Diese leidige Homothematik – Warum? (2 von 2)

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[Jakob Jordaens (1598-1678), Die Flucht von Lot und seiner Familie aus Sodom]

Vermehrung der Sünde

Wie wir aber schon in anderem Zusammenhang schrieben, spielen homosexuelle Handlungen im Satanismus oder in satanischen Riten eine pervers-wichtige Rolle, weil dadurch die Menschen besonders verdorben und Satan durch diese Taten besonders viel aufgeopfert wird. Bitte selbstständig auf youtube unter gay casting couch, gay hollywood und gay hip hop nachschauen. Um nach diesen glaubwürdigen Filmen zu urteilen, da sie wirklich über Insiderwissen verfügen, müssen sich künftige Schauspieler, Sänger und andere willige Männer in der Unterhaltungsbranche homosexuell prostituieren, obwohl sie vorher nicht homosexuell waren, um den Kontrakt zu erhalten, eine Filmrolle zu ergattern, höheres Einkommen zu erzielen etc. Dies ist ein Demütigungs- und Initiationsritual zugleich, welcher natürlich aufgenommen wird, damit derjenige für immer erpressbar bleibt. Da viele der Bosse der Unterhaltungsindustrie Satanisten sind, so verrichten sie dadurch ihr „Satansopfer“, indem sie diese jungen Männer schänden, die nach einiger Zeit von Opfern zu Tätern werden. Ja, es ist wahr, was den labilen Zustand vieler Schauspieler erklärt, ihre Tätowierungen, ihre Drogensucht, Selbstzerstörungswut, scheinbar zwanghafte Affären mit Frauen, um sich etwas zu beweisen und die „Verwischung der sexuellen Orientierung“. Die Castingcouch gibt es nicht nur für Frauen, auch für Männer, und es finden sich wirklich immer welche, die da mitmachen und es als Karriere ansehen. Da Satanisten von einer umgekehrten objektiven Norm ausgehen, so müssen sie konsequenterweise das tun, was Gott am meisten beleidigt, sprich immer schwerere sexuelle Perversion bis zum Menschenopfer hin praktizieren. Aber auch viele Homosexuelle, die von all dem Hintergrund keine Ahnung haben, tragen durch ihre Sünde zum Satansopfer bei.

Abstieg in den diabolischen Narzissmus

Dies ist aber die Welt, können wir sagen, obwohl diese ganze Homo-Agenda nicht nur in die Kirche eingedrungen ist mit der klerikalen Casting-Couch (ja, es ist wahr), sondern, dass diese Agenda die Kirche regiert, siehe Bergoglio und seine Mannen. Wie treffend Ann Barnhard in ihrer Arbeit über den diabolischen Narzissmus herausstellt, ist die Vorliebe für sexuelle Perversionen sein Zeichen. Anders formuliert: je unheiliger man lebt, desto perverser wird man. Je unheiliger aber ein Geistlicher ist, desto weniger Gnade kann er vermitteln, von der Lehre ganz zu schweigen, weil sein Intellekt durch die Wollust (luxuria) verblendet wird. Woher erkennen Sie den Grad der Luxuria bei jemand? An seinem Stolz, denn es gibt den Grundsatz:

Sichtbarer Stolz – unsichtbare Unkeuschheit.

Sichtbare Unkeuschheit – unsichtbarer Stolz.

Es ist wirklich unmöglich sexuell ausschweifend zu leben, wenn man nicht von sich selbst eingenommen ist und deswegen sind alle Narzissten extrem promiskuös. Aber auch der sichtbare Stolz, Selbstverliebtheit, Selbsteingenommenheit, Narzissmus oder wie wir es nennen wollen, das also, dass man sich selbst für toll hält, muss doch früher oder später das sexuelle Ventil finden. Ann Barnhardt hat wirklich recht, dass die Novus Ordo Messe neue Generationen von diabolischen Narzissten hervorbringt, da alle meinen, dass es beim Kult Gottes um sie geht. Der Priester glaubt, dass die Leute seinetwegen kommen, die Gläubigen meinen, dass es dem Priester daran liegen sollte, dass sie kommen, indem er den „Gottesdienst“ so „gestaltet“, damit sie sich wohl fühlen. Es geht also nicht um ein Werk der Gerechtigkeit des wahren Gotteskultes, in dem ein Dank-, Lob-, Sühne- und Bittopfer zelebriert wird und an dem, unter der Leitung des opfernden Priesters, die Gläubigen mit opfern. Der Priester hat während einer Alten Messe an so viele Details zu denken, dass er wahrscheinlich keine Zeit haben wird an sich selbst, oder daran „ wie er rüber kommt“ zu denken, wenigstens soll es so sein. Dem Narzissmus wird kein Zucker gegeben, von der Predigt abgesehen. Weil also die Neue Messe zuerst Narzissten und anschließend diabolische Narzissten hervorbringt, so ist die wachsende Homosexuellendichte unter den Priestern und in der katholischen Gesamtbevölkerung kein Wunder.  Homosexualität steht aber auch für das Abgleiten ins Diabolische der ganzen Gesellschaft, weil die wachsende Akzeptanz dieser Sünde singulär für den gesamten Glaubensabfall steht. Wie man von tätigen Exorzisten weiß, heißt der Dämon der zur Unkeuschheit versucht Asmodeus. Ob es noch spezielle Dämonen gibt, die zur Homosexualität oder Schlimmeren versuchen, ist uns nicht bekannt. Möglich wäre es. Aber Dämonen fühlen sich dort unwohl, wo sie Heiligkeit spüren. Je heiliger man wird, desto weniger wird man sinnlich oder sexuell angefochten. Der Hl. Antonius der Einsiedler und der Hl. Hieronymus hatten ihre starken Anfechtungen, die überliefert sind, am Anfang ihres monastischen Lebens. Der Teufel ficht uns dort an, wo er Chancen sieht und je mehr Heiligkeit man ausstrahlt, umso unwohler fühlen sich die Dämonen in dessen Nähe. Sie selbst werden feststellen, dass die Anfechtungen, nicht nur sexueller Natur, proportional mit der Zeit wachsen, in der ihre Beichte zurückliegt. Je frischer gebeichtet, sozusagen, desto weniger Versuchungen. Es sind Dämonen, die versuchen, zur Unkeuschheit natürlich auch, und es ist der freie Wille der entscheidet. Dort aber, wo das Sakrale zurückgeht, gewinnen Dämonen die Übermacht und deswegen sollte man bei all den rationalen Überlegungen zur wachsenden Homosexualisierung den diabolischen Aspekt nicht unterschätzen. Mehr Tridentinische Messen, mehr Anbetung, mehr Rosenkranz, mehr Beichte und der sexuelle und homosexuelle Sumpf wird trockengelegt, wie bei Joseph Sciambra selbst, wie er selbst beschreibt. Man braucht wirklich übernatürliche Gnade, um tugendhaft, sei es als Einzelperson oder als Gesellschaft, zu leben. Diese Quellen der Gnade wurden seit Vat. II zugedreht und nun haben wir, was wir haben.

Bei Novus Ordo geht es um „die Familie“

Die Konzentration auf die Sünde der Sodomie in den neokonservativen Medien, auch Generation JP2 oder Neokons genannt, hängt auch damit zusammen, dass, wie Hilary White es treffend ausdrückte, sich Nachkonziliarismus als Sexualethik (pelvic issue) subsumieren lässt. Weil nach Vat. II alle Dogmen des Katholizismus hinterfragt, ausgelagert oder für „nicht mehr zeitgemäß“ erklärt wurden, wie z.B.

  • Die katholische Kirche ist die allein seligmachende Kirche.
  • Notwendigkeit der Kirchenzugehörigkeit (nulla salus extra Ecclesia).
  • Notwendigkeit der Heidenmission.
  • Notwendigkeit der Häretikermission.
  • Notwendigkeit der Gnade.
  • Dogma von der Erbsünde.
  • etc.

so wurde die Ehelehre, in der abgespeckten Version, dass ein Mann und eine Frau miteinander, ohne dritte Personen, Kinder, Tiere oder Gegenstände, möglichst nach der Ehe, möglichst ohne künstliche Verhütungsmittel (natürliche sind ok) Sex haben dürfen und zwar nach der Theologie des Leibes von JP II reichlich und bis zum Abwinken zum eigentlichen katholischen Dogma erhoben. Andere Dogmen gab es nicht und zum einzigen No-Go wurde die Abreibung. Und deswegen kann ein katholischer Priester wirklich alle Dogmen leugnen, wenn er aber gegen die Pille und die Abtreibung predigt, dann gilt er, wenigstens in den USA, als erzkonservativ, was man natürlich in D, CH und Ö nicht erleben wird, denn hier wird dagegen ja nicht gepredigt. Unter Papst Franziskus wird aber auch diese allerletzte Bastion des Katholizismus geschleift, denn seit Amoris Laetitia sind Konkubinate und Zweitehen (weitere wohl auch) ok und Homosexualität auch.

Was bleibt dann den armen Neokons vom Katholizismus übrig?

Richtig, gar nichts. Und deswegen will man sich gegen die Homosexualisierung der Kirche und der Gesellschaft wehren, ja, wenigstens dagegen.

