophischen Begriffen frei zu machen, damit in der Darlegung der katholischen Lehre zur Redeweise der Heiligen Schrift und der heiligen Väter zurückgekehrt werde.

Sie hegen die Hoffnung, daß das Dogma, der Elemente entkleidet, die nach ihren Worten der göttlichen Offenbarung fremd sind, fruchtbar mit den Lehrmeinungen derer verglichen werden könne, die von der Einheit der Kirche getrennt sind, und daß man auf diesem Wege Schritt für Schritt zu einer gegenseitigen Angleichung des katholischen Dogmas und der Ansichten der Andersgläubigen gelangen könne. (DH 3881)

Außerdem behaupten sie, wenn die katholische Lehre in diese Verfassung gebracht sei, dann werde ein Weg geebnet, auf dem man den heutigen Erfordernissen Rechnung tragen und das Dogma auch in den Begriffen der heutigen Philosophie ausdrücken könne, sei es des »Immanentismus«, des »Idealismus«, des »Existentialismus« oder einer anderen Lehre. Manche behaupten noch kühner, dies könne und müsse auch deshalb geschehen, weil die Geheimnisse des Glaubens niemals – wie sie erklären – mit wahren Begriffen angemessen bezeichnet werden könnten, sondern nur mit sogenannten »approximativen« und immer veränderlichen Begriffen, durch die die Wahrheit zwar bis zu einem bestimmten Grade angezeigt, aber notwendigerweise auch umgestaltet werde. Deswegen, meinen sie, sei es nicht abwegig, sondern ganz und gar notwendig, daß die Theologie angesichts der verschiedenen Philosophien, deren sie sich im Laufe der Zeiten als ihrer Werkzeuge bedient, alte Begriffe durch neue ersetze, so daß sie zwar auf verschiedene und sogar in gewisser Hinsicht entgegengesetzte Weisen, die jedoch – wie sie sagen – dasselbe bedeuten, dieselben göttlichen Wahrheiten auf menschliche Weise wiedergebe. Sie fügen hinzu, daß auch die Geschichte der Dogmen in der Wiedergabe verschiedener und aufeinander folgender Gestalten bestehe, in die sich die geoffenbarte Wahrheit gehüllt habe, gemäß den verschiedenen Lehren und Auffassungen, die im Laufe der Jahrhunderte entstanden seien. (DH 3882)

Aus dem, was Wir sagten, wird aber deutlich, daß derartige Bemühungen nicht nur zu einem sogenannten dogmatischen »Relativismus« führen, sondern diesen schon tatsächlich zum Inhalt haben; und zwar fördert diesen die Verachtung der allgemein überlieferten Lehre und jener Ausdrücke, mit denen diese bezeichnet wird, mehr als genug.

Freilich gibt es niemanden, der nicht sähe, daß die Ausdrücke für derartige Begriffe, die sowohl in den Schulen als auch vom Lehramt der Kirche selbst verwendet werden, vervollkommnet und verfeinert werden könnten; und außerdem ist es bekannt, daß die Kirche bei der Verwendung derselben Ausdrücke nicht immer beständig war. Es ist auch klar, daß sich die Kirche nicht an jedes beliebige philosophische System binden kann, das nur eine kurze Zeitspanne Bedeutung hat: das aber, was in gemeinsamer Übereinstimmung von den katholischen Lehrern durch mehrere Jahrhunderte hindurch verfaßt worden ist, um zu einem Verständnis des Dogmas zu gelangen, stützt sich zweifellos nicht auf eine so hinfällige Grundlage.

Es stützt sich nämlich auf die Prinzipien und Begriffe, die aus der wahren Erkenntnis der geschaffenen Dinge abgeleitet wurden; und zwar leuchtete durch die Kirche bei der Ableitung dieser Erkenntnisse dem menschlichen Geist die von Gott geoffenbarte Wahrheit wie ein Stern. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß einige derartige Begriffe von den ökumenischen Konzilien nicht nur verwendet, sondern auch festgelegt wurden, so daß es nicht erlaubt ist, von ihnen abzuweichen.…

Die Verachtung der Ausdrücke und Begriffe aber, deren sich die scholastischen Theologen zu bedienen pflegen, führt von selbst zur Schwächung der sogenannten spekulativen Theologie, die ihrer Auffassung nach, da sie sich auf eine theologische Argumentation stütze, der echten Sicherheit entbehre.… (DH 3883)

In dem o.a. Zitat aus Humani generis finden Sie mehr theologische Inhalte als im Schrifttum des nachkonziliaren Lehramtes der letzten 10 Jahre. Sie müssen DSDZ aufs Wort glauben, wenn er sagt, dass bei der Lektüre der rechtgläubigen vorkonziliaren Theologie, in welcher Sprache auch immer, man mit präzisen Termini und einer präzisen Gedankenführung zu tun hat. Aber wir sind seit langem dermaßen daran gewöhnt, dass die Sprache der Theologie einem ungefähren, klebrigen, süßlich-emotionalen Irgendwas ähnelt, das weder Stringenz, noch Konsistenz oder Bedeutung hat, dass man sich irgendwie mulmig fühlt, ohne genau zu wissen, wo man sich vergiftet hat. Das Problem liegt einfach darin, dass wir keine katholischen also vorkonziliaren Texte kennen, da es sehr wenige vorkonziliar-katholisch denkende und schreibende Theologen gibt. Während aber Humani generis die Umkehrung der theologischen Wortbedeutungen anprangert, ist Placuit Deo dermaßen von theologischer Bedeutung frei, dass man wirklich nicht sein Pulver daran verschießen sollte. Es ist ein Rettet-die-Wale-Blah-Blah-Blah, wie halt unter Franziskus. Man weiß wirklich nicht, worüber man sich mehr in diesem dritten Kapitel wundern sollte: über dessen Banalität oder Horizontalismus, denn er handelt nur vom Diesseits mit Gott gleichsam als Sahneklecks. Ja, wir gehen ein. Es ist noch dürftiger als unter Johannes Paul II, noch dürftiger als bei Benedikt, wir sind bei Bergoglio angelangt. Diese intellektuelle Dürftigkeit der u.a. Zeilen ist wahrscheinlich, wie Ann Barnhardt und nicht nur diese vermutet der (homo-)sexuellen Aktivität ihrer Macher geschuldet, denn nichts zerstört sosehr den Intellekt und die übernatürliche Sicht der Dinge wie die Sünde der Unkeuschheit (luxuria).

III. Die menschliche Sehnsucht nach Heil

  1. Der Mensch erfährt sich direkt oder indirekt als ein Rätsel: Wer bin ich, der ich lebe, aber das Prinzip meines Daseins nicht in mir habe? [Alter existentialistischer Hut] Jede Person sucht auf ihre Weise das Glück und strebt danach, es durch den Einsatz der ihr zur Verfügung stehenden Mittel zu erlangen. Diese allgemeine Sehnsucht kommt aber nicht notwendig zur Sprache oder zum Ausdruck. [So?] Sie ist viel geheimer und verborgener, als es scheinen mag, sie zeigt sich vor allem in Situationen der Not. Sehr oft deckt sie sich mit der Hoffnung auf körperliche Gesundheit. Manchmal nimmt sie die Form der Sorge um größeren wirtschaftlichen Wohlstand an. Häufig zeigt sie sich im Wunsch nach innerem Frieden und unbeschwertem Zusammenleben mit dem Nächsten. Das Streben nach Heil zeigt sich als Mühen um ein höheres Gut, trägt aber immer wieder auch das Merkmal des Widerstands und der Überwindung des Schmerzes an sich. Zum Kampf um die Erlangung des Guten kommt das Mühen um Schutz vor dem Bösen: vor Unwissenheit und Irrtum, vor Gebrechlichkeit und Schwäche, vor Krankheit und Tod. [Das ist ein reiner Naturalismus und Horizontalismus]

  1. Im Blick auf diese Sehnsucht lehrt uns der Glaube an Christus, der jeden Anspruch auf Selbstverwirklichung zurückweist [Wer denn? Christus oder der Glaube? Stimmt aber nicht, denn sagt, dass es seine Speise ist den Willen des Vaters zu tun (Joh 4,34), seine Mission also seiner Natur entspricht und ebenso entspricht der Glaube der Natur des Menschen, der nach Gottes Bild und Abbild geschaffen wurde], dass sie ganz nur dann in Erfüllung gehen kann, wenn Gott selbst dies möglich macht und uns an sich zieht. Das wahre Heil des Menschen besteht nicht in Dingen, die er von sich aus erlangen könnte, wie etwa in Besitz oder materiellem Wohlstand, in Wissenschaft oder Technik, Macht oder Einfluss auf andere, gutem Ruf oder Selbstgefälligkeit.[1] Nichts Geschaffenes kann den Menschen ganz erfüllen, weil Gott uns zur Gemeinschaft mit ihm bestimmt hat und unser Herz ruhelos ist bis es ruht in ihm.[2]«In Wahrheit gibt es nur eine letzte Berufung des Menschen, die göttliche».[3] [Stimmt, aber nur wenn man die differentia specifica oder differentia ontologica berücksichtig. D.h. den Unterschied zwischen Gott als der Übernatur und dem Menschen und der Natur. Sonst kommt man zum gnostischen Schluss, dass der Mensch von sich aus göttlich ist.] Die Offenbarung beschränkt sich darum nicht darauf, das Heil als Antwort auf unsere jeweiligen Erwartungen zu verkünden. «Wenn die Erlösung nach den existentiellen Bedürfnissen der Menschen beurteilt oder gemessen werden müsste, wie könnte man dann den Verdacht zurückweisen, einfach einen Erlösergott geschaffen zu haben, der nach dem Bild unserer Bedürfnisse gemacht ist?».[4][Banaler Abklatsch Feuerbachs These, wonach sich der Mensch seinen Gott selbst schafft]

