Tradition und Glauben

„Tradismatischer Trienkostalismus“, Steubenville, Benedikt XVI. oder was ist aus dem Novus Ordo Katholizismus geworden?

Warum Ratzingers Ekklesiologie mit dem sexuellen Missbrauch von Steubenville zusammenhängt.
Beitrag hören
5/5 - (4 Stimmen)

Lesezeit: 5 Minuten

„Zeichen der Zeit“ oder Kuddelmuddel

Es ist interessant, wie alles konvergiert und sich zusammenfügt. Nennen wir die drei Ereignisse der letzten Tage.

  1. Gestern brachte Church Militant einen Beitrag über von einem Franziskaner verübten und von Mitfranziskanern von Steubenville gedeckten sexuellen Missbrauch an einer vermeintlich oder tatsächlich besessenen Frau.
  2. Seit einige Tagen macht der Brief Benedikts XVI an ebendiese Universität von sich die Rede, wo der Papa emeritus über sich selbst und Vat. II natürlich im positiven Lichte spricht, denn die US-Uni macht gerade ein Symposium zur Ekklesiologie Ratzingers.
  3. Schließlich ist bei kath.net über eine neuartige Züchtung namens „Tradismatischer Triankostalismus“ zu lesen, worin die Franziskaner-Universität Steubenville exzelliert.

Gehen wir all das der Reihe nach durch.

Der Missbrauchstäter – Pater David Morrier

Ad 1)

Ein Franziskaner und Studentenseelsorger an der Universität Stuebenville, Pater David Morrier hat jahrelang eine ehemals vom eigenen Vater sexuell missbrauchte und vermeintlich besessene Frau gegroomed, sexuell missbraucht und zur Abtreibung gezwungen, wovon seine Vorgesetzten, u.a. der Präsident der Steubenville-Universität Pater David Pivonka wussten. Für mehr Details verweisen wir an Church Militant, denn all das ist höchst drastisch und skandalös.

Pater David Pivonka- Universitätspräsident und Vertuscher

Ad 2)

An ebendiesen Pater David Pivonka schreibt Benedikt XVI. seinen Brief mit den Worten:

Sehr geehrter Herr Präsident!

Es ist für mich eine große Ehre und Freude, daß in den Vereinigten Staaten von Amerika an der Franciscan University of Steubenville ein Internationales Symposion sich mit meiner Ekklesiologie befaßt und so mein Denken und Mühen in den großen Strom einordnet, in dem es sich bewegt hat. […]

Tatsächlich hat sich ein neues Konzil als nicht nur sinnvoll, sondern als notwendig erwiesen. [..] Inzwischen zeigt sich allmählich die Notwendigkeit, die Frage vom Wesen und Auftrag der Kirche neu zu formulieren. So kommt auch die positive Kraft des Konzils langsam zum Vorschein.

Benedikt XVI. – der Schreibtischtäter

Ad 3)

Über den „Tradismatischen Trientekostalismus“ lesen wir bei kath.net folgendes:

An der Franziskanischen Universität Steubenville (US-Bundesstaat Ohio) habe er eine glückliche Verbindung von charismatischer und traditioneller Religiosität kennengelernt, […]

An der Universität Steubenville verbindet sich das Beste aus beiden Spiritualitäten, schreibt Harrold. Shawn Roberson TOR, der für die Seelsorge an der Universitätskirche zuständig ist, sagte einmal, die Franziskaner-Universität sei im Kern „eine christozentrische Universität“. Sie wolle gute und lebendige liturgische Feiern anbieten, und zwar sowohl im Neuen Ritus, in der traditionellen lateinischen Messe oder im byzantinischen Ritus. Entscheidend sei „die aktive Teilnahme am liturgischen Leben der Kirche“. […]

Obwohl die Punkte 1) bis 3) aus verschiedenen Wirklichkeiten zu stammen scheinen, so sind sie einander in ihrer Skandalträchtigkeit ebenbürtig. Ein von charismatischer Spiritualität beseelter Franziskaner belästigt sexuell und vergewaltigt eine junge Frau, die er zusammen mit einem „im Rom ausgebildeten“ Exorzisten – Pater Clement Machado – angeblich exorzisiert. Das Opfer beschwert sich der Reihe nach allen seinen Vorgesetzten, den Universitäts-Präsidenten Pater Pivonka eingeschlossen, die ihr einreden, dass sie, nicht ihr Vergewaltiger, das Problem habe und sie für ihr Stillschweigen bezahlen.

