Gebet um einen guten Tod

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Alles in unserem Leben läuft auf den Moment des Todes hinaus, nach dem das persönliche Gericht stattfindet, in welchem wir unser Leben im Lichte der Gerechtigkeit Gottes passieren und alle unsere Taten und ihre Konsequenzen sehen. Die Nahtoderlebnisse berichten davon, verschiedene Legenden auch, denn es sind dieselben Erlebnisse. Lesenswert, faktisch, wissenschaftlich und seriös stellt der holländische Arzt Pim van Lommel in seinem Buch Endloses Bewusstsein. Neue medizinische Fakten zur Nahtoderfahrung (Patmos: 20115) die Nahtoderlebnisse dar. Wie man es dreht und wendet, das persönliche Gericht wartet, und da uns die nachkonziliare Kirche insbesondere „Papst“ Franziskus die Allerlösungslehre und die allumgreifende Barmherzigkeit Gottes predigt, so können wir davon getrost ausgehen, dass sehr viele Menschen verdammt werden, dass sehr viele täglich in die Hölle eingehen, da sich kaum jemand von der Hölle fürchtet, die es, ja nach Novus Ordo-Theologie:

  1. nicht gibt,
  2. falls doch, dass sie leer ist,
  3. falls doch nicht leer mit ein paar Schwerverbrechern gefüllt ist (Hitler, Stalin, Ted Bundy und all jenen, die den Müll nicht trennen)
  4. ein normaler Mensch, der nach seinem Gewissen lebt und sich bemüht „in der Liebe“ zu leben vor der ewigen Verdammnis sicher sein kann.

Weitgefehlt. Die Hölle gibt es, sie füllt sich täglich neu, weil so viele Menschen in Todsünde sterben, weil so viele Menschen die Todsünde Euthanasie wählen, weil so viele Menschen ungetauft sind, falls doch sie ihre Taufgnade nicht bis zum Tod bewahrt haben, weil so viele Menschen nicht katholisch sind und falls doch sie ebenfalls in der Todsünde leben, weil so viele Katholiken nicht die Lehre vom guten Tod kennen und durch keine Sterbesakramente auf den Tod vorbereitet werden.

Was sind die Sterbesakramente?

Es ist die Beichte, die Letzte Ölung und die Sterbekommunion, das Viatikum. Warum so viele? Um sich auf den Tod, den Übergang und die Konfrontation mit dem strengen, aber hoffentlich gnädigen Richter vorzubereiten. All das können Sie aber erst dann erleben, wenn Sie keines jähen und unvorbereiteten Todes sterben. Es ist die Welt, vom Teufel verführt, welche sich wünscht „gleich auf einem Schlag“ zu sterben. Kaum ein Gläubiger ist auf einen jähen Tod vorbereitet, weil beim persönlichen Gericht alles offenbart wird, auch das, was Sie selbst nicht als Sünde gesehen haben. Sünde ist Sünde. Es ist etwas Objektives. Ein objektiver Verstoß gegen die Gesetze Gottes. Es gibt Schuldminderung, falls es sich wirklich um unbesiegbare Ignoranz gehandelt haben könnte, die wirklich sehr selten ist. Die meisten Menschen wollen es wirklich nicht besser wissen und werden von ihren Priestern darin bestätigt, die es ebenfalls nicht besser wissen wollen. Durch den Prozess des Sterbens trennen Sie sich langsam von allem Irdischen, sehen Ihr Leben in einer anderen Perspektive, vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben ahnen Sie, was auf Sie zukommen wird: das schreckliche Gericht und Sie beginnen sich zu fürchten.

Der Schreiber dieser Zeilen war beim Tod einer nahen Angehörigen, welche drei Tage lang im Sterben lag und nicht mehr sprechen konnte (Herzinfarkt, Gehirnschlag), welche sich aber sehr fürchtete, ständig in eine Ecke sah, wo niemand Sichtbares stand, viel Trost darin fand, dass man bei ihrem Todesbett betete und erst wirklich erleichtert aufatmete als sie die Letzte Ölung, leider im Novus Ordo Ritus, erhielt. Sie seufzte gleichsam auf als wollte sie sagen:

„So, geschafft. Jetzt bin ich über den Berg.“

Sie hatte also einen halbwegs guten Tod, obwohl sie nicht beichten und kein Viatikum empfangen konnte.  Da die Beiträge beim spirituellen Mittwoch leichter und praktisch gehalten werden sollen, so wollen wir an dieser Stelle die theologische Lehre von der Letzten Ölung nicht darlegen, was woanders erfolgen wird. An dieser Stelle wollen wir sagen, dass man um einen guten Tod beten sollte, da dieser von der Gnade Gottes zeugt. Schauen wir uns doch die Todesfälle der Konzilsperiti und der berühmten Theologen der letzten Jahre und Jahrzehnte an:

„Pierre Teilhard de Chardin verstarb am Ostersonntag des Jahres 1955, mitten aus einer Diskussion heraus. “

„Rahner fell ill from exhaustion and died on 30 March 1984 at the age of 80, after a birthday celebration that also honoured his scholarship.”

„Er starb am 20. Mai 1974 an einem Herzinfarkt im Treppenhaus eines Pariser Bordells, welches er in Ausübung seiner seelsorgerischen Tätigkeit besuchte, [so, so Red.]“

  • Hans Urs von Balthasar es SJ, jäher und unerwarteter Tod.

Der Tod soll ihn bei der morgendlichen Rasur ereilt haben.

„Döpfner starb völlig unerwartet am 24. Juli 1976 in der Pförtnerloge des Erzbischöflichen Palais[7] in München im Alter von 62 Jahren an einem Herzinfarkt,“

Diese Reihe ließe sich sicherlich noch weiter fortsetzen. Ein jäher und unerwarteter Tod zeugt nicht von der Gnade Gottes und kann auf eine ewige Verdammnis verweisen, weil man nicht weiß, in welchem Zustand jemand verstorben ist, da ihm das zusätzliche Licht, die man beim Sterbeprozess erhält, fehlte. Deswegen sollte man Gott um einen guten Tod bitten, da wir den Augenblick unseres Todes wirklich nicht selbst bestimmen können. Auch im Falle eines Selbstmordversuchs wissen Sie nicht mit Sicherheit, ob Sie es nicht doch überleben, ob Sie nicht gerettet werden, ob Sie Gott nicht noch einmal runter schickt, wovon viele Nahtoderfahrungen berichten. Selbstmord ist aber eine Todsünde, ein sicheres Ticket in die Hölle.

Daher sollten wir mit dem nachfolgenden Gebet um einen guten Tod beten, welches im Brevier des Pius X. Divino afflatu gefunden wurde und bis zur unseligen „Reform“ des Ablasswesens durch Paul VI. mit 100 Tage Ablass einmal täglich verbunden war. Der Schreiber dieser Zeilen betet dieses Gebet in letzter Zeit immer abends, seit ein Bekannter von ihm eines jähen und unerwarteten Todes gestorben ist und die Chancen, dass er es ins Fegefeuer geschafft hat sehr schlecht stehen. Wir leben in den Zeiten einer schrumpfenden Kirche, die Priester gehen uns aus, diejenigen, die da sind, taugen nichts, es besteht die Möglichkeit, dass der Pfarrer bei Ihrem Tod Ihnen eine bürstenschnittige Pastoralassistentin schicken wird, die „ganz, ganz lieb“ sein wird, aber keine Vollmacht haben wird Ihnen die Sakramente zu spenden. Vielleicht werden Sie auch in der Nähe einer Vetus Ordo Gemeinde mit anständigen Priestern wohnen. Sie wissen es nicht, obwohl Ann Barnhardt allen, die es können, dorthin zu ziehen, empfiehlt, wo man sich wenigstens in einer Fahrtdistanz von der Alten Messe befindet. Beten Sie also regelmäßig dieses gnadenreiche Gebet auf Lateinisch, das Deutsche dient nur der Orientierung, damit sich Gott Ihrer in Ihrer Todesstunden annimmt. Amen.

 

Oratio ad impetrandam bonam mortem
O Maria, sine labe concépta, ora pro nobis, qui confúgimus ad te; o Refúgium peccatórum, Mater agonizántium, noli nos derelínquere in hora éxitus nostri, sed ímpetra nobis dólorem pérfectum, sincéram contritiónem, remissiónem peccatórum nostrórum, sanctissimi Viátici dignam receptiónem, extrémae Unctiónis Sacraménti corroboratiónem, quátenus secúri praesentári valeámus ante thronum justi, sed misericórdis Júdicis, Dei et Redemptóris nostri. Amen.
Das Gebet, um einen guten Tod zu erbitten
O Maria, ohne Makel empfangen, bitte für uns, die wir zu Dir fliehen; Du Zuflucht der Sünder, Mutter der Sterbenden, verlasse uns nicht in der Stunde unseres Ausgangs, aber erbitte uns den vollkommenen Schmerz, die ehrliche Liebesreue, die Vergebung unserer Sünden, den würdigen Empfang des Sakraments der Letzten Ölung, damit wir uns sicher vorstellen können vor dem Thron des gerechten, aber barmherzigen Richters, Gottes und unseres Erlösers. Amen.

 

Der Fall Müller oder warum „die Wirklichkeit beißt“? (3 von 3)

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Nachtrag, Umkehr und Welt-Interview

All diejenigen, die meinen wir hätten zu scharf und dazu noch anonym über Kardinal Müller geurteilt, mögen sich sein neuestes Interview in der Welt durchlesen. Noch weltlicher geht es wirklich nicht, obgleich Müller jetzt wirklich nichts zu verlieren hat. Aber vielleicht gelangt er durch diese Auszeit oder eher Verbannung zur Besinnung und entdeckt das Katholische am Katholischen. Der Schreiber dieser Zeilen war schon immer recht konservativ gewesen, für deutsche Verhältnisse viel zu konservativ und wunderte sich, warum ihn Gott so züchtigte, was Er auch weiterhin tut. Es stellte sich heraus, dass er zwar an weltlichen Maßstäben gemessen rechtgläubig, konservativ und fromm gewesen ist, aber nicht nach den Maßstäben Gottes. Diese sind viel strenger und viel höher. Weiterlesen!

Verpflichtende Konzelebration oder damit es noch weniger „gottet“

Gregors Messe drache

Das gestrige katholisches.info vom 28.6.2017 brachtet einen Beitrag von Roberto de Mattei, welcher darüber berichtet, dass der Gegenpapst Franziskus den römischen Priesterkollegien die Konzelebration gebietet.

Was ist die „Messe“?

Bevor wir uns noch näher diesem Beitrag widmen werden, sollte man sich zuerst die Frage stellen, was eigentlich eine Messe ist und was sie bewirkt?

Wie immer genial bringt es Hl. Thomas von Aquin auf den Punkt:

Missa dicitur quasi transmissa, scilicet a populo ad Deum, et e converso […]“ (Summ. Theol. III q. 83. 4 ad 9.)[1]

„Die Messe wird so genannt, weil sie sozusagen das Hinübergeschickte ist, nämlich vom Volk [der Gläubigen] zu Gott und umgekehrt […]“.