  2. Darüber hinaus muss bekräftigt werden, dass sich der Ursprung des Bösen [des personenhaften oder des metaphorisch-abstrakten Bösen?] nach dem biblischen [nicht katholischen?] Glauben nicht in der materiellen, körperlichen Welt findet, die als Begrenzung oder Gefängnis erfahren würde, woraus wir gerettet werden müssten. Der Glaube verkündet im Gegenteil, dass die ganze Welt gut ist, weil sie von Gott erschaffen wurde (vgl. Gen 1,31; Weish 1,13-14; 1Tim 4,4), und dass das Böse, das dem Menschen am meisten schadet, aus seinem Herzen kommt [und woher hat er es im Herzen, vom Dämon natürlich, der hier verschwiegen wird] (vgl. Mt 15,18-19; Gen 3,1-19). Durch die Sünde hat der Mensch die Quelle der Liebe verlassen. So verliert er sich in Scheinformen der Liebe, die ihn immer mehr in sich selbst verschließen. Diese Trennung von Gott – von dem, der die Quelle der Gemeinschaft [Gott des Kollektivismus?] und des Lebens ist – zerstört die Harmonie unter den Menschen sowie zwischen den Menschen und der Welt und führt zur Herrschaft der Zerrissenheit und des Todes [völliger Horizontalismus] (vgl. Röm 5,12). Das Heil, das der Glaube uns verkündet, betrifft deshalb nicht nur unser Inneres, sondern unser ganzes Menschsein [also Sex, das Kollektiv und wohl die Wale]. Die ganze Person, Leib und Seele, ist nämlich durch die Liebe Gottes nach seinem Bild und Gleichnis erschaffen, und sie ist berufen, in Gemeinschaft mit ihm zu leben. [da aber nach dem Tod nur die Seele bleibt, die in Ewigkeit gepeinigt werden kann, so ist es besser sich auf sie zu konzentrieren]

[1] Vgl. Thomas von aquin, Summa theologiae, I-II, q. 2.

[2] Vgl. Augustinus, Bekenntnisse, I, 1: Corpus Christianorum, 27,1.

[3] II. Ökumenisches Vatikanisches Konzil, Pastoralkonstitution Gaudium et spes, Nr. 22.

[4] Internationale Theologische Kommission, Gott der Erlöser. Zu einigen ausgewählten Fragen, 1995, Nr. 2.

Correctio filialis Nachtrag 1: Modernismus

Was ist der Hintergrund von Amoris Laetitia? Eine Häresie, natürlich. Welche denn? Die des Modernismus, welche diejenige Häresie darstellt, die im 20 Jhdt. vor dem Vat. II am häufigsten verurteilt wurde. So ist der Thematik des Modernismus mindestens 20% des Denzingers gewidmet, Modernismus, der im Dekret des Hl. Offizium Lamentabili (1907) (DH 3401-3466) und in der Enzyklika von Pius X. Pascendi (1907) (DH 3475-3500) ausdrücklich verurteilt wurde. Obwohl diese beiden Lehrschreiben sich ausdrücklich mit Modernismus befassen, so ist kaum ein magisterialer Akt nach 1907 vorhanden, der nicht auf die eine oder andere Art und Weise zu Modernismus Bezug nimmt. Eine zusammenfassende Verurteilung ist in der Enzyklika Humani generis (1950) vom Pius XII. (DH 3875-3899) vorhanden. Was ist aber der Modernismus wirklich? Es ist der Versuch die katholische Lehre so umzuändern, dass sie dem modernen Geist entspricht. Ist es nicht das, was das Konzil wollte? Praktisch ja, theoretisch nein. Es wollte angeblich nur die unveränderlichen Wahrheiten in einer modernen Sprache verkünden, was die unveränderlichen Wahrheiten so in Mitleidenschaft zog, das sie gleich mit verändert wurden. Eines der schockierendsten Erlebnisse im Leben des Schreibers dieser Zeilen war die Lektüre der Verurteilungen des 19 Jhdt. zusammen mit der Einsicht, dass all das, was verurteilt wurde, jetzt als richtig, wenigstens in der akademischen Welt, gelehrt wird. So werden also unsere Priester ausgebildet, damit sie ja nicht daran glauben, was sie vorgeben zu glauben. Der Modernismus hat das nachkonziliare Lehramt auch unterspült, aber erst durch Amoris Laetitia ist er zum Ausbruch gekommen. Da die Lüge keine Kraft hat und niemanden überzeugt, deswegen sieht der Zustand unserer Kirche, unserer Gemeinden und unserer Geistlichen so aus, wie er aussieht. Eine Kostprobe gefällig. Hier ein verurteilter Satz aus dem Lamentabili (1907):

41. Die Sakramente bezwecken lediglich, die stets wohltuende Gegenwart des Schöpfers ins Gedächtnis des Menschen zurückzurufen. (DH 3441)

Ist es nicht das, was Sie jetzt in der Kirche hören und was die Tischmütter den Firmlingen erzählen? Natürlich ist es das.

Was sind die drei Säulen des Modernismus? Es sind:

  1. Die Leugnung der objektiven Wirklichkeit Gottes.
  2. Die Leugnung der Offenbarung Gottes und ihrer Unveränderlichkeit.
  3. Die Leugnung der Dogmen, der Sakramente, der Kirche und ihrer göttlichen Verfassung.

ad 1.

Der Modernismus geht nicht von der Realität Gottes außerhalb des Menschen aus, sondern er sieht Gott als „einen frommen Wunsch“, „ein Gefühl“, „Postulat der praktischen Vernunft“, „eine eingeborene Fähigkeit im Menschen“ an. Es „gottet“ also überall, weil wir so gebaut sind, weil wir dieselbe Sehnsucht in uns tragen, weil Gott eine schöne Vorstellung ist, etc.. An was wir aber glauben, ist schnuppe, sei es Christus, Allah, Buddha, Krischna etc., denn diese Unterschiede sind kulturell bedingt. Gott ist ein Placebo-Effekt für Leute, die es brauchen und bereit sind für diese Wunschvorstellung Kirchensteuer zu zahlen oder dort, wo es diese nicht gibt, einen Priester, pardon, Showmaster, zu auszuhalten, der ihnen diese Vorstellung in der wöchentlichen Show, auch Novus Ordo Messe genannt, vermittelt.

ad 2.

Weil es keinen objektiv und real existierenden Gott gibt, so kann er sich selbst nicht geoffenbart haben. Die Offenbarung machten sich die Menschen selbst, indem sie irgendetwas schrieben, das sie vorher ausdachten, um die schöne Vorstellung, die sie „Gott“ nannten, irgendwie zu begründen. Weil alles ausgedacht wurde, so kann sich auch alles „kulturell bedingt“ ändern.

ad 3.

Weil es keine Offenbarung und keine Gebote des nichtsexisiterenden Gottes gibt, so gibt es natürlich keine unveränderlichen Dogmen, sondern sie wurden „damals, für die damalige Zeit so konstruiert, damit diese dummen, zurückgebliebenen Menschen, die nichts Besseres zu tun hatten, irgendwas mit sich selbst anfangen konnten“. Sakramente sind Brimborium, damit die Kleriker, die dafür bezahlt werden, irgendein Hokus-Pokus  veranstalten können und die Familienfeier wie Taufe, Heirat, Begräbnis schöner sind. Sakramente wirken manchmal bei denen, die daran glauben als Placebo-Effekt oder ihre Wirkung ist zufällig, ohne dass da ein Zusammenhang besteht. Die Veränderlichkeit gilt natürlich auch für die Kirche, die keine Gott gegebene Verfassung hat, sondern nach Belieben verändert werden kann, weil es nur ein soziales Konstrukt ist.

Die Punkte 1. bis 3. werden mindestens seit 1965 auf den katholischen Fakultäten unterrichtet, obwohl sie weniger direkt formuliert werden. Das erste, was ein Theologe lernt, ist seine eigene Sprache zu verschleiern, um so zu reden, dass seine Aussage nach allen Seiten hin offen bleibt. Ein gutes Beispiel dafür ist der Privatdozent der katholischen Fakultät an der Uni Bonn, Klaus Obenauer, der aus unerklärlichen Gründen als die „konservative Stimme“ bei katholisches.info veröffentlicht wird. Versuchen Sie bitte diesen Text (a) zu Ende zu lesen und (b) zu sagen, was der Autor meint. Für Menschen, die (a) überhaupt schaffen, sollte ein Preis gestiftet werden, (b) ist hingegen nicht möglich, weil der Autor es selbst nicht weiß. Und das ist auch eine der Auswirkungen des Modernismus, dass diejenigen, die sogar etwas Katholisches sagen wollen, es nicht mehr können, weil sie in dieser verklausulierten Sprachen, deren sie sich seit Jahrzehnten bedienen, untergehen, denn die Form wurde zur Materie.