Derselbe Pater Pivonka, der sich um Einnahmen und Studenten bemüht, veranstaltet ein Symposium zur völlig theoretisch und praktisch gescheiterten Ekklesiologie von good old Benedict, weil er seine konservative Novus Ordo Klientel damit bedienen möchte. Benedikt macht gerne mit, denn es geht ja um ihn und die guten alten Zeiten nach 1946 und so.

Um die noch restgläubigen Katholiken an sich zu ziehen, kreiert man in Steubenville und anderswo irgendwelche Züchtungen aus Pentekostalismus, Traditionalismus und Byzantinismus und weiß der Kuckuck was. So setzt man den verwirrten Menschen etwas vor, um sie noch mehr zu verwirren und anschließend von ihren Seelsorgern im Einklang mit der „charismatischen Spiritualität“ zu missbrauchen/exorzisieren. Das Rad dreht sich und es ist schwierig zu sagen, was früher war: Häresie oder Unsitte, Unsitte oder Häresie, Henne oder das Ei.  DSDZ [der Schreiber dieser Zeilen] fragt sich, ob ihm allein dieser Zusammenhang auffällt und ob nur er allein das zum Weinen und Schreien zugleich findet. Tragik und Komik treffen hier aufeinander und es ist genauso komisch wie es schrecklich ist.

Spirituellen Missbrauch gab es schon immer

Blättert man im Denzinger, so entdeckt man die Konstitution Caelestis Pastor vom 20. Nov. 1687, in der 68 quietistische Irrtümer des Miguel de Molinos verurteilt werden (DH 2201-2269). Da das quietistische Gedanken gut heutzutage dermaßen als angeblich „fromm“ verbreitet ist, dass man diese Sätze als wahr annehmen könnte, so stellen wir ein rotes [Es ist nicht, so dass] davor, um jeden Irrtum auszuschließen.

Liest man diese Sätze genau und ein wenig zwischen den Zeilen, so wird einem klar, dass es bei Molinos und den restlichen Quietisten auch zu sexuellen Übergriffen gekommen sein muss, wenn sie von folgenden Annahmen ausgingen:

[Es ist nicht, so dass]

37. Im Falle von Versuchungen – auch heftigen – darf die Seele keine ausdrücklichen Akte entgegengesetzter Tugenden erwecken, sondern muß in der oben erwähnten Liebe und
Ergebenheit verbleiben. (DH 2237)

[Es ist nicht, so dass]

41. Gott erlaubt und will, um uns zu demütigen und zur wahren Umgestaltung zu führen, daß bei einigen vollkommenen Seelen – auch nicht entrückten – der Dämon ihren Leibern Zwang antut und sie – auch im Wachen und ohne Verdunkelung des Geistes – fleischliche Handlungen begehen läßt, indem er die Hände und andere Glieder von jenen gegen ihren Willen physisch bewegt. Dasselbe gilt auch für andere Handlungen, die an sich sündig sind: in diesem Fall sind es keine Sünden, weil bei ihnen keine Zustimmung vorliegt. (DH 2241)

[Es ist nicht, so dass]

42. Es kann den Fall geben, daß solche Zwänge zu fleischlichen Handlungen zur selben Zeit auf seiten zweier Personen auftreten, nämlich eines Mannes und einer Frau, und seitens beider der Akt folgt. (DH 2242)

Quietismus beruht auf dem Pfeiler der falschen Gnadenlehre, was zu der falschen Spiritualität führt, aus der dann konkrete Taten gegen das Sechste Gebot folgen. Wir wissen zwar nicht, wir Pater David Morrier in Steubenville beim sexuellen Missbrauch argumentiert hat, aber die Argumentation es muss im Kern quietistisch gewesen sein, denn Charismatismus ist Quietismus mit noch anderen Beilagen.

Es ist also nicht erstaunlich, was in Steubenville und woanders passiert, denn in der Geschichte der Kirche ist es schon mehrmals vorgekommen, dass falsche Dogmatik – wie die Ekklesiologie des Vat. II – schlechte Früchte der Spiritualität trägt, die im sexuellen Missbrauch resultieren. Wenn man intellektuell aus dem Ruder gerät, dann anschließend auch moralisch.

Und wem verdanken wir die Theologie des Vat. II? – Unter anderem Benedikt.

Bereut er es? Keine Spur.

