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Tenebrae und Psalm 50 – einige Erläuterungen

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DSDZ (der Schreiber dieser Zeilen) machte seine Entdeckung der musikalischen Tenebrae erst in seinen späten 20-gern als er zum ersten Mal die Tenebrae von Victoria auf CD hörte und von dieser lichtvoll-spirituellen Musik tief angerührt wurde. Er sang auch Teile anderer Tenebrae in verschiedenen Chören und da er sich im Dunstkreis der Alten Musik bewegte, so fragte er einen Musiker, der die Tenebrae aufführte, was es eigentlich damit auf sich habe. Der Musiker antwortete ihm darauf wie folgt:

– Das sind mittelalterliche Gesänge, die man in der Dunkelheit sang. Danach löschten sie die Kerzen und warfen die Bücher auf den Boden. – Und warum? – Keine Ahnung!

Soweit dieses Gespräch, das beweist, dass der Musiker, der zu den angesehensten seines Landes gehörte, völlig ungebildet war und von den kirchlichen Zeremonien, die er ja wenigstens musikalisch vorführte, keine Ahnung hatte. Von den Tenebrae aber hat wirklich kaum jemand Ahnung und wenn schon jemand, dann eher Spezialisten für die Alte Musik als katholische Liturgie kann. DSDZ war sehr lange nicht klar, dass die Tenebrae erst 1955 und nicht im Mittelalter abgeschafft wurden, denn er entdeckte sie erst, als er selbst anfing das Alte Brevier zu beten. Ja, sie waren wirklich das Herzstück der Kartage, aber eigentlich das Kernstück der katholischen Liturgie an sich und daher mussten sie fallen.

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Wann wurden sie gebetet?

Viele Katholiken wissen wahrscheinlich nicht, dass die liturgischen Vorschriften der alten Liturgie viel menschenfreundlicher waren und sind als im Allgemeinen angenommen wird. So wäre es optimal die kanonischen Horen (Matutin, Laudes, Prim, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet) in den Zeiten zu beten, für die sie vorgeschrieben wurden. Sacrosanctum Concilium stellt doch tatsächlich diese Forderung:

88. Da die Heiligung des Tages Ziel des Stundengebetes ist, soll die überlieferte Folge der Gebetsstunden so neugeordnet werden, daß die Horen soweit wie möglich ihren zeitgerechten Ansatz wiedererhalten (ut Horis veritas temporis, quantum fieri potest, reddatur).

Da mit dem „zeitgerechten Ansatz“ Alles und Nichts gemeint sein kann, so muss man in dem lateinischen Original nachschauen, um zu erfahren, was eigentlich damit gemeint sei. Es wird von der veritas temporis – wörtl. „Wahrheit der Stunden“ gesprochen. Damit ist gemeint, dass die Terz um 9:00 Uhr, die Sext um 12:00 Uhr, die Non um 15:00 Uhr gebetet werden sollte. Diese Forderung wird zwar durch den Nachsatz „so weit wie möglich“ abgeschwächt, sie bleibt aber als Wunsch des kirchlichen Gesetzgebers erhalten. Man wusste aber bis zum Sacrosactum Concilium (SC), dass es keinesfalls möglich ist diese Forderung zu stellen, da sich der Tagesablauf, insbesondere der Weltpriester, so gestalten kann, dass man nie und nimmer um 9:00 Uhr dazu kommen wird die Terz wie vorgeschrieben zu beten. Denn dieser Stunden stehen symbolisch für bestimmte heilsgeschichtliche Ereignisse da. So steht die Terz für die Ausgießung des Heiligen Geistes, die Sext für den Anfang des Leidens Christi und die Non für seinen Kreuzestod. Da wir niemals wissen werden, wann auf die Sekunde genau Christus gestorben ist, so bleibt die liturgische Zeitrechnung immer ungenau, zumal auch in verschiedenen Breitengraden die Zeit auch verschieden verläuft. Man hat die Sommer- und Winterzeit und sogar der heilige Benedikt, der Vater des monastischen Abendlandes, hat in seiner Regel festgelegt, dass die Gebetszeiten vorgezogen oder nachgestellt werden können. Dies bedeutet diese konziliare Forderung der veritas temporis ist völlig untraditionell und aus der modernistischen Luft gegriffen.

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Die gängige und praktizierte liturgische Regel vor SC erlaubte die Horen auch zu anderen Tageszeiten zu beten und sogar manche Horen, wie die Matutin, vorzuziehen oder zu antizipieren. Wenn Sie also das Alte Brevier beten, so müssen sie zwar alle Horen verrichten und nicht nur manche wie seit dem Konzil,[1] es bleibt aber Ihnen überlassen, wann sie es tun. Sie tun es wahrscheinlich dann, wenn sie gerade Zeit haben. Die Horen mussten zwischen Mitternacht und Mitternacht gebetet werden, damit man sich nicht versündigt, falls man zum Stundengebet von Amts wegen verpflichtet ist. Da der Tagesablauf des Beters auch abweichen kann, so war es möglich die längste Matutin vorzuziehen und beispielsweise die Matutin vom Donnerstag schon am Mittwoch ab 14:00 Uhr zu beten und sie sozusagen zwischen die anderen Horen vom Donnerstag zu schieben. Alternativ dazu stand man nachts nach 24 Uhr auf, betete die Matutin, legte sich wieder schlafen, wachte auf und betete die Laudes sowie im Laufe des Tages anderer Horen. Eine andere Möglichkeit bestand darin möglichst früh aufzustehen und die Matutin samt Laudes hintereinander zu beten, was ca. 1 Stunde 15 Minuten beim guten Sprechtempo beträgt. Da sich nicht jeder, der nicht gerade Mönch war und zum gemeinschaftlichen Chorgebet verpflichtet wurde, diesen Tort des nächtlichen oder frühen aufstehen antat, so war das Antizipieren der Matutin gang und gäbe. Und gerade dieser Tradition bediente sich die Kirche, indem sie das Zelebrieren der Tenebrae antizipierte. So betete man:

  • die Tenebrae vom Gründonnerstag abends am Karmittwoch,
  • die Tenebrae vom Karfreitag abends am Gründonnerstag,
  • die Tenebrae vom Karsamstag abends am Karfreitag,

Diesem Umstand ist geschuldet, dass manche Komponisten, wie Couperin, Tenebrae für Karmittwoch komponierten, andere hingegen, wie Gesualdo, die Musik zu denselben Texten für Gründonnerstag verfassten. In beiden Fällen ist dieselbe Liturgie, mit denselben Texten gemeint. Wie schön muss es doch gewesen sein als man bis 1955 abends in die Kirche wie in ein Konzert ging, wo man sich musikalisch und spirituell laben konnte. Die Tenebrae waren doch keine aus dem liturgischen Leib herausgeschnitten herausgeschnittenen Musikstücke, wie es heute der Fall ist, sondern sie waren das göttliche Offizium dieser Zeit. Denn es ist nicht nur die schöne Musik, es ist sozusagen eine „liturgische Impfung“, da diese Texte ja geistlich wirken und sie den Gläubigen ein ganzes liturgisches Jahr lang gesund halten.

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Was hat es mit dem Psalm 50 auf sich?

Carol Byrne beklagt richtigerweise, dass der Psalm 50 in den liturgischen Reformen von 1955 fast gänzlich im Triduum abgeschafft wurde.

Warum?

Weil der Psalm 50, wie alle anderen Bußpsalmen (Ps 6, 31, 37, 101, 129 und 132), dazu dient die lässlichen Sünden zu tilgen. Nach der Lehre der Kirche, sehr gut und ausführlich von Thomas von Aquin dargestellt (Summ. Theol, III, q. 87 a.3) dienen bestimmte religiöse Praktiken, mit der rechten Gesinnung und Reue dazu die lässlichen Sünden abzutragen. In der Tradition der Kirche hat sich gerade der Bußpsalm 50 als sehr wirkungsvoll erwiesen, wahrscheinlich deswegen, weil er direkt von König David stammt. Wie wir wissen gab es bis zur Ohrenbeichte, die ungefähr im siebten Jahrhundert in Irland aufkam, gar keine andere Möglichkeit die lässlichen Sünden zu tilgen, jene also, die nicht unter eine öffentliche Buße fielen, als durch:

  • Fasten,
  • Almosen,
  • Werke der Barmherzigkeit (zum Beispiel das begraben der Toten),
  • Kreuzzeichen,
  • Verwendung des Weihwassers,
  • Vater unser,
  • andere Gebete, wie beispielsweise die Bußpsalmen.

Wenn die Heiligen also all diese Dinge taten, so taten sie dies nicht nur deswegen, um sich zu vervollkommnen, sondern auch deswegen, um ihre eigenen Sünden zu tilgen oder zu sühnen. Kurz und gut: sie hatten auch selbst etwas davon. Es besteht immer die Möglichkeit etwas für jemanden zu tun, wie beispielsweise den Psalm 50 für Verstorbene oder Lebende zu beten. Es ist also möglich, dass diejenigen die das Offizium der Tenebrae bis 1955 beteten, manch ein Psalm 50 nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Kirche verrichteten. Auf diese Art und Weise kam zusätzliche Gnade auf die Welt, die durch die liturgische Reform von 1955 Weg fiel.

Glauben Sie im Ernst, dass das zusätzliche Beten von Psalm 50 etwas bewirkt hätte?

Natürlich, denn hätte es nichts bewirkt und wären alle Gebete und liturgische Handlungen wirkungslos, dann hätte man sie doch nicht zum Nachteil, per Weglassen, geändert. Wenn Sie also von einem Priester aus der Ecke „fromm, aber ungelehrt“ hören, dass all das Unglück dieser Welt deswegen gekommen ist, weil sie, als Laie, „zu wenig gebetet“ haben, dann ist es genau umgekehrt. Diejenigen, die zum liturgischen Gebet verpflichtet waren, haben aufgrund der Reform immer weniger für uns gebetet, sodass wir alle die Konsequenzen davontragen. Denn Gebete wirken wirklich.


[1] Sacrosanctum Concilium: 89. Deshalb sollen bei der Reform des Stundengebetes die folgenden Richtlinien eingehalten werden:

a) Die Laudes als Morgengebet und die Vesper als Abendgebet, nach der ehrwürdigen Überlieferung der Gesamtkirche die beiden Angelpunkte des täglichen Stundengebetes, sollen als die vornehmsten Gebetsstunden angesehen und als solche gefeiert werden.

b) Die Komplet soll so eingerichtet werden, daß sie dem Tagesabschluß voll entspricht.

c) Die sogenannte Matutin soll zwar im Chor den Charakter als nächtliches Gotteslob beibehalten, aber so eingerichtet werden, daß sie sinnvoll zu jeder Tageszeit gebetet werden kann. Sie soll aus weniger Psalmen und längeren Lesungen bestehen.

d) Die Prim soll wegfallen.

e) Im Chor sollen die kleinen Horen, Terz, Sext und Non beibehalten werden. Außerhalb des Chores darf man eine davon auswählen, die der betreffenden Tageszeit am besten entspricht.

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