Priestertum und Zölibat (6 von 12): Untersuchung der Einwände gegen das Zölibat (iii) Auf Glaubensabfall folgt Zölibatsbruch.

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Wir haben mehr als einmal darüber geschrieben. Wie sieht der „Glaubensverlust“, wie es so hoch romantisch heißt, eigentlich in Praxis aus:

  1. Er betet nicht.
  2. Er beichtet nicht.
  3. Er glaubt immer weniger, weil die Glaubenswahrheiten „seiner konkreten Lebenswirklichkeit“ angepasst werden müssen.
  4. Er hat einmal Sex.
  5. Er hat immer mehr Sex mit wechselnden Partnerinnen/Partnern.
  6. Er legt sich auf eine Konkubine fest, weil es so bequemer ist.
  7. Er engagiert sich „Wir sind die Kirche“ sowie für die „Aufhebung des Zwangszölibats“.

Es ist widerwärtig und kein Grund ihn zu bedauern. Ja, wir haben ausreichend viel für ihn gebetet.

Auf Glaubensabfall folgt Zölibatsbruch

  1. Obwohl im Zuge der sexuellen Revolution oft und gerne behauptet wird, dass die Sexualität ein menschliches Grundbedürfnis darstellt, so ist, psychologisch gesehen, das eigentliche Grundbedürfnis das Bedürfnis nach Nähe (intimacy).[1] Wird das letztere Bedürfnis, welches das Suchen nach Selbstachtung, Identität, Freundschaft und Wertschätzung widerspiegelt, anders als sexuell befriedigt, so spielt die sexuelle Komponente in den zwischenmenschenschlichen Beziehungen eine geringere Rolle und das Zölibat selbst wird als befreiend und bereichernd erfahren.[2]

a. Aus mehreren Befragungen von Geistlichen zum Thema Zölibat geht hervor, dass sowohl diejenigen, die das Zölibat halten, als auch diejenigen, die diese Lebensweise aufgegeben haben, den größten Vorzug des Zölibats in der Quantität und Qualität der zwischenmenschlichen Beziehungen sehen.[3]

b. So berichten viele Zölibatäre von einer Entwicklung ihrer interpersonellen Fähigkeiten, vom wachsenden Mitgefühl, Offenheit und Sensibilität. Einer der Respondenten legt diese Entwicklung wie folgt dar: „Es entsteht eine Freiheit, die Freiheit großherzig und authentisch zu lieben, großherzig ohne ausschließlich sein zu müssen und [durch die Wahl des Einzelnen] alle anderen auszuschließen“.[4] Die Möglichkeit die altruistische Liebe vielen Menschen auf verschiedene Art und Weise, unter Ausschließung des beschränkenden, sexuellen Aspekts, mitteilen zu können, wird als eine große Freiheit empfunden. Als ebenso befreiend wird die Erfahrung beschrieben von mehr als einer Person geliebt zu werden. Dass die Möglichkeit dieser Art der allumfassenden und nicht beschränkten Liebe im Familienalltag nicht gegeben ist, geht aus den Aussagen der verheirateten Ex-Zölibatäre hervor.

c. Dass der Aufgabe der zölibatären Lebensweise in den meisten Fällen eine langjährige, spirituelle Krise vorausgeht,[5] wird unter anderem daran deutlich, dass ein dauernder Verstoß gegen die zölibatäre Ordnung, scil. Konkubinat, bei den untersuchten niederländischen Respondenten erst in ihren späten Vierzigern, also mindestens zehn Jahre nach ihrer Priesterweihe, stattfand. [6]