Das deutsche Wort Messe kommt vom lateinischen mittere – „schicken, senden, aussenden“ bzw. von der Aufforderung am Ende: ite missa est in etwa „gehet, es wurde geschickt“ oder „gehet, es ist die Messe“ was im Novus Ordo mit dem unmöglichen „gehet hin in Frieden“ übersetzt wurde. Der hl. Thomas schreibt aber darüber wie folgt (Summ. Theol. III q. 83. 4 ad 9.):

 Ad 9. Der Priester betet nicht, daß die äußeren Gestalten in den Himmel getragen werden, und auch nicht, daß dies geschehe mit dem wahren Körper Christi, der nie aufhört, im Himmel zu sein. Er betet vielmehr für den mystischen Leib Christi, der in diesem Sakramente bezeichnet wird, daß nämlich der Engel, welcher beim Opfer beisteht, die Gebete des Priesters und des Volkes Not dem Herrn vorstelle, nach Apok. 8.: „Es stiegen aus wie duftender Weihrauch die Gebete der Heiligen.“ Der erhabene Altar aber ist entweder die triumphierende Kirche, in die wir gelangen, oder Gott selbst, an dem wir durch das Schauen seines Wesens Anteil haben wollen. Von diesem Altare heißt es Ex 20.: „Sie sollen nicht aufsteigen zu meinem Altare auf Stufen“ d. h. „du sollst in der Dreieinigkeit keine Gradunterschiede annehmen,“ sagt die Glosse. Oder man kann unter dem Engel Christum selbst verstehen, „den Engel des großen Ratschlusses“, der da seinen mystischen Leib verbindet mit Gott dem Vater und der triumphierenden Kirche.

Deshalb heißt auch dieses Opfer „Messe“, weil der Priester durch den Engel die Gebete zu Gott sendet (mittit), wie das Volk durch den Priester; oder weil Christus die uns von Gott gesandte Opfergabe ist. Und demgemäß singt an den Festtagen der Diakon am Ende: Ite missa est; d. h. die Opfergabe oder Hostie ist durch den Engel zu Gott „gesandt“, auf daß nämlich sie Ihm wohlgefällig sei.[2]

Dies bedeutet also, dass der Priester die Gebete der Gläubigen zu Gott durch den geopferten Jesus Christus mittels des Erzengels Michael schickt (mittit) und Gott auf demselben Wege dem Volk seine Gnaden vermittelt, beziehungsweise zurückschickt. Denn im Kanonteil Supplices, te rogamus bittet die Kirche:

Súpplices te rogámus, omnípotens Deus: iube hæc perférri per manus sancti Angeli tui in sublíme altáre tuum, in conspéctu divínæ majestátis tuæ: ut, quotquot ex hac altáris participatióne sacrosánctum Fílii tui Corpus, et Sánguinem sumpsérimus, omni benedictióne cælésti et grátia repleámur.  Per Christum, Dóminum nostrum. Amen.

Wir bitten dich, allmächtiger Gott: Dein heiliger Engel trage diese Opfergabe auf deinen himmlischen Altar vor deine göttliche Herrlichkeit; und wenn wir durch unsere Teilnahme am Altar den heiligen Leib und das Blut deines Sohnes empfangen, erfülle uns mit aller Gnade und allem Segen des Himmels. [3]

Novus Ordo und die katholische Messe

Was ist die Messe? Die Messe ist eine „Transmission“ ein quasi geistlicher Wärmeaustausch, in dem die Kirche Gott das vollkommenste Bitt-, Lob-, Dank- und Sühneopfer darbietet, den höchsten Gotteskult auf Erden und von Gott wiederum die nötigen Gnaden erhält. Dies ist die eigentliche katholische Theologie der Messe, wie sie vor Vaticanum II und Novus Ordo Missae galt und beispielsweise in Mediator Dei von Pius XII. nachgelesen werden kann. Warum wurde aber die Neue Messe entwickelt? Damit Gott viel weniger Ehre erbracht wird, Gott demzufolge weniger Gnade schickt, die Welt mehr abstraft und ein massenweiser Glaubensabfall stattfindet. Was ist die Sünde? Sie ist die Beleidigung Gottes (Katechismus der Katholischen Kirche 1850) und da die Messe der höchste Gottesdienst auf Erden ist, so muss doch ein schlechter und schlecht gemachter Gottesdienst Gott sehr beleidigen. Das Opfer Abels wurde angenommen, das Opfer Kains aber verworfen. Aber die Kirche durch ihre höchsten Vertreter, d.h. Papst Paul VI., Erzbischof Bugnini, das Concilium etc. hat diese Messe erarbeitet? Umso schlimmer für sie und uns alle. Der Schreiber dieser Zeilen hat neulich ein Podcast von Ann Barnhardt gehört, in welchem sie angibt, dass in den USA von der Tridentinischen Messe bis zur Novus Ordo Messen keine 6 Wochen vergangen sind.[4] Wie es in Deutschland damals gewesen ist, entzieht sich unserer Kenntnis, aber der Zeitraum der Zerstörung wird wohl derselbe gewesen sein. In deswegen sind seit der Einführung der Neuen Messe im Jahre 1969 so viele Menschen aus der Kirche ausgetreten. Eine Abstimmung mit den Beinen fand statt, denn mit der Neuen Messe haben die „Reformen“ des Konzils auch jeden Katholiken erreicht. Die folgenden Graphiken sollen unsere These untermauern:

Die erste, welche von Statista stammt, zeigt die Anzahl der Messbesucher in den Jahren 1950 bis 2011, neuer Angaben sind hier einzusehen. Der nachkoziliare Einbruch ist deutlich zu erkennen: von 11,9 Mio im Jahre 1965, auf 10,2 im Jahre 1970 und 8,8 Mio im Jahre 1975, wonach der freie Fall beginnt.[5]

Statista 1

Hält man sich aber die liturgischen „Reformen“ samt den Angaben der Deutschen Bischofskonferenz vor Augen, dann wird der Zusammenhang von weniger katholische Liturgie = mehr Apostasie deutlich:

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Wobei wir bei der obligatorischen Tabelle der Kirchenaustritte[6] wären:

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Vergleicht man aber die Tendenz bei der Messbesucher mit der Anzahl der Kirchenaustritte, wohlgemerkt mit einer veränderten Skala, damit diese beiden Kurven miteinander vergleichbar sind, dann ergibt sich ein solches Bild.dokument9.jpg

Wenn wir annehmen, dass:

  1. Der Hl. Geist die Kirche leitet.
  2. Gott den Erhalt seiner Kirche, nach Innen und Außen sichern möchte.
  3. Die jetzige Apostasie und der weltweite Zusammenbruch der Kirche nichts Gutes ist

dann:

 kann weder das Vaticanum II noch die nachfolgende liturgische Revolution vom Hl. Geist geleitet worden sein.

Wem  haben wir es zu verdanken?

Männern, die Gott und seine Kirche hassen und welche die kirchliche Hierarchie seit Jahrzehnten infiltriert haben, um einen Bergoglio an die Spitze der Kirche zu setzen. Wie sehr treffend Ann Barnhardt immer wieder widerholt:

von einer falschen Prämisse ausgehend, gelang man zu keinen wahren Schlüssen.

Wenn man davon ausgeht, dass Vat. II gut und richtig war, dann muss man annehmen, dass die Apostasie und Bergoglio etwas Gutes sind. Schließt man das Letztere aus, dann können weder das Konzil noch seine „Reformen“ von Gott stammen. Sie stammen vom Herrscher dieser Welt, der die Kirche bis in ihre Spitze infiltriert hat und der seinen Erwählten einen sehr guten umgekehrten sensus fidei eingepflanzt hatte, damit sie die Destruktion zielgerichtet vornehmen können. Geht man davon aus, dass Theologie und Liturgie ein nebulös-konstruiertes Etwas ist, wie z.B. die Literaturkritik, sodass man Goethe mal so, mal so interpretiert, ohne dass es einem schadet, wenn man keine akademische Karriere anstrebt, dann sind die praktischen Auswirkungen der theologischen und liturgischen Reformen nicht erklärbar. Warum soll denn jemand seinen Glauben verlieren, weil man einen Priester in der Pferdedecke von Angesicht zu Angesicht, anstatt einen Priester im Ornat von hinten sieht? Geht man aber davon aus – wie alle Religionen, wie Esoteriker oder Satanisten wissen -, dass kultische Handlungen und Rituale etwas faktisch und real bewirken, dann muss ja eine Veränderung der Liturgie die Veränderung des Glaubens und der Moral nach sich ziehen. Warum ist es so? Weil die Messe, wie der o.a. hl. Thomas bereits sagte, eine „Transmission“ ist.  Es ist ein spiritueller „Wärmetausch“, eine Umverteilung der Sünde und des Heiligen. Christus wird in der hl. Messe für uns unsere Sünden geopfert, Gott nimmt dieses Opfer an und schenkt uns Vergebung und Gnaden.

Christus der eigentliche Priester oder mehr ist mehr

Was passiert in jeder Messe, wenn eine gültige Wandlung stattfindet? Christus wird unter der Gestalt des Brotes gegenwärtig. Martin von Cochem fasst in seiner sehr lesenswerten Erklärung des heiligen Meßopfers die Anwesenheit Christi in der hl. Messe wie folgt zusammen:

  1. In der hl. Messe erneuert Christus seine Menschwerdung
  2. In der hl. Messe erneuert Christus seine Geburt
  3. In der hl. Messe erneuert Christus sein Leben
  4. In der hl. Messe erneuert Christus sein Leiden
  5. In der hl. Messe wird Christi Tod erneuert
  6. In der hl. Messe wird Christi Blutvergießung erneuert

All diese Punkte treffen für die Alte Messe zu, aber auch für die Neue Messe. Wenn gewandelt wird, wird Christus durch die Wesensverwandlung „vom Himmel herabgezogen“, wie es Martin von Cochem formuliert und befindet sich dann unter uns. Eine Heiligkeit durch den anwesenden Herrn wird ausgestrahlt. Ja, auch bei der Messe eines schlechten Priesters.

Je mehr Messen, desto mehr Menschwerdung Gottes aus Erden, desto mehr Heiligkeit für die Welt, die Kirche und für alle Teilnehmenden, seien sie körperlich präsent oder abwesend. Ja, man kann diese ausstrahlende Heiligkeit förmlich spüren und deswegen ist es nicht verwunderlich, dass Martin von Cochem sein 26. Kapitel mit der Überschrift versieht: Nützliche Lehre, mehrere Messen zugleich zu hören. Der Schreiber dieser Zeilen hat dies während seines Aufenthaltes in Fontgombault praktiziert, wo bis zu 19 Messen auf einmal aufgeopfert wurden, konzentrierte sich auf „seine“ Messe gedachte aber der Menschwerdung Gottes bei einer jeden Wandlung die ein wenig zeitversetzt stattfand. Es wird auch von Heiligen berichtet, welche, wie der hl. Peter Labre, den ganzen Tag damit zubrachten von einer Messe zur anderen zu pilgern, um dadurch mehr Gnade zu akkumulieren. In der guten alten vorkonziliaren Zeit natürlich. Man fühlt sich wirklich so, als würde man in der Gnade baden.