Natürlich sind sexuelle Sünden Sünden, und es sind schwere Sünden. Sodomie ist eine himmelschreiende Sünde, die nach Gottes Vergeltung ruft. Man kann sich aber richtigerweise fragen, warum man noch auf dieser, so die Welt, „rigorosen und überholten Sexualethik“ besteht, wenn man sich in den restlichen 99% der Welt angeglichen hat. Leider wurde in der konziliaren und nachkonziliaren Lehre der erste Zweck des Ehevollzugs: Kinder mit dem zweiten: gegenseitige Hilfe gleichgestellt. Kurz und gut: die Eheleute helfen einander dadurch, dass sie Sex miteinander haben, welcher, so JP2 in seiner leidigen Theologie des Leibes, eine Teilnahme am innergöttlichen Leben darstellt (sic!). Also je mehr Sex um der Lust willen, desto besser. Kinder zu zeugen ist nicht mehr notwendig, weil man jetzt natürliche Verhütung, welche ja auch eine Verhütung ist, mit dem Segen der Kirche praktizieren kann. Noch deutlicher: die sexuelle Lust ist der primäre und eigentliche Zweck der Ehe. Das ist doch unerhört! Wenn also die sexuelle Lust und nicht die Fortpflanzung der probate Ehezweck ist, warum sich denn einschränken? Warum die Lust nicht steigern? Warum nur heterosexuellen Sex haben? Warum nicht homosexuell, pädophil oder zoophil werden? Lust ist Lust, je mehr desto besser. Und deswegen ist es wirklich inkonsistent, wenn die nachkonziliare Kirche sagt:

Ja, Sex um der Lust, nicht der Kinder willen, aber nur in der Ehe. Weder vorher, noch außerhalb, noch irgendwie sonst.

„Das ist aber eine Lusteinbuße!“, würde jemand rufen.

Stimmt, aber der „heilige“ Papst Johannes Paul II hat es so gesagt und deswegen stimmt es.

Dagegen lautet die wahre katholische Lehre:

Sex ist nur und ausschließlich der Kinderzeugung wegen da und deswegen sind alle sexuellen Akte, allein oder mit anderen Personen etc. schwer sündhaft, wenn sie außerhalb der sakramentalen Ehe, deren Hauptziel es ist Kinder zu zeugen, stattfinden.

Und deswegen: weder Masturbation, noch sexuelle Praktiken, welche die Empfängnis ausschließen, noch Homosexualität, noch anderes. Deswegen! Und weil Sex der Kinderzeugung dient, deswegen die Ehe, weil die Kinder eine Familie brauchen. Würde man denken, dass jeder geschlechtliche, eheliche Akt dazu führen sollte mehr Seelen Gott zuzuführen, indem man Menschen zeugt, wie anders würde man sich doch verhalten. Es ist doch eine Mitarbeit mit der Schöpfungskraft Gottes, welcher sich der Eheleute bedient. Und je heiliger sie im Moment der Zeugung sind, desto einen besseren Start hat, geistlich gesehen, das gezeugte Kind. Mit der Verkündigung der wahren, katholischen Lehre wird alles wieder an seinen Platz zurückfinden. Das Sexuelle auch, denn nach dem vielen Horizontalen, findet man endlich das Vertikale und die Ordnung, nach der man sich ausrichten kann. Und so wird man nicht immer wieder über die Sünde der Homosexualität schreiben müssen, als gäbe es nichts anderes und nichts wichtigeres. Dazu helfe uns Gott. Amen.

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Don Pietro Leone, Die Kirche und Asmodeus. (5 von 7) „Überhöhung der ehelichen Liebe“.

asmodeus

B. Die Überhöhung der ehelichen Liebe

 1. Vergöttlichung und Zielsetzung

       Wir haben erklärt, wie die eheliche Liebe durch ihre Vergöttlichung erhöht wurde, durch ihre Angleichung an die göttliche Liebe der Barmherzigkeit.

        Durch die Angleichung der ehelichen Liebe an die Nächstenliebe, vergöttlicht sie der Papst nicht nur, sondern legt sie auch dadurch fest, dass er sie als einen Weg zur Verwirklichung des Sinns des menschlichen Lebens präsentiert. Denn da Gott die Summe alles Guten und Vollkommenen ist, ist die raison d’être (die Daseinsberechtigung) jedes gegebenen Dinges durch die Nachahmung des Gutseins und der Vollkommenheit Gottes selbst bestimmt. Die Vollkommenheit Gottes, zu deren Nachahmung der Mensch imstande ist, ist sein (Gottes) Wissen über und vor allem die Liebe zu sich selbst. Diese Liebe, wie wir oben erklärt haben, ist eine totale sich selbst hingebende Liebe. Indem er behauptet, dass die eheliche Liebe einer total sich selbst hingebenden Liebe gleich kommt, behauptet der Papst dann, dass der Mensch seine raison d’être, Daseinsberechtigung,  durch die eheliche Liebe (einschließlich des dazugehörigen Aktes) erfüllen kann. Tatsächlich behauptet der Papst ausdrücklich, dass die totale Selbsthingabe in der Ehe (dem Menschen (Anm. d. Übers.) die „Verwirklichung des eigentlichen Sinns seines Seins und seiner Existenz“ (16 Jan. 1980) ermöglicht.

2. Konsequenzen der unangemessenen Überhöhung der ehelichen Liebe

Es gibt zwei Arten von Konsequenzen, die aus dieser unangemessenen Überhöhung der ehelichen Liebe fließen: eine interne, das heißt eine Art von Konsequenz für andere Lehren, die die Theologie des Leibes ausmachen, und eine externe, für die Art und Weise, wie dieses System generell im Ganzen verstanden wird.

a) Interne Konsequenzen 

Wenn nun die eheliche Liebe auf das Niveau erhoben wird, das wir beschrieben haben, so kann sie klarerweise in keinerlei Weise als negativ dargestellt werden, sei es wegen der Begierde (im Sinne der inhärenten Störung des sinnlichen Begehrens) oder in ihrer Beziehung zu Jungfräulichkeit und Zölibat.

i) Begierde

     Die sexuelle Begierde wird mit der Tugend der Keuschheit bekämpft: das bedeutet totale Abstinenz außerhalb der Ehe oder Mäßigung innerhalb der Ehe. Die totale Abstinenz, die mit der Wachsamkeit über den Willen und die Phantasie verbunden ist, reicht aus,  um den Makel der Begierde in unserem Handeln zu vermeiden. Mäßigung bei der Verwendung der sexuellen Befähigung innerhalb der Ehe ist im Gegensatz dazu unzureichend, um diesen Makel vollständig zu vermeiden, wegen der der Natur innewohnenden Unordnung dieser Befähigung als Folge der Erbsünde. Die Ehe bietet jedoch einen Kontext für die nicht-sündhafte Ausübung der sexuellen Fakultät, trotz ihrer inhärenten Störung. Dies ist, was der Begriff „Abhilfe oder Heilmittel der Begierde“ bedeutet (siehe oben).

    Papst Johannes Paul II. leugnet natürlich nicht die Existenz der Begierde als Quelle der Sünde, sondern vernachlässigt, dass sie dem ehelichen Akt innewohnt, wenn auch nicht in sündhafter Weise. Aus diesem Grund kann er sagen (Diskurs 29. Oktober 1980):

„Durch die Gnade durchtränkt der Heilige Geist das sexuelle Verlangen mit allem, was edel und schön ist“,

und (26. September 1979) kann von „ursprünglicher Unschuld“ sprechen als etwas, das in gewissem Sinne dem Menschen (heute) noch zugänglich ist.

ii) Ehe in Beziehung zu Jungfräulichkeit und Zölibat

Das Konzil von Trient erklärt dogmatisch (Sitzg. 24 Can. 10):

Wer sagt, … es sei nicht besser und seliger, in der Jungfräulichkeit und dem Zölibat zu bleiben, als sich in der Ehe zu verbinden der sei mit dem Anathema belegt.

Si quis dixerit… non esse melius ac beatius manere in virginitate aut caelibatu, quam matrimonio: Anathema sit.

    In Übereinstimmung mit dieser Lehre referiert Johannes Paul II. die Worte des Heiligen Paulus (Diskurs, 7. Juli 1982), dass: derjenige, der sich für die Ehe entscheidet, „gut handelt”, während der, der die Jungfräulichkeit wählt, “besser” handelt. (1 Kor 7, 38) Das “dem Herrn gefallen” hat als Hintergrund die Liebe. Dieser Hintergrund wird an einer weiteren Gegenüberstellung sichtbar: Der Unverheiratete sorgt sich darum, wie er dem Herrn gefallen könne, während der verheiratete Mann sich auch darum sorgen muss, wie er seine Frau zufriedenstellen kann.”

     Der gleiche Papst erklärt in einer weiteren Passage (Diskurs 14. April 1982), während er die Aussage unseres Herrn (Mt 19. 12):

“Es gibt Verschnittene, die sich selbst verschnitten haben um des Himmelreiches willen”, referiert, dass diese Worte “weder einen Grund dafür liefern, die “Minderwertigkeit“ der Ehe zu behaupten, noch dafür, die “Überlegenheit” der Jungfräulichkeit bzw. des Zölibats zu vertreten, weil diese ihrer Natur nach darin bestehen, sich der ehelichen leiblichen Vereinigung zu enthalten … einzig allein um des “Himmelreiches” willen.“

In dieser zweiten Passage gibt er die Überlegenheit der Jungfräulichkeit oder des Zölibats wieder zu, und zwar um des „Himmelreiches“ willen (was eindeutig eine Entsprechung der Liebe Gottes ist). Aber er präzisiert dahingehend, dass der Grund für deren Überlegenheit genau das ist und nicht die Enthaltung vom ehelichen Akt. Und doch ist es unmöglich, das eine Motiv von dem anderen zu trennen. Die Jungfräulichkeit oder der Zölibat um des Himmelreiches/um der vollkommenen Gottesliebe willen besteht wesentlich in der Enthaltung von der ehelichen Liebe, welche buchstäblich das ist, was diesem Lebensstand seinen Charakter des übernatürlichen Opfers verleiht, in dem seine Überlegenheit liegt.