Die unten angeführte Erklärung der Correctio filialis betrifft nur den zweiten Punkt des Modernismus, dh. die Leugnung der Offenbarung, was konsequenterweise dazu führt, dass die Worte Gottes:

„Du sollst nicht ehebrechen!“

und die Worte Christi:

„Wer und wer eine Frau heiratet, die aus der Ehe entlassen worden ist, begeht Ehebruch“ (Mt 5, 32).

für nicht mehr relevant gehalten werden, denn seit Amoris Laetitia machen wir uns unserere Religion selbst. Wem die unten ausgeführte Erklärung zu lang und zu kopflastig ist, denn sie ist sehr substantiell, kann hier zu lesen aufhören.

 

Erklärung

Um unsere Correctio zu erklären und eine Verteidigung gegen die Ausbreitung der Irrtümer zu verfassen, möchten wir die Aufmerksamkeit auf zwei generelle Quellen des Irrtums lenken, die uns Vehikel der Häresien scheinen, die wir angeführt haben. Wir sprechen vor allem von einem falschen Verständnis der göttlichen Offenbarung, die generell mit dem Namen Modernismus bezeichnet wird, aber auch von den Lehren Martin Luthers.

  1. Das Problem des Modernismus

Das katholische Verständnis der göttlichen Offenbarung wird von zeitgenössischen Theologen häufig geleugnet und diese Leugnung hat bezüglich der Natur der göttlichen Offenbarung und des Glaubens zu einer grassierenden Verwirrung unter den Katholiken geführt. Um jedes Missverständnis zu vermeiden, das aufgrund dieser Verwirrung entstehen könnte, und um zu rechtfertigen, was wir bezüglich der Verbreitung von Häresien in der Kirche behaupten, werden wir das katholische Verständnis der göttlichen Offenbarung und des Glaubens, das wir diesem Dokument zugrunde gelegt haben, beschreiben.

Diese Beschreibung ist auch notwendig, um auf die Stellen in Amoris laetitia zu antworten, in denen gesagt wird, dass man den Lehren Christi und des kirchlichen Lehramtes zu folgen habe. Diese Stellen sind folgende:

„Selbstverständlich ist in der Kirche eine Einheit der Lehre und der Praxis notwendig“ (AL, 3). „In Treue zur Lehre Christi betrachten wir die Wirklichkeit der heutigen Familie in ihrer ganzen Komplexität“ (AL, 32). „In diesem Sinn gilt es, die Enzyklika Humanae vitae (vgl. 10–14) und das Apostolische Schreiben Familiaris consortio (vgl. 14, 28–35) wiederzuentdecken“ (AL, 222). „Die Worte des Meisters (vgl. Mt 22,30) und die des heiligen Paulus (vgl. 1 Kor 7,29–31) über die Ehe sind – nicht zufällig – in die letzte und endgültige Dimension unseres Lebens eingefügt, die wir wiedergewinnen müssen“ (AL 325).

Diese Stellen könnten als Versicherung gesehen werden, dass nichts in Amoris laetitia zur Verbreitung von Irrtümern beiträgt, die der katholischen Lehre widersprechen. Eine Beschreibung der wahren Natur der Zustimmung zur katholischen Lehre ist daher nützlich, um unsere Position zu erklären: Amoris laetitia trägt wirklich dazu bei, diese Irrtümer zu verbreiten.

Folgende Wahrheiten, die von der Heiligen Schrift, der heiligen Tradition, dem universalen Konsens der Väter und des Lehramtes der Kirche gelehrt werden, bieten die Zusammenfassung der katholischen Lehre über den Glauben, die göttliche Offenbarung, die Unterweisung durch das unfehlbare Lehramt und die Häresie:

    1. Die Evangelien von Matthäus, Markus, Lukas und Johannes, deren historischer Charakter von der Kirche ohne Zögern behauptet wird, vermitteln getreu, was Jesus Christus während seines Lebens unter den Menschen wirklich für ihr ewiges Seelenheil bis zum Tag seiner Himmelfahrt getan und gelehrt hat.9

    2. Jesus Christus ist wahrer Gott und wahrer Mensch. Folglich sind alle seine Lehren von Gott selbst.10

    1. Alle Propositionen, die im katholischen Glauben enthalten sind, sind von Gott mitgeteilte Wahrheiten.11

    2. Indem wir zustimmend an diese Wahrheiten glauben, also mit einem Akt der göttlichen Tugend des Glaubens, glauben wir dem Zeugnis dessen, der spricht. Das göttliche Glaubensbekenntnis ist eine besondere Form der generellen intellektuellen Aktivität, indem wir an eine Proposition glauben, weil sie von dem behauptet wird, der spricht, und weil der, der spricht bezüglich der Behauptung, die er äußert, für glaubwürdig gehalten wird. Im göttlichen Glaubensbekenntnis glaubt man Gott, der spricht, und Ihm wird geglaubt, weil Er Gott ist und daher glaubwürdig.12

    1. An das göttliche Zeugnis zu glauben, unterscheidet sich vom Glauben an das Zeugnis der Menschen, die nicht göttlich sind, weil Gott allwissend und vollkommen gut ist. Folglich kann Er weder lügen noch betrügen. Daher ist es unmöglich, dass das göttliche Zeugnis falsch ist. Weil die Wahrheiten des katholischen Glaubens uns von Gott mitgeteilt sind, ist die gläubige Zustimmung zu ihnen eine Gewissheit. Ein katholischer Gläubiger hat keinen vernünftigen Grund, auch nur eine dieser Wahrheit zu bezweifeln oder nicht an sie zu glauben.13

    2. Die menschliche Vernunft kann von sich aus die Wahrheit des katholischen Glaubens durch die öffentliche Evidenz des göttlichen Ursprungs der Katholischen Kirche erkennen, aber eine solche Überlegung kann keinen Glaubensakt hervorbringen. Die göttliche Tugend des Glaubens und der Glaubensakt können nur durch die göttliche Gnade hervorgebracht werden. Ein Mensch, der diese Tugend besitzt, der aber aus freien Stücken und bewusst entscheidet, nicht an eine Wahrheit des katholischen Glaubens zu glauben, begeht eine Todsünde und verliert das ewige Leben. 14

    1. Die Wahrheit einer Proposition besteht darin, von dem, was ist, auszusagen, daß es ist. Scholastisch ausgedrückt handelt es sich um eine adaequatio rei et intellectus. Jede Wahrheit ist eine solche, unabhängig davon, von wem oder wann oder unter welchen Umständen sie als solche erfasst wird. Keine Wahrheit kann einer anderen Wahrheit widersprechen.15

    2. Der katholische Glaube behandelt die ganze Wahrheit von Gott nicht erschöpfend, da allein der göttliche Intellekt das göttliche Sein vollständig erfassen kann. Dennoch ist jede Wahrheit des katholischen Glaubens völlig und ganz wahr; die Merkmale der Wirklichkeit, die von dieser Wahrheit formuliert werden, entsprechen genau jenen, die diese Wahrheiten selbst darstellen. Es gibt keinen Unterschied zwischen dem Inhalt der Glaubenslehre und den Dingen, so wie sie sind.16

    1. Das göttliche Sprechen, das die Wahrheiten des katholischen Glaubens mitteilt, ist in menschlicher Sprache ausgedrückt. Der inspirierte hebräische und griechische Text der Heiligen Schriften ist selbst in allen seinen Teilen durch Gott ausgedrückt. Es handelt sich nicht um eine bloße Zusammenfassung durch Menschen oder um eine Interpretation der Göttlichen Offenbarung, und kein Teil ist in seiner Bedeutung nur auf menschliche Ursachen zurückzuführen. Indem wir an die Lehre der Heiligen Schrift glauben, glauben wir direkt Gott selbst. Wir glauben dem, was Gott sagt, indem wir uns auf das Zeugnis von jemand anderem stützen, einer nichtgöttlichen Person oder Menschen im allgemeinen.17

    1. Wenn die Kirche unfehlbar lehrt, dass eine Proposition ein göttlich offenbarter Teil des katholischen Glaubens ist und mit Glaubenszustimmung zu glauben ist, glauben die Katholiken, die dieser Lehre ihre Zustimmung geben, an das, was Gott mitgeteilt hat, und sie glauben daran aufgrund der Tatsache, dass Er es gesagt hat.18