Der Weg der Konzelebration

Dies konnten natürlich der „Reformer“ nicht dulden, sodass schon am 7 März 1965 im Dekret Ecclesiae Semper die Praxis der Konzelebration eingeführt wurde.[7] Darüber, dass Konzelebration niemals die normale Praxis der Kirche war, noch ihre (Wieder-?)Einführung historisch fundiert war, hat über jeden Zweifel hinaus Pater Joseph de Sainte-Marie, OCD. The Holy Eucharist—The World’s Salvation. Studies on the Holy Sacrifice of the Mass, its Celebration, and its Concelebration bewiesen.[8] Wie denn sonst? Da alle liturgischen Reformen einer theologischen Begründung entbehrten, sondern an den Haare herbei gezerrt wurden, so kann es mit der Konzelebration auch nicht anders gewesen sein. Während aber im Jahre 1965 Konzelebration erlaubt wurde, so wurde immer mehr von den Privatmessen, also von der Messe ohne Volk – missa sine populo abgeraten und einsam zelebrierende Priester zur Konzelebration gedrängt.[9] So schreibt die Kongregation für die Göttlichen Kult in ihrer Erklärung In Celebratione Missae vom 7 August 1972 vor, mit folgender Begründung:

Die Konzelebration der Eucharistie in den Gemeinschaften ist sehr zu schätzen. Die Konzelebration bezeichnet und festigt das brüderliche Band der Priester untereinander und der ganzen Gemeinschaft. Denn diese Form der Opferfeier, an der alle bewusst, tätig und auf die je eigene Weise teilnehmen, bringt deutlicher das Tun der ganzen Gemeinschaft zum Ausdruck, in ihr stellt sich die Kirche in hervorragender Weise dar, geeint im Opfer und im Priestertum, in einer einzigen Danksagung vereint um den einen Altar.

Dennoch:

 Obschon die Konzelebration die hervorragende Form der eucharistischen Feier in Kommunitäten ist, bleibt dennoch auch die Zelebration ohne Teilnahme der Gläubigen „die Mitte der ganzen Kirche und gleichsam das Herz der priesterlichen Existenz“.[9]

Die Konzelebration wird also wenigstens seit 1972 empfohlen, aber in der Allgemeinen Einführung in das Römische Messbuch von 2002 lesen wir, dass in Klöstern, Gemeinschaften, Konventen etc. eine Gemeinschaftsmesse zu konzelebrieren ist:

  1. Unter den Messen aber, die von bestimmten Gemeinschaften gefeiert werden, kommt ein besonderer Rang der Konventmesse zu, die Teil des täglichen Offiziums ist, oder der sogenannten „Kommunitätsmesse“. Wenn diese Messen auch keine besondere Form der Feier aufweisen, ist es doch höchst angemessen, sie mit Gesang zu halten, vor allem mit der vollen Teilnahme aller Mitglieder der jeweiligen Ordens- oder Kanonikergemeinschaft. In ihnen haben darum die Einzelnen die ihrer Weihe oder Beauftragung entsprechende Aufgabe auszuüben. Es empfiehlt sich also, dass alle Priester, die zum pastoralen Wohl der Gläubigen nicht einzeln zelebrieren müssen, so weit als möglich in diesen Messen konzelebrieren. Darüber hinaus können alle zu der entsprechenden Kommunität gehörenden Priester, die von Amts wegen verpflichtet sind, zum Wohl der Gläubigen einzeln zu zelebrieren, die Konventmesse oder „Kommunitätsmesse“ am gleichen Tag konzelebrieren.[94] Es ist nämlich besser, dass Priester, die bei einer Eucharistiefeier anwesend sind, mit den liturgischen Gewändern bekleidet, den der eigenen Weihe entsprechenden Dienst in der Regel ausüben und folglich als Konzelebranten teilnehmen, sofern sie nicht durch einen gerechten Grund entschuldigt sind. Andernfalls tragen sie die ihnen eigene Chorkleidung oder den Chorrock über dem Talar.

Was hat aber diese Erlaubnis oder Ermutigung zur Konzelebration bewirkt? Das viel weniger Messen überhaupt zelebriert werden. Stellen Sie sich einen Orden von 30 Priestern vor, welche seit dem Konzil alle einmal am Tag konzelebrieren, anstatt dass jeder von ihnen eine eigene Messe feiert. Also nur eine Menschwerdung Christi pro Tag, anstatt 30 „Menschwerdungen“ Christi pro Tag. Es ist doch tatsächlich der unselige Karl Rahner SJ, welche in seinem Buch von 1949 Die vielen Messen und das eine Opfer. Eine Untersuchung über die rechte Norm der Meßhäufigkeit die These vertrat, dass die vielen Messen, die von vielen Priestern zelebriert werden nicht mehr Gnade bringen als eine einzige konzelebrierte Messe.[10] Diese These wurde eigens von Papst Pius XII. im Jahre 1954 verurteilt:

[…] assertio quae his nostris temporibus non solum a laicis, sed interdum et a quibusdam theologis et sacerdotibus fit ab iisque spargitur, tamquam opinionis error reici debet, scilicet idem esse unius Missae celebrationem, cui centum sacerdotes religioso cum obsequio adstent, atque centum Missas a centum sacerdotibus celebratas. Non ita profecto. Quoad sacrificii Eucharistici oblationem tot sunt actiones Christi Summi Sacerdotis, quot sunt sacerdotes celebrantes, […].[11]

[…] in unseren Tagen wird nicht nur von Laien, sondern gar von manchen Theologen und Priestern die Meinung vertreten, dass es dasselbe ist eine einzige Messe zu zelebrieren, bei welcher hundert Priester mit einer geistlichen Dienstbeflissenheit anwesend sind, wie hundert Messen, welche von hundert Priestern zelebriert werden. Dem ist aber nicht so. Denn es bestehen so viele eucharistische Opfer wie viele Handlungen von Christus dem Hohepriester und wie viele zelebrierende Priester.

Was bedeutet dies im Klartext? Durch den Körper eines jeden Priesters wirkt Christus der Hohepriester. Es ist Christus, der betet, segnet, predigt etc., weil ein jeder Priester mit Christus ontisch durch seine Priesterweihe vereinigt ist. So schreibt Martin von Cochem:

Dass Christus wirklich selbst der eigentliche Priester bei der hl. Messe ist, beweise ich aus dem hl. Chrysostomus: „Was da vorgesetzt wird, sind nicht die Werke menschlicher Kraft: der damals bei jenem Male wirksam war, der wirkt das auch jetzt. Wir haben nur den Platz der Diener inne, der aber die Gaben heiligt und verwandelt, ist Christus selbst. Du nun, o Laie: wenn du den Priester opfern siehst, dann glaube nicht, dass er als Priester dies tue, sondern die unsichtbar ausgestreckte Hand Christi“.[12]

Das heißt: je mehr Priester eine Messe einzeln also jeder für sich zelebrieren, desto mehr Christus in der Welt, desto mehr Gnade. Sicherlich strömt die Novus Ordo Messe kaum Gnade aus, dass sie aber immerhin etwas ausstrahlt, wird durch die neueste Anordnung von Gegenpapst Franziskus deutlich, auf die sich Roberto de Mattei beruft. In dem „working paper“ der Kleruskongregation „Über die Konzelebration an den Priesterkollegien von Rom“ (Sulla concelebrazione nei collegi sacerdotali di Roma), können wir nachlesen:

Es ist empfehlenswert, daß die Priester generell an der eucharistischen Konzelebration an den im Kolleg vorgesehenen Zeiten teilnehmen können, indem die gemeinschaftliche Zelebration immer der individuellen vorgezogen wird. In diesem Sinn könnten die Kollegien mit einer ansehnlichen Zahl dort untergebrachter Priester die Eucharistische Zelebration zu 2 oder 3 unterschiedlichen Zeiten am Tag festlegen, damit es jedem nach seinen persönlichen, akademischen oder pastoralen Bedürfnissen ermöglicht wird, daran teilzunehmen.“[13]

Was sollen die Priester in den Priesterkollegien Rom pflegen? Jawohl, ein „Miteinander“, was wohl ein homosexuelles Codewort zu sein scheint.[14] Die Priester sollen sich also in einem Kollektivismus suhlen, anstatt die Lehre der Kirche (welche denn?) kennenzulernen und ihre Beziehung zu Christus zu vertiefen. Weil die Vorgänge in Rom immer richtungsweisend für die ganze Kirche sind und viele Karriere machen wollen, so können wir annehmen, dass der Zwang zur Konzelebration noch weiter ausgebaut wird. Ja, ja der umgekehrte sensus fidei von Franziskus und seinen Mannen ist untrüglich, sie spüren solche Dinge und gehen gegen diese vor.

Durch die Einschränkung der Privatmessen und durch den Zwang durch Konzelebration wird noch zusätzlich die Kirche entheiligt. Die deutschen Priester kümmert dies wahrscheinlich wenig, weil sie sowieso kaum zelebrieren, einzeln oder in Gruppen. Was hat also das Vat. II auf den Weg gebracht? Die Entheiligung der Kirche und durch die Kirche der Welt und Franziskus führt den Todesstoß aus.

[1] S. Thomas Aquinatis, Summa Theologica, Tomus Octavus,  (ed). Nicolai, Sylvii, Billuart et C. J. Drioux, Paris 1882, Index III, CCLXV

[2] Deutsche Übersetzung nach: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel789-4.htm

[3] Deutsch nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Canon_Missae

[4] http://www.barnhardt.biz/2017/06/19/barnhardt-podcast-009-the-whore-of-babylon-will-arrive-shortly/  http://www.barnhardt.biz/2016/08/18/the-novus-ordo-must-be-exterminated-barnhardt-cmr-interview-part-5/ http://www.barnhardt.biz/2015/07/14/cmr-interview-part-5-hey-hey-ho-ho-the-novus-ordo-mass-has-to-got-to-go/

[5] Die Angaben der DBK sind hier: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/Zahlen%20und%20Fakten/Kirchliche%20Statistik/Katholiken%20und%20Gottesdienstteilnehmer/2015-Katholiken-Gottesdienstteilnahme-Zeitreihe_1950-2015.pdf

[6] Angaben der DBK sind hier einzusehen: http://www.dbk.de/zahlen-fakten/kirchliche-statistik/ Eine weltliche Statistik ist hier.

[7] Davies, Michael, Pope Paul’s New Mass. Liturgical Revolution – Volume Three, Kansas City: Angelus Press 2009, 35

[8] Siehe die Besprechung: http://www.newliturgicalmovement.org/2015/06/book-notice-definitive-study-of.html#.WVTjeYTyios

[9] Vgl. Cekada, A., Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, West Chester: Philothea Press 2010, 185-186

[10] http://www.piusx.org.pl/zawsze_wierni/artykul/631 Siehe seine Argumente in: https://mthz.ub.lmu.de/index.php/MThZ/article/view/443/372

[11] http://www.vatican.va/archive/aas/documents/AAS-46-1954-ocr.pdf S. 669.

[12] Martin von Cochem, Erklärung des heiligen Meßopfers, Stuttgart: Sarto Verlag 2011, 42.

