Unser Archiv: Weibliche Sicht der Liturgie

Traditionelle Messe ist frauenfreundlich (2 von 5): Ich-Kult

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Der Ich-Kult der Moderne

Der Schreiber dieser Zeilen hat in der letzten Zeit erfahren, dass er völlig anders mit der Umwelt kommuniziert als die meisten Menschen seiner Umgebung, vielleicht auch wie die allermeisten Menschen. Dies ist wahrscheinlich immer so gewesen, nur er hatte es nicht bemerkt. Während die Kommunikation seines Umfelds darauf beruht, dass man:

  1. Ausschließlich in der ersten Person Singular spricht, darüber was man erlebt oder empfindet „Ich habe gegessen…es regt mich auf …“.
  2. Diese Aussage immer in Beziehung zu dem Gegenüber oder der Gruppe.

„Also ich habe den Schnee vor meinem Haus weggeschaufelt“.

so lautet der eigentliche Subtext dieser Aussagen immer wie folgt:

„Ich habe/kann etwas, was Du nicht hast/kannst, bäh.“

„Ich bin besser als Du, ätsch“.

Eine jede Aussage dient dazu sich im Kampf um die Selbstbehauptung gegenüber anderen zu positionieren. Allgemeine Aussagen finden überhaupt nicht statt oder werden als eine Positionierung zwecks Überlegenheitsgefühls gewertet, weil man immer davon ausgeht, dass man ständig von sich selbst, nur unter verschiedenen Vorzeichen und unter Zuhilfenahme von verschiedenen Requisiten spricht. So wird der Satz:

A. „Ich habe gestern die 25 Schottischen Lieder von Beethoven gehört.“

wie folgt wahrgenommen:

B. „Ich, Du dummer Depp, habe gestern klassische Musik gehört, weil ich was bin und Du, Du dummer Depp [=ddD] nicht! Ich weiß wer oder was Beethoven ist, was die 25 schottischen Lieder sind, im Gegensatz zu Dir ddD, weil ich nicht dumm bin. Ich reibe es Dir jetzt unter die Nase, um Dich zu demütigen und Dir zu zeigen, wo der Hammer hängt, Du ddD. Und komm mir jetzt gar nicht damit, was Du tust, weil es nicht zählt, ddD…“

Ein jeglicher Satz der Ebene A. wird emotional auf der Ebene B. wie o.a. wahrgenommen, wobei die Faktoren und Konstanten ein wenig variieren. Würde der Satz A. objektivierend lauten:

„Die 25 Schottischen Lieder von Beethoven sind schön [einfach, künstlerisch wertvoll/ dürftig] …“

so wäre die Reaktion auf der Ebene B. gleich, welcher vielleicht die Frage:

„Ist das jetzt eine Prüfung oder was? Ein Test? Soll das heißen, ich bin dumm?“

vorangestellt worden wäre. Da der Schreiber dieser Zeilen fast immer Sätze der Sorte A., manchmal auch in der 1 Singularis von sich gibt, so wunderte es ihn immer, dass Menschen immer wieder in Gesprächen mit ihm aggressiv wurden und ihm an die Gurgel gingen. Die Lösung dieses Problems, zu der er wirklich vor kurzem gelangte, lautet: Sie gingen immer davon aus, dass er von sich selbst sprach, um sich im Positiven oder Negativen ihnen gegenüber zu positionieren. Hatte er denn das tatsächlich getan? Nein, er wollte nur, auf der Objektebene, bspw. über Beethovens Lieder sprechen, über die Sache an sich also, mit jemand, der sich ebenfalls in dieser Materie auskennt, zwecks gegenseitiger Bereicherung. Es scheint aber wirklich, dass 99% aller Menschen anders ticken. Vielleicht ist er also der eigentliche Verrückte, nur er hatte es bisher nicht gemerkt. Je gebildeter die Menschen sind, desto mehr können sie ihren Ich-Kult verschleiern, aber der Subtext der Aussage lautet:

„Ich weiß/kann das, darum bin ich besser…“

„Meiner Meinung nach ist es so und deswegen stimmt es, weil ich es sage…“

bleibt derselbe.

Etwas ist also insoweit gut oder schlecht, inwieweit es einem persönlich zuträglich ist.