  1. Eine spirituelle Krise, welche als „Verlust der Gottesnähe“ und daraus folgende Sinn- und Identitätskrise umschrieben wird, erfolgt aber fast immer dann, wenn das Gebetsleben des Priesters schwindet und schließlich ganz aufgegeben wird. Wie die spirituelle Literatur lehrt, wird gerade im Gebet, besonders beim betrachtenden Gebet, d.h. in der Meditation, die Liebe und Anwesenheit Gottes tatsächlich erfahren. Diese Erfahrung von Anwesenheit und Liebe wird auch durch diverse neurologisch-medizinische Untersuchungen zum Thema Meditation bestätigt, welche zeigen, dass im Meditationszustand gerade diejenigen Gehirnareale aktiviert werden, welche für das Wahrnehmen von Liebe, zuständig sind.[7]

a. Da man aus der Meditationsforschung weiß, dass das Meditieren alle Stresssymptome senkt, Empathie fördert, Altruismus und soziale Kompetenz steigert,[8] so ist im Umkehrschluss anzunehmen, dass die wachsende Frustration, Traurigkeit und Vereinsamung mancher Priester auf ein fehlendes oder falsches Gebetsleben zurückzuführen ist. Besonders die oft beklagte Einsamkeit ist eher auf ein Auseinanderfallen des Sinngefüges der priesterlichen Existenz als auf die tatsächliche soziale Isolation zurückzuführen.

b. Wie verschiedene Studien zur Einsamkeit darlegen, hat das Einsamkeitsgefühl weniger mit der Anzahl der sozialen Kontakte zu tun, als mit der Möglichkeit „wert- und sinnvolle soziale Beziehungen“ (meaningful social connections) zu knüpfen.[9] Interessanterweise ist das Gefühl der Einsamkeit hauptsächlich mit der Selbstwahrnehmung verbunden. Empfindet ein Individuum sein Leben als sinnlos, so leidet es, aufgrund des geringen Selbstwertgefühls, an Einsamkeit, welche dadurch vertieft wird, dass, wegen des geringen Selbstwertgefühls, soziale Kontakte und soziale Situationen gemieden werden. Umgekehrt besteht eine deutliche Verbindung zwischen dem „geistlichen Wohlergehen“ (spritual well-being), welches ein Sinngefüge vermittelt und der sozialen Kompetenz und allgemeinen Lebenszufriedenheit. [10]

  1. Für die Forderung des Zölibats lassen sich auch religionsgeschichtliche, neurologische und traditionelle Argumente anführen, auf die im Nachfolgenden eingegangen wird.

[1] Manuel, “Religious celibacy”, 292: “Both Goergen [ders., Sexual Celibate, 80] and Brown cite Rollo May: »For human beings, the more powerful need is not for sex per se but for relationships, intimacy, acceptance and affirmation.«“; Hoenkamp-Bisshops Anne M., „Catholic priests and their experience of celibacy“, Journal of Religion and Health 31:4 (1992) 327-336, hier 332.

[2] Hoenkamp-Bisshops, „Catholic priests“, 332; Manuel, “Religious celibacy”, 292; Brown, New Celibacy, 170; Goergen, The Sexual Celibate, 74.

[3] Manuel, “Religious celibacy”, 283-284.

[4] Manuel, “Religious celibacy”, 284.

[5] Dies geht eindeutig aus der Untersuchung von Józef Baniak hervor: Baniak Józef, „Czynniki kryzysu tożsamości kapłańskiej wśród księży rzymskokatolickich w Polsce. Studium socjologiczne“ [=Ursachen für die Krise der priesterlichen Identität. Eine soziologische Untersuchung unter den römisch-katholischen Priestern in Polen], Teologia praktyczna 8 (2007) 209-263. Baniak befragte zum Thema „Krise der priesterlichen Identität“ insgesamt 1063 Ordens- und Weltpriester, darunter 287 Ex-Priester und 744 tätige Priester. Laut Baniak, „Czynniki“, 257 gaben die befragten Ex-Priester für die Krise ihrer priesterlichen Identität, welche schließlich mit dem Amtsverzicht endete folgende Gründe an:

Ursachen für die priesterliche Identitätskrise und den Amtsverzicht Ex-Priester
1 Krise des zölibatären Priestertums 82,3 %
2 Verstöße gegen das Zölibat 81,2 %
3 Vernachlässigung der eigenen Beichtpraxis 72,2 %
4 Vernachlässigung des eigenen (Stunden-)gebets 69,3 %
5 Kritische Beurteilung des eigenen Priesterdienstes innerhalb der Kirche 61,6 %
6 Theatralisierung und Desakralisierung des religiösen Kultes 62,7 %
7 Glaubenskrise und Krise der priesterlichen Frömmigkeit 61,8 %
8 Zweifel an der Notwendigkeit des priesterlichen Dienstes überhaupt 58 %
9 Starke Konflikte mit den kirchlichen Vorgesetzten 58,2 %
10 Vernachlässigung der Predigten und Unterweisungen 60 %
11 Kritik am Priesteramt und der Gemeindeseelsorge 53,3 %
12 Vernachlässigung der Schulkatechese 51 %
13 Fehlende Priesterberufung 52,6 %

Es ist anzunehmen, dass die, unter 3. Bis 13. angeführten Gründe, früher oder später zum Punkt 2. (Verstöße gegen das Zölibat) und schließlich zum Punkt 1. (Krise der zölibatären Priestertums) führen.

[6] Hoenkamp-Bisshops, „Catholic priest”, 329. Ähnliches berichtet Baniak, “Czynniki”, 235-236.

[7] Bei den durchgeführten Gehirnscans wurde deutlich, dass für die neutrale Wahrnehmung von Liebe, sei es romantische, Mutter- oder altruistische Liebe, ein Gehirnareal namens Gyrus Cinguli Arterior (engl. anterior cingulate cortex ACC) zuständig ist: Bartels A. und Zeki S., “The neural basis of romantic love,” Neuro-Report 11 (2000) 3829–3834; diess., “The neural correlates of maternal and romantic love,” Neuroimage 21 (2004) 1155–1166; Beauregard M. und Courtemanche J. et al., “The neural basis of unconditional love”, Psychiatry Research: Neuroimaging 172 (2009) 93-98. Eine andere neurologische Studie zeigt, dass betende Personen Gott als eine real existierende, zu ihnen sprechende Person erfahren, da beim freien Gebet diejenigen Gehirnareale aktiviert werden, welche für die soziale Wahrnehmung zuständig sind. Schljoedt U. et al, “Highly religious participants recruit areas of social cognition in personal prayer”, Social Cognition and Affective Neuroscience 4:2 (2009) 199–207. [Abstract:] “This finding supports our hypothesis that religious subjects, who consider their God to be ‘real’ and capable of reciprocating requests, recruit areas of social cognition when they pray. We argue that praying to God is an intersubjective experience comparable to ‘normal’ interpersonal interaction”.

[8] Wachholtz Amy B. und Pargament Kenneth I., „Is Spirituality a Critical Ingredient of Meditation? Comparing the Effects of Spiritual Meditation, Secular Meditation, and Relaxation on Spiritual, Psychological, Cardiac, and Pain Outcomes“, Journal of Behavioral Medicine 28:4 (2005) 369-384; Cahn Rael B. und Polich John, “Meditation States and Traits: EEG, ERP, and Neuroimaging Studies”, Psychological Bulletin 132/2 (2006) 180-211; Kristeller J. und Johnson T. J., “Cultivating Loving-Kindness: A Two-Stage Model for the Effects of Meditation on Compassion, Altruism and Spirituality”, Zygon 40(2005)391-407.

[9] Eine sehr umfangreiche Studie zu diesem Thema legten vor: Masi Christopher M., Chen Hsi-Yuan et al., „A Meta-Analysis of Interventions to Reduce Loneliness“, Personality and Social Psychology Review 15:3(2011)219-266; vgl. Cacioppo John. T., Hawkley Louise C. et al., „Sociality, Spirituality, and Meaning Making: Chicago Health, Aging, and Social Relations Study“, Review of General Psychology 9:2 (2005) 143-155.

[10] Ellis Jon B. und Smith Peggy C., „Spiritual Well-Being, Social Desiderability and Reasons for Living: Is there a Connection?“, International Journal of Social Psychiatry 37:1 (1991) 57-63; Paloutzian R. F. und Ellison C. W., “Loneliness, spiritual well-being and quality of life”, In: Peplau L. A. und Perlman D. (eds.), Loneliness: A Sourcebook of Current Theory, Re-search, and Therapy, New York: Wiley Interscience 1982,  224–237.