Diese Zurückhaltung, den ehelichen Akt in irgendeiner Weise zu erniedrigen, entspricht einer Tendenz, die beiden Lebensstände ein und derselben Ebene zuzuordnen. Und der Papst erklärt (Familiaris Consortio § 11) in der Tat:

„Die christliche Offenbarung kennt zwei besondere Weisen, die Berufung der menschlichen Person zur Liebe ganzheitlich zu verwirklichen: die Ehe und die Jungfräulichkeit“.[1]

     Diese dritte Passage präsentiert beide Lebensstände als Berufungsziele, als Wege, in einem totalen Sinn zu lieben, die dann folglich ein und denselben moralischen Wert haben. Folglich kann man sagen, wird beiden Ständen die selbe Ebene zugewiesen. Das steht sowohl im Widerspruch zum Konzil von Trient als auch zu der zweiten oben genannten Passage. Diese (die 2. og Passage (Anm. d. Übers.)) hatte den Stand der Jungfräulichkeit oder des Zölibates als dem verheirateten Stand auf der Grundlage  einer Verschiedenheit der Liebe als überlegen präsentiert, während die 3. Passage (aus Familiaris Consortio) beiden Ständen dieselbe Ebene aufgrund einer Gleichwertigkeit der Liebe zuweist.

Abschließend verzeichnen wir die Zusammenhanglosigkeit in der Art und Weise, wie der Papst die beiden Lebensstände zu einander in Beziehung setzt: Einmal die Jungfräulichkeit / den Zölibatsstand als überlegen; andererseits die beiden Stände als gleichwertig anzusehen. Die letztgenannte Sichtweise muss, wegen ihrer Grundlegung in einem zentralen Grundsatz seines Denkens, nämlich der sich total hingebenden Liebe, als die vorherrschende Ansicht angesehen werden.[2]

b) Externe Konsequenzen der Überhöhung der ehelichen Liebe 

      Die Überhöhung der ehelichen Liebe hat ebenfalls Konsequenzen für die Art und Weise, wie die Theologie des Leibes grundsätzlich zu verstehen ist.

     Papst Johannes Paul II. vergöttlicht die eheliche Liebe, wie wir erklärt haben, indem er sie als “sich total selbst hingebende Liebe” bezeichnet. Aber während die eheliche Liebe von der Welt als sexuelle Liebe verstanden wird und auch so vom jüngsten Lehramt (s.o.) präsentiert wird, wird diese Vergöttlichung generell als Vergöttlichung der sexuellen Liebe aufgefasst.

Derselbe Papst vergöttlicht gleichermaßen den Akt der ehelichen Liebe, indem er ihn als „totale Selbsthingabe“ bezeichnet, aber da die totale Selbsthingabe des ehelichen Aktes (insoweit er von den Ehegatten in gegenseitiger Hingabe und Zuwendung verwirklicht wird, siehe oben) auch außerhalb der Ehe bestehen kann, wird diese Vergöttlichung grundsätzlich als Vergöttlichung der sexuellen Liebe verstanden.

   Die Vergöttlichung des Eheaktes (in der Lehre des Papstes), die Vergöttlichung des sexuellen Aktes und der sexuellen Liebe im allgemeinen (wie die Lehre des Papstes generell verstanden wird) ist mit dem katholischen Empfinden eindeutig unvereinbar und stimmt weniger mit dem Katholischen Glauben und dem Katholischen Gefühlen als mit den verwirrten Launen der gefallenen Natur überein, wenn eine solche Liebe als ein Ausdruck des inneren Lebens der Allerheiligsten Dreifaltigkeit dargestellt wird.[3]

   Die Tatsache, daß diese Vergöttlichung auf Kosten der wahren göttlichen Liebe, der Caritas, erfolgte, stellt eine Ersetzung oder Verdunkelung der Caritas (und deren Vervollkommnung, der Heiligkeit) durch die Sexualität dar. Das entspricht auch dann der Wahrheit, wenn der Papst keinen solchen Effekt beabsichtigte, und selbst wenn er der Sexualität in seinem Pontifikat weniger Gedanken und Worte als der Heiligkeit widmete.

 

C. Der Wurzelfehler der Theologie des Leibes

     Wir haben behauptet, daß das formale Prinzip der Theologie des Leibes das Konzept der ehelichen Liebe als »totale Selbsthingabe« sei. Das ist ein personalistisches Prinzip der moralischen Ordnung. Es ist in einem personalistischen Grundsatz der ontologischen Ordnung begründet, nämlich dem, dass die Liebe die Persönlichkeit ursächlich bestimmt.[4]

   Diese Prinzipien leiten sich offensichltich von der trinitarischen Theologie her, die lehrt, dass:

  1. innerhalb der Allerheiligsten Dreifaltigkeit die Beziehungen die Personen konstituieren (so formt zum Beispiel die göttliche Vaterschaft den himmlischen Vater);
  2. die Liebe zwischen den göttlichen Personen eine sich total selbst hingebende ist.

   Wenn wir diese beiden Prinzipien auf die eheliche Ethik anwenden, sehen wir, wie Papst Johannes Paul II. behaupten kann, dass die Liebe zwischen den Ehegatten eine der totalen Selbsthingabe sei und dass diese Liebe ihre Persönlichkeit konstituiert: und sie zu dem macht, was sie als Personen sind.

   Jedoch müssen wir einwenden, dass das, was für die Allerheiligste Dreifaltigkeit wahr ist, weder für die Eheethik, noch für zwischenmenschliche Ethik im allgemeinen gilt. Was den ersten Punkt angeht, so haben wir oben argumentiert, daß die eheliche Liebe keine totale Selbsthingabe ist, zum zweiten Punkt, dass die Liebe die menschliche Person nicht ontologisch, sondern nur moralisch bestimmt. Ontologisch ist die Person eine Einheit aus Leib und Seele und ihre Handlungen (wie ihre Liebe) sind eine Folge ihrer Natur (agere sequitur esse), anstatt ihre Natur bestimmend.

In der Zusammenschau ist der Grundirrtum der Theologie des Leibes die missbräuchliche Anwendung der trinitarischen Theologie auf die Eheethik.

   Vom theologischen Standpunkt aus folgt dieser Irrtum der Verwirrung der übernatürlichen und natürlichen Ordnung, philosophisch gesehen ist er ein Irrtum des Subjektivismus: eine Missachtung der objektiven Ordnung – der konkreten objektiven Wirklichkeit der Dinge – sei es des Glaubens oder der Vernunft, zugunsten des Subjekts.

Weiter oben haben wir die Beweise dafür gesehen, dass dieser Subjektivismus die Person (nur) im Sinne ihrer  Liebe unter Missachtung ihrer menschlichen leib-seelischen Natur versteht, die Ehe sich im Sinne der totalen Selbsthingabe unter Missachtung des Sakramentes, des Bundes und der Gnade erdenkt; in ihrer Überhöhung ohne Berücksichtigung der Begierde oder ihrer Unterlegenheit gegenüber dem Zölibat/der Jungfräulichkeit; und in seiner Vereinnahmung der Liebe Christi zur Kirche in einer untraditionellen uind erotisierenden Art und Weise.

                                                           *

Bevor wir die Enzyklika von Papst Franziskus untersuchen, werden wir kurz den Einfluß des Geistes der Welt auf die Eheethik im jüngsten Lehramt im Lichte unserer kurzen Zusammenschau dieses Geistes oben erforschen.

Im ersten Teilabschnitt, bei Gaudium et Spes und im angepassten Kodex des Kanonischen Gesetzes, sahen wir, wie der Begriff der Zielsetzung der Ehe unterdrückt und wie die „Fortpflanzung“ dann in den Hintergrund und die „eheliche Liebe“ in den Vordergrund gerückt wurde. Wir haben dann beobachtet, wie diese Liebe einen erotischen Inhalt erwarb, der sich in den folgenden Jahren verstärken sollte.

    Im zweiten Abschnitt über die liturgischen Veränderungen und einen neuen Kodex des Kanonischen Rechts erkannten wir, wie die Schwere der Todsünde (indirekt) verniedlicht wurde.

      Im dritten Teil über die »Theologie des Leibes«, sahen wir, wie die eheliche Liebe und besonders der Eheakt verherrlicht und die »negative« Begierde heruntergespielt wurde. Wir haben eine völlige Offenheit, oder Bereitschaft seitens des Papstes erlebt, über diese Dinge zu sprechen, gleichzeitig hörten wir in seinen Worten nichts, was die Schwere der Unreinheit zu vermindern suchte. In der Tat – eine der großen Stärken des moralischen Lehre dieses Papstes ist seine Aufrechterhaltung des Naturrechts und sein konsequentes Beharren auf der Tugend der Reinheit.[5]

[1] In ähnlicher Weise lesen wir von einer „Berufung zur Ehe“ im Katechismus der Katholischen Kirche (1603).

[2] In Zusammenhang mit diese Sichtweise nehmen wir die Initiative Johannes Paul II. zur Kenntnis, einzelne verheiratete Personen und Ehepaare zu Ehren der Altäre zu erheben.

[3] Etwa vor einem Dutzend Jahren gab ein Angestellter der Kongregation für die Glaubenslehre gegenüber dem Autor informell und wortreich den Irrtum der „Theologie des Leibes“ in einer Konversation im Heiligen Offizium zu. Die Tatsache, dass dieses theologische System eine trinitarische Doktrin von der Art enthält, die wir eben erwähnt haben, genügt, um jedem, der eine katholische Sensibilität besitzt, ihren Irrtum zu zeigen, auch wenn er von unserer Kritik ihr gegenüber nicht überzeugt ist. Solche Konzepte im Katholischen Lehramt zu finden und aus dem Mund des Vikars Christi zu hören, ist ein Zeugnis für die bemerkenswerte Ausweitung der Erotik im Schoß der Katholischen Kirche  in den zwanzig Jahren nach der Verkündung von Gaudium et Spes.

[4] Vgl. unsere Diskussion des ethischen Personalismus in “Angriff auf die Ehe”

[5] Wir leugnen nicht, daß Johannes Paul II. vieles schrieb, das katholisch und wahr war, und zur Verteidigung der Nächstenliebe und Reinheit (beitrug), auch in seinen Diskursen zur Theologie des Leibes.

Don Pietro Leone, Die Kirche und Asmodeus. (4 von 7) „Theologie des Leibes“.