„Ich bin das Maß aller Dinge und von mir aus werte ich die Welt auf oder ab“.

Dieses Denken, das wirklich fast alle Menschen prägt, ist dem Schreiber dieser Zeilen sehr schwer zugänglich, da er sich sein ganzes Leben lang an etwas Objektivem ausrichtete und instinktiv wirklich ganz anders handelt. Es gibt etwas außerhalb seiner selbst, es gibt ein Maß da draußen und er ist insoweit gut oder schlecht bzw. gut oder schlecht in etwas, inwieweit er dieses Maß erfüllt oder nicht erfüllt. Es gibt also eine objektive Norm beispielsweise gesangstechnisch die Beethoven-Lieder zu singen und er hat sich an diese Norm zu halten. Er stellt sich demnach nicht die Frage:

„Spricht es mich an?“,

sondern

„Ist es gut? Warum spricht es mich an? Weil es an sich gut ist oder es spricht etwas in mir an, was nur mir eigen ist?“

Somit lautet die Hauptfrage seines Lebens:

„Bin ich objektiv?“

In der nachaufklärerischen Erziehung, die wir alle mehr oder weniger genossen haben, hat man uns eingetrichtert:

„Es gibt keine objektive Wahrheit im Leben. Sonst bist Du Nazi oder Fundamentalist, was das gleiche ist. Es ist totalitär. Es gibt nur Meinungen und wenn Du etwas sagst, dann musst Du ganz deutlich kennzeichnen, dass es nur Deine Meinung ist. Du kannst niemandem Deine Meinung aufzwingen, denn es gibt keine Wahrheit.“

Wir werden diesen Satz philosophisch-metaphysisch an einer anderen Stelle auseinander nehmen, da dieser Beitrag einfach gehalten werden soll. Da man aber die o.a. Sätze immer wieder zu hören bekam, so scheut man sich irgendetwas auf irgendeine Weise klipp und klar zu behaupten, es sei denn man ist Mathematiker oder Logiker auf einer Tagung und alle können den Beweis nachvollziehen. Wenn es also keine Wahrheit an sich gibt, sondern nur Meinungen, dann zählt die Meinung der Mehrheit, nicht weil sie wahr oder wahrer ist, sondern weil es die Mehrheit sagt. Kann sich die Mehrheit irren, z. B. bei der Wahl 1933 im Deutschen Reich? Ja, durchaus, ist nun mal so und wir können es nicht ändern! Wie manipuliert man die Mehrheit? Durch die Propaganda, welche den von den Machthabern gewünschten sensus communis („Trump is dump“, „Rettet die Wale!“) wiedergibt. Wenn der Mensch das wiederholt, was alle um ihn herum wiederholen, so glaubt er nicht zu irren oder wenigstens nicht isoliert zu sein. Die Frage nach dem Richtig oder Falsch, nach dem Ausrichten nach der Wahrheit oder einer Norm stellt sich gar nicht. Hauptsache gewaltfrei, liebe Flüchtlinge! Was hat aber das alles mit der Tridentinischen Messe, mit der Weiblichkeit, dem Ich-Kult oder mit Mary Donellan zu tun?

Falls es wirklich so sein sollte, dass 99,9% aller Menschen ausschließlich nur über sich selbst sprechen, nur verkleidet und in allen Schattierungen, dann ist die Ausklammerung der Wahrheits-oder der Objektivitätsfrage etwas Natürliches, im Sinne der menschlichen Natur, die von der Erbsünde lädiert wurde und die Aussage:

„Ich gehe zur Tridentinischen Messe, weil sie mir gut tut und meine Weiblichkeit/Männlichkeit unterstreicht“

legitim. Sollte es so sein, dass das Objektive etwas ist, was uns wie ein enges Schulkostüm übergestülpt wurde, was wir aber sogleich abstreifen wollen, dann ist der Schreiber dieser Zeilen der eigentliche Verrückte, weil er wirklich nicht so denkt. Er fragt sich:

  • Ist diese Selbstzentriertheit etwas speziell Weibliches?
  • Ist diese Selbstzentriertheit etwas speziell Modern-Nachcartesianisches?
  • Ist diese Selbstzentriertheit etwas, was vom Novus Ordo herkommt?
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