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Priestertum und Zölibat (5 von 12): Untersuchung der Einwände gegen das Zölibat (ii) Sex ist nicht lebensnotwendig.

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Sex ist nicht lebensnotwendig und viele Menschen, die keine Priester sind, leben sexlos glücklich. Zölibat ist also machbar und möglich.

Sex ist nicht lebensnotwendig

  1. Dass eine ausgelebte Sexualität auch in der Welt nicht unbedingt zu einem glücklichen und erfüllten Leben notwendig ist, zeigt das in der neueren Zeit immer öfter auftretendes Phänomen der Asexualität, in welcher Menschen, die auch in Beziehungen leben oder leben möchten,[1] kein Bedürfnis nach einer sexuellen Interaktion verspüren.[2]

a. Obwohl die Asexualität oder Anaphrodisie sich vom Zölibat grundsätzlich dadurch unterscheidet, dass ihr entweder gar kein oder ein sehr schwach ausgeprägter Geschlechtstrieb zugrundeliegt, welcher, im Gegensatz zum Zölibat, nicht beherrscht oder sublimiert zu werden braucht, so zeigt doch dieses Phänomen, dass ein Leben ohne ausgelebte Sexualität, für manche Menschen, möglich und erfüllend ist.

b. Zwar handelt es sich bei der Asexualität um eine äußerst seltene Erscheinung, welche 1% der Gesamtbevölkerung betreffen kann,[3] dennoch wird die Anaphrodisie neuerdings nicht als eine sexuelle Störung, sondern als eine sexuelle Orientierung betrachtet.[4] Dies zeigt, dass die sexuelle Freiheit auch darin bestehen kann keine Sexualität zu praktizieren.

c. Die Tatsache, dass das Priesterzölibat, von manchen „Zwangszölibat“ genannt, so viele Menschen beschäftigt, welche sich zu dieser Lebensweise gar nicht verpflichten müssen, ist vielleicht ein Indiz für eine tiefe Unzufriedenheit mit dem eigenen Sexualleben der Zölibatskritiker und birgt somit den psychologischen Mechanismus der Projektion in sich, wodurch man die eigene innere Ordnung auf die äußere Welt überträgt.

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Priestertum und Zölibat (4 von 12): Untersuchung der Einwände gegen das Zölibat (i) Freiheit des Arbeitgebers.

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In anderen Arbeitsbereichen hat man doch auch Auflagen, welche sogar den Freizeit- und Familienbereich betreffen. DSDZ führt derzeit einen 08/15 Gorilla-Beruf aus, welcher ihn dennoch verpflichtet über seinen Arbeitsbereich Stillschweigen auch Familienmitgliedern gegenüber zu bewahren. Ist das ein Eingriff in sein Privatleben? Ja. Hat er sich dazu vertraglich verpflichtet? Ja. Verdient er wenigstens gut dabei? Nein. Ein Priester verdient nach dem Studium wie ein Staatsbeamter im höheren Dienst dafür kann er wohl das Zölibat halten.

Untersuchung der Einwände gegen das Zölibat

  1. Es gibt wohl keinen anderen Aspekt der kirchlichen Disziplin, welcher so viel Leidenschaft und Widerspruch, besonders bei denen, die der Kirche fern stehen, hervorruft wie das Zölibat. Obwohl langjährige und länderübergreifende soziologische Studien zum Thema: „Zölibatsverpflichtung der Priester in der Meinung der Gläubigen“ fehlen, so kann durchaus die Ansicht vertreten werden, dass sich die Säkularisierung der Gesellschaft im fehlenden Verständnis für das Wesen und den Wert des Zölibats niederschlägt. Obwohl man im Falle des Zölibats, ähnlich wie bei den Verkehrsvorschriften oder bei der Steuerpflicht, niemals davon ausgehen kann, dass sie von allen befolgt werden, so käme niemand auf die Idee diese, zum Wohle der Gesellschaft beitragenden, Verpflichtungen abzuschaffen, da sie nicht hundertprozentig befolgt werden. Die Abschaffung des Zölibats hingegen scheint durch eine gewisse medial-politisch-theologische Allianz als das Allheilmittel gegen jede Ausprägung der Kirchenkrise betrachtet zu werden, ohne dabei zu berücksichtigen dass gerade diese Forderung von einer tiefen Kirchenkrise zeugt.
  1. Es werden zwar dauernd und auflagekräftig Umfragen veröffentlicht, welche sich gegen das Zölibat richten, ohne dass dabei berücksichtigt wird, dass sich die Befragten kaum über etwas äußern können, was sie in keinster Weise betrifft.

