Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (10 von 21)

X. Kapitel

Ich sehe auch, daß von jener göttlichen Liebe zur Seele hin gewisse Strahlen und Blitze ausgehen, die so feurig und durchdringend sind, daß es scheint, sie müßten nicht nur den Leib, sondern auch die Seele, wenn das möglich wäre, vernichten.

Diese Strahlen bringen zwei Wirkungen in der Seele hervor: Die eine besteht darin, daß sie reinigt, die andere, das sie vernichtet.

Das Gold wird, je mehr man es einschmilzt, umso edler; du könntest es so lange schmelzen, bis in ihm gar jede Unvollkommenheit vernichtet wäre. Das Feuer ist jene Kraft, die in den materiellen Dingen diese Wirkung hervorbringt. Aber die Seele kann man nicht in Gold vernichten, sondern nur in sich selbst; und je mehr du sie reinigst, desto mehr wird sie in sich selbst vernichtet; und in Gott bleibt die Seele gereinigt.

Wenn das Gold bis zu 24 Karat gereinigt ist, wird es durch das Feuer nicht mehr weiter verzehrt, so sehr du es auch steigern magst, denn das Feuer kann das Gold nicht mehr verzehren, nur die Unvollkommenheit des Goldes verzehrt es.

So macht es auch das göttliche Feuer in der Seele. Gott hält sie so lange in das läuternde Feuer, bis dieses jede Unvollkommenheit in ihr aufgezehrt und sie zur Vollkommenheit geführt hat, jede Seele nach ihrer Weise.

Und wenn die Seele so geläutert ist, bleibt sie ganz in Gott, ohne irgendetwas noch weiter für sich selbst zu sein, denn die Läuterung der Seele besteht in der Entäußerung von uns in uns; unser wahres Sein ist ja Gott, der die Seele zur Läuterung von 24 Karat führt. Von da an ist die Seele dann leidensunfähig, weil es in ihr nichts mehr gibt, das aufgezehrt werden könnte. Selbst wenn die geläuterte Seele weiter in das Feuer hineingehalten würde, so wäre das für sie nicht mehr schmerzlich, es wäre vielmehr nur noch das Feuer der göttlichen Liebe, das für die Seele nichts anderes mehr bedeutet als das ewige Leben. Die Seele wäre nun frei von jeder Gegensätzlichkeit, wie das bei den zur Heiligkeit gelangten Seelen der Fall ist, und zwar schon im diesseitigen Leben, sofern es in diesem Zustand überhaupt noch möglich wäre, im Leibe zu verbleiben. Ich glaube nämlich nicht, daß Gott solche Seelen noch auf Erden belassen würde; nur durch ganz große göttliche Einwirkung wäre dies möglich.

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Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (9 von 21)

Was ist das Ziel des geistlichen Lebens? Gleichförmig mit Gott zu werden auch gleichförmig, was den Verstand anbelangt. Die griechischen Kirchenväter nannten es homónoia katà ton nóon. Und wo erfährt man es? Im Fegefeuer spätestens, falls man es dorthin schafft. Da ist man gar nicht in der Lage anders zu denken, als Gott denkt und anders zu urteilen als Gott urteilt. Da fällt endlich der Schleier von unserer Seele, womit wir uns ein X für ein U vormachen. Nein, nicht nur uns gegenüber, um sich zu entschuldigen, sondern um auch andere zu entschuldigen, damit das Leben überhaupt erträglich ist.

Unsere guten Priester, die sooo fromm sind und es sooo schwer haben ..

Die guten konservativen Päpste Johannes XIII., Paul VI, Johannes Paul II, Benedikt XVI, sie sooo viel  Gutes für die Kirche taten ….

Der gute, arme Benedikt….der will gaaanz anders, aber die lassen ihn nicht ….

Erkennen Sie diese Argumentation? So argumentieren die Frommen. Sie biegen sich die Wirklichkeit zurecht, z.B. Bergoglio ist ein guter Papst, welche dadurch absolut unverständlich wird, weil sie von der falschen Prämisse ausgehen. Ist es Lüge? Nicht unbedingt. Es ist mehr Selbstschutz. Aber spätestens im Fegefeuer werden die Schuppen vor Augen fallen und wird werden für alle Notlügen zur Rechenschaft gezogen. Ja, es ist schwierig wirklich in der Wirklichkeit zu leben.

 

IX. Kapitel

Alle diese Dinge, von denen bisher die Rede war, sind so, wie ich ihrer in meinem Geiste versichert worden bin, soweit ich es in diesem Leben verstehen kann, so überwältigend, daß jede Sicht dieses Lebens, jedes Wort, jedes Gefühl, jede Vorstellung, jede Gerechtigkeit, jede Wahrheit mir mehr Lüge als Wahrheit zu sein scheint. Ich bin von den Worten darüber, an deren Stelle ich keine kräftigeren finde, eher verwirrt als befriedigt und sage darum lieber nichts weiter mehr.

