Tradition und Glauben

Schlußbericht des Nuntius von Österreich aus dem Jahre 1985 und seine Aktualität (5 von 5)

8. Besondere Situationen Vorbemerkung: Österreich, das ehemalige große Imperium bis zum Ende des Ersten Weltkrieges, trägt noch immer an den Folgen der Zerschlagung dieses Staates. Dies heißt, daß die demokratische Einstellung erst spät zum Reifen kam, nämlich nach dem Zweiten Weltkrieg. Dies erklärt die Unsicherheiten und das Fehlen einer echten Identität in der Kirche und in anderen Institutionen. Der Einfluß Deutschlands in der Theologie ist deutlich zu spüren. Lassen wir Statistiken und Umfragen, die zu widersprüchlichen Ergebnissen gelangen und die entweder kein objektives Urteil abgeben oder wichtige Punkte mit Schweigen übergehen, einmal beiseite. Dem Anschein nach ist die Kirche in Österreich in gutem Zustand. Man könnte sogar sagen: in zu gutem Zustand, wenn man die Zeit berücksichtigt, in der wir leben. Ihre historische Tradition, die sie freilich leicht mit „Josephinismus“ durchtränkt, hat sie in Treue zum Heiligen Stuhl bewahrt....

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Schlußbericht des Nuntius von Österreich aus dem Jahre 1985 und seine Aktualität (4 von 5)

6. Die Bildungswerke und Medien Die mehr oder weniger von der Kirche abhängigen Medien sind zahlreich und vielfältig: Radio, Fernsehen, diözesane Zeitungen, „Bildungswerft“, „Familienverband“, „Familienwerft“, Katholische Hochschuljugend, Katholischer Akademikerverband, Pädagogische Akademien, Sozialakademien, „Bibelwerft“, Verlagshäuser, Buchhandlungen etc. Alle erfreuen sich großer Freiheit in Organisation und Meinungsäußerung, die die kirchlichen Autoritäten auch respektieren… bis hin zum Unglaublichen, daß nämlich diese Medien oft das ungestörte Vehikel der Kirchenkritik sind und Meinungen verbreiten, die nicht jene der Kirche sind. Alle diese Bildungseinrichtungen zeigen, da sie deutlich „progressiv“ ausgerichtet sind, ein Gemisch von Meinungen, Thesen, Vorschlägen, Stellungnahmen, so unterschiedliche und voneinander abweichende, ja einander widersprechende Aussagen, daß im Gesamten die erzieherische und pastorale Funktion dieser wertvollen pastoralen Werkzeuge darunter schwer leidet. Man muß auch sagen, daß die staatlichen Autoritäten der Kirche viele Möglichkeiten der Kommunikation im staatlichen Rundfunk/Fernsehen einräumen, aber diese Sendungen werden meist liberalen Priestern oder Laien, wenn nicht überhaupt radikalen oder ablehnenden Elementen, anvertraut. Die heiligen Messen und Betrachtungen, die das Radio sendet, sind im allgemeinen in Ordnung, obwohl die Betrachtungen von so unterschiedlichen Personen gehalten werden, daß daraus eine große Verwirrung im Glaubensgut entsteht. Obwohl unterschiedlich im Ton und mit einem großen Mischmasch an Mitarbeitern, sind die Kirchenzeitungen von Wien und St. Pölten ganz vernünftig (obwohl das Wiener Blatt von einem Ex-Priester geführt wird), während jene von Linz und Salzburg die ablehnendsten und provozierendsten sind. Deshalb wenden sich brave Gläubige oft an die Bischöfe mit der Bitte um geeignete Maßnahmen, um keine Abweichungen vom Lehramt, um ein gutes gesichertes Glaubensgut. Aber ihrer Stimme wird wenig Gehör geschenkt. Die oben genannten Einrichtungen religiöser Bildung (Bildungswerk, Familienwerk etc.) sind in ähnlichen Händen wie bei den Zeitungen und dem Rundfunk/Fernsehen und haben daher vielleicht noch in schlimmerer Weise eine ziemlich zersetzende Wirkung. Sie säen ein übles Gemisch an Ideen und Verhaltensweisen, sie laden zu ihren...

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Schlußbericht des Nuntius von Österreich aus dem Jahre 1985 und seine Aktualität (3 von 5)