    2. Die Sprachen, in denen die Göttliche Offenbarung ausgedrückt ist, und die Kulturen und die Geschichte, die diesen Sprachen Form gegeben haben, schränken weder etwas von der in ihnen ausgedrückten Göttlichen Offenbarung ein noch verzerren sie etwas oder fügen etwas hinzu. Kein Teil oder Aspekt der Heiligen Schrift oder der unfehlbaren Lehre der Kirche ist, was den Inhalt der Göttlichen Offenbarung betrifft, nur das Produkt der Sprache oder der historischen Umstände, in denen sie ausgedrückt wurden, und nicht des Handelns Gottes, der die Wahrheit mitteilt. Daher kann kein Teil des Inhaltes der kirchlichen Lehre ab- geändert oder abgelehnt werden, weil er ein Produkt der historischen Umstände und nicht der Göttlichen Offenbarung wäre.19

    1. Die lehramtliche Unterweisung der Kirche nach dem Tod des letzten Apostels muss als ein Ganzes verstanden und geglaubt werden. Es ist nicht in ein Lehramt der Vergangenheit und ein gegenwärtiges oder „lebendiges“ Lehramt aufgespalten, das eine vorherige lehramtliche Aussage nach Belieben ändern könnte.20

    2. Der Papst, der die höchste Autorität der Kirche besitzt, ist selbst – nach göttlichem und kirchlichem Gesetz – nicht von der Autorität der Kirche ausgenommen. Er ist daran gebunden, die endgültige Lehre seiner Vorgänger im Papstamt zu akzeptieren und zu vertreten.21

    1. Eine häretische These ist eine Proposition, die einer göttlich offenbarten und im katholischen Glauben enthaltenen Wahrheit widerspricht.22

    2. Die Sünde der Häresie wird von einer Person begangen, die über die göttliche Tugend des Glaubens verfügt, sich aber willentlich und bewusst entscheidet, nicht an eine katholische Glaubenswahrheit zu glauben oder sie zu bezweifeln. Diese Person begeht eine Todsünde und verliert das ewige Leben. Das Urteil der Kirche über die persönliche Sünde der Häresie wird allein vom Priester im Bußsakrament ausgeübt.23

    3. Das Verbrechen der Häresie wird gemäß Kirchenrecht begangen, wenn ein Katholik:

• öffentlich eine oder mehrere Wahrheiten des katholischen Glaubens bezweifelt oder leugnet, oder öffentlich seine Zustimmung zu einer oder mehreren katholischen Glaubenswahrheiten verweigert, aber nicht alle diese Wahrheiten bezweifelt oder leugnet, oder die Existenz der christlichen Offenbarung leugnet;

in seiner Leugnung hartnäckig ist. „Hartnäckig“ meint, dass die fragliche Person weiterhin öffentlich eine oder mehrere katholische Glaubenswahrheiten bezweifelt oder leugnet, nachdem sie von der zuständigen kirchlichen Autorität ermahnt wurde, dass ihr Zweifel oder ihre Leugnung die Ablehnung einer Glaubenswahrheit bedeu- tet, dass sie ihren Zweifel oder ihre Leugnung aufgeben muss, und die betreffende Wahrheit von dieser Person selbst öffentlich als von Gott geoffenbart zu bekennen ist 24.

(Diese Beschreibungen der persönlichen Sünde der Häresie und des Ver- brechens der Häresie gemäß dem Kirchenrecht werden einzig mit dem Zweck dargestellt, sie vom Gegenstand unserer Zurechtweisung auszuschließen. Un- sere Sorge ist es allein, die durch Worte, Taten und Unterlassungen Eurer Heiligkeit verbreiteten häretischen Thesen aufzuzeigen. Wir haben weder die Zuständigkeit noch die Absicht, die kanonische Frage der Häresie aufzugreifen.)

Fußnoten:

9Clemens VI, Super quibusdam, Brief an Mekhitar, Katholikos der Armenier, quæstio 14 (DH 1065): „Ob Du geglaubt hast und glaubst, daß das Neue und Alte Testament in allen Büchern, die uns die Autorität der Römischen Kirche überliefert hat, in allem die unzweifelhafte Wahrheit enthält.“

Zweites Vatikanisches Konzil, Dei verbum, 18–19: „Denn was die Apostel nach Christi Gebot gepredigt haben, das haben später unter dem Anhauch des Heiligen Geistes sie selbst und Apostolische Männer uns als Fundament des Glaubens schriftlich überliefert: das viergestaltige Evangelium nach Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Unsere heilige Mutter, die Kirche, hat entschieden und unentwegt daran festgehalten und hält daran fest, daß die vier genannten Evangelien, deren Geschichtlichkeit sie ohne Bedenken bejaht, zuverlässig überliefern, was Jesus, der Sohn Gottes, in seinem Leben unter den Menschen zu deren ewigem Heil wirklich getan und gelehrt hat bis zu dem Tag, da er aufgenommen wurde (vgl. Apg 1,1–2).“

Siehe auch: Lk 1,1–4; Joh 19,35; 2 Petr 1,16; Pius IX., Syllabus, 7; Leo XIII., Providen- tissimus Deus, ASS 26 (1893–94) 276–77; Pius X., Lamentabili sane, 13–17;Praestantia Scripturae ASS 40 (1907), 724ff.

101 Joh 5,10: „Wer an den Sohn Gottes glaubt, trägt das Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, macht ihn zum Lügner […].“

Konzil von Chalkedon, Definition, (DH 301): „In der Nachfolge der heiligen Väter also lehren wir alle übereinstimmend, unseren Herrn Jesus Christus als ein und denselben Sohn zu bekennen: derselbe ist vollkommen in der Gottheit und derselbe ist vollkommen in der Menschheit; derselbe ist wahrhaft Gott und wahrhaft Mensch aus vernunftbegabter Seele und Leib; derselbe ist der Gottheit nach dem Vater wesensgleich und der Menschheit nach uns wesensgleich […]“.

Zweites Vatikanisches Konzil, Dei verbum 4: „Nachdem Gott viele Male und auf viele Weisen durch die Propheten gesprochen hatte, ‚hat er zuletzt in diesen Tagen zu uns gesprochen im Sohn‘ (Hebr 1,1-2). Er hat seinen Sohn, das ewige Wort, das Licht aller Menschen, gesandt, damit er unter den Menschen wohne und ihnen vom Innern Gottes Kunde bringe (vgl. Joh 1,1-18). Jesus Christus, das fleischgewordene Wort, als ‚Mensch zu den Menschen gesandt (3), „redet die Worte Gottes’ (Joh 3,34)“.

Siehe auch: Mt 7,29; Mt 11,25–27; Mk 1,22; Lk 4,32; Joh 1,1–14; Pius X., Lamentabili sane, 27.

11Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, 3. Kap.: „Dieser Glaube, der Anfang des menschlichen Heiles, ist nach der Lehre der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend, kraft deren wir, unter Anregung und Mithilfe der Gnade Gottes, alles für wahr halten, was Gott geoffenbart hat“.

Pius X., Lamentabili sane, 22 (verurteilte Thesen): „Die Dogmen, welche die Kirche als Offenbarungen hinstellt, sind keine vom Himmel gefallenen Wahrheiten […]“

Siehe auch: 1 Thess 2,13; Pius X., Lamentabili sane, 23–26; Pascendi dominici gregis, ASS 40 (1907) 611; Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae, 24. Juni 1973.

12Joh 3,11: „Amen, amen, ich sage dir: Was wir wissen, davon reden wir, und was wir gesehen haben, das bezeugen wir, und doch nehmt ihr unser Zeugnis nicht an“.

Joh 14,6: „Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben“.

Joh 5,9–10: „Wenn wir von Menschen ein Zeugnis annehmen, so ist das Zeugnis Gottes gewichtiger; denn das ist das Zeugnis Gottes: Er hat Zeugnis abgelegt für seinen Sohn. Wer an den Sohn Gottes glaubt, trägt das Zeugnis in sich. Wer Gott nicht glaubt, macht ihn zum Lügner […]“

Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 3, Can. 2 (DH 3032): „Wer sagt, der göttliche Glaube unterscheide sich nicht vom natürlichen Wissen über Gott und die sittlichen Dinge, und deswegen sei es für den göttlichen Glauben nicht erforderlich, daß die geoffenbarte Wahrheit wegen der Autorität des offenbarenden Gottes geglaubt werde: der sei mit dem Anathema belegt“.

Pius X., Lamentabili sane, 26 (verurteilte These): „Die Glaubenssätze sind nur nach ihrem praktischen Sinn zu betrachten, d. h. als verpflichtende Richtschnur für das Handeln, nicht jedoch als Richtschnur für den Glauben“.

Pius X., Motu proprio Sacrorum antistitum, Antimodernisteneid, AAS 2 (1910), 669–672, (DH 3542): „Als ganz sicher halte ich fest und bekenne aufrichtig, dass der Glaube nicht ein blindes religiöses Gefühl ist, das aus dem Dunkel des Unterbewusstseins im Drang des Herzens und aus der Neigung des sittlich geformten Willens entspringt, sondern dass er eine wahre Zustimmung des Verstandes zu der von außen durch Hören empfangenen Wahrheit ist, durch die wir auf die Autorität Gottes des Allwahrhaftigen hin für wahr halten, was uns vom persönlichen Gott, unserm Schöpfer und Herrn, gesagt, bezeugt und geoffenbart worden ist“.