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Da wir der „Theologie des Leibes“ schon eine Reihe samt unseren Kommentaren gewidment haben, so verzichten wir an dieser Stelle auf eine erneute Einführung. Kurz und knapp: Papst Johanne Paul II hatte Unrecht, Sex ist nicht alles, Ehe ist nicht wegen Sex da und Sex stört am meisten das spirituelle Fortkommen, weswegen man auch in der Ehe die ehelichen Akte zurückhaltend zu genießen hat, traditionelle Moraltheologie spricht von maximal dreimal pro Woche, was gar nicht so sparsam erscheint.

 

3. „Theologie des Leibes“

Der treue Besuch der Angelus – Ansprachen des Papstes Johannes Paul II. vom September 1979 bis November 1984 in der Hoffnung auf eine Schulung oder fromme Abhandlungen, wäre sicherlich enttäuscht worden. Stattdessen waren seine von ihm in aller Freiheit vorgelegten persönlichen Theorien der sexuellen Sittlichkeit zu hören. Wir werden hier kurz zwei Grundsätze der personalistischen „Theologie des Leibes“[1] untersuchen, nachdem wir diese Theorie in unserem Buch ausführlich besprochen haben. Über folgendes werden wir jetzt nachdenken:

A. Ihr (Theologie des Leibes Anm. d. Übers.) formaler Grundsatz: das Konzept der ehelichen Liebe als totale Selbsthingabe

B. Die Überhöhung der ehelichen Liebe als ihr bemerkenswertestes Kennzeichen

C. Ihr Wurzelfehler

 

A. Die total sich hingebende Liebe

Es ist unsere Behauptung, dass das formale Prinzip (oder die zentrale Konzeption) der Theologie des Leibes die Konzeption der ehelichen Liebe als „totale Selbsthingabe“ ist. Während das jüngste Lehramt die eheliche Liebe als sexuelle Liebe darstellt, präsentiert Papst Johannes Paul II. die eheliche Liebe als „totale Selbsthingabe“ und unterscheidet zwei Arten davon: eine „totale persönliche Selbsthingabe“, die die eheliche Liebe im ständigen Sinn ist, und eine „totale körperliche Selbsthingabe“, die der Akt der ehelichen Liebe ist, „das Zeichen und die Frucht“ der erstgenannten Liebe (Familiaris Consortio §11).

Im Weiteren kritisieren wir die Konzeption der ehelichen Liebe als »totale Selbsthingabe«; und dann den Vergleich der ehelichen Liebe (als Vorstellung) mit der  Liebe Gottes.

 

  1. Die totale sich selbst hingebende Liebe als eine Definition der ehelichen Liebe

Es gibt verschiedene Schwierigkeiten mit dieser Definition, von denen wir hier aber nur drei präsentieren.

a) Die eheliche Liebe als „totale Selbsthingabe“ zu definieren heißt, sie schlussendlich zu vergöttlichen; um sie so zu definieren, muss man sie mit der Liebe der Caritas (Nächstenliebe) identifizieren, die in Wirklichkeit die einzige totale sich selbst hingebende Liebe ist, die existiert. Wir erinnern uns an das Gebot unseres Herrn, Gott mit einer totalen Liebe zu lieben (ex toto corde tuo …), aber den Nächsten mit einer kleineren Liebe, das heißt, ‚wie sich selbst‘

b) In der Tat ist es für eine menschliche Person unmöglich, sich einer anderen menschlichen Person, sei es auf der metaphysischen oder auf der physischen Ebene, völlig hin zu geben.

c) Wenn wir den Inhalt der total sich selbst hingebenden Liebe auf das reduzieren, was einem Ehepaar praktisch möglich ist, nämlich ein Leben gegenseiteigen Engagements und Hingabe, so sehen wir, dass die so verstandene Form der Liebe für die Zwecke des Papstes zu weitgefasst ist. Das ist so, weil sie nicht allein auf die sakramentale Ehe beschränkt ist, wie er es beabsichtigt, sondern vielmehr eine Eigenschaft jeder gültigen Form der Ehe und sogar von gewissen außerehelichen Beziehungen, vorausgesetzt, daß die beiden fraglichen Personen (die sogar Ehebrecher sein können) sich verpflichten, für das Leben mit den entsprechenden Gefühlen der gegenseitigen Hingabe zusammenzuleben.

 

2) Sich totale selbsthingebende Liebe in Beziehung zu Gottes Liebe zum Menschen und zu sich selbst

 

Der Papst hört nicht auf, den Akt der ehelichen Liebe zur menschlichen Liebe zu Gott in Beziehung zu setzen[2], sondern sucht ihn noch weiter zu vergöttlichen, indem er ihn sowohl auf die Liebe Gottes zum Menschen als auch auf die Liebe Gottes zu sich selbst bezieht. Infolgedessen nähert sich sein Konzept der ehelichen Liebe der kirchlichen Lehre  der Nächstenliebe immer mehr an.

 

Die Liebe Gottes zum  Menschen, die der Papst im Sinn  hat, ist die Liebe Christi für seine Kirche. Er bezieht diese Liebe auf den Akt der ehelichen Liebe in verschiedener Art und Weise, von denen wir nur drei erwähnen müssen.

a) Die Unterwerfung der Kirche unter Christus

Dieses Konzept ist in Epheser 5  ausgedrückt:

„22. Die Frauen seien ihren Männern untertan wie dem Herrn; 23 denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt ist der Kirche, er, als Erretter des Leibes. 24 Wie aber die Kirche Christus untertan ist, so seien es auch die Frauen ihren Männern in allem.“

Es ist klar und so wurde es immer von der Heiligen Mutter Kirche gelehrt, dass der hl. Paulus damit lehrt, dass der Mann die Autorität über die Frau hat.

Im Gegensatz dazu interpretiert der Papst diesen Satz als die gegenseitige Unterwerfung der Ehegatten im allgemeinen (Diskurs vom 11. August 1982[3]); und in deren sexueller Entsprechung im besonderen (4. Juli 1984[4])

Im ersteren Diskurs akzeptiert der Papst, dass die Frau dem Mann unterworfen ist, ergänzt aber:„Die Liebe bringt es mit sich, dass gleichzeitig auch der Mann seiner Frau und damit dem Herrn selber untergeordnet ist, so wie die Frau dem Mann.“ Im zweiten versteht er die Unterwerfung der Ehegatten wieder als eine gegenseitige und in diesem Fall auch in einer sexuellen Art und Weise, denn so „gelangt  die wechselseitige Anziehung der Männlichkeit und Fraulichkeit zu geistlicher Reife“

 

Abschließend dann versucht der Papst,  die Unterwerfung der Frau unter ihren Ehemann als eine Form der gegenseitigen Unterordnung zu fassen. Warum aber besteht der Heilige Paulus an nicht weniger als 3 Stellen auf der einseitigen Unterordnung der Frau unter ihren Mann (in den oben zitierten Versen 22-24)? In keinem seiner Diskurse zitiert der Papst Vers 23, der den Mann als „Haupt der Frau“ beschreibt, der besonders deutlich seine Autorität über sie zeigt. Der Grund, den er für diese Innovation gibt, ist die Andersartigkeit „unseres heutigen Empfindens“, „unserer Mentalität und Sitten“, und der „sozialen Stellung der Frau gegenüber dem Mann“ (Diskurs, 11. August  1982). Aber ist der Mann dann nicht mehr “ Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist“? Wurden der Heilige Paulus und die Tradition auf den zweiten Platz hinter die moderne Welt gesetzt? Und Wahrheit hinter das Empfinden?

 

b) Die Einheit in einem Fleisch als ein Zeichen der Einheit Christi mit seiner Kirche

Der Papst versteht diesen Satz als die fleischliche Vereinigung der Ehegatten. Im Gegensatz dazu versteht das Konzil von Trient diesen Satz als die Einheit des geistigen Bandes der Ehegatten.

 

c) Das Ausdrucksmittel der Agape

Der Papst stellt den ehelichen Akt als „den tiefsten Ausdruck von „Agape“ dar. Hier vermischt er zwei radikal verschiedene Formen der Liebe: natürliche Sinnesliebe und übernatürlich rationale Liebe (d.h. Agape oder Nächstenliebe). Die erstgenannte Liebe ist zu verschieden von der letztgenannten, um als deren Ausdruck dienen zu können[5].

*

Ein ähnlicher Einwand kann gegenüber der päpstlichen Vision des Eheaktes als Ausdruck der innertrinitarischen Liebe gebracht werden, der sicherlich die kühnste Behauptung in seiner ganzen Theologie der Ehe ist. Als ein Beispiel dieser Lehre zitieren wir (Diskurs 14. Nov. 1979): „Der Mensch ist nicht nur durch sein Menschsein als solches, sondern auch durch die personale Gemeinschaft, die Mann und Frau von Anfang an bilden, zum „Abbild und Ebenbild“ Gottes geworden“ und (Diskurs vom 25. Juni 1980): „“Ein Fleisch werden“ (ist ein) „sakramentaler“ Ausdruck,… der der Gemeinschaft der Personen… entspricht“

 

*

Zusammenfassend sehen wir, wie der Papst sich bemüht, die eheliche Liebe mit der Liebe Gottes in neuartiger und erotisierender Weise zu verknüpfen, ohne jede Grundlage in der Heiligen Schrift[6] oder in der Tradition.

[1] Die „Theologie des Leibes“ kann so verstanden werden, daß sie aus diesem Korpus der Diskurse besteht, aber wir werden sie in einem weiteren Sinne verstehen, um auch die Ehelehre des Papstes Johannes Pauls einzubeziehen,  die auch anderswo ausgedrückt ist, z.B. in Familiaris Consortio, welche, als Enzyklika eine größere Autorität, als die Ansprachen, beansprucht.

[2] Die unmittelbare Liebe des Menschen zu Gott (anstatt seiner Liebe durch den Nächsten mittelbar zu Gott)

[3] Vgl. auch Mulieris Dignitatem 1988

 

[4] in Familiaris Consortio §19 und §22 bietet er eine ethische Grundlegung für diese Gegenseitigkeit in gleicher Würde

[5] Natürlich kann sie der Nächstenliebe gleichkommen, wenn der Handelnde im Zustand der Gnade ist.