Alle diese Dinge, von denen ich gesprochen habe, sind im Vergleich zu dem, was ich in meinem Geist fühle, nichts, weil ich eine so große Gleichförmigkeit Gottes mit der Seele sehe, daß er ihr, wenn er sie in jener Reinheit sieht, in der er sie geschaffen hat, eine bestimmte Anziehungskraft verleiht, und einen solch verbindenden Liebesblick auf sie wirft und sie an sich bindet und an sich zieht in einem solchen Feuer der Liebe, das genügen würde, die Seele, die doch unsterblich ist, aufzulösen. Und diese göttliche Anziehungs-kraft bewirkt, daß die Seele so in ihren Gott umgestaltet wird, daß man meinen könnte, sie sei überhaupt nichts anderes als Gott. Er zieht sie beständig an sich und entflammt sie immer mehr und läßt darin nicht nach, bis er sie zu jenem Seinszustand gebracht hat, von dem sie ihren Ausgang genommen hat, das heißt zu jener lauteren Reinheit, in der sie geschaffen worden ist. Wenn die Seele kraft der inneren Schau sich von Gott durch ein so großes Feuer der Liebe angezogen fühlt, so zerfließt sie ganz in der Glut dieser feurigen Liebe ihres süßen Gottes, die sie in ihren Geist einströmen fühlt. Wenn sie dann in jenem göttlichen Licht sieht, wie Gott nie aufhört, sie an sich zu ziehen und sie liebevoll zu ihrer totalen Vollendung zu führen, und zwar mit so viel Sorge und Umsicht, und das alles nur aus lauter Liebe, wenn also die Seele das sieht und ihr Gott in seinem Lichte zeigt, daß sie sich in jenem Hindernis befindet, auf Grund dessen sie noch nicht dieser Anziehungskraft der einigenden Liebe Gottes, die er ihr zuwendet, folgen kann; und wenn die Seele dann auch noch einsieht, was es für sie bedeutet, noch zurückgehalten zu werden und das göttliche Licht noch nicht schauen zu können; und wenn dazu noch jener Drang in der Seele kommt, die ohne Hindernis sein möchte, um sich von dieser einigenden Liebe anziehen zu lassen, so sage ich, daß die Erkenntnis all dieser vorhin genannten Dinge das ist, was jene schmerzliche Qual erzeugt, die die Seelen im Fegfeuer erleiden.

Nicht als ob diese Seelen ihrer schmerzlichen Strafe, auch wenn sie überaus groß ist, besonderes Gewicht beimessen würden, es hat für sie viel mehr zu bedeuten, daß sie in sich noch jene Gegensätzlichkeit zum Willen Gottes vorfinden, den sie doch ganz klar von jener äußersten lauteren Liebe gegen sie entflammt sehen, die sie so stark mit jenem verbindenden Liebesblick anzieht, als habe sie überhaupt nichts anderes zu tun.

Darum würde die Seele, wenn sie noch ein weiteres Fegfeuer über diesem vorfände, in welchem sie noch schneller von diesem Hindernis befreit werden könnte sich sogleich mit dem Ungestüm jener Liebe, die zwischen Gott und der Seele Gleichförmigkeit herstellt, da hineinstürzen.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (8 von 21)

Was ist die wahre Barmherzigkeit? Die Qual des Fegefeuers. Stellen Sie sich vor: Es gäbe nur den Himmel mit seinen objektiven Anforderungen und darunter die Hölle. Die meisten von uns würden wohl in der Hölle landen. Wo erlebt man die reine Objektivität? Ebenfalls im Fegefeuer, denn die Seele sieht selbst:

„Ich bin noch nicht rein, ich bin noch nicht würdig, ich gehe nicht rein“.

Ist das nicht schön? Weil wir die objektive Wahrheit spätestens in unserer Todesstunde erleben werden, daher sollen wir uns darauf vorbereiten und das hilft kein Franziskus und keine Amoris Laetitia. Objektiv ist objektiv, Sünde ist Sünde und die Hölle ist sehr heiß.

VIII. Kapitel

Ich behaupte auch noch dies: Ich sehe, wie vonseiten Gottes das Paradies kein verschlossenes Tor mehr hat, denn wer eintreten will, der tritt auch wirklich ein, Gott ist ja lauter Barmherzigkeit und steht mit seinen uns entgegengestreckten Armen da, um uns in seine Herrlichkeit aufzunehmen.

Aber ich sehe auch, daß die göttliche Wesenheit von solcher Reinheit und Lauterkeit ist, und zwar weit mehr, als sich der Mensch überhaupt vorstellen kann, so daß die Seele, die eine so minimale Unvollkommenheit an sich hätte, als der kleinwinzigste Splitter groß ist, sich so schnell als möglich in tausend Höllen stürzen würde, um ja nicht mit diesem ganz minimalen Makel in seiner Gegenwart zu erscheinen.