3. Die Diözesanseminare Im allgemeinen bieten diese Seminare keine Garantie für eine angemessene Ausbildung der Priesterkandidaten. Dies liegt an der dort herrschenden Permissivität. Die Leiter und die Spirituale sind wohl gut, aber schwach. Die Seminaristen erfreuen sich auf allen Gebieten großer Freiheiten. Nicht wenige beginnen ihre Studien in gutem Geist, aber dann verlieren sie gerade dort, im Seminar, ihre Berufung, entweder durch die liberalen Ideen, mit denen sie konfrontiert werden, oder durch die Kontakte mit Mädchen, die sie entweder in der theologischen Fakultät oder im Seminar selbst treffen, oder aber auch durch die bescheidene Spiritualität, die ihnen beigebracht wird. Die Zahl der Berufungen ist gering und kommt zu einem guten Teil aus den Knabenseminaren, die heute freilich ziemlich fruchtlos sind, da sie in gewöhnliche Gymnasien mit Koedukation umgewandelt wurden. Obwohl ihre Leiter guten Willen zeigen, beklagen sich einige bitter, daß die Früchte ihrer Arbeit dann im Priesterseminar gefährdet oder gar zerstört werden, sodaß sie es wohl vorziehen, daß die dort erweckten Berufungen sich eher dem Ordensklerus als dem Weltklerus zuwenden. 4. Die Orden Im Bezug auf die Orden muß man nicht nur zwischen Orden und Orden, Kongregation und Kongregation, sondern sogar zwischen Konvent und Konvent unterscheiden. Sehr wenige Berufungen haben die Dominikaner, Jesuiten, Franziskaner, Redemptoristen und noch viele andere. Die Benediktiner weisen eine gewisse Blüte in Kremsmünster und in Göttweig auf, wo hervorragende Äbte es verstanden haben, eine ausgezeichnete Disziplin zu bewahren und zu erneuern. In anderen Abteien mit alten Traditionen (Wien Schottenstift, Melk, Admont, Salzburg St.Peter, Seitenstetten usw.) ist dies nicht so. Die Augustiner Chorherren scheinen sich allmählich zu erholen. Die Karmeliten hatten in den vergangenen Jahren, nach einer langen Periode desStillstandes, einen neuen Aufbruch an Berufungen. Die unbeschuhten Karmelitinnen sind, zwar ohne übertriebene Schärfen, durch jene Spaltung gekennzeichnet, die man auch in anderen Ländern zwischen strengen Verfechterinnen der...

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Schlußbericht des Nuntius von Österreich aus dem Jahre 1985 und seine Aktualität (2 von 5)

1. Der Religionsunterricht in den Schulen Obwohl jede Verallgemeinerung auf diesem Gebiet auf jeden Fall wenig objektiv wäre, da die Lehrkräfte, die hier die Grundlage bilden, völlig unterschiedlich sind (Alte, Junge, Priester, Laien unterschiedlichster Herkunft, laisierte Priester), ist die am meisten verbreitete Strömung jene, die sich in pädagogische Modernität kleidet. Sie hat nicht nur die Katechismen durchdrungen, sondern gibt auch vor, bibelwissenschaftliche Grundlagen zu liefern, kritisches Denken und Kenntnis der Probleme der Gegenwart zu vermitteln, vermeidet aber dogmatische Aussagen und objektive moralische Normen, will eher Gemeinschaften als persönliches Glaubensleben bilden, betont vorzugsweise soziale Fragen und verschweigt dabei im Namen des Ökumenismus die apostolische Sendung. Viele Eltern beklagen sich, daß man in den Religionsstunden in den Schulenüber alles spricht und diskutiert „außer über Religion“. Man kann tatsächlich eine kulturelle und religiöse Leere feststellen, die diese Pädagogik bei den Jungendlichen geschaffen hat. Sie wird nicht nur in den theologischen Fakultäten, sondern auch in den diözesanen pädagogischen Akademien gelehrt und wird von den diözesanen Schulamtsleitern auch gewünscht. Diese ermahnen, ja verdrängen sogar jene Lehrkräfte, die traditionellen pädagogischen Linien folgen (Zehn Gebote, Glaubensbekenntnis, Sakramente, Gebete etc.). Die Schulbücher, die von der interdiözesanen Kommission approbiert sind und den Schülern von der Regierung geschenkt werden, liegen alle auf der angegebenen Linie, d.h., sie lassen eine klare Systematik vermissen, sind nicht präzise formuliert, weisen deutliche Lücken im Glaubensgut auf, sind nicht selten verbildend… Alle kritischen Punkte der Theologie spiegeln sich im Milieu der Katechese: liberal gegenüber dem Dogma, der Moral, der kirchlichen Disziplin, kritisch gegenüber der Institution Kirche, dem Lehramt, der Tradition, und sozial gesehen „links“ engagiert oder auf einer „grün pazifistisch futurologischen“ Linie angesiedelt.  2. Die theologischen Fakultäten Die staatlichen theologischen Fakultäten in Wien, Salzburg, Graz und Innsbruck und die kirchliche in Linz bieten trotz des Fehlens aufsehenerregender Extremismen, sieht man von dem Entzug der vehia...

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Schlußbericht des Nuntius von Österreich aus dem Jahre 1985 und seine Aktualität (1 von 5)

Der Schlussbericht des Nuntius von Österreich aus dem Jahre 1985, welchen wir hier in sechs kommentierten Teilen vorlegen, ist ein Schreiben, welches der Mehrheit der Leser bereits bekannt sein durfte, da es seit Langem im Internet zu finden ist.[1] Es stellt sich somit die Frage, worin der eigentliche Sinn besteht etwas Bekanntes und Historisches erneut ins Netz zu stellen. Die Antwort lautet: Weil es so gut ist! Der Bericht des Msgr. Mario Cagna macht der vatikanischen Diplomatie alle Ehre, welche damals über wirklich fähige, fromme und kirchlich denkende Diplomaten, die zugleich Geistliche waren, verfügte. Wahrscheinlich ist es auch heute noch der Fall, obgleich der traurige Fall des Nuntius Wesołowski in der Dominikanischen Republik eine andere Geschichte erzählt. Der Lagebericht des Nuntius Cagna lässt sich auch wohl grosso modo auf das heutige Österreich und das heutige Deutschland übertragen, obgleich die Sätze:...

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