a. Denn berufsrechtlich und ganz profan betrachtet, handelt es sich beim Zölibat um eine arbeitsrechtliche Auflage, welche der Arbeitgeber – die Katholische Kirche – manchen seiner Arbeitnehmer – den Priestern – auferlegt.

 

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Priestertum und Zölibat (3 von 12): Die Notwendigkeit des Zölibats.

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Ja, Gott ist anders – totum aliud. Er ist transzendent, er ist transmundan (überweltlich), er ist abgehoben und heilig. Und alle, die Gott nahe kommen, werden automatisch anders als die Welt. Deswegen sollen Sie sich keine Sorgen darum machen, dass Sie die Welt verlassen müssen, wenn Sie zu Christus finden. Die Welt wird Sie verlassen, weil Sie mit Ihnen nichts gemein haben wird. Deswegen sind die Priester, die dieses Namens würdig sind, anders. Deswegen sollen sie sich anders kleiden, bewegen und aussehen, was eigentlich automatisch passiert. Denken Sie an Heiliges, so reden Sie anders, bewegen sich anders und sehen anders aus. Der Zölibat hat damit zu tun, dass man als Priester kein weltliches Leben führen kann oder darf mit Frau Kinder, Schulaufgaben, Sonntagsbraten, Schwiegerelternbesuch etc. Denn Sex ist immer ein Gesamtpaket mit „Beziehung“ und letztendlich Familie (Sonntagsbraten).

4.   Die Notwendigkeit des Zölibats

  1. Da den primären Gegenstand der priesterlichen Berufung und des daraus resultierenden Priesterberufs der Gotteskult bildet, welcher eine ganzheitliche Lebenshingabe erfordert, daher lässt sich der Priesterberuf mit keinem anderen Beruf vergleichen. So wie sich der Bereich des Göttlichen und Übernatürlichen vom Bereich des Weltlichen und Natürlichen abgrenzt, so muss sich das gesamte Leben des Priesters, in welchem sich sein Priestertum verwirklicht, vom Leben anderer Menschen unterscheiden.
  1. Schon im AT bedeutet eine Zugehörigkeit zum Heiligen zugleich ein Getrennt-Sein von der Welt, da das hebräische Wort qadowsh (קָדוֹשׁ) oder qadosh (קָדֹשׁ), welches für „heilig“ steht zugleich auch „abgesondert“ bedeutet. Diese Wechselbeziehung zwischen Heilig-Sein und Abgesondert-Sein ist in den ältesten, alttestamentlichen Texten präsent (vgl. Lev 11,44; Lev 20,24; 1 Sam 2,28; Is 48,8-10 a.): „Seid mir heilig, denn ich der Herr, bin heilig (hagios) und ich habe euch von all diesen Völkern ausgesondert, damit ihr mir gehört“ (Lev 20,26).

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Priestertum und Zölibat (2 von 12): Priestertum als ganzheitliche Lebenshingabe.

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Der Priester ist durch sein Priestertum und ein eigenes Sakrament viel enger mit Christus, dem jungfräulichen Lamm, verbunden als irgendein Laiengläubiger. Daher auch der Zölibat: höhere Würde, höhere Ansprüche. Der Priester soll doch tatsächlich während seines Priestertums eine beinahe ontologische Christus-Identität entwickeln und zwar viel buchstäblicher als ein Gläubiger, weil Christus durch ihn predigt, wirkt und die Sakramente spendet. Er soll ein reines Rohr der Gnade werden und danach wird er auch gerichtet werden. Ja, die Hölle brennt, ja die „Erderwärmung“ kommt daher, ja, die Priesterseelen brennen und wie.