Siehe auch: Joh 8,46; 10,16; Röm 11,33; Hebr 3,7; 5,12; Pius IX., Qui pluribus, Acta (Rom 1854) 1/1,6–13; Syllabus, 4–5; Pius X., Lamentabili sane, 20; Pascendi dominici gregis, AAS 40 (1907) 604ff; Johannes Paul II., Erklärung über die Einzigkeit und die Heilsuniversalität Jesu Christi und der Kirche, Dominus Iesus, 7.

13Num 23,19: „Gott ist kein Mensch, der lügt“.

Pius IX.,Qui pluribus (DH 2778): „Wer wüßte nämlich nicht oder könnte verkennen, daß Gott, wenn er spricht, aller Glaube entgegenzubringen ist, und daß nichts mit der Vernunft selbst mehr übereinstimmt, als dem zuzustimmen und getreu anzuhangen, von dem feststeht, daß es von Gott geoffenbart wurde, der weder sich täuschen und täuschen kann?“

Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, 3. Kap., 16: „Dieser Glaube, der Anfang des menschlichen Heiles, ist nach der Lehre der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend, kraft deren wir, unter Anregung und Mithilfe der Gnade Gottes, alles für wahr halten, was Gott geoffenbart hat und zwar nicht, weil wir im natürlichen Licht der Ver- nunft die innere Wahrheit des Sachverhaltes durchschauen, sondern auf die Autorität des offenbarenden Gottes hin, der weder selber irren noch andere in Irrtum führen kann“.

Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 3, Can. 6: „Wer sagt, die Lage der Gläubigen und derer, die noch nicht zum einzig wahren Glauben gelangt sind, sei gleich, so daß Katholiken einen triftigen Grund haben können, den Glauben, den sie unter dem Lehramt der Kirche schon angenommen haben, nach Aufhebung der Zustimmung in Zweifel zu ziehen, bis sie einen wissenschaftlichen Beweis für die Glaubwürdigkeit und Wahrheit ihres Glaubens erbracht haben: der sei mit dem Anathema belegt“.

Zweites Vatikanisches Konzil, Lumen gentium, 12: „Die Gesamtheit der Gläubigen, welche die Salbung von dem Heiligen haben (vgl. 1 Joh 2,20.27), kann im Glauben nicht irren.“

Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae über die Unfehlbarkeit, Nr. 4 (DH 4538): „Alle Dogmen aber müssen, da sie ja offenbart sind, mit dem gleichen göttlichen Glauben geglaubt werden“.

Siehe auch: Apg 3,14; Innozenz XI., Verurteilte Sätze der „Laxisten“, 20–21, (DH 2120–2121); Pius IX., Syllabus, 15–18; Pius X., Lamentabili sane, 25.

14Mk 16,20: „Sie aber zogen aus und predigten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte die Verkündigung durch die Zeichen, die er geschehen ließ“.

Kor 3,5: „Doch sind wir dazu nicht von uns aus fähig, als ob wir uns selbst etwas zuschreiben könnten; unsere Befähigung stammt vielmehr von Gott.“

1 Petr 3,15: „Haltet in eurem Herzen Christus, den Herrn, heilig! Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt“.

Tit 3,10–11: „Wenn du einen Sektierer einmal und ein zweites Mal ermahnt hast, so meide ihn. Du weißt, ein solcher Mensch ist auf dem verkehrten Weg; er sündigt und spricht sich selbst das Urteil“.

Off 22,19: „Und wer etwas wegnimmt von den prophetischen Worten dieses Buches, dem wird Gott seinen Anteil am Baum des Lebens und an der heiligen Stadt wegnehmen, von denen in diesem Buch geschrieben steht“.

Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 3: „Trotzdem soll unser Glaubensgehorsam ein vernunftgemäßer sein (vgl. Röm 12,1). Darum hat Gott gewollt, dass mit den inneren Gnadenhilfen des Heiligen Geistes auch äußere Beweise seiner Offenbarung sich verbinden: nämlich gottgewirkte Taten, vor allem Wunder und Weissagungen. Als sprechende Zeugnisse für Gottes Allmacht und unendliches Wissen sind sie die sichersten Kennzeichen göttlicher Offenbarung, und außerdem der Fassungskraft aller angemessen. Deshalb haben schon Moses und die Propheten, namentlich aber Christus der Herr selbst zahlreiche und völlig einwandfreie Wunder und Prophezeiungen getan [. . . ]

Damit wir nun der Pflicht nachkommen können, den wahren Glauben anzunehmen und darin standhaft auszuharren, hat Gott durch seinen eingeborenen Sohn die Kirche gegründet, und sie mit offenkundigen Merkmalen als seine Stiftung ausgezeichnet in der Absicht, damit alle imstande wären, sie als Hüterin und Lehrerin der Offenbarung zu erkennen. Denn auf die katholische Kirche allein bezieht sich all das, was Gottes Vorsehung in solcher Fülle und mit solch wunderbarer Macht gewirkt hat, um die Glaubwürdigkeit der christlichen Religion ganz einleuchtend zu machen.

Die Zustimmung zum Glauben ist demnach durchaus keine blinde Regung des Gemütes. Aber es kann anderseits auch niemand der Verkündigung des Evangeliums so beistimmen, wie es zur Erlangung des Heils notwendig ist, ohne die Erleuchtung und Anregung des Heiligen Geistes, der allen die Annahme der Wahrheit leicht und angenehm macht (Zweite Synode von Orange, Can. 7). So ist denn der Glaube schon an und für sich, auch wenn er sich nicht durch die Liebe betätigt, ein Geschenk Gottes, und der Glaubensakt ist eine Tat, die mit dem Heil in enger Verbindung steht“.

Siehe auch: Zweite Synode von Orange, Can. 7; Innozenz XI., Verurteilte Sätze der „Laxisten“, 20–21; Gregor XVI., Thesen von Louis-Eugène Bautain unterschrieben, 6 (DH 2756); Pius IX., Syllabus, 15–18; Pius X., Pascendi dominici gregis, ASS 40 (1907) 596–597; Id., Motu proprio Sacrorum antistitum, Antimodernisteneid, AAS 2 (1910), (DH 3539); Pius XII., Humani generis, AAS 42 (1950) 571.

15Zweites Vatikanisches Konzil, Gaudium et spes, 15: „In Teilnahme am Licht des göttlichen Geistes urteilt der Mensch richtig, daß er durch seine Vernunft die Dingwelt überragt“. Johannes Paul II., Fides et ratio, 27: „An und für sich erscheint jede Wahrheit, auch Teilwahrheit, wenn sie wirklich Wahrheit ist, als universal. Was wahr ist, muß für alle und für immer wahr sein“.

Johannes Paul II., Fides et ratio, 82: „Daher gilt eine zweite Forderung: Überprüfung der Fähigkeit des Menschen, zur Erkenntnis der Wahrheit zu gelangen; eine Erkenntnis übrigens, die zur objektiven Wahrheit gelangt durch jene adaequatio rei et intellectus, auf die sich die Gelehrten der Scholastik beziehen“.

Siehe auch: Pius XII., Humani generis, AAS 42 (1950) 562–563, 571–572, 574–575; Johannes XXIII., Ad Petri cathedram, AAS 1959 (51) 501–502; Johannes Paul II., Fides et ratio, 4–10, 12–14, 49, 54, 83–85, 95–98.

161 Kor 2,9–10: „Nein, wir verkündigen, wie es in der Schrift heißt, was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott denen bereitet hat, die ihn lieben. Denn uns hat es Gott enthüllt durch den Geist. Der Geist ergründet nämlich alles, auch die Tiefen Gottes“.

1 Kor 2,12–13: „Wir aber haben nicht den Geist der Welt empfangen, sondern den Geist, der aus Gott stammt, damit wir das erkennen, was uns von Gott geschenkt worden ist. Davon reden wir auch [. . . ]“.

Pius XII., Humani generis (DH 3882–3883): „Es könne und müsse das deshalb auch geschehen, behaupten einige mit einiger Kühnheit, weil die Geheimnisse des Glaubens sich niemals in Begriffe fassen lassen, die vollständig der Wahrheit entsprechen, sondern nur in Ausdrücken, die ’annäherungsweise’ wahr, und ständig Veränderungen unterworfen sind; diese deuten die Wahrheiten zwar einigermaßen, gestalten sie aber auch notwendigerweise um. Darum halten sie es nicht für abwegig, sondern für durchaus notwendig, dass die Theologie entsprechend den verschiedenen Philosophien, deren sie sich im Laufe der Zeit als Instrument bedient, neue Begriffe an die Stelle der alten setze, so dass sie auf verschiedene Weise, die unter sich sogar in gewissem Sinn im Widerspruch stehen, aber, wie sie sagen, das gleiche bedeuten, die gleichen göttlichen Wahrheiten in menschlicher Art ausdrücken.. [. . . ] Die bisherigen Ausführungen zeigen deutlich, dass diese Versuche nicht nur zum sogenannten dogmatischen ‚Relativismus‘ führen, sondern ihn bereits enthalten [. . . ]“.

Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae über die Unfehlbarkeit, Nr. 5, DH 454k0: „Der Sinn der dogmatischen Formeln selbst aber bleibt in der Kirche immer wahr und konstant, wenn er auch mehr erhellt und vollständiger erkennt wird. Die Christgläubigen müssen sich also von der Meinung abwenden, nach der: Erstens die dogmatischen Formeln (oder gewisse Arten von ihnen) die Wahrheit nicht bestimmt, sondern nur veränderlich approximativ bezeichnen und dabei verunstalten oder verändern; zweitens die Wahrheit nur unbestimmt bezeichnen, die man  ständig durch die genannten Annäherungswerte suchen müsse“.

Siehe auch: Pius X., Lamentabili sane, 4.

171 Tes 2,13: „Darum danken wir Gott unablässig dafür, dass ihr das Wort Gottes, das ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, nicht als Menschenwort, sondern – was es in Wahrheit ist – als Gottes Wort angenommen habt; [. . . ]“.

2 Tim 3,16: „Jede von Gott eingegebene Schrift ist auch nützlich zur Belehrung“.

2 Petr 1,20–21: „Bedenkt dabei vor allem dies: Keine Weissagung der Schrift darf eigenmächtig ausgelegt werden; denn niemals wurde eine Weissagung ausgesprochen, weil ein Mensch es wollte, sondern vom Heiligen Geist getrieben haben Menschen im Auftrag Gottes geredet“

Pius XII., Divino afflante Spiritu, AAS 35 (1943) 299–300: „Endlich ist es ganz unzulässig, die ‚Inspiration bloß auf einige Teile der Heiligen Schrift zu beschränken oder zuzugeben, der heilige Schriftsteller selbst habe geirrt“, denn „die göttliche Inspiration schließt nicht nur jeden Irrtum aus, sondern die Verwerfung und der Ausschluß der Irr- tums sind ihr so wesentlich notwendig, wie es wesentlich notwendig ist, dass Gott, die höchste Wahrheit, nicht der Urheber eines Irrtum ist. Das ist der alte und beständige Glaube der Kirche‘. Diese Lehre, die Unser Vorgänger Leo XIII. mit so gewichtigem Ernst dargelegt hat, legen auch Wir kraft Unserer Autorität vor und dringen darauf, dass sie von allen gewissenhaft festgehalten wird“.

Zweites Vatikanisches Konzil, Dei verbum, 11: „Das von Gott Geoffenbarte, das in der Heiligen Schrift enthalten ist und vorliegt, ist unter dem Anhauch des Heiligen Geistes aufgezeichnet worden; denn aufgrund apostolischen Glaubens gelten unserer heiligen Mutter, der Kirche, die Bücher des Alten wie des Neuen Testamentes in ihrer Ganzheit mit allen ihren Teilen als heilig und kanonisch, weil sie, unter der Einwirkung des Heiligen Geistes geschrieben (vgl. Joh 20,31; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,19-21; 3,15-16), Gott zum Urheber haben und als solche der Kirche übergeben sind. Zur Abfassung der Heiligen Bücher hat Gott Menschen erwählt, die ihm durch den Gebrauch ihrer eigenen Fähigkeiten und Kräfte dazu dienen sollten, all das und nur das, was er – in ihnen und durch sie wirksam – geschrieben haben wollte, als echte Verfasser schriftlich zu überliefern“.

Siehe auch: Joh 10,16.35; Hebr 3,7.5,12; Leo XIII., Providentissimus Deus, (DH 3291–3292); Pius X., Lamentabili sane, 9–11; Pascendi dominici gregis, ASS 40 (1907) 612–613; Benedikt XV., Spiritus Paraclitus, AAS 12 (1920) 393; Pius XII., Humani generis, (DH 3887).

181 Tes 2,13: „Darum danken wir Gott unablässig dafür, dass ihr das Wort Gottes, das ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, nicht als Menschenwort, sondern – was es in Wahrheit ist – als Gottes Wort angenommen habt […]“.

Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 3: „Dieser Glaube, der Anfang des menschlichen Heiles, ist nach der Lehre der katholischen Kirche eine übernatürliche Tugend, kraft deren wir, unter Anregung und Mithilfe der Gnade Gottes, alles für wahr halten, was Gott geoffenbart hat und zwar nicht, weil wir im natürlichen Licht der Vernunft die innere Wahrheit des Sachverhaltes durchschauen, sondern auf die Autorität des offenbarenden Gottes hin, der weder selber irren noch andere in Irrtum führen kann. [. . . ] Mit diesem göttlichen und katholischen Glauben muss man nun an all dem festhalten, was das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes enthält und die Kirche als von Gott geoffenbart zu glauben vorstellt, – sei es in feierlichem Lehrentscheid, sei es in Ausübung ihres gewöhnlichen allgemeinen Lehramtes“.

Siehe auch: Joh 10,16; Hebr 3,7.5,12; Pius XII., Mystici corporis Christi, AAS 35 (1943) 216.

19Pius XII, Humani generis, (DH 3883): „Klar ist auch, dass die Kirche sich nicht an irgendein kurzlebiges philosophisches System binden kann; die Begriffe und Bezeichnungen, die von den katholischen Gelehrten nach gemeinsamer Übereinkunft im Laufe mehrerer Jahrhunderte geprägt wurden, um eine Glaubenslehre verständlich zu machen, stützen sich wahrhaftig nicht auf ein so hinfälliges Fundament. Sie stützen sich im Gegenteil auf Prinzipien und Begriffe, die aus wahrheitsgemäßer Erkenntnis der geschaffenen Welt abgeleitet wurden; allerdings erleuchtete die geoffenbarte Wahrheit durch die Kirche wie ein heller Stern den Verstand des Menschen. Es wundert Uns darum nicht, wenn einige von diesen Begriffen von den Allgemeinen Konzilien nicht nur angewandt, sondern auch feierlich bestätigt wurden; es ist darum unrecht, sie fallen zu lassen“.

Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae über die Unfehlbarkeit, Nr. 5, (DH 4540), cit.

Johannes Paul II., Fides et ratio, 87: „Dagegen gilt es zu bedenken, daß man in der Formulierung, auch wenn sie in gewisser Weise an die Zeit und die Kultur gebunden ist, die in ihr ausgedrückte Wahrheit oder den Irrtum trotz der räumlichen und zeitlichen Distanz auf jeden Fall erkennen und als solche bewerten kann“.

Johannes Paul II., Fides et ratio, 95“Das Wort Gottes wendet sich nicht an ein einziges Volk oder an eine bestimmte Epoche. In gleicher Weise formulieren die dogmatischen Aussagen, auch wenn sie bisweilen unter dem Einfluß der Kultur der Zeit stehen, in der sie definiert werden, eine feststehende und endgültige Wahrheit“

Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Dominus Iesus, 6: „Die Wahrheit über Gott wird durch ihre Aussage in menschlicher Sprache nicht beseitigt oder eingegrenzt. Sie bleibt vielmehr einzigartig, ganz und vollständig, denn derjenige, der spricht und handelt, ist der fleischgewordene Sohn Gottes“.

Siehe auch: Joh 10,35; 2 Tim 3,16; 2 Petr 1,20–21; Offb 22,18–19; Leo XIII., Providen- tissimus Deus, (DH 3288); Pius X., Lamentabili sane, 4; Johannes Paul II., Fides et ratio, 84.

20Gal 1,9: „Was ich gesagt habe, das sage ich noch einmal: Wer euch ein anderes Evangelium verkündigt, als ihr angenommen habt, der sei verflucht“.

Erstes Vatikanisches Konzil, Dei Filius, Kap. 4, Can. 3, (DH 3043): „Wer sagt, es könne geschehen, daß den von der Kirche vorgelegten Lehrsätzen einmal entsprechend dem Fortschritt der Wissenschaft ein anderer Sinn zuzuschreiben sei als der, den die Kirche gemeint hat und meint: der sei mit dem Anathema belegt“.

Pius X., Motu proprio Sacrorum antistitum, Antimodernisteneid, AAS 2 (1910), (DH 3541): „Ich nehme aufrichtig an, daß die Glaubenslehre von den Aposteln durch die recht- gläubigen Väter in demselben Sinn und in immer derselben Bedeutung bis auf uns überliefert (wurde); und deshalb verwerfe ich völlig die häretische Erdichtung von einer Entwicklung der Glaubenslehren, die von einem Sinn in einen anderen übergehen, der von dem verschieden ist, den die Kirche früher festhielt; und ebenso verurteile ich jeglichen Irrtum, durch den an die Stelle der göttlichen Hinterlassenschaft, die der Braut Christi überantwortet ist und von ihr treu gehütet werden soll, eine philosophische Erfindung oder eine Schöpfung des menschlichen Bewußtseins setzt, das durch das Bemühen der Menschen allmählich ausgeformt wurde und künftighin in unbegrenztem Fortschritt zu vervollkommnen ist“.