 

[6] Natürlich ist eine Lehre nicht einfach deshalb katholisch, weil sie in der Heiligen Schrift gründet, was der Papst hier tut. Luther begründete seine Lehre durch die Heilige Schirft, war aber ein Häretiker. Es ist notwendig, Lehren in der Heiligen Schrift so zu begründen, wie sie durch die Kirche und die Tradition ausgelegt wird. Aus diesem Grund sprechen wir oben über die „persönlichen Theorien des Papstes.

Die Kirche des Asmodeus oder worum es bei Don Leone geht? (4 von 7) Kritik der Theologie des Leibes.

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Da wir der „Theologie des Leibes“ schon eine Reihe samt unseren Kommentaren gewidment haben, so verzichten wir an dieser Stelle auf eine erneute Einführung. Kurz und knapp: Papst Johannes Paul II hatte Unrecht, Sex ist nicht alles, Ehe ist nicht wegen Sex da und Sex stört am meisten das spirituelle Fortkommen, weswegen man auch in der Ehe die ehelichen Akte zurückhaltend zu genießen hat, traditionelle Moraltheologie spricht von maximal dreimal pro Woche, was gar nicht so sparsam erscheint.

Die Idee durch Sex am Leben der Heiligsten Dreifaltigkeit teilnehmen zu können, ist gnostisch.  Irenäus von Lyon und Clemens von Alexandrien beschreiben Ansichten der Gnostiker, welche sich in eine angewandelten Form bei Johannes Paul II wiederfinden. War Kardinal Wojtyla ein Gnostiker? Wir fürchten schon und werden uns woanders diesem Thema widmen.

Buchempfehlung: Don Pietro Leone, Angriff auf die Ehe

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Wir freuen uns wirklich sehr ein Buch auf Deutsch vorstellen zu können, welches von einem der wenigen katholischen Theologen stammt, die international publizieren und international bekannt sind. Wir sprechen hier von einem italienischen Priester, der unter dem Pseudonym Don Pietro Leone publiziert und dessen Aufsatz über die „Theologie des Leibes“ von Johannes Paul II in der Übersetzung von Eugenia Roth bereits bei uns veröffentlicht haben. Don Pietro Leone publiziert vornehmlich auf Englisch auf Rorate Caeli und seine Beiträge zeichnen sich durch die folgenden Kriterien aus, welche in der heutigen Kirche sehr selten sind:

  1. Gute Kenntnis der vorkonziliaren – traditionellen – Theologie.
  2. Fähigkeit selbständige Vergleiche und Analysen anzustellen.
  3. Einfachheit der Sprache und der Darstellung.
  4. Subtile, wenn auch fundierte Kritik.
  5. Frömmigkeit und Liebe zur Kirche.

Da Don Leone ein Priester ist, der ausschließlich im Alten Ritus zelebriert, so erlebt er harte Zeiten in jeglicher Hinsicht. Wir stehen mit ihm in Kontakt, können ihn als unseren eigenen Autor begrüßen und werden seiner bisherigen Aufsätze ins Deutsche übertragen, weil sie es wert sind. Der Aufsatz über die Theologie des Leibes  war für uns selbst ein „Augenöffner“, denn er erklärt klar und deutlich all die unkatholischen Aporien der wojtyllanischen Theologie, welcher leider vom Ansatz her gnostisch ist. Das einzige Manko, dass wir bei Don Pietro Leone sehen, ist der Umstand, dass er seine Rückschlüsse dermaßen sanft und subtil formuliert, dass manch ein Leser nicht weiß, worin das Skandalöse eigentlich besteht. Dann kommen wir, mit der Axt im Walde und hauen den Weg frei.

angriff-auf-die-eheNichtsdestotrotz gehört Don Pietro Leone zu den besten katholischen Theologen und Autoren, die wir in der traurigen Zeit des Pontifikats von Papst Franziskus haben und die gefördert werden sollten. Sein 320 Seiten langes Buch „Angriff auf die Ehe“ stellt die deutsche Übersetzung seines Werkes „Family under attack“ und zeigt sehr deutlich und konsequent, wie die nachkonziliare Ehelehre von der traditionellen Ehelehre abgeirrt ist, sodass, so meinen wir, Amoris Laetitia über die Umwege von Familiaris consortio und der „Theologie des Leibes“ nicht vom Himmel gefallen ist. Das Buch wurde recht unfreundlich auf kathnews besprochen, was Angesichts der theologischen Ansichten von kathnews ein Qualitätsmerkmal des Buches von Don Leone darstellt. Wir empfehlen den Kauf, der bei Patrimonium-Verlag zu tätigen ist und werden uns selbst auch damit eindecken. In der nahen Zukunft werden wir auch die Zusammenfassung des Buches publizieren, wie sie uns vom Autor selbst zugesandt wurde, damit wir alle wissen, worauf wir uns freuen können.

Seien wir Gott für Don Pietro Leone dankbar und beten wir für ihn, denn viele katholische Theologen unter katholischen Theologen haben wir auf der Welt leider Gottes nicht.

Worum geht es bei der „Theologie des Leibes“ wirklich? (1) Nebulöse Sprache ist nicht katholisch.

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Nebulöse Sprache ist nicht katholisch.

Da während und nach der Veröffentlichung der Aufsatzreihe von Don Pietro Leone über die Theologie des Leibes  von Karol Wojtyla/Johannes Paul II die Entrüstung ausgeblieben ist, so ist anzunehmen, dass  die eigentlichen und wirklichen Inhalte dieser Theologie unverstanden geblieben sind. Weil die Leser so unverständig sind? Nein, weil die Sprache dermaßen nebulös und verklausuliert ist. Wir müssen einfach wissen, dass erstens ein Geistlicher, ein Bischof, ein Kardinal und ein Papst und zwar Johannes Paul II über ehelichen Sex schreibt und zweitens – Don Pietro Leone – ein ebenfalls Geistlicher, der unter eigenem Namen veröffentlicht, weiterhin sein Priesteramt ausübt und irgendwo Theologie unterrichtet den heiliggesprochenen Papst – Johannes Paul II – kritisiert.  Bei so viel „Geistlichkeit“ und Diplomentensprache wird natürlich nicht Tacheles geredet, sodass kaum ein Leser versteht, worum es sich tatsächlich handelt, hauptsächlich deswegen, weil sich der Autor der Theologie des Leibes Johannes Paul II einer Sprache bedient, die zwar X auszusagen scheint, aber leider Y meint.

Der Schreiber dieser Zeilen hat die Inhalte der Theologie des Leibes von Karol Wojtyla während seines Theologiestudiums durchgenommen und kann aus der jetzigen Perspektive sagen, dass er sie nicht verstanden hatte oder er hat sie anders verstanden als sie eigentlich gemeint war. Er ist sich auch sicher, dass keiner seiner Dozenten oder Professoren sie verstanden hatte oder sie wussten diesen Umstand gut zu verbergen, was er allerdings bezweifelt. Die Theologie des Leibes galt allen als schwierig, hochgeistlich, irgendwie romantisch verklärt, dem Schreiber dieser Zeilen und einigen anderen auch als äußerst nebulös, ungenau, irgendwie schwülstig und wenig konkret. Er erinnert sich noch an das Seminar, bei welchem diese Texte gelesen wurden, an die lähmende Langeweile und eine Atmosphäre irgendeiner Sinnlichkeit als  würde man in einem aufgeheiztem Raum ein süßliches, schlechtes Parfüm riechen, von dem es einem schlecht wird.

Um an dieser Stelle mit dem harten Fazit zu beginnen, so ist die Theologie des Leibes zwar nicht häretisch im Sinne einer sententia haeretica ist, da sie sich nicht „direkt (directe) und unmittelbar (immediate) der geoffenbarten katholischen Glaubenswahrheit widersetzt“[1], dennoch erfüllt sie, unserer Meinung nach, den Tatbestand aller übrigen Zensuren als:

  • Der Häresie nahe Meinung (sententia haeresi proxima)
  • Nach Häresie schmeckende Meinung (sententia haeresim sapiens)
  • Die Häresie begünstigende Meinung (sententia haeresi favens)
  • Irrige Meinung (sententia erronea)
  • Leichtfertige Meinung (sententia temeraria).[2]

Wird für eine formale Häresie gefordert, dass eine sententia haeretica  ausgesprochen wird, dann enthält die Theologie des Leibes keine Häresien sensu stricto. Wird aber für eine lehramtliche Aussage – und Papst Johannes Paul II hatte ja seine Theologie des Leibes als Papst und nicht als eine Privatperson – verkündet, dann erfüllt diese Theologie leider nicht die Anforderung der Irrtumslosigkeit  des ordentlichen Lehramtes, sie befindet sich eindeutig nicht innerhalb der Tradition und deswegen braucht sie von den Gläubigen nicht im Glaubensgehorsam angenommen zu werden. Denn katholisch ist nicht das, was oder weil der Papst es sagt, sondern ein Papst hat Katholisches zu sagen und zu vertreten als der höchste Repräsentant der Tradition der Kirche.  Dies ist auch das katholische Verständnis vom Primat des Petrus, wie ihn die dogmatische Konstitution Pastor Aeternus des Ersten Vatikanischen Konzils (1870) darlegt:

 „Den Nachfolgern des Petrus wurde der Heilige Geist nämlich nicht verheißen, damit sie durch seine Offenbarung eine neue Lehre ans Licht brächten, sondern damit sie mit seinem Beistand die durch die Apostel überlieferte (traditam) Offenbarung bzw. die Hinterlassenschaft des Glaubens (fidei depositum) heilig bewahrten und betreu auslegten.“ (DH 3070)

Was ist also die Aufgabe des Papstes die Bewahrung des tradierten depositum fidei also des Glaubensschatzes. Ihre Aufgabe ist es nicht irgendwelche Privattheologien zu erfinden. Leider fand diese unselige Entwicklung schon unter Johannes Paul II statt, was entweder niemanden am Anfang seines Pontifikats (1979-1984) als die Theologie des Leibes verkündet wurde, aufgefallen ist, wahrscheinlich von den hartgesottenen Traditionalisten abgesehen oder es wurde nicht darüber geredet.  Viele wählten den Weg des päpstlichen Positivismus, wie ihn Hilary White nennt,[3] der darin besteht das als katholisch zu deklarieren, was ein Papst für katholisch hält: Koranküsse und Theologie des Leibes eingeschlossen und nicht den Papst als katholisch anzusehen, weil er Katholisches  verkündet. Bei der rhetorischen Frage:

„Ist der Papst katholisch?“

bleibt spätestens seit Papst Franziskus leider die Rhetorik auf der Strecke, weil die Antwort hierauf:

„Nein!“

lautet. Leider ist die Theologie des Leibes, welche leider einen Vorläufer von Amoris Laetitia darstellt, ebensowenig katholisch, was wir in unserem kleinen Kommentar darlegen werden.