[13] Zitat nach: http://www.katholisches.info/2017/06/franziskus-zwingt-den-roemischen-priesterkollegien-die-konzelebration-auf/

[14] Der Vergleich ist nicht zu hoch gegriffen: http://www.katholisches.info/2017/06/gendarmerie-beendet-homo-orgie-im-vatikan-alkohol-drogen-luxus/ https://gloria.tv/article/8nUBmy99EUGX49gnjdjzpmqWy https://whatisupwiththesynod.com/index.php/2017/06/28/lets-play-a-game-i-call-it-connect-the-vatican-perv-dots/

[1] S. Thomas Aquinatis, Summa Theologica, Tomus Octavus,  (ed). Nicolai, Sylvii, Billuart et C. J. Drioux, Paris 1882, Index III, CCLXV

[2] Deutsche Übersetzung nach: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel789-4.htm

[3] Deutsch nach: https://de.wikipedia.org/wiki/Canon_Missae

[4] http://www.barnhardt.biz/2017/06/19/barnhardt-podcast-009-the-whore-of-babylon-will-arrive-shortly/  http://www.barnhardt.biz/2016/08/18/the-novus-ordo-must-be-exterminated-barnhardt-cmr-interview-part-5/ http://www.barnhardt.biz/2015/07/14/cmr-interview-part-5-hey-hey-ho-ho-the-novus-ordo-mass-has-to-got-to-go/

[5] Die Angaben der DBK sind hier: https://www.dbk.de/fileadmin/redaktion/Zahlen%20und%20Fakten/Kirchliche%20Statistik/Katholiken%20und%20Gottesdienstteilnehmer/2015-Katholiken-Gottesdienstteilnahme-Zeitreihe_1950-2015.pdf

[6] Angaben der DBK sind hier einzusehen: http://www.dbk.de/zahlen-fakten/kirchliche-statistik/ Eine weltliche Statistik ist hier.

[7] Davies, Michael, Pope Paul’s New Mass. Liturgical Revolution – Volume Three, Kansas City: Angelus Press 2009, 35

[8] Siehe die Besprechung: http://www.newliturgicalmovement.org/2015/06/book-notice-definitive-study-of.html#.WVTjeYTyios

[9] Vgl. Cekada, A., Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, West Chester: Philothea Press 2010, 185-186

[10] http://www.piusx.org.pl/zawsze_wierni/artykul/631 Siehe seine Argumente in: https://mthz.ub.lmu.de/index.php/MThZ/article/view/443/372

[11] http://www.vatican.va/archive/aas/documents/AAS-46-1954-ocr.pdf S. 669.

[12] Martin von Cochem, Erklärung des heiligen Meßopfers, Sarto: Stuttgart 2011, 42.

[13] Zitat nach: http://www.katholisches.info/2017/06/franziskus-zwingt-den-roemischen-priesterkollegien-die-konzelebration-auf/

[14] Der Vergleich ist nicht zu hoch gegriffen: http://www.katholisches.info/2017/06/gendarmerie-beendet-homo-orgie-im-vatikan-alkohol-drogen-luxus/ https://gloria.tv/article/8nUBmy99EUGX49gnjdjzpmqWy https://whatisupwiththesynod.com/index.php/2017/06/28/lets-play-a-game-i-call-it-connect-the-vatican-perv-dots/

 

Eugenie Roth, Das Mantilla-Experiment (4 von 4)

Mantilla with me

Mantillageschichten

Tag 7:

Weiterer Verlauf: An weiteren Tagen (für die Zähnung „Tag 7“) – scheinen die anderen Gottesdienstbesucher erst „richtig“ auf die Mantilla aufmerksam zu werden. Jemand, der sich auskennen sollte meint, sowas sei doch überhaupt nicht nötig (die Mantilla ist meines Wissens ein Sakramentale, ebenso wie der Rosenkranz und das Weihwasser, und eine Kopfbedeckung war für Frauen bis zum Vatikanum II verpflichtend während des Gottesdienstes zu tragen), jemand anders, ich solle doch die Mantilla unter dem Kinn binden, weil die Enden beim Gehen hin und her schwanken …

Und: Nein, ich werde mich dadurch nicht davon abbringen lassen, die Mantilla zu tragen. Und ich werde die Mantilla auch nicht unter dem Kinn binden, obwohl mir ein orthodoxer Christ gesagt hat, dass das die Frauen bei ihnen wohl tun. Aber ob die eine so feine Mantilla tragen oder einfach ein Kopftuch? – Vermutlich schon, denn dieser Mann hat mir früher einmal eine Mantilla gezeigt, die er für eine Frau aus seiner Gemeinde besorgt hatte. …

Tag 8:

Und dennoch überlege ich mir bei der nächsten Gelegenheit, ob ich denn überhaupt noch Lust(!!!) habe, die Mantilla zu tragen. Nein. Zu dem Zeitpunkt definitv nicht.

Aber: Die Mantilla ist ein Sakramentale. Der Teufel hasst so etwas. Also: AUFLEGEN!!! Das war dann gleich ein Mantilla-„Marathon“, da nach dem Gottesdienst noch Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten war. Zwischendurch immer wieder der Gedanke, nach der Heiligen Messe die Mantilla abzunehmen. Was? Wirklich? – Nein, das kommt gar nicht in Frage! – Und es war gut, dass ich die Mantilla aufbehalten habe. Der innere Kampf hat sich gelegt …

Tag 9 (gewissermaßen):

Ich sitze im Novus-Ordo-Gottesdienst. Da heute ausnahmsweise ein anderer Priester die Heilige Messe hält als sonst*, sitze ich an meinem ansonsten üblichen Platz, nicht vorne, von wo man aus in wenigen Schritten an den Ambo treten kann. Da spricht mich nach dem Gottesdienst eine Frau aus der Bank hinter mir an, was ich denn hier hinten zu suchen hätte und ich bräuchte gar nicht so zu frömmeln und mich (im Vetus Ordo-Gottesdienst) zu verschleiern, diese Messe sei kein Automatismus, bessern müsse man sich schon selbst. Nachdem sie auf meine Frage erklärt hat, wie sie zu dieser Anschuldigung kommt (sie ist völlig unbegründet, die Frau hat falsche Rückschlüsse gezogen), vermute ich zu wissen, warum ich immer wieder dazu geneigt bin, die Mantilla im Vetus-Ordo-Gottesdienst weg zu lassen. Habe ich ihre Abneigung und Vorurteile gespürt? Ich versuche, das Missverständnis aufzuklären, aber sie hält an ihrer Behauptung fest. Warum quält sie sich selbst?

* Der „übliche“ hat eine Stimmbanderkrankung, und deshalb habe ich mich entschlossen, für ihn die Lesung zu lesen – sebstverständlich nachdem ich ihm das angeboten hatte, ansonsten halte ich mich an die Regel aus dem Vetus Ordo, dass der Chorraum den Männern vorbehalten ist. Das hier zu erklären reicht mein Verständnis dessen noch nicht aus und würde auch zu weit führen.

Die Tridentinische Messe und „diese unverschämten Tradis“

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Als Auflockerung in der recht schwierigen Gnosis-Reihe ein Beitrag, welcher unseren Messalltag betrifft. Sicherlich können sich viele Leser damit identifizieren und somit uns etwas hierzu schreiben.

Im heutigen (2 Mai 2017, am Tag des hl. Athanasius) Blog onepeterfive findet sich ein bemerkenswerter Artikel, welchen der Schreiber dieser Zeilen selbstkritisch auf sich selbst beziehen kann. Auf onepeterfive rezensiert Brian Williams einen Aufsatz, den er in Unam Sanctam et Catholicam gelesen hatte. Auf Unam Sanctam  wiederum wird von zwei anonymen US-Amerikanischen Priestern behauptet, von denen der erste die Tridentinische Messe halb-regulär (semi-regular) opfert, der andere aber es regelmäßig tut, dass die Traditionalisten, diejenigen Katholiken also, die zu diesen Messen fahren, dermaßen: rude – „unverschämt“ und obnoxious – „unausstehlich“ sind, dass der „halb-reguläre“ Priester aufgrund dieser schrecklichen Gemeindemitglieder die öffentliche Messe in Vetus Ordo aufgegeben hatte (er zelebriert weiterhin privat), der andere hingegen denkt daran es hinzuschmeißen. Wie lauten die Vorwürfe dieser Priester an die Tradis:

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Der Seiko-Mariensamstag (3 von 5): Permutationen des Novus Ordo

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Permutationen der NOM

Warum ist es bei NOM nicht möglich in die Tiefe zu gehen? Aus zweierlei Gründen. Es ist entweder immer dasselbe: Zweiter Messkanon oder es ist ein permanentes Chaos bzw. zu viele neue Informationen auf einmal, da man auch ganz genau nach den nachkonziliaren Rubriken zelebrierend, schier eine unendliche Permutation- oder Optionsmöglichkeit hat. Keep on reading!

Traditionelle Messe ist frauenfreundlich (5 von 5): Selbstzentriertheit des Novus Ordo und Mantilla

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Ad c. Ist Selbstzentriertheit Novus Ordo?

Warum wurde das letze Konzil, Gott sei’s geklagt, veranstaltet? Um es dem „modernen Menschen“ gerecht zu machen. Was gerecht zu machen? Alles, wirklich alles. Aber warum? Weil der moderne Mensch dermaßen wertvoll, weil modern ist, dass er es einfach verdient. Die anderen, die nicht-modernen Neandertaler, waren ja nur behindert! So unmodern! Um an dieser Stelle die unvergleichliche Ann Barnhardt, sicherlich keine Tussi, zu zitieren:

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Pater Richard G. Cipolla, Die Entmännlichung der Liturgie im Novus Ordo (3 von 3)

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Auf einem meiner vielen Aufenthalte in Italien beobachtete ich, dass viele Kinderwagen so gebaut waren, dass das Baby in seinem Sitz saß und seine Mutter, die den Kinderwagen schob, ansah. Das erschien mir seltsam, denn in den Vereinigten Staaten sieht das Baby in dieselbe Richtung, wie die Mutter, die den Wagen schiebt. Als ich eine Freundin darüber befragte, sagte sie dass das daran läge, dass zu viele italienische Mütter den ständigen Augenkontakt zum Baby behalten wollen, um es anzulächeln, mit ihm in einer Babysprache zu reden und um das Band zwischen Mutter und Kind stark und sicher zu machen. Die klassische Mutter Kind Beziehung wird heute durch dieses ständige Bedürfnis des konstanten Augenkontaktes unter Ausschluss der übrigen Umwelt, als ob die „anderen“ die Beziehung zerstören würden,  geradezu pervertiert.

Ohne den Anspruch von Vollständigkeit oder Genauigkeit für die obige Analogie zu erheben, würde ich behaupten, dass die radikale Neuheit der Zelebration versus populum, die übrigens weder von Konzil noch von irgendeinem liturgischen Buch vorgegeben wird, die Rolle des Priesters als Vater, der für sein Volk dem Himmlischen Vater das Allerheiligste opfert transformiert wird in die Rolle einer Mutter, die den Kontakt zu den Leuten, die durch absichtlich einfältige Animationen zu Kleinkindern werden, durch ständigen Augenkontakt und liturgisches Augenzwinkern herstellt. Der Priester wird zur Mutter eines Kindes. Diese Reduktion der Gemeinde zu Kindern die gezwungen sind, den Mutter-Priester anzusehen, verhindert den Blick auf Gott zu richten, der durch die Gegenwart des allerheiligsten  kosmischen Opfers Christi verehrt werden soll.

