Thomas von Aquin: Der Teufel kann Wunder wirken

Summ. Theol. I, Q. 114, a. 4

Vierter Artikel.
Die Teufel verführen die Menschen manchmal durch Wunder.

Sicherlich ist es schwer anzunehmen, dass nicht nur Gott Übersinnliches zu tun vermag. Dennoch sind paranormale Wunder kein Argument gegen die Allmacht Gottes, denn Gott hat den Engeln eine bestimmte präternaturale Ausstattung von Natur her gegeben, welche ihnen, auch nach dem Fall ermöglicht das zu vollbringen, was die Menschen für Wunder halten.

a) Es scheint, dies können sie nicht. Denn:

I. Die Thätigkeit des Teufels wird im höchsten Grade stark sein zur Zeit des Antichrist; wie 2. Thess. 2, 9. es heißt: „Seine Ankunft wird gemäß aller Thätigkeit Satans sein in jeglicher Kraft; in Lügenzeichen; in Lügenwundern.“ Also werden noch weit mehr zu anderen Zeiten keine wahren Wunder vom Teufel ausgehen.

II. Wahre Wunder vollziehen sich vermittelst einer Änderung in den Körpern. Die Dämonen aber können die Körper nicht in eine andere Natur verwandeln; wie Augustin sagt (16. de Civ. Dei 18.): „Ich glaube auch nicht, daß irgendwie der menschliche Leib durch dämonische Kunst oder Gewalt in Glieder eines Tieres verwandelt werden könne.“ Also können die Dämonen keine wahren Wunder wirken.

III. Wären die Wunder geeignet, die Täuschung der Dämonen zu stützen; so eigneten sie sich nicht mehr in wirksamer Weise, die Wahrheit des Glaubens zu kräftigen. Das aber ist unzuträglich; denn Mark. ult. 20. wird gesagt: „Der Herr wirkte mit und bekräftigte ihre Worte durch Wunder, die Er folgen ließ.“

Hl. Augustinus schreibt aus eigener Erfahrung, denn in den Zeiten, in denen er lebte, vollbrachten die Platoniker – Theurgen – magische Künste und für ein ungeübtes Auge waren sie von christlichen Wundern nicht zu unterscheiden.

Auf der anderen Seite sagt Augustin (83. Qq. 79.): „Durch magische Künste geschehen Wunder, die zumeist denen sehr ähnlich sind, die Gottes Diener wirken.“

Hl. Thomas unterscheidet hier zwischen wahrem Wunder, das nur von Gott kommen kann und angeblichen Wunder oder einem paranormalen Ereigniss, wie wir es heute nennen würden, das alle Anzeichen eines Wunders trägt. Daher braucht man ein äußeres Kriterium, die beide Phänomene sind zu verwechseln gleich. 

b) Ich antworte; wenn von Wundern im wahren Sinne des Wortes die Rede sein soll, so kann nur Gott allein, keine einzige Kreatur aber, so hoch sie stehe, solche wirken. Denn ein eigentliches Wunder ist außerhalb der gesamten, natürlichen Ordnung, unter der alle geschaffenen Kräfte stehen. Manchmal aber wird Wunder genannt, was menschliches Wissen und Können überragt; und so thun bisweilen die Dämonen Wunder, welche die Menschen anstaunen, weil sie sich dieselben nicht erklären können. Dies kann übrigens auch in angemessenen Verhältnissen ein Mensch thun; nämlich etwas vollbringen, was über die Kenntnis des anderen hinausgeht und gleichsam wie ein Wunder angestaunt wird.

Dabei ist jedoch zu beachten, daß, wenn auch derartige dämonische Werke, die uns als Wunder vorkommen, nicht die wahre wirkliche Natur eines Wunders erreichen, sie doch bisweilen wahre und wirkliche Dinge sind; wie z. B. die Magier des Pharao durch die Kraft der Dämonen wahre Schlangen und Frösche hervorbrachten; und als Feuer vom Himmel fiel, das die Herden und die Knechte Jobs vernichtete oder da der Sturm das Haus niederwarf und die Kinder tötete, so waren dies keine Phantasiebilder. (20. de Civ. Dei 19.)