[1] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/05/24/was-ist-eine-haresie-die-kirchlichen-zensuren-2-zensuren-welche-die-glaubenslehre-selbst-betreffen/

[2] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/05/24/was-ist-eine-haresie-die-kirchlichen-zensuren-2-zensuren-welche-die-glaubenslehre-selbst-betreffen/

[3] https://traditionundglauben.wordpress.com/2016/06/01/steve-skojec-raus-aus-dem-kaninchenloch/

Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (7) Eros oder Agape? Eros.

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3.   Die Sprache der Agape

Der Papst fährt fort, die sexuelle oder “fleischliche Liebe” zu supernaturalisieren und nennt sie: “die Sprache der Agape”, und behauptet, dass sie die Liebe Christi und der Kirche verkündet

“mittels Gesten und Reaktionen, mittels der ganzen Dynamik … von Spannung und Vergnügen.” (22. Aug. 1984, West S.91).

Er zählt vier Vergleichspunkte auf zwischen den zwei Formen der Liebe: beide sind frei, gänzlich, treu und fruchtbar.

Hierauf ist zu antworten, dass alle Formen der Liebe von Natur aus frei sind; jede Liebe, die den Menschen zum Ziel hat, ist fruchtbar (wie wir in Kapitel 2 erörtert haben im Teil über die Natur der Liebe); es ist wahr, dass beide Formen der Liebe treu sind; Christi Liebe für Seine Kirche ist gänzlich, wohingegen wir erwiesen haben, dass eheliche Liebe es nicht ist.

Der Römische Katechismus vergleicht Christi Liebe zu seiner Kirche nicht so sehr mit dem Akt der ehelichen Liebe im Allgemeinen: Er vergleicht Christi intimste Vereinigung mit der Kirche, Seine immense Güte zu uns, und die Göttlichkeit des Geheimnisses mit der Tatsache, dass das eheliche Band das intimste Band ist, das zwischen Menschen besteht, dass keine Liebe starker als diese ist, und dass diese Vereinigung heilig ist.

Bezüglich des Aktes der ehelichen Vereinigung im Besonderen spricht der Katechismus in seiner Erörterung des zweiten Segens der Ehe, welche die Treue ist, von einer “besonderen, heiligen, reinen Liebe” … einer Liebe, die “immens” ist. Am Ende des Abschnitts über den Ehestand führt er aus, dass diese [eheliche] Liebe sowohl maßvoll als auch sittsam sein sollte.

4.   Das tiefgreifendste Zeichen der Agape

„Nirgends tun Eheleute Gottes Liebe tiefergreifender kund als wenn sie ‚ein Fleisch‘ werden“,

erklärt Mr. West (S.104), und fügt später hinzu:

“Johannes Paul sagt, dass das wesentliche Element der Ehe als eines Sakraments die Sprache des Leibes ist, welches in Wahrheit ausgesprochen wird. Auf diese Weise ‘konstituieren‘ die Eheleute das sakramentalen Zeichen der Ehe.” (12. Jan. 1983).

Wenn man die linguistische Metapher beiseitelässt, könnte man antworten, dass wenn Gottes Liebe die Liebe der Caritas ist, so kommen die Eheleute dieser Caritas-Liebe in ihrer Liebe durch die Nächstenliebe (Caritas) am nächsten. Der Akt der ehelichen Liebe kann ein Akt der Caritas-Nächstenliebe sein (wie oben ausgeführt), aber, wenn dem so ist, so zeichnet sich dennoch der eheliche Akt, der weniger durch seine Caritas-Nächstenliebe als durch seine Sinnlichkeit aus: der eheliche Akt, ist weniger durch die Caritas-Nächstenliebe als durch die sinnliche Liebe gekennzeichnet. Zweifellos: je größer die Caritas-Liebe eines Ehegatten zum andern ist, desto mehr nähert er sich der Caritas Gottes. Daraus folgt, ironischer weise, dass wenn ein Ehepartner aus einem bestimmten Grund aus der Caritas-Liebe zum Andern auf seine ehelichen Rechte verzichtet, er näher zu an die Caritas-Liebe Gottes kommt als wenn er von seinen Rechten Gebrauch gemacht hätte.

Allgemein gesprochen, je größer die Leiden, die eine Person für eine andere auf sich nimmt, desto größer ist die Caritas-Nächstenliebe. Dies stimmt im höchsten Maße was die Liebe Christi zu seiner Kirche angelangt, somit stimmt es ebenso für die eheliche Liebe. In diesem Kontext spricht Jolivet (wie oben in Kapitel 4 zitiert) von “den härtesten Opfern, welche die Treue zur Pflicht auferlegt”.

Was den Akt der ehelichen Vereinigung betrifft, wird dieser in der Tradition weniger als das Paradigma der Liebe als vielmehr ein Ersatz (compensation) für Liebe betrachtet. Der Katechismus von Trient stellt fest, dass die drei Güter oder Segen der Ehe: Kinder, Treue und das Sakrament für die “Drangsale des Fleisches” entschädigen, auf die sich der Heilige Paulus bezieht (1 Kor 7.28). Der Hl. Thomas kommentiert (in Suppl.q.49), dass der Segen der Treue für die sollicitudo molesta (das beschwerliche Bemühen, des sexuellen Aktes) der Eheleute um einander und hinsichtlich der [Zeugung] des Kindes.

Zusammenfassung

Alles in Allem sehen wir klar, dass die Theologie des Leibes ein personalistisch-phänomenologisches System ist. Als solches konzentriert es sich auf dem Subjektiven, was die Person und dies Liebe darstellen, es vernachlässigt aber das Objektive, sei es katholisches Dogma (wie die Lehre, dass das Hauptziel der Sexualität und Ehe die Fortpflanzung ist oder die Unterscheidung zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Ordnung) oder sei es die ewige oder scholastische Theologie, Philosophie oder Moral (wie die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Formen der Liebe). Das Resultat ist ein Wechsel von der Tugend der Liebe zur Leidenschaft der Liebe, von der übernatürlichen Liebe zur natürlichen Liebe, und letztendlich von der Heiligkeit zur Sexualität.

 Bei diesem Mangel an Katholizität wird die Theologie des Leibes, obwohl sie als das Lob der katholischen ehelichen Liebe präsentiert wird, stattdessen zu einem Lobgesang des Eros[1], mit größerer Bedeutung für die Welt als für die Kirche. Als solche stellt sie sicher eine der bemerkenswerteren Früchte des vielgerühmten rapprochement[2] zwischen der Kirche und der Welt dar[3] 5.

Quelle auf Englisch: http://rorate-caeli.blogspot.com/2015/01/theology-of-body-explained-traditional.html

[1] Wenn man es nicht wüsste, dass dies vom Papst selbst zusammengestellt wurde, so könnte man dadurch entschuldigt werden diese Ansichten dem personalistischen Philosophen Max Scheler zuzuschreiben, der auch durch das Christentum beeinflusst wurde.

[2] Oder aggiornamento.

[3] Siehe Kapitel 6 des vorliegenden Buches. Darin wird dargestellt wie die sexuelle Liebe das Hauptthema ist, welches von der Welt besungen wird – obwohl charakteristischerweise als außereheliche Sexualität (fornicatio).

Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (6) Ehelicher Akt als Abbild der Beziehung zwischen Kirche und Christus?

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B. Eheliche Liebe im Verhältnis zu Christus und Seiner Kirche

Der Papst vergleicht die Einheit zwischen Christus und Seiner Kirche einerseits und der ehelichen Liebe andererseits in mehreren, unterschiedlichen Darstellungen.

 1.  Die gegenseitige Unterordnung der Eheleute

In seinem Kommentar zu Eph 5. 21-2, dass Ehemänner und Ehefrauen “einander untertänig in der Furcht Christi” (V. 21) sein sollen und “die Frauen [seien] ihren Männern untergeben wie dem Herrn”, behauptet der Papst, dass gegenseitige Unterordnung eine “gegenseitige Schenkung des Selbst” bedeute, dass der Ehemann “gleichzeitig der Frau untergeben” sei (11. Aug. 1982), und dass diese Ehrerbietung “keine andere ist als eine geistlich gereifte Form” der gegenseitigen Anziehung der Geschlechter (4. Juli 1984, West S.81).

Als Antwort hierauf ist zu sagen, dass es in diesen beiden Versen nichts gibt, das auf einen Akt der ehelichen Vereinigung hinweist. Sie mögen ohne Weiteres im Bezug auf die eheliche Liebe im Allgemeinen interpretiert werden, d. h. die gegenseitige Hilfe der Eheleute (als zweites Ziel der Ehe). Diese Interpretation wird bestätigt durch die gleiche Geisteshaltung, ausgedrückt in Röm 12. 10: honore invicem servientes: kommet einander in Ehrerbietung zuvor. (Allioili).