Um eine weitere säkulare Analogie zu verwenden: die den Menschen zugewandt gefeierte Messe wird zu einer Schulstunde reduziert, in der jeder seine Rolle unter der Leitung des Priesters als mütterlichen Klassenlehrer spielt, der Klassenlehrerin, die sicherstellt, dass alles glatt läuft. Dies wird von einigen Liturgikern als die „horizontale“ Dimension der Liturgie im Gegensatz zur vertikalen Dimension, die die Transzendenz liefert, beschrieben. Letztlich ist das leeres Gerede, denn es setzt voraus, dass die Liturgie vom Priester und den Messdienern kontrolliert wird, deren Funktion es unter anderem ist, diese beiden Dimensionen irgendwie im Gleichgewicht zu halten.

Es ist völlig klar: Dieser gesamte Ansatz bestreitet klar und deutlich die Vorgegebenheit der Liturgie und deren Fokussierung auf die Anbetung Gottes im Lob und im Opfer. Dieses radikal untraditionelle Verständnis von Liturgie wird durch die Rubriken des Novus Ordo („mit anderen Worten“ oder „oder auf andere Weise“ oder „oder, wie es der lokale Brauch ist“) ermutigt und unterstützt. Ganz abgesehen von dem romantisch verklärten Blick auf den Ausspruch des heiligen Justin des Märtyrers und dessen Erhebung zur Norm, der in Bezug auf den Zelebranten der Messe sagte, dass „der Zelebrant die Danksagung nach seinen Möglichkeiten aufopfern soll“,[1] ganz abgesehen von der fragwürdigen Vorstellung, dass der Priester dazu befähigt wäre, aus der Tradition oder aus einem eigenen Gefühl für die Liturgie das,  was die Rubriken sagen und anordnen zu ergänzen oder zu füllen, diese als Schulstunde verstandene Liturgie macht Katholischen Gottesdienst, wie er in der Tradition verstanden wird, unmöglich. In der Tradition ist das ursprüngliche Verständnis der Liturgie die öffentliche Verehrung und der Kult, die und der verpflichtend ist. Eine Verpflichtung, offizium, die sicherlich auf Liebe basiert, aber dennoch eine Pflicht. In diesem traditionellen Sinn wird diese verpflichtende Anbetung verankert, sichtbar gemacht und erlebt im traditionellen römischen Ritus.

Der Priester gleicht Abraham, dem Vater von Isaak, dem Vater der Juden und unserem Vater im Glauben. Abrahams größte Akt des Glaubens und der Verehrung als Vater ist es, dass er seinen Sohn Isaac den Berg hinauf führt, um ihn im Gehorsam gegen Gott zu opfern. Sie gehen beide mit dem Blick auf den Gipfel des Berges gerichtet. Da ist Schweigen mit Ausnahme des kurzen Dialog zwischen Vater und Sohn:

Isaak sprach zu seinem Vater: Mein Vater! Er aber antwortete Was willst du, mein Sohn? Siehe, sprach er, hier ist Feuer und Holz, wo ist das Schlachtopfer zum Brandopfer? Abraham aber sprach: Gott wird sich ein Schlachtopfer zum Brandopfer ausersehen, mein Sohn. So gingen beide miteinander fort. (Gen 22, 7-8 Übersetzung nach Allioli)

Was wir hier zwischen Abraham und Isaak sehen, ist der wahre horizontale Aspekt der Anbetung, kurz auf den Punkt gebracht. Der vertikale und primäre Dialog ist zwischen Abraham und Gott, ein Dialog in der Stille des ehrfurchtsvollen Gehorsams und Glaubens.

Diese Rolle dieses mannhaften Gläubigen unterscheidet sich radikal von dem Priester, der seinen Job nicht darin sieht die Menschen zum Opferaltar zu führen, sondern darin, mit ihnen einen Dialog zu führen und ihnen begreiflich zu machen, was abgeht. Damit wird das eucharistische Hochgebet mit seinem insgesamt kurzen Dialog zwischen Priester und Mitfeiernden zu einer Ausweitung des Dialoggeplänkels des Priesters. Niemand ist hier, der zu Fuß einen Berg ersteigt, hier gibt es keine gemeinsame Hinwendung zum Herrn. Stattdessen gibt es hier den schrecklichen und lähmenden Stillstand der herablassenden und anmaßenden Mutter, die im Versuch, den Kontakt mit ihrem Kind herzustellen dessen Freiheit der Besteigung des Gottesberges zerstört.[2]

Bevor wir auf die wichtige Frage nach der Kontinuität des Novus Ordo Ritus mit dem traditionellen römischen Ritus aus der Sicht der Entmannung der Liturgie zu sprechen kommen, möchte ich einige Kommentare zu zwei praktischen Ergebnissen der Entmannung der Liturgie und des Priesters darlegen: Das erste ist, dass die Musik, die der Novus Ordo produziert hat, sowohl für die Gestaltung der Messe, als auch für die Lieder, die in der Liturgie gesungen werden bestenfalls als funktional im schlimmsten Fall als sentimentales Gejuckel zu bezeichnen sind und im Vergleich dazu die alten protestantischen Lieder wie Bachs Choräle klingen lassen. Wenn die Messe zu einer selbstbezogenen Veranstaltung reduziert wird, dann wird Musik bestenfalls funktional, im schlimmsten Fall nur etwas sein, dass die Gefühle der Menschen anspricht. Dieser Funktionalismus ist ein Merkmal der eingefrorenen, veralteten und antiliturgischen Haltung des liturgischen Establishments, das weithin das liturgische Leben der Kirche in den römischen Dikasterien, in den Seminaren, in den Diözesen und deren Gemeinden prägt. [3]

Große Kunst kann der Funktionalismus nicht schaffen, weder in der Musik,  Malerei, Bildhauerei noch in der Architektur. Der Funktionalismus zerstört die Anbetung, zumindest wie sie traditionell verstanden wird, als vielleicht nicht irrational, so aber sicherlich arational.[4]  In der funktionalistischen Sichtweise erhalten die Lesungen im Novus Ordo einen pädagogischen Touch, wie in einem Klassenraum, anstatt zu einer anbetenden Haltung zu führen, wie sie traditionell verstanden wird. Wieder wirkt der Priester hier als die Klassenlehrerin, die ihren Schülern erklärt, was sie sehen und hören.  Wir haben vergessen, dass die Lesungen in der Messe (die Liturgie des Wortes) Träger und Bewahrer des Wortes in der Liturgie sind; nicht nur Lektionen die gehört und zu Herzen genommen werden wollen. Sie kommen aus der Herzmitte der  Liturgie und nicht aus einem Katechismusunterricht, der von einer Lehrerin-Mutter gehalten wird. Die Liturgie belehrt nicht: sie gestaltet das Herz und die Seele. Es erfordert Aufmerksamkeit, um das zu erkennen, was hinter und unter den Worten ist, die gesungen oder gesagt werden. Die Heilige Schrift innerhalb der Messe ist ein Echo des Wortes und eine verehrende „Erinnerung an Gott“ über das, was ER gesagt und für uns in der Person Jesu Christi getan hat. Aus funktionalistischer Sicht muss der traditionelle Gesang der Kirche deswegen abgeschafft werden, weil er weit über die bloße Funktion hinaus durch seine Ausprägung und seine Vorgegebenheit den Zweck der Erhebung des menschlichen Geistes zu Gott erfüllt.[5]

Wir wenden uns nun von der Betrachtung der banalen und sentimentalen Musik des Novus Ordo ab, die die kränkliche Frucht des Funktionalismus ist und die dem Ritus etwas zugrunde legt, das im Vergleich trivial erscheinen mag, und wenden uns einem anderen Gesichtspunkt zu, der ein Teil des Beweises für die Entmannung des Priester liefert: der Kleidung des Priesters außerhalb der Messe.

Die Kleidung des Priesters, wenn sie nicht der Liturgie zugeordnet ist, hat einen Charakter erhalten, der in der säkularen Modewelt als metrosexuell bezeichnet wird. Das bedeutet, dass seine Männlichkeit in der äußeren Erscheinung bewusst verwischt wird. Der Verzicht auf die Soutane als der normalen Kleidung des Priesters außerhalb der Liturgie ist Teil der Entmannung des Priesters. Seiner unverwechselbaren Kleidung entledigt und mit einem schwarzen Anzug mit weißen Kragen versehen oder zunehmend häufiger mit einem T-Shirt mit weißem Halssaum, das aus der Tasche genommen und aufgeklebt werden kann, gekleidet, wird dem Priester in zunehmenden Maße sein zentraler Wesensbezug geraubt und dadurch seine Liminalität vergossen: Er ist nicht mehr länger der, der an der Schwelle, am Limen, zwischen Himmel und Erde steht, wenn er die Messe aufopfert. Wenn seine religiöse Kleidung nach säkularem Vorbild umgemodelt wird, dressiert und zähmt man ihn zu einem Geistlichen hinunter, bei dem sein Mann–Sein nur noch Person – sein und nicht mehr Mann – sein ist.

Diejenigen, die sich selbst vor allem im Europa der 50er und 60 er Jahren des 20. Jahrhunderts als die Avantgarde der Reform verstanden, kleideten sich als Priester in einer Art und Weise, die sie selbst als noch radikaleren Ansatz sahen. Sie trugen weiterhin Jackett und Krawatte oder schwarz Rollis, aber kombiniert mit der weltlichen Kleidung der Menschen, die sie umgaben. Heute noch kleiden sich viele europäische Priester so, entweder in Kontinuität mit ihrer Romanze mit dem Säkularismus oder als Versuch, sich noch besser in ihre „Herde“ einzupassen. Die Soutane, als traditionelle Kleidung des Priesters ist in Wahrheit zumindest in seiner Gemeinde eine Erinnerung daran, dass er nicht nur ein „Geistlicher“ (clergyman) [wie die protestantischen Pastoren es auch sind Red.], sondern ein Priester, dass er nicht nur ein „religiöser Führer“, sondern derjenige ist, der das Allerheiligste für sie aufopfert. Sie ist eine Erinnerung daran, dass das im Opfer der Messe fokussiertes Leben des Priesters niemals total säkularisiert werden kann. Die Soutane ist eine Bestätigung der Mannhaftigkeit und der Männlichkeit des Priesters. Diese Männlichkeit steht im Gegensatz zu der Vorstellung der Welt von Mannhaftigkeit als grunzenden Fußballspieler oder als unrasiertes Modell für Armani in engen Jeans, oder als eine Art sexuelle Kraft ausstrahlenden „Hengst“. Durch das Tragen des Soutane nimmt der Priester den Mantel des Propheten als das äußere Zeichen dafür, dass das Alleinsein und die Loslösung (von der Welt) ein integraler Bestandteil seines Wesens als Mann – vir –Priester ist.  Die Soutane ist ein Symbol genau dieser Distanz, die die Beziehung zwischen dem Priester und seinem Volk charakterisiert.