a.   Priestertum als ganzheitliche Lebenshingabe

  1. Im Gegensatz zu anderen Formen der Christusnachfolge, zu welcher alle Christen berufen sind, beinhaltet der priesterliche Dienst nicht nur Handlungen „in Christi Namen“, sondern auch Handlungen „an Christi statt“ (KKK 1548). Denn bei der Spendung der Sakramente, auf welche der priesterliche Dienst hauptsächlich hin geordnet ist, handelt der Priester in persona Christi. Dies wird besonders im Sakrament der Eucharistie und im Sakrament der Buße deutlich (Catechismus Romanus II 7,2.5.7). Bei der Eucharistie spricht der Priester die Wandlungsworte „dies ist mein Fleisch … mein Blut“, womit er, die Ich-Form verwendend, das Fleisch und das Blut Christi meint. Bei der Beichte verwendet der Priester bei der Lossprechungsformel ebenfalls die Ich-Form („Ich spreche dich los von deinem Sünden“), wobei der tatsächlich lossprechende Christus selbst ist. Diese besondere Ich-Verbundenheit des Priesters mit Christus stellt Papst Benedikt XVI wie folgt dar:

„Christus erlaubt es uns, sein ‚Ich’ zu benutzen, wir sprechen im ‚Ich’ Christi, Christus zieht uns in sich hinein und erlaubt uns die Vereinigung mit ihm, er vereint uns mit seinem ‚Ich’. Und so, durch sein Handeln, durch diese Tatsache, dass er uns in sich ‚hineinzieht’, so dass unser ‚Ich’ mit seinem ‚Ich’ vereint wird, verwirklicht er das Andauern, die Einzigartigkeit seines Priestertums; so ist er wahrhaft immer der einzige Priester, und dennoch sehr gegenwärtig in der Welt, weil er uns in sich hineinzieht und so seine priesterliche Sendung gegenwärtig macht“.[1]

  1. Zwar nimmt jeder Getaufte am „gemeinsamen Priestertum aller Gläubigen teil“ (KKK 1547), sodass „jeder gemäß seiner eigenen Berufung an der Sendung Christi, des Priesters, Propheten und Königs, beteiligt [ist]“ (KKK 1546), dennoch gibt es in der katholischen Kirche neben diesem gemeinsamen Priestertum auch ein amtliches oder hierarchisches Priestertum, welches, durch die Sakramentenspendung, im Dienst des allgemeinen Priestertums der Gläubigen steht (KKK 1547, Lumen gentium 10, Catechismus Romanus II 7.24).

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Priestertum und Zölibat (1 von 12): Das neutestamentliche Priestertum.

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Das Argument, dass die Priester des Alten Bundes verheiratet waren, Kinder hatten und daher Sex ist verfehlt, weil das Priestertum des Neuen Bundes keine Fortsetzung des Priestertums des Alten Bundes ist. Mit Christus fängt ein Neuer Bund mit neuen Regeln an. Das katholische Priestertum ist die Nachfolgen des jungfräulichen Hohepriesters Christus. Er war jungfräulich, unverheiratet, zölibatär und so muss auch ein katholischer Priester, der Christus seinen Leib zu Verfügen stellt, sein. Keine Widerrede! 

Das neutestamentliche Priestertum

  1. Das Verhältnis Jesu zum alttestamentlichen Priestertum ist eher vom Bruch als von Kontinuität gekennzeichnet, daher wird in der Tradition der Kirche sein Priestertum „nicht nach der Ordnung Aarons […], sondern nach der Ordnung Melchisedechs“ (Catechismus Romanus II 7.8, KKK 1544) bezeichnet. So stammte Christus selbst aus keinem Priestergeschlecht, sondern, wie Maria (Mt 1,1-16) und Joseph (Lk 2,4), aus dem königlichen Hause Davids (Röm 1,3). Zu seinen Jüngern wählte er Männer, die ebenfalls keinem jüdischen Priestergeschlecht angehörten. Obwohl er selbst mit den Seinen am Tempelkult teilnahm, baute er kaum etwas davon in seine neue Stiftung ein.

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