 Bezüglich der Unterordnung der Frau unter ihren Mann erinnert St. Thomas (in Summa I q. 96 a.4) daran, dass jede Gesellschaft eine Form der Autorität braucht, um die Aktivitäten dieser Gesellschaft zum Gemeinwohl hin zu leiten. In der Tat ist christliche Autorität nicht gebieterisch oder egoistisch, sondern beinhaltet Dienst und Hingabe nach dem Beispiel des Menschensohnes, der nicht kam um sich dienen zu lassen, sondern um zu dienen (Mt 20, 25-8). Was die Ehrerbietung Christus gegenüber betrifft, so drückt diese den Geist aus, der die Eheleute bewegen sollte, sich einander unterzuordnen, einen Geist, der weit entfernt von Servilität ist.

2.   Die Einheit des einen Fleisches

Wir wenden uns nun der Interpretation des Papstes der Einheit “des einen Fleisch” [d.h. „sie werden ein Fleisch“] (Eph.5.31, cf. Gen. 2.24, Mt.19.5). Er versteht diesen Satz Als einen Akt der geschlechtlichen Vereinigung als ein Zeichen der Einheit Christi mit Seiner Kirche. In seiner Auslegung schreibt Mr. West:

“Reine Männer und Frauen …  erkennen, dass der Ruf zur Vereinigung, eingeschrieben in ihre Sexualität, ein ‘großes Geheimnis’ ist, das die Einheit Christi mit Seiner Kirche verkündet”.

Diese Aussage kommentierend, erstens stellen wir fest, dass dies ein weiteres Beispiel der Vermengung zwischen der natürlichen und der übernatürlichen Ordnung darstellt: ein rein natürliches Phänomen [sexueller Akt] wird als ein Zeichen für etwas rein Übernatürliches gehalten; zweitens interpretiert das Konzil von Trient die Vereinigung zu einem Fleisch nicht als einen Akt der sexuellen Liebe, sondern als die Einheit, welche die erste Eigenschaft der Ehe darstellt, so wie es die Worte des Heilands interpretiert (im nachfolgenden Vers in Mt 19,6) ‚was Gott vereint hat, darf der Mensch nicht trennen‘ als die Unauflöslichkeit, welche die zweite Eigenschaft der Ehe darstellt (Trient S. 24)

Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (5) Ehelicher Akt als Abbild der Trinität?

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III

Eheliche Liebe im Verhältnis zu Gott betrachtet

Die eheliche Liebe und Gott

Papst Johannes Paul II bringt den Akt der ehelichen Liebe auf zweierlei Weisen in Verbindung mit Gott: erstens mit der Liebe Gottes zu sich selbst in der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, zweitens in der Liebe Christi zu der Kirche.

A. Eheliche Liebe im Verhältnis zur Allerheiligsten Dreifaltigkeit

Der Papst stellt fest, dass Gottes Geheimnis der Liebe

“zur sichtbaren Realität durch die Vereinigung des ersten Mannes und der ersten Frau wird” (Rede vom 13. Okt. 1982, West S. 89).

In seiner Darstellung der Theorie des   Papstes behauptet West, dass

“eheliche Vereinigung gewissermaßen als  Ikone Bild des innerentrinitatischen Lebens gedacht ist” (West S. 25),

und erklärt, dass “ein Fleisch werden” sich daher nicht nur auf die Vereinigung zweier Leiber beziehe (wie unter den Tieren), sondern

“ein ‘sakramentaler’ Ausdruck sei, welcher der Kommunion (communion) von Personen entspreche” (Rede vom 25. Juni 1980, West S.25);

Der Mensch bilde Gott

“nicht nur durch seine/ Menschheit sondern auch durch die Gemeinschaft (communion) von Personen, welche Mann und Frau ja von Anfang an bilden” (14. Nov. 1979, West S.25).

Hier haben wir folglich die Theorie, dass der Akt der ehelichen Liebe der Ausdruck bzw. das sakramentale Zeichen der innertrinitarischen göttlichen Liebe sei. Zu sagen, das eine Sache der Ausdruck oder das sakramentale Zeichen einer anderen sei, setzt zumindest voraus, dass:

1) eines mit dem anderen in einem direkten kausalen Zusammenhang verbunden ist,

2) eine die andere Sache darstellen muss.

Dies ist jedoch für den Akt der ehelichen Liebe nicht der Fall, da

1) er nicht direkt von der Allerheiligsten Dreifaltigkeit verursacht wird, sondern vielmehr von dem Ehepaar, die in Freiheit handeln; und

2) offenbart dieser Akt nicht die die innertrinitarische Liebe, da (wie wir weiter ausführen werden) er dazu zu unähnlich ist.

Der Akt der ehelichen Liebe ist der innertrinitarischen göttlichen Liebe zu unähnlich, um ein Ausdruck derselben zu sein, da, nicht wie die göttliche Liebe,

a) die erstere ist Liebe zwischen zwei menschlichen Personen (statt Liebe zwischen zwei göttlichen Personen zu sein);

b) der Akt hat nicht notwendigerweise an der Liebe Gottes für sich selbst Anteil, denn es könnte sein, dass ein oder beide Eheleute nicht im Stand der Gnade sind;[1]

c) der Akt der ehelichen Liebe ist kein Akt der vollkommenen Selbsthingabe;

d) der Akt wird durch Konkupiszenz verdorben;

e) der Akt ist Mittel zu einem Zweck, namentlich der zur Zeugung der Nachkommenschaft in dieser Welt.

Weit davon entfernt, die Liebe zwischen Menschen als einen Ausdruck der innertrinitarischen Liebe zu sehen, weist die Kirche hierfür auf das Wort Gottes – Christus, Der der Ausdruck des Vaters ist:

“…, welcher das Ebenbild Gottes ist, des Unsichtbaren” (Gottes) (Kol.1.15),

den wie der Heilige Johannes sagt (1.18):

“Gott hat niemand je gesehen; der eingeborne Sohn, der im Schoße des Vaters ist, er hat es uns kund getan.”

Kurz gesagt, alles, was wir über die  innertrinitarische Liebe wissen können, die Liebe zwischen Vater und Sohn, ist das, was wir von der Lehre und von den Werken unseres Herrn Jesus Christus lernen können.

Nach der Tradition der Kirche ist stellt die Liebe des Menschen im Gnadenstand zu Gott diejenige Form der menschlichen Liebe, welche am ehesten an die innertrinitarische Liebe heranreicht:  dies ist caritas – die christliche Liebe, deren vollkommene Form die Heiligkeit ist. Denn durch eben diese Caritas-Liebe ahmt der Mensch Gottes Liebe zu Sich selbst nach (so wie er durch den Glauben Gottes Selbstwissen nachahmt. Summa I q.93 a.4 cf. die Diskussion über die natürliche und übernatürliche Würde des Menschen, siehe Kapitel 2 oben). In der Tat es ist  im Hinblick auf diese Form der Caritas-Liebe, wenn die Kirchenväter die Bibelstelle “der Mensch wurde geschaffen nach dem … Ebenbild Gottes” interpretieren.

Wir schließen diesen Teil ab, indem wir die  Sicht von Papst Johannes Paul II. auf diejenige Liebe, in welcher der Mensch Gottes Liebe für sich selbst nachahmt mit der traditionellen Sicht dieser Liebe vergleichen, anders ausgedrückt wir vergleichen seine Sicht des Aktes der ehelichen Liebe mit der traditionellen Sicht der Liebe als caritas.

Der Papst stellt den Leib als das  Abbild Gottes dar und zwar sowohl als das Abbild Gottes an sich als auch im Verhältnis der göttlichen Personen zueinander (communio): der Leib ist ein “Sakrament”[2], er

“in der Lage das Unsichtbare sichtbar zu machen: das Geistliche und das Göttliche” (20. Feb. 1980, West S.5);

darüber hinaus

“wird der Mensch zum Abbild Gottes weniger im Moment des Alleinseins als im Moment der Gemeinschaft (communio)” (14. Nov. 1979, West S.25).

Die katholische Tradition versteht im Unterschied hierzu die Seele als das Abbild Gottes, sowohl an sich als auch im Verhältnis zur Gemeinschaft (communio): im Penny Katechismus (TAN 1982 Kapitel 1 q.4) lesen wir:

“Befindet sich diese Ebenbildlichkeit Gottes in deinem Leib oder in deiner Seele? Diese Ebenbildlichkeit Gottes befindet sich hauptsächlich in meiner Seele”;

Im Großen Katechismus des Hl. Pius X (Questio 55) lesen wir:

“Warum sagen wir, dass der Mensch geschaffen wurde nach dem Bild und Abbild Gottes? Wir sagen, dass der Mensch nach dem Bild und Abbild Gottes geschaffen wurde, weil die menschliche Seele geistlich und vernünftig, frei in ihrem Taten, fähig, Gott zu kennen und zu lieben und Ihn für immer zu genießen: Vollkommenheiten, welche in uns den Strahl der unendlichen Größe des Gottes wiederspiegeln.”

Die erstere Liebe [d.h. die eheliche Liebe] wird dargestellt (fälschlicher Weise, wie wir dargelegt haben) als sich völlig selbst schenkende Liebe; die letztere Liebe [d.h. caritas], in ihrer höchsten Form, das ist die Vollkommenheit der Caritas, welche Heiligkeit ist, kann man in der Tat als solche bezeichnet werden.

Die erstere Liebe [die eheliche Liebe] wird dargestellt (wieder fälschlicher Weise, wie wir dargelegt haben) als ein Ausdruck der innertrinitarischen Liebe; die letztere [caritas] wird verstanden (nicht als Ausdruck, sondern) als Nachahmung und Teilhabe an dieser Liebe.

Wenn die eheliche Liebe nicht Ausdruck oder sakramentales Zeichen der göttlichen Liebe ist, in welchem Verhältnis steht sie dann zu ihr? Nach der katholischen Tradition stehen die Dinge im demjenigen Verhältnis zu Gott, in welchem sie Gott nachahmen: die Engel und Menschen stehen im Verhältnis zu Ihm als Sein Bild und Abbild; während der Rest der Schöpfung zu Ihm als Seine Spur (vestigium) steht. Eheliche Liebe, wie oben bereits ausgeführt, wird durch die Tatsache charakterisiert, dass sie eine radikal sinnliche Form der Liebe ist, die nur als “Liebe” in Analogie zur vernünftigen Liebe bezeichnet werden kann. Als solche kann man eheliche Liebe in einer sehr entfernten Weise im Verhältnis zur innertrinitarischen Liebe stehen und zwar als eine Spur (vestigium) dieser Liebe.