Der entmannte Priester verwechselt die Ablösung mit Arroganz, mit Überlegenheit, Kälte oder gar mit Klerikalismus. Ironischerweise ist das genaue Gegenteil wahr. Die nachkonziliare Zeit hat den Aufstieg eines Klerikalismus gesehen, eines Klerikalismus, der sich in die Behauptung einhüllt, dass der Priester nur den Vorsitz der Gemeindeversammlung innehat, obwohl er offensichtlich und tatsächlich über alle und über alles den „Vorsitz“ innehat. Der Priester darf niemals ein Vorsteher oder Vorsitzender sein, denn dann wird er zum pingeligen Hochzeitplaner degradiert. Damit er sein Volk lieben kann, muss der Priester eine wesentliche Distanz zu eben diesem Volk leben, sonst wird er zu einem weiteren mit einem Priesterkragen versehenen „Barbie-Ken“.[6]

Schließlich kommen wir zu dem, was die schwerste Wirkung der Entmannung des Priesters in sich trägt: zur scheinbaren und echten Diskontinuität zwischen dem Novus Ordo und dem traditionellen römischen Ritus. Diese Frage der Diskontinuität und des Bruches wurde in den letzten Jahren Gegenstand einer Reihe von Studien und Gespräche, nicht zuletzt zum Gegenstand der heute berühmte Ansprache Benedikt XVI. an die Römische Kurie am 22. Dezember 2005. Während es wahr bleibt, dass diese Ansprache die Frage der Hermeneutik der Interpretation des 2. Vatikanischen Konzils behandelt,  hat sie dennoch immer noch Relevanz für das spezifische Problem der Diskontinuität der Liturgie.[7]

Die Bedeutung des Wortes „Diskontinuität“ ist oft nicht klar. Ich schlage eine Analogie vor, von der ich denke, dass sie deutlich macht, was in dieser Diskontinuität zwischen den beiden Formen des römischen Ritus eingeschlossen liegt.[8]

dokument25In der Mathematik gibt es Funktionen, die an einem bestimmten Punkt unstetig genannt werden. Mit einfachen Worten gesagt bedeutet das, dass es an diesem Punkt keinen zuzuordnenden Wert für diese Funktion gibt. Wir könnten vereinfachend sagen, an dieser Stelle gibt es ein „Loch“ in der Funktion. Weiterhin bedeutet das, dass es keinen „Weg“ aus der Zeit vor der Diskontinuität zu einem Zeitpunkt danach gibt. Man kann nicht durch ein „Loch“ in der Funktion hindurch auf die andere Seite gelangen.

Wenn wir diese Analogie benutzen und von einer Funktion sprechen, die ein Loch hat, eine Diskontinuität, hilft uns das, die Tatsache zu verstehen, dass die überwältigende Mehrheit der Katholiken, die in der Zeit „nach“ dem Loch lebt und für die der Novus Ordo die einzige Erfahrung der Messe darstellt, die Seite der Funktion, die „zeitlich vor“ dem Loch war, als absolut fremd erlebt. Die überraschende Tatsache, dass für die Katholiken, die mit der Novus Ordo Messe aufgewachsen sind trotz aller Diskussionen, trotz aller theologischen und liturgischen Argumente, die in dieser Kontinuitätsdebatte aufgefahren werden, der traditionelle Ritus fremd und exotisch ist, bleibt bestehen. Diese Katholiken sehen die Kontinuität nicht, die bisher angenommen und verteidigt wurde. Sie sehen dieses Loch als einen Abgrund,  und können die andere Seite „davor“ weder sehen noch verstehen.

Die mathematische Analogie weiterhin benutzend, können wir erläutern, was die Diskontinuität zwischen den beiden Formen wirklich bedeutet. Funktionen werden durch Formeln definiert, die Variablen enthalten. Eine unstete (diskontinuierliche) Funktion kann auf beiden Seiten des Loches mit der gleichen Formel beschrieben werden. Es kann aber auch die Situation auftreten, dass sich für die Beschreibung der Funktion die Formel nach der Diskontinuität ändert und nun im Wesentlichen eine neue Formel mit einer neuen Funktion ist. Wenn wir unserer  eigenen Erfahrung als katholischem Volk trauen, können wir in der Feier der Messe in den beiden Formen des römischen Ritus die offensichtliche Tatsache einer Diskontinuität, eines Loches sehen. Eines Loches, auf dessen anderer Seite es auch eine neue Funktion mit einer neuen Formel gibt. Die neue Formel verwendet dieselben Variablen wie die alte Formel, aber es ist dennoch eine andere, neue Formel, die eine neue Familie von Kurven bezeichnet. Das Aussehen, die Form und Struktur der neuen Form sind sehr verschieden von der Form vor dem Loch. Dies ist ein sehr ernstes Problem für die Integrität des katholischen Glaubens, der in der Zelebration der Heiligen Messe gesehen, erkannt und verwirklicht wird.[9]

Auf der einen Seite haben wir die traditionelle römische Messe, die in der Regel des heiligen Benedikt in einem zeitgenössischen Bericht über das Leben des Heiligen als potente e strana, kraftvoll und seltsam bezeichnet wird.[10] In der Beschreibung des Gesanges der Kirche in der Einführung in das „Antiphonale Monasticum“  wird sie folgendermaßen beschrieben: „einfach, nüchtern, manchmal vielleicht etwas streng, sicherlich aber schön, und dazu befähigt in einer sehr starke Distanz letztendlich eine tiefe Süßigkeit zu beschreiben.“ Weiterhin sei sie „sehr ausdrucksvoll, annehmbar für alle Temperamente, und mit der Fähigkeit ausgestattet, die innersten Gefühle der Seele auszudrücken“.[11] Auf der anderen Seite (im Novus Ordo) etwas „Entmannendes“ und „Ent-Rom-anisierendes“.

Dies ist in der Tat das, was Kardinal Heenan im Jahr 1967 an jenem Tag sah, als die experimentelle Form der Novus Ordo Messe das erste Mal für die Bischöfe in Rom gefeiert wurde. Er sah dort die Ergebnisse der funktionalistischen Mentalität, die Zeremonien nicht versteht und Einfachheit mit einem abgespeckten Infantilismus verwechselt. Er sah dort die „Neuheit“ der Novus Ordo Messe, eine Neuheit, die nicht organisch aus der Tradition wuchs, sondern vielmehr von einer bestimmten liturgischen Theologie hervorgebracht wurde, die nicht nur von einem nachaufklärerischen Rationalismus infiziert war, sondern von ihm begründet wurde. Karinal Heenan sah dort die Entmannung der Liturgie und erfasste eine der zukünftigen Auswirkungen des Novus Ordo  in der Kirche: eine deutliche Abnahme des Messbesuches. Er lebte noch lange genug, um den Beginn des Verlustes des Sinnes für das Heilige zu erleben. Was er nicht mehr erlebte, war die Entmannung des Priestertums und seine verheerenden Folgen im Mangel an Berufungen und persönlicher Untreue zu Keuschheit und Zölibat.

Fr. Cipolla ist Vorsitzender der Fakultät für Alte Sprachen in Brunswick School in Greenwich, CT, und Pfarrvikar von St. Marien, Norwalk, CT

[Wir bedanken uns herzlich bei Fr. Cipolla für diesen exklusiven Beitrag fürr Rorate Caeli. Artikel sollte in seiner Gesamtheit nicht Dritten zugänglich gemacht werden. Bei Erwähnung oder Auszüge aus diesem Artikel zu zitieren, sind immer Quelle und Link.]

[1] St.Justin Martyr, Apology. 66-67 .

[2] Guardini, “The Primacy of the Logos over the Ethos”, op. cit., 199-211.

[3] Diese tödliche Rolle des Funktionalismus in der Liturgie wurde von Benedikt XVI. in einer Sammlung von Aufsätzen zur Rolle der Musik in der Liturgie unter dem Titel Lodate Dio con arte (Venezia:Marcianum Press 2010) besprochen und widerlegt.

[4] Guardini, op.cit., “The playfulness of the Liturgy”.

[5] In Italien, wo das liturgische Establishment immer noch dem Funktionalismus und der technokratischen Einstellung zur Liturgie anzuhängen scheint, hat man ein wunderbares Wort recycled, um das Entblößen der Liturgie und der Kirchengebäude bis auf die Knochen hin beschreibt: adeguamento [Anpassung, Angleichung, Gleichmachung Red.]. In Lodato Dio con arte bespricht Benedikt XVI diesen Termin und zeigt die zerstörerischen Auswirkungen, welches das adeguamento auf das liturgische Leben der Kirche Italiens hatte.

[6] Man kann die Anfänge dieser Entmännlichung des Priesters in den Hollywood-Darstellungen der Priester sehen, wie diese, wie sie von Bing Crosby in dem Film The Bells of St. Mary [deutscher Titel: Die Glocken von St. Marien] dargestellt wird. Es ist die Darstellung eines Priesters der ein guter Kerl ist, der Pfeife raucht und vor niemanden Angst hat, ein domestizierter Priester, welcher hilft den reflexartigen Antikatholizismus des protestantischen Amerikas zu zerstreuen. Man fragt sich wie viele junge Männer vom Priestertum in den letzten vierzig Jahre weggetrieben wurden, weil sie Angst hatten, dass das Priester-Sein die Aufgabe ihrer Männlichkeit und Virilität bedeuten würde.

[7] Um auf die spezielle Frage der Diskontinuität zwischen Novus Ordo und dem römischen Ritus siehe die Einleitung von Josef Ratzinger zu The Reform of the Roman Liturgy by Klaus Gamber, Roman Catholic Books 1993 und Josef Ratzingers, Der Geist der Liturgie, insbesondere das Kapitel über den Ritus. Eine detaillierte Darstellung der Übereinstimmung unter vielen Gelehrten, dass zwischen Novus Ordo und dem römischen Ritus eine Diskontinuität besteht, siehe die Aufsätze der liturgischen Konferenz, welche in der Abtei Fontgombault im Jahre 2001 abgehalten wurde: Looking again at the Question of the Liturgy, Alcuin Reid, ed., (Farnborough, England: St. Michael’s Abbey Press. 2002). Diese Frage der Diskontinuität scheint, zu Recht, aus pastoralen Gründen in Summorum Pontificum und dem Begleitbrief an die Bischöfe umgangen worden zu sein. Die Tatsache, dass zwei Formen des römischen Ritus in der Kirche koexistieren, sagt nichts Definitives darüber aus, ob eine Kontinuität zwischen ihnen vorherrscht oder auch nicht.

[8] Die Diskontinuität ist eine Frage, die getrennt von der Frage nach der Gültigkeit der Form gestellt werden kann. Die Gültigkeit der beiden Formen des römischen Ritus wird hier als gegeben angenommen.

[9] Pristas, Orations: Hinsichtlich der Arbeit des postkonziliaren Conciliums an den Kollekten der Messe spricht Pristas von „der Konstruktion einer völlig neuen Stadt“. Es ist bemerkenswert, dass die Arbeit dieses Gelehrten kein großes Unbehagen unter den Bischöfen auslöste, welche tatsächlich die Moderatoren und Leiter der Liturgie in ihren Diözesen sind.