Siehe auch: 1 Tim 6,20; 2 Tim 1,13-14; Hebr 13,7-9; Jud 3; Pius IX., Ineffabilis Deus, (DH 2802); Pius X., Lamentabili sane, 21, 50, 54, 60, 62; Id. Pascendi dominici gregis, ASS 40 (1907), 616ff; Pius XII., Humani generis, (DH 3886); Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung Mysterium Ecclesiae über die Unfehlbarkeit (DH 4540).

21Erstes Vatikanisches Konzil, Pastor aeternus, Kap. 4: „Denn Petri Nachfolgern ward der Heilige Geist nicht dazu verheißen, dass sie aus seiner Eingebung heraus neue Lehren verkündeten. Ihre Aufgabe ist vielmehr, die von den Aposteln überlieferte Offenbarung oder das anvertraute Glaubensgut unter dem Beistand des Heiligen ’Geistes gewissenhaft zu hüten und getreu auszulegen. [. . . ] Diese Gnadengabe der Wahrheit und nie wankenden Glaubens ist also Petrus und seinen Nachfolgern auf diesem Stuhl von Gott verliehen worden, damit sie ihres erhabenen Amtes zum Heil aller walten können; damit durch sie die ganze Herde Christi vom Giftkraut des Irrtums ferngehalten und auf den Fluren der himmlischen Lehre geweidet werde; endlich damit die ganze Kirche nach Beseitigung jedes Anlasses zur Spaltung in der Einheit bewahrt bleibe, und auf ihr Fundament gestützt den Anstürmen der Hölle standhalten könne“.

Zweites Vatikanisches Konzil, Dei verbum, 10: „Die Aufgabe aber, das geschriebene oder überlieferte Wort Gottes verbindlich zu erklären, ist nur dem lebendigen Lehramt der Kirche anvertraut, dessen Vollmacht im Namen Jesu Christi ausgeübt wird. Das Lehramt ist nicht über dem Wort Gottes, sondern dient ihm, indem es nichts lehrt, als was überliefert ist, weil es das Wort Gottes aus göttlichem Auftrag und mit dem Beistand des Heiligen Geistes voll Ehrfurcht hört, heilig bewahrt und treu auslegt und weil es alles, was es als von Gott geoffenbart zu glauben vorlegt, aus diesem einen Schatz des Glaubens schöpft“. Siehe auch: Mt 16,23; Decretum Gratiani, Pars Prima, Distinctio 40, Kapitel VI; Innozenz III, Sermo II.In consecratione Pontificis Maximi, PL, 656; Sermo IV., In consecratione Pontificis Maximi, PL, 670; Pius IX., Apostolisches Schreiben Mirabilis illa constantia an die Bischöfe Deutschlands, (DH 3117) (vgl. DH 3114).

22Vgl. CIC, 1983, Can. 751; Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Can. 1436.

23Vgl. Mk 16,16; Joh 3,18; Joh 20,23; Röm 14,4; Gal 1,9; 1 Tim 1,18–20; Gd 3–6; Konzil von Florenz, Bulle Cantate Domino, Dekret über die Jakobiten (DH 1351); Konzil von Trient, Sessio XIV, Can. 9.

24Vgl. Mt 18,17; Tit 3,10–11; Pius X., Lamentabili sane, 7; CIC, 1983, Can. 751 und 1364; Codex Canonum Ecclesiarum Orientalium, Can. 1436.

Benedikts Brief oder How I abandoned Your mother

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Ausgangslage – die Kinder verlassen

Für alle, die sich nicht in modernen Fernsehserien auskennen. Der obige Titel ist eine Anspielung auf die amerikanische Sitcom How I met Your mother (HIMYM)– „Wie ich eure Mutter kennenlernte“, in der ein Vater in vielen, vielen Sitzungen und wohl Jahren (die Serie lief 9 Jahre lang) seinen Kindern erzählt, wie er deren Mutter traf. Die Serie HIMYM ist absolut nicht zu empfehlen und man muss junge Leute bedauern, die mit ihr aufwachsen und dann solch eine Vorstellung von Liebe, Freundschaft und Ehe hegen werden. How I abandoned Your mother bedeutet im o.a. Titel „Wie ich Eure Mutter verlassen habe“. Der Text von Ann Barnhardt „Der Brief eines abwesenden Vaters an seine Kinder“, den wir bald in der deutschen Übersetzung von davillatollkuehn vorstellen werden, ist dermaßen treffend und ergreifend, dass er wirklich Tränen in die Augen treibt.

Weiterlesen!

Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (2) Die Wahl der richtigen Philosophie.

adam und eva

Die wahre und richtige Philosophie als das theologische Gefährt

Warum ist aber die Theologie des Leibes so schlecht? Erstens darum, weil sie ihr philosophisches Fundament Personalismus und Phänomenologie bilden. Die richtige oder falsche Philosophie macht eben was aus. Obwohl die von Gott geoffenbarten Inhalte des Glaubens übernatürlich sind und daher geoffenbart werden, d.h. sie befinden sich in der Heiligen Schrift, so bedient sich der Mensch, um die Glaubenswahrheiten darzulegen einer menschlichen Sprache, welche als Sprache der Philosophie die letzten Gründe der Welt und seiner Existenz im Lichte des Verstandes darlegt. Diejenigen von uns, die keine Philosophie studiert haben oder Fachphilosophen sind (denn es gibt auch diese) sind sich wahrscheinlich nicht darüber im Klaren, wie sehr Philosophie unser Lebensbild prägt, denn solche Begriffe wie Materie, Ursprung, Natur, Seele, Zweck etc. sind philosophische Begriffe, welche verschieden in verschiedenen philosophischen Systemen definiert werden. So bedeutet „Materie“ im Neuplatonismus ein beinahe Nichts, beim Aristoteles den ungeordneten Stoff (hyle), der auf die ihn prägende Form wartet, im Positivismus oder Materialismus bedeutet sie ein dreidimensionales, messbares Etwas.  So wie man nach der Uhrzeit gefragt: „Wie viel Uhr ist es?“  mit der Frage: „Wo denn?“ antworten sollte, so kann man ebenso die Sinnfrage mit dem Gegenfrage nach dem jeweiligen philosophischen System beantworten. Welche Philosophie ist denn die beste? Diejenige, die am besten und mit den wenigsten Widersprüchen die Wirklichkeit abbildet. Was ist die Wirklichkeit? Das, was die jeweilige Philosophie dafür hält. Ist das nicht ein Teufelskreis? Ja und daher braucht man die Offenbarung und nicht jede Philosophie ist mit der göttlichen Offenbarung und dem katholischen Glauben kompatibel, was schon der erste christliche Philosoph, Justin der Märtyrer herausstellte.[1] Philosophie war schon immer pluralistisch, ist es immer noch und wird es immer sein. Dies war schon Platon klar, welcher sich in der Zeit der widersprüchlichen, philosophischen Meinungen nach einem sichereren Gefährt sehnte. Und so lesen wir im Platons Dialog Phaidon, wo es um die grundsätzlichen und letzten Dinge geht die folgende Aussage:

„Denn Eines muss man doch in diesen Dingen [des philosophischen Konsens Red.] erreichen, entweder wie es damit steht lernen oder erfinden, oder wenn dies unmöglich ist, die beste und unwiederleglichste der menschlichen Meinungen darüber nehmen, und daraus wie auf einem Brette versuchen durch das Leben zu schwimmen, wenn einer nicht sicherer und gefahrloser kann auf einem festeren Fahrzeuge oder einer göttlichen Rede reisen.“ (Phaidon 85 C-D).[2]

Was bleibt uns also übrig?

  1. Etwas selbst zu erfinden,
  2. Die besten, denn die unwidersprüchlichste der bisherigen Meinungen annehmen oder
  3. Auf die göttliche Rede, sprich auf die Offenbarung warten.

Sehr richtig vergleicht Plato den nur-philosophischen Weg mit einem Brett, an welches sich der Schiffsbrüchige klammert und auf diese Weise hofft durch das Meer zu schwimmen und ans Land gespült zu werden. Es ist sehr unbequem und gefährlich, was der Schreiber dieser Zeilen bezeugen kann, da er mehr als einmal an ein Surfbrett oder Windsurfing-Brett geklammert an den Strand angespült wurde. Was ist also die göttliche Offenbarung? Ein Motorboot oder ein Schiff, welches uns bequem an das andere Ufer der Ewigkeit bringt. Deswegen hat sich die ganze Philosophie des Altertums  nach der göttlichen Offenbarung gesehnt, was sehr schön Philo von Alexandrien darlegt und begründet. Was vielleicht nicht allen bekannt ist, so bestand der philosophische Kampf der ersten nachchristlichen Jahrhunderte nicht, wie die nachaufklärerische Philosophiegeschichte uns klarzumachen versucht, im Kampf des Rationalismus mit dem ominös Religiösen, sondern im Kampf der einen wahren, denn christlichen Offenbarung mit der anderen, dämonisch-gnostisch, theurgisch, paganen Offenbarung. Denn sowohl Christen als auch die Heiden beriefen sich auf ihre Offenbarung, die Heiden auf den Glauben der Väter, auf die Mysterien, auf die Weissagungen und andere okkulte Erlebnisse. Das Übernatürliche wucherte in den ersten fünf Jahrhunderten stark und niemals davor hatte es einen solchen Aufschwung der Magie gegeben (die nächste „Spitze“ fiel auf die Renaissance und jetzt erleben wir eine dritte des New Age). Und daher fragte sich ein Heide im dritten Jahrhundert nicht: Welche Religion ist die besten, weil die vernünftigste für mich?, sondern er fragte: Welche Religion hat die beste, weil sie durch die meisten übernatürlichen Phänomene bestätigte Offenbarung enthält?

Das Verhältnis: Offenbarung – Vernunft

Die Offenbarung (revelatio) steht also höher als jegliche Philosophie, weil die erstere göttlichen Ursprungs ist und übernatürliche Inhalte darstellt und behandelt. Und so heißt es in der dogmatischen Konstitution Dei Filius über die Offenbarung des Ersten Vatikanischen Konzils (1870):

„Denn die göttlichen Geheimnisse ragen ihrer Natur nach dermaßen über die geschaffene Erkenntnis hinaus, dass sie selbst nach ihrer Mitteilung durch die Offenbarung und ihrer Annahme im Glauben noch mit dem Schleier des Glaubens bedeckt in ein gewisses Dunkel gehüllt bleiben, solange wir als Pilger in diesem sterblichen Leben fern vom Herrn weilen; denn noch wandeln wir im Glauben, nicht im Schauen (vgl. 2 Kor 5,6f) .“ (DH 3016)[3]

Dennoch aber sagt die Lehre der Kirche:

„Gott, unser Schöpfer und Herr, kann aus den geschaffenen Dingen durch das natürliche Licht der Vernunft mit Sicherheit erkannt werden.“  (De fide) (DH 3026, vg. 2441, 3004, 3875 ff.) [4]

Ferner sagt eine sententia fidei proxima[5], also eine Aussage von der man allgemein annimmt, dass sie geoffenbart wurde und welche auch zum Glaubensgehorsam verpflichtet:

„Das Dasein Gottes kann mittels des Kausalschlusses bewiesen werden.“[6] (DH 2751, 2812, 3537, 3890, 3892)

Und wie kann man das Dasein Gottes mit dem natürlichen Licht der Vernunft erkennen? Unter Zuhilfenahme der richtigen Philosophie. Und welcher konkret? Der ewigen Philosophie, der philosophia perennis, d.h. Platonismus, Aristotelismus und Thomismus. Denn leider haben sich fast alle andere Philosophien als nicht kompatibel mit dem Christentum erwiesen, Platonismus und Aristotelismus mussten erst durch viele Jahrhunderte hindurch entsprechend umgeformt werden. Katholizismus ist wirklich diejenige Religion, welche sich am meisten der Philosophie als ihres Werkzeugs der Argumentation und der Sprache bedient. Aber nicht jede Philosophie ist erlaubt, weil sich nicht jede bewährt hat. Und so schreibt Leo XIII in seiner Enzyklika Aeterni Patris vom 4. August 1879:

„Schließlich ist es auch Aufgabe der philosophischen Wissenschaften, die von Gott überlieferte Wahrheiten gewissenhaft zu schützen und denen, die sie zu bekämpfen wagen, entgegenzutreten. In dieser Hinsicht ist es ein großes Lob der Philosophie, dass sie als eine Schutzwehr des Glaubens und als ein starkes Bollwerk der Religion gilt.“ (DH 3138)

In dieser Enzyklika wird auch der Gebrauch der „goldenen Weisheit des heiligen Thomas“ (DH 3140) eindringlich empfohlen. In seiner Enzyklika Pascendi dominici gregis (1907) verurteilt Pius X. sehr genau die falschen philosophischen Prinzipien des Modernismus (DH 3475-3483), da er weiß, wie die vorangegangenen Verurteilungen:

  • Antons Günthers vom 1857 (DH 2828-2831)
  • Der Ontologisten vom 1861 (DH 2841-2847)
  • Jakobs Frohschammers vom 1862 (DH 2850-2861)
  • Des Pantheismus, Naturalismus, Rationalismus durch den Syllabus des Pius IX. vom 1864 (2901-2980)

dass doch nicht gleich ist, welche Philosophie man verwendet.  Pius XII. stellt in Humani generis fest:

„In der Theologie aber gehen einige darauf aus, den Begriff der Dogmen möglichst abzuschwächen; das Dogma selbst möchten sie von der in der Kirche seit langem üblichen Ausdrucksweise und den Begriffen der katholischen Philosophie freimachen, um bei der Erklärung der katholischen Lehre zu den Formulierungen der Heiligen Schrift und der heiligen Väter zurückzukehren. […] (DH 3881)

Haben sie dann die katholische Lehre zu diesem Stand gebracht, so glauben sie, werde der Weg bereitet, auf dem den modernen Bedürfnissen entsprechend das Dogma auch in den Begriffen der heutigen Philosophie ausgedrückt werden könne, ganz gleich, ob es der ”Immanentismus”, ”Idealismus”, ”Existenzialismus“ oder irgendein anderes System ist. Es könne und müsse das deshalb auch geschehen, behaupten einige mit einiger Kühnheit, weil die Geheimnisse des Glaubens sich niemals in Begriffe fassen lassen, die vollständig der Wahrheit entsprechen, sondern nur in Ausdrücken, die ”annäherungsweise” wahr, und ständig Veränderungen unterworfen sind; diese deuten die Wahrheiten zwar einigermaßen, gestalten sie aber auch notwendigerweise um. Darum halten sie es nicht für abwegig, sondern für durchaus notwendig, dass die Theologie entsprechend den verschiedenen Philosophien, deren sie sich im Laufe der Zeit als Instrument bedient, neue Begriffe an die Stelle der alten setze, so dass sie auf verschiedene Weise, die unter sich sogar in gewissem Sinn im Widerspruch stehen, aber, wie sie sagen, das gleiche bedeuten, die gleichen göttlichen Wahrheiten in menschlicher Art ausdrücken. Sie fügen noch hinzu, die Geschichte der Dogmen bestehe in der Wiedergabe der verschiedenen aufeinanderfolgenden Formen, in die die Wahrheit sich gekleidet habe, entsprechend den verschiedenen Lehren und Ansichten, die im Laufe der Zeiten entstanden. (DH 3882) [7]

Es ist auch klar, dass sich die Kirche nicht an jedes beliebige philosophische System binden kann, das nur eine kurze Zeitspanne Bedeutung hat: das aber, was in gemeinsamer Übereinstimmung von den katholischen Lehrern durch mehrere Jahrhunderte hindurch verfaßt worden ist, um zu einem Verständnis des Dogmas zu gelangen, stützt sich zweifellos nicht auf eine so hinfällige Grundlage.  […] Die Verachtung der Ausdrücke und Begriffe aber, deren sich die scholastische Theologen zu bedienen pflegen, führt von selbst zur Schwächung der sogenannten spekulativen Theologie, die ihrer Auffassung nach, da sie sich auf eine theologische Argumentation stütze, der echten Sicherheit entbehre“ (DH 3883)

Wie man es also dreht und wendet: nicht jede Philosophie ist erlaubt, nicht jede hat sich bewährt. Die Dogmen der Kirche sind in der Sprache des Thomismus gemeißelt. Amen! Und daher ist es recht und billig von allen Philosophie- und Theologiestudenten den Aufsatz zum Thema:

  „Wer ist Dein Lieblingsphilosoph? Und warum der hl. Thomas von Aquin?“

zu verlangen, um an dieser Stelle den berühmten Witz über Held und Lenin zu paraphrasieren. Aber den hl. Thomas lernt man erst dann schätzen, wenn man sich ausgiebig an anderen Philosophen und Systemen abgekämpft hatte und nach all dem Gift und Plörre zum reinen, kühlen Wasser zurückgefunden hat.

[1] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/04/15/stabunt-iusti-oder-nach-dem-supergau-von-amoris-laetitia/

[2] Deutsche Übersetzung nach Platon, Symposion. Phaidon, in: Platon, Sämtliche Werke, Bd. IV, nach der Übersetzung Friedrich Schleiermachers, ergänzt durch Übersetzungen von Franz  Susemihl und anderen hrgs. Von Karlheinz Hülser, Leipzig: Insel Verlag 1991, 263.

[3] Deutsche Fassung nach: http://www.kathpedia.com/index.php/Dei_filius_(Wortlaut)

[4] Ott, L., Grundriss der Dogmatik, Bonn: Nova et Vetera 201011, 40.

[5] Zur Terminologie und Bedeutung der notae theologicae siehe: http://www.the-pope.com/theolnotes.html http://iteadthomam.blogspot.de/2006/05/notae-theologicae.html http://iteadthomam.blogspot.de/2007/04/fundamental-theology-2-notae-theologic.html http://www.lulu.com/shop/sixtus-cartechini-sj/de-valore-notarum-theologicarum/paperback/product-6525626.html

[6] Ebd. 42.

[7] Deutsche Fassung nach: http://www.stjosef.at/dokumente/humani_generis.htm Die Fassung in Denzinger-Hünnermann unterscheidet sich geringfügig.