[1] Es stimmt, dass dieser Akt der menschlichen Liebe, wenn er im Gnadenstand ausgeführt wird, auch einen Akt der Caritas-Nächstenliebe darstellt und daher eine gewisse Nachahmung und Teilhabe an der göttlichen Liebe darstellt; dennoch ist aber der Akt der ehelichen Liebe eine radikal sinnliche Form der Liebe und ist daher eher durch diese Form [der sinnlichen] Liebe charakterisiert als durch die Caritas-Liebe. Aus diesem Grunde kann der Akt der ehelichen Liebe nicht, auch in diesem Fall nicht, als ein Ausdruck der göttlichen Liebe angesehen werden.

[2] Sowohl der Terminus ‘Sakrament’ hinsichtlich des Leides als auch der Terminus ‘Theologie des Leibes’, die eine Theorie darstellt, welche eine Sakramentalität dem Leib zuschreibt, stellt eine Tendenz dar die natürliche und die übernatürliche Ordnung zu vermischen.

Fr. Pietro Leone: “Die Theologie des Leibes”. (4) „Eheliche Bedeutung des Leibes“ und Jungfräulichkeit.

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3. Die eheliche Bedeutung des Leibes

Nach der Theologie des Leibes ist die eheliche Bedeutung des Leibes die

“Fähigkeit des Leibes, Liebe auszudrücken: genau diese Liebe, in der die Person zum Geschenk wird …” (Päpstliche Ansprache vom 16 Januar 1980, West S.29).

In anderen Worten: die eheliche Bedeutung des Leibes ist eine Tatsache, dass er die sich völlig selbst hingebende Liebe ausdrückt. Der Papst fährt fort:

“… und – durch diese Gabe – erfüllt [der Leib] genau die Bedeutung seines Seins und seiner Existenz.”

An anderer Stelle im selben Diskurs beschreibt er die eheliche Bedeutung des Leibes als “das grundlegende Element menschlicher Existenz in der Welt.”[1] In einer späteren Ansprache (28. April 1982, West S.74) fügt er hinzu:

“Auf der Grundlage derselben ehelichen Bedeutung des Leibes … kann diejenige Liebe gestaltet werden, die den Menschen der Ehe für die Dauer seines gesamten Lebens überantwortet, aber es kann auch diejenige Liebe gestaltet werden, welche zu einem Leben der Enthaltsamkeit »um des Himmelsreiches willen« beiträgt.”

Überdies werden jene, die zum ewigen Leben auferstehen,

“die absolute und ewige Bedeutung des verherrlichten Leibes in Vereinigung mit Gott selbst”

erfahren. (24. März 1982, West S. 61.)

Vom Naturrecht darauf antwortend, lässt sich dazu sagen, dass sich die Bedeutung des Leibes für die Sexualität von dem, was der Papst vorschlägt, unterscheidet, denn dem Naturrecht nachz (siehe Anfang des Kapitels 4) ist alles, was man über den menschlichen Leib diesbezüglich sagen kann, dass

1) die sexuelle Verschiedenheit von Mann und Frau auf die sexuelle Vereinigung hin geordnet ist; und

2) die natürliche Folge dieser sexuellen Vereinigung die Zeugung von Kindern ist.

 Bezüglich der ersten Tatsache haben wir keinen Beweis auf der körperlichen Ebene, d.h. auf der rein natürlichen Ebene, dass dieser Akt der Vereinigung durch Geben, Nehmen oder beides charakterisiert wird. Bezüglich der zweiten Tatsache lässt sich feststellen, dass die Theologie des Leibes, wie auch der Personalismus, dessen Teils sie ist, in seiner Betonung des Subjektiven, d.h. des zweiten und mittelbaren Zweckes der Sexualität und Ehe, welcher die Liebe ist, dass [die subjektiv-personalistische Einstellung Red.] das Objektive vernachlässigt, und zwar den vorrangigen und endgültigen Zweck der Sexualität und Ehe, welchen die Fortpflanzung darstellt.

Was die Behauptung des Papstes betrifft, dass die eheliche Bedeutung Leibes die Grundlage sowohl für die Ehe als auch für ein Leben der vollkommenen Keuschheit bildet, so muss gesagt werden, dass falls – was wir verneint haben – der Leib auf die sich selbst schenkende Liebe hin geordnet ist, so wäre dies beim Leib von jemand, der sich für ein Leben in der vollkommenen Keuschheit entschieden hat eben nicht der Fall. In diesem Falle wäre die sich selbst hingebende Liebe die Grundlage. Und deswegen umfasst das Leben in der vollkommenen Keuschheit nicht die Liebe, die durch den Leib ausgedrückt, sondern vielmehr den Verzicht auf ebensolche Liebe.

Was die Behauptung des Papstes anbelangt, dass die eheliche Bedeutung des Leibes im Himmel erfahren werden wird, erinnern wir, dass die eheliche Vereinigung ein Zeichen der Einheit Christi mit der Kirche ist, hinsichtlich der Innigkeit, des Wohlwollens und der Heiligkeit der ehelichen Liebe, und nicht hinsichtlich der körperlichen Vereinigung; tatsächlich, da der Akt der körperlichen Vereinigung der Zeugung zugeordnet ist, existiert er nur für diese Welt und nicht für die andere, weshalb

“bei der Auferstehung [werden] sie nicht heiraten, noch verheiratet werden; sondern sein, wie die Engel Gottes im Himmel.” (Mt 22,30 Allioli)

Letztendlich die Annahme, dass die Theologie des Leibes im Allgemeinen und die eheliche Bedeutung des Leibes im Besonderen gleichsam den Sinn des Lebens ausmacht, beantworten wir wie wir es oben bei der Betrachtung der vollkommenen Keuschheit getan haben. Gesetzt den Fall, was wir verneinen, dass der Leib eine Hinordnung zur gänzlichen sich selbst schenkenden Liebe ausdrücken würde, so ist dies, was den Sinne des Lebens ausmacht nicht die Theologie des Leibes, nicht die eheliche Bedeutung des Leibes oder  gar etwas, das mit dem Leib wesentlich verbunden ist, sondern vielmehr die totale, sich selbst gebende Liebe selbst.

4. Die Berufung zu Ehe oder zur Jungfräulichkeit/ zum Zölibat

In Familiaris Consortio 11 (West S.65) schreibt der Papst:

“Die christliche Offenbarung kennt zwei besondere Wege der Berufung der menschlichen Person, in ihrer Ganzheit, zur Liebe: Ehe und Jungfräulichkeit oder Ehelosigkeit.”

Wieder hat der Papst die gänzlich sich selbst schenkende Liebe im Sinn, hier als wesentlichen Bestandteil sowohl für die Ehe als auch Jungfräulichkeit/ das Zölibat. Wir beobachten, dass er hier nicht konkretisiert, wie er woanders tut, dass diese Jungfräulichkeit/ das Zölibat für das Reich Gottes ist und daher auf das geweihte Leben hinausläuft. Diese Auslassung ermöglicht die Interpretation seiner Aussage im Sinne des Naturalismus.

Während aber die Liebe der Ehegatten nicht als völlig selbstschenkende Liebe bezeichnet werden kann, kann die Liebe zu Gott bei denen, die ein geweihtes Leben führen, so bezeichnet werden, weil sie eine Liebe eines ungeteilten Herzens darstellt (cf. 1 Kor 7, 33 wie von Papst Pius XII in Sacra Virginitas 15, 20, 24, 30-1 erklärt. Siehe Kapitel 4 des vorliegenden Buches).

Sofern es die Berufung betrifft, ist das Konzept der Berufung zur Ehe als Alternative zur Berufung zum geweihten Leben ein weiteres Beispiel für eine naturalistische Tendenz der Darstellung, oder, deutlicher, sie stellt ein Durcheinander der natürlichen und übernatürlichen Ordnung dar, denn sie stellt das rein Natürliches mit dem rein Übernatürlichen auf dieselbe Stufe. Wir haben diese Tendenz am Ende von Kapitel 4 analysiert, wo wir ausgeführt haben, dass eine religiöse Berufung im traditionellen, offensichtlichsten und auch tiefsten Sinne des Wortes das Folgende bedeutet:

 1) einen Berufung

2) von einer Person sondergleichen,

3) id est direkt von Gott

4) um die Möglichkeiten der menschlichen Natur [nach Sex und Ehe Anm. der Red.] absolut zu übersteigen;

wohingegen das Streben nach der Ehe

 1) ein Instinkt ist,

 2) der in der menschlichen Natur grundgelegt ist,

3) und daher nur indirekt von Gott herrührt,

4) und dazu dient das Potential der reinen menschlichen Natur zu verwirklichen.

Wir schließen mit der folgenden Frage: wenn diese beiden Stände [der Jungfäulichkeit/des Zölibats und der Ehe] die völlig sich selbstschenkende Liebe beinhalteten und beide der Gegenstand einer Berufung wären, in welchem Sinn wäre das Leben der Jungfräulichkeit oder des Zölibats “besser und gesegneter” als das eheliche Leben, wie das Konzil von Trient dogmatisch erklärt?[2]

[1] In ähnlicher Art und Weise stellt der Papst fest, die Theologie des Leibes sei “wesentlich und gültig das Verständnis des Menschen im Allgemeinen: für das grundlegende Problem ihn zu verstehen und für das Selbstverständnis seines Seins  in der Welt.” (15. Dez. 1982, West S. 2.)

[2] Si quis dixerit…non esse melius ac beatius manere in virginitate aut caelibatu quam iungi matrimonio…Anathema sit (S.24 Can.10).