[10] Flaminia Morandi, San Benedetto: Una luce per l’Europa(Milano:Paoline 2009)

[11] “simplices, sobriae, aliquando fortisan austeriores, decoram certe et firmamissam exhibent lineam, de cetero dulcibilem ac per hoc maxime expressivam, omnium susceptibilem temperamentorum, intimos animae sensus preferendi capacem.” Antiphonale Monasticum, (Tournai: Desclée & Co., 1934) p. xi

Pater Richard G. Cipolla, Die Entmännlichung der Liturgie im Novus Ordo (2 von 3)

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Zunächst ist Männlichkeit der Gegensatz von Sentimentalität, nicht von Gefühl an sich, sondern von Sentimentalität. Im ganzen traditionellen Ritus, der auch außerordentliche Form des römischen Ritus genannt wird, gibt es keine Spur von Sentimentalität. Dieses ist an den Rubriken und Gebeten [des Vetus Ordo Red.] ersichtlich, welche prägnant und auf den Punkt genau sind, ohne die Schönheit der Sprache zu opfern. In seinen Rubriken verhindert [der Vetus Ordo], dass die Persönlichkeit des Priesters ihre eigenen Gefühle und Entscheidungen dem Ritus aufdrückt. Wenn wir die Erkenntnis des seligen Kardinal Newman ernst nehmen, der sagte, dass Sentimentalität Säure für die Religion ist, in diem Sinne, dass sie die wahre Religion zersetzt, dann sind die Rubriken des traditionellen Ritus die kleine lila Pille, welche den Reflux der Sentimentalität in die Liturgie verhindert.[1]

Zweitens ist mit der traditionellen römischen Messe die volle Akzeptanz der Stille als das Herz der Kommunikation mit Gott gewährleistet. Die aktive Teilnahme wird hier als Kontemplation, als Gebet verstanden. Die Worte des Ritus sind nie das Entscheidende. Sie sind festgelegt und weisen immer über sich selbst hinaus. Jedermann weiß, dass bei zwei wirklichen Freunden in der Gegenwart des jeweils anderen die Herzen zueinander in absoluter Stille sprechen können. Dies ist das Schweigen des Moses vor dem brennenden Dornbusch, die Stille der Wüstenväter, die Stille, die von St. Benedikt in der Höhle von Sacro Speco ausging.

Drittens gibt es die Tatsache der Männlichkeit der lateinischen Sprache. Diese Sprache ist im Gegensatz zu der Weiblichkeit der romanischen Sprachen, sie aus ihr hervorgehen männlich in ihrer Prägnanz, ihrer Präzision, ihrer Förmlichkeit, ihrer Unbequemlichkeit und ihrem Mangel an Biegsamkeit. Selbst in den Händen eines Dichter wie Ovid, der es mit Sicherheit verstandenhat, die weiblich Seite der römischen Poesie ans Licht zu bringen, bleibt auch dort die Männlichkeit der Sprache gegen jeden Versuch, das zu ändern, in ihrer Männlichkeit bestehen.

Viertens verlangt der traditionelle römische Ritus, nicht nur in seinen Rubriken, sondern auch in seinem Wesen, eine Unterwerfung unter die Form. Er verlangt eine Unterdrückung der Selbstverwirklichung. Man wählt diesen Weg, um sich unterzuordnen. Man trifft eine Wahl, die immer eine geradezu heldenhafte Selbstlosigkeit, ein Selbstvergießen, eine Selbsthingabe an das größere Ziel einschließt.

Fünftens, sehr eng mit dem vorhergehenden Aspekt verbunden ist die Liturgie etwas Vorgegebenes, nichts Gemachtes. Man kann hier nur eintreten. Dieser Aspekt wird in den östlichen Riten noch deutlicher, in denen Rationalismus und Sentimentalität bisher nie die Chance hatten, die Gott-Gegebenheit der Liturgie zu erodieren. Diese Vor-Gegebenheit ist weder Versteinerung noch eine Leugnung organischer Entwicklung. Vielmehr ist sie wie ein großes Haus, in das man eintritt und das über viele Jahrhunderte durch die Inspiration des Geistes gebaut wurde. Das Genie und die Wahrheit von Romano Guardinis „Geist der Liturgie“ das den gegenwärtigen Papst Benedikt XVI. inspiriert, der in seinem eigenen Verständnis der Liturgie ein große Tiefe erreicht, erfasst diese absolute Vorgegebenheit der Liturgie; denn man kann nicht „im Hause des Herrn spielen“, ohne dass das Haus schon da ist, in dem man spielt. Der Priester akzeptiert das Verbot, seine eigenen Vorlieben und Missgunst hier auszuleben, zugunsten der Liturgie. Er wird dazu aufgerufen, sich nur auf das zu konzentrieren, und nur das zu tun was getan werden muss. Diese Ablösung von sich selbst akzeptiert er als Notwendigkeit, ohne die man nicht in die kosmische Liturgie eintreten kann, die Zeit und Raum transzendiert.[2]

Sechstens ist die Liturgie mannhaft in ihrem Verständnis und Gebrauch zweideutiger Gesten wie dem Kuss. Der Kuss findet sicherlich einen festen Platz im Bereich der Erotik. Und doch ist der Kuss ein Zeichen des Respekts und der Liebe sowohl zu den Kult-Gegenständen, die in der Liturgie verwendet werden als auch im Friedenskuss für diejenigen, die an der Liturgie teilnehmen. Der Kuss wird als erotisches Symbol gereinigt und auf die höchste und objektivste Ebene der Anbetung der Gegenwart Gottes in der Liturgie gehoben. Ich bin immer amüsiert und verwirrt über diejenigen, die die traditionelle römische Messe ohne die üblichen Küsse mit der Begründung feiern, dass sie irgendwie „exzessiv“ und anfällig für Missverständnisse seien. Sie sind nie übertrieben. Jesus wies Judas darauf hin, als die Frau seine Füße mit kostbarer Narde salbte. Diese Küsse sind nur dann anfällig für Missverständnisse, wenn die Liturgie ihrer angeborenen Mannhaftigkeit beraubt wird.

Schließlich akzeptiert die Liturgie in ihrer Mannhaftigkeit das wesentliche Alleinseins des Priesters inmitten seiner Gemeinde, die seine behütenswerte Herde ist, die er liebt, und für die er sterben würde, wen das notwendig wird. Der so geformte Priester steht allein am Altar, um das Heiligste für sein Volk zu opfern. Er steht in der Linie von Melchisedek, von Moses, von Paulus, von Augustinus und in der Linie von allen Heiligen, die sich nicht davor fürchteten allein vor Gott für und mit der Gemeinschaft zu sein. Dieser Priester steht vor allem in der Linie derjenigen die sich nicht scheuten, das Alleinsein des Martyriums zu erdulden.

Aus der obigen Diskussion über die Männlichkeit und Mannhaftigkeit der Liturgie folgt offensichtlich, dass die Entmannung der Liturgie die Entmannung des Priesters zur unmittelbaren Folge hat. Im Folgenden möchte ich zwei Beziehungsfelder charakterisieren, in denen der Priester genau das erfährt: eine, die direkt aus dem weltweit gefeierten Novus Ordo resultiert und eine zweite, die daraus folgt, dass die Mannhaftigkeit des Priesters vergessen und verloren wurde.

Der Priester wird durch nichts stärker entmannt als durch die moderne Gewohnheit der  Zelebration der Messe zum Volk hin. Weder ihr nicht traditionelles Wesen, weder ihre Begründung durch eine falsch verstandene und sentimentalisierende Rückbindung an eine romantisierte Antike (die Pius XII. schon in Mediator Dei als Archäologismus geißelte), noch die Verfälschung der Messe durch Betonung des völlig sekundären Mahlaspektes und Negierung des primären Opfercharakters ist hier das Problem. Das Priestertum wird in allererster Linie  geradezu geistlich kastriert durch die der Tradition völlig unbekannte und absolut neue Zelebration zum Volke hin.[3]

[1] Die Thematik der Zerstörung der wahren Religion durch ihre Reduzierung auf Gefühle allein durchzieht alle Predigten und Werke von Newman. In seiner Rede zur Verleihung der Kardinalswürde bringt er dieses Thema neu auf und nennt es Liberalismus. Diese Rede ist zugleich machtvoll wie auch vorausschauend.

[2] Zu diesem Punkt siehe: Romano Guardini, The Church and the Catholic and The Spirit of the Liturgy (Sheed and Ward: New York 1935), especially chapters 3 and 9.

[3] Die dritte Revision der Allgemeinen Einführung zum römischen Messbuch macht es mehr als deutlich, dass die Messe zum Volk hin nicht auferlegt wurde und dass die traditionelle Haltung ad orientem sicherlich erlaubt ist. Eines der großen Geheimnisse der nachkonziliaren Liturgierevolution ist die Frage, wie die Messe zum Volk hin zur Vorschrift wurde trotz der Abwesenheit von offiziellen Dokumenten, welche diese Haltung rechtfertigen würden. Über die detaillierte und nüchterne Geschichte des theologischen Verständnisses der „Ostung“ des Priesters und des Volkes bei der Zelebration der Liturgie, siehe: Uwe Michael Lang, Turning to the Lord, (San Francisco: Ignatius Press 2009). Deutsche Fassung: Conversi ad Dominum, Johannes Verlag.

Pater Richard G. Cipolla, Die Entmännlichung der Liturgie im Novus Ordo (1 von 3)

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Von Pater Richard G. Cipolla, Ph.D., D. Phil.(Oxon.), das Original fand sich hier.

Der Briefwechsel zwischen Kardinal Heenan von Westminster und Evelyn Waugh[i] vor der Promulgierung des Novus Ordo, in dem Waugh seinem Herzensschrei über die nachkonziliare Liturgie Luft macht und im Kardinal einen sympathischen, wenn auch unwirksamen Zuhörer findet, ist allgemein bekannt.[1] Nicht allgemein bekannt ist Kardinal Heenans Kommentar auf der Bischofssynode in Rom nach Präsentation einer experimentellen Messe, einer sogenannten Missa normativa, die zum ersten Mal im Jahre 1967 einer Gruppe von ausgewählten Bischöfen präsentiert wurde. Das folgende Essay ist von den Worten Kardinal Heenans inspiriert:

Bei uns zu Hause besuchen nicht nur Frauen und Kinder, sondern auch Familienväter und junge Männer regelmäßig die Messe. Wenn wir ihnen diese Art von Zeremonie anbieten würden, die wir gestern sahen, wären wir in unseren [Gottesdienst-]Gemeinden bald mit Frauen und Kindern allein.“[2]

Der Kardinal bezieht sich auf die Lügen, die den eigentlichen Kern der Novus Ordo Form der Römischen Messen betreffen, sowie auf die Gottesdienstbesucher und die tiefen Probleme, welche  die Kirche seit der Aufzwingung der Novus Ordo Form des römischen Ritus 1970 begleiten.[3] Man könnte versucht sein das, was Kardinal Heenan erfahren hatte als die Verweiblichung der Liturgie zu subsumieren. Aber dieser Begriff wäre unzureichend und letztlich irreführend. Denn es gibt einen wirklichen marianischen Aspekt der Liturgie, die deswegen weiblich ist. Die Liturgie bringt das Wort Gottes zur Welt (gebärt), weiterhin bringt sie den Leib des Wortes hervor, damit es angebetet wird und als Speise dargebracht wird. Präziser sollte man sagen, dass die Liturgie im Novus Ordo „ver-weibisch-t“ und verweichlicht (effeminized)  wurde.