Da sie aber sieht, daß das Fegfeuer dazu bestimmt ist, diese Makel zu beheben, so stürzt sie sich da hinein und es scheint ihr, große Barmherzigkeit darin anzutreffen, sich von dem in ihr vorhandenen Hindernis auf diese Weise befreien zu können. Von welcher Bedeutung die Läuterung im Fegfeuer ist, kann eigentlich keine Zunge schildern und kein Herz erfassen außer der Tatsache, daß das Fegfeuer eine ähnlich schmerzliche Strafe ist wie die Hölle; und doch sehe ich zugleich, das die Seele, die in sich eine solche Makel verspürt, die Qual des Fegfeuers als Barmherzigkeit Gottes entgegennehmen würde im Vergleich zu jener Makel, die sie in ihrer Liebe behindert.

Es scheint mir auch, daß die schmerzliche Strafe jener die im Fegfeuer sind, eigentlich mehr darin besteht, zu sehen, daß die Seele noch etwas an sich hat, das Gott mißfällt und das sie freiwillig gegen eine so große Güte Gottes begangen hat, als in irgendeinem anderen Schmerz, den sie im Fegfeuer zu erleiden hat. Und das kommt, wie ich sage, daher, daß die Seele im Gnadenstand ist und die wahre Bedeutung erkennt, die dem Hindernis zukommt, das sie noch nicht Gott nahekommen läßt.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (7 von 21)

VII. Kapitel

Außerdem sehe ich auch dies noch ganz klar: wie die reine Geistseele keinen anderen Ort für Ruhe findet als nur in Gott, das sie ja dafür geschaffen worden ist, so gibt es für jene Seele, die im Zustand der Sünde ist, keinen anderen Ort als nur die Hölle, weil Gott diesen Ort für sie bestimmt hat. Darum geht die Seele in jenem Augenblick, da sie vom Leib getretrennt worden ist, an den für sie bestimmten Ort, und zwar ohne einen anderen Führer zu haben als nur die Natur der Sünde; das ergibt sich für die Seele, die sich für die Seele, die sich im Augenblick ihrer Trennung vom Leib im Zustand der Todsünde befindet.

Und ich sage so: Wenn eine solche Seele bei jenem Schritt (aus dem Diesseits ins Jenseits) nicht von dieser göttlichen Anordnung getroffen würde, die aus Gottes Gerechtigkeit kommt, so würde sie in eine noch viel schmerzlichere Hölle geraten, denn sie würde sich dann außerhalb jener Anordnung befinden, die an der Barmherzigkeit Gottes Anteil hat, durch die verfügt wird, daß die Seele keine so schmerzliche Strafe erleidet, als sie tatsächlich verdienen würde. Da diese Seelen demnach keinen passenderen und keinen für sie weniger schmerzlichen Ort finden, stürzen sie sich gemäß der Anordnung Gottes, wie schon gesagt worden ist, dort hinab als an den für sie verfügten Ort.

So ist es nun auch bezüglich des Fegfeuers: Die vom Leib getrennte Seele, die sich noch nicht in jener Reinheit befindet, in der sie erschaffen worden war, stürzt sich, da sie das Hindernis, das sie in sich hat, erkennt und darum weiß, daß dieses Hindernis nur mittels des Fegfeuers behoben werden kann, so-gleich freiwillig dort hinein.

Und wenn sie diese göttliche Anordnung nicht vorfände, die bewirkt, jenes Hindernis in ihr zu besei-tigen, so würde für diese Seele in jenem Augenblick eine Hölle entstehen, die viel schlimmer wäre als dieses Fegfeuer, da sie sehen müßte, daß sie ihr Ziel, das Gott selber ist, wegen des vorhandenen Hindernisses nie erreichen kann, wo doch dieses Ziel so viel bedeutet, daß im Vergleich dazu das Fegfeuer, wenngleich es, wie gesagt, der Hölle ähnlich ist, dennoch wie ein Nichts wäre.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (6 von 21)

Was beschreibt die hl. Katharina hier? Die Sehnsucht, die absolute, alles verzehrende Sehnsucht, welche das Absolute und Unverfügbare sieht und es nicht habe kann. Wir alle waren doch schon in dieser Situation, dass wir uns nach etwas oder nach jemand verzehrt haben. Alles hing davon ab und es war unverfügbar. Sie standen mehrere Stunden in einer Schlage an und man hat ihnen die Tür vor der Nase zugeschlagen. Sie kommen nicht rein. Und dort drin findet es statt, alle sind da, die Anderen haben es, Sie jedoch nicht. Dieser Erlebnisse extrapoliert und zu n-ten Potenz gesteigert, geben die Sehnsucht im Fegefeuer wieder, welcher so starkt ist, dass sie weh tut.  Die Seelen wissen um den anwesenden, aber in der beseeligenden Anschauung unverfügbaren Gott, sie wissen um ihre Unwürdigkeit und sie verzehren sich nach Ihm. Aber Sie haben jetzt Einfluß auf Ihr Fegefeuer. Jetzt hindert Sie nichts Gott mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu opfern, denn nach dem Tod gibt es nur Gott und zwar für die Ewigkeit und dann werden Sie sehen, wie unsinnig Sie ihr Leben verbracht haben, indem Sie sich um unnütze Dinge kümmerten, welche Sie nur verunreinigt haben.

 

Vl. Kapitel

Trotzdem will ich ein Gleichnis anführen, das sich meinem Geist dargeboten hat: Wenn es auf der ganzen Welt nur ein einziges Brot gäbe, das allen Geschöpfen den Hunger stillen müßte, und wenn die Geschöpfe schon durch den bloßen Anblick dieses Brotes satt würden, und wenn der Mensch, der, solange er gesund ist, den Drang zum Essen hat, durch das Nicht-Essen weder krank würde noch sterben müßte, es würde dennoch in ihm der Hunger nach diesem Brot immer mehr wachsen, weil eben dieser Drang in ihm da ist; und wenn er weiß, daß nur jenes Brot ihn sättigen kann, und daß in ihm, wenn er dieses Brot nicht hat, der Hunger nicht gestillt werden kann, so würde er in einer unerträglichen Qual verbleiben. Je näher aber der Mensch diesem Brot käme, ohne es jedoch sehen zu können, desto mehr würde das natürliche Verlangen danach in ihm entbrennen, das ja durch seinen Drang ganz und gar auf dieses Brot hingerichtet ist und in welchem seine einzige Befriedigung bestünde; und wenn er die Gewißheit hätte, niemals dieses Brot sehen zu dürfen, so hätte er in diesem Augenblick die vollendete Hölle. Diese vollendete Hölle haben nun die verdammten Seelen, die jeder Hoffnung beraubt sind, je das wahre Brot, Gott, den wahren Heiland, zu schauen.

Die Seelen im Fegfeuer aber haben diesen Hunger, weil sie dieses Brot, durch das allein sie gesättigt werden können, noch nicht sehen, aber sie haben die Hoffnung, es einmal zu sehen und von ihm ganz und gar gesättigt zu werden. Darum sind sie, solange der Hunger nach diesem Brot in ihnen noch nicht gestillt ist, in der schmerzlichen Qual und Pein.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (5 von 21)

Was ist das Ziel des geistlichen Leben, was den Willen anbelangt? Eine Gleichförmigkeit des eigenen Willen mit dem Willen Gottes zu erreichen. Denn falls Sie es nicht zu Lebzeiten schaffen, haben Sie dafür das Fegefeuer, wo es um Wesentliches schmerzhafter sein wird. Sie sitzen dann in einem Feuerofen, bildlich gesprochen, und ihr „Rost“ wird gereinigt, ohne eine Möglicheit der Ablenkung, wie in diesem Leben. Gott bringt dort die Seelen auf seine „Betriebstemperatur“ oder genauer gesprochen, auf die Betreibstemperatur, die Gott für eine jede Seele vorausgesehen  und vorausbestimmt hat. Es ist diese Gleichförmigkeit, welche die Seele, wie einen Taucher, nach oben zieht. In diesem Leben auch und so kann man sich ein hartes Fegefeuer ersparen.

V. Kapitel

Die Seelen im Fegfeuer aber haben in allem ihren Willen dem Willen Gottes gleichförmig. Darum wirkt Gott auf ihren mit seiner Güte gleichförmigen Willen entsprechend ein. Und darum sind sie, was ihren Willen betrifft, zufrieden, da dieser ihr Wille (was die Sündenschuld angeht) gereinigt ist, sowohl von der Erbsünde als auch von persönlicher aktueller Sünde.

Was die Sündenschuld angeht, sind diese Seelen so gereinigt, daß sie rein sind wie damals, als Gott sie erschuf, denn sie sind mit Reue über alle ihre begangenen Sünden und mit dem Willen, nicht mehr zu sündigen, hinübergegangen. Auf Grund dieser Reue vergab Gott sofort die Sündenschuld. So verblieb ihnen nur der Rost und die Häßlichkeit, wie sie durch die Sünde in der Seele verursacht wurden. Davon aber wer-den sie nun gereinigt im Feuer der jenseitigen Läuterung.

Und da diese Seelen ganz und gar von jeder Sündenschuld gereinigt und dem Willen nach mit Gott geeint sind, sehen sie Gott klar gemäß dem Grad des Erkennens, den Gott ihnen gewährt; und sie sehen, was es Bedeutsames um den Genuß Gottes ist und daß die Seele gerade dazu erschaffen worden ist. So finden sie sich in einer ganz innig verbindenden Gleichförmigkeit mit ihrem Gott. Auf Grund dieser Gleichförmigkeit zieht sie der Drang, den die Seele zu Gott hin hat, so sehr zu Ihm hin, daß man keine Ausdrücke, Bilder oder Vergleiche aufzeigen kann, die fähig wären, diese ganze Angelegenheit so zu erklären, wie der Geist es tatsächlich fühlt und im inneren Gefühl begreift.

Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (4 von 21)

„Wie das Leben, so auch der Tod, wie der Tod, so auch die Ewigkeit“, sagt man. Warum? Weil der freie Wille im Moment des Todes „eingefroren“ wird und man ihn nicht mehr ändern kann. Man nimmt das mit, wie man zu Erdenzeiten gelebt hat. Deswegen ist die Möglicheit der Bekehrung auf dem Todesbett so trügerisch und unrealistisch. Mit jeder Entscheidung Ihres Lebens, mit jeder Sekunde kommen Sie entweder der ewigen Verdammnis oder dem Himmel, über das Fegefeuer, näher. Und in der Ewigkeit tragen Sie die ewigen Konsequenzen des Zeitlichen und werden denken, wie dumm Sie doch gewesen sind, sich um diesen Tand so zu kümmern. Und deswegen landen so viele Seelen durch dieses nachkonziliare Gerede in der Hölle, welches da lautet:

  • Schwamm drüber!
  • Gott wird doch nicht so sein!
  • Unbesiegbare Ignoranz!
  • Barmherzigkeit!
  • Die Hölle ist leer!
  • Wir werden schon alle, alle in den Himmel kommen!

Nein, das werden wir sicherlich nicht. Die meisten werden es nicht einmal ins Fegefeuer schaffen. Und was ist mit der unbesiegbaren Ignoranz? Wenn ich schon weiß, dass ich ignorant bin, dann ist meine Ignoranz doch nicht unbesiegbar, sondern ich mache mir etwas vor, wie damals in der Schule.  Der Schreiber dieser Zeilen schreibt diesen Kommentar am 10.11.2017, mitten in seinen anwaltlich-gerichtlichen Angelegenheiten. Er versucht sich wirklich gut zu informieren, um nicht unterzugehen und nicht über den Tisch gezogen zu werden. Und dabei ist es bloß „ein weltlich Ding“ und nicht die Ewigkeit. Wir alle sind doch so um das Irdische bemüht, wollen uns aber im Ewigen mit der unbesiegbaren Ignoranz herauswinden. Nein, so einfach wird es nicht gehen! Man wird jede Konsequenz einer jeden Tat tragen. Noch sind Sie am Leben, noch können Sie umkehren.

IV. Kapitel

Daraus ersieht man, was offenkundig ist, daß der gegen den Willen Gottes gerichtete verkehrte Wille das ist, was die Sündenschuld ausmacht. So lange dieser (in seiner Verkehrtheit) böse Wille andauert, dauert die Sündenschuld an. Und da jene, die in der Hölle sind, mit einem solchen bösen Willen aus diesem Erdenleben ins Jenseits hinübergegangen sind, ist ihre Schuld nicht nachgelassen, sie kann auch gar nicht nachgelassen werden, weil sie ja ihren Willen nicht mehr ändern können, mit dem sie aus diesem Erdenleben geschieden sind, nämlich mit einem solchen bösen Willen.

Jener Schritt (des Hinübergangs aus dem Diesseits ins Jenseits) verfestigt nämlich die Seele entweder im Guten oder im Bösen, je nachdem worin sie sich nach ihrem überlegten Willen befindet, wie geschrieben steht: „Wo Ich dich antreffe“, nämlich in der Todesstunde, im Willen zur Sünde oder in der Reue über die Sünde, „da werde Ich dich richten.“ Bei diesem Gericht gibt es keine Vergebung mehr, denn nach dem Tod ist der freie Wille nicht mehr wandelbar; er ist in dem fixiert, worin er sich im Augenblick des Todes befand.

Jene Seelen, die sich in der Hölle befinden, sind im Augenblick des Todes mit dem Willen zu sündigen angetroffen worden; so tragen sie nun endlos Schuld und Strafe in sich. Dabei ist die Strafe nicht einmal so groß, wie sie es verdient hätten, dennoch ist die Strafe, die sie abzubüßen haben, endlos.

Die Seelen im Fegfeuer aber haben an sich nur die Strafe, nicht aber die Sündenschuld, die ja in ihnen durch die Reue getilgt worden ist. Darum ist ihre Strafe nicht endlos, sondern begrenzt und endlich und wird, was die Zeit betrifft, wie gesagt, immer geringer. O Elend über alles Elend, das um so größer ist, je weniger es von der menschlichen Blindheit beachtet wird! Ich sage, daß die Strafe der Verdammten der Schwere nach nicht unendlich ist, weil die süße Güte Gottes die Strahlen ihrer Barmherzigkeit auch noch in die Hölle hineinsendet; der Mensch, der in der Todsünde stirbt, verdient an sich eine unendliche Strafe, die unendlich lange dauert. Aber Gott hat in seiner Barmherzigkeit nur die Dauer der Strafe unendlich gemacht, die Schwere der Strafe aber begrenzt. Gerechterweise hätte Gott eine viel schwerere Strafe verhängen können, als er wirklich verhängt hat.

Siehe, wie gefährlich die Sünde, die aus Bosheit geschieht, ist! Der Mensch bereut sie nämlich nur ganz schwer; und wenn er sie nicht bereut, bleibt die Sündenschuld für immer und sie dauert so lange, als der Mensch im Willen zur begangenen oder zur begehenden Sünde verbleibt.

Hl. Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (3 von 21)

Was herrscht im Übernatürlichen? Das Sparsamkeitsprinzip, wobei die größte Effizienz mit den kleinstmöglichen Mitteln erreicht wird. Und was bedeutet das?

„Wer hat, dem wird gegeben, wer nicht hat, dem wird genommen“ (Mt 13, 12)

Die bedeutet, dass Gott denen, die sich mühen zu Ihm zu kommen maximal entgegenkommt, denen aber, die sich von ihm wegbegeben minimal entgegenkommt. Dies erlebt der Schreiber dieser Zeilen an sich selbst, wie viele Gnadenhilfen, ja, auch Leiden, er in den letzten Jahren bekommt und das beobachtet er auch an deren frommen Seelen, wie sehr sich doch Gott um diese kümmert, womit natürlich ihr Seelenheit gemeint ist. Hl. Katharina von Genua sagt ja selbst:

Je mehr aber in der Seele dieser Drang abnimmt, desto schlechter wird die Seele, weil Gott sich ihr entsprechend weniger mitteilen kann.

Sie müssen sich das geistliche Leben wie einen Tauchvorgang vorstellen. Sie werden, sagen wir, auf der Tiefe von 20 m geboren und durch den Druck und die Gravitation haben Sie den natürlichen Drang nach oben, hl. Katharina nennt es „Drang (Instinkt)“. Durch die Erbsünde befinden Sie sich aber in der Tiefe von 20 m und ihre eigenen Sünden beschweren Sie als Gewichte so, dass Sie immer weiter in die Tiefe abtauchen. Wenn Sie sich der Sünden, sprich der Gewichte, entledigen, dann kommen Sie automatisch nach oben, natürlich unter der Berücksichtigung der Auftauchzeiten. Und deswegen wird Gott niemanden zusätzliche Gnade geben, der unter der Sündenlast untertaucht. Dass wäre eine Riesenenergieverschwendung und gegen das Sparsamkeitsprinzip. Und was ist mit Paulus? Er handelte im guten Willen und dachte, dass er Gutes tut. Wie man zu Gott ist, so ist er auch zu einem. Deswegen ist es eine Verschwendung für gefalle Priester, Bischöfe und Kardinäle oder auch höher, die wissend, willentlich und sakrilegisch sündigen, zu beten. Sie verschwenden nur Ihre Gebete, die jemandem zugute kommen könnten. Leitet Gott diese nicht um? Schon möglich, aber Sie selbst verschwenden Ihre Zeit und sehen keinen Erfolg, weil jeder einen freien Willen hat.

Nemo peccat nisi volens, sagt der hl. Augustinus

„Niemand sündigt, es sei es er will es“.

III. Kapitel

Die fundamentale Ursache aller Schmerzen und Leiden ist die Sünde, die Erbsünde und die persönliche aktuelle Sünde. Gott hat die Seele rein, lauter und frei von jeder Sündenmakel und mit einem sicheren, beseligenden Drang (Instinkt) auf Ihn hin erschaffen. Dieser Drang wird durch die Erbsünde vermindert. Kommt dazu dann noch die persönliche aktuelle Sünde, so nimmt dieser Drang noch mehr ab. Je mehr aber in der Seele dieser Drang abnimmt, desto schlechter wird die Seele, weil Gott sich ihr entsprechend weniger mitteilen kann. Weil nun aber alles Gute, das es geben kann, nur in der Teilhabe an Gott besteht, der sich den Geschöpfen entsprechend mitteilt, und zwar den vernunftlosen Geschöpfen so, wie Er es will und verfügt hat — es wird ihnen nie daran fehlen —, der vernunftbegabten Seele aber mehr oder weniger, je nachdem Gott sie vom Hindernis der Sünde gereinigt vorfindet, so ergibt sich nun folgendes: Wenn sich eine Seele dem Zustand nähert, in welchem sie ursprünglich von Gott rein und lauter geschaffen worden ist, so wird jener beseligende Drang wieder freigelegt und wächst mit solcher Vehemenz und solcher Glut der Liebe, die diese Seele zu ihrem letzten Ziel hinzieht, daß es ihr unerträglich erscheint, noch weiter gehindert sein zu müssen. Und da die Seelen, die im Fegfeuer sind, ohne Sündenschuld sind, so gibt es bei ihnen kein Hindernis zwischen Gott und ihnen außer jenem Schmerz, in welchem sie noch zurückgehalten werden, wodurch jener Drang hin zu Gott noch nicht seine Vollkommenheit erlangen kann. Und da sie mit größter Klarheit einsehen, wie viel ein Hindernis bei Gott bedeutet, und einsehen, daß jener Drang gemäß dem notwendigen Gesetz der Gerechtigkeit zurückgehalten wird, so wächst dadurch in ihnen ein so heftiges Feuer, das ähnlich dem der Hölle ist, von der Schuld abgesehen. In den Verdammten macht dieses Feuer den Willen schlecht, da ihm Gott seine Güte nicht entsprechend mitteilt. Darum verharren diese Seelen in jenem Willen der Verzweiflung und der Bosheit, der gegen den Willen Gottes gerichtet ist.

Hl. Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (2 von 21)

Womit soll man das Fegefeuer vergleichen? Mit einem Eintauchen in ein Säuerebad, mit einem Schmorren auf der Pfanne, mit dem Sich-Aussetzen einer starken Bestrahlung. Es reinigt, ist schmerzhaft, doch wie hl. Katharina von Genua schreibt, es birgt auch eine große Zufriedenheit den Willen Gottes auf diese Art und Weise zu erfüllen.

II. Kapitel

Ich glaube nicht, daß es eine Zufriedenheit gibt, die mit jener einer Seele im Fegfeuer verglichen werden kann, außer jener Zufriedenheit, die die Heiligen im Paradies haben. Und jeden Tag wächst diese Zufriedenheit in diesen Seelen durch Gottes entsprechende Einwirkung; diese Zufriedenheit wächst, weil jeden Tag das Hindernis für die entsprechende göttliche Einwirkung abnimmt. Der Rost der Sünde ist dieses Hindernis; das Feuer verzehrt den Rost; so tut sich die Seele immer mehr für die entsprechende Einwirkung Gottes auf. Und wie ein zugedeckter Gegenstand, der in der Sonne liegt, nicht der Bestrahlung durch die Sonne ausgesetzt ist, was nicht Schuld der Sonne ist, die ja immerfort strahlt, sondern Schuld der Decke, mit der jener Gegenstand zugedeckt ist; je weniger jene Sache mit der Decke bedeckt ist, desto mehr ist sie der Sonne ausgesetzt, desto stärker wird die Bestrahlung; so ähnlich ist es mit dem Rost der Sünde. Er ist gleichsam die Decke, mit der die Seelen im Fegfeuer zugedeckt sind. Er wird durch das Feuer verzehrt. Und je mehr er verzehrt wird, desto mehr kann die Seele der Bestrahlung durch die wahre Sonne, die Gott ist, entsprechen. Umso mehr wächst aber auch die Zufriedenheit (in der Seele im Fegfeuer), je mehr der Rost (der Sünde) abnimmt und sie aufgedeckt wird für die entsprechende Einwirkung (Gottes); das eine also wächst, das andere nimmt ab, bis es beendet ist. Es fehlt jedoch nicht der Schmerz, es fehlt die Zeit für das Verbleiben in diesem Schmerz. Was den Willen betrifft, so können sie (die Seelen im Fegfeuer) nie sagen, daß jene Schmerzen sind, so sehr sind sie zufrieden mit der Anordnung Gottes, mit der ihr Wille in reiner Liebe vereint ist. Anderseits haben sie im Gegensatz zu dieser Zufriedenheit des so (mit der Anordnung Gottes) geeinten Willens doch einen so heftigen Schmerz, daß keine Zunge ihn schildern und kein Verstand auch den kleinsten Funken davon begreifen könnte; diesen Funken hat Gott mir gnadenhaft gezeigt, aber ich kann ihn nicht mit meiner Zunge schildern. Und diese Schau, die der Herr mir gewährte, ist niemals mehr aus meinem Geist geschwunden. Ich werde davon das sagen, was ich sagen kann; und verstehen wird es der, den es der Herr verstehen läßt.

Hl. Katharina von Genua: Traktat über das Fegefeuer (1 von 21)

Ja, meine Damen und Herren, was ist das Fegefeuer? Die reine Objektivität. Sie sehen die objektive Wahrheit und es gelten keine Entschuldigungen der Art:

Ich habe meine Hausaufgaben gemacht, aber mein Heft vergessen!

Und deswegen ist diese ganze vom deutschen Idealismus und Subjektivismus inspirierte Theologie sie diabolisch, welche uns sagt:

Dein Bewußtsein zählt, nicht die Objektivität, die es nicht gibt!

Es ist genau umgekehrt. In der Todesstunde werden wir mit der Objektivität Gottes konfrontiert werden und im Fegefeuer können wir nur auf Ihn schauen, nicht einmal auf uns selbst. Diese Anschauung ist demnach im Fegefeuer eine leidende, nicht beseligende, weil die Seele noch nicht rein ist. Deswegen ist es so verhängnisvoll auf die unbesiegbare Ignoranz zu spekulieren, indem man sich sagt:

Wenn ich unwissend über dies und das bleibe, dann kann mich Gott nicht richten, denn ich habe es nicht besser gewußt!

Nein, er wird sie deswegen richten, weil sie es nicht besser wissen wollten und im Fegefeuer werden sie sehen, wieviele Punkte ihnen fehlen. Dies ist in etwa mit einer Matheklausur zu vergleichen, wo sie meinen sie bekommen ein 2 und erhalten eine fette 5, wonach Ihnen der Lehrer alle Rechenschritte erklärt und Sie selbst sehen, was sie alles falsch gemacht haben, warum und wie dumm sie gewesen sind. Ja, es ist ein Jammer, eine Beschämung und irgendwie eine Befreiung. Im Fegefeuer werden Sie nach und nach alles nachvollziehen können, anders als bei Mathe in der Schule. Die reine Objektivität.

I. Kapitel

Diese heilige Seele (nämlich Catharina von Genua) befand sich noch im Fleische, als sie in das Fegfeuer der Läuterung feuriger Gottesliebe versetzt wurde. Dieses Feuer versengte in jener Seele alles und läuterte alles, was sich in ihr noch im Zustand, geläutert werden zu können, befand. Es sollte dies dazu geschehen, damit sie sogleich beim Austritt aus diesem irdischen Leben vor das Angesicht dieses süßen Gottes geführt werden könne. Sie begriff mittels dieses Liebesfeuers in ihrer Seele, wie es um die Seelen jener Gläubigen am Ort des Fegfeuers steht, die von jenem “Rost” der Sündenmakel, von dem sie in diesem Erdenleben noch nicht gereinigt worden sind, geläutert werden. Und so wie sie selbst im Feuer der göttlichen Liebe mit dieser göttlichen Liebe geeint war und mit all dem zufrieden war, was da in ihrer Seele bewirkt wurde, gerade so begriff sie den Zustand der Seelen, die im Fegfeuer sind. Und sie sagte: Die Seelen, die im Fegfeuer sind, können gar kein anderes Verlangen haben als nur dies, an jenem Ort der Läuterung zu sein; und zwar wegen der Anordnung Gottes, der das in gerechter Weise so verfügt hat. Diese Seelen können sich nicht mehr auf sich selbst zurückwenden und können nicht sagen:

“Ich habe diese und jene Sünde begangen, für die ich es verdiene, hier zu sein;”

sie können auch nicht sagen:

“Ich möchte, ich hätte diese Sünden nicht begangen, so daß ich jetzt in das Paradies eingehen könnte;”

sie können auch nicht sagen:

“Jener kommt schneller als ich von hier heraus;”

oder:

“Ich werde schneller als jener von hier herauskommen;”

sie können auch keinerlei Erinnerung, weder im Guten noch im Schlechten, an sich selbst oder an andere haben. Aber sie haben eine ganz große Zufriedenheit über die Anordnung Gottes, in der er all das, was Ihm gefällt und solange es Ihm gefällt, wirkt. Darum können sie nicht mehr an sich selber denken. Sie sehen nur noch die so große Güte und Wirksamkeit Gottes, der dem Menschen so viel Barmherzigkeit erweist, um ihn zu sich zu führen, so daß sie weder Schmerz noch Glück sehen, das ihnen in ihrer Eigentlichkeit zustoßen könnte; wenn sie dies sehen könnten, wären sie nicht in der reinen, lauteren Liebe. Sie können nicht einmal sehen, daß sie in jenen Fegfeuerleiden wegen ihrer Sünden sind, noch können sie solche Schau in ihrem Geiste festhalten, denn das wäre eine aktive Unvollkommenheit, die an jenem Ort (der Läuterung) nicht mehr bestehen kann, weil man ja dort nicht mehr aktiv sündigen kann. Die in ihnen vorhandene Ursache für ihr Fegfeuer sehen sie nur ein einziges Mal, nämlich beim Scheiden aus diesem Leben; hernach sehen sie diese nie wieder, weil das eine Eigentümlichkeit in ihnen wäre. Und da sie in der Liebe sind und sich von dieser nicht mehr durch aktuelle Sündenschuld abwenden können, darum können sie nichts mehr wollen und wünschen als nur das reine Wollen der reinen Liebe; und da sie im Feuer der Läuterung sind, sind sie in der göttlichen Anordnung, die reine Liebe ist, und sie können in keiner Weise mehr von dieser abweichen, weil sie der Fähigkeit beraubt sind, aktiv zu sündigen und Verdienste zu erwerben.