Er wird doch bei den Missbrauchsfällen in Steubenville und woanders mit seinem theologischen Früchten konfrontiert, denn diese Leute sind buchstäblich auf seinem theologischen Mist gewachsen und feiern ihn auch heute noch durch verschiedene Symposien. Ein Skandal! Aber die ratzingerianische Ekklesiologie trägt auch weitere faulen Früchte durch den neuen Synkretismus des „Tradismatischen Trientekostalismus“, denn den Traditionalismus nach 2007 verdanken wir auch Benedikt.

Und warum regt sich DSDZ so auf?

Weil er an die Zukunft denkt. Irgendwann in der Zukunft werden gebildete, scharf denkende Theologen (falls es welche geben wird) sich zusammensetzen müssen, um mit dem Vatikanum II im Sinne eines Tridentinums II abzuschließen, wo man dieses misslungene Konzil intellektuell und buchstäblich in die Tonne kloppt und Gott Sühne leistet. Aber wo sollen sie herkommen? Von den katholischen Universitäten? Von den Orden? Aus Rom? DSDZ kann ja nicht alles selber machen. Es gibt niemanden, der im kirchlich-akademischen Feld arbeitet, der nicht mitschuldig und besudelt wäre, wie das jüngste Beispiel aus Steubenville zeigt. Von D-A-CH wollen wir gar nicht er reden, denn hier gibt es nichts.

Entgegen der verbreiteten Vorstellung ist Theologie tatsächlich eine Wissenschaft, wie andere auch, bei der man viele Jahrzehnte lang etwas gelesen, gearbeitet und durchdacht haben muss, um zu konsistenten Lösungen zu kommen und sich diese von kompetenten Fachkollegen durchleuchten zu lassen. Theoretisch dienen katholische Universitäten mit akademischen Theologen dem Zweck die Lehre der Kirche zu verteidigen und nicht zu untergraben. Aber leider nur theoretisch. Deswegen sind die jüngsten Ereignisse

1) Missbrauch in Steubenville,

2) Benedikts Lobpreisungen des Konzils und

3) „Tradismatischer Trientekostalismus“

so traurig, weil sie zeigen, dass alles auf jeglicher Ebene verdorben ist und es keine Hilfe gibt. Gott wird uns nicht retten, wir müssen es selbst tun, denn Menschen haben den kirchlichen Karren in den Dreck gefahren und Menschen müssen ihn wieder herausziehen. Ein Tridentinum II macht sich nicht von selbst.

Ihre Paypal-Spende

Möchten Sie uns unterstützen? Wählen Sie einen Betrag. Bei der Übernahme der Paypal-Gebühren kommt mehr bei uns an. Vergelt’s Gott, wir beten für Sie!

10,00 €

Tradition und Glauben – damit die Kirche wieder schön wird

Weiterlesen für Abonnenten:

Online-Abos

Monatsabo 4,99 € mit 3 Tage Probelesen – Jahresabo 49,99 € mit 7 Tage Probelesen

Kredit- oder Debitkartenzahlung

Offline-Abos

3 Monate 16,99€ 6 Monate 33,99€ 12 Monate 66,99€

Banküberweisung im Voraus

Familien-Abos

Monatsabo 29,99€ Jahresabo 299€

Bis zu 6 Personen, Kredit – oder Debitkartenzahlung

Alle Beiträge, mit Vorlese- und Kommentarfunktion und Print-Möglichkeit!

Mehr Info finden Sie hier und hier

Translate

Werbung

Letzte Beiträge

Letzte Beiträge

Kommentare

Top Beiträge

Hilary White, Vatikan untersucht die Herolde des Evangeliums: eine warnende Erzählung (4 von 5)
Mit Schleier in der Messe. Welche Regeln sind zu beachten?
Sind FSSPX/Neokatechumenat Sekten? Der ultimative Test.
Fäkalientaucher oder der vatikanische Missbrauchsgipfel
27. Januar: Fest des heiligen Bekenner-Bischofs und Kirchenlehrers Johannes Chrysostomus
Kard. Sodano ist Mongolfiera aus Martels „Sodom“

Archive

Gesamtarchiv
Monatsarchive

Beitrag teilen

Werbung

UNSERE pRODUKTE

Werbung

Spenden

Ihre Paypal-Spende

Möchten Sie uns unterstützen? Wählen Sie einen Betrag. Bei der Übernahme der Paypal-Gebühren kommt mehr bei uns an. Vergelt's Gott, wir beten für Sie!

€10,00

Blogstatistik

Kommentar- und Printfunktion nur für Abonnenten.

  • 598.746 Besuche

You cannot copy content of this page

error: Content is protected !!