Es gibt eine berühmte Passage in Caesars „De bello Gallico“, wo der Verfasser erklärt, warum der Stamm der Belgae so gute Soldaten hatte. Er führt dies auf ihren Mangel an Kontakt mit den Städten, den Zentren der Kultur zurück. Caesar nahm an, dass ein solcher  Kontakt ad effeminandos animos – zur Verweichlichung der Seelen führen, zur Verweichlichung und Verweibischung ihres Charakters.[4] Aber wenn man über die Risiken der Verweibischung/Verweiblichung der Liturgie spricht, wird man deswegen falsch verstanden, weil das als Abwertung der Frau und des Frauseins an sich verstanden wird. Ohne die Ansicht Caesars über den Einfluss der Kultur auf die Soldaten, welche sicherlich als macho bezeichnet werden kann, zu übernehmen, kann man sicherlich über die Entmännlichung des Soldaten sprechen, welche seine Strenge minimiert und das auflöst, was einen Soldaten ausmacht. Es ist keine Abwertung der Weiblichkeit. Es kann vielmehr als eine Abschwächung dessen beschreiben, was es bedeutet ein Mann zu sein.

Um zu beschreiben, was Kardinal Heenan bei der ersten Feier der experimentellen Messe im Jahr 1967 sah,[5] möchte ich den Begriff Entmännlichung (devirilization) verwenden. Die Liturgie wurde in der Novus Ordo Form, welche Benedikt XVI. etwas umständlich, aber verständlicherweise die ordentliche Form des Römischen Ritus nennt, entmännlicht (devirilized). Man muss sich die Bedeutung des lateinischen Wortes vir ins Gedächtnis rufen. Sowohl vir als auch homo bedeuten „Mensch“, aber es ist vir allein, die die Konnotation des Mannes als Held enthält und es ist genau dieses Wort, das oft für „Mann“ verwendet wird. Die Aeneis beginnt mit den berühmten Worten: arma virumque cano („Ich singe von Waffen und Helden“). Was Kardinal Heenan im Jahr 1967 vorausschauend und richtig sah, war die faktische Beseitigung der mannhaften Natur der Liturgie. Er sah den Ersatz der männlichen Objektivität, notwendig für den öffentlichen Kult der Kirche, durch Weichheit, Sentimentalität und einer Personalisierung, welche auf die mütterliche Person zentriert ist.

Das Volk steht während der Liturgie[6] in einer marianischen Beziehung zur Liturgie: achtsam, innerlich offen und  nach-denkend  wartet man, um erfüllt zu werden. Innerhalb der Liturgie ist es der Priester als Vater, der spricht, verkündet und das Wort so vermittelt, dass das Wort zur Nahrung werden kann für diejenigen, die in dieser erhebendsten Betätigung der Kirche, das ist in der Liturgie, stehen.[7] Es ist der Priester, der Christus dem Vater opfert. Dieser Akt ist es, der die tiefste Bedeutung dessen vermittelt, was es heißt Priester zu sein. Und so macht die Rolle des Priesters als Vater seine Rolle unterscheidbar nicht nur in seiner Funktion, sondern in der eigentlichen Ontologie der Sexualität[ii].[8] Der Priester am Altar steht in persona Christi [in der Person Christi, d.h. an Christi statt Red.], in persona Verbi facti hominem [in der Person des Wortes, das Mensch wurde], und das nicht nur als homo [Mensch], da dies ein Wort ist, welches gewissermaßen das Geschlecht transzendiert, sondern in persona Christi viri [in der Person Christi des Mannes][iii], in diesem Sinne, dass  homo factus est ut fiat vir, ut sit vir qui destruat mortem, ut sit vir qui calcet portas inferi [er ist Mensch geworden, um ein Mann zu werden, damit er ein Mann ist, der den Tod zerstören wird, damit er ein Mann ist, der die Pforten der Hölle niedertreten wird Red.]: Gott ist Mensch geworden, um ein männlicher Held zu werden, welcher den Tod zerstören und die Pforten der Hölle mit eigenen Füßen niedertreten wird.

Die Entmännlichung der Liturgie und die Entmännlichung des Priesters kann aus praktischen Gründen nicht voneinander getrennt werden. Im Folgenden möchte ich, obwohl lückenhaft und unvollständig, zunächst spezieller auf die Entmännlichung der Liturgie als solcher in der Novus Ordo Form des römischen Ritus zu sprechen kommen. Im Weiteren will ich die notwendige (da sie vom entmännlichten Ritus stammt) Entmännlichung des Priesters zu sprechen kommen und diese anhand von konkreten Beispielen beschreiben.

Die Beschreibung der römischen Liturgie mit Adjektiven wie „streng“, „präzise“, „edel“ und „einfach“ ist ein Gemeinplatz unter denen, die über die Liturgie in der modernen liturgischen Bewegung des zwanzigsten Jahrhunderts geschrieben haben. Viele dieser Autoren haben jedoch diese Strenge des römischen Ritus verklärt oder habe sie benutzt, um den Ritus seiner organisch über mehrere Zeitalter gewachsenen Gestalt zu entblößen, in dem sie die organisch gewachsene Gestalt mit Begriffen wie „gallikanische Zusätze“ und „nutzlose Wiederholungen“ diskreditierten. Anstatt den römischen Ritus als „streng“ zu bezeichnen, ein Adjektiv, das wohl puritanischen Unterton hat, ist es besser, von der Männlichkeit oder Mannhaftigkeit des traditionellen römischen Ritus zu sprechen. Eine Definition von Männlichkeit in diesem Zusammenhang ist deswegen notwendig. Dies ist etwas schwierig, und diese Frage verdient ein tieferes Studium. Deswegen werde ich einige Aspekte des traditionellen römischen Ritus aufgreifen, die zu erklären helfen, was ich mit der inhärente Männlichkeit und Mannhaftigkeit im Zusammenhang mit diesem Ritus meine.[9]

[1] Evelyn Waugh and John Carmel Cardinal Heenan, A Bitter Trial, 2nd ed. (South Bend: St. Austin Press, 2000)

[2] Ibid., 70.

[3] Die wichtige Frage bezüglich der Gültigkeit der Aufzwingung von Novus Ordo und die effective Verbannung des Missale des Römischen Ritus 1962 wurde von Joseph Ratzinger in seinem Buch Der Geist der Liturgie (San Francisco: Ignatius Press, 2000, 165-66) aufgeworfen. Es scheint, dass die Antwort auf diese Frage in der Promulgierung von Summorum Pontificum und in dem Begleitschreiben an die Bischöfe geklärt wurde. Die Frage ist aber nicht diese, ob ein Papst ein reformiertes Missale herausgeben kann. Der Hl. Pius V tat dies gewiß als Antwort auf das Tridentinum. Die Frage lautet, ob ein Papst der Kirche eine neue Form des Missale auferlegen [aufzwingen] und den traditionellen römischen Ritus unterdrücken kann. Dieses Kult-ähnliche Verständnis der päpstlichen Gewalt wurde von Paul VI vertreten und es wurde von denen unterstützt, welche ihn dazu ermutigt haben den traditionellen römischen Ritus zu unterdrücken, sowie von Bischöfen, welche sich diesem kühnen Manöver angeschlossen haben. All das würde Pius IX [dem ersten Papst, welchem das Jurisdiktionsprimat dogmatisch zugestanden wurde Red.] vor Scham und vielleicht von Neid erröten lassen [weil er sich niemals so viel Macht hätte träumen lassen Red.].

[4] Caesar, De bello Gallico, 1.1

[5] Kardinal Heenan stellte dieser Bemerkung die Beobachtung voraus, dass er nicht wisse, wer die Neue Messe vorgeschlagen habe, aber es sei ihm klar, dass nur wenige von ihnen Pfarrer waren [oder in der Gemeinde arbeiteten].

[6] Man sollte nicht vom Volk [als dem liturgischen Gegensatz zum Priester Red.] sprechen, das während der Liturgie anwesend ist, sondern eher vom Volk, das innerhalb der Liturgie ist. Die Liturgie ist etwas, was zu betreten ist, es ist nichts, was betrachtet, gemacht oder durch das anwesende Volk ins Sein gebracht wird.

[7] Sacrosanctum Concilium 10: “Dennoch ist die Liturgie der Höhepunkt, dem das Tun der Kirche zustrebt, und zugleich die Quelle, aus der all ihre Kraft strömt.”

[8] Über die ontologische Natur der Sexualität siehe Angelo Scola, “The Nuptial Mystery: A Perspective for Systematic Theology?”, Communio 30 (Summer 2003).

[9] Dieser Aufsatz hat nicht vor, den verbalen Inhalt des Novus Ordo Ritus zu thematisieren, wie zum Beispiel die radikalen Änderungen in den Kollekten und in den Offertorien. Die wichtigen und auf ihre Weise verheerenden Ergebnisse der Forschung von Dr. Lauren Pristas wurde in einer Reihe von Aufsätzen und einem zu folgenden Buch behandelt, welches die Revisionen des post-konziliaren Consiliums [eines ökumenischen Gremiums von Theologen und Liturgiewissenschaftlern Red.] zum Inhalt hat, welche an den Kollekten der Messe vorgenommen wurden, um die rationalistische und modernistische Politik [des Conciliums] darzustellen und was zu den neuen Kollekten innerhalb der Novus Ordo Messe führte. Diese Politik fällt ebenfalls unter die Kategorie der „Entmännlichung“. Lauren Pristas, “The Orations of the Vatican II Missal: Policies for Revision”, Communio 30 (Winter 2003) 621-653; “Theological Principles that Guided the Redaction of the Roman Missal 1970”, The Thomist 67(2003) 157-95; “The Collects at Sunday Mass: An Examination of the Revisions of Vatican II”, Nova et Vetera, 3:1 (Winter, 2005) 5-38. Siehe auch Aidan Nichols, Looking at the Liturgy, (San Francisco: Ignatius Press 1997). Dieses kurze Buch ist immer noch die beste Quelle, um die rationalistischen und antiliturgischen Voraussetzungen der spät-modernen liturgischen Bewegung zu verstehen, welche in die Novus Ordo Form der Messe mündete.  [Diese Thematik der neuen Kollekten und Offertorien wurde auch im folgenden Buch thematisiert in Cekada, Anthony, Work of Human Hands. A Theological Critique of the Mass of Paul VI, Philothea Press: West Chester 2010, 219-246;275-304. Red.]

[i] Evelyn Waugh (1903-1966) britischer Schriftsteller und Konvertit. Bekannt für seinen Roman „Wiedersehen mit Brideshead“ (Brideshead revisited), einer der bessern Stilisten der englischen Sprache im XX Jahrhundert. Ebenfalls empfehlenswert sind  aus der katholischen Sicht seine Romane „Schwert der Ehre“ (Sword of Honour) und „Helena“, welche auf Deutsch verlegt wurden, denn die Originalprosa Waughs ist sprachlich recht anspruchsvoll, dennoch lesenswert. [Red.]

[ii] Der Autor will hier wohl sagen, dass der Priester nicht nur der Gemeindevorsteher oder –bespasser ist, weil dies leider die Priesterrolle im Novus ordo ist, sondern, dass er liturgisch gesehen ein Vater ist, weil er ein Mann ist. Der Mann kann nur ein Vater sein, keine Mutter.

[iii] Dies ist auch eines der Hauptargumente gegen die Frauenweihe. Christus war ein Mann oder ein biologischer Mann, wie man heutzutage näher bestimmen muss, und daher kann nur ein Mann an Christi statt wirken und zwar real und nicht metaphorisch.