c) I. Augustin sagt (I. c.): ,.Die Werke des Antichrist können Zeichen der Lüge genannt werden; entweder weil er die Sinne der Sterblichen durch Phantasiebilder täuschen wird, so daß er den Schein haben wird zu thun, was er nicht thut; — oder weil, wenn das, was er Wunderbares thut, sich wirklich so verhält, er sie dazu verleiten wird, daß sie der Lüge glauben.“

Dämonen haben eine Macht über die Materie, womit wir auch Elektrizität, Quantensprünge und alle Ebenen des Physikalischen und Chemischen meinen. Daher können sie etwas bewirken, was für sie natürlich ist, uns aber übernatürlich vorkommt. So ist Elektrizität etwas Naturhaftes, obwohl es erst vor Kurzem entdeckt und angewandt wurde. Die Dämonen kennen aber jetzt schon Technologien, die die Menschen erst in der Zukunft entdecken werden und wenden sie manchmal an.

II. Der Stoff gehorcht den Geistern nicht auf ihren Wink, daß sie selben von einer Form in die andere, von einem Wesen in das andere verwandeln könnten; aber sie können nach Augustin (3. de Trin. cap. 8.) einige Samenarten anwenden, welche in der Welt gefunden werden, damit sie diese ihre Wirkungen hervorbringen. Alle Dinge also, welche auf Grund solcher Samen vermöge der natürlichen Kräfte werden können, die kann auch der Dämon machen dadurch daß er diese Samen gebraucht; wie z. B. wenn gewisse Dinge in Schlangen oder Frösche verwandelt werden, welche aus der Fäulnis erzeugt werden können. Jene Verwandlungen und Veränderungen aber, welche aus gegebenem Samen kraft der natürlichen Kräfte nicht geschehen können, die kann der Dämon nicht hervorbringen; wie z. B. daß der Menschenleib in einen Tierkörper verwandelt oder ein Todter zum Leben wiedererweckt werde.

Sinnestäuschung ist eine andere Stärke der Dämonen. Sie können nicht nur die Materie verändern, sondern auch uns vorspiegeln es zu tun. Wir können nur sagen, dass wir etwas Paranormales gesehen haben, aber nicht das, wie es konkret dazu gekommen ist.

Geschieht so etwas Ähnliches, so vollzieht es sich dadurch, daß der Dämon die Sinne täuscht: Und zwar entweder innerlich, insofern der Dämon die Phantasie des Menschen wirksam beeinflussen kann sowie auch die äußerlichen Sinne, so daß jemand die Dinge anders sieht als sie sind; was ja auch bisweilen vermittelst körperlicher Kräfte geschieht; — oder der Dämon macht außen um das betreffende Ding, z. B. um einen Menschenleib herum die gewollte Form, durch die er täuschen will, aus Luft, wie er ja (Kap. 101, Art. 3 und 4) überhaupt beliebige Körper aus Luft formen kann, so zwar, daß der Mensch in anderer Form von außen her erscheint, wie er wirklich ist. So sagt Augustin (18. de Civ. Dei), „daß das Phantasiebild des Menschen, welches im Denken und Träumen gemäß den Gestalten unzähliger Dinge wechselt, wie verkörpert gleichsam im Bilde irgend eines Tieres auch den Sinnen anderer erscheint.“ Damit will Augustin nicht sagen, daß die menschliche Phantasie selber die Kraft hätte, ihre Gebilde anderen zu zeigen, so zwar, daß ein und dasselbe Phantasiebild innen in der Phantasie sei und außen den anderen sich zeige; sondern der Dämon kann nach diesen Worten innerhalb der Phantasie des Menschen irgend welche Gestalt formen und kann eine ähnliche außen den Sinnen anderer darbieten.

Und hier kommen wir in Schleife zur Ausgangsthese zurück. Magier können Paranormales bewirken und zwar mit Hilfe der Dämonen und sie tun es.

III. „Wenn die Magier dasselbe thun wie die Heiligen,“ sagt Augustin, „so thun sie es zu anderem Zwecke und mit anderer Befugnis. Denn jene thun es zu Gottes Ehre, diese zur eigenen; und jene thun es auf Grund von geheimen und privaten Pakten, diese aber zum öffentlichen Besten und auf Befehl Gottes, dem Alles unterworfen ist.“

Quelle: http://www.unifr.ch/bkv/summa/kapitel